Justinne Akatshi Ndjadi ist Gender-Animatorin bei der Partnerorganisation Caritas Kole in Lomela. Sie berichtet über das Engagement der Frauen und den  Wandel in der kongolesischen Gesellschaft.

«In der Vergangenheit waren wir Frauen Opfer verschiedener Diskriminierungen und häuslicher Gewalt. Zudem wurde uns der Schulbesuch verboten. Wie aber sollen wir unsere Kinder zu gebildeten Menschen erziehen, wenn wir selbst keine Bildung haben? In unserer Tradition ist der Glaube verbreitet, dass es den Mädchen schadet, in die Schule zu gehen. Bildung stellt keinen Mehrwert dar. So organisierten wir von Caritas Kole – der Partnerorganisation von Fastenaktion – mit interessierten Frauen in der Region Zusammenkünfte und begannen, zu überlegen, wie wir die Rechte der Frauen thematisieren können.

Wir begannen, den Tag der Frau am 8. März zu feiern, um auf unsere Rechte aufmerksam zu machen und sie zu verteidigen.

Das machen wir nun seit acht Jahren. Dieser Feiertag ist für alle Frauen und Mädchen. Um die Ungerechtigkeit, die uns ständig widerfährt, darzustellen, erarbeiten wir regelmässig kurze Theaterszenen, in denen die Diskriminierung auf spielerische Art thematisiert wird.

In Kongos Gesellschaft ist dadurch ein grosser Wandel eingetreten.

Erstens hat sich die Achtung vor der Frau durchgesetzt, häusliche Gewalt ist verboten und wird rechtlich geahndet. Die Frauen dürfen sich frei bewegen und können an unseren Versammlungen teilnehmen. Früher wäre das nicht denkbar gewesen. Auch die Frage der Gleichheit am Arbeitsplatz wird ernst genommen. Wir brauchen immer noch eine Menge Training zu Frauenfragen und -rechten, das ist die ständige Herausforderung, um die Gleichstellung von Mann und Frau in der Gesellschaft Kongos zu verankern. Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Frauen nach ihrer Ausbildung ihre Fähigkeiten gerne unter Beweis stellen würden. Doch das ist gar nicht einfach. Deshalb wollen wir Arbeitsplätze schaffen, um zu verhindern, dass sie wieder in die gleiche Situation wie am Anfang geraten.»

Der Stimme von Justinne Akatshi Ndjadi ist im Magazin «Perspektiven» von Fastenaktion erschienen. Erfahren Sie hier mehr über das Landesprogramm in der Demokratischen Republik Kongo.

Die Gender-Animatorin Justinne Akatshi Ndjadi steht in einem Dorf und blickt hoffnungsvoll in die Kamera.
Justinne Akatshi Ndjadi organisiert seit achten Jahren Aktionen für den Tag der Frau.

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Die Gleichstellung der Frau ist für den Kampf gegen Hunger und Armut zentral. Als der Landesverantwortliche Benno Steffen nach langer Pause die Fastenaktion Projekte in Nepal wieder besuchen konnte, hatte er zusammen mit dem Koordinator Samrat Katwal eine eindrückliche Begegnung.

Der Weg zur Gleichberechtigung ist lang und mit schwerer Last verbunden

Als der Landesverantwortliche Benno Steffen nach langer Corona bedingter Pause die Fastenaktion Projekte in Nepal wieder besuchen konnte, hatte er zusammen mit dem Koordinator Samrat Katwal eine eindrückliche Begegnung.

Auf der schlechten Strasse, die Dolpa mit dem Rest Nepals verbindet, gibt es an vielen Übergängen keine befahrbaren Brücken. Daher müssen Menschen die Waren über Fussgängerbrücken von der einen Seite des Flusses auf die andere tragen, um sie dort für den Weitertransport wieder auf die Anhänger von Traktoren zu verladen. Auf unserer Fahrt zur Partnerorganisation Caed durch die abgeschiedene Provinz Karnali, der ärmsten Nepals, trafen wir in Tripurasundari auf mehr als ein Dutzend junger Frauen, die mit schweren Lasten auf dem Rücken den gewaltigen Fluss Thuli Bheri auf einer Hängebrücke überquerten. Mit Purnima Sharki, einer 18 Jahre alten Dalit-Frau, kamen wir ins Gespräch. Auf ihrem Rücken trug sie Lasten von bis zu 50 Kilogramm, mehr als ihr Körpergewicht. Andere Frauen schleppten sogar Waren von bis zu 80 Kilogramm, während die 13 bis 14-jährigen bis zu 40 Kilogramm trugen. Trotz dieser Plackerei waren Purnima und ihre Freundinnen gut gelaunt und sichtlich froh darüber, dass sich ihnen die Gelegenheit bot, eigenes Geld zu verdienen.

Für den Transport eines vollen Anhängers von der einen zur anderen Flussseite erhalten die Frauen zusammen 6000 NPR (rund CHF 46.00). Je nach Anzahl der Anhänger und Gruppengrösse kann so jede von ihnen 500 bis 2000 Rupien pro Tag verdienen. Das Interesse der Frauen an dieser körperlich anstrengenden Arbeit ist so gross, dass sich die Dalit-Frauen in den umliegenden Dörfern darauf geeinigt haben, dies abwechselnd zu tun, damit möglichst viele von ihnen Geld verdienen können. Unter anderem fragten wir die jungen Frauen, warum denn keine jungen Männer zu sehen seien, die könnten diese Arbeit doch auch machen. Purnima meinte, sie seien wohl zu schüchtern und selbstbewusst ergänzte sie, das sollte sowieso den Frauen vorbehalten sein, damit sie ihr eigenes Geld verdienen könnten.

Selbstbewusst für ein selbstbestimmtes Leben
Gefragt nach ihren Lebensträumen, antwortete Purnima, zum Vergnügen ihrer Freundinnen, dass sie einen Job finden und ein selbstbestimmtes Leben führen wolle. Ihre Freundinnen wollten sie etwas necken und erwiderten, dass sie sicher zuerst heiraten wolle. Für die Frauen im ländlichen Nepal bedeutet eine Heirat, dass sie ihre berufliche Laufbahn aufgeben müssen. Um ihren Traum zu verwirklichen, besucht Purnima im Moment nicht nur die 12. Klasse. Parallel dazu besucht sie zudem eine Landwirtschaftsschule, um sich zur Junior-Technikerin in der Landwirtschaft (JTA) auszubilden.

Caed, die Partnerorganisation von Fastenaktion in Dolpa, ist sich der Diskriminierung von Frauen im Allgemeinen und der Dalits im Besonderen bewusst und hat ihre Arbeit darauf ausgerichtet, um das zu ändern. Kulturelle Praktiken und Überzeugungen sind jedoch tief verwurzelt und lassen sich nicht über Nacht ändern. Der Weg hin zu Gleichberechtigung ist lang und steinig. Dennoch haben wir bei dieser spontanen Begegnung mit Purnima Sharki und ihren Freundinnen realisiert, dass sie des Geldes wegen zwar diese harten Jobs machen müssen, gleichzeitig aber selbstbewusst sind und zur Schule gehen, um ihre Träume zu verwirklichen. Noch vor zehn Jahren wären viele dieser jungen Frauen verheiratet worden, hätten die Schule vorzeitig verlassen müssen und wären noch vor ihrem zwanzigsten Altersjahr Mutter mehrerer Kinder gewesen.

Weltfrauentag
Die Gleichstellung der Frau ist für den Kampf gegen Hunger und Armut zentral. In sämtlichen Projekten und Programmen konzentrieren wir uns darauf, die Selbstermächtigung von Frauen zu unterstützen und Machtbeziehungen zwischen den Geschlechtern nachhaltig aufzubrechen. Wir respektieren alle Menschen in ihrer Diversität, in Bezug auf Geschlecht, sexuelle Orientierung, Herkunft, Glauben und Alter. Menschen sollen frei von Diskriminierung leben können.