Auf Northern Samar, der drittärmsten Region der Philippinen, haben die Menschen eine gesunde Alternative zu Instantnudeln entwickelt. Weder Taifun Pisoy noch die Einschränkungen aufgrund COVID konnten sie davon abhalten, ihre Idee umzusetzen.  

Auf Northern Samar ist Cerd, die Partnerorganisation von Fastenaktion tätig. Über 70 Prozent der Menschen arbeiten dort entweder in der Fischerei, der Landwirtschaft oder als Handwerker:in. Dabei ist die Arbeit als Fischer eine der am schlechtesten bezahlten. Und durch die Klimaerhitzung ist die Arbeit zudem für sie schwierig geworden. Die Fischpopulationen nehmen stetig ab, Taifune fegen häufiger übers Land und die Preise, die für Fisch bezahlt werden, unterliegen grossen Schwankungen. Die Menschen sind gezwungen, sich andere Einkommensquellen zu schaffen. So entstand die Idee, aus Kürbissen Nudeln zu machen, um sie zu verkaufen. Kürbisse wachsen in vielen Hinterhöfen und in rauen Mengen. Unterstützt von der Partnerorganisation von Fastenaktion wurden Abklärungen, Bedarfsanalysen und Schulungen zur Nudelherstellung gemacht.  

Zwei Katastrophen kurz nacheinander 

Ende 2019 war es schliesslich so weit. Alles war bereit für die erstmalige Produktion von Kürbisnudeln. Verkauft werden sollte das neue Produkt an kleinen regionalen Märkten, den Talipapa, die insbesondere frisches Gemüse verkaufen. Das Sortiment sollte mit den getrockneten Nudeln vergrössert werden.  Doch im Dezember 2019 verhinderte der Taifun Pisoy den Beginn des Projekts, da die Nudeln nicht im Freien getrocknet werden konnten. Im März 2020 verunmöglichte Corona den Produktionsstart. Um kurz darauf dennoch unter strengen Hygienevorschriften starten zu können, finanzierte Cerd die Rohstoffe sowie die Entlohnung für die Fachkräfte. Im April gingen die ersten Nudeln endlich in Produktion.  

Männer und Frauen beteiligen sich gleichermassen an der Produktion. Zwei elektrische Nudelpressen und ein Nudeltrockner kommen zum Einsatz. Die Kürbisse werden von den Bäuerinnen und Bauern der Partnerorganisation geliefert. Sie produzieren ohne Chemie und Pestizide in ihren kleinen Hinterhofgärten und Feldern. Zur Herstellung der Nudeln braucht es neben den Kürbissen Mehl, Salz, Öl und Lauge.  

Kürbisnudeln dienen der Nothilfe 

Sechs bis sieben Menschen können 50 bis 60 Kilogramm Nudeln an einem Tag produzieren. Die erste Produktionsrunde dauerte 16 Tage und die gesamte Produktion wurde als Hilfsnahrung an rund 500 Familien, lokale Bezirksvertretungen und einige Regierungsbehörden abgegeben. Der zweite Produktionszyklus im Mai dauerte 12 Tage und 250 Kilo Kürbisnudeln konnten an die Kommunalverwaltung abgegeben werden, damit sie die getrockneten Kürbisnudeln als Hilfsnahrung abgeben konnten. Die im September produzierten 1‘000 Packungen wurden im Rahmen von Nothilfe verteilt und reduzierten Unterernährung. 

Die Partnerorganisation kaufte einen Nudeltrockner für die Produktion.
Die Partnerorganisation kaufte einen Nudeltrockner für die Produktion.

Kürbisnudeln schaffen Einkommen

Mit der Herstellung von Kürbisnudeln haben die Menschen in Northern Samar zusammen mit der Partnerorganisation ein äusserst nützliches Projekt realisiert. Kürbisse sind in der Region reichlich vorhanden, in der Hochsaison besteht sogar ein Überangebot. Die Herstellung der getrockneten Nudeln bietet den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern ein zusätzliches Einkommen und reduziert die Verschwendung von Kürbissen. Zudem können sie Kenntnisse und Fähigkeiten in der Führung eines Kleinunternehmens erwerben.

Sollte ein Taifun oder Unwetter Kürbiskulturen zerstören, wissen sie, was zu tun ist. Denn sie haben bereits mit alternativen Zutaten gepröbelt; auch Yamswurzel, Süsskartoffel oder Moringa, die widerstandsfähiger gegen Taifune sind, können verwendet werden. Kürbisnudeln sind zudem eine gute Quelle für Ballaststoffe und Vitamine und sind eine gesunde Alternative zu den weitverbreiteten Instantnudeln.

Die Kürbisnudeln sind eine gesunde Alternative zu Instantnudeln.
Die Kürbisnudeln sind eine gesunde Alternative zu Instantnudeln.

Fastenaktion arbeitet mit der Partnerorganisation Cerd in mehreren Projekten auf den Philippinen zusammen. Wir unterstützen beispielsweise Fischereifamilien dabei ihre Lebensgrundlagen zu verbessern. Mehr über das Projekt erfahren Sie hier.

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Die Corona-Pandemie, Klimagerechtigkeit und der Namenswechsel prägten das Jahr 2021 von Fastenaktion (ehemals Fastenopfer). Zusammen mit seinen Partnerorganisationen sicherte Fastenaktion Zugang zu Nahrung und Saatgut. Wegen der zunehmenden Extremwetter, bedingt durch die Klimakrise, musste vermehrt Nothilfe geleistet werden. Rund 2.4 Millionen Menschen profitierten 2021 direkt von der Arbeit von Fastenaktion.

Im vergangenen Jahr verbesserte Fastenaktion mit seinen Aktivitäten in zwölf Landesprogrammen und den drei Internationalen Programmen die Lebensumstände von rund 560‘000 Menschen direkt. Indirekt bedeutet das für 2,4 Millionen Menschen eine Verbesserung ihrer Lebensumstände. Gemeinsam mit kleinbäuerlichen Netzwerken, Solidaritätsgruppen, kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen setzte Fastenaktion 355 Projekte um. Im Fokus der Arbeit stand der Zugang zu genügend und gesunder Nahrung. Dies geschah durch nachhaltige Anbaumethoden und Stärkung von Dorfgemeinschaften.

9 von 10 Franken fliessen direkt in die Projekte
Den Ausgaben von 22‘536‘223 Franken standen Einnahmen von insgesamt 23‘132‘838 Franken gegenüber. 86.8 Prozent der Einnahmen wurden direkt für die Projektarbeit eingesetzt.

Bewusster Konsum – Kampagne in der Schweiz gab zu Reden
Das Sujet der Ökumenischen Kampagne 2021, welches einen bewussten Fleischkonsum und mehr Klimagerechtigkeit forderte, führte zu angeregten Diskussionen. Es zeigte, welche Auswirkungen Entscheidungen im industrialisierten Norden auf die Menschen im globalen Süden haben. Deshalb auch die entwicklungspolitische Forderung an die Schweizerische Nationalbank aus der Finanzierung fossiler Energien auszusteigen, um den Klimawandel abzumildern der den Süden bereits hart trifft. In der Schweiz erreichte Fastenaktion mit der Informations- und Sensibilisierungsarbeit rund 3 Millionen Menschen.

Von Fastenopfer zu Fastenaktion
Am 60 Jahre Jubiläum im September wurde der Namenswechsel von Fastenopfer zu Fastenaktion bekannt gegeben. Der Organisationsname der Suisse romande «Action de Carême» wurde zum nationalen Namen, auf Deutsch und Italienisch wurde er entsprechen angepasst; Fastenaktion – Action de Carême – Azione Quaresimale. Die Änderung ging mit einer leichten Anpassung des Logos der Organisation einher. Erste Auswertungen im 2022 zeigen, dass der Namenswechsel positiv aufgenommen wurde.

Ausblick 2022
Zwei Jahre dauert die Covid-Pandemie bereits an und hat schlimme Auswirkungen auf die Menschen in den Ländern in denen Fastenaktion tätig ist. Zudem macht ihnen die Klimakrise bereits seit Jahren zu schaffen. Zunehmende Armut und steigende Nahrungsunsicherheit sind die Folge und bereits kündigt sich eine Verschärfung der Krise an. Der Krieg in der Ukraine und der damit einhergehende Mangel an Getreide und Treibstoff, sowie die rapide steigenden Preise für Nahrungsmittel, verschlimmern ihre Lebensumstände zusätzlich. Hungerkrisen sind unausweichlich. Fastenaktion versucht mit seinen Partnern und dem Konzept der Hilfe zur Selbsthilfe dagegen zu halten. In vergangenen Hungerkrisen, zeigte sich die Wirkung des von Fastenaktion gewählten Ansatzes. Die Menschen können dank eigenem, lokal angepasstem Saatgut und Anbaumethoden ihre Nahrung produzieren und ihre Lebensumstände verbessern.

Auskunft zur Medienmitteilung geben Ihnen gerne:

  • Bernd Nilles, Geschäftsleiter Fastenaktion,  +41 41 227 59 71
  • Mischa von Arb, Leiter Medien, Information und Campaigning, +41 41 227 59 66

Auch dieses Jahr liegt nicht nur Feierliches in der Luft. Denn nach wie vor belastet uns die Pandemie, beschäftigt uns das Virus. Darum bitten wir Sie: Werden Sie heute ein Lichtblick, der helle Stern am Himmel für Menschen in Not.

Ein Zeichen der Verbundenheit und der Solidarität brauchen jetzt vor allem auch die Menschen im globalen Süden. Denn die Pandemie hat ihre Not verstärkt. Die Zahl der Menschen, die in Hunger und Armut leben, ist stark gestiegen. 

Damit auch diese Menschen hoffnungsvoll ins neue Jahr starten können, bitte ich Sie heute um Ihre Unterstützung. Denn: Gemeinsam können wir Hunger stillen und Hoffnung nähren.

Ihre Weihnachtsspende

Mit Ihrer Spende erfüllen Sie den Wunsch nach Hoffnung: Zum Beispiel…

Kinder aus einem Dorf, das von Fastenaktion im Projekt Tsinjo Aina unterstütz wird.

…mit 50 Franken für dringend benötigte Nahrungsmittel

Verhindern Sie Hunger: In Madagaskar herrschte in diesem Jahr eine grosse Dürre. Mit einer Spende ermöglichen Sie Solidaritätskassen. Helfen Sie Bauern und Bäuerinnen Dürrezeiten durchzuhalten.

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…mit 80 Franken für Saatgut und sichere Ernten

Verhindern Sie die Verschuldung: Ein Dach geht kaputt, ein Kind wird krank oder das Saatgut wird knapp. Fördern Sie Spargruppen – eine echte Hilfe zur Selbsthilfe. 

Madagaskar TARATRA

… mit 150 Franken für klimaangepasste Landwirtschaft

Verhindern Sie verdorrte Ernten. Mit landwirtschaftlicher Ausbildung und Wasserprojekte ermöglichen Sie Ernten auch in der Klimaerhitzung. Helfen Sie Familien den Gefahren des Klimwandels zu trotzen. 

Seien Sie ein Lichtblick für Menschen in Not

Schweiz, Luzern, Verkehrshaus: Jubiläumsanlass «60 Jahre Fastenaktion». Bernd Nilles, Geschäftsleiter, präsentiert das neue Logo des auf «Fastenaktion» umbenannten, katholischen Hilfswerks. 10.9.2021 © Fabian Biasio / Fastenaktion

Wandel und Bewegung – Fastenaktion wird zu Fastenaktion

Das Hilfswerk Fastenaktion feierte heute Freitag sein 60 Jahre Jubiläum mit einem Festakt und einer Podiumsdiskussion. Themen waren die Herausforderungen der Entwicklungszusammenarbeit – auch Angesichts der Klimakrise.

Auf dem Podium diskutierten, moderiert von Markus Brun, Leiter Internationale Zusammenarbeit bei Fastenaktion, Alt-Bundesrätin Doris Leuthard, Botschafterin Ruth Huber von der DEZA, Stiftungsratspräsident Bischof Felix Gmür und der Geschäftsleiter von Fastenaktion, Bernd Nilles, über die Ausrichtung der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) in Zeiten der Klimakrise. Denn am stärksten unter der Klimakrise leiden die Menschen, die am wenigsten dazu beitragen. So unterstrich Bernd Nilles während der Diskussion, dass die Menschen in den Fastenaktion-Projekten bereits jetzt stark unter den Folgen der Klimaerwärmung leiden. «Durch die Klimaerwärmung ausgelöste Naturkatastrophen, bedeuten eine konstante Gefahr für die Menschen im globalen Süden. Ihre Lebensgrundlagen können jederzeit zerstört werden – sei es in Form von Dürren, Taifunen oder Erdrutschen.» so Nilles weiter. Auch deshalb ist die Forderung auf das «Recht auf Nahrung» für Fastenaktion ein zentrales Anliegen.

 

Mehr Gerechtigkeit, weniger «Pflästerlipolitik»

In den Grundsätzen ist das Werk sich in den 60 Jahren treu geblieben: Mit der Ausrichtung auf die Fastenzeit, die Verzicht, Solidarität und Besinnung miteinander verbindet, mit dem Aufruf zu einem massvollen Lebensstil, dem Engagement für mehr entwicklungspolitische Verantwortung der Schweiz und der Projektarbeit auf Augenhöhe im globalen Süden. Oder wie Toni Bernet Strahm, ehemaliges Geschäftsleitungsmitglied in seiner Festrede sagte: «Die Frauen und Männer in den Projekten, kompetent, initiativ, mutig, mit vielen Kenntnissen und Erfahrungen in ihren Ländern, machen die Hauptarbeit und die Wirkung von Fastenaktion aus. Sie bilden Organisationen, stärken die Zivilgesellschaft in ihren Ländern und tragen zum Empowerment von Benachteiligten bei. Sie berücksichtigen ihre kulturellen und religiösen Hintergründe, die hilfreich für jegliche Art von Veränderungen sind.»

Die Grundidee eines Fastenaktions, das nicht «Pflästerlipolitik» sondern Ursachenbekämpfung, mehr Gerechtigkeit und einen zukunftstauglichen Lebensstil fordert, wurde seit der Gründung konstant weiterentwickelt.

 

Neuer Name und neues Logo

Ein nächster Entwicklungsschritt sind ein neues Logo und der neue Name, die am Jubiläumsanlass erstmals präsentiert wurden. Ab dem 1. Januar 2022 wird Fastenaktion zu Fastenaktion werden. Der Namenswechsel wird durch ein erneuertes Logo begleitet. Es betont die Menschlichkeit und symbolisiert durch einen unterbrochenen Kreis die ungerechte Welt. So ist das Logo auch ein Aufruf zum gemeinsamen Handeln für mehr Gerechtigkeit.

Auskünfte:

Bernd Nilles, Geschäftsleiter Fastenaktion
nilles@fastenaktion.ch

 

Bei Hungerkrisen, werden im Süden Madagaskars Feigenkakteen an die Zeburinder verfüttert.Bei Hungerkrisen bleiben den Menschen im Süden Madagaskars oft nur die Früchte der Feigenkakteen. Die Blätter verfüttern sie an ihre Zeburinder.

Die Situation im Süden Madagaskars hat sich verschlechtert: Unzureichende Regenfälle, steigende Nahrungsmittelpreise und Sandstürme haben die Ernährungsunsicherheit erhöht. Rund zwei Drittel der Bevölkerung benötigen dringende Massnahmen, um ihre Lebensgrundlagen zu schützen, das Nahrungsdefizit zu reduzieren und ihr Leben zu retten.

Die Aussichten für die Bevölkerung im Süden Madagaskars sind kritisch. Die Zahl der Menschen in akuter Ernährungsunsicherheit wird auf über 1.3 Millionen ansteigen. Da die letzten beiden Regenzeiten völlig unzureichend waren, gibt es von April bis September kaum etwas zu ernten. Die Hoffnung auf die dürreresistenten Feldfrüchte wurde durch Stürme zerstört, welche diese ausgetrocknet haben.

Hungerkrise mit schlimmen Folgen

Die Produktion von Reis, Hülsenfrüchten und anderen lokalen Grundnahrungsmitteln wird zwischen 60-75 Prozent tiefer ausfallen als bisher. Die Nahrungsmittelpreise waren aufgrund von Covid-19 bereits angestiegen, nun steigen sie noch höher. Ohne Hilfe von aussen sind viele Haushalte gezwungen, Vieh oder ihren Hausrat und sogar Kochutensilien zu verkaufen, um zu überleben – mit schwerwiegenden Folgen für die kommenden Jahre.

Jetzt ist Hilfe dringend nötig

Die Fastenaktion-Partnerorganisation Taratra realisiert in den beiden Distrikten Ampanihy und Betioky das Projekt Tsinjo Aina mit Spar- und Solidaritätsgruppen und ein Wasserprojekt in Zusammenarbeit mit dem Deza-Wasserkonsortium. Mit Direktzahlungen und der Verteilung von Grundnahrungsmitteln Reis, Bohnen und Öl unterstützt Taratra nun die Familien dabei, ihre Lebensgrundlagen zu schützen. Zudem ermöglicht die Verteilung von Saatgut den Menschen, ihre Nahrungsmittel nach der Hungerkrise wieder selbst zu produzieren. 15’750 Menschen aus 35 Dörfern werden durch dieses Nothilfeprojekt der Fastenaktion unterstützt.

14. 07. 2021: Die HIlfe von Taratra und Fastenaktion (Action de Carême) in Midi Madagaskara – PDF en français

14.07.2021: Article Midi Madagaskara

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Zum Jahresbericht 2020: Die Projekte von Fastenaktion sichern auch während einer weltweiten Pandemie den Menschen Zugang zu Nahrung, Saatgut oder Solidaritätskassen.

Die Projekte von Fastenaktion sichern auch während einer weltweiten Pandemie den Menschen Zugang zu Nahrung, Saatgut oder Solidaritätskassen. Dies und die solidarische Unterstützung der Schweizer Bevölkerung prägten das Corona-Jahr 2020 der Fastenaktion.

Die Coronakrise traf Fastenaktion während der Ökumenischen Kampagne – der für das Werk wichtigsten Spendenzeit. Suppentage, Gottesdienste und Veranstaltungen mussten landesweit abgesagt werden. Dennoch konnten dank der grosszügigen Unterstützung der Spenderinnen und Spender alle Projekte und Programme finanziert werden.

Gleichzeitig bringt die Covid-19-Pandemie grosse Herausforderungen für die Arbeit von Fastenaktion mit sich. Es gilt, trotz der schwierigen Umstände, die Verbindung mit den Partnerorganisationen in den Projektländern zu halten. Seit mittlerweile mehr als einem Jahr arbeiten die Projektverantwortlichen und Koordinationen von Fastenaktion im Notfallmodus. Das letzte Jahr hat jedoch gezeigt, dass unsere auf längerfristige Hilfe ausgerichteten Projekte auch in diesen schwierigen Zeiten erfolgreich Armut lindern.

Fastenaktion verbesserte im vergangenen Jahr mit seinen Aktivitäten in den 14 Landesprogrammen und den drei Internationalen Programmen die Lebensumstände von rund 633‘000 Menschen direkt. Indirekt bedeutet das für 2,8 Millionen Menschen eine Verbesserung ihrer Lebensumstände. Gemeinsam mit kleinbäuerlichen Netzwerken, Solidaritätsgruppen, kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen arbeiteten wir in 331 Projekten zusammen. Im Fokus stand dabei, den Zugang zu genügend und gesunder Nahrung zu schaffen und das Risiko einer weiteren Verarmung zu verringern. Selbst in Zeiten von Lockdowns und Ausgangssperren konnte für den Grossteil der Zielgruppen der Zugang zu Saatgut, Nahrung oder Solidaritätskassen aufrechterhalten werden. Die Massnahmen zur Linderung der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie erreichten 352‘000 Menschen.

In der Schweiz erreichte unsere Organisation mit der Informations- und Kampagnenarbeit über 3,5 Millionen Menschen – eine enorme Steigerung. Viel Beachtung fanden 2020 unser Einsatz für die Konzernverantwortungsinitiative zum Schutz der Menschenrechte, die Ausweitung der Klimagespräche Schweiz und die Rosenverteilaktion in vielen Spitälern während des Lockdowns.

Steigende Einnahmen bei sinkenden Ausgaben

Den Ausgaben von 20‘589‘709 Franken standen Einnahmen von insgesamt 21‘603‘624 Franken gegenüber. 87 Prozent der Einnahmen wurden direkt für die Projektarbeit eingesetzt. Die Internationalen Programme Energie- und Klimagerechtigkeit, Ernährungssicherheit und Rohstoffe und Menschenrechte, setzen sich auf nationaler und internationaler Ebene für politische und strukturelle Veränderungen ein und verstärken die Arbeit der Landesprogramme.

Seit nunmehr 60 Jahren arbeitet Fastenaktion erfolgreich mit dem Ansatz der Hilfe zur Selbsthilfe. Dazu gehören die überaus erfolgreich agierenden Solidaritätsgruppen, die auf allen Kontinenten, auf denen Fastenaktion aktiv ist, zehntausenden von Frauen und Männern eine Zukunftsperspektive eröffnen. Gerade während der weltweit immer schlimmer wütenden Covid-Pandemie bewährte sich einmal mehr der von Fastenaktion gewählte Ansatz. Die Menschen hatten Antworten auf die Krise und konnten trotz Ausgangssperren und weitgehenden Einschränkungen ihre Felder weiter bearbeiten, Gemüse und Früchte ernten und trotz geschlossener Märkte ihre Produkte verkaufen.

Eine neue starke Allianz

Bereits 2019 gründete Fastenaktion mit weiteren Hilfswerken die Allianz SuFoSEC – Alliance for Sustainable Food Systems and Empowered Communitites. Gemeinsam wurde ein Programm zur Ernährungssicherheit erarbeitet, mit dem Ziel Synergien zu nutzen, Fachwissen zu teilen und Wirkung zu steigern. Das Programm ist insgesamt in 28 Ländern tätig und wird von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) gefördert.

Sie möchten mehr wissen?

Auskünfte:

Bernd Nilles, Geschäftsleiter Fastenaktion
nilles@fastenaktion.ch

 

Gemeinsam für eine Landwirtschaft, die unsere Zukunft sichert
Fastenopfer Jahresbericht 2020
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Samrat Katwal ist Koordinator der Fastenaktion für die Projekte in NepalSamrat Katwal ist Koordinator der Fastenaktion für die Projekte in Nepal

Vor wenigen Wochen sah es in Nepal noch ganz aus, dass die Pandemie das Land nicht so hart treffen würde. Doch nun, Mitte Mai, erzählt Fastenaktion- Koordinator Samrat Katwal im Interview, wie schlimm das Virus mittlerweile wütet.

Wie präsentiert sich die Lage derzeit in Nepal?

Die zweite Welle hat das Land schwer erwischt. Am 12. April verzeichneten wir noch 303 neue Ansteckungen pro Tag, nun sind es täglich mehr als 9000. Über 4’000 Menschen haben ihr Leben verloren. Schätzungsweise 80’000 Menschen befinden sich in Quarantäne.  Experten warnen vor einem Anstieg der Todesfälle in den kommenden Wochen, da das Gesundheitssystem komplett überfordert ist. So ist in der Hauptstadt Kathmandu den meisten Krankenhäusern der Sauerstoff ausgegangen und Patienten werden abgewiesen. Mit dem Beginn des erneuten Lockdowns Ende April waren die Menschen gezwungen, in überfüllten Bussen zurück in ihre Dörfer fahren. Das leistet der Ausbreitung der Pandemie in abgelegenen Dörfer ohne medizinische Versorgung Vorschub.. Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht, da weniger als zwei Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft sind. Zudem wird das Land von einer politischen Krise erschüttert, nachdem der Premierminister Khadga Prasad Sharma Oli eine Vertrauensabstimmung im Repräsentantenhaus verloren hat und nur noch als Übergangspremier weiterregieren darf.

Gab es in Nepal je eine vergleichbare gesundheitliche Krise?

Zwar kennt fast jede Region Nepals Sagen über eine unbekannte Krankheit, die eine ganze Siedlung ausgelöschte. Und wir kennen Infektionskrankheiten wie Cholera, woran 2009 über 500 Menschen starben. Daneben  gibt es saisonale Ausbrüche von Magen-Darm-Infektionen, Typhus, Malaria, Grippe, Japanische Enzephalitis und Hepatitis A. Doch eine Pandemie in diesem Ausmass gab es in Nepal noch nie.

Kann die Projektarbeit unter diesen Umständen fortgesetzt werden?

Sowohl die Verantwortlichen der Projekte wie die Koordinationspersonen der Fastenaktion haben  enge Freunde oder Familienmitglieder, die an Covid-19 erkrankt sind. Glücklicherweise sind die meisten von ihnen bereits wieder auf dem Weg der Besserung.

Unsere Priorität bleibt die Sicherheit der Mitarbeitenden und der Menschen in den Projekten. Generell können wir jedoch feststellen, dass Projekte in den abgelegenen Teilen Nepals ihre Aktivitäten aufrechterhalten können unter Einhaltung der entsprechenden Vorsichtsmassnahmen. Nur die Partnerorganisationen in der Hauptstadt in der Hauptstadt müssen sich jedoch auf virtuelle Mittel beschränken.

In Regionen, die besonders von der Pandemie betroffen sind, arbeiten die Projekte eng mit den lokalen Behörden, um diese bei der Bewältigung der Pandemie zu unterstützen. Während der ersten Welle im vergangenen Jahr haben sie unter anderem telefonische Beratung für Opfer häuslicher Gewalt angeboten und die Menschen für die Hygienemassnahmen und das Maskentragen sensibilisiert. Dieses Jahr schlägt die Pandemie aber viel stärker zu und gleichzeitig müssen viele Gemeinden sparen, was die Partner mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert.

Sind Impfprogramme gestartet, sind diese ein Ausweg aus der Pandemie?

Nepal hat seine Impfkampagne am 27. Januar gestartet, mit dem von Indien hergestellten Impfstoff Covishield vom Typ AstraZeneca. Die Kampagne startete mit einer Million Impfdosen, die Indien zur Verfügung gestellt hatte. Kurz darauf wurden von der Regierung zwei weitere Millionen Dosen gekauft. Davon wurde eine Million geliefert und in alle Distrikte Nepals verteilt und verimpft. Doch nach dem rasanten Anstieg der Ansteckungen, hat Indien den Export von Covishield gestoppt. Es ist fast unmöglich, weiteren Impfstoff einzuführen. Die restlichen bezahlten Dosen wurden immer noch nicht geliefert. Das führt natürlich zu einer grossen Ungewissheit bei den Menschen und selbst die Regierung weiss nicht, wann für alle eine zweite Dosis erhältlich sein wird.

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Tobias Buser ist bei Fastenaktion verantwortlich für die Programme in Indien und Madagaskar.

Indien fehlt es an Sauerstoff, Krankenhausbetten und medizinischer Versorgung. Tausende Menschen sterben täglich. Die indische Corona-Variante ist hochansteckend. Unser Programmverantwortlicher Tobias Buser hat mit Menschen vor Ort gesprochen. 

Wie kommt ihr mit der Situation zurecht, wie geht es euch?

Da sich Indien in einem Zustand des totalen Chaos und der Angst befindet und verschiedene lokale Lockdowns verhängt wurden, fällt es uns allen schwer, uns von der allgemeinen Aufregung und der offensichtlichen Krise nicht anstecken zu lassen. Im Vergleich zur ersten Welle, bei der wir und unsere Familien keine Covid-19-Todesfälle zu beklagen hatten, sind jetzt Menschen aus dem Umfeld von Projektmitarbeitenden an der mutierten Virusvariante gestorben. Glücklicherweise haben sich die Mitarbeitenden selbst und die Gemeinschaften der Adivasi und Dalit, mit denen sie arbeiten, bis jetzt nicht angesteckt. Sie haben den Mut nicht verloren und Zähigkeit bewiesen, indem sie die Projektarbeit per Handy weiterführen, wo der direkte Kontakt aufgrund von Lockdowns nicht möglich ist.

Wie kann die Projektarbeit unter diesen Umständen fortgesetzt werden?

Aufgrund strenger Reisebeschränkungen konnten sich die Organisationen des Landesprogramms Indien nicht mehr auf regionaler Ebene  in Netzwerken von 20-30 Dörfern treffen. Die Projektverantwortlichen waren deshalb gezwungen, die Vernetzung der Solidaritätsorganisationen auf 5-10 Dörfern zu beschränken. Das erlaubt ihnen, die Arbeit innerhalb der behördlichen Richtlinien fortzusetzen. Diese kleinen Netzwerke, die im letzten Jahr während der ersten Pandemiewelle aus der Not heraus ins Leben gerufen wurde, arbeiten gut, und wir erreichen unsere Zielgruppen nach wie vor. Einfach weniger Personen aufs Mal. Trotz der absoluten Unsicherheit und des fragilen Gesundheitssystems im Land haben die Partnerorganisationen mutig weitergemacht. Da der Empowerment-Prozess, welcher die Netzwerke fördert und stärkt, hauptsächlich von Animatorinnen und Animatoren getragen wird, die entweder selber aus den Dalit- oder Adivasigemeinschaften kommen oder diese sehr gut kennen, wurde die Projektarbeit bisher kaum beeinträchtigt. Bereits vor der Pandemie haben wir uns darauf konzentriert, starke Führungspersonen direkt aus den Zielgruppen heraus aufzubauen. Und nun sind sie es, die im Landesprogramm für eine reibungslose Kontinuität der Projektarbeit auf Dorfebene sorgen.

Im globalen Norden ist die Impfung gegen Covid-19 das alles bestimmende Thema. Ist das bei den indigenen Gruppen der Adivasi und Dalit auch so?

Die Ungewissheit über die Nebenwirkungen und die öffentlich gewordenen Fälle über Komplikationen nach der Impfung führen unter den Partnerorganisationen und der Zielbevölkerung zu Skepsis. Abgesehen davon herrscht hier zurzeit Impfstoffknappheit, und es sieht nicht danach aus, als würde sich die Situation in absehbarer Zeit verbessern.

Der Glaube der Adivasi und Dalit an die traditionelle Kräutermedizin und das Vertrauen in die traditionellen Heiler/innen führt aus ihrer Sicht zu einer Stärkung des Immunsystems und schützt sie so ausreichend vor dem Virus. Die Menschen in unseren Zielgruppen zeigen zum jetzigen Zeitpunkt wenig Bereitschaft, sich impfen zu lassen.

Was fehlt und was braucht es am dringendsten?

Der Zugang zur medizinischen Grundversorgung hat für sie oberste Priorität. Da das Gesundheitssystem aktuell völlig zusammengebrochen ist, sterben viele Menschen an eigentlich einfach zu behandelnden Krankheiten, weil sie keinen Zugang zu einer Behandlung oder zu Medikamenten haben. Zudem wäre es für Arbeit, die Schule und die Familie dringend nötig, dass die Bewegungsfreiheit wieder ausgedehnt wird.

Wie sieht es mit Nahrung und Arbeit aus? Wie können die Menschen ihren Lebensunterhalt in der Pandemie sichern?

Die Lockdowns und die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit im ganzen Land haben die meisten Erwerbsmöglichkeiten für die Menschen, mit denen wir arbeiten, zum Erliegen gebracht – zum Beispiel staatliche Arbeitsbeschaffungsprogramme. Doch da wir den Fokus in den letzten Jahren konsequent auf die Landwirtschaft zur Selbstversorgung gelegt haben, kommt uns das nun zugute. Die Gemeinschaften konnten ihre grundlegende Ernährung während der Pandemie sicherstellen. Zudem haben die Partnerorganisationen in der Pandemie die Zusammenarbeit mit ihren jeweiligen Distrikt- und Gesundheitsverwaltungen verstärkt, um die Verteilung von Reis, Nahrungsmitteln, Masken und Medikamenten und anderen lebenswichtigen Dingen an die Gemeinschaften zu unterstützen.

Hat es in Indien schon einmal eine ähnliche Katastrophe im Bereich der öffentlichen Gesundheit gegeben?

Zwar gab es in der Vergangenheit Naturkatastrophen und Unglücke, aber eine landesweite Katastrophe in diesem Ausmass hat es in Indien seit der Unabhängigkeit noch nie gegeben.

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Es regnet nicht im Süden von Madagaskar. Dies ist ein grosses Problem für die Bevölkerung des Inselstaats, eines der ärmsten sowie am stärksten vom Klimawandel betroffenen Ländern der Welt.

Vier von fünf Personen leben unter der Armutsgrenze. Die derzeitige Trockenzeit verschlimmert die Situation stetig. Kein Regen bedeutet ein enormer Wassermangel in einem Land, wo sowieso nur eine von drei Personen Zugang zu sauberem Trinkwasser hat. Zudem trocknen die Felder aus, was zu extremen Ernteverlusten führt und die limitierte Produktion der Lebensmittel lässt die Preise steigen. Die Folgen liegen auf der Hand: Hunger, Mangelernährung, Krankheiten, Todesfälle.

Schlechte Prognose

Knapp die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner des südlichen Madagaskars leben in Ernährungsunsicherheit, 14 000 Personen davon befinden sich in einer katastrophalen Situation. Dieser Zustand droht sich zu verschlimmern und bis mindestens Ende Jahr anzudauern. Vermehrt verkaufen Familien ihre Rinder und Schafe sowie Küchenutensilien, um mit dem geringen Erlös immerhin ein bisschen Reis oder Linsen zu erwerben. Diese Notreaktion hat jedoch gravierende Folgen für ihre Zukunft, da sie plötzlich mit ganz leeren Händen dastehen.

Klimagerechtigkeit – jetzt!

Die prekäre Lage in Madagaskar ist ein Beispiel für die Auswirkungen des Klimawandels. Lange Trockenzeiten, geringere Ernteerträge, Sandstürme – Katastrophen, für die wir mitverantwortlich sind, sie jedoch nicht selbst tragen müssen. Nebst den klimawandelbedingten Veränderungen hat Covid-19 die Inflation vorangetrieben und die Arbeitslosenquote ist in die Höhe geschnellt.

Helfen Sie jetzt den Menschen in Madagaskar

Wir danken herzlich für Ihre Spende.

Corona hat die Sterblichkeit, das Leiden und die Ungerechtigkeit weltweit erhöht. Unterstützung, die schon vor Ausgangssperren, Schulschliessungen und anderen einschränkenden Massnahmen wichtig war, ist jetzt lebensnotwendig. Unsere Arbeit in den Projekten sowie die Solidarität sind wichtiger denn je.

Zahlreiche Probleme in Zeiten von Corona liegen auf der Hand, zum Beispiel die steigende Anzahl hungernder Menschen aufgrund erhöhter Lebensmittelpreise. Andere Hürden sind weniger transparent, jedoch nicht minder besorgniserregend. Mädchen, die nicht nur wegen ausfallender Schulstunden, sondern gleich noch mit einer frühen Schwangerschaft zu kämpfen haben oder Sans-papiers, welche trotz existenzbedrohender Lebensverhältnisse keinen Impftermin erhalten. Solche Geschichten drohen unterzugehen in den weltweiten Corona-Schlagzeilen zu Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Deshalb gibt Fastenaktion diesen Menschen eine Stimme und Perspektiven.

Wenn alle Stricke zu reissen drohen

In schwierigen Zeiten tendieren wir dazu, uns auf das Negative zu konzentrieren. Umso wichtiger ist es uns, auch die guten Erfahrungen und Hoffnungen unserer Projektpartner zu teilen. So haben kenyanische Frauen wegen der Corona-Ausnahmesituation von ihren Männern mehr Respekt für ihre Arbeit erhalten. Dies könnte den Weg ebnen zu mehr Geschlechtergerechtigkeit auch nach der Pandemie. Wo kein Verlass ins Gesundheitssystem ist, wird immerhin Vertrauen geschenkt:In den Philippinen, wo die Regierung versagt, bieten die Bischöfe moralische Unterstützung. In anderen Ländern wie Guatemala zeigt sich die Solidarität von innen – trotz Armut teilen die Indigenen mit den Bedürftigen, dies ist Teil ihrer Kultur. 

Erfahren Sie mehr zu Corona in unseren Projekten.

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Überschwemmungen Guatemala 2020

Im November 2020 verursachten die Wirbelstürme Eta und Iota verheerende Schäden in Guatemala. Betroffen waren vor allem die Menschen in der abgelegenen Berglandschaft im Norden, wo mehrere Projekte von Fastenaktion arbeiten. Dank ihrer Katastrophenteams konnte die Schweizer Regierung umgehend auf die Bitte der guatemaltekischen Regierung nach humanitärer Hilfe reagieren. Eine kurze Bilanz.

Aufgrund seiner geografischen Lage war Guatemala schon immer von Naturkatastrophen bedroht. Mit dem fortschreitenden Klimawandel nehmen Wirbelstürme, lang anhaltende starke Regenfälle, Überschwemmungen, Dürren und Waldbrände noch zu. Im November 2020 liessen sintflutartige Regenfälle zahlreiche Hänge – und mit ihnen Häuser und Felder – abrutschen. Grosse Teile der Mais und Bohnenernten wurden zerstört, Tausende von Familien standen vor dem Nichts.

Wie sich die Schweiz in Zentralamerika auf Katastrophen vorbereitet

Zum einen unterhält die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) in Zentralamerika eine Grupo de Intervención y Apoyo Rápido (GIAR), die sich aus lateinamerikanischen Experten für humanitäre Hilfe zusammensetzt. Als zweites haben die Schweizer Botschaften und sechs in Zentralamerika tätige Schweizer Hilfswerke 2013 ein lokales Nothilfeteam gegründet: das Equipo de emergencia local EEL. Ziel beider Organisationen ist es, die Nothilfe aus der Schweiz rasch und effizient zur betroffenen Bevölkerung zu bringen. In den letzten fünf Jahren übernahm die lokale Koordination der Fastenaktion die Aufgabe, das EEL zu koordinieren.
Die Mitglieder des EEL treffen sich regelmässig zum Austausch und es finden gemeinsame Ausbildungen zum Umgang mit Katastrophen für die lokalen Partnerorganisationen der Hilfswerke statt. Auch gibt es regelmässigen Austausch mit den Expertinnen und Experten von GIAR.

 

Nothilfe Guatemala/Alta Vera Paz 2020

Gemeinsamer Einsatz für 1700 Familien

Nach den Wirbelstürmen und den so noch nie dagewesenen, Überschwemmungen im November 2020 haben die beiden Organisationen zum ersten Mal eng zusammengearbeitet. Ihr Einsatz fand während 22 Tagen in einem der am stärksten betroffenen Gebiete, in San Pedro Carchá/Alta Verapaz, statt. Bei der konkreten Verteilung der Nothilfe erwies sich die Asociación T’zuul Taq’a als wichtige Stütze. Sie ist seit mehr als zehn Jahren Partnerorganisation der Fastenaktion und ihr Team verfügt über solides Wissen zur Region und spricht die lokale Sprache Q’eqchi. Auch waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von T’zuul Taq’a sehr motiviert und solidarisch mit der Bevölkerung. Während der gemeinsamen Aktion konnten mehr als 1700 Familien mit dringend notwendigen Lebensmitteln, Trinkwasser, sowie Hygiene- und Schutzmaterial gegen Covid-19 versorgt werden.

Nothilfe Guatemala Alta Verapaz: Registration

Nothilfe: Je koordinierter, desto wirksamer

Nicht nur die Schweizer Organisationen arbeiteten zusammen: Sie stimmten ihren Einsatz auch ab mit der humanitären Hilfe anderer Länder, der Vereinten Nationen sowie der staatlichen Katastrophenhilfe. Bei der Auswertung wurde diese Erfahrung von allen Beteiligten als erfolgreich eingestuft: Alle waren gegenseitig über die Aktionen der andern informiert und hielten sich an die ihnen zugewiesenen Rollen. Dadurch konnten in einer Rekordzeit von nur einer Woche die dringend benötigte humanitäre Hilfe geleistet werden. Insgesamt wurden 73 Tonnen lebenswichtige Hilfsgüter an betroffene Familien in 14 grossen abgelegenen Gemeinden abgegeben.

Überschwemmungen Guatemala 2020

Rückkehr zum normalen Leben braucht Zeit

Dank der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen der lokalen Fastenaktion-Partnerorganisation T’zuul Taq’a, mit dem EEL und GIAR werden die betroffenen Familien in Alta Verapaz nun auch beim Wiederaufbau unterstützt. Sie erhalten Bargeld, das sie für ihre Grundbedürfnisse einsetzen können: Nahrungsmittel, Trinkwasser, Saatgut, die Reparation und den Neubau von Häusern oder Hygieneartikel wie Seife, Binden und Desinfektionsmittel. Das Ziel ist, dass alle wieder so leben können, wie vor der Katastrophe. Denn erst wenn die grundlegenden Bedürfnisse nach Sicherheit – genug zu essen, ein Dach über dem Kopf – gedeckt sind, ist es für die Familien auch wieder möglich, sich Entwicklungsprojekten zuzuwenden.

Yojana Miner
Mitglied des Koordinationsteams der Fastenaktion und HEKS
Koordinatorin des EEL Guatemala

Um den Wiederaufbau im Norden von Guatemala weiter unterstützen zu können, sind wir froh um jede Spende. 
Hier finden Sie mehr Informationen zum Guatemalaprogramm der Fastenaktion und HEKS allgemein.

Unterstützen Sie die Menschen in Guatemala auch beim Wiederaufbau!

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Seit März hat sich unsere Welt grundlegend verändert. Das Jahr, das jetzt zu Ende geht war schwer für viele. Mit dieser Botschaft von Bischof Felix Gmür wünschen wir Ihnen viele helle Sterne während der Weihnachtstage. 

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Auch für viele Familien in unseren Projektgebieten hat Corona die Armut und den Hunger verschärft. Nicht alle haben genug Geld und Reserven um die Krise zu meistern. Einmal mehr trifft die Krise die Ärmsten am stärksten.

Darum bitten wir Sie: Werden Sie heute ein Lichtblick, der helle Stern am Himmel für Menschen in Not.

Nur dank Spenden von Menschen ist Fastenaktion überhaupt in der Lage, den Betroffenen auf der anderen Seite unseres Planeten zu helfen.

Ihr Beitrag kommt Menschen zugute, die von anhaltender Not, Dürren und Wetterextremen betroffen sind. 

Seit März befindet sich Guatemala wegen der Covid-Pandemie im Ausnahmezustand. Nun hat der Tropensturm Eta am 6.November auch Häuser und Ernten der betroffenen Familien zerstört.

Nothilfe-Projekt: Helfen Sie den Familien in den Regionen Jalapa und Cubulco. 

In der vergangenen Woche wütete der Tropensturm Eta über der zentralamerikanischen Region. Guatemala wurden von sintflutartigen Regenfällen heimgesucht, die ganze Erdhänge abrutschen liessen und zahlreiche Häuser zerstörten. In unseren Projekten sind die Folgen des Tropensturms noch nicht gänzlich abzusehen. Aber bereits jetzt ist klar, dass viele Teile der Mais- und Bohnenernte zerstört wurden. Der Leiter unserer Partnerorganisation Tzuul Taq’a schreibt: «Es ist traurig zu sehen, dass jetzt Häuser überschwemmt wurden, in denen es vorher nicht einmal eine Wasserleitung gab. Viele Menschen haben alles verloren. »

HIlfe bedeutet Lebensmittel, Saatgut – und Hoffnung

In dieser doppelt schwierigen Situation wollen wir unsere Projekte zusätzlich unterstützen: Vielen Familien fehlt in Folge der Eindämmungsmassnahmen rund um Covid-19 zusätzliches Einkommen. Um die Ernährung von 300 Familien in den Regionen Jalapa und Cubulco abzusichern unterstützen wir deswegen zwei Projekte mit Nothilfe. Die Familien erhalten Mais, Bohnen und Zucker sowie zusätzliches Saatgut, damit sie trotzdem aussäen können, wenn die aktuelle Ernte verloren ist. Mit dieser Unterstützung wollen wir den Menschen eine Perspektive und Hoffnung geben. Denn sie sollen wissen, dass sie nicht alleine sind. 

Zwei Mitarbeitende der Organisation Tzuul Taq'a verteilten gleichzeitig Informationen zu Covid und dringend benötigte Nahrungsmittel.Zwei Mitarbeitende der Organisation Tzuul Taq'a verteilten gleichzeitig Informationen zu Covid und dringend benötigte Nahrungsmittel.

Eine Katastrophe nach der andern

Wegen Corona war die Situation in Guatemala schon vor dem Tropensturm sehr angespannt. Wenn die Covid-Fälle in einer Region ansteigen, dürfen die Leute das Haus nur noch für wichtige Angelegenheiten wie Einkäufe verlassen. Für unsere Projekte bedeutet dies grosse Veränderungen, denn die direkte Arbeit im Feld ist nur noch in manchen Regionen möglich.

Viele Aktivitäten werden stattdessen über Mobiltelefone begleitet, die Menschen in den Projekten können ihre Fragen stellen und werden beraten. Gleichzeitig rückt die Krise Arbeitsansätze unserer Partnerorganisationen in ein neues Licht: Agrarökologie – das heisst Anbau mit traditionellem Saatgut ohne chemische Pestizide und Düngemittel –ist nicht mehr bloss ein Angebot, das von den Menschen auf dem Land wertgeschätzt wird.

Denn nun nehmen die Menschen in den Städten wahr: Wir essen das, was Frauen und Männer in den nahen ländlichen Regionen produzieren. Dies rückt die tägliche harte Arbeit der Bäuerinnen und Bauern in ein neues, positives Licht und stärkt ihr Selbstbewusstsein.

Covid verdeutlicht soziale Unterschiede

Aber die Pandemie spült auch unnachgiebig und brutal die Ungleichheiten ans Tageslicht, die in Guatemala auch mehr als 20 Jahre nach den Friedensverträgen bestehen. Die Präventionsmassnahmen zu Covid-19 sind in den ländlichen Regionen schwer umsetzbar, Behandlungen für die ländliche Bevölkerung kaum zugänglich. Dies beginnt schon beim Ratschlag sich regelmässig mit Seife die Hände zu waschen. Um dies tun zu können benötigt man Wasser und Seife. Doch in den meisten unserer Projektregionen ist das nicht gegeben. Wie soll eine Frau, die bereits bisher jeden Morgen kilometerweit laufen muss, um das Wasser zum Kochen und Trinken zu holen, nun gewährleisten, dass sich die ganze Familie mehrmals am Tag die Hände waschen kann?

Philippa Mund, verantwortlich für das Programm Guatemala bei Fastenaktion

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Zwei Mitarbeitende der Organisation Tzuul Taq'a verteilten gleichzeitig Informationen zu Covid und dringend benötigte Nahrungsmittel.Zwei Mitarbeitende der Organisation Tzuul Taq'a verteilten gleichzeitig Informationen zu Covid und dringend benötigte Nahrungsmittel.

In allen Programmländern der Fastenaktion gab es ab März 2020 Ausgangssperren. Das stürzte die arme Bevölkerung unmittelbar in grosse Not. Flexibilität und Kreativität waren gefragt. Doch je länger die Corona-Krise in manchen Ländern andauert, desto mehr Menschen sind auf externe Hilfe angewiesen. Hunger wird erneut zu einer grossen Herausforderung.

Die Krise war – und ist – dort am grössten, wo die Regierungen versagen. In Brasilien und Indien gibt es vergleichsweise viele Ansteckungen und Todesfälle. Hingegen blieb die befürchtete Katastrophe Afrika bisher aus. Das hat unter anderem mit der jungen Bevölkerung zu tun – aber auch mit Regierungen, welche  aufgrund von vergangenen Epidemien rasch und gut reagiert haben. Am meisten unter den Lockdowns gelitten hat die arme Bevölkerung in den Städten: Damit die Familien etwas zu essen haben, müssen sie täglich ihrer informellen Arbeit als Tagelöhner oder Strassenverkäuferinnen nachgehen. Wenn dies nicht möglich ist, führt es rasch zu Hunger. Dazu kommt, dass die Wohnverhältnisse oft sehr eng sind und sich die Leute nicht vor Ansteckungen schützen können.

Widerstandsfähig: Landwirtschaftliche Projekte 

In der Mehrheit der Fastenaktion-Projekte können die Solidaritätsgruppen oder die landwirtschaftlichen Initiativen erfolgreich weiterarbeiten – selbst wenn deren Begleitung durch die Partnerorganisationen erschwert ist. Beinahe unmöglich geworden sind jedoch Protestaktionen der Partnerorganisationen, die sich für bessere Lebensumstände einsetzen. In den Philippinen oder in Guatemala zum Beispiel nutzten die Regierungen den Lockdown, um Gesetze zu verabschieden, welche die arme Bevölkerung weiter benachteiligen.

Gefragt: Flexibilität und Kreativität

Fastenaktion diskutiert mit seinen Projektpartnern und gewährt ihnen die notwendige Flexibilität: Budgets werden ebenso angepasst wie Arbeitsweisen: So tragen Projekte in mehreren Ländern dazu bei, die Bevölkerung über die Ansteckungsgefahr zu informieren. Sie drucken Flugblätter, kommunizieren über WhatsApp wo es möglich ist und produzieren kurze Info-Videos für die Mobiltelefone.

Grösstes Problem: Hunger

In den 690 Millionen Menschen litten Anfang Jahr unter Nahrungsknappheit. Die FAO befürchtet, dass durch Corona bis zu 130 Millionen Menschen zusätzlich in eine akute Hungersnot geraten könnten. Bereits im Mai mussten erste Projekte von Fastenaktion in Guatemala Nothilfe mit Nahrungsmitteln leisten. In mehreren Ländern unterstützten Projekte mit ihrem lokalen Wissen und ihrem Personal Verteilaktionen anderer Organisationen.

Kurz: Fastenaktion unterstützt im Moment seine Projekte dabei, die Krise zu überstehen, von der wir alle nicht wissen, wie lange sie noch dauern wird. Wir garantieren, dass die Spenden bei unseren Partnerorganisationen ankommen und dass damit die ärmste Bevölkerung unterstützt wird. Bei Nahrungsmittelknappheit werden wir weiterhin flexibel mit Nothilfe reagieren. Denn für Fastenaktion ist klar: Wir lassen unsere langjährigen Partner in dieser schwierigen Zeit nicht im Stich.

Hier klicken, um die Berichte aus allen Projektländern zu sehen.

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Emmanuel Umpula Nkumba ist Direktor der kongolesischen Organisation African Resources Watch (Afrewatch), die der Fastenaktion unterstützt wird.Emmanuel Umpula Nkumba ist Direktor der kongolesischen Organisation African Resources Watch (Afrewatch), die der Fastenaktion unterstützt wird.

Zwischen dem Reichtum an natürlichen Ressourcen und der wirtschaftliche Armut der in den Bergbaugebieten lebenden Bevölkerung besteht in der Demokratischen Republik Kongo nach wie vor eine riesige Kluft. Das im März 2018 verabschiedete neue Bergbaugesetz hat grundsätzlich das Potenzial, diese Missstände einzudämmen. Zweieinhalb Jahre nach seiner Überarbeitung ist seine Anwendung jedoch immer noch nicht optimal.

In den letzten 15 Jahren haben die Unternehmen in hohem Masse davon profitiert, dass es der kongolesische Regierung sehr wichtig war, ausländische Investitionen anzuziehen. Dies hat sich nachteilig auf betroffene Gemeinden ausgewirkt, wo es zu vielen Umweltschäden kam und Arbeiterinnen und Arbeiter Opfer zahlreicher Minenunfälle wurden. Die multinationalen Unternehmen zahlen zwar Steuern an die Regierung in der Hauptstadt Kinshasa.  «Doch es wird nur ein verschwindend kleiner Anteil für Projekte vor Ort eingesetzt, die das Leben der vom Bergbau betroffenen Gemeinschaften in den Bereichen Bildung oder Gesundheit verbessern würden», sagt Diane Crittin, Leiterin des Landesprogramms Kongo bei Fastenaktion. «Darüber hinaus wirken sich die grosse Macht der Unternehmen, die mangelnde Transparenz bei Vertragsverhandlungen und die verbreitete Korruption weiterhin negativ auf die Situation der Bevölkerung aus. »
Pprträt Diane CrittinDiane Crittin, verantwortlich für das Landesprogramm Kongo, moderierte das Gespräch mit den kongolesischen Partnerorganisationen
Das neue Bergbaugesetz hat zum Ziel, diese Probleme anzugehen, indem es den Gemeinden mehr Rechte garantiert und von den Unternehmen höhere Steuersätze verlangt. Unzufrieden mit den neuen Bestimmungen versuchen die Unternehmen, Steuersenkungen zu erreichen und nehmen manchmal die Regierung als Geisel. «Vor fast einem Jahr stellte Glencore seinen Kobaltabbau ein, weil die Rentabilität der Mine Mutanda, der größten Kobaltmine der Welt, zurückgegangen war», fährt Crittin fort. «Auf der anderen Seite gibt es immer noch Widersprüche im Bergbaugesetz und seinen Anwendungstexten. Es müssen zudem noch grosse Anstrengungen gemacht werden, um das Gesetz bei der Bevölkerung bekannt zu machen, damit die Betroffenen ihre Rechte auch kennen und geltend machen können.»

Lesen Sie die Abschlusserklärung über die Verwaltung des Bergbausektors in der DRK vom 02.10.2020, französisch

Lesen Sie die gemeinsame Pressemitteilung vom 29.09.2020, französisch

Sehen Sie sich das französische Webinar vom 23.09.2020 in voller Länge an, übersetzt in Englisch

Fastenaktion unterstützt Organisationen, die sich für die Stärkung von Gemeinschaften und die Förderung von guter Regierungsführung einsetzen. Mehrere Partner des Kongo-Programms von HEKS und Fastenaktion wie AfreWatch – darunter Emmanuel Umpula – und das Centre d’aide juridiqueo-judiciaire arbeiten an der effektiven Umsetzung des Bergbaugesetzes mit dem Ziel, die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger und die Transparenz von Unternehmen und Regierung zu verbessern.

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Ein typisches Dorf in den Bergen im Norden von LaosBienenzüchter Kham Phu zeigt seine Waben . Der Honig in der Nähe des Naturwaldes wird besonders schmackhaft, das Wachs wird zu Kerzen und Seifen verarbeitet. Foto: Fastenaktion / Reybroeck

Die Massnahmen der Regierung der Demokratischen Volksrepublik Laos wurden befolgt und wirkten: Es gab offiziell nur 19 Ansteckungen und keine Toten. Bereits am 5. Mai wurden die Ausgangssperren aufgehoben, weil es seit Mitte April keine Ansteckungen mehr gegeben hatte. Schmerzlich spürbar für die Menschen in den Projekten der Fastenaktion ist nun jedoch der Einbruch der Wirtschaft aufgrund der geschlossenen Grenzen.

Die erste Ansteckung mit dem Coronavirus in Laos wurde am 24. März gemeldet. Eine Woche später hatte die Regierung alle Flüge eingestellt, die Grenzen gesperrt und einen Lockdown verhängt.

Versorgung mit Lebensmitteln von aussen zusammengebrochen

Als die Massnahmen im Mai gelockert wurden und Reisen innerhalb des Landes wieder erlaubt war, fehlten die Händler aus China und Vietnam. Diese fahren in normalen Zeiten regelmässig in die Dörfer und kaufen den Familien Honig oder andere Waldprodukte wie Sprossen, Beeren, Wurzeln oder Pilze ab. Gleichzeitig bieten sie Reis zum Verkauf an.

Valérie Lange, bei Fastenaktion verantwortlich für das Programm in Laos, hat bisher keine Hilferufe aus den Projekten im Berggebiet erhalten, obwohl jedes Jahr vor der neuen Ernte zwischen Mai und Juli die Reisvorräte der Familien knapp werden. Hingegen berichten die Leute, dass sie Yams aus dem Wald essen. Das sind wildwachsende Wurzeln, nach denen sie tief graben müssen – die Nahrung scheint also knapper zu sein, wenn sie auf die Vorräte des Waldes zurückgreifen.

Ein weiteres Problem ist gemäss Valérie Lange der Preiszerfall: Wenn ein Kilo Honig bisher umgerechnet bis zu neun Franken einbringen konnte, beträgt der Preis aufgrund der fehlenden Nachfrage nun nur noch die Hälfte. Es hilft auch nicht, dass Honig sich leicht lagern lässt: Die Familien können nicht warten, bis die Preise wieder besser werden. Mit dem Einkommen aus dem Honig und anderen Waldprodukten überbrücken sie jeweils die Hungerperioden vor der Reisernte.

Lieber Hilfe zur Selbsthilfe als Lebensmittel verteilen

Etwas anders stellt sich die Situation im Süden des Landes dar, wo sich die Association for Community Development (ACD) für eine gute Ernährung von Kindern und schwangeren Frauen einsetzt. Zu Beginn der Arbeit der Fastenaktion mit ACD waren in der Projektregion fast 40 Prozent aller schwangeren und stillenden Frauen und fast die Hälfte der Kinder unter fünf Jahren stark untergewichtig.

Im Projekt von ACD lernen die Frauen in Kochkursen, wie wichtig Vitamine sind.Im Projekt von ACD lernen die Frauen, wie wichtig Vitamine sind. Foto: Fastenaktion / Reybroeck
Auch hier gehen nun die Reisvorräte vom letzten Jahr zu Ende. Aufgrund der Trockenheit gibt es nur wenig Nahrungsmittel zum Sammeln im Wald. Und auch hier fehlen die vietnamesischen Händler. Es widerstrebt der Projektleiterin sehr, Nahrungsmittel zu verteilen. Denn das Projekt hat bisher gute Resultate erzielt mit der Schulung in produktiveren Anbaumethoden und zu ganzheitlicher Ernährung: Vor der Krise waren nur noch 10 Prozent der Kinder und Mütter untergewichtig. Lebensmittel wird das Projekt also nur im äussersten Notfall verteilen.

Die Frage ist – und die wird im Moment in allen Projekten der Fastenaktion in Laos mit den Teilnehmenden diskutiert: Was ist die Auswirkung des Virus auf die Projektarbeit auf die Dauer und wie leben wir weiter in dieser neuen «normalen» Situation?

Informationen: Khonemany Inoukham, Koordinatorin für Fastenaktionprogramm in Laos / Valérie Lange, Programmverantwortliche

Hier finden Sie mehr zu unserer Arbeit in Laos.

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Minenarbeiter in Lumumbashi Foto: Fastenaktion/Meinrad SchadeJunger Minenarbeiter in Lumumbashi Foto: Fastenaktion/Meinrad Schade

Die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus sind in den Ländern des Südens erheblich. Die Demokratische Republik Kongo (DRK) bildet da keine Ausnahme, trotz einer niedrigen Infektionsrate seit dem ersten Fall am 10. März. Bis zum 5. Juni 2020 gab es offiziell 3643 Infektionen und 77 Todesfälle.

Die Folgen der Massnahmen zur Kontrolle des Coronavirus sind jedoch sehr präsent und haben für die kongolesische Bevölkerung schreckliche Folgen auf vielen Ebenen. Der Hunger statt des Coronavirus wurde zu einer Bedrohung für die informellen Arbeiterinnen und Arbeiter, welche täglich um ihr Überleben kämpfen. Die zu erwartende weltweite Konjunkturabschwächung dürfte erhebliche Auswirkungen auf das Land haben, dessen Wirtschaft in hohem Masse von dem Export von Rohstoffen abhängt.

Die Löhne der Bergleute sinken, aber nicht ihre Arbeitszeit

Fastenaktion unterstützt in der DRK neben den Projekten für die Ernährungssicherheit der ländlichen Bevölkerung auch solche, die den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen fördern. Unsere kongolesische Partnerorganisation Afrewatch ist eine NGO, die sich auf den Umgang mit den natürlichen Ressourcen spezialisiert hat. Im vergangenen Monat veröffentlichte sie ein Bulletin, das die Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeitssituation im Bergbausektor untersucht. Dabei konzentrierten sie sich auf die Provinzen Haut-Katanga und Lualaba im Südosten des Landes.

Angesichts der beobachteten Situation empfiehlt Afrewatch den beiden Provinzregierungen, dafür zu sorgen, dass die Unternehmen die Lebens- und Arbeitsbedingungen ihrer Beschäftigten auch während dem Lockdown verbessern. Sie sollen zudem transparent aufzeigen, wie sie die zusätzlichen Mittel, die sie wegen der Pandemie erhalten, verwalten und einsetzen.

Gleichzeitig drängt Afrewatch die Bergbauunternehmen selbst, die nationalen Arbeitsgesetze einzuhalten und in die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Gebieten zu investieren, wo die Leute zu Hause bleiben müssen. Den neuesten Stand des Berichts von Afrewatch finden sie hier auf Französisch.

Journalisten und Menschenrechtsverteidigerinnen inhaftiert

Auch Europäische Netzwerk für Zentralafrika (EurAc), dem Fastenaktion angehört, hat in den letzten Wochen die Auswirkungen des Coronavirus im Kongo untersucht. Angeschaut wurden die Einhaltung der Grundrechte, die Beziehungen zwischen den Geschlechtern, die Ernährungssituation und die Versorgungsketten der Rohstoffe. Dies hat zu einer Reihe Empfehlungen für jeden Sektor geführt, welche der Fastenaktion unterstützt werden:

Unter anderem sollen die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten lokale und internationale Menschen- und Frauenrechtsorganisationen in der Region der Grossen Seen an der Grenze zu Burundi und Ruanda fördern und schützen. Einschränkungen der Meinungs- und Pressefreiheit sollten angefochten werden. Die unabhängigen Medien sollen unterstützt werden. Europäische Diplomaten und Diplomatinnen sollten die Möglichkeit wahrnehmen, an den Prozessen gegen Journalist/innen, Menschenrechtsverteidiger/innen und weiteren politischen Gefangenen teilzunehmen und sie – wie in den Richtlinien für Menschenrechtsverteidiger/innen festgelegt – im Gefängnis zu besuchen. Politische Gefangene und Personen in Untersuchungshaft sollten unverzüglich und bedingungslos freigelassen werden. Die umfassende Analyse von EurAc auf Englisch ist hier verfügbar.

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. Hier finden Sie mehr zu unserer Arbeit in der Demokratischen Republik Kongo.

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Die Fastenaktionpartnerorganisation Plataforma in Huila sammelt Lebensmittel für bedürftige Familien.Die Fastenaktionpartnerorganisation Plataforma in Huila sammelt Lebensmittel für bedürftige Familien.

Rote Fetzen – T-Shirts und Stoffstücke – hängen vor den Häusern vieler verzweifelter Familien, die hungern. Andere Familien hängen weisse Tücher heraus, um zu protestieren, dass es keine Gesundheitsversorgung gibt. Und weiterhin werden jeden Tag politischen Führungspersonen getötet. Elsy Marulanda, Koordinatorin des Fastenaktionprogramms in Kolumbien, und Alicia Medina, Programmverantwortliche in Luzern, haben die Situation zusammengefasst.

Das Coronavirus lähmt auch Kolumbien. Die Quarantänemassnahmen, die von der Regierung gegen die Ausbreitung des Virus diktiert wurden, haben drastische Folgen in einer so fragilen Gesellschaft, in der 6 von 10 Personen mit informeller Arbeit überleben. Ohne das tägliche oder wöchentliche Einkommen gibt es keine Nahrung. Die Menschen haben mehr Angst vor Hunger als vor dem Virus. Die Verzweiflung nimmt zu.

Zu Hause zu bleiben, ist für viele Familien eine unverständliche Massnahme, da sie in überfüllten Vierteln leben. Dort kann man keinen Meter Abstand einhalten. Der ideale Nährboden für Epidemien – aber auch für Missbrauch und Gewalt gegen Frauen. Während der Ausgangssperre haben die Hilferufe wegen Gewalt um fast 80 Prozent zugenommen. Dies ist eine weitere Epidemie, für die es keine wirksamen Massnahmen gibt und kaum Prävention.

Prekäre Gesundheits- und Lebensmittelversorgung

In einigen Regionen gibt es andere Krankheiten, welche die Bevölkerung plagen, zum Beispiel das Denguefieber im Projektgebiet Caquetá. Das Gesundheitssystem, insbesondere in den ländlichen Regionen, kann weder auf die Pandemie noch auf die anderen Krankheiten reagieren. Medizinisches Personal tritt zurück, weil selbst minimale Standards, um sich selbst zu schützen, nicht vorhanden sind – aber auch, weil es sein Gehalt nicht erhält.

Die Massnahmen der Regierung sind unzureichend. Es profitieren die Banken und die grossen Unternehmen. Die Hilfe für den Agrarsektor geht an agro-industrielle Betriebe, nur ein minimaler Anteil geht an die Kleinbauernfamilien, die am bedürftigsten sind. Der Import von Millionen Tonnen Sorghum, Mais und Soja wird verordnet, die Lebensmittelpreise werden erhöht. Gleichzeitig werden den Bauern und Bäuerinnen ihre Produktion nicht abgekauft.

Regierung und Wirtschaftsvertreter missachten Menschenrechte  

Korruption und Politik schaffen sich neue Freiräume. Während des Ausnahmezustands hat die Regierung zahlreiche Dekrete verabschiedet, ohne dass die Zivilgesellschaft sie kontrollieren konnte. So wurden zum Beispiel Umweltlizenzen für Rohstoffabbau-Projekte beschleunigt abgegeben. Damit wurde das Recht auf Mitsprache der betroffenen Bevölkerung grob verletzt.

Da die Bevölkerung aktuell wegen der Ausgangssperre nicht protestieren kann, nutzt die Regierung auch die Möglichkeit, Massnahmen wie das Versprühen von Glyphosat aus der Luft wieder einzuführen. Bei Wind weht es auch immer wieder giftige Unkrautvertilger auf die angrenzenden Felder der Kleinbäuerinnen und Bauern, die agrarökologische Landwirtschaft betreiben. Damit ist nicht nur die Lebensmittelproduktion der betroffenen Familien in Gefahr, sie verlieren auch ihr Einkommen, weil sie ihre Produkte nicht als biologisch verkaufen können.

Ermordung von Führungspersönlichkeiten geht weiter

Es grassiert zudem eine weitere Pandemie, die von der Weltöffentlichkeit wenig beachtet wird und gegen die die Regierung keine wirksamen Massnahmen trifft: Die Ermordung politisch und gesellschaftlich engagierter Führungskräfte. Männer und Frauen, die ihre Stimme erheben, um ihre Rechte und die Rechte aller Kolumbianer/innen zu verteidigen. Aktivist/innen, welche das Leben und die Natur schützen wollen. Menschen, die nicht die vom Staat verordneten wirtschaftlichen Interessen verfolgen.

Indepaz, das Institut für Studien über Entwicklung und Frieden, berichtet, dass zwischen dem 1. Januar und dem 5. Mai dieses Jahres in Kolumbien mindestens 95 Personen ermordet wurden. Und die Medien meldeten, dass trotz der Ausgangssperre seit dem 23. März 19 Personen umkamen. Am meisten betroffen ist das Departement Cauca, in dem die Fastenaktion-Partnerorganisationen Atucsara, Censat und Semillas de Agua arbeiten.

Die Corona-Krise hat in Kolumbien die bestehenden Probleme wieder in aller Deutlichkeit offengelegt. Die Mehrheit der kolumbianischen Bevölkerung, die bereits vor der Pandemie unter massiven Menschenrechtsverletzungen litt, wird weiterhin mit desolaten Aussichten konfrontiert.

Bis zum 18. Mai 2020 wurden in Kolumbien 15’574  Ansteckungen bestätigt und es gab bisher 574 Todesfälle – die Kurve scheint sich nun abzuflachen.

 

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. Hier finden Sie mehr zum Kolumbienprogramm der Fastenaktion.

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Janneth Lozano von der Partnerorganisation CodacopJanneth Lozano von der Partnerorganisation Codacop

Ausschnitt aus einem Mail von Janneth Lozano B, Direktorin der Partnerorganisation Codacop

«Eine herzliche und solidarische Umarmung für unsere Verbündeten, mit denen wir uns für eine bessere Welt – mit Gerechtigkeit und Gleichheit für alle – einsetzen.»

(…)

«Wir nutzen die Zeit, um mit aufgeschobenen Aufgaben voranzukommen, wir treffen uns virtuell und haben Arbeitspläne entwickelt, wir fördern Prävention und Kampagnen für Gewaltfreiheit, wir unterstützen Solidaritätsaktionen und wir kümmern uns um das Wohl unseres engeren Kreises. 

Aber wir machen uns noch immer Sorgen darüber, welche Auswirkungen dies auf die von uns begleiteten Prozesse, die Projekte und die Zusammenarbeit haben wird. Wir gehen davon aus, dass nichts mehr so sein wird wie vorher, wenn dieser Alptraum vorbei ist; wir bereiten uns darauf vor, gemeinsam über Alternativen und Wege nachzudenken und zusammenzuarbeiten…

Wir verfolgen aufmerksam die Nachrichten aus aller Welt und schliessen uns den Gebeten an, dass diese Nacht zu Ende geht und die Sonne für alle Menschen wieder scheinen wird.»

Andreia Fanzeres, OpanAndreia Fanzeres, Opan

Die Corona-Pandemie wird von der Regierung im Bundesstaat Mato Grosso genutzt, um im Eilverfahren eine Gesetzesänderung voranzutreiben. Diese wird das bisherige Recht der indigenen Bevölkerung auf eigenes Land stark beeinträchtigen. Opan, langjährige Partnerorganisation der Fastenaktion, hat die Öffentlichkeit alarmiert.

Die brasilianische Verfassung sieht Gebiete vor, die ausschliesslich von der indigenen Bevölkerung bewohnt werden dürfen. Doch bis die Grenzen eines solchen Gebiets abgesteckt sind, müssen die indigenen Gemeinschaften einen langwierigen administrativen Prozess durchlaufen. Die Territorien bleiben in dieser Zeit für sie reserviert, unabhängig davon, wo der administrative Prozess gerade steckt. Diesen Grundsatz hat das höchste Gericht des Landes kürzlich in zwei Fällen bestätigt.

Es ist zudem wichtig, zu wissen, dass es möglich ist, Landnutzungsrechte zu erwerben, indem sich eine Person einfach selbst als Besitzer/in eines Stück Landes erklärt. Dann ist der Staat verpflichtet, zu überprüfen ob dieser Anspruch rechtmässig ist. Er kontrolliert auch, ob das Umweltgesetz zur Anwendung kommt. In letzter Zeit wurde aber eine wachsende Anzahl von Fällen von dieser Überprüfung entbunden, was bedeutet, dass auch das Umweltgesetz weniger strikt eingehalten wird.

Verfassungsrecht wird schamlos unterlaufen

Obwohl die rechtliche Lage klar ist, hat der Gouverneur, in Absprache mit der Regierung von Mato Grosso, dem Parlament eine Gesetzesänderung vorgeschlagen: Neu soll auch erlaubt sein, dass jemand eine Selbstdeklaration auf Flächen erheben kann, die bereits von Indigenen genutzt werden – vorausgesetzt, dass diese den administrativen Prozess für das Gebiet noch nicht abgeschlossen haben. Dazu sagt Andreia Fanzeres von der Fastenaktion-Partnerorganisation Opan: «Diese angestrebte Änderung steht in direktem Widerspruch zur Verfassung und den genannten Gerichtsurteilen.» Nachdem die vorberatende Kommission den Gesetzesvorschlag im Eilverfahren per virtueller Abstimmung verabschiedet hat, ist dieser nun im Parlament von Matto Grosso hängig. Der Abstimmungstermin ist für diese Woche angesetzt. Auf Druck der Fastenaktion-Partnerorganisation hat sich jetzt die nationale Staatsanwaltschaft eingeschaltet und die Regierung von Mato Grosso angehalten, das Gesetzesvorhaben zu sistieren bis alle Auswirkungen dieser Gesetzesänderung geklärt sind.

Die Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung zerstören

Sollte das Gesetz dennoch in den kommenden Tagen vom Parlament gutgeheissen werden, besteht die akute Gefahr, dass privaten Personen zahlreiche Ansprüche stellen, um Landnutzungsrechte in indigenen Territorien zu erhalten. Dies bedroht direkt die Lebensgrundlage der betroffenen indigenen Gemeinschaften.

Obwohl Opan offizielles Mitglied des Umweltrates von Mato Grosso ist wurde die Organisation über die geplante Gesetzesänderung nicht informiert. Nur dank der Warnung eines Parlamentariers sowie eines Journalisten wurde die Zivilgesellschaft auf die laufende virtuelle Abstimmung aufmerksam gemacht. Dies bestätigt den Verdacht, dass die Regierung von Mato Grosso und die vorberatende Kommission die derzeitige Ausnahmesituation nutzen wollen, um das heikle Geschäft gezielt in virtuellen Sitzungszimmern voranzutreiben, ohne Information und Konsultation der betroffenen indigenen Gemeinschaften.

Ein Treffen von Opan und Führungspersönlichkeiten der indigenen Gemeinschaften mit Staatsanwälten (Archiv)Ein Treffen von Opan und Führungspersönlichkeiten der indigenen Gemeinschaften mit Staatsanwälten (Archiv)

Opan macht Druck

Opan ist seit 1969 die Interessenvertretung der Indigenen in Mato Grosso und fördert die Vernetzung der indigenen Gemeinschaften. In diesem konkreten Fall hat Opan gemeinsam mit weiteren Nichtregierungsorganisationen in kürzester Zeit Informationen und Hintergrundmaterial über die negativen Auswirkungen der Gesetzesänderung erarbeitet. Auf Druck einiger nationaler Medien musste die Regierung dazu Stellung nehmen und ein erstes Mal öffentlich über das Gesetz informieren. Ausserdem steht Opan in direktem Kontakt mit der nationalen Staatsanwaltschaft, welche die Aufgabe hat, die Verfassung zu schützen.

David Knecht, verantwortlich für Energie und Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion

Update 19. Juni 2020

Am 18. Juni hat das Parlament in Mato Grosso in einer ersten Lesung das neue Gesetz mit 13 Ja, 2 Nein und 6 Enthaltungen angenommen. Es wurde im Eilverfahren, im Schatten der Corona-Krise vorangetrieben. Opan hat keine Hoffnung, dass die zweite Lesung in 1-2 Wochen anders ausgehen wird. Das bedeutet: Die bestehenden Rechte der Indigenen auf Land können künftig einfach übergangen werden. 

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Plakat gegen Covid-19: Bleiben Sie zu HausePlakat gegen Covid-19: Keine Versammlungen und Besuche, bleiben Sie zu Hause

Zur Situation in Brasilien allgemein

In Brasilien wurden bisher 245’595 Personen positiv getestet und es starben 16’370 Personen an Covid-19 – die Kurve steigt noch immer steil an.

Zum einen liegt es daran, dass 13 der 240 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer in Favelas wohnen, in denen es an fliessendem Wasser fehlt und Abstände nicht eingehalten werden können. Vor allem aber liegt es an fehlenden Massnahmen der Regierung Bolsonaro, der noch Anfang Mai zu einem Journalisten sagte: «So what? Was wollen Sie, dass ich etwas dagegen tue?»

Der illegale Rohstoffabbau und das Abholzen im Amazonasgebiet gehen ungerührt weiter. Die Arbeiter bringen das Virus damit auch in sehr abgelegene Gebiete. Mit einem offenen Brief wandte sich am 3. Mai daher der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado und eine Gruppe von Künstlern, Wissenschaftlerinnen und weitere Persönlichkeiten weltweit gegen den befürchteten Genozid an der indigenen Bevölkerung.

Pramod Dahal, CAED/NepaPramod Dahal, CAED/Nepal

Die Menschen in den Projekten der Fastenaktion, die in abgelegenen Gebieten leben, können auf ihren Feldern weiter arbeiten. Doch vor kurzem wurde die Ausgangssperre bis zum 18. Mai verlängert. Das heisst, dass - mit wenigen Ausnahmen - niemand auf den Strassen unterwegs sein darf und keine Projektbesuche möglich sind. Pramod Dahal, Koordinator der Partnerorganisation CAED, berichtet.

«Eine Woche bevor in Nepal die Grenzen geschlossen wurden, überquerten fast eine halbe Million nepalesische Wanderarbeiter, die aus ihren Jobs in Indien vertrieben worden waren, die Grenzen im westlichen Teil des Landes. Doch viele nepalesische Arbeiter stecken noch immer an der indisch-nepalischen Grenze fest. Sie alle möchten zurück zu ihren Familien, in ihre Dörfer. Denn dort müssen sie wenigstens nicht verhungern. Es besteht jedoch ein hohes Risiko, dass die Rückkehrer von ausserhalb das Coronavirus in die ländlichen Gebiet bringen.

Da der Chef des Bezirkskrankenhauses in Dolpa es unterlassen hatte, eine Quarantäne und Isolierstation einzurichten, drohte der Chief District Officer, ihn zu verhaften, was wiederum die Arbeitenden aus den Gesundheitsberufen auf den Plan rief. Sie demonstrierten und forderten für sich Schutz und Sicherheit. 

Die Provinzregierung von Karnali hat Medikamente und Ausrüstung, darunter 200 Operationsmasken, 25 NH90-Masken, 60 persönliche Schutz-Ausrüstungen und 1000 Handschuhe mit dem Helikopter in den Distrikt geliefert. Das reicht nirgendwo hin. Alle sind überfordert. Täglich wird es wärmer und wir hoffen, das dies dazu beitragen wird, die Übertragung des Coronavirus zu verringen.»

Pramod Dahal, Koordinator der Partnerorganisation CAED, Anfang April 2020

 

Up date, 11. Mai 2020

Nepal zählte bis heute offiziell 134 Ansteckungen und keine Toten – doch fürchtet die Regierungen einen grossen Anstieg, wenn die Ausgangssperre gelockert wird. Am 6. Mai kündigte sie deshalb an, dass die Ausgangssperre bis zum 18. Mail verlängert wird. In- und Auslandflüge sind bis zum 31. Mai suspendiert. Bis auf weiteres ist auch Trekking in der Himalayaregion nicht erlaubt. 

Am 30. April konnten die letzten 2000 nepalesischen Arbeiter die Grenze zwischen Indien und Nepal überqueren.  Nepal hatte Mitte März die Grenzen für die Wanderarbeiter gesperrt, die in Indien ihre Jobs verloren hatten und verzweifelt versuchten, zu ihren Familien und in ihre Dörfer zurückzukehren, um wenigstens nicht zu verhungern. Manche waren mehrere hundert Kilometer zu Fuss unterwegs. In Quarantänelagern mussten sie darauf warten, ins Land gelassen zu werden.

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. Hier lesen Sie mehr zur regulären Programmarbeit in Nepal.

Um diese Arbeit halten und weiterführen zu können, sind wir froh um jede Spende. 

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Senegal Fenagie: Die Frauen der Solidaritätsgruppe produzieren Seife und JavelwasserSeife und Javelwasser, welche die Frauen selbst herstellen sind sehr gefragt.

Im Senegal sind die von Fénagie initiierten Solidaritäts- und Spargruppen sehr erfolgreich. Nun, während der Corona-Krise, profitieren zahlreiche Dörfer von ihren Fähigkeiten und ihrem Wissen.

700 Liter Javelwasser und 150 Töpfe mit Seife, soviel haben die Frauen der Kalebassengruppe von Soukouta in den letzten Wochen selbst hergestellt. Denn mit dem Ausbruch des Coronavirus ist der Bedarf an Seife zum Händewaschen und Javelwasser, zur regelmässigen Desinfektion von Böden, Ablagen und sanitären Einrichtungen gewachsen. Die Frauen haben in grossen Mengen produziert, damit weder die Gruppenmitglieder noch die Dorfbevölkerung Mangel leiden müssen.

Der erste Fall mit Covid-19 wurde im Senegal am 2. März verzeichnet. Seitdem steigt die Kurve. Am 4. Mai vermeldet das Land bereits 1182 angesteckte Personen, 9 Tote und 372 geheilte. Bisher ist vor allem die städtische Bevölkerung von Covid-19 betroffen. Die Dörfer blieben bis anhin verschont. Die Menschen versuchen Abstand zu halten.

 

Senegal FenagieMit kurzen Theaterszenen vermitteln die Solidaritätsgruppen ihr Wissen an andere Frauen.

Trotz Ausnahmezustand Mut bewahren

Seit dem 23. März ist das Land im Ausnahmezustand. Zwischen acht Uhr abends und sechs Uhr morgens herrscht Ausgangssperre, die Wochenmärkte wurden geschlossen. Bereits um 16 Uhr müssen auch die anderen Geschäfte geschlossen werden. Sämtliche Grenzen sind gesperrt. Ausserhalb des Hauses besteht eine Maskenpflicht.

Zudem sind Reisen innerhalb des Landes verboten. Das bringt auch die Frauen der Kalebassengruppe von Thialane in Bedrängnis. Denn sie, die mitten im Delta des Flusses Saloum leben und deren einziges Transportmittel die Piroge ist, müssen warten. Und das in einem Moment, in dem die Zutaten für Javel knapp geworden sind. Bis anhin konnten sie 186 Liter des Desinfektions- und Reinigungsmittels herstellen, davon profitieren auch hier die 800 Bewohner/innen ihres Dorfes.

Die Spar- und Solidaritätsgruppen sind in den letzten Jahren im ganzen Land zu einer wichtigen Institution geworden und haben für viele Menschen grosse Verbesserungen gebracht. Dabei wird von den meisten Mitgliedern nicht das gemeinsame Sparen als grösste Errungenschaft bezeichnet, sondern der Zusammenhalt und die Solidarität. 

 

Verteilaktion von Seife und Javelwasser durch die Partnerorganisation AgrécolVerteilaktion von Seife und Javelwasser durch die Partnerorganisation Agrécol

Angst vor Hunger geht um

Durch die zahlreichen Einschränkungen zum Schutz gegen das Virus ist das Leben für die Menschen sehr schwierig geworden. Die Nahrungsmittelpreise steigen und die eh schon kleinen Vorräte der letzten Ernte sind fast aufgebraucht. Denn der Regen 2019 fiel nur sehr spärlich und es konnte entsprechend wenig geerntet werden. Die Befürchtung ist gross, dass der Senegal vor einer Hungersnot steht. Zwar hat der Staat Hilfspakete angekündigt. Doch durch das Reiseverbot im Land ist völlig unklar, wie diese Pakete zu den Bedürftigen gelangen sollen. Ausgangs- und Versammlungsverbot führen dazu, dass selbst die während des Ramadans üblichen «Armenspeisungen» in den Moscheen dieses Jahr ausfallen.

Auch die Projektmitarbeitenden der Fastenaktion sind eingeschränkt. Reisen in die Dörfer sind derzeit nicht möglich. Doch unterstützen sie die Menschen so gut es geht, ihr wichtigstes Kommunikationsmittel derzeit ist das Telefon. Sie verbreiten Informationen und Verhaltensregeln, sie beraten die Gruppen und vermitteln bei allfälligen Schwierigkeiten. Zudem arbeiten sie mit den lokalen Behörden zusammen und unterstützen die Hygienemassnahmen. Dazu gehört auch das Verteilen der selbstgemachten Seifen.

 

Selbst gemachte SeifenEine Auswahl von selbst hergestellten Seifen

Was Frauen der Partnerorganisation ADK zu Ihrer Seifenproduktion sagen

« Ich habe importierte Seifen mit unserem Produkt verglichen und das Ergebnis ist, dass das mit Palmöl, Sheabutter und Zitronenblättern hergestellte Produkt wirksamer ist und aktivierend wirkt. Ich bin Präsidentin unserer Kalebasse und wir haben gemeinsam beschlossen, künftig eine grössere Menge zu produzieren.»

Ndèye Diarra, Calebasse 10

« Die hergestellten Seifen werden nicht nur von den Konsumentinnen und Konsumenten geschätzt, sondern ermöglichen uns auch ein Einkommen. »

Maty Dioufm Calebasse 8

Seifenherstellung bei der Partnerorganisation ALSE

 

Partnerorganisation ALSE: Seifenherstellung 1
Partnerorganisation ALSE: Seifenherstellung 2
Partnerorganisation ALSE: Seifenherstellung 3

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. 

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Partnerorganisationen der Fastenaktion informieren über Corona und verteilen Material zur Desinfektion.Partnerorganisationen der Fastenaktion informieren über Corona und verteilen Material zur Desinfektion.

In Haiti ist die Situation verheerend: Klimawandel und eine korrupte Regierung bringen viel Leid über das Land. In das bestehende Chaos kommt nun der Corona-Virus hinzu - worüber nur ungenügend informiert wird. Die Partnerorganisationen der Fastenaktion informieren ihre Solidaritätsgruppen und geben Hygienematerial ab.

Menschen mit Corona-Virus werden stigmatisiert

Viele befürchten, dass es in Haiti bei einem grösseren Ausbruch der Covid-Krankheit zu Gewalt kommen könnte. Es gibt bereits Berichte über Gewaltausbrüche. Es wurden Personen mit verdächtigen Symptomen angegriffen und sogar ein Spital, welches diese Betroffenen behandelt hat.

Haitianischer Staat mit widersprüchlichen Informationen

Der Premierminister hat noch Mitte April gemeldet, dass Haiti bezüglich dem Corona-Virus über dem Berg sei. Es ging wohl vor allem darum, die Textilfabriken für den Export wieder zu öffnen. In den Fabriken können jedoch die Abstands- und Hygieneregeln nicht eingehalten werden. Seit 22. April besteht nun wieder der Ausnahmezustand.

Fastenaktion informiert über das Virus und verteilt Hygienematerial

Alle Partnerorganisationen der Fastenaktion organisieren Sensibilisierungs-Aktivitäten. Sie informieren, wo sie können, über die Gefährlichkeit des Virus und über Hygienemassnahmen. Zusätzlich haben sie Material zum Händewaschen organisiert: Kübel mit Hähnen und Seife zur Desinfektion.

 

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Porträt Aimé SawadoAimé Sawado ist Koordinatorr der Bäuerinnenorganisation Akofed

Burkina Faso, das «Land der aufrechten Menschen», wie es übersetzt heisst, ist eines der ärmsten Länder der Welt. Weit mehr als die Hälfte muss mit weniger als einem Dollar täglich auskommen. Auf die Coronakrise reagieren die Politiker/innen mit Schliessung und Ausgangsverbot. Das treibt die Menschen noch weiter in die Armut.

Betroffen waren zuerst Minister/innen, Botschafter/innen, ein eben erst aus Frankreich zurückgekehrter Pastor und seine Frau, sowie der Erzbischof von Ouagadougou. Sie waren die ersten Covid-19 Patient/innen in Burkina Faso. Doch seit dem Auftreten der ersten Fälle Anfang März, hält hat das ganze Land den Atem an.

Die von der Regierung ergriffenen Massnahmen, um die Ansteckung zu verlangsamen oder zu stoppen, trifft die arme Bevölkerung besonders hart. Es gilt Quarantäne in den Städten, es herrscht landesweit ein Mangel an Schutzmasken, Seife und Desinfektionsmittel. Märkte, Gotteshäuser, Schulen und Bahnhöfe sind geschlossen.

Die Präventionsmassnahmen so gut es geht umsetzen

Akofed (Association Koglzanga féminin pour le développement), die Partnerorganisation der Fastenaktion, ist in der ländlichen Gemeinde Tikaré, 140 km von der Hauptstadt entfernt aktiv.

Aimé Swado der Koordinator erzählt: «Die von 19.00 Uhr bis 5.00 Uhr morgens festgelegte Ausgangssperre wird eingehalten, auch wenn viele Menschen in der Region dies als ungerechtfertigt empfinden, da die Städte, allen voran Ouagadougou, die meisten Ansteckungen verzeichnen. An der Organisation gesellschaftlicher Ereignisse hat sich wenig oder gar nichts geändert, da nach wie vor Zusammenkünfte bei Beerdigungen und glückliche Ereignisse wie Hochzeiten stattfinden.»

Zwar praktizieren einige Familien das Händewaschen, doch Distanz zu halten fällt allen schwer, denn das passt einfach nicht in den soziokulturellen Kontext. Händeschütteln, in Gruppen diskutieren, miteinander Zeit zu verbringen gehört zur Kultur der Burkinabe.

Schwerer Rückschlag für die Projekte

Doch die Bevölkerung von Tikaré lebt in ständiger Angst, wie sich die Situation weiter entwickeln wird. Die über die internationalen Medien verbreiteten Informationen, die tägliche Zahl der Todesfälle in den am stärksten betroffenen Ländern, die tägliche Aktualisierung der Situation in Ouagadougou, die Zahl der Neuinfektionen, Todesfälle und Genesungen, verschlimmern diese noch. Auch die mangelnde Gesundheitsversorgung – im ganzen Land gibt es fünf Beatmungsgeräte und das für über zehn Millionen Menschen – schüren zusätzliche Ängste. Die Behörden sind sich dieser Situation zwar bewusst; doch was sollen sie tun, falls die Katastrophe eintrifft? 

Aimé Sawado, der Koordinator von Akofed ist mehr als besorgt. «Durch das Versammlungsverbot und die sozialen Distanzierungsmassnahmen dürfen wir uns nicht mehr mit den Begünstigten treffen, verschiedene unserer Aktivitäten sind zum Erliegen gekommen. Das trifft die Menschen, die in der Solidaritätskalebasse organisiert sind besonders hart. Denn normalerweise treffen sie sich wöchentlich, um sich auszutauschen und auch um untereinander Geld zu sammeln, um für harte Zeiten gewappnet zu sein. Doch das ist jetzt verboten. Glücklicherweise dürfen die Felder noch bearbeitet werden. Aber wenn die Schliessung der Märkte und andere Massnahmen über die Trockenzeit hinaus andauern, werden wir in eine schwere Hungerkatastrophe schlittern.»

Colette Kalt, Fastenaktion

Covid-19 und seine Auswirkungen  in Burkina Faso – Stand 1. Mai 2020

645 Personen erkrankt an Covid-19, 43 Tote, 506 geheilte. Die tatsächliche Zahl ist nicht bekannt, da es an Testkits mangelt und eine medizinische Versorgung praktisch inexistent ist. 600’000 Menschen sind intern auf der Flucht vor Terrorgruppen im Norden und Osten des Landes. 

Fastenop

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Seit zwanzig Jahren feiern die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) und der Internationale Verband zum Schutz von Pflanzenzüchtungen (UPOV) am 26. April den Welttag für geistiges Eigentum. In diesem Jahr unter dem Motto «Innovationen für eine grüne Zukunft». Partnerorganisationen der Fastenaktion auf der ganzen Welt verurteilen diesen irreführenden Aufruf. Sie riefen deshalb zum Internationalen Saatguttag auf, der die Arbeit und das Wissen von Millionen von Bäuerinnen und Bauern honoriert.

Der sogenannte UPOV-Sortenschutz ist neben den Saatgutgesetzen Teil jener globalen Gesetzgebungen, die das geistige Eigentum schützen, die industriellen Nahrungsmittel- und Agrarsysteme unterstützen und festigen. Wie bereits während der Ökumenischen Kampagne 2020 aufgezeigt, basieren diese Systeme auf der Kommerzialisierung von Natur und Wissen und untergraben die Rechte der Bäuerinnen und Bauern, die bäuerlichen Anbausysteme sowie die biologische Vielfalt. Die Fastenaktion-Partnerorganisationen sind überzeugt, dass die industrialisierte Landwirtschaft die Zukunft des Planeten und der Menschen in grosse Gefahr gebracht hat.

Gerade leben wir in aussergewöhnlich herausfordernden Zeiten. Die Corona-Pandemie hat eine Wirtschaftskrise geschürt und die Risiken, Fragilität und Ungerechtigkeiten in unseren Ernährungssystemen offengelegt. Deshalb sagt die philippinische Partnerorganisation Searice: « Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir unsere Saatgutvielfalt, unsere vielfältigen Ökosysteme und unsere Biokulturlandschaften, die lokale Ernährungssysteme und Millionen von Lebensgrundlagen unterstützen, zurückgewinnen. Angesichts der Pandemie fordern wir den vollen Schutz und die Einhaltung der Rechte von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern.»

UPOV legt sich ein grünes Mäntelchen um

Gemäss WIPO und UPOV sei das geistige Eigentumsrecht an Saatgut gleichbedeutend mit der Innovationsförderung in der Pflanzenzüchtung. Doch dem widersprechen die Partnerorganisationen der Fastenaktion vehement. «Das System, dass die WIPO und UPOV fördern, behindert, untergräbt, beschränkt und entwertet stattdessen lokale Innovationen und traditionelle Wissenssysteme. Das von ihnen propagierte Modell ist ungeeignet für die Bäuerinnen und Bauern des globalen Südens, da sie weitgehend auf jahrhundertealte Systeme der Saatgutgewinnung und des Saatgutaustausches angewiesen sind.»

Tatsächlich sind es der Einfallsreichtum und die Innovationen der kleinbäuerlichen Familien, die die Welt ernähren, widerstandsfähige Nutzpflanzen hervorbringen und gesunde und nahrhafte Lebensmittel liefern – und dies auch in Krisenzeiten.

Gerne präsentiert sich die Agrarindustrie der Weltöffentlichkeit als Retterin in der Ernährungssicherheit. Gleichzeitig trägt sie aber auch eine Mitverantwortung an der Klima- und Umweltkrise.

Für die Partnerorganisationen ist ein solches Verhalten nicht akzeptabel: «Es darf nicht zugelassen werden, dass sich Unternehmen neu erfinden, um sich nun als Retter darzustellen. Sie sollten auch nicht mit dem Recht auf geistiges Eigentum belohnt werden, sind sie es doch, die Saatgut zu einer Ware machen und monopolisieren und die Rechte der Bäuerinnen und Bauern verletzen.»

Die unterzeichnenden Organisationen, verurteilen diese äusserst einseitige Sichtweise und sind schockiert über die Schönfärberei, mit der Sortenschutz nach UPOV und die Patente als Motor für eine grüne Zukunft angepriesen werden. Deshalb haben sie am 26. April alternativ zu einem Internationalen Saatguttag aufgerufen, der die Wichtigkeit der Bäuerinnen und Bauern bei der Saatgutgewinnung, dem Erhalt der Biodiversität und der Sicherstellung der Nahrung auch in Krisenzeiten garantiert.

Sie unterstützen das Anliegen unserer Partnerorganisationen? Unterschreiben Sie noch heute diese Petition, die bereits von vielen Umwelt- und Saatgutorganisationen weltweit unterschrieben wurde.

Erfahren Sie hier mehr über die Koalition.

Helfen sie mit, dass sich die Menschen im globalen Süden für ihr Saatgut einsetzen können

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Noch während der Ökumenischen Kampagne verliess Mercia Andrews von der Fastenaktion-Partnerorganisation Rural Women Assembly (RWA) die Schweiz. Die Mehrheit ihrer Auftritte war abgesagt worden, gleichzeitig sorgte sie sich, was sie zu Hause erwarten würde.

Mercia Andrews, auch sie derzeit im Home Office, erinnert sich an ihren überstürzten Aufbruch. «Die Szene, die sich mir am Flughafen Zürich am Abend des 9. März präsentierte war unheimlich. Der Flughafen war menschenleer. Eine Stunde vor dem geplanten Abflug wurde der Flug gestrichen. Nach viel Unruhe und wenig Schlaf flog ich am nächsten Morgen mit etwa 40 anderen Passagieren nach Hause.»

Kein Geld für Lebensmittelvorräte

Am Flughafen Johannesburg wurde ihr, wie allen anderen Ankommenden, die Temperatur gemessen. «Ich ging sofort zum Arzt und wollte mich testen lassen. Doch da ich keine Symptome hatte, wurde ich nicht getestet, es mangelte an Testkits. Während der folgenden 14 Tagen musste ich mich an die staatlichen Vorschriften zur Selbstisolierung halten.»

In dieser Zeit bereitete Südafrika den Lockdown vor. Am 23. März trat die Ausgangssperre in Kraft, ein totales Flugverbot wurde verhängt. Über die daraus entstehenden Folgen ist Andrews sehr besorgt: «Seit mehr als drei Wochen leben wir nun mit einem der striktesten Lockdowns überhaupt. Wir stehen deshalb vor vielen Herausforderungen. Während die Mittelschicht Lebensmittel horten kann, mussten arme Menschen warten, bis zu ihrem Zahltag oder bis zum Tag der Auszahlung der Sozialhilfeleistungen oder Renten, um überhaupt etwas einkaufen zu können.»

Wasser – keine Selbstverständlichkeit

In vielen Gebieten haben die Menschen keinen Zugang zu Wasser, um sich regelmässig die Hände waschen zu können. Und in den überfüllten Häusern und in den Townships ist eine Selbstisolierung unmöglich. Oft leben da bis zu zehn Menschen auf engstem Raum. «Deswegen nehmen viele die Ausgangssperre nicht ernst, Polizei und Armee greifen dann aufs Brutalste durch. Viele Menschen haben zudem keinen Zugang zu Radio, Fernsehen und Internet und verfügen nur über beschränkte Informationen über Art und Umfang der von der Epidemie ausgehenden Bedrohung.»

Gleichzeitig beobachtet Mercia Andrews Erstaunliches. Denn die Regierung steht unter Druck. «Tabus von gestern werden auf einmal gebrochen. Die Sparmassnahmen, die zu einem gefährlichen Abbau der Gesundheitsdienste geführt haben, treffen uns jetzt mit voller Härte. Plötzlich ist Finanzminister Tito Mboweni dafür offen, Geld auszugeben, das er gemäss seinen Aussagen vorher nicht hatte.» 

Auf einmal scheint es auch möglich, dass in Townships und informellen Siedlungen den Menschen Land zur Verfügung gestellt wird, obwohl sie vor kurzem noch verhaftet wurden, wenn sie aus purer Not Land besetzten. Pflegepersonal und Gesundheitsarbeiter/innen in den Gemeinden, die im Allgemeinen ein Schattendasein fristen, werden jetzt als unverzichtbar anerkannt.

Frauen leiden besonders

Viele Regierungen in den Ländern des südlichen Afrika, in denen Gruppen des Rural Woman Assembly aktiv sind, befolgen die südafrikanische Strategie und haben ebenfalls einen Lockdown verhängt.

Wie Mercia Andrews berichtet, kritisieren viele der Mitglieder die militarisierte, von oben nach unten durchgesetzte Abriegelung. «Ich bin in grosser Sorge und fürchte den Gedanken an eine sich ausbreitende Epidemie in der Region, denn durch die vorangegangenen Sparmassnahmen sind unsere Gesundheitsinfrastrukturen sehr zerbrechlich. Als Bäuerinnenorganisation konzentrieren wir uns auf die Bewusstseinsbildung. Wir richten interne Kommunikationssysteme ein, um auch Frauen in abgelegenen Regionen erreichen zu können. Für diese sind die Schliessung der lokalen Märkte und des informellen Sektors ein grosses Problem, das sich unmittelbar auf ihr Einkommen auswirkt. Die Polizei weist zudem bereits auf eine deutliche Zunahme von geschlechtsspezifischer Gewalt hin.»

Bereits zwei Wochen nach Beginn der Ausgangssperren berichtete Polizeiminister Bheki Cele, dass 87’000 Menschen die Polizei gerufen hätten, weil sie häusliche Gewalt in ihrem Haus vermuteten. Wie viele Personen in diesem Zusammenhang verhaftet wurden, konnte er nicht sagen.

Zusammen mit den anderen Fastenaktion-Partnerorganisationen in Südafrika, hat Mercia Andrews mittlerweile die C-19 Peoples Coalition gegründet. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, möglichst viele Menschen über Covid-19 zu informieren, damit die richtigen Massnahmen ergriffen werden und die Ausbreitung des Coronavirus in Südafrika gestoppt werden kann.

Am 22. April waren die Zahlen noch vergleichsweise tief: 

 

  Südafrika Schweiz
Angesteckte Personen 3’159  27’740 
Todesfälle 54  1’393 
Durchgeführte Tests 114’711 221’263
Bevölkerung total 2018 57.8 Millionen 8.5 Millionen

 

Update 1. Mai 2020

Inzwischen sind es in Südafrika 103 Todesfälle (Schweiz: / 1737) und 5647 (Schweiz: / 29,705) bestätigte Ansteckungen. Die Regierung von Cyril Ramaphosa plant, die Ausgangssperre ab 1. Mai vorsichtig zu lockern.

 

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Um diese Arbeit halten und weiterführen zu können, sind wir froh um jede Spende.  Hier finden Sie mehr zum Programm in Südafrika allgemein.

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Mehr Informationen

Ines Pérez und Yojana Miner

Inés Pérez Hernández und Yojana Miner, die Koordinatorinnen des Landesprogramms Guatemala berichten regelmässig zur Corona-Krise im Land. Sie rechnen mit lang andauernden negativen Folgen für die benachteiligte indigene Bevölkerung.

«Die informelle Wirtschaft ist zum Stillstand gekommen. Das betrifft jene schwer, die von Tag zu Tag leben. Es herrscht grosse Besorgnis darüber, wie die Nahrungsmittel beschafft werden können, wenn man die Häuser nicht verlassen darf und keine finanziellen Mittel vorhanden sind.

Die Überweisungen an Familien, welche Verwandte in den Vereinigten Staaten oder in anderen Ländern haben, fliessen nicht mehr reibungslos, denn die Banken haben 75 Prozent ihrer Dienstleistungen eingestellt. Wir befürchten starke negative Auswirkungen: Es fehlt an Nahrung und die Unterernährung – rund 60 Prozent der Bevölkerung leben bereits unter der Armutsschwelle – wird zunehmen.

Davon betroffen ist vor allem die indigene, ländliche Bevölkerung, also unsere Hauptzielgruppe in den Projekten. Diese Krise wird bei ihr wohl tiefe Spuren hinterlassen. Die Partnerorganisationen der Fastenaktion, mussten einen grossen Teil ihrer Aktivitäten aufgrund des Versammlungsverbots reduzieren. Sie arbeiten aber mit alternativen Kanälen, über das Telefon und die Sozialen Medien und informieren die Menschen in den Projekten auch, wie sie sich vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus schützen können. 

Wir selbst arbeiten seit Mitte März von zu Hause aus und sind in stetem Kontakt mit den Partnerorganisationen, unterstützen sie, so gut es geht. Wir hoffen, dass die Projekte von Oktober bis Dezember ihre geplanten Aktivitäten  nachholen können. 

Druck der Regierung auf die zivile Gesellschaft hält an

Der Kongress stellte bis anhin seine Arbeit nicht ein – das ist ein weiteres grosses Risiko, denn es könnten während der Ausgangssperren Gesetze verabschiedet werden, welche die Rechte der Bevölkerung verletzen. Wir hoffen, dass das Gesetz zu den Nichtregierungsorganisationen, welches unsere Arbeitsmöglichkeiten stark einschränken würde, nicht jetzt behandelt wird.

Was den Fokus des Guatemala-Programms betrifft: Das zentrale Problem in dieser Krise ist der Zugang zu und die Verfügbarkeit von Nahrung. Es zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist, das Recht auf Nahrung zu betonen und wie notwendig es ist, die Anliegen der ländlichen, indigenen Bevölkerung ins Zentrum zu stellen.»

Inés Pérez und Yojana Miner, Koordinatorinnen des Ökumenischen Landesprogramms Guatemala.

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Hier finden Sie mehr zum Guatemalaprogramm der Fastenaktion allgemein.

 

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Präsident von Guatemala, Alejandro Giammattei

Die Entwicklung der Corona-Krise in Guatemala

Am 13. März verkündete Präsident Giammattei den ersten Corona-Fall des Landes – ein Guatemalteke, der aus Italien gekommen war. Bereits ab 16. März wurden daraufhin alle Schulen geschlossen und weitere Massnahmen verkündet:

  • Land-, Luft- und Seegrenzen sind geschlossen, die Einreise von Ausländerinnen und Ausländern nach Guatemala ist verboten.
  • Keine Versammlungen mehr für mehr als 3 Personen, Osterprozessionen sind abgesagt.
  • Es herrscht totale Ausgangssperre von 16 – 4 Uhr.
  • Der öffentliche Verkehr wird eingestellt.
  • Einkaufszentren sind geschlossen, ebenso Bars, Clubs und Restaurants. Ausnahmen sind Apotheken, Tankstellen und grundlegende Dienstleistung.
  • Personen über 60, solche mit besonderen Risiken und Schwangere müssen grundsätzlich zu Hause blieben.

Die Regelungen gelten vorläufig bis zum 20. April, die Schulen bleiben bis Ende April geschlossen. Wer die angeordnete Ausgangssperre nicht einhält oder andere Regeln bricht, hat mit drastischen Strafen zu rechnen: Geldbussen ab umgerechnet 850 Franken oder Gefängnis bis zu 6 Jahren. Das trifft vor allem Menschen, die im informellen Sektor arbeiten und die Ausgangssperre nicht einhalten können.

Vor Ostern wurden die Massnahmen verschärft – unter anderem sind alle Reisen innerhalb des Landes verboten. Der Präsident versprach gleichzeitig 11 Milliarden Quetzal – rund 1.35 Milliarden Franken – bereit zu stellen: Unter anderem sollen 2 Millionen Familien für drei Monate je 1000 Quetzales – rund 120 Franken – erhalten. Ob und wie dies umgesetzt wird, ist offen. Es wurde auch das Thema der häuslichen Gewalt angesprochen und die Frauen wurden gebeten, sich zu melden, wenn sie davon betroffen sind. 

Am 8. April meldete die Regierung, dass täglich rund 20 Ansteckungen dazu kommen und 11‘000 Personen unter Quarantäne gestellt wurden. Wohl wissend, dass das Gesundheitssystem für eine Krise nicht gewappnet ist, drohte der Präsident, die Präventionsmassnahmen erst dann zurückzuziehen, wenn die Neuansteckungen weniger als 12  pro Tag betragen.  Bis zum 12. April gab es insgesamt 156 bestätige Ansteckungen, davon starben 5 Personen, 19 Personen gelten als geheilt. 

Teodulo und Delia Badillo

Warum Agrarökologie krisenresistent macht

Die Bäuerin Delia Badillo und ihr Mann Teodulo haben auf der philippinischen Insel Mindanao einen eigenen Hof. Gerade in Zeiten von Corona ist die Selbstversorgung der Familie mit agrarökologischen Methoden zentral. Während viele Menschen auf Nahrungsmittellieferungen angeweisen sind, kommt diese Kleinbauernfamilie mit der Hilfe der Fastenaktion gut durch die Krise.

Die Warenbewegungen im Land sind drastisch eingeschränkt worden aufgrund der von der Regierung verhängten Sperre. In den Städten ist die Versorgung mit Lebensmitteln bereits jetzt vielerorts alarmierend. Es wird befürchtet, dass sich die Nahrungsmittelkrise in den kommenden Monaten noch verschärfen wird, wenn die Sperre wahrscheinlich verlängert wird und die Situation weiterhin aussergewöhnlich bleibt.

Bauern und Bäuerinnen sind gut auf die Corona-Krise vorbereitet

Menschen wie die Badillos haben nun mehr Möglichkeiten als andere: „Es geht uns hier gut, trotz der von der Regierung durchgeführten Sperre. Unser Bauernhof versorgt uns mit allem Nötigen“, sagt Delia Badillo. Sie und ihr Mann Teodulo – oder „Dokdok“, wie er überall genannt wird – bewirtschaften ihre Felder mit agrarökologischen Methoden. Ständig führen sie Innovationen auf dem Bauernhof durch, passen ihr Saatgut an. Auch teilen sie ihr Wissen uneigennützig mit den Bäuerinnen und Bauern in der Region der Halbinsel Zamboanga und in mehreren Teilen Mindanaos.

Diversität der landwirtschaftlichen Produkte zahlt sich aus

Auf ihrem ein Hektar grossen Bauernhof pflanzen sie Reis, Gemüse, Obstbäume und Kräuter an und ziehen Ziegen, einheimische Hühner und Enten auf. Begleitet werden sie dabei vom landwirtschaftlichen Know-How der Fastenaktion-Partnerorganisation Agro-Eco. Für ihr Engagement wurde die Organisation bereits mit einem internationalen Agrarökologie-Preis ausgezeichnet. Mit der agrarökologischen Anbaumethode versorgt sich die Familie Barillo ganzjährig mit nahrhaftem Essen, mit Medikamenten, natürlichen Düngemitteln. Dass sie auf viele verschiedene Nahrungsmittel setzen, garantiert ihnen zudem ein regelmässiges Einkommen und sogar einen grösseren Ertrag, als wenn sie nur Reis angepflanzt hätten.

Delia Badillo bekräftigt: „Agrarökologie macht unsere Familie flexibler, um mit einer solchen Situation fertig zu werden. Die diversifizierten Anbaumethoden sind ein wesentliches Element für den Fortbestand der Bäuerinnen und Bauern und der lokalen Wirtschaft.»

Text: Geonathan Barro von der philippinischen Partnerorganisation Agro-eco

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Corona: Wird Agrarökoklogie auf den Philippinen zum Trend?

Rund 1’500 agrarökologische Bauernbetriebe, die von unserer Partnerorganisation Agro-Eco unterstützt werden, kommen gut durch die Corona-Zeit. Warum sie gut auf die aktuelle Krise vorbereitet sind, erklärt Karin Wenger in der folgenden SRF-Reportage:

Die Kleinbäuerin Salvadora erntet Ube, eine Art Yamswurzel oder auf Englich "purpel yam".
Hier gibt es mehr Informationen zum Philippinenprogramm allgemein der Fastenaktion. 
Portrait Bernd Nilles© Jacques Berset, cath.ch

Mit der Globalisierung haben wir alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche weltweit miteinander vernetzt. Das bringt zwar Vorteile wie kostengünstige Produktion, Zugang zu Produkten aus aller Welt, Zugang zu fremden Kulturen, Kommunikation ohne Grenzen. Doch die Nachteile kennen wir seit Jahren: Ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, eine Liberalisierung des Welthandels, die keine Rücksicht auf Menschen und Umwelt nimmt, Rohstoffausbeutung, bei denen Menschenrechte missachtet werden und die Erwärmung des Klimas.

Die Globalisierung macht sich auch das Corona-Virus zunutze. Durch die global vernetzte Welt verbreitet es sich mit hohem Tempo in jeden Winkel der Erde. Es waren Reisende und Touristen, die es zu Beginn von Ort zu Ort trugen. Was werden wir daraus lernen? Wie werden wir diese Erfahrung nutzen? Sind wir bereit für einen Wandel?

Jetzt gerade steht die Welt erst einmal still. Eine ungewohnte Ruhe kehrt in fast alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche ein. Zugleich macht sich innere Unruhe und die Angst um seine Liebsten breit. Man sorgt sich um seine Gesundheit, die Ernährungssicherheit und die Arbeitsplätze. Paradoxe Realitäten zeigen sich: Die CO₂-Konzentration und der Feinstaubausstoss nehmen weltweit stark ab, was Leben rettet, während das Corona-Virus es anderen nimmt.

Existenzgrundlagen brechen zusammen

Auch in der Entwicklungszusammenarbeit stehen wir vor neuen Herausforderungen. In allen 14 Ländern, in denen Fastenaktion-Partner tätig sind, breitet sich das Corona-Virus aus. Im Amazonasgebiet bringen die Arbeiter der Bergbaukonzerne das Virus zu den schutzlosen indigenen Gemeinschaften. Überall werden Ausgangssperren verhängt und Gesundheitssysteme kollabieren. Die Mittel- und Oberschichten machen Hamsterkäufe. Die Armen aber haben keine Ersparnisse, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Der informelle Sektor, in dem die meisten von ihnen arbeiten, im Kleinstgewerbe oder auf Märkten, bricht zusammen und damit auch ihre Existenzgrundlage. Einige Regimes nutzen zudem den Ausnahmezustand, um repressive Massnahmen zu ergreifen und Freiheit und Menschenrechte einzuschränken. Fake News werden verbreitet und führen zu Unruhe, Chaos und Gewalt.

Dem wollen wir entgegenwirken und weiterhin helfen. Viele denken möglicherweise momentan nicht ans Spenden, da sie damit beschäftigt sind, sich um ihre Familie zu kümmern. Doch es ist zu befürchten, dass uns in den nächsten Wochen, wenn wir in der Schweiz die erste Corona-Welle gemeistert haben, schreckliche Nachrichten aus aller Welt erreichen werden. Dann, wenn die Corona-Welle im globalen Süden angekommen ist, bei den Ärmsten. Dieselben Massnahmen, die auch bei uns notwendig sind, werden verordnet, aber in vielen Dörfern gibt es kein Wasser. Es gibt kaum Krankenhäuser; es fehlt eine gute und gesunde Ernährung und die Versorgung wird zusammenbrechen.

Den Menschen überall auf der Welt Sorge tragen

Fastenaktion wird in dieser Situation seine fast 60-jährige Erfahrung in der Arbeit mit armen marginalisierten Bevölkerungsgruppen nutzen. Wir werden alles tun, um die lokale Versorgung mit Nahrung bei rund zwei Millionen Menschen sicherzustellen. Wir werden sensibilisieren und informieren, damit die Menschen sich schützen können, nicht auf Fake News hereinfallen und keine Unruhen entstehen. Und wir werden alles daran setzen zu intervenieren, wenn versucht wird, die Corona-Krise dazu zu nutzen, um Menschenrechte zu verletzen.

Einander zu helfen stärkt und eint eine Gemeinschaft – auch die Weltgemeinschaft. Während wir jetzt um die Gesundheit unserer Liebsten fürchten und die schwierige Situation in Zeiten des Corona-Virus für uns alle bedrückend ist, unterstützt Fastenaktion nach wie vor die Ärmsten in 14 Ländern der Welt. Das Fastenaktion-Team arbeitet derzeit an vielen Orten in der Schweiz im Homeoffice. Wir sind jedoch digital untereinander und mit hunderten Partnerorganisationen weltweit vernetzt, um unseren Auftrag weiterhin mit der gewohnten Sorgfalt zu erfüllen. Unsere Sorge gilt den Menschen im globalen Süden genauso wie den Menschen hier. Deshalb sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen: Helfen Sie mit – denn Solidarität kennt keine Grenzen und verbindet Menschen auf der ganzen Welt.

Bernd Nilles, Geschäftsleiter Fastenaktion

Hier können Sie direkt für die Menschen in unseren Projekten spenden. Danke!

Die Solidaritätsgruppen oben haben dieses Haus zum Schutz ihrer Reisvorräte vor Überschwemmungen gebaut . Dem Virus haben sie nichts entgegenzusetzen.

Der Hafenstadt Toamasina an der Ostküste Madagaskars bleibt im Moment nichts erspart. Mitte März wurden als Folge des Wirbelsturmes Herold die tiefer gelegenen Quartiere überschwemmt. In vielen Häusern stand das Wasser knietief. Und als das Wasser begann, sich zurückzuziehen, erfuhren die Menschen von der nächsten Bedrohung: eine weltweite, vor der sich sogar die entwickelten Länder fürchten.

Alle Projekte von Fastenaktion sind mit neuen, zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert. Am 24. März berichtete aus der Hafenstadt Toamasina Jean Céléstin Heriniaina, der Verantwortlichen des Projekts mit rund 1500 Solidaritätsgruppen.

Am 17. März trat in Madagaskar der erste Fall von Covid-19 auf. Die Überschwemmungen und jetzt die Epidemie bringen das Leben durcheinander, viele reagieren panisch. Die Bewohnerinnen und Bewohner von Toamasina versuchen sich trotz des plötzlichen Preisanstiegs mit Reis, Gemüse und anderen Dingen des täglichen Bedarfs einzudecken. Bereits ist das Speiseöl 5% teurer geworden, ein Sack Reis, der vorher 90’000 Ariary (23 Franken) kostete, wird jetzt zum doppelten Preis gehandelt. Im Bazary Kely – dem lokalen Markt – und in den Supermärkten war am 21. März alles leer gekauft. Auch die Tankstellen sind «trocken», es gibt weder Benzin noch Heizöl oder Gas.

Aber wie lange sollen unsere Vorräte reichen? Wir können annehmen, dass die Situation die Armut verstärkt. Madagaskar gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, rund 80 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze von rund 2 Dollar/Tag.

Am 22. März rief der Präsident den Notstand auf und verfügte eine 15-tätige Ausgangssperre für die Hauptstadt und Toamasina. In den Strassen von Toamasina spürt man die Panik der Bewohnerinnen und Bewohner, auch wenn bisher noch keine einzige Ansteckung gemeldet wurde.

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. Es ist in Madagaskar möglich, einen Teil der Beratung der Solidaritätsgruppen über Mobiltelefone zu machen. Die Kredite, welche die Gruppen ohne – oder nur gegen einen kleinen Zinssatz – vergeben, sind auch weiterhin möglich. Da es bisher nur wenig gemeldete Covid-19 Patientinnen und Patienten gibt, besteht die Hoffnung, dass sich das Virus nicht epidemisch ausbreitet – Es würde verheerende Folgen für die arme Bevölkerung haben.

Um diese Arbeit halten und weiterführen zu können, sind wir froh um jede Spende. Hier erfahren Sie mehr zu unserem Madagaskarprogramm.

 

 

Covid-19 als Zeitbombe für das Regime

Der Journalist Stefan Frey lebt in Olten und Diego Suarez im Norden von Madagaskar. Er hat dort die Organisation Mad’éole gegründet, welche Dörfer mit Wind- und anderen erneuerbaren Energien versorgt. Lesen Sie in seinem Artikel vom 5. April, was er als kritischer Beobachter zu Madagaskar und Covid-19 schrieb.

Am 1. April 2020, veröffentlichte die Beobachtungsstelle des öffentlichen Lebens in Madagaskar (Observatoire de la vie publique – SeFaFi), eine kritische Beurteilung des madagassischen Gesundheitswesens und äusserte schwerwiegende Zweifel an dessen Fähigkeiten im Hinblick auf die Bewältigung der Pandemie. Zehn Tage vorher hatte Staatspräsident Andry Rajoelina in einem pompösen Fernsehauftritt offiziell verkündet, dass das Corona-Virus zwischen dem 11. und 22. März mit Flügen aus Europa gelandet sei.

Die Regionen um die Hauptstadt Antananarivo und um die Hafenstadt Toamasina wurden unter Quarantäne gestellt, der Luftraum seit dem 22. März gesperrt, ebenso die Häfen. Dem Präsidenten zufolge zählte das Land am 2. April 59 Covid-19-Fälle. Kein Mensch im Land glaubt es, dafür werden die Ausgabestellen für Lebensmittelpakete von Tausenden gestürmt. Bilder vom Massenandrang verspotten die vom Präsidenten – der sich jetzt jeden zweiten Tag über die per Notstandsmassnahme requirierten Medien ans Volk wendet.

SeFaFi weist in ihrer neusten Verlautbarung auf ein zur Kultur gewordenes Phänomen hin: die Korruption. Auch im Gesundheitssystem seien Machtmissbrauch, Veruntreuung und offene Korruption längst zu einer existentiellen Bedrohung geworden. Die jahrelange Vernachlässigung des Gesundheitssektors habe die Spitäler praktisch ihrer Behandlungsmöglichkeiten beraubt. Neun von zehn Menschen der ländlichen Bevölkerung haben übrigens überhaupt keinen Zugang zum Gesundheitswesen.“

Zu den Projekten der Fastenaktion meint Frey: „Daneben gibt es zahlreiche rein privat organisierte und finanzierte Projekte, aus denen insbesondere jenes der Fastenaktion hervorzuheben ist, das über die Selbsterkennung der Schuldenspirale zur Selbstorganisation von Schuldnergruppen und schliesslich zu deren Befreiung aus den Wucherer-Fesseln führt. Weit über hunderttausend Menschen konnten so eine nachhaltige Perspektive entwickeln.“

Lesen Sie den ganzen Artikel von Stefan Frey zur Situation in Madagaskar auf Infosperber

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Dürfen die Menschen nicht in die Kirche, kommen die Palmen halt zu den Menschen. Seit seiner Jugend bindet Othmar Küttel für die Pfarrei Horw Palmbüschel für den Palmsonntag. Gerade dieses Jahr sollten die Bauernfamilien in Horw – einer grossen Gemeinde bei Luzern – nicht ohne ihre Palmen sein. 

 

Ôthmar Küttel mit seiner Frau, Horw bei Luzern
Die gesegneten Palmen sind für Menschen und Tiere ein Zeichen des Schutzes vor Krankheiten und Seuchen. Dieses Jahr fand der Palmsonntags-Gottesdienst wegen der Corona-Krise nicht statt. Doch gerade in dieser schwierigen Zeit sollten die Bauernfamilien der umliegenden Höfe nicht auf Gottes Segen verzichten müssen. Deshalb verteilten Othmar Küttel und seine Frau die Palmen – traditionell gebunden mit Zweigen von Stechpalme, Buchs und verschiedenen Koniferen  – heuer nicht in der Kirche, sondern gingen direkt bei den Bauernfamilien vorbei.
Palmen segnen Palmsonntag 2020
Pfarrer Benedikt Wey vom Pastoralraum Horw segnete die Palmen am Samstag auf dem Hof der Familie Küttel.

 

Am Palmsonntag wird im Gottesdienst traditionell die Kollekte für Fastenaktion aufgenommen.

Herzlichen Dank, wenn Sie in diesem Jahr Online spenden.