Stefan SalzmannStefan Salzmann

Anpassung an den Klimawandel – es braucht mehr Mittel

Der neuste Bericht des Weltklimarates sagt klar: in Armut lebende Menschen sind nicht in der Lage, sich ausreichend an die Klimaerhitzung anzupassen. Das gefährdet ihre Versorgung mit Nahrungsmittel. Hier sind die Verursacher der Klimakrise in der moralischen Pflicht. Sie müssen Unterstützung bieten. Agrarökologische Landwirtschaft oder die Versorgung mit sauberer Energie sind Anpassungsstrategien. Damit arbeitet auch Fastenaktion in seinen Projekten.

 

Ein Kommentar von Stefan Salzmann, Fachexperte Energie- und Klimagerechtigkeit, Fastenaktion

Das Recht auf Nahrung ist nicht mehr gewährleistet
Das neue Kapitel des 6. Berichtes vom Weltklimarat wurde am 28.02.2022 präsentiert. Der Fokus liegt auf den Auswirkungen der Klimakrise. Die Strategien zur Anpassung (Adaptation) an die Auswirkungen der Krise sind je nach Kontext unterschiedlich. Die grösste Herausforderung erleben verletzliche Bevölkerungsgruppen. Zu denen gehören allen voran in Armut lebende Menschen im globalen Süden. Ihnen fehlen die Mittel für Anpassungen. Diese Menschen sind oft auf die Produktion von Nahrung durch kleinbäuerliche Systeme angewiesen. Doch nach extremen Wetterereignissen kann diese nicht mehr gewährleisten werden. Felder werden überflutet, Dürre vertrocknet die Ernte. Das Recht auf Nahrung ist nicht mehr garantiert.

Klimagerechtigkeit jetzt!
Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, ob sich diese Menschen an die Klimaerhitzung anpassen können. Reiche Länder wie die Schweiz haben hier eine grosse Verantwortung. In Armut lebende Menschen müssen unkompliziert unterstützt werden. Dafür sind finanzielle Mittel nötig. Diese ausreichend bereit zu stellen, muss innerhalb der internationalen Klimaverhandlungen geschehen. Die Schweiz nimmt in dieser Frage eine bremsende Rolle ein – das ist beschämend. Dabei steht im neusten Teilbericht des Weltklimarates, der heute publiziert wurde, klar: der Bedarf an Unterstützung für Anpassungsmassnahmen wird dramatisch steigen. Diesen Bedarf nicht anzuerkennen bedeutet; die Ungerechtigkeit wird sich weiter verschärfen.

Diese Ambitionen braucht es in der Schweiz
Der effizienteste Weg, Klimaungerechtigkeit zu stoppen ist, die Klimaerwärmung auf 1.5 Grad Celsius zu begrenzen. Dafür muss die Schweiz ihre Ambitionen steigern. Das Parlament muss ein Netto-0 Ziel bis 2040 beschliessen. Möglichkeiten dazu bieten das CO2 Gesetz und die Gletscherinitiative, die zur Zeit beraten werden. Darüber hinaus muss die Schweiz in Armut lebende Menschen im globalen Süden unterstützen. Auch sie sollen wo möglich Treibhausgase reduzieren – dazu braucht es aber einen KnowHow-Transfer und die entsprechenden Mittel. Bereits eingetretene Schäden und Verluste müssen kompensiert werden, auch von der Schweiz. Denn die Menschen im globalen Süden, haben am wenigsten zur Klimaerhitzung beitragen, leiden aber am Stärksten unter den Folgen.

Zugang zu Energie für alle
Eine Transition hin zu sauberer erneuerbarer Energie ist Teil der Lösung des Klimaproblems. Insbesondere in Armut lebende Menschen haben hier einen Bedarf. Energieversorgung und Anpassung an die Klimaerhitzung hängen oft zusammen: Anpassung kann bedeuten, Felder zu bewässern, die unter Trockenheit leiden. In Fällen wo dafür Pumpen nötig sind, müssen diese mit Energie versorgt werden. Mehrerträge aus den Ernten müssen gelagert und anschliessend verkauft werden können. So werden Produktionsengpässe überbrückt und Einkommen generiert, um für die restliche Zeit des Jahres Nahrungsmittel einkaufen zu können. Doch um Nahrungsmittel zu lagern, braucht es Kühlschränke und Tiefkühltruhen – und somit auch Energie. Zugang zu sauberer erneuerbarer Energie ist eine Anpassungsmassnahme, die funktioniert. Unsere Partnerorganisationen, zum Beispiel in Kolumbien, arbeiten erfolgreich mit dieser Strategie. Damit ermöglichen sie den Menschen in den Projekten sich an die Klimaerhitzung anzupassen. Gleichzeitig leisten sie einen Beitrag zur Minderung von Treibhausgasen – da keine Generatoren eingesetzt werden müssen.

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Stefan SalzmannStefan Salzmann

Abschlusskommentar zur COP26

Den Worten müssen Taten folgen

Glasgow war zum Glück nicht die Klimakonferenz der letzten Chance – sie wäre sonst verpasst. Zum Abschluss wurde zwar erklärt, dass jetzt gehandelt werden muss – so klar wie nie zuvor – wenn wir die Klimaerhitzung stoppen wollen. Doch verpflichtende Massnahmen fehlten in der Abschlusserklärung. Fastenaktion wird sich weiter gegen die Klimaerhitzung engagieren, denn die Ärmsten sind die, die bereits jetzt an den Folgen leiden.

Ein Kommentar von Stefan Salzmann, Fachexperte Energie- und Klimagerechtigkeit, Fastenaktion

An der Klimakonferenz in Glasgow wurde in erster Linie am Regelwerk weitergearbeitet, welches die Umsetzung des Klimaabkommens von Paris klären soll. So ist positiv zu werten, dass die Abschlusserklärung von Glasgow die Dringlichkeit zu handeln benennt, klarer als jemals zuvor. Subventionen für Technologien, die fossile Energien nutzen, sollen explizit reduziert werden. Das Runterfahren der Nutzung von Kohleenergie ist Konsens. Die Lücke zwischen dem Ziel des Pariser Abkommens und den aktuellen Versprechen, auch jenen zur Klimafinanzierung, sind anerkannt. Die finanzielle Unterstützung für Klimaanpassung soll verdoppelt werden.

Verursacher müssen für Schäden zahlen
Ein Thema wurde von der Zivilgesellschaft zusammen mit den ärmsten Ländern auf die Traktandenliste gepusht: Das Thema der bereits eingetretenen Schäden und Verluste. Wenn jemand an der Küste sein Haus verliert weil der Meeresspiegel steigt, dann ist das Haus für immer verloren. Diese Menschen sind darauf angewiesen, dass die Verursacher der Klimaerhitzung für diese Schäden zusätzliche finanzielle Mittel sprechen. Über die Höhe und den Verteilmechanismus werden wir in den kommenden Jahren reden müssen. In Glasgow ist man sich lediglich einig geworden, dass Schäden & Verluste anerkannt werden und es einen Dialog dazu geben soll. Was nach wenig Fortschritt klingt, ist eine Basis, auf der man in den kommenden Jahren aufbauen muss.

Nachhaltige erneuerbare Energien sind zwingend
Dass man die Entwaldung global stoppen muss um die Klimaerwärmung zu begrenzen, wussten wir auch schon vor Glasgow. Dass Länder wie Brasilien ihren Kurs ändern, weil sie dieses Anliegen mittragen, war zu wünschen aber kaum zu erwarten. Dementsprechend gab es auch keine Zugeständnisse in diesem Bereich. Im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien kündet Brasilien neue Staudammprojekte an. Dies tönt zuerst gut, ist leider aber nicht so. Denn die grossen Staudammprojekte sind eine Gefahr für das Überleben von lokalen indigenen Gemeinschaften. Oft werden ihre Rechte nicht respektiert, ihr Land wird überflutet, sie verlieren ihre Lebensgrundlage. Fastenaktion wird seine Arbeit für erneuerbare Energiesysteme, die die Interessen der Armen berücksichtigen, fortführen.

Den Worten müssen Taten folgen
An der Konferenz gab es Bemühungen ehrgeizige Ziele zu formulieren, um die Klimaerwärmung zu stoppen. Doch diese Pläne sind alle freiwillig. Wie im Pariser Klimaabkommen festgelegt ist das Ziel die Erderwärmung auf 1.5 Grad zu begrenzen. Die zurzeit von den Ländern eingereichten Massnahmen würde die Erderwärmung aber erst bei 2.4 Grad stoppen. Bis 2025 müssen alle Länder neue Klimaziele einreichen und zeigen, wie sie ihren Treibhausgasausstoss reduzieren wollen, damit die 1.5 Grad Grenzen erreicht werden kann. Dazu ist eine Reduktion von mindestens 45 Prozent nötig. Dieses Ziel nicht zu erreichen wäre eine Missachtung des Abkommens und würde fatale Folgen für die Ärmsten bedeuten. Denn diese spüren die Klimaveränderungen schon heute. Dürren und Überschwemmungen sind an der Tagesordnung – sie verlieren ihre Lebensgrundlagen. 

Glasgow wird nicht als die Klimakonferenz in die Geschichte eingehen, die grosse Schritte versprochen hat. Doch es wurden viele kleine Schritte in die richtige Richtung gemacht. Nun gilt es diese Schritte zu nutzen und sich dem Ziel der 1.5 Grad konstant zu nähern. Fastenaktion wird sich auch in Zukunft für mehr Klimagerechtigkeit einsetzen – damit alle genug zum Leben haben.

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Dank Fastenaktion erhalten Indigene Gemeinschaften aus Brasilien an der COP26 eine Stimme. Sie leiden im Amazonas unter Vertreibung und Brandrodungen. Derweil das offizielle Brasilien alles tut um den Klimagipfel zu sabotieren.

Ein Einblick direkt in die COP26 in Glasgow von Stefan Salzmann und Bernd Nilles

Klimagerechtigkeit gefordert – Staudämme im Amazonas vertreiben lokale Gemeinschaften.

Der Fastenaktion Anlass an einer Klimakonferenz in Glasgow war gut besucht. Rund 100 Zuschauerinnen waren vor Ort, weitere 200 online zugeschaltet. Vertreter und Vertreterinnen von indigenen Gemeinschaften aus dem Amazonasbecken haben über ihren Alltag erzählt.

Traurige Geschichten über Vertreibung, den Verlust von Heimat und Kultur, Perspektivlosigkeit, verursacht durch den Bau des Staudamms von Belo Monte. Die Geschichte darf sich nicht wiederholen, deshalb sind die Indigenen Vertreterinnen nach Glasgow gereist. Die Welt soll wissen, wie die Kehrseite von Grossprojekten zur erneuerbaren Energieproduktion aussieht.

Brasilianische Politik: Voller Greenwashing und Widersprüche

Zur selben Zeit unterzeichnen brasilianische Vertreter und Vertreterinnen aus Wirtschaft und Politik haufenweise internationale Initiativen zur Begrenzung der Klimaerwärmung. Eine davon soll Entwaldung ohne Massnahmen und Umsetzungsplan stoppen. Doch genau das macht die aktuelle Regierung.

Eine andere soll die Errichtung globaler Energieverteilungsnetze für erneuerbare Energien vorantreiben. Im Namen des Klimaschutzes werden grosse Projekte vorangetrieben ohne Rücksicht auf lokale Gemeinschaften zu nehmen. Wird doch am Rio Tapajos bereits der nächste grosse Staudamm in Angriff genommen.

Eine Regierung, die sich nicht zu schade ist, im brasilianischen Pavillon die Erfolge der nachhaltigen «grünen» Entwicklung des Bundesstaates Mato Grosso zu präsentieren. Der Bundesstaat also, der in den letzten Jahren wie kein anderer gerodet wurde, um agrarindustriellen Ackerbau voranzutreiben.

Fastenaktion bringt indigenen Gemeinschaften an die COP26 – Brasilien bringt die Lobbyisten der Agrar-Industrie

Der Bundesstaat, in dem indigene Gemeinschaften, vereint im Netzwerk «Jurena Vivo» sich gegen diese Regierung zur Wehr setzen. Fastenaktion hat diese Menschen nach Glasgow gebracht damit ihre Stimme gehört wird.

Das offizielle Brasilien ist in Glasgow mit sage und schreibe 479 Personen vertreten. Das sind etwa doppelt so viele wie aus dem Gastgeberland Grossbritannien vertreten sind. Die Fastenaktion Partnerorganisation «Observatorio do Clima» hat nachgezählt wie viele der wertvollen Zugangslizenzen an Lobby-Organisationen der Agrarwirtschaft (9), der Industrie (6), oder der Wirtschaft (25) vergeben wurden.

Zugangslizenzen für die Ehepartnerinnen – kaum Zugang für indigene Aktivistinnen

Sogar First Ladies aus vier Bundesstaaten und einer Grossstadt sind in die Delegation eingeladen worden und haben Zugang zu sämtlichen Verhandlungsräumen. Und genau in diesen Verhandlungsräumen sind die brasilianischen Vertreter und Vertreterinnen dafür bekannt Transparenzanforderungen zu blockieren, mit langen Monologen die Verhandlungen aufzuhalten oder die Texte mit nicht mehrheitsfähigen Ergänzungen anzureichern.

Gleichzeitig wird die junge indigene Aktivistin Txai Suruí, die nur mit Glück eine Akkreditierung für die Teilnahme an der Konferenz ergatterte, in der Öffentlichkeit physisch belästigt. Ein brasilianisches Delegationsmitglied wurde vom Sicherheitspersonal verhaftet, weil er sich der Frau ungebührlich genähert hatte. Brasilien hat für diese Belästigung und ihr Auftreten den von der Zivilgesellschaft verliehenen «Fossil of the Day»-Award bekommen. Ein Preis der für negatives Verhalten an der Klimakonferenz verliehen wird.

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Paralell zur COP26 organisierte Fastenaktion den Klimaevent „4 days 4 future“ in Köln. Engagierte Klimaaktivistinnen besuchten das Dorf Lützelrath, das für die Braunkohle dem Erdboden gleich gemacht werden soll.

Dieses gigantische dunkle Loch, liess uns erschaudern. Es ist ein Symbol für die Leere ist, die nach der kompletten Ausbeutung dieses Landes zurückbleibt. 

Ein Erfahrungsbericht von Pauline Bellanger aus Genf: 

Der verantwortliche Energiekonzern RWE plant in Lützerath den Braunkohleabbau zu erweitern

Lützelrath: Eine der grössten CO2-Schleudern Europas

Im Rahmen der Veranstaltung «4 days 4 future» in Köln, Deutschland, die von den Hilfswerken Fastenaktion, CIDSE und MISREOR organisiert wurde, besuchten wir das rheinische Braunkohlerevier in der Nähe des Dorfes Lützerath. 

in Lützelrath befindet sich bereits heute eine der grössten Quellen für CO2-Emissionen in Europa. Dennoch plant der verantwortliche Energiekonzern RWE, das Dorf Lützerath zu zerstören, um den Braunkohleabbau zu erweitern.

Bauernfamilien und Klimaaktivistinnen wehren sich gegen die Zerstörung

Vor Ort trafen wir eine Frau, die einen alten Bauernhof besitzt, und sich seit Jahren gegen den Kohleabbau und die Zerstörung ihres Dorfes wehrt. Gleich nebenan haben zudem Klimaaktivistinnen ein Camp aufgeschlagen. Sie fordern einen Stopp des Kohleabbaus und die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens und die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5°.

Ein grosses Engagement für die Umwelt und die Menschen war auch bei den Aktivist*innen spürbar, mit denen wir im Camp sprechen konnten.

Das Camp der Klimaaktivistinnen in Lützelrath

Umsiedlung und Verlust von fruchtbarem Ackerland

Obwohl das Land so fruchtbar ist, soll es weiter zerstört werden, damit noch mehr Kohle abgebaut werden kann. Gemäss den Aussagen der Landwirtin, wird es nach der Ausbeutung des Landes nicht mehr möglich sein, das ursprüngliche Ökosystem wiederherzustellen.

Der Braunkohleabbau zur Gewinnung von Strom zerstört nicht nur das kostbare Ökosystem, sondern auch die Lebensgrundlage der Menschen vor Ort. Denn auch wenn RWE eine Umsiedlung anbietet, werden die Bewohnerinnen von Lützerath ihre Heimat und ihr Land verlieren.

Aktivisten und Aktivistinnen hoffen auf die COP26

Ein grosses Engagement für die Umwelt und die Menschen war auch bei den Aktivistinnen spürbar, mit denen wir im Camp sprechen konnten. Diese jungen Menschen harren trotz Kälte, Wind und Schlamm aus und fordern auf friedliche Weise das Recht auf Leben ein. Das Versprechen von mehr als 190 Staaten an der COP26, der Ausstieg aus dem Braunkohleabbau ist deshalb verpflichtend und darf nicht aufgeschoben werden!

Pauline Bellanger aus Genf, engagiert sich für Klima und Umwelt und weilte auf Einladung der Fastenaktion an der Rahmenveranstaltung zur COP26 in Köln

Pauline Bellanger engagiert sich für Klima und Umwelt. Sie weilte auf Einladung der Fastenaktion an der Rahmenveranstaltung „4 Days 4 Future“ zur COP26 in Köln

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«Energie für was? Energie für wen?»

Diese Fragen standen im Zentrum des der Fastenaktion und Partnerorganisationen durchgeführten Events an der Klimakonferenz COP26.
Energie benötigen wir alle in unserem Alltag. So auch indigene Gemeinschaften auf dem Land in Brasilien und Kolumbien. Sei es, um den gefangenen Fisch zu lagern oder zum Betrieb von Wasserpumpen für die Bewässerung von Feldern. Und – um die Klimaerhitzung zu begrenzen – müssten es erneuerbare Energien sein.

Stimmen aus Kolumbien und Brasilien
Aber nicht alle erneuerbare Energieprojekte sind per se gut. Davon berichteten vier indigene Frauen am Event.
Juma Xipaia und Alessandra Korap Munduruku, indigene Anführerin des Xipaya, respektive Munduruku-Volkes, berichtete mit eindrücklichen Worten, wie der Bau des Belo Monte Staudammes in Brasilien das Leben ihrer Gemeinschaften verändert hat. Mit dem Bau des Staudammes kam auch Gewalt und Korruption in die Region. Die beiden Frauen zeigten zudem sehr deutlich, dass grosse, aber auch kleine Wasserkraftwerke Lebensgrundlagen bedrohen können, wenn sie nicht nachhaltig geplant werden. Zum Beispiel kann durch solche Kraftwerke die Wanderung von Fischen gestört werden. Im Juruena-Bassin beispielsweise sind 160 mittlere und kleinere Wasserkraftwerke geplant.

Zitat Juma Xipaia, des Xipaia Volkes, Brasilien
Ich kann mir meine Welt ohne Belo Monte leider nicht mehr vorstellen. Die negativen Auswirkungen betreffen nicht nur die Umwelt, sondern auch soziale, kulturelle und spirituelle Dimensionen. Sie Verändern unsere Leben, Geschichten, und unsere Spiritualität.

Ati Gunnawi, von der indigenen Gemeinschaft Arhuaca im Norden Kolumbiens, erklärte wie sich ihre Gemeinschaft wiederholt wehren musste gegen den Bau von Staudämmen im Fluss Don Diego. Sie zeigte auch, wie die Gemeinschaften nach Alternativen für ihre Bedürfnisse suchten und beschlossen Solaranlagen für den Betrieb einer Schule zu installieren.

Zitat Ati Gunnawi Viviam, der Arhuaca Gemeinschaft, Kolumbien:
Das ist eine gute Gelegenheit um Netzwerke zu stärken und um Sonnenenergie zu nutzen. Die Projekte erfolgen in Zusammenarbeit mit dem Gemeinschaften, die sich das wünschen.

Eine andere Möglichkeit schilderte Sineia Bezerra do Vale. Ihre Gemeinschaft des Wapichana-Volkes in Roraima (Brasilien) baut auf Sonne und Wind zur Energieproduktion. Die Gemeinschaft hat sich dafür entschieden, die starken Winde bei ihnen zu nutzen und mittels Windräder Strom zu produzieren. Zurzeit installieren sie zusätzlich Solaranlagen. So konnten sie die Abhängigkeit von Diesel-Generatoren reduzieren.

Der Schutz von Urwälder ist essentiell für Klimagerechtigkeit
An der COP26 setzen sich die vier Frauen für die Anliegen ihrer Gemeinschaften ein – auch mit Lösungsideen im Gepäck. Denn der Einsatz für die Rechte und Bedürfnisse der indigenen Völker trägt direkt zum Schutz von Urwälder und Biodiversität bei. Für Klimagerechtigkeit ist dies essentiell. Der Kampf gegen die Klimaerhitzung ist dringend und muss an Tempo gewinnen. Er soll gleichzeitig genutzt werden, um die Lebensgrundlagen von ländlichen und indigenen Gemeinschaften auf der ganzen Welt zu verbessern.

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Wirbelstürme auf den Philippinen hat es auch früher gegeben. Als Folge des Klimawandels sind diese aber heftiger und häufiger geworden und nehmen vielen Menschen Haus und Hof.

Medienmitteilung

COP26 – die Schweiz steht in der Pflicht

Luzern, 25.10.2021
An der am nächsten Montag beginnenden Klimaverhandlung COP26 in Glasgow muss die Schweiz endlich Verantwortung übernehmen. Für den globalen Kampf gegen die Klimaerhitzung müssen mehr finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden. Zudem sollen Länder ihre Massnahmen gegen die Klimaveränderungen klar benennen. Dafür tritt Fastenaktion an der COP26 ein.

An der COP26 wird über die Klimaerhitzung beraten – und wie sie sich noch vermeiden lässt. Dabei werden einmal mehr die Stimmen der Menschen aus dem globalen Süden untervertreten sein. Sie sind am stärksten von der Klimakrise betroffen, haben aber kaum etwas dazu beigetragen. Darum wird Fastenaktion in Glasgow zusammen mit Partnerorganisationen die Stimme für die Menschen im globalen Süden ergreifen. Fastenaktion fordert Klimagerechtigkeit und dass die Schweiz ihre Verpflichtungen als Mitverursacherin der globalen Klimaerhitzung wahrnimmt.

Zusätzliche finanzielle Mittel sind notwendig
Für den globalen Kampf gegen die Klimaerhitzung ist es entscheidend, dass kurzfristige und einseitig wirtschaftliche Eigeninteressen überwunden werden. Reiche Länder wie die Schweiz stehen in der moralischen Pflicht. Die Klimaerhitzung ist ein globales Problem, welches globaler Lösungen bedarf. Dazu gehört die Finanzierung von Massnahmen zur Anpassung an die Klimaerhitzung oder zur Minderung von deren Folgen im globalen Süden. Jetzt ist der Moment dazu. Bis 2025 sollen von der Schweiz zusätzliche Mittel für Massnahmen gegen die Klimaveränderung bereitgestellt werden. Die Gelder müssen zusätzlich zum Rahmenkredit Internationale Zusammenarbeit oder für Klimaprojekte, welche klar die Armut mindern, gesprochen werden.

Mehr Transparenz im Kampf gegen die Klimaveränderung
Fastenaktion und die anwesenden Partnerorganisationen setzen sich für mehr Transparenz bezüglich der Massnahmen gegen die Klimaveränderung ein. Nur so kann nachvollzogen werden, ob die einzelnen Länder ihren Verpflichtungen und Versprechen zum Pariser Klimaabkommen nachkommen. Dies ist auch eine elementare Forderung der Partnerorganisationen von Fastenaktion.

Fastenaktion in Glasgow
Fastenaktion wird mit zwei Energie- und Klimafachpersonen und dem Geschäftsleiter Bernd Nilles vor Ort sein und all diese Forderungen an der COP26 vertreten. Sie stehen für Einschätzungen und aktuelle Kommentare zur Verfügung.

Netto–Null bis 2040 – oder gar 2022?
Zudem fordert Fastenaktion von der Schweiz Netto-Null bis 2040. Dabei muss die Reduktion des Ausstosses von CO2 mindestens linear sein. Der konsequente Ausstieg aus fossilen Energieträgern ist zwingend. Nur so kann die 1.5 Grad-Grenze in einem sinnvollen Rahmen erreicht werden. Aus ethischer Sicht hat die Schweiz ihr CO2-Restbudget sogar bereits im März 2022 aufgebraucht – diese These diskutieren Fachleute morgen Dienstag im Hotel Kreuz in Bern.

 

Die Medienmitteilung als .pdf finden Sie hier.

Auskunft zur Medienmitteilung geben Ihnen gerne

  • Stefan Salzmann, Fachverantwortlicher Energie und Klimagerechtigkeit Fastenaktion, 041 227 59 53
  • Mischa von Arb, Mediensprecher Fastenaktion, 041 227 59 66

Weitere Informationen im Vorfeld der Weltklimakonferenz COP26

 Nächste Schritte der Fastenaktion und Partnerorganisationen hin zur

  • Analyse der Umsetzung der Klimaziele in verschiedenen Ländern
  • Ausbildung Vertreter/innen indigener Gemeinschaften in den Klimakonferenz-Prozessen
  • Podiumsdiskussion zu Klimagerechtigkeit & Kohlenstoffbudget der Schweiz am 26 Oktober 2021 in Bern

Fastenaktion engagiert sich mit Partnerorganisationen gegen den Klimawandel im Süden

Fastenaktion bietet Handlungsmöglichkeiten gegen den Klimawandel in der Schweiz:

 

Auskünfte zum Thema Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion geben Ihnen gerne

  • David Knecht, Programm Energie- und Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion: +41 41 227 59 89
  • Stefan Salzmann, Programm Energie- und Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion: +41 41 227 59 53
Stefan SalzmannStefan Salzmann

Klimagerechtigkeit: Beschleunigen statt bremsen! Bitte! Jetzt!

Am Montag erschien der neueste wissenschaftliche Bericht des UNO Weltklimarat (IPCC) zum Klimawandel. Die Aussagen alarmieren: Im IPCC Bericht steht in deutlichen Worten, dass der Einfluss der Menschen auf die Klimaerwärmung eindeutig ist. Die negativen Veränderungen sind über Jahrhunderte bis Jahrtausende unumkehrbar.

Ein Kommentar von Stefan Salzmann, Fachexperte Energie- und Klimagerechtigkeit, Fastenaktion

Der IPCC-Bericht sagt unter anderem, dass die Extreme in Zukunft noch schlimmer werden. Doch schon jetzt erleben wir: Hitze in Kanada und Griechenland, Waldbrände in Griechenland, Türkei, Russland und Kalifornien, Starkniederschläge sowie Hagelstürme in der Schweiz, Dürren im Iran als auch Rekordwerte bei der Gletscherschmelze in Grönland. Häufigkeit und Intensität von Hitzeextremen und Starkniederschlägen sowie landwirtschaftliche und ökologische Dürren werden zunehmen. Partnerorganisationen der Fastenaktion berichten bereits seit Jahren, dass solche Extreme immer häufiger werden.

 

Die Welt braucht jetzt keine Bremser, sondern Gestalter

Der Ausstieg aus fossilen Energien muss konsequent erfolgen. Fastenaktion fordert Netto-Null bis 2040 auf einem linearen Absenkpfad. Denn es ist wichtig, wie viel Emissionen wir noch ausstossen – das sogenannte CO2-Budget – und nicht nur, wann wir bei null ankommen. Doch der Bundesrat ignoriert die Dringlichkeit der Klimakrise. Heute Mittwoch formuliert er einen ungenügenden Gegenvorschlag zur Gletscherinitiative.

Mehr Klimagerechtigkeit

In der Schweiz haben wir mit der Ablehnung des revidierten CO2 Gesetzes demokratisch entschieden, dass wir lieber keinen Schritt zu mehr Klimagerechtigkeit tun als einen kleinen. Der Bundesrat folgt nun diesem mutlosen Entscheid. Dies ist umso tragischer, da viele Menschen im globalen Süden  schon jetzt massive Auswirkungen der Klimakrise spüren. Zum Beispiel auf den Philippinen: Ein Taifun hat Küstenbewohnerinnen und -bewohner gezwungen in den Slum von Manila umzusiedeln. Als Hauptleidtragende haben sie keine Möglichkeit, entscheidend etwas gegen die Klimakrise zu unternehmen. Sie verursachen die Klimaerhitzung nicht – aber sie tragen die maximalen Kosten.

Fastenaktion an der Klimakonferenz

Fastenaktion bringt diese Menschen und deren Stimme an die Klimakonferenz (COP26) in Glasgow im November. Dort müssen zu Gunsten der Leidtragenden der Klimaeerhitzung Aktionspläne verabschiedet werden – ausserhalb der politischen Verhandlungsagenda. Sich nur auf Detailverhandlungen zu fokussieren und die Dringlichkeit sofortigen Handelns auszuklammern wäre skandalös. Die Zeichen waren noch nie so deutlich wie jetzt – darum muss jetzt endlich etwas geschehen!

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Typhon Sendong, Philippine. Un cocotier détruit une maison.Même si les typhons sont monnaie courante aux Philippines, ils sont devenus plus violents et plus fréquents en raison des changements climatiques. Des maisons et des fermes sont détruites et de nombreuses personnes restent sans abri.

Luzern, 27. April 2021. Das CO2-Gesetz ist die Umsetzung der internationalen Klimaverpflichtungen der Schweiz. Im Interesse der Menschen in den Projekten, welche bereits unter klimatischen Katastrophen leiden, setzt sich Fastenaktion ein für ein «Ja» bei der kommenden Abstimmung vom 13. Juni. Zusammen mit Justitia et Pax und oeku Kirchen und Umwelt veröffentlicht Fastenaktion heute eine ausführliche Stellungnahme zum CO2-Gesetz.

Das CO2-Gesetz stellt die Weichen für effektivere Klimaschutzmassnahmen ab 2022.  Fastenaktion setzt sich ein für ein «Ja», denn:

  • Das neue CO2-Gesetz nimmt das Verursacherprinzip ernst und gewährleistet einen sozialen Ausgleich, indem ein Grossteil der CO2-Lenkungsabgabe pro Kopf an die Bevölkerung rückerstattet wird. Die neuen Instrumente des CO2-Gesetzes sind ein wichtiger Schritt gegen die Klimaerwärmung und für mehr globale Klimagerechtigkeit. Darum stellen sich die Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit deutlich hinter das Gesetz.
  • Mit der Flugticketabgabe ergreift das CO2-Gesetz Massnahmen im besonders klimaschädlichen Flugverkehr. Dieses Geld fliesst mindestens zur Hälfte als Öko-Bonus an die Bevölkerung zurück. Die Mehrheit der Bevölkerung, die wenig oder gar nicht fliegt, profitiert somit finanziell.
  • Die Schweiz wird durch das Gesetz verpflichtet, ihre Finanzpolitik allgemein mit dem Klimaschutz in Einklang zu bringen.

Mit einem «Ja» zum CO2-Gesetz schlägt die Schweiz den dringend notwendigen Weg ein, hin zu einer klimaneutralen Zukunft. Sie leistet einen Beitrag, um die Klimaerhitzung auf 1.5 Grad zu begrenzen. Bei einem «Nein» drohen weitere Jahre ohne verbindliche Ziele und Massnahmen – ein Totalschaden in der Schweizer Klimapolitik, nachdem das Parlament mehr als drei Jahre an der Vorlage gearbeitet hat.

Klimagerechtigkeit – jetzt!

In sechs Monaten, am ersten November 2021, beginnt die Weltklimakonferenz in Glasgow (COP 26). An dieser werden die Staaten ihre aktualisierten Klimaziele diskutieren. Auch die Schweiz wird ihre aktualisierten Klimaziele präsentieren. Diese bauen auf dem schweizerische CO2-Gesetz auf. Es ist wichtig, dass auch die Schweiz ambitioniertere Ziele einbringen kann. Denn die Dynamik zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens muss beibehalten und verstärkt werden.

Fastenaktion engagiert sich für das CO2-Gesetz und die Weltklimaziele, weil die klimatische Katastrophe die ärmsten Menschen besonders hart trifft. In den Projekten des Hilfswerks im globalen Süden leiden bereits Zehntausende unter der dramatischen Zunahme von Wirbelstürmen überfluteten Küsten und lang andauernden Dürren. Ihre Ernährungssituation – bereits vorher prekär – verschlechtert sich zunehmend.

Die Stellungnahme zum CO2-Gesetz finden Sie hier

Auskunft zur Stellungnahme geben Ihnen gerne

  • Wolfgang Bürgstein, Dr. theol., dipl. oec., Generalsekretär Justitia et Pax, Mitautor der Stellungnahme, 078 824 44 18
  • Kurt Zaugg-Ott, Dr. theol., Leiter der Fachstelle oeku Kirchen für die Umwelt, 076 531 26 00
  • Matthias Dörnenburg, Leiter Kommunikation Fastenaktion, 041 227 59 21

Weitere Informationen im Vorfeld der Weltklimakonferenz COP26

 Nächste Schritte der Fastenaktion und Partnerorganisationen hin zur

  • Analyse der Umsetzung der Klimaziele in verschiedenen Ländern
  • Ausbildung Vertreter/innen indigener Gemeinschaften in den Klimakonferenz-Prozessen
  • Podiumsdiskussion zu Klimagerechtigkeit & Kohlenstoffbudget der Schweiz im Oktober 2021

Fastenaktion engagiert sich mit Partnerorganisationen gegen den Klimawandel im Süden

Fastenaktion bietet Handlungsmöglichkeiten gegen den Klimawandel in der Schweiz:

 

Auskünfte zum Thema Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion geben Ihnen gerne

  • David Knecht, Ökonom und verantwortlich für das Programm Energie und Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion: +41 41 227 59 89
  • Matthias Dörnenburg, Leiter Kommunikation und verantwortlich für die Ökumenischen Kampagne 2021 «Klimagerechtigkeit – jetzt!»: +41 41 227 59 21