Süden von Haiti erneut von Erdbeben heimgesucht

Ein starkes Erdbeben erschütterte den Süden von Haiti am Morgen vom 14. August 2021. Mit einer Magnitude von 7,2 erreicht dieses Beben dieselbe Stärke wie jenes in 2010, welches die Hauptstadt Port-au-Prince und deren Umgebung verwüstete.
Diesmal hat es den Süden von Haiti getroffen – eine Region, die sich noch immer nicht ganz erholt hat von der Beschädigung des Hurrikans Matthew im Jahr 2016. Fastenaktion und Partnerorganisationen helfen nachhaltig.

Ein Kommentar von Leon Jander, Landesprogramm Haiti

Der Verlust von Menschenleben sowie die Materialbeschädigung dieses Erdbebens scheinen beträchtlich, wie eine provisorische Bilanz zeigt. Die betroffenen Regionen sind weit verstreut und einige kaum zugänglich. Berichte von einzelnen grossen Städten, wie Jörémie und Les Cayes, zeigen die Not der ländlichen Bevölkerung, welche in den Bergen verharrt, ohne Zugang zu Strassen und mit extrem eingeschränkter Kommunikation. In einer Periode, die sowieso schon betroffen ist von Hurrikans, starken Windböen und heftigem Regen, hat das Erdbeben die Situation zusätzlich verschlimmert und somit das Leben der über 15000 obdachlosen Familien.

Trotz der chaotischen Situation kann gesagt werden, dass aus vergangenen humanitären Krisen eine wichtige Lektion gelernt wurde. Die Regierung hat, andere wichtige Themen aussen vor lassend, kurzerhand die Koordination vor Ort übernommen.

Fastenaktion unterstützt die Prävention

Die Einsatzzonen der Partnerorganisationen von Fastenaktion sind von dieser Katastrophe verschont geblieben, da sie sich im Nordwesten des Landes befinden. Dennoch zeigt das Erdbeben auf, wie zentralisiert die Politik im Land ist und wie fest Investitionen in Randregionen vernachlässigt werden. Das Fehlen und die Wichtigkeit einer holistischen Entwicklung, welche die betroffene Bevölkerung mit einbezieht, wird damit unterstrichen. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn die Regierung und die Administration keine Kapazitäten haben, sich Aufgaben mit derartiger Wichtigkeit zu stellen.

Fastenaktion und Partnerorganisationen unterstützen die ländlichen Gemeinschaften auf deren Weg zur Selbständigkeit. Erst dadurch können sie ein würdevolles Leben führen und sich eigenständig schützen vor den Folgen des Klimawandels. Somit tragen die Partnerorganisationen bei zur Stärkung der Wiederstandfähigkeit der Gemeinschaften. Ziel davon ist, dass sie ihre Bedürfnisse trotz fehlender Staatshilfe decken können.

Unsichere politische Situation

Seit 2018 befindet sich Haiti in einer politischen und sozialen Krise. Bewaffnete Gruppen kontrollieren einen grossen Teil der peripheren Quartiere, insbesondere den Ausgang der Hauptstadt, was die Versorgung dieser Regionen erschwert. Die Ermordung des Präsidenten Jovenel Moïse vom 7. Juli ergänzt die lange Liste der Instabilitäten und Besorgnissen der Haitianerinnen und Haitianer. Dies schwächt die Institutionen und verlangsamt den Service für die Bevölkerung zusätzlich.

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Ein starkes Erdbeben verschlimmert die sowieso schon prekäre Situation in Haiti.

Der gewaltsame Tod von Präsident Jovenel Moïse und die dramatische Situation im Land gingen weltweit durch die Presse. Doch die Fastenaktion Partnerorganisationen in Haiti kämpfen seit Jahren gegen chaotische und gefährliche Zustände.

Nach dem Mord an Präsident Moïse standen die Partnerorganisationen unter Schock und waren entsetzt über die gewaltsame Tat durch ein ausländisches Kommando. Ihre Reaktion darauf: «Wir sind machtlos, dennoch geht die Arbeit weiter. Wir haben schon vor langem gelernt, auch in Ausnahmesituationen zu funktionieren. Wir leben mit Krisen und Katastrophen.» Der getötete Präsident Jovenel Moïse kann gewissermassen als Opfer des von ihm praktizierten, aus dem Ruder gelaufenen Systems bezeichnet werden.

 

Gefährliche und chaotische Zustände

Nicht erst seit seinem gewaltsamen Tod haben die Vertreter*innen der Fastenaktion Partnerorganisationen in Haiti mit den gefährlichen und chaotischen Zuständen zu kämpfen. Bereits seit Wochen ist die Nationalstrasse, die in den Süden des Landes führt und eine der wichtigsten Verbindungsstrassen ist, durch Bandenkriege blockiert und nur unter akuter Lebensgefahr passierbar. Die Politik ist hilflos und untätig. Gleichzeitig zeigt die rasche Verhaftung der möglichen Mörder von Präsident Moïse, dass die Institutionen ihre Arbeit durchaus machen können. Doch nach wie vor ist unklar, wer die Strippenzieher waren, wer die Söldner bezahlt hat, die möglicherweise nicht einmal wussten, wen sie umgebracht haben.

 

Rivalisierende Gangs

Seit über einem Monat kann an den Treibstoffstationen kein Benzin mehr gekauft werden. Einzig im Strassenhandel gibt es Benzin zu überteuerten Preisen, das entweder verdünnt oder gepanscht wird. In den Quartieren der Hauptstadt Port-au-Prince rivalisieren die Gangs untereinander. Sie kontrollieren die Quartiere, entführen Menschen und verlangen für sie exorbitant hohe Lösegelder. Die Familien der Entführungsopfer stammen mehrheitlich aus der Mittelschicht, aber auch aus ärmeren Familien. Durch das Zahlen der hohen Lösegeldforderungen verlieren sie ihre Lebensgrundlage und verarmen. Viele Gangmitglieder haben, insbesondere während den Wahlen, ihre Dienste als Sicherheitskräfte an Politiker verkauft. Auch wenn die Unruhen sich auf die Hauptstadt Port-au-Prince beschränken, betrifft die Situation die Menschen im ganzen Land. Gerade auch, weil Haiti ein sehr zentralisiertes Land ist. Die Bäuerinnen und Bauern aus dem Landesinnern sind durch die sporadisch blockierten Strassen stark eingeschränkt. Um ihre Lebensmittel in der Stadt zu verkaufen, müssen sie eine komplizierte, oftmals auch gefährliche Reise auf sich nehmen. Sie kommen erst nach Tagen in der Hauptstadt an, in der Zwischenzeit verderben die Lebensmittel.

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Das Sparofenprojekt in Kenya trägt Früchte. Weniger Emissionen für die Umwelt und mehr Lebensqualität für die Bevölkerung gehören zum Erfolg des Projekts. Es wurde initiiert der Fastenaktion und wird durchgeführt von der Diözese Kitui in Kenya.

In den ländlichen Gebieten Kenyas kochen die Frauen auf offenen Feuerstellen. Das birgt Risiken für die Gesundheit und Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner. Viele Menschen, vor allem Kinder, sind von Rauchvergiftungen, Verbrennungen und Atemwegerkrankungen betroffen. Aber auch das Klima leidet unter dieser traditionellen Kochart, die viel Rauch produziert und somit die Luft verschmutzt. Zudem wird viel abgeholzt in einer Region, wo Feuerholz ein rares Gut ist – Übernutzung und Klimawandel haben ihre Spuren hinterlassen.

Effiziente Sparöfen als Lösung

Handwerkerinnnen und Handwerker bauen Öfen mit lokal vorhandenen Materialien: Das Projekt, welches den lokalen Arbeitsmarkt in Kenya unterstützt, ist eine Bereicherung für die Familien. Im Gegensatz zum Kochen am offenen Feuer brauchen die geschlossenen Kochherde weniger Holz zum Kochen und können somit viel Geld sparen. Auch kann durch die Öfen viel Zeit eingespart werden, weil die weiten Wege zur Holzbeschaffung weniger oft gegangen werden müssen. Die gesparten Ressourcen werden investiert, zum Beispiel in Saatgut, welches zu mehr Ernte, mehr Ertrag und dementsprechend besseren Lebensverhältnissen führt. Auch die Sicherheit ist gewährleistet. Die energieeffizienten Kochöfen produzieren viel weniger Rauch, was der Gesundheit und Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohnern, sowie dem Klima zu Gute kommt. Sowohl durch die geringere Rauchproduktion wie den geringeren Bedarf an Holz kann viel CO2 kann eingespart werden. Weniger Holzverbrauch bedeutet auch weniger Abholzung, was wiederum mehr Bäume für die lebensnötige Photosynthese übriglässt. Dadurch wird die Umweltverschmutzung reduziert.

Mann und Frau beim Ofenbau

Ganz nebenbei tragen die Öfen auch zu mehr Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen bei, denn das Projektteam der Diözese Kitui bildet sowohl Männer wie Frauen darin aus, selbständig Öfen zu bauen und so ein regelmässiges Einkommen zu gewinnen. «Die Öfen schaffen eine gute Umwelt und mehr Lebensqualität für die Menschen», so Mary Mulinga, die seit sieben Jahren mit ihrem Mann zusammen Öfen baut.

Den eigenen CO2-Verbrauch kompensieren 

Das energiesparende Projekt der Diözese Kitui wird inzwischen zum Teil über die Klima-Kollekte finanziert.  Falls Sie ihre Heizung, Veranstaltungen, Flüge oder ihren Transport allgemein kompensieren möchten, können Sie dies über diese kirchennahe Organisation tun – und damit das Projekt unterstützen. Auch Fastenaktion kompensiert seinen CO2-Verbrauch über die Klima-Kollekte.

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Menschenrechte bleiben zentrales Thema für Fastenaktion

Vor 10 Jahren, am 16. Juni 2011, wurden am Uno-Menschenrechtsrat die Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte verabschiedet. Es wurde zum ersten Mal international bestimmt, dass Unternehmen eine Verantwortung für die Respektierung der Menschenrechte haben. Die Erwartungen – auch der Fastenaktion – waren gross.

Regelmässig konfrontiert mit den zerstörerischen Auswirkungen von wirtschaftlichen Grossprojekten in unseren Projekten, begrüsste Fastenaktion damals die Uno-Leitlinien. Wir hofften, dass sich durch die Umsetzung der Leitlinien in den Staaten, wo die Konzerne ihren Sitz haben, die Situation vieler armer Menschen im Süden verbessern würde. In der Schweiz begann Fastenaktion – zusammen mit andern Organisationen – einen Dialog mit den Behörden rund um die Umsetzung der Leitlinien. Allerdings zeigte sich schnell, dass Verwaltung und Politik hierzulande in keiner Weise bereit waren, die Leitlinien über freiwillige Standards hinaus zu konkretisieren.
 
Ernüchtert, weil der Dialog mit der Schweizer Regierung nicht vom Fleck kam, lancierte Fastenaktion mit zahlreichen anderen Organisationen daraufhin die Konzernverantwortungsinitiative. Das Abstimmungsresultat vom November 2020 ist bekannt: Das Volk sprach sich mehrheitlich für die Initiative aus, die Stände mehrheitlich dagegen. Durchgesetzt hat sich ein Gegenvorschlag, der weder der Problematik noch der internationalen Entwicklung gerecht wird. Das neue Gesetz wird nun durch die vom Bundesrat vorgeschlagene Verordnung gar noch weiter abgeschwächt.
 
Während die Schweizer Regierung auf wirkungslose Konzepte setzt, gehen andere Länder voran: In den letzten Monaten wurden in Norwegen, Belgien und den Niederlanden konkrete Gesetzesentwürfe diskutiert, die Regierungskoalition in Deutschland hat sich auf ein Lieferkettengesetz geeinigt, in Frankreich besteht seit mehr als drei Jahren ein entsprechendes Gesetz und auf EU-Ebene ist eine Gesetzesvorlage in Verhandlung. Die Uno macht ebenfalls vorwärts mit der Erarbeitung eines neuen Abkommens, mit dem die Wirtschaft nun verbindlich in die Verantwortung genommen werden soll.
 
Zehn Jahre nach der Verabschiedung der Uno-Leitlinien ist in der Schweiz fast nichts geschehen. Für Fastenaktion, das sich für die Rechte der Menschen im globalen Süden einsetzt, war die Abstimmung über die Konzernverantwortungsinitiative deshalb kein Schlusspunkt. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass Konzerne für die Schäden, die sie verursachen, geradestehen müssen – und dies weltweit.Solange die Menschen, mit denen wir arbeitenm, regelmässig berichten, dass sie keine Mitsprache bei Bergbauprojekten oder grossen Staudämmen in ihrer Region habenn, dass ihr Wasser oder ihre Böden vergiftet oder sie gar gewaltsam von ihrem Land vertrieben werden, bleiben wir dran.   

Daniel Hostettler, Leiter Internationale Programme, Fastenaktion

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Es regnet nicht im Süden von Madagaskar. Dies ist ein grosses Problem für die Bevölkerung des Inselstaats, eines der ärmsten sowie am stärksten vom Klimawandel betroffenen Ländern der Welt.

Vier von fünf Personen leben unter der Armutsgrenze. Die derzeitige Trockenzeit verschlimmert die Situation stetig. Kein Regen bedeutet ein enormer Wassermangel in einem Land, wo sowieso nur eine von drei Personen Zugang zu sauberem Trinkwasser hat. Zudem trocknen die Felder aus, was zu extremen Ernteverlusten führt und die limitierte Produktion der Lebensmittel lässt die Preise steigen. Die Folgen liegen auf der Hand: Hunger, Mangelernährung, Krankheiten, Todesfälle.

Schlechte Prognose

Knapp die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner des südlichen Madagaskars leben in Ernährungsunsicherheit, 14 000 Personen davon befinden sich in einer katastrophalen Situation. Dieser Zustand droht sich zu verschlimmern und bis mindestens Ende Jahr anzudauern. Vermehrt verkaufen Familien ihre Rinder und Schafe sowie Küchenutensilien, um mit dem geringen Erlös immerhin ein bisschen Reis oder Linsen zu erwerben. Diese Notreaktion hat jedoch gravierende Folgen für ihre Zukunft, da sie plötzlich mit ganz leeren Händen dastehen.

Klimagerechtigkeit – jetzt!

Die prekäre Lage in Madagaskar ist ein Beispiel für die Auswirkungen des Klimawandels. Lange Trockenzeiten, geringere Ernteerträge, Sandstürme – Katastrophen, für die wir mitverantwortlich sind, sie jedoch nicht selbst tragen müssen. Nebst den klimawandelbedingten Veränderungen hat Covid-19 die Inflation vorangetrieben und die Arbeitslosenquote ist in die Höhe geschnellt.

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Samrat Katwal ist Koordinator der Fastenaktion für die Projekte in NepalSamrat Katwal ist Koordinator der Fastenaktion für die Projekte in Nepal

Vor wenigen Wochen sah es in Nepal noch ganz aus, dass die Pandemie das Land nicht so hart treffen würde. Doch nun, Mitte Mai, erzählt Fastenaktion- Koordinator Samrat Katwal im Interview, wie schlimm das Virus mittlerweile wütet.

Wie präsentiert sich die Lage derzeit in Nepal?

Die zweite Welle hat das Land schwer erwischt. Am 12. April verzeichneten wir noch 303 neue Ansteckungen pro Tag, nun sind es täglich mehr als 9000. Über 4’000 Menschen haben ihr Leben verloren. Schätzungsweise 80’000 Menschen befinden sich in Quarantäne.  Experten warnen vor einem Anstieg der Todesfälle in den kommenden Wochen, da das Gesundheitssystem komplett überfordert ist. So ist in der Hauptstadt Kathmandu den meisten Krankenhäusern der Sauerstoff ausgegangen und Patienten werden abgewiesen. Mit dem Beginn des erneuten Lockdowns Ende April waren die Menschen gezwungen, in überfüllten Bussen zurück in ihre Dörfer fahren. Das leistet der Ausbreitung der Pandemie in abgelegenen Dörfer ohne medizinische Versorgung Vorschub.. Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht, da weniger als zwei Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft sind. Zudem wird das Land von einer politischen Krise erschüttert, nachdem der Premierminister Khadga Prasad Sharma Oli eine Vertrauensabstimmung im Repräsentantenhaus verloren hat und nur noch als Übergangspremier weiterregieren darf.

Gab es in Nepal je eine vergleichbare gesundheitliche Krise?

Zwar kennt fast jede Region Nepals Sagen über eine unbekannte Krankheit, die eine ganze Siedlung ausgelöschte. Und wir kennen Infektionskrankheiten wie Cholera, woran 2009 über 500 Menschen starben. Daneben  gibt es saisonale Ausbrüche von Magen-Darm-Infektionen, Typhus, Malaria, Grippe, Japanische Enzephalitis und Hepatitis A. Doch eine Pandemie in diesem Ausmass gab es in Nepal noch nie.

Kann die Projektarbeit unter diesen Umständen fortgesetzt werden?

Sowohl die Verantwortlichen der Projekte wie die Koordinationspersonen der Fastenaktion haben  enge Freunde oder Familienmitglieder, die an Covid-19 erkrankt sind. Glücklicherweise sind die meisten von ihnen bereits wieder auf dem Weg der Besserung.

Unsere Priorität bleibt die Sicherheit der Mitarbeitenden und der Menschen in den Projekten. Generell können wir jedoch feststellen, dass Projekte in den abgelegenen Teilen Nepals ihre Aktivitäten aufrechterhalten können unter Einhaltung der entsprechenden Vorsichtsmassnahmen. Nur die Partnerorganisationen in der Hauptstadt in der Hauptstadt müssen sich jedoch auf virtuelle Mittel beschränken.

In Regionen, die besonders von der Pandemie betroffen sind, arbeiten die Projekte eng mit den lokalen Behörden, um diese bei der Bewältigung der Pandemie zu unterstützen. Während der ersten Welle im vergangenen Jahr haben sie unter anderem telefonische Beratung für Opfer häuslicher Gewalt angeboten und die Menschen für die Hygienemassnahmen und das Maskentragen sensibilisiert. Dieses Jahr schlägt die Pandemie aber viel stärker zu und gleichzeitig müssen viele Gemeinden sparen, was die Partner mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert.

Sind Impfprogramme gestartet, sind diese ein Ausweg aus der Pandemie?

Nepal hat seine Impfkampagne am 27. Januar gestartet, mit dem von Indien hergestellten Impfstoff Covishield vom Typ AstraZeneca. Die Kampagne startete mit einer Million Impfdosen, die Indien zur Verfügung gestellt hatte. Kurz darauf wurden von der Regierung zwei weitere Millionen Dosen gekauft. Davon wurde eine Million geliefert und in alle Distrikte Nepals verteilt und verimpft. Doch nach dem rasanten Anstieg der Ansteckungen, hat Indien den Export von Covishield gestoppt. Es ist fast unmöglich, weiteren Impfstoff einzuführen. Die restlichen bezahlten Dosen wurden immer noch nicht geliefert. Das führt natürlich zu einer grossen Ungewissheit bei den Menschen und selbst die Regierung weiss nicht, wann für alle eine zweite Dosis erhältlich sein wird.

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Tobias Buser ist bei Fastenaktion verantwortlich für die Programme in Indien und Madagaskar.

Indien fehlt es an Sauerstoff, Krankenhausbetten und medizinischer Versorgung. Tausende Menschen sterben täglich. Die indische Corona-Variante ist hochansteckend. Unser Programmverantwortlicher Tobias Buser hat mit Menschen vor Ort gesprochen. 

Wie kommt ihr mit der Situation zurecht, wie geht es euch?

Da sich Indien in einem Zustand des totalen Chaos und der Angst befindet und verschiedene lokale Lockdowns verhängt wurden, fällt es uns allen schwer, uns von der allgemeinen Aufregung und der offensichtlichen Krise nicht anstecken zu lassen. Im Vergleich zur ersten Welle, bei der wir und unsere Familien keine Covid-19-Todesfälle zu beklagen hatten, sind jetzt Menschen aus dem Umfeld von Projektmitarbeitenden an der mutierten Virusvariante gestorben. Glücklicherweise haben sich die Mitarbeitenden selbst und die Gemeinschaften der Adivasi und Dalit, mit denen sie arbeiten, bis jetzt nicht angesteckt. Sie haben den Mut nicht verloren und Zähigkeit bewiesen, indem sie die Projektarbeit per Handy weiterführen, wo der direkte Kontakt aufgrund von Lockdowns nicht möglich ist.

Wie kann die Projektarbeit unter diesen Umständen fortgesetzt werden?

Aufgrund strenger Reisebeschränkungen konnten sich die Organisationen des Landesprogramms Indien nicht mehr auf regionaler Ebene  in Netzwerken von 20-30 Dörfern treffen. Die Projektverantwortlichen waren deshalb gezwungen, die Vernetzung der Solidaritätsorganisationen auf 5-10 Dörfern zu beschränken. Das erlaubt ihnen, die Arbeit innerhalb der behördlichen Richtlinien fortzusetzen. Diese kleinen Netzwerke, die im letzten Jahr während der ersten Pandemiewelle aus der Not heraus ins Leben gerufen wurde, arbeiten gut, und wir erreichen unsere Zielgruppen nach wie vor. Einfach weniger Personen aufs Mal. Trotz der absoluten Unsicherheit und des fragilen Gesundheitssystems im Land haben die Partnerorganisationen mutig weitergemacht. Da der Empowerment-Prozess, welcher die Netzwerke fördert und stärkt, hauptsächlich von Animatorinnen und Animatoren getragen wird, die entweder selber aus den Dalit- oder Adivasigemeinschaften kommen oder diese sehr gut kennen, wurde die Projektarbeit bisher kaum beeinträchtigt. Bereits vor der Pandemie haben wir uns darauf konzentriert, starke Führungspersonen direkt aus den Zielgruppen heraus aufzubauen. Und nun sind sie es, die im Landesprogramm für eine reibungslose Kontinuität der Projektarbeit auf Dorfebene sorgen.

Im globalen Norden ist die Impfung gegen Covid-19 das alles bestimmende Thema. Ist das bei den indigenen Gruppen der Adivasi und Dalit auch so?

Die Ungewissheit über die Nebenwirkungen und die öffentlich gewordenen Fälle über Komplikationen nach der Impfung führen unter den Partnerorganisationen und der Zielbevölkerung zu Skepsis. Abgesehen davon herrscht hier zurzeit Impfstoffknappheit, und es sieht nicht danach aus, als würde sich die Situation in absehbarer Zeit verbessern.

Der Glaube der Adivasi und Dalit an die traditionelle Kräutermedizin und das Vertrauen in die traditionellen Heiler/innen führt aus ihrer Sicht zu einer Stärkung des Immunsystems und schützt sie so ausreichend vor dem Virus. Die Menschen in unseren Zielgruppen zeigen zum jetzigen Zeitpunkt wenig Bereitschaft, sich impfen zu lassen.

Was fehlt und was braucht es am dringendsten?

Der Zugang zur medizinischen Grundversorgung hat für sie oberste Priorität. Da das Gesundheitssystem aktuell völlig zusammengebrochen ist, sterben viele Menschen an eigentlich einfach zu behandelnden Krankheiten, weil sie keinen Zugang zu einer Behandlung oder zu Medikamenten haben. Zudem wäre es für Arbeit, die Schule und die Familie dringend nötig, dass die Bewegungsfreiheit wieder ausgedehnt wird.

Wie sieht es mit Nahrung und Arbeit aus? Wie können die Menschen ihren Lebensunterhalt in der Pandemie sichern?

Die Lockdowns und die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit im ganzen Land haben die meisten Erwerbsmöglichkeiten für die Menschen, mit denen wir arbeiten, zum Erliegen gebracht – zum Beispiel staatliche Arbeitsbeschaffungsprogramme. Doch da wir den Fokus in den letzten Jahren konsequent auf die Landwirtschaft zur Selbstversorgung gelegt haben, kommt uns das nun zugute. Die Gemeinschaften konnten ihre grundlegende Ernährung während der Pandemie sicherstellen. Zudem haben die Partnerorganisationen in der Pandemie die Zusammenarbeit mit ihren jeweiligen Distrikt- und Gesundheitsverwaltungen verstärkt, um die Verteilung von Reis, Nahrungsmitteln, Masken und Medikamenten und anderen lebenswichtigen Dingen an die Gemeinschaften zu unterstützen.

Hat es in Indien schon einmal eine ähnliche Katastrophe im Bereich der öffentlichen Gesundheit gegeben?

Zwar gab es in der Vergangenheit Naturkatastrophen und Unglücke, aber eine landesweite Katastrophe in diesem Ausmass hat es in Indien seit der Unabhängigkeit noch nie gegeben.

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Es regnet nicht im Süden von Madagaskar. Dies ist ein grosses Problem für die Bevölkerung des Inselstaats, eines der ärmsten sowie am stärksten vom Klimawandel betroffenen Ländern der Welt.

Vier von fünf Personen leben unter der Armutsgrenze. Die derzeitige Trockenzeit verschlimmert die Situation stetig. Kein Regen bedeutet ein enormer Wassermangel in einem Land, wo sowieso nur eine von drei Personen Zugang zu sauberem Trinkwasser hat. Zudem trocknen die Felder aus, was zu extremen Ernteverlusten führt und die limitierte Produktion der Lebensmittel lässt die Preise steigen. Die Folgen liegen auf der Hand: Hunger, Mangelernährung, Krankheiten, Todesfälle.

Schlechte Prognose

Knapp die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner des südlichen Madagaskars leben in Ernährungsunsicherheit, 14 000 Personen davon befinden sich in einer katastrophalen Situation. Dieser Zustand droht sich zu verschlimmern und bis mindestens Ende Jahr anzudauern. Vermehrt verkaufen Familien ihre Rinder und Schafe sowie Küchenutensilien, um mit dem geringen Erlös immerhin ein bisschen Reis oder Linsen zu erwerben. Diese Notreaktion hat jedoch gravierende Folgen für ihre Zukunft, da sie plötzlich mit ganz leeren Händen dastehen.

Klimagerechtigkeit – jetzt!

Die prekäre Lage in Madagaskar ist ein Beispiel für die Auswirkungen des Klimawandels. Lange Trockenzeiten, geringere Ernteerträge, Sandstürme – Katastrophen, für die wir mitverantwortlich sind, sie jedoch nicht selbst tragen müssen. Nebst den klimawandelbedingten Veränderungen hat Covid-19 die Inflation vorangetrieben und die Arbeitslosenquote ist in die Höhe geschnellt.

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Für Fastenaktion steht fest: Bei Armut, Menschenrechten und dem Klimawandel muss die Kirche ihre Stimme erheben. Geschäftsleiter Bernd Nilles spricht über die Weniger-Fleisch-Kampagne, die Allianz «Gleichwürdig katholisch» – und wie er ausgerechnet im Corona-Jahr finanziell erfolgreich war.

Raphael Rauch: Vorletzte Woche tagte der Stiftungsrat der Fastenaktion. Wurden Sie für Ihr Engagement in der Konzernverantwortungsinitiative (KVI) gelobt oder gerügt?

Bernd Nilles: Der Stiftungsrat hatte dieses Engagement 2014 beschlossen und bereits damals festgehalten: Es wird schwer zu gewinnen – und so ein Engagement wird zu Diskussionen führen. Es steht aber zugleich mit den Werten und dem Auftrag der Fastenaktion in Einklang und ist wichtig für den Schutz der Menschenrechte. Schon letzten Dezember hat sich der Stiftungsrat bei allen Mitarbeitenden für den grossen Einsatz bedankt. Das Volksmehr zeigt, dass das Anliegen der Initiative eine breite Unterstützung geniesst. Durch unser Engagement war es möglich, die Anliegen unserer Partner im Süden in die Öffentlichkeit zu bringen.

Fastenaktion ist per se politisch. Gibt es künftig trotzdem eine Kurskorrektur oder sagen Ihre Gremien: «Weiter so!»?

Die Kampagne zur KVI gehört zu den grössten politischen Engagements der Fastenaktion in seiner 60-jährigen Geschichte. Dafür braucht man einen langen Atem, ein professionelles Team, Ressourcen und starke Bündnisse. Deshalb kann es kein «weiter so» auf allen Eben geben. Was aber weiter geht, ist unsere fachliche Arbeit zu Menschenrechtsverletzungen unter anderem im Rohstoffsektor.

Das heisst?

Wir werden auch in Zukunft Fälle aufdecken, Fehlverhalten anklagen und den Opfern helfen. Auch werden wir weiterhin auf einen besseren rechtlichen Schutz vor Menschenrechtsverletzungen durch Konzerne drängen. Der Gegenvorschlag des Bundesrats ist zu schwach. Er hilft den Betroffenen zu wenig, verhindert Straftaten nicht und wird in wenigen Jahren europäischen und internationalen Standards nicht genügen.

Würden Sie mit dem Wissen von heute etwas anders machen?

Wir reflektieren ständig unsere Arbeit – so auch nach der KVI-Kampagne. Uns ist es einerseits gelungen, viele Menschen und kirchliche Gruppen zu mobilisieren, andererseits wurde die KVI-Frage zu stark zu einer Glaubensfrage hochstilisiert. Übrigens von den Gegnern der Kampagne mehr als von den Initianten. Fastenaktion hat dies nicht gemacht, aber für einige Gläubige fühlte es sich so an. Sollte sich jemand unter Druck gesetzt gefühlt haben, so bedauere ich dies.

Sie waren am Abstimmungssonntag prominent im SRF-Fernsehen zu sehen. Hat Fastenaktion durch die KVI-Kampagne an Profil gewonnen?

Wir sehen seit 2020 einen deutlichen Trend hin zu mehr Bekanntheit. Da war zum einen die Corona-Krise, in der wir weltweit sehr effizient helfen konnten. Dann das KVI-Engagement, das im zweiten Halbjahr 2020 sehr viel Medienaufmerksamkeit erfuhr. Ja, wir waren im Fernsehen, in Zeitungen und bei Veranstaltungen präsent. Und zuletzt hat auch die Ökumenische Kampagne für mehr Klimagerechtigkeit hohe Aufmerksamkeit erhalten. Alles in allem zeigt die jährliche Omnibus-Umfrage für uns steil nach oben: Während sich 2019 noch 29% der Bevölkerung an Fastenaktionaktionen erinnerten, waren es 2020 bereits 44% und 2021 dann 48%. Eine Entwicklung, die uns sehr motiviert.

Viele Bauern haben sich über die Weniger-Fleisch-Kampagne zur Fastenzeit aufgeregt. War das Thema in den Gremien?

Vor allem bei den Fleisch produzierenden Bäuerinnen und Bauern aus dem Kanton Luzern stiess das Plakat auf Kritik. Viele Leute schrieben uns zugleich, wie mutig wir seien und wie gut das Plakat ein globales Problem auf den Punkt bringe. Ich gebe zu, das Plakat war sehr zugespitzt – aber angesichts der Klimakrise war es angemessen. Es war aber nicht eine Weniger-Fleisch-Kampagne, sondern eine Kampagne für Klimagerechtigkeit, die auch andere Aspekte unseres Konsums und dessen Auswirkung auf das Klima beleuchtet hat. Das Thema Klimagerechtigkeit wird uns auch in den nächsten drei Jahren während der Fastenzeit begleiten. Denn die Menschen sind weltweit massiv vom Klimawandel betroffen. Vor allem die Ärmsten, obwohl sie am wenigsten dazu beigetragen haben.

Die Bischöfe unterstützen über die Kommission «Justitia et Pax» das Ja zum CO2-Gesetz. Aus Sicht der Fastenaktion ist diese klare Parteinahme erfreulich. Hat Sie das überrascht?

Das hat mich sehr gefreut. Es ist ein klares Signal, dass die katholische Kirche sich zu wichtigen Zukunftsfragen nicht den Mund verbieten lässt. Als Fastenaktion hatten wir bereits die Ja-Parole zum CO2-Gesetz gefasst und setzen uns für ein Ja ein. Wenn wir nicht massiv mit unserem CO2-Ausstoss runter gehen, gefährden wir Menschenleben weltweit.

Was steht dieses Jahr sonst noch an?

Am 10. September wollen wir unser 60-Jahr-Jubiläum feiern und hoffen sehr, dass dies trotz Corona möglich sein wird. Dabei werden wir mit Gästen aus Kirche, Politik und Entwicklungszusammenarbeit sowohl die bewegte Geschichte der Fastenaktion und die Armutsbekämpfung im globalen Süden würdigen wie auch einen Blick in die Zukunft wagen.

Als Sie Fastenaktion übernommen haben, gab es tiefrote Zahlen. Wie sehen die Zahlen jetzt aus?

In meinem ersten Jahr 2017 lag das Defizit bei über 3 Millionen. 2018 sah es auch nicht besser aus. Wir haben im Kern vier Dinge auf den Weg gebracht. Wir haben uns einen Sparkurs verordnet, unser Fundraising weiterentwickelt, Fastenaktion intern agiler gemacht und auf mehr Sichtbarkeit gesetzt. Diese Kombination hat sich ausgezahlt und das Team ist diesen Weg erfolgreich mitgegangen. 2019 haben wir mit einem ausgeglichenen Budget abgeschlossen und 2020 erstmals wieder einen Überschuss erzielt, der es uns ermöglicht, viele Projekte weltweit zu finanzieren.

Wie haben Sie die Konsolidierung geschafft – trotz Corona?

Gerade die Agilität des Teams hat sich während der Corona-Krise ausgezahlt. Stellen Sie sich vor: Die Kirchen sind zu, es gibt keine Kollekten. Da fehlen auf einen Schlag drei Millionen Franken. Wir mussten uns anpassen und die Spenderinnen und Spender auf neuen Wegen erreichen. Zudem hat sich unsere starke Sichtbarkeit ausgezahlt. 2020 haben zusätzlich zu unseren treuen 40’000 Spenderinnen und Spendern weitere 8’000 Menschen Fastenaktion erstmals direkt gespendet. Aber dieses Jahr sind bereits weitere 4’000 Menschen hinzugekommen. Ein grossartiger Erfolg.

Sie gehen bei der neuen Allianz «Gleichwürdig katholisch» einen Mittelweg: Sie werden nicht Mitglied, unterstützen die Allianz aber trotzdem. Wie genau sieht Ihre Unterstützung aus?

Wir sind mit vielen kirchlichen Partnerorganisationen weltweit vernetzt. Viele setzen sich für strukturelle Veränderungen in der Kirche ein, damit die Kirche sich effizienter und glaubwürdiger für die Rechte der Schwächsten und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen kann: etwa mehr Verantwortung für Laien und Frauen. Mehr Partizipation. Mehr Synodalität. Eine lebendige Kirche. Diese Anliegen sind auch Fastenaktion wichtig. Deshalb haben wir eine Mitarbeiterin beauftragt, sich bei der Allianz «Gleichwürdig katholisch» beratend zu engagieren und dabei vor allem weltkirchliche Fragen und Dynamiken einzubringen. Beim letzten Treffen der Allianz hat sie über die Reformdynamik in Lateinamerika und die Folgen der Amazonas-Synode berichtet.

Die Schweizer Botschaft in Lima hat Alarm geschlagen: Nicht nur Brasilien versinkt wegen Corona im Chaos, sondern viele lateinamerikanische Länder. Fastenaktion ist keine Katastrophenhilfe. Können Sie aber trotzdem was tun?

Fastenaktion ist primär kein Werk humanitärer Hilfe, ist aber seit Jahren damit konfrontiert, dass es in den Ländern unserer Partnerorganisationen Katastrophen gibt. Dies erfordert rasches Handeln. Wir finanzieren daher immer wieder auch Nothilfeprojekte. Wir haben mit unseren Partnerorganisationen Präventionsmassnahmen eingeführt und Gelder umgewidmet, um beispielsweise Masken oder Hygienemittel zu kaufen.

Auf den Philippinen oder in Guatemala mussten wir auch kurzfristige Nahrungsmittelhilfe leisten, weil entweder lokale Märkte geschlossen waren oder die Menschen vor Ort keine Nahrung mehr produzieren konnten. Aktuell ist die Lage in Lateinamerika alarmierend, aber in Indien und Nepal ist die Situation äusserst Besorgnis erregend. Fastenaktion prüft in all seinen Programmen, welche Unterstützung dem jeweiligen Kontext am besten entspricht – und setzt das flexibel mit den Partnern um.

Quelle: Katholisches Medienzentrum kath.ch

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Corona hat die Sterblichkeit, das Leiden und die Ungerechtigkeit weltweit erhöht. Unterstützung, die schon vor Ausgangssperren, Schulschliessungen und anderen einschränkenden Massnahmen wichtig war, ist jetzt lebensnotwendig. Unsere Arbeit in den Projekten sowie die Solidarität sind wichtiger denn je.

Zahlreiche Probleme in Zeiten von Corona liegen auf der Hand, zum Beispiel die steigende Anzahl hungernder Menschen aufgrund erhöhter Lebensmittelpreise. Andere Hürden sind weniger transparent, jedoch nicht minder besorgniserregend. Mädchen, die nicht nur wegen ausfallender Schulstunden, sondern gleich noch mit einer frühen Schwangerschaft zu kämpfen haben oder Sans-papiers, welche trotz existenzbedrohender Lebensverhältnisse keinen Impftermin erhalten. Solche Geschichten drohen unterzugehen in den weltweiten Corona-Schlagzeilen zu Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Deshalb gibt Fastenaktion diesen Menschen eine Stimme und Perspektiven.

Wenn alle Stricke zu reissen drohen

In schwierigen Zeiten tendieren wir dazu, uns auf das Negative zu konzentrieren. Umso wichtiger ist es uns, auch die guten Erfahrungen und Hoffnungen unserer Projektpartner zu teilen. So haben kenyanische Frauen wegen der Corona-Ausnahmesituation von ihren Männern mehr Respekt für ihre Arbeit erhalten. Dies könnte den Weg ebnen zu mehr Geschlechtergerechtigkeit auch nach der Pandemie. Wo kein Verlass ins Gesundheitssystem ist, wird immerhin Vertrauen geschenkt:In den Philippinen, wo die Regierung versagt, bieten die Bischöfe moralische Unterstützung. In anderen Ländern wie Guatemala zeigt sich die Solidarität von innen – trotz Armut teilen die Indigenen mit den Bedürftigen, dies ist Teil ihrer Kultur. 

Erfahren Sie mehr zu Corona in unseren Projekten.

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Die Auswirkungen des Klimawandels sind für diejenigen mit am stärksten spürbar, die am wenigsten dazu beigetragen haben: Kleinbäuerinnen und Kleinbauern im Globalen Süden. Die veränderten Wettermuster bedrohen ihre Existenzgrundlagen. Fair Trade unterstützt sie darin, sich an die Auswirkungen von Klimaveränderungen anzupassen, Treibhausgase zu reduzieren und ihre kleinbäuerliche und saisonal ausgerichtete Anbauweise ressourcenschonend weiterzuentwickeln.

Der Klimawandel verursacht enorme Veränderungen im Wettermuster. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern im in vielen Ländern des Südens leiden unter diesen Auswirkungen: Die veränderten Wettermuster führen zu Dürren, Überschwemmungen, veränderten oder ausfallenden Reife- und Erntemustern, neuen Schädlingen, Unkraut und Krankheiten. Dies betrifft nicht nur die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, sondern oft die nationale Wirtschaft, da diese in vielen Ländern des globalen Südens auf kleinbäuerlicher Landwirtschaft basiert.

Da Kleinbauerfamilien oft nur über geringfügige finanzielle Mittel verfügen, ist es für diese eine Herausforderung, sich an die veränderten Wettermuster anzupassen. Gewisse Veränderungen sind sich Landwirtschaft betreibende Menschen zwar gewohnt, doch die bisherigen Bewältigungsstrategien können mit den derzeitigen Schwankungen nicht standhalten

Fair Trade hilft Resilienz aufzubauen

Um die Anfälligkeit gegenüber dem Klimawandel zu verkleinern, muss die Anpassungsfähigkeit der Kleinbäuerinnen und -bauern erhöht werden. Organisationen von Bäuerinnen und Bauern und der faire Handel leisten hierzu einen relevanten Beitrag.

Fair Trade unterstützt Kleinbäuerinnen und -bauern bei der Anpassung an die Auswirkungen von Klimaveränderungen, fördert ihre Resilienz und hilft ihnen Treibhausgasemissionen zu reduzieren und auf erneuerbare Energien umzustellen. Ein Fokus ist dabei die Schulung von Kleinbàuerinnen und Kleinbauern durch lokale Fachleute, um die Landwirtschaft widerstandsfähiger zu machen und Ernährungs- und Einkommenssicherheit zu gewährleisten. Die Fair Trade Standards enthalten Umweltkriterien, die die Anpassung der Bäuerinnen und Bauern an den Klimawandel sowie ökologieorientierte Anbauweisen fördern, zum Beispiel durch Umstellung auf erneuerbare Energien, Reduktion der Treibhausgase sowie nachhaltigem Umgang mit Abfällen und Wasserressourcen.

Unser Konsum – unser Klima

Die saisonal angepasste Landwirtschaft der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern ist ressourcen- und klimaschonend. Fair Trade Produkte werden mit ein paar wenigen Ausnahmen per Schiff transportiert; Schätzungen gehen davon aus, dass 98% der Fair Trade-Produkte als Seefracht befördert werden. Da in der Ökobilanz der Anbau und die Verarbeitung für den grössten Anteil der CO2-Emissionen eines Produktes verantwortlich sind und nicht der Transport, stellen Produkte aus dem Fairen Handel auch aus ökologischer Sicht sinnvolle Alternativen im Warenkorb dar und helfen den Menschen im Globalen Süden eine zukunftsfähige Landwirtschaft zu entwickeln.

Lesen Sie hier mehr über die Zusammenhänge zwischen Fair Trade und Klima

Der Flyer der Fastenaktion-Partnerorganisation Swiss Fair Trade zum Fair Trade-Tag 2021

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Die Petition mit fast 14'000 Unterschriften wurde am Mittwoch von Yvan Maillard, HEKS an zwei Vertreter/innen der Nationalbank vor dem SNB-Hauptsitz in Bern übergeben. Foto: Fastenaktion/Patrik KummerDie Petition wurde am 27. April von Yvan Maillard, HEKS, an zwei Vertreter/innen der Nationalbank in Bern übergeben. Foto: Fastenaktion/Patrik Kummer

Bern/Luzern, 30. April 2021. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) nimmt ihre klimapolitische Verantwortung nach wie vor nicht wahr. An der heutigen Online-Generalversammlung erklärte sie auf Fragen der Entwicklungsorganisationen HEKS und Fastenaktion bloss, sie beteilige sich am «internationalen Erfahrungsaustausch» im Rahmen eines Netzwerks von Zentralbanken, ohne jedoch konkrete Massnahmen zur Reduktion ihrer Klimawirkung zu benennen.

Am Mittwoch hatten die beiden Hilfswerke der Bank eine von 14’000 Personen unterzeichnete Petition übergeben, welche die SNB zum Ausstieg aus Investitionen in fossile Energien aufforderte (vergleiche die Medienmitteilung unten). 

Die SNB teilte mit, dass sie dem Pariser Abkommen nicht unterstellt sei und dass das Schweizer CO2-Gesetz keine Vorschriften für ihre Anlagen beinhalte. Weiter betont sie, dass sie eine breite Diversifizierung der Anlagen anstrebe. Obwohl die Nationalbank behauptet, dass sie sich seit längerem intensiv mit dem Thema Klimawandel beschäftigt, hat sie bisher nur wenig getan: Die SNB hat Unternehmen aus ihrem Portfolio ausgeschlossen, die primär Kohleminen betreiben. Das sind aber nur fünf Unternehmen unter den 150 Unternehmen des SNB-Portfolios, die in fossilen Energien tätig sind. Diese fünf Unternehmen machen nur 0.1 Prozent der SNB-Investitionen in fossile Energien aus.

So bleibt die SNB im Rückstand im Vergleich zu anderen Zentralbanken, die aus Klima- und Risikogründen Investitionen in fossile Energien abstossen – etwa die Banque de France und die Schwedische Bank, die vollständig aus Kohle, Erdöl und Erdgas aussteigen. Eine von der NGO «Positive Money» publizierte Studie bestätigt den Rückstand der SNB in Sachen Klimaschutz. Die Schweiz liegt im Rating deutlich hinter den Zentralbanken ihrer Nachbarländer.

 

14’000 Menschen fordern Ausstieg aus fossilen Energien

Bern/Luzern, 30. April 2021. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) soll aus Investitionen in fossile Energien aussteigen, die den Klimawandel anheizen. Dies fordern die Entwicklungsorganisationen Fastenaktion und HEKS mit einer von 14’000 Personen unterzeichneten Petition. Diese wurde der SNB am Mittwoch auf dem Berner Bundesplatz übergeben. Die Klimaverantwortung der SNB wird auch an der heutigen Generalversammlung der Bank ein Thema sein.

Mit einer von 13’929 Personen unterzeichneten Petition fordern deshalb die Entwicklungsorganisationen Fastenaktion und HEKS die SNB auf, alle Investitionen in fossile Energien umgehend abzustossen. Die Petition wurde am Mittwoch einem Vertreter der Nationalbank auf dem Berner Bundesplatz übergeben. Die Hilfswerke werden die Klimaverantwortung der SNB auch an der heutigen Online-Generalversammlung (GV) zum Thema machen und die Bank mit entsprechenden Fragen zu deren Anlagestrategie konfrontieren.

SNB hinkt hinterher

Mit ihrer Investitionsstrategie steht die SNB in Widerspruch zu eigenen Anlagerichtlinien. Diese schreiben vor, dass die Bank auf Investitionen verzichten muss, die «grundlegende Menschenrechte massiv verletzen oder systematisch gravierende Umweltschäden verursachen». Im Rahmen der diesjährigen Ökumenischen Kampagne zeigten HEKS und Fastenaktion unter dem Motto «Klimagerechtigkeit – jetzt!» auf, dass vor allem ärmere Menschen im globalen Süden die Folgen der Klimaerhitzung, etwa mehr Wirbelstürme oder längere Dürren, schon heute als Verletzung ihrer Menschenrechte erleben – ausgerechnet jene Menschen also, die kaum etwas zur Klimakrise beitragen.

Die von der Organisation Campax mitunterstützte Petition fordert die SNB deshalb auf, ihre Vorbildfunktion wahrzunehmen und mit dem Ausstieg aus fossilen Energien einen Beitrag zu mehr globaler Klimagerechtigkeit zu leisten. Als einer der weltweit grössten institutionellen Investoren hätte die SNB dafür noch viel Potenzial: Zwar gab die Bank im Dezember 2020 bekannt, Unternehmen aus ihrem Portfolio auszuschliessen, die primär Kohleminen betreiben. Das ist aber nur ein kleiner Schritt, weil 99.9 Prozent der Investitionen in fossile Energien davon unberührt bleiben.

Andere Zentralbanken sind weiter und steigen aus Klima- und Risikogründen aus fossilen Energien aus. Um in Übereinstimmung mit dem Klimaabkommen von Paris zu sein, plant etwa die Banque de France bis 2024 den vollständigen Ausstieg aus der Kohle und den Ausschluss von Öl- und Gasunternehmen aus ihrem Portfolio. Eine Ende März von der NGO «Positive Money» publizierte Studie bestätigt den Rückstand der SNB in Sachen Klimaschutz. Die Schweiz liegt im Rating deutlich hinter den Zentralbanken ihrer Nachbarländer, aber auch hinter den entsprechenden Instituten der EU, Grossbritanniens, Brasiliens und Chinas.

Weitere Informationen 

Auskünfte:

Lastwagen, die Kupfer und Kobalt transportieren, verursachen auf der Strasse zu Glencore’s KCC-Mine massive Staubbelastung. Foto: Meinrad Schade

Bern/Luzern, 27. November 2018. Der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore verschmutzt mit seinen Kupfer- und Kobaltminen nach wie vor Luft und Böden rund um die Stadt Kolwezi in der Demokratischen Republik Kongo. Laut dem jüngsten Bericht von HEKS und Fastenaktion hat sich die Lage bei der Wasserversorgung und -verschmutzung dagegen verbessert. Trotzdem stellen die beiden Organisationen fest, dass Glencore seine Sorgfaltspflicht gegenüber Menschenrechten und Umwelt nur ungenügend wahrnimmt. Abhilfe brächte die Konzernverantwortungsinitiative, die in der parlamentarischen Beratung steckt.

Für Joseph Ilunga* ist der Fall klar: «Es hat zu viel Staub in den Strassen». Der Krankenpfleger arbeitet in einem Gesundheitszentrum von Musonoi, einem Quartier der kongolesischen Minenstadt Kolwezi. Vor allem in der Trockenzeit behandelt er viele Menschen mit Atemwegserkrankungen. Auch die Quelle der Luftverschmutzung hat er schnell identifiziert. «Es sind die vielen Lastwagen», die auf den unbefestigten Strassen zur nahe gelegenen Kamoto Copper Company (KCC) rollen.

 

Die Kupfer- und Kobaltmine KCC gehört dem Schweizer Rohstoffkonzern Glencore. Schadstoffmessungen der Fastenaktion und HEKS bestätigen die Wahrnehmung des Gesundheitspersonals von Musonoi. Ende Mai 2018 lag die Staubbelastung im Quartier und im nicht weit entfernten Luilu zwischen 150 und 300 Mikrogramm pro Kubikmeter, auf den Zufahrtsstrassen zur Mine sogar bei 500 Mikrogramm. Der Tagesmittel-Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation WHO liegt bei 50 Mikrogramm.

 

Wiederholte Bodenverschmutzung

 

Die hohe Staubbelastung ist nur eines der Probleme im Umfeld von KCC und Mutanda Mining (MUMI), der zweiten grossen Glencore-Mine im Südosten der DR Kongo. In den letzten Jahren wurden Felder von Bauern und Bäuerinnen in der Nähe der Minen wiederholt durch unterschiedliche Schadstoffe verschmutzt. Glencore hat auf Druck von Partnerorganisationen von HEKS und Fastenaktion viele Opfer für den Ernteausfall entschädigt. Aber die Geschädigten warten immer noch auf Kompensation für die nachhaltige Beeinträchtigung ihrer Böden. Zudem hat Glencore die genaue Zusammensetzung der ausgelaufenen Substanzen in zwei Fällen nicht publik gemacht.

 

Die jüngste Studie ist der vierte Bericht der beiden Schweizer Entwicklungsorganisationen über die Tätigkeit von Glencore in der DR Kongo seit 2011. Im Vergleich zum letzten Report von 2014 sind auch Fortschritte festzustellen. So hat Glencore das Einleiten von Abwässern aus der Mine KCC in den Fluss Luilu inzwischen unterbunden. Und für einen Teil der BewohnerInnen des Quartiers Luilu wurde ein Projekt zur Verbesserung der Wasserversorgung angepackt. Auch die Kommunikation mit der Bevölkerung hat Glencore verbessert.

 

Abhilfe durch Konzernverantwortungsinitiative

 

Trotz dieser Fortschritte macht der jüngste Bericht klar, dass Glencore in der DR Kongo seine Sorgfaltspflicht nur unvollständig wahrnimmt. Ausmass und Zahl der Luft- und Bodenverschmutzungen sind nach wie vor hoch. Zudem hat der Konzern in einigen Fällen seine Verantwortung für Umwelt- und Menschenrechtsprobleme zuerst nicht anerkannt und erst auf anhaltenden Druck der lokalen Partnerorganisationen der Fastenaktion und HEKS Verbesserungen in die Wege geleitet.

 

Erneut wird damit deutlich, dass freiwillige Massnahmen von Konzernen nicht genügen. Ohne den Druck von Nichtregierungsorganisationen und aus der Zivilgesellschaft geschieht wenig. Probleme werden oft nur zögerlich angegangen und künftige kaum verhindert. Eine verbindliche Regelung für international tätige Schweizer Unternehmen, wie sie die Konzernverantwortungsinitiative vorsieht, ist deshalb absolut notwendig. Nur so lässt sich die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards durch Schweizer Unternehmen im Ausland konsequent einfordern.

 

* Name aus Sicherheitsgründen geändert

 

Material zum Download: Fotos, Zusammenfassung der Studie, Vollversion der Studie (nur französisch)

 

Rückfragen: Yvan Maillard Ardenti, HEKS, +41 79 489 38 24; maillard@bfa-ppp.ch

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