Ein Zusammenspiel von vier Dimensionen
Die ökologische Dimension der Agrarökologie ist von zentraler Bedeutung: Dabei geht es um den Aufbau von fruchtbaren Böden, den Schutz vor Erosion und die Förderung der Artenvielfalt. Hochgiftige Pestizide und synthetische Dünger werden vermieden und durch umweltschonende Methoden ersetzt. Um besser auf die Klimaveränderungen und ihre Auswirkungen vorbereitet zu sein, wird bewusst auf lokales Saatgut geachtet.
Auf der sozialen Ebene ist das traditionelle Wissen von grosser Bedeutung für eine gerechte und selbstbestimmte Landwirtschaft. Solidaritätsgruppen und die Ausbildung von Frauen stärken die Gemeinschaftsbildung. Frauen spielen eine zentrale Rolle in der Landwirtschaft und in der Ernährung, da sie oft viel Feldarbeit leisten oder bäuerliches Saatgut erhalten und vermehren, die Mahlzeiten zubereiten und die Ernten auf dem Markt verkaufen.
Auf ökonomischer Ebene stärken agrarökologische Ansätze die lokalen Kreisläufe, indem auf eine regionale und saisonale Landwirtschaft und Nahrungsmittel gesetzt wird. Lebensmittel werden für den lokalen Markt hergestellt, Saatgut sowie ökologische Dünge- und Pflanzenschutzmittel werden vor Ort hergestellt. Es wird bewusst darauf geachtet, dass die angebauten Produkte vielfältig und Nahrungsmittel möglichst ganzjährig geerntet werden können, damit verschiedene Einkommensquellen die Familien stärken. Die politische Mitbestimmung und Beteiligung der Produzent:innen und Mitarbeiter:innen in der Landwirtschaft und in der Lebensmittelverarbeitung wurde 2018 in der Uno-Erklärung über die Rechte der Bäuerinnen und Bauern und Personen im ländlichen Raum (UNDROP) festgehalten. Diese Rechte erlauben es, Ernährungssouveränität, das Recht auf Nahrung und die Kontrolle über Land und Saatgut auch tatsächlich einzufordern.
Konkrete Veränderungen
Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Treiber der Klimakrise – und gleichzeitig sehr stark von Klimaerhitzung betroffen. Konkrete Veränderungen sind notwendig. Direkte und indirekte Subventionen für die industrielle Landwirtschaft, die einen nicht nachhaltigen Anbau fördert, müssen gestoppt werden. Der Gebrauch chemischer Düngemittel und Pestizide muss drastisch sinken. Und statt grossflächiger Plantagenproduktion braucht es vielfältige, kleinräumig strukturierte Bauernbetriebe und Zugang zu Land, gerade auch für Frauen im globalen Süden.
Die Partnerorganisationen von Fastenaktion in Asien, Afrika und Lateinamerika setzen sich sowohl auf praktischer wie auch auf politischer Ebene für die Stärkung und die Ausweitung agrarökologischer Ansätze ein. Sie fördern und fordern den Zugang zu Ressourcen wie Land, Saatgut und Wasser. Zudem verlangen sie Schutz und Sicherheit der Menschenrechtsaktivist:innen, die für die Rechte der Bäuerinnen und Bauern einstehen.