Sowohl Projekte in Guatemala wie auch auf den Philippinen waren diesen Herbst ausgesprochen früh von Hurrikans und Taifunen betroffen. Die Verantwortlichen für das Landesprogramm Guatemala Philippa Mund und für das Landesprogramm Philippinen Helena Jeppesen, schildern, welche Auswirkungen diese auf die betroffenen Länder haben und wieso Nothilfe so wichtig ist.

Guatemala CODECA
Philippa Mund: «Hurrikan Julia erreichte Zentralamerika am 9. Oktober mit einer Geschwindigkeit von mehr als 140 km/h. Neben der starken Windgeschwindigkeit führte der Wirbelsturm zu starken Regenfällen, die ganze Landstriche unter Wasser setzten. Bereits Hurrikan Eta und Iota Ende 2020 hatten enorme Schäden in Alta Verapaz angerichtet. Genau dieses Phänomen traf im Oktober nun wieder ein. Die Regierung nutzte die Situation aus, um einen Ausnahmezustand auszurufen. Dies ist ein bekanntes Muster bei Naturkatastrophen. Damit werden jegliche politischen Proteste oder Mobilisierung kriminalisiert. Alle Partnerorganisationen erstellten eine Schadensbewertung und Bedarfsanalyse in den Regionen der Projektarbeit. Diese Analyse zeigte, dass die Partnerorganisationen Tzuul Taq’a in Alta Verapaz sowie Codeca an der Südküste am meisten betroffen sind».

Helena Jeppesen: «Die Philippinen wurden innerhalb eines Monats von zwei starken Taifunen heimgesucht: Taifun Noru am 25. September und Taifun Nalgae am 29. Oktober. Obwohl die Windsignale von Taifun Nalgae nicht über die Windstärke 3 hinausgingen, (89-117 km/h), brachte der Sturm schwere Regenfälle, die Gebiete in Luzon, Visayas und Mindanao überfluteten. Wir wissen von den indigenen Gemeinschaften der Agtas auf Bordeos Island auf Luzon, dass die Zerstörung an Häusern, Infrastruktur und Landwirtschaft durch Supertaifun Noru gewaltig war. Auf Bordeos traf der Taifun das erste Mal auf Land. Da Elektrizität und Mobilfunknetze ausgefallen waren, dauerte es lange, bis wir uns ein Bild des Schadens machen konnten. Die am stärksten betroffenen Gebiete waren die Inseln vor der Küste der Provinzen Quezon und Aurora und einige Küstendörfer.
Im Projektgebiet von YAPAK im Küstenort Dingalan wurden hunderte Häuser zerstört».

Philippa Mund. «Fastenaktion hat am 30. Oktober einer Co-Finanzierung des Nothilfeprojekts für Guatemala mit einem Gesamtvolumen von 216‘500 USD zugestimmt. Hiervon tragen wir 50‘000 USD. Die Humanitäre Hilfe der DEZA steuert den Grossteil bei. Im Rahmen dieses Projekts sollen 1‘800 Familien mit Nothilfe in den Departementen Alta Verapaz, Suchitepéquez und Izabal versorgt werden.

Philippinen YAPAK
Helena Jeppesen: Schon bevor die Wirbelstürme auf den Philippinen auf Land trafen, konnten Partnerorganisationen Notvorräte besorgen. Die Bevölkerung in den Dörfern wurde frühzeitig in Schulen, Turnhallen und Kirchen evakuiert. Die Vorbereitung auf Naturkatastrophen wird in den Dörfern, in denen wir arbeiten, regelmässig geübt. So können wir verhindern, dass Menschen durch Erdrutsche, umfallende Bäume und herumfliegende Dächer ums Leben kommen. Zudem bieten wir psychologische Hilfe für die traumatisierte Bevölkerung und die Teams der Projekte an. (mehr zum psychosozialen Ansatz im Dossier von Perspektiven)

Philippa Mund: «Das Equipo de Emergencia Local (EEL), das seit 2015 von der Fastenaktion-Koordination geleitet wird, aktivierte sich am 9. Oktober und sendete bereits am 12. Oktober einen ersten Bericht an die Abteilung der Humanitären Hilfe der DEZA in Managua. Teil des EEL sind alle in Guatemala tätigen Schweizer Hilfswerke. Das EEL ist an die Schweizer Botschaft angeschlossen und aktiviert sich im Falle einer Naturkatastrophe über klar festgelegte Mechanismen».

Helena Jeppesen: «Die Menschen auf den Philippinen brauchen nun am dringendsten Hygienekits, Lebensmittel, Plachen und Holz für die Reparatur der Häuser. In Absprache mit den politischen Gemeinden und anderen Hilfsorganisationen, konzentrieren wir uns bei YAPAK in Dingalan auf die psychologische Hilfe. Für die Agta-Gemeinschaften von TCD haben wir Mittel für Lebensmittelhilfe freigegeben. Wir arbeiten seit vielen Jahren mit diesen Projektpartnern zusammen und stehen in regelmässigem Austausch, nebstdem, dass regelmässig Monitorings gemacht werden. So können wir sichergehen, dass die Hilfe auch bei den Menschen ankommt».

Philippa Mund: «In Guatemala wird die Verteilung auch von den lokalen Partnerorganisationen organisiert und umgesetzt. Sie sind es, die die Gegebenheiten am besten kennen und beurteilen können, wo die Bedürfnisse am grössten sind. Es werden hierbei HygieneKits, Wasserfilter zur Reinigung des verschmutzten Wassers und Nahrungsmittelpakete verteilt. Für den Einkauf greift die Koordination auf bereits etablierte Kontakte mit lokalen Verkaufsstellen zurück, die agrarökologische Produkte anbieten und mit denen wir bereits 2019 zusammengearbeitet haben».  Mehr darüber erfahren Sie hier.

Wirbelstürme und die Klimakrise

Die Klimaerhitzung hat massgeblichen Einfluss auf die Häufigkeit und die Stärke von Wirbelstürmen.

Wirbelstürme verursachen oft grosse Schäden und Verluste (Loss and Damage). Bei der 27. Weltklimakonferenz (COP27), die ab dem 06. November in Ägypten stattfindet, werden auch diese Schäden und Verluste durch die Klimaerhitzung ein Thema sein, denn viele reiche Länder blockieren Verhandlungen dazu. Es geht um die Entschädigung für irreversible Schäden als Folge der Klimaerhitzung.

Fastenaktion setzt sich daher an der COP27 für höhere Beiträge zur Finanzierung von Massnahmen gegen die Klimaerhitzung und zur Abfederung der Folgen ein. Die Lebensgrundlagen der Menschen im globalen Süden sind durch die Klimakrise am stärksten bedroht. Daher ist es wichtig, dass an der COP27 ernsthafte Bekenntnisse zum Pariser Klimaabkommen von 2015 erfolgen und ambitionierte Programme dazu verabschiedet werden.

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Eine beschädigte Kirche in der Menschen Schutz gesucht haben.
Die Philippinen wurden gestern Sonntag vom Supertaifun Noru (Karding) getroffen. Auch Partner und Projekte von Fastenaktion sind vom Taifun betroffen. Helena Jeppensen, Programmverantwortliche Philippinen, gibt eine erste kurze Einschätzung zur Lage auf den Philippinen.  

Gestern ist der Supertaifun Noru auf die Philippinen getroffen – dies in Gebieten in denen Partner von Fastenaktion tätig sind. Was sind die Folgen des Taifuns?
Wir wissen von den indigenen Gemeinschaften der Agtas auf Bordeos Island, dass die Zerstörung an Häusern, Infrastruktur und Landwirtschaft durch den Supertaifun gewaltig ist. Noch wissen wir wenig aus den Projektgebieten. Auf Bordeos traf Taifun Noru das erste Mal auf Land. Da Elektrizität und Mobilfunknetze ausgefallen sind, haben uns erst wenige Nachrichten erreicht. Die am stärksten betroffenen Gebiete sind die Inseln vor der Küste der Provinzen Quezon und Aurora und einige Küstendörfer. Dies wissen wir aus den Nachrichten des philippinischen Wetterdienstes.  

Am stärksten Betroffen sind die Provinzen Quezon und Aurora.
 Wie unterstützt Fastenaktion die Menschen in den betroffenen Gebieten?
Schon bevor der Taifun auf Land traf, konnten Partnerorganisationen Notvorräte besorgen. Die Bevölkerung in den Dörfern wurde frühzeitig evakuiert in Schulen, Turnhallen und Kirchen, als das Warnsignal der höchsten Stufe 5 ausgerufen wurde. Die Vorbereitung auf Naturkatastrophen wird in den Dörfern, wo Fastenaktion arbeitet, regelmässig geübt. So können wir verhindern, dass Menschen durch Erdrutsche, umfallende Bäume und herumfliegende Dächer ums Leben kommen.   

Noru ist ein Supertaifun – was bedeutet dies? 
Ein Taifun der höchsten Stufe (5 von 5), was bedeutet, dass er Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern erreicht.  

Hat der Supertaifun auch einen Zusammenhang mit der Klimaveränderung?
Meteorologen sagen, das starke Anschwellen von Taifun Noru sei beispiellos. Die Windstärke habe innerhalb eines Tages um 90 Stundenkilometer zugenommen. Dies hat mit der Erwärmung der Ozeane zu tun, was eine Folge der Klimaveränderung ist. 

 

Update vom 30. September 2022

Projektgebiet unserer Partnerorganisation TCD:
Viele Gebiete wie die Inseln vor der Küste Infantas sind weiterhin schwer erreichbar. Nur einzelne Hilfslieferungen konnten bisher die betroffenen Inseln Polillo und Bordeos erreichen, weil das Wetter zu schlecht für Helikopterflüge oder Bootsfahrten ist. Zudem ist die Hilfe wegen den derzeitigen Benzin- und Lebensmittelpreisen sehr aufwendig und teuer. Weitere Organisationen und Stiftungen haben in der Region sofortige Hilfe zugesagt.

Projektgebiet YAPAK:
Das Projektgebiet im Küstenort Dingalan befindet sich in schlimmer Lage. Hunderte Häuser im Dorf sind zerstört. Ein neues Gebäude, indem die Bevölkerung untergekommen war, wurde so stark beschädigt, dass die Kinder, alten Menschen, Männer und Frauen rausrennen mussten. Die Betroffenen sind stark traumatisiert und benötigen Hilfe. Ein Team zur psychologischen Unterstützung wird zwischen dem 7. und 8. Oktober in der Region eintreffen und zuerst mit den Helfer:innen und traumatisierten Kindern arbeiten.

Fastenaktion organisiert in den vom Taifun betroffenen Projektgebieten psychologische Hilfe und leistet Nothilfe in Form von Lebensmitteln.

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