Übergangsrat soll Wahlen aufgleisen
Die Sicherheitslage im Land bleibt derweil dramatisch. Zwar ist seit Ende April ein neunköpfiger Übergangsrat im Amt, der den bisherigen Interimspremier Ariel Henry offiziell abgelöst hat. Doch die Einschwörungszeremonie in Port-au-Prince fand im Geheimen statt, aus Angst vor Angriffen der kriminellen Banden, welche die Hauptstadt faktisch weiterhin kontrollieren.
Der Übergangsrat – eine Frau und acht Männer – repräsentiert Haitis wichtigste politische Parteien sowie die Zivilgesellschaft und Glaubensgemeinschaften. Er wird auch von den USA und der karibischen Gemeinschaft Caricom gestützt und soll ein Kabinett ernennen und Wahlen aufgleisen. Bereits ernannt hat der Rat einen neuen Premierminister, den Entwicklungsexperten und früheren Unicef-Regionaldirektor für Lateinamerika Garry Conille. Vergangene Woche kam auch eine Delegation aus Kenia auf Haiti an, die den Einsatz einer kenianisch geführten Uno-Sicherheitsmission vorbereitet. Bis zu 1000 Polizisten sollen dabei helfen, die Banden zu bekämpfen und die Sicherheitslage im Land zu stabilisieren.
«Es ist weiterhin zu gefährlich, Port-au-Prince zu verlassen», sagt der Koordinator von Fastenaktion.
Tote, Verletzte und Hungernde
Haitis Situation ist seit der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse 2021 noch chaotischer als ohnehin schon. Ende Februar jedoch eskalierte die Lage, als bewaffnete Banden die Macht in der Hauptstadt übernahmen. Ausländische Regierungen haben seither Hunderte ihrer Bürger evakuiert. Allein dieses Jahr wurden 2500 Menschen getötet oder verletzt, rund 1.6 Millionen droht eine Hungersnot.
«Es ist weiterhin zu gefährlich, Port-au-Prince zu verlassen», sagt der Koordinator von Fastenaktion, der in einem Vorort der Hauptstadt lebt und seit Wochen von zu Hause aus arbeitet. Er ist jedoch zuversichtlich, dass sich die Sicherheitslage noch dieses Jahr bessern wird . «Voraussetzung dafür ist, dass der Übergangsrat für Sicherheit im Land sorgt und transparente Wahlen organisieren kann.» Ausserdem werde es substanzielle Wirtschaftshilfe von aussen brauchen – und eine Perspektive für die Menschen. «Die Entscheidungsprozesse im Rat werden sicherlich länger dauern. Aber da alle wichtigen politischen Kräfte darin vertreten sind, besteht Hoffnung, dass bisherige Blockaden überwunden werden können.»
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