Stefan SalzmannStefan Salzmann

Es fällt schwer, nach den letzten Wochen über die Notwendigkeit zu schreiben, den Konsum zu reduzieren. Und dennoch müssen wir das tun, wenn wir die nächsten Krisen verhindern wollen: Die in vielen Ländern des Südens bereits akute Klimakrise, die Übernutzung natürlicher Ressourcen, der Verlust der Biodiversität.

Wir alle waren betroffen von den Corona-Herausforderungen und wir alle kennen andere, die es härter traf: Krankheit, Unsicherheit, Arbeitslosigkeit, Verschuldung. Meine Gedanken drehten sich für eine Weile weniger um die in Armut lebenden Menschen in fernen Ländern sondern um Familienmitglieder und Nachbarn – mir liebe Menschen die wir über Wochen nur am Telefon oder über den Gartenzaun hinweg sehen durften. Wir mussten uns zu Hause gegenseitig aushalten: Wir haben Homeschooling und Kinderbetreuung plötzlich ohne Unterstützung von KiTa und Fussballverein gemacht. Wir ertrugen die soziale Kontrolle der Nachbarn, die mitzählten, mit wie vielen Leuten ich mich auf der Strasse unterhielt oder wie nahe ich dem Handwerker kam, wenn ich ihm einen Kaffee offerierte. Aber es ging uns auch gut dabei.

Unser Land erholt sich langsam und ich bin froh um bisher gesunde Staatsfinanzen und um kreative Köpfe dank einem gutem Bildungssystem. Wir haben uns solidarisch gezeigt und auf diesem guten Gefühl schauen wir auf die bevorstehenden Herausforderungen zur Bewältigung der Krise.

Wir schaffen das!

Diese Bewältigung aber – dies mein Appell – sollte nicht darin bestehen, wieder zum gleichen Leben zurückzukehren. Und wenn ich «wir» schreibe, dann meine ich uns alle – mich, meine Familie, meine Nachbarn, Sie und die Anderen. Wir alle können an Samstagen im Wald spazieren statt shoppen gehen. Wir können zum Teil im Homeoffice arbeiten, anstatt jeden Tag zu pendeln. Wir halten internationale Sitzungen online ab statt ins Flugzeug zu steigen. Wir machen Velotouren statt Ausflüge ins Trampolin-Zentrum und ins Möbelgeschäft. Junge Menschen haben Solidarität gezeigt gegenüber Alten und Schwächeren, sich als verantwortungsvolle Bürger/innen bewiesen und Corona eingedämmt bevor es zu einer Überforderung unseres Gesundheitssystems kam. In der Klimakrise zählen die Jungen nun auf die Solidarität der Älteren – unser Lebensstil muss jetzt ändern nicht erst wenn die heute Jungen die Älteren sind.

Shopping, Geschäftsflüge und Spritzfahrten werden nicht verboten sein nach Corona, aber sie zu reduzieren, ist nicht nur der Weg aus der Corona-Krise – es trägt auch bei zur Lösung der Klimakrise bei. In vielen Programmländern der Fastenaktion zeigt der Klimawandel bereits verheerende Folgen für die Menschen, verstärkt Hunger, Armut und Migration. Von den neu zu entwickelnden Strategien wird abhängig sein, wie wir die Klimakrise bewältigen können.

Corona hat uns gezeigt, dass vieles möglich ist, was wir uns nicht vorstellen konnten.

Stefan Salzmann, Fachverantwortlicher Energie und Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion

 

 

Hinweis, Klimagespraeche

6 Tipps, um den Klimawandel zu stoppen

Zur Bewältigung von Krisen braucht sowohl Individuen wie sinnvolle politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Den Individuen kommt eine wichtige Rolle zu: Wir können unser Verhalten und unsere Handlungen steuern. 

1.Über eine kohlenstoffarme Zukunft nachdenken

Grundlage für ist Bewusstsein und Wissen über den eigenen Ressourcenverbrauch, seinen eigenen ökologischen Fussabdruck. Um mehr über diesen zu erfahren, kann sich dafür anmelden bei «Le climat entre nos mains». Es ist wichtig zu wissen, wo das eigene Verhalten am meisten Potential hat, den Ressourcenverbrauch zu verringern. Je schneller wir die wichtigen Schritte angehen, desto mehr hilft es der Umwelt, dem Klima und dadurch auch den Armen der Welt.
Oder melden Sie sich dazu für die Klimagespräche der Fastenaktion und HEKS an.

2. Energie zu Hause

Für den schweizerischen Durchschnitt gilt: Rund ein Drittel der Energie, die wir als Individuen verbrauchen, fällt beim Wohnen an, dafür brauchen wir Strom und fossile Energieträger. Daran etwas zu ändern ist schwierig und braucht eine langfristige Strategie und einen langen Atem. Dennoch kann man viel tun.

Mieter/innen

  • Ökostrom beziehen – jeder Anbieter bietet eine Auswahl. Erkundigen Sie sich und bezahlen Sie den Aufpreis.
  • Weniger heizen – ein Grad weniger reduziert den Fussabdruck um bis zu 6 Prozent: Heizung ausschalten, wenn man in die Ferien fährt; Fenster nur zum Lüften öffnen.
  • Führen Sie ein Gespräch mit ihrem Vermieter – und zeigen Sie sich als bewusste Konsumentin von Energie. Fragen Sie nach Heizsystem und Rohstoff für die Heizung, wann die Heizung eingesetzt wurde und wann Sie ersetzt werden muss. Wann wurde etwas getan für die Wärmedämmung in den Hauswänden? Gerade wenn die Antworten abweisend oder ausweichend sind, ist die Botschaft angekommen.

Hausbesitzer/innen

  • Suchen Sie nach einer Energieberatung in ihrer Umgebung. Fachexpert/innen werden ihr Haus anschauen, Kostenschätzungen machen und mögliche nächste Schritte mit Ihnen planen. Solche Beratungen machen Sinn, weil die Reihenfolge und Umfang von Massnahmen aufeinander abgestimmt sein sollten.

3. Reisen und Mobilität

Wir pendeln, machen Ferien, nehmen an Meetings von internationalen Netzwerken teil. Doch das heutige Ausmass an Mobilität ist nicht zukunftsfähig. Selbst wenn alle Fahrzeuge elektrisch betrieben würden, brauchen die Batterien grosse Mengen an seltenen Erden und Energie aus Kraftwerken.

  • Keine Flugreisen in Europa – den Zug nehmen auch wenn es teurer ist. Die Zugreise gehört mit zum Erlebnis – ein Buch lesen, sehen, wie sich draussen die Landschaft sich langsam verändert, erleben, wohin man sich bewegt.
  • Einen Tag Homeoffice machen, statt pendeln.
  • Im Zug zu Arbeit und unterwegs die Sozialen Medien bearbeiten – Zeit gewinnen und den vollen Zug aushalten, dafür Zeit gewinnen statt alleine im Auto die Ruhe zu geniessen.

4. Nahrung und Wasser

Zu diesem Thema hat Fastenaktion bereits viele Kampagnen organisiert. Hier ein paar konkrete Ratschläge, die Energie und Ressourcen sparen:

  • Kein Mineralwasser in Flaschen einkaufen.
  • Beim Einkauf: bio – lokal – saisonal.
  • Weniger Fleisch essen.
  • Weniger Produkte aus Übersee kaufen.
  • Weniger Fertigprodukte kaufen

5. Konsum und Abfall

  • Abfall trennen, auch Nespresso-Kapseln richtig entsorgen
  • Ein Gemüseabonnement oder der Einkauf im Hofladen hilft nicht nur, den Abfall zu reduzieren.
  • Besuchen Sie mal den nächsten Unverpackt-Laden – Sie finden ihn mit Google.
  • «Verpackungs-Fasten» geht, ist aber nicht einfach!

6. Weniger ist mehr – diskutieren mit Freunden und Familie

Die Gespräche darüber, wie man weniger Ressourcen verbrauchen kann, sind wichtig. Und sehr schwierig zugleich. Es gibt kein Rezept dafür. Ausser vielleicht dieses: positiv bleiben – von gewonnenen Momenten erzählen statt mahnend andere zum Verzicht erziehen wollen. Selbstbewusst bleiben, nicht moralisch werden. Die eigene Freude teilen statt neidisch wirken. Zuhören. Wir überzeugen nicht mit guten Argumenten sondern mit guten Geschichten.

Quelle: Klimagespräche, ein Projekt der Fastenaktion und Brot für Alle

Laden Sie diese 6 Tipps gegen den Klimawandel als PDF herunter.

Spenden Sie für Menschen, die unter dem Klimawandel leiden.

Diese Website verwendet Cookies, die die Funktionalität der Website ermöglichen. Sie helfen uns dabei, die Interessen unserer Nutzer:innen zu analysieren. Damit optimieren wir für Sie unserer Inhalte und Ihre Spendenmöglichkeiten. Die gesammelten Daten werden weder durch uns noch durch unsere Partner verwendet, um Sie zu identifizieren oder zu kontaktieren. Mehr erfahren

Portrait Bernd Nilles© Jacques Berset, cath.ch

Mit der Globalisierung haben wir alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche weltweit miteinander vernetzt. Das bringt zwar Vorteile wie kostengünstige Produktion, Zugang zu Produkten aus aller Welt, Zugang zu fremden Kulturen, Kommunikation ohne Grenzen. Doch die Nachteile kennen wir seit Jahren: Ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, eine Liberalisierung des Welthandels, die keine Rücksicht auf Menschen und Umwelt nimmt, Rohstoffausbeutung, bei denen Menschenrechte missachtet werden und die Erwärmung des Klimas.

Die Globalisierung macht sich auch das Corona-Virus zunutze. Durch die global vernetzte Welt verbreitet es sich mit hohem Tempo in jeden Winkel der Erde. Es waren Reisende und Touristen, die es zu Beginn von Ort zu Ort trugen. Was werden wir daraus lernen? Wie werden wir diese Erfahrung nutzen? Sind wir bereit für einen Wandel?

Jetzt gerade steht die Welt erst einmal still. Eine ungewohnte Ruhe kehrt in fast alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche ein. Zugleich macht sich innere Unruhe und die Angst um seine Liebsten breit. Man sorgt sich um seine Gesundheit, die Ernährungssicherheit und die Arbeitsplätze. Paradoxe Realitäten zeigen sich: Die CO₂-Konzentration und der Feinstaubausstoss nehmen weltweit stark ab, was Leben rettet, während das Corona-Virus es anderen nimmt.

Existenzgrundlagen brechen zusammen

Auch in der Entwicklungszusammenarbeit stehen wir vor neuen Herausforderungen. In allen 14 Ländern, in denen Fastenaktion-Partner tätig sind, breitet sich das Corona-Virus aus. Im Amazonasgebiet bringen die Arbeiter der Bergbaukonzerne das Virus zu den schutzlosen indigenen Gemeinschaften. Überall werden Ausgangssperren verhängt und Gesundheitssysteme kollabieren. Die Mittel- und Oberschichten machen Hamsterkäufe. Die Armen aber haben keine Ersparnisse, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Der informelle Sektor, in dem die meisten von ihnen arbeiten, im Kleinstgewerbe oder auf Märkten, bricht zusammen und damit auch ihre Existenzgrundlage. Einige Regimes nutzen zudem den Ausnahmezustand, um repressive Massnahmen zu ergreifen und Freiheit und Menschenrechte einzuschränken. Fake News werden verbreitet und führen zu Unruhe, Chaos und Gewalt.

Dem wollen wir entgegenwirken und weiterhin helfen. Viele denken möglicherweise momentan nicht ans Spenden, da sie damit beschäftigt sind, sich um ihre Familie zu kümmern. Doch es ist zu befürchten, dass uns in den nächsten Wochen, wenn wir in der Schweiz die erste Corona-Welle gemeistert haben, schreckliche Nachrichten aus aller Welt erreichen werden. Dann, wenn die Corona-Welle im globalen Süden angekommen ist, bei den Ärmsten. Dieselben Massnahmen, die auch bei uns notwendig sind, werden verordnet, aber in vielen Dörfern gibt es kein Wasser. Es gibt kaum Krankenhäuser; es fehlt eine gute und gesunde Ernährung und die Versorgung wird zusammenbrechen.

Den Menschen überall auf der Welt Sorge tragen

Fastenaktion wird in dieser Situation seine fast 60-jährige Erfahrung in der Arbeit mit armen marginalisierten Bevölkerungsgruppen nutzen. Wir werden alles tun, um die lokale Versorgung mit Nahrung bei rund zwei Millionen Menschen sicherzustellen. Wir werden sensibilisieren und informieren, damit die Menschen sich schützen können, nicht auf Fake News hereinfallen und keine Unruhen entstehen. Und wir werden alles daran setzen zu intervenieren, wenn versucht wird, die Corona-Krise dazu zu nutzen, um Menschenrechte zu verletzen.

Einander zu helfen stärkt und eint eine Gemeinschaft – auch die Weltgemeinschaft. Während wir jetzt um die Gesundheit unserer Liebsten fürchten und die schwierige Situation in Zeiten des Corona-Virus für uns alle bedrückend ist, unterstützt Fastenaktion nach wie vor die Ärmsten in 14 Ländern der Welt. Das Fastenaktion-Team arbeitet derzeit an vielen Orten in der Schweiz im Homeoffice. Wir sind jedoch digital untereinander und mit hunderten Partnerorganisationen weltweit vernetzt, um unseren Auftrag weiterhin mit der gewohnten Sorgfalt zu erfüllen. Unsere Sorge gilt den Menschen im globalen Süden genauso wie den Menschen hier. Deshalb sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen: Helfen Sie mit – denn Solidarität kennt keine Grenzen und verbindet Menschen auf der ganzen Welt.

Bernd Nilles, Geschäftsleiter Fastenaktion

Hier können Sie direkt für die Menschen in unseren Projekten spenden. Danke!

Dürfen die Menschen nicht in die Kirche, kommen die Palmen halt zu den Menschen. Seit seiner Jugend bindet Othmar Küttel für die Pfarrei Horw Palmbüschel für den Palmsonntag. Gerade dieses Jahr sollten die Bauernfamilien in Horw – einer grossen Gemeinde bei Luzern – nicht ohne ihre Palmen sein. 

 

Ôthmar Küttel mit seiner Frau, Horw bei Luzern
Die gesegneten Palmen sind für Menschen und Tiere ein Zeichen des Schutzes vor Krankheiten und Seuchen. Dieses Jahr fand der Palmsonntags-Gottesdienst wegen der Corona-Krise nicht statt. Doch gerade in dieser schwierigen Zeit sollten die Bauernfamilien der umliegenden Höfe nicht auf Gottes Segen verzichten müssen. Deshalb verteilten Othmar Küttel und seine Frau die Palmen – traditionell gebunden mit Zweigen von Stechpalme, Buchs und verschiedenen Koniferen  – heuer nicht in der Kirche, sondern gingen direkt bei den Bauernfamilien vorbei.
Palmen segnen Palmsonntag 2020
Pfarrer Benedikt Wey vom Pastoralraum Horw segnete die Palmen am Samstag auf dem Hof der Familie Küttel.

 

Am Palmsonntag wird im Gottesdienst traditionell die Kollekte für Fastenaktion aufgenommen.

Herzlichen Dank, wenn Sie in diesem Jahr Online spenden.

Hier können Sie die Suppe bestellen

Viele Veranstaltungen wie Suppentage mussten wegen Corona in den Pfarreien abgesagt werden. Es gab also keine Begegnungen und Gespräche unter den Gemeindemitgliedern. Hart treffen werden diese Absagen auch die Menschen in unseren Projekten, die auf die Kollekten aus den Pfarreien angewiesen sind. 

Wir machen Pfarreien und Kirchgemeinden deshalb ein Angebot – auch über die Fastenzeit hinaus: Kleine Suppe – grosse Wirkung. Verteilen Sie an ihre Pfarreimitglieder eine kleine Fastensuppe, die in Ruhe zu Hause genossen werden kann. Zusammen mit einer Bitte um eine Spende an Fastenaktion. Unten finden Sie praktische Hinweise zu dieser Ausnahme-Aktion. 

Wie können wir als Pfarrei die „Kleine Suppe» mit grosser Wirkung anbieten?

  • Sie können die Suppe mit der Post verschicken, ein Beutel passt in ein C5-Couvert. 
  • Auch nach der Fastenzeit ist es möglich, unsere „Kleinen Suppen“ zu verteilen. Zum Beispiel anlässlich eines Suppentags, den Sie auf später im Jahr verschoben haben. 

Was ist eine „Kleine Suppe“?
Wir haben eine Reiscremesuppe von Morga ausgewählt, die mit frischem Gemüse und Kräutern ergänzt werden kann. Eine Packung reicht für fünf Portionen

Wo kann ich sie beziehen?
Sie können die Suppen in unserem regulären Shop bestellen, wo Sie sonst die Materialien zur Ökumenischen Kampagne beziehen können. Wir liefern eine Postkarte dazu, welche die Aktion beschreibt. 

Wie viel kostet die Suppe? 
Der Richtpreis beträgt pro Suppenbeutel 1 Franken. Wir freuen uns, wenn Sie bei der Verteilung der Suppe um Spenden für unsere Projekte bitten.

Wann wird sie geliefert?
Die extra für uns produzierten Suppenbeutel werden ab Ende März ausgeliefert. Eine Bestellung können Sie aber jederzeit machen.

Wie lange ist sie haltbar?
Das Haltbarkeitsdatum ist der 16.09.2021

Noch Fragen?
Mit allen Fragen zur „Kleinen Suppe“ können Sie sich wenden an Phil Eicher, Beratung und Fundraising Pfarreien, 041 227 59 13, E-Mail

Sie können auch direkt spenden: