Indem Brasilien tiefere Klimaziele einreicht, unterläuft das Land das Pariser Klimaabkommen. Die brasilianischen Partnerorganisationen der Fastenaktion wehren sich nun.

Zur Begrenzung der Klimaerwärmung sieht das Pariser Klimaabkommen vor, dass die Staatengemeinschaft alle fünf Jahre ihre Ziele steigert. Brasilen aber bricht mit dem Geist der Pariser Verträge und hat tiefere Klimaziele eingereicht. Dies berichtet unsere Partnerorganisation aus Brasilien.

Im Pariser Klimaabkommen von 2015, versprachen die beteiligten 195 Staaten, dass sie in ihrem Land Massnahmen treffen, um die Klimaerwärmung zu verhindern. Alle fünf Jahre gibt jeder Staat seine Klimaziele bekannt. Und alle fünf Jahre müssen diese Ziele ambitionierter werden und wirksamere Massnahmen nach sich ziehen. Denn nur so kann gemeinsam verhindert werden, dass die Klimaerwärmung über 2 Grad Celsius steigt.

Schweiz geht ersten Schritt

Im vergangenen Jahr 2020 mussten die Länder zum ersten Mal ihre neuen, ambitionierteren Klimaziele einreichen. Auf Grund der Pandemie wurde die Klimakonferenz verschoben. Erfreulich ist, dass die Schweiz ihrer Verpflichtung trotzdem nachgekommen ist und internationale Klimaziele analog dem revidierten CO2-Gesetz eingereicht hat. Diese sind aus Sicht der Fastenaktion nicht genügend, aber ein Schritt in die richtige Richtung.

Für Fastenaktion und seine Partnerorganisationen im globalen Süden ist in diesem Zusammenhang die Klimagerechtigkeit zentral: Die Bedürfnisse von in Armut lebenden Menschen sind zu berücksichtigen. Denn sie gehören nicht zu den Verursachern des Klimawandels, spüren aber dessen Folgen bereits ungleich stärker als wir in der Schweiz.

Der faule Trick der brasilianischen Regierung

Partnerorganisationen der Fastenaktion in Brasilien nehmen ihr eigenes Klimaziel genau unter die Lupe. In Brasilien ist dies besonders wichtig, da die Bekämpfung des Klimawandels eng mit der Bewahrung des Amazonas und der Lebensgrundlage seiner Bewohner verknüpft ist. Sie haben das neue brasilianische Klimaziel analysiert, welches – wie das Schweizer Klimaziel – im Dezember 2020 offiziell eingereicht wurde. Dabei mussten sie feststellen, dass im Klimaziel von Brasilien eine Ambitionsminderung versteckt wurde: Brasilien hat zwar sein Reduktionsziel nicht verändert, aber es hat die Baseline – die Treibhausgasemissionen im Basisjahr 2005, auf denen die Berechnungen beruhen – deutlich erhöht. Das bedeutet: Die Regierung von Präsident Bolsonaro muss aufgrund dieser neuen Berechnung deutlich weniger Treibhausgase vermeiden, um die gesteckten Klimaziele zu erreichen.

Zivilgesellschaft wehrt sich

Fastenaktion und seine Partnerorganisationen in Brasilien sehen die Klimaziel-Eingabe deshalb als Bruch der Pariser Klimaverträge. Es besteht zudem die Gefahr, dass andere Länder dem Beispiel von Brasilien folgen, was für die Bekämpfung der Klimaerwärmung verheerend wäre.

Die brasilianischen Partner haben sich an das Climate Action Network CAN gewandt, den weltweiten Zusammenschluss von 1300 Organisationen, die sich gegen den Klimawandel einsetzen. CAN verfasste Ende Januar 2021 einen eindringlichen Brief an die Generalsekretärin und das Compliance-Komitee der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen und macht auf diesen gefährlichen Präzedenzfall aufmerksam. CAN fordert, dass Brasilien, die Klimaziele bis zur Klimakonferenz im November 2021 nachbessert.

Fastenaktion hat sich zusätzlich mit einem Brief direkt an Bundesrätin Simonetta Sommaruga gewandt, welche die Schweiz an der Klimakonferenz 2021 in Glasgow vertreten wird. Wir bitten die Schweizer Regierung, sich dafür einzusetzen, dass solche tieferen Klimaziele nicht akzeptiert werden. Denn sie gefährden den Erfolg des Pariser Klimaabkommens.

Studie zu den aktualisierten Klimazielen in Brasilien – Englisch

 

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«Die Klimakrise zwingt uns, unsere Welt neu zu gestalten. Dieser Wandel soll nicht auf Kosten bedrohter Indigener und Bauerngemeinschaften geschehen. Dafür setzt sich Fastenaktion an der Klimakonferenz ein.»

David Knecht, Programmverantwortung Klima und Energie, Fastenaktion

David Knecht, Verantwortlicher Internationales Programm Energie und Klimagerechtigkeit
UNO Klimakonferenz cop25 titelbild

Anfang Dezember findet in Madrid die COP25 - die jährliche Klimakonferenz der UNO - statt. Gemeinsam mit seinen Allianzpartnern wird Fastenaktion vom Klimawandel bedrohten Indigenen und Bauerngemeinschaften eine Stimme geben. So dass deren Anliegen wahrgenommen und Schutzmechanismen für sie eingebaut werden.

Brasilien hat ein ambitioniertes Klimaziel verkündet. Zwischen 2005 und 2025 sollen die Treibhausgas-Emissionen um 37 Prozent reduziert werden. Um dieses zu erreichen, soll der Energiemix des Landes bis 2030 zu 45 Prozent aus erneuerbaren Energien bestehen. Dafür sind unter anderem viele Wasserkraftwerke geplant.

Kurzsichtige Lösungen entlarven

Im Bundesstaat Mato Grosso, im brasilianischen Amazonas erlebt die Fastenaktion-Partnerorganisation Opan direkt, wie eine schlechte Umsetzung der Ziele auf Kosten der benachteiligten Bevölkerung geschieht. Im Einzugsgebiet des Flusses Juruena sind 127 kleine und mittelgrosse Wasserstaudämme geplant. Diese bedrohen die Lebensgrundlagen der lokalen indigenen Bevölkerung. Denn der Wasserfluss verändert sich drastisch, Fischpopulationen schwinden, heilige Orte sind nicht mehr zugänglich. Und schliesslich kommt die produzierte Energie nicht ihnen selbst zugute, sondern wird direkt ins nationale Netz eingespeist, von dem vor allem Städte ihren Strom beziehen.

Deshalb setzt sich die der Fastenaktion unterstützte Organisation der indigenen Gemeinschaften Opan dafür ein, dass falsche Lösungen als solche enttarnt und gesellschaftsfähige Lösungen gesucht und verbreitet werden. Gerade für die brasilianische Organisation Opan ist es je länger je wichtiger, auf der internationalen Ebene mehr Druck auf die Regierung machen zu können. Denn in Brasilien wird die Zivilgesellschaft je länger je mehr von der aktuellen Regierung eingeschränkt und Aktivistinnen und Aktivisten bedroht.

Sozial verträgliche Lösungen suchen

Die Partnerorganisation Censat in Kolumbien arbeitet an solchen gesellschaftsfähigen Lösungen: Sie führen lokale, dezentrale Energielösungen ein, wie solarbetriebene Wasserpumpen zur Bewässerung agrarökologischer Landwirtschaft oder gemeinschaftlich verwaltete kleine Biogasanlagen, die beispielsweise zur Verarbeitung von Kakao genutzt werden.

Denn die UNO-Klimaziele greifen zu kurz, wenn sie «nur» die Senkung der Treibhausgas-Emissionen überwachen. Es ist wichtig, bei der dringend notwendigen Umsetzung der vertraglich bindenden Ziele die sozialen Aspekte einzubeziehen. Für diese soziale Dimension setzen sich Fastenaktion und seine Allianzpartner an der Klimakonferenz in Madrid ein. Gemeinsam mit dem Netzwerk katholischer Entwicklungswerke Cidse ist eine offizielle Veranstaltung zu diesem Thema geplant, um die Anliegen der indigenen und benachteiligten Bevölkerungsgruppen einzubringen.

Der Handel mit Treibhausgas-Zertifikaten ist keine langfristige Lösung

An den Verhandlungen in Madrid geht es auch konkret darum, den Marktmechanismus zum Handel von Emissionsreduktionen zu bestimmen. Der Bundesrat möchte auf diesen Mechanismus setzen, um die Schweizer Klimaziele zu erreichen. Dieser Handel hat zum Ziel, dass die Treibhausgase, die an einem Ort ausgestossen werden – also zum Beispiel in der Schweiz – an anderen Orten der Welt mit konkreten Massnahmen vermieden werden – zum Beispiel mit Windkraftwerken statt Dieselgeneratoren in Madagaskar. Dahinter steht die Idee, dass es für das Klima – anders als beim Wasser oder der Luftverschmutzung – nicht darauf ankommt, wo die Treibhausgase ausgestossen oder wo sie eingespart werden.

Fastenaktion ist der Meinung, dass ein solch globaler Handel am Ziel vorbei führt: Die wohlhabende Schweiz soll die Verantwortung für ihre Treibhausgasemissionen voll übernehmen und die Reduktionen im Inland erreichen. Darüber hinaus besteht die akute Gefahr, dass der Handel mit Treibhausgasemissionen falsche Anreize setzt und Klimaprojekte mit verheerenden sozialen Schäden fördert.

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