Die Klimaerwärmung führt zu häufigeren Wetterextremen. Dürren oder Stürme vernichten die Ernten der Bäuerinnen und Bauern der Hunger nimmt zu. Deshalb setzen wir uns auf internationaler Ebene für einen gerechten Klimaschutz ein, wie zuletzt bei den Klimaverhandlungen der Vereinten Nationen (UN) in Bonn. Der Elefant im Raum: Wer übernimmt die Kosten für eine lebenswerte Zukunft?

Ein Kommentar von Manolito Steffen, OnlineRedaktor bei Fastenaktion

Jedes Jahr im Juni treffen sich UN-Delegationen aus aller Welt in Bonn, um über Klimaschutz zu verhandeln. Diese Vorverhandlungen dienen als Grundlage für die Weltklimakonferenz im November, die dieses Jahr in Aserbaidschan stattfinden wird.

Die Ergebnisse von Bonn sind allerdings einmal mehr ernüchternd: Der Klimaschutz kommt zu langsam voran, und die Staatengemeinschaft kann sich weiterhin nicht auf einen langfristigen Plan zur Finanzierung der Klimaschutzmassnahmen einigen. Und das, obwohl die Wissenschaft eindringlich davor warnt, die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu verfehlen. Darin ist festgehalten, dass die globale Erderwärmung gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter 1.5 Grad Celsius nicht überschreiten darf – denn wenn dieser sogenannte Kipppunkt überschritten wird, drohen noch häufigere Wetterextreme wie Dürren, wodurch die Ernährungssicherheit gefährdet wird.

Indigene Stimmen für Klimaschutz

Dass sich das Klima verändert, spüren nicht nur wir in der Schweiz, sondern insbesondere die Menschen in unseren Projekten im Globalen Süden. Sinéia Bezerra do Vale, die in Bonn mitverhandelte, bekräftigt dies. Die indigene Vertreterin aus dem Amazonasgebiet gilt in Brasilien als Klimaschutz-Ikone und arbeitet eng mit einer Partnerorganisation von Fastenaktion zusammen. Im Gespräch erzählt sie: «Das Wetter ist nicht mehr richtig. Die Winter sind länger, die Setzlinge werden von Käfern aufgefressen und Waldbrände zerstören unseren Lebensraum.» Um Letzterem nicht schutzlos ausgeliefert zu sein, hat die indigene Gemeinschaft von Sinéia eine eigene Feuerwehr gegründet. Auf die Frage, woher sie die Energie nehme, sich an den schleppenden Verhandlungen zu beteiligen, antwortet sie: «Aus meiner Gemeinschaft.» Indigene Perspektiven auf den globalen Klimaschutz sind wichtig, weil ihre Gemeinschaften von den Auswirkungen der Klimaerwärmung besonders betroffen sind – und ihr traditionelles Wissen ist wertvoll, um den Herausforderungen der Klimaerwärmung zu begegnen.

Sinéia Bezerra do Vale nahm als indigene Vertreterin an den Verhandlungen teil.

Industrialisierte Länder stehen in der Pflicht

Die Klimaverhandlungen der Vereinten Nationen sind sehr technisch und die Inhalte für Aussenstehende nur schwer verständlich. Einerseits geht es um die Milderung (Mitigation) der Klimaerwärmung durch die Reduktion von Treibhausgasen, andererseits um die Anpassung (Adaption) an die Folgen der Klimaerwärmung – also um das, was Sinéia Bezerra do Vale in ihrer indigenen Gemeinschaft im Kleinen verändert. Ebenfalls verhandelt wird über Schäden und Verluste (Loss and Damage), die das veränderte Klima verursacht, also zum Beispiel wie Länder für Schäden durch extreme Wetterereignisse entschädigt werden. Denn die Folgen der Erwärmung treffen vor allem die Länder im Globalen Süden, obwohl sie am wenigsten zum Ausstoss zur Klimaerwärmung beigetragen haben. 

Letztlich geht es bei all diesen Verhandlungsthemen um Geld – und Gerechtigkeit. Welches Land trägt wie viel zur Finanzierung von Klimaschutzmassnahmen bei? Zwar stehen vor allem die industrialisierten Nationen in der Pflicht, Verantwortung zu übernehmen, doch bei den UN-Klimaverhandlungen gilt das Konsens-Prinzip: Eine Einigung ist erst erzielt, wenn alle Mitgliedsstaaten zugestimmt haben. Dies bedeutet, dass ein einzelnes Land im Alleingang Entscheidungen blockieren kann.

Der Elefant im Raum hofft auf Baku

Die Verhandlungen kommen zu langsam voran, aber sind global die höchste Ebene, um den Klimaschutz neu zu regeln. Sie geben Menschen wie Sinéia Hoffnung, denn jeder zäh errungene Beschluss ist verpflichtend. Und somit auch ein weiterer Schritt, um der globalen Erwärmung angemessener und gerechter zu begegnen und die Lebensgrundlagen der Menschen im Globalen Süden zu verbessern. «Die Klimaerwärmung ist eine riesige Herausforderung», sagt Bettina Dürr, Klimaexpertin bei Fastenaktion. «Aber gleichzeitig auch eine Chance für die Länder des Globalen Südens, eine klimaresiliente Gesellschaft aufzubauen und endlich Gerechtigkeit zu erfahren.»  

 Fastenaktion wird als eine der wenigen akkreditierten Nichtregierungsorganisationen aus der Schweiz Ende Jahr an der Weltklimakonferenz in Baku teilnehmen. Und sich aktiv dafür einsetzen, dass die internationale Staatengemeinschaft sich dort zu dringend notwendigen Beschlüssen durchringen kann – insbesondere zu einer fairen Klimafinanzierung. Dies ist eine zentrale Voraussetzung für unsere Vision: eine gerechte Welt ohne Hunger.

Sie finden hier die Medienmitteilung von Alliance Sud zu den Klimaverhandlungen in Bonn.

Aktivist:innen demonstrieren am Rande der Verhandlungen für eine gerechte Klimafinanzierung.

Klimaschutz ist für eine gerechte Welt ohne Hunger unabdingbar. Klicken Sie hier, um unsere Arbeit für die ärmsten Menschen zu unterstützen.

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Hunger ist in Kenia ein verbreitetes Problem – auch weil es aufgrund der Klimaerwärmung immer wieder Ernteausfälle gibt. In den Projekten von Fastenaktion lernen Landwirtinnen wie Faith Wanjiru, wie sie trotz vermehrter Trockenheit Lebensmittel produzieren können.

Klicken Sie auf «Eintreten», um in ihre multimedial erzählte Geschichte einzutauchen. Viel Vergnügen!

Von der Dürre zur Ernte: Hoffnung in Kenia
Aus dem Leben von Faith Wanjiru
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Wir schaffen Hoffnung – helfen Sie uns dabei?

Unterstützen Sie Menschen wie die kenianische Bäuerin Faith dem Hunger zu entfliehen.

Christa Suter ist Expertin für Ernährungssysteme und kümmert sich bei Fastenaktion um das Landesprogramm in Kenia. Im Gespräch zum Welthungertag erklärt sie, weshalb so viele Menschen unter Hunger leiden und welche Ansätze trotz allem Hoffnung schaffen.

Text von Manolito Steffen, OnlineRedaktor bei Fastenaktion

Jeder zehnte Mensch auf der Welt hat nicht genug zu essen. Weshalb sind es noch immer so viele? 

In jeder Region gibt es unterschiedliche Gründe für Hunger. Die klimatischen Veränderungen wirken sich jedoch weltweit auf die Landwirtschaft aus und vermindern die Erträge. Hinzu kommen häufig politische und wirtschaftliche Faktoren: Wer hat Zugang zu ausreichend gesunder Nahrung? Und wer kann sich welche Nahrung leisten? Vielerorts ist das Preisniveau für Getreide und andere Nahrungsmittel geradezu explodiert, weil auch die Benzin- und Energiekosten steigen. Die Inflation in den Projektländern von Fastenaktion ist um einiges höher als in der Schweiz. Wer schon in extremer Armut lebt, kann sich diese Preise schlicht nicht leisten. 

«Die Hungersituation in vielen Ländern gibt weiterhin Anlass zu grosser Sorge»

Immerhin hungern knapp 100 Millionen Menschen weniger als im vergangenen Jahr, rund 700 Millionen insgesamt. Zeichnet sich also eine Verbesserung der Situation ab? 

Nur unwesentlich, die Lage ist immer noch höchst dramatisch. Während der Hunger seit dem Jahr 2000 schrittweise zurück ging, erleben wir seit 2015, dass die Fortschritte stagnieren, respektive sich der Hunger während der Corona-Pandemie nochmals verschärft hat. Erfolge gibt es punktuell, aber die Hungersituation in vielen Ländern gibt weiterhin Anlass zu grosser Sorge. Denn hinter jedem Menschen steht ein persönliches Schicksal. Und Hunger wirkt sich ein Leben lang aus, besonders die Entwicklung von Kindern wird beeinträchtigt. Aber auch Frauen sind stark betroffen: Sie sind es häufig, die verzichten, wenn das Essen nicht für die ganze Familie reicht.  

 

Hätten wir denn grundsätzlich genug Nahrung, um weltweit alle zu ernähren? 

Ja, eigentlich gäbe es genügend Essen für alle Menschen. Neben der grossen Menge Nahrungsmittel, die weggeworfen werden, ist aber insbesondere die Verteilung ungerecht. Sowohl zwischen dem globalen Süden und Norden als auch in den Ländern selbst. Letztlich ist es eine moralisch-ethische Frage, ob wir als globale Gemeinschaft bereit sind, diesen ungerechten Zustand zu verändern oder nicht. 

Die kenianische Bäuerin Faith Wanjiru schneidet eine Frucht, die sie zuvor aus ihrem Garten geerntet hat. Der Welthunger kann durch agrarökologische Anbaumethoden gebremst werden.
Umso mehr Nahrungsmittel eigenhändig produziert werden, desto unabhängiger sind die Menschen von den hohen Marktpreisen.

Du bist auch für das Landesprogramm von Fastenaktion in Kenia verantwortlich. Wie ist dort die Lage? 

Im westlichen Kenia konnten die Bäuerinnen und Bauern ernten, jedoch folgte eine Trockenheit. In der zweiten Anbausaison hat es wieder geregnet. Allerdings waren die Niederschläge so heftig, dass es vielerorts Überschwemmungen gab. Die Menschen im Südosten des Landes warten hingegen immer noch auf Regen. Die Bäuerinnen und Bauern haben keine Bewässerungssysteme und sind der Dürre ausgeliefert. Gleichzeitig spitzt sich in Kenia die Not wegen der allgemeinen Teuerung zu.

«Ein wichtiger Ansatz ist, die Vernetzung unter den Bäuerinnen und Bauern zu fördern»

Was unternimmt Fastenaktion, um dem Hunger dort entgegenzuwirken? 

Wir befähigen Bäuerinnen und Bauern, unabhängig und eigenständig lokale Ernährungssysteme aufzubauen, die unter anderem gegenüber Dürren widerstandsfähiger sind. Der Fachbegriff dafür heisst Agrarökologie und umfasst eine lokal angepasste und umweltschonende Landwirtschaft. Ein wichtiger Ansatz ist, die Vernetzung unter den Bäuerinnen und Bauern zu fördern. Sie schliessen sich in Solidaritätsgruppen zusammen und bestärken sich so gegenseitig. Mittlerweile sind in den kenianischen Projekten von Fastenaktion 545 Solidaritätsgruppen mit knapp zehntausend Mitgliedern aktiv, drei Viertel davon Frauen. Sie können mit agrarökologischen Anbaumethoden ausreichend gesunde Nahrungsmittel für ihre Familien produzieren und ihre Widerstandskraft gegen Klimaveränderungen wie Dürren stärken.  

Die kenianische Bäuerin Faith Wanjiru ist einem Fastenaktion-Projekt aktiv. Klicken Sie hier, um in ihre multimedial erzählte Geschichte «Von der Dürre zur Ernte» einzutauchen.

Die kenianische Bäuerin Faith Wanjiru arbeitet auf ihrem Feld mit agrarökologischen Methoden. Dieser Ansatz ist zentral, um dem Welthunger entgegenzuwirken.
Dank agrarökologischer Anbaumethoden können trotz Dürre ausreichend gesunde Nahrungsmittel produziert werden.

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Die Klimaerwärmung trifft die verletzlichsten Gruppen am stärksten, so auch die Bevölkerung in Senegal. Aboubarcry Sall ist Koordinator unseres Projekts Bamtaree-Podor und erzählt, welche Folgen die Klimakrise mit sich bringt und welche Massnahmen getroffen werden.

 

«Verantwortlich für die Dürre und den Wassermangel in der Region Fouta im Norden Senegals ist die Klimaerwärmung, die zu einem massiven Verschwinden von Pflanzen- und Tierarten führt und zu einer immer grösseren Ernährungsunsicherheit der lokalen Bevölkerung und des Viehs beiträgt. Weideflächen und Wasser fehlen. Dies gerade auch, weil wasserintensive Bewässerungskulturen für den Reisanbau mit dem Missbrauch von chemischen Düngemitteln und Pestiziden negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung haben. Die Viehzüchter sind auf der Suche nach Weideland gezwungen, sich für eine lange Zeit weit weg von ihrem angestammten Zuhause zu bewegen. Zieht die ganze Familie mit, wirkt sich das nachteilig auf die Schulbildung der Kinder aus.

Unregelmässiger Niederschlag

Seit mehr als drei Jahrzehnten stellen wir eine zunehmende Unregelmässigkeit des Wetters fest, verbunden mit der Abnahme von Regenfällen. Früher dauerte die Regenzeit von Mai bis Oktober, also sechs Monate mit 400 bis 500 mm Wasser. In den letzten zwanzig Jahren dauerte sie jedoch nur von August bis Oktober, das bedeutet weniger als 250 mm Wasser. Dafür haben wir in regenreichen Jahren mit Überschwemmungen zu kämpfen.

Anpassungen an die Klimaerwärmung

Dennoch sind die Menschen widerstandsfähig. Sie entwickeln gemeinsam Strategien, um sich an die Umstände anzupassen. Um den Zugang zu Wasser zu sichern, bohren sie nach Brunnen und legen Teiche an. Für die Landwirtschaft nutzen sie dürreresistentes lokales Saatgut für den Getreide- und Gemüseanbau auf Familien- oder Gemeinschaftsfeldern. Sie bilden Solidaritätsgruppen, um sich in Zeiten des Mangels gegenseitig unterstützen zu können.»

Der Ansatz der Solidaritätsgruppen stammt aus Senegal, welcher ein zentraler Pfeiler in der Arbeit von Fastenaktion ist. Erfahren Sie hier mehr über die Solidaritätsgruppen.

Die anhaltende Trockenheit lässt Menschen und Tiere in Senegal leiden.
Die anhaltende Trockenheit lässt Menschen und Tiere in Senegal leiden.

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In Madagaskar zeichnet sich die Klimakrise mit ihren schweren Folgen ab. Abwechselnde Trockenperioden treffen auf übermässige Regenfälle und Wirbelstürme. Dies führt zu Ernteausfällen in der Landwirtschaft, wie unsere Programmkoordinatorin in Madagaskar, Diary Ratsimanarihaja, erklärt.

«Nach drei aufeinanderfolgenden Jahren ohne Regen zogen im Februar 2022 zwei Wirbelstürme (Batsirai und Emnati) über den Süden des Landes hinweg. Im Bezirk Betioky hat es im Februar und März dieses Jahres endlich wieder geregnet. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind froh darüber. Aber die Auswirkungen sind nicht so, wie sie es sich erhofft haben. Die starken Regenfälle, vor allem während der Wirbelstürme, haben Schäden an den Kulturen verursacht. Die wichtigste Kulturpflanze in der Region, der Maniok, bildete keine Knollen aus, und Stecklinge verfaulten aufgrund des übermässigen Wassers. Die Gemüsesamen, die sie während der langen Dürreperiode nicht aussäen konnten, keimten nicht mehr, als sie sie in die Erde brachten. Diese zunehmende Trockenheit ist auf die Klimaerwärmung zurückzuführen. Der Süden Madagaskars hat ein semiarides Klima. Regen fällt dort schon in «normalen Zeiten» spärlich. Nach einer langen Phase des Regenmangels hat sie sich noch nicht erholt. Die diesjährige landwirtschaftliche Produktion ist aufgrund von Problemen mit dem Saatgut noch nicht ausreichend. Bleibt der Regen auch in der nächsten Anbauperiode aus, besteht die Gefahr einer weiteren Hungersnot für die Menschen in der Region.

Solidaritätsgruppen und Agrarökologie als Ansätze

Angesichts dieser Situation ist die Stärkung von Solidaritätsgruppen wichtig, um wieder gemeinsame Ersparnisse anzulegen, um so Notlagen vorzubeugen. Die Vermittlung von nachhaltigen landwirtschaftlichen Anbaumethoden ist ein integraler Bestandteil des Projekts Tsinjo Aina von Fastenaktion. Um die Widerstandsfähigkeit der landwirtschaftlichen Kulturen sowie der Menschen gegenüber der Klimaerwärmung zu verbessern, sind agrarökologische Techniken unsere Verbündeten: Förderung der Diversifizierung und Kombination von Kulturen, um die Schäden durch Schädlinge zu minimieren und eine Vielfalt an Nahrungsmitteln für die Männer und Frauen, die das Land bearbeiten, aber auch für ihre Kinder zu gewährleisten.

Wasser als unabdingbares Gut

Der Ausdruck «Wasser, Quelle des Lebens» ist in dieser Region wirklich gerechtfertigt. Wasser ist eine wertvolle Ressource, die für die Landwirtschaft unerlässlich ist. Dank dem Rano-Aina Projekt verfügen einige Dörfer über Brunnen und Bohrungen, die es den Bewohnern ermöglichen, agrarökologische Techniken in Gemeinschaftsgärten in der Nähe der Pumpen zu erlernen und zu praktizieren. Diese Gärten tragen sowohl zur Nahrungsmittelproduktion als auch zur Saatgutproduktion bei und stellen eine zusätzliche Einkommensquelle für die Mitglieder der Solidaritätsgruppen dar. In mehreren Dörfern sind die Brunnen jedoch veraltet und beschädigt. Die Instandsetzung der Pumpen würde sich enorm auf die Verbesserung der Widerstandsfähigkeit der Bauern und Bäuerinnen auswirken. Sie sind bereit, ihren Teil beizutragen, wie beispielsweise durch die Bereitstellung von Arbeitskräften und die Lieferung von Sand und Kies.»

Seit über 20 Jahren stehen im Mittelpunkt der Arbeit von Fastenaktion und seinen Partnerorganisationen Solidaritätsgruppen. Dank des Ansatzes wird der Hunger nachhaltig und langfristig reduziert. Erfahren Sie hier mehr darüber.

Etahery, Familienvater und Mitglied der Solidaritätsgruppe, hat das verfügbare Regenwasser genutzt, um ein wenig Reis, verschiedene Gemüsesorten und die Mischkulturen Maniok, Mais und Süsskartoffeln anzubauen.
Der Familienvater Etahery ist Mitglied einer Solidaritätsgruppe. Er hat agrarökologische Anbaumethoden angewendet, um verschiedene Gemüsesorten anzubauen.

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Die Folgen der Klimakrise machen sich in Nepal stark bemerkbar. Die Monsunregenfälle werden immer unregelmässiger, was schwere Folgen für die Landwirtschaft hat. Samrat Katwal ist unser Programmkoordinator in Nepal und berichtet über die Auswirkungen für die Bevölkerung im Land.

 

«Ungefähr zwei Drittel der nepalesischen landwirtschaftlichen Betriebe werden von Regenwasser gespeist und sind grösstenteils von den Monsunregenfällen abhängig. Obwohl die Landwirtschaft nur ein Viertel der Wirtschaftsleistung ausmacht, ernährt sie mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Unsere Wirtschaft hängt von der Landwirtschaft und die Landwirtschaft von den Klimaschwankungen ab. Doch leider können unsere Bäuerinnen und Bauern das Klimageschehen nicht steuern, denn es hängt von der Lebensweise von Millionen Menschen weltweit und der Politik von Dutzenden anderer Länder ab. In vielen Teilen Nepals war der Winter trocken, das beeinträchtigte die Weizenproduktion. Darauf folgte eine weitere Welle von Trockenheit im Frühjahr, die sich auf die Maisproduktion auswirkte. Für viele Nepali sind Weizen und Mais die wichtigsten Grundnahrungsmittel – vor allem für die Menschen in den abgelegenen Gebieten, in denen kein Reis angebaut werden kann. Um den Beginn des Monsunregens herum, der von Juni bis September dauert, waren die Wasserquellen versiegt.

Agrarökologie als Lösungsansatz

Trockenperioden gehören in Nepal zur Landwirtschaft. Die Menschen haben sich entsprechend angepasst. Was Wissenschaft und Landwirtschaft jedoch gleichermassen beunruhigt, ist die anhaltende Trockenheit in Zeiten, in denen es eigentlich regnen sollte, und die zu einer Dürre führt. Der Aufbau eines widerstandsfähigen Ernährungssystems durch die Anpassung der Landwirtschaft an die lokalen Ökologie – und sozialen Sicherheitsnetze – durch soziale und kulturelle Solidarität sind der Schlüssel. In Krisenzeiten bekommt die Erkenntnis, dass die Agrarökologie die Widerstandsfähigkeit stärkt, noch mehr Bedeutung. Viele Antworten auf das Problem der Dürre finden sich in traditionellen landwirtschaftlichen Praktiken: der Anbau von traditionellen Wurzelsorten, Hirse, Brennnesseln als Gemüse. Wenn man solche Ernährungspraktiken genau beobachtet, kann man die Weisheit der Vorfahren entdecken. Diese Weisheit wird derzeit vernachlässigt und muss wiederbelebt werden. Dennoch ist die Agrarökologie kein Traum, der sofort in Erfüllung geht. Sie erfordert Geduld und Schweiss. Bis dahin müssen die Menschen überleben, und wenn dieses Überleben eine vorübergehende Nahrungsmittelhilfe bedeutet, muss auch diese geleistet werden.»

Die Partnerorganisationen von Fastenaktion in Asien, Afrika und Lateinamerika setzen sich für agrarökologische Ansätze ein. Erfahren Sie hier mehr über das Thema.

Bauer Sete Budha arbeitet auf seinem Feld nach agrarökologischen Anbaumethoden.
Bauer Sete Budha hat im Fastenaktion-Projekt gelernt, agrarökologische Anbaumethoden anzuwenden.

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Am 30. September findet die nationale Klimademo in Bern statt. Fastenaktion trägt die Aktion als Mitglied der Klima-Allianz  mit. Die Klimakrise bedroht die Menschen in den Programmländern von Fastenaktion jedes Jahr stärker. Diese globale Herausforderung braucht Lösungen auch auf politischer Ebene. Darum setzen wir uns in der Schweiz und im Rahmen der internationalen Klimaverhandlungen für eine ambitionierte und gerechte Klimapolitik ein. 

Ein Kommentar von Stefan Salzmann, Fachexperte für Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion

Gemeinsam mit über 140 Mitgliedsorganisationen der Klima-Allianz und mit der Klimabewegung fordert Fastenaktion mehr Klimagerechtigkeit: Die grössten Verursacher:innen der Klimakrise müssen ihre Verantwortung wahrnehmen! 

Jahrzehntelanger Einsatz für Klimagerechtigkeit 

Seit der ersten Klimakampagne 1989 setzt sich Fastenaktion öffentlich für Klimagerechtigkeit ein. Von unseren Partnerorganisationen in den Programmländern wissen wir: Es sind die ärmsten Menschen, die am stärksten unter der Klimakrise leiden. Immer stärkere Taifune auf den Philippinen, Dürren in Burkina Faso oder häufigere Starkniederschläge in Laos sind nur einige Beispiele und führen zu mehr Hunger. Ungerecht daran ist, dass die Betroffenen in diesen Ländern nicht zu den Verursacher:innen der Krise gehören. Doch sie müssen die Folgen tragen, weil ihnen die Mittel zur Anpassung fehlen. Verursacht wird die Klimaerwärmung durch reiche Menschen, die mit grossem ökologischem Fussabdruck leben. 

Weckruf des Weltklimarats 

Der beste Moment zu handeln wäre gestern gewesen – der zweitbeste Moment ist heute. Dieses Fazit kann man aus den Berichten des Weltklimarats ziehen. Wenn wir die schlimmsten Auswirkungen der globalen Klimaerwärmung abwenden wollen, müssen die globalen Emissionen an Treibhausgasen bis 2030 auf 50 Prozent gegenüber 1990 sinken. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, muss global und in der Schweiz noch einiges passieren. 

Am 30. September gemeinsam für Klimagerechtigkeit

Wir wissen, dass politische Rahmenbedingungen für mehr Klimaschutz wichtig und notwendig sind. Die Schweiz muss ihre Treibhausgasemissionen bis 2040 auf Netto-Null senken. Eine Lösung ist noch möglich, wenn wir jetzt handeln. Die Zeit drängt. Deshalb helft mit, am 30. September ein Zeichen zu setzen: Kommt alle nach Bern – für mehr Klimagerechtigkeit! Zeigen wir, dass uns Klimaschutz am Herzen liegt und dass wir Lösungen von der Politik erwarten. 

Setzen wir gemeinsam ein Zeichen an der Klimademo – für mehr Klimagerechtigkeit!
Weitere Informationen zur Klimademo finden Sie hier. 

Zehntausende Demonstrierende standen 2019 vor dem Bundeshaus für Klimagerechtigkeit ein.
Die letzte nationale Klimademo im Jahr 2019 mobilisierte zehntausende Menschen, die mehr Klimagerechtigkeit forderten.

Unterstützen Sie unsere Arbeit für Klimagerechtigkeit

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Die Welt erholt sich vom Klimagipfel der Vereinten Nationen, der COP27 in Sharm El-Sheikh. Loisa Maimpu aus Kenia hat dazu keine Zeit. Sie ist den ganzen Tag damit beschäftigt, Wasser und Essen für ihre Familie und ihre Tiere zu suchen. Kenia erleidet seit über zwei Jahren eine extreme Dürre.

Ein Bericht von Leon Jander, Verantwortlicher für das Landesprogramm in Kenia

Loisa Maimpu lebt in Kajiado County, einer trockenen Region Kenias, an der Grenze zu Tansania. Sie gehört zum Volk der Massai. Die Massai sind eigentlich Viehhirtinnen und -hirten. Die grossen Herden sind der Stolz jeder Familie und ihre Lebensgrundlage. Die zunehmende Trockenheit durch den Klimawandel macht es schwerer, grosse Herden zu unterhalten und die Massai müssen immer weitere Strecken zurücklegen, um geeignete Weideflächen zu finden.

Die lange Trockenheit schwächt die Tiere. Viele sterben.
Verkürzte Regenzeit hat drastische Folgen
Loisa Maimpu und die anderen Menschen in den trockenen Gebieten Kenias sind Hitze- und Trockenperioden eigentlich gewöhnt. Sie erholen sich während der nächsten Regenzeit. Der Klimawandel verlängert deren Dauer und Intensität aber derart, dass Menschen und Tiere sich nicht schnell genug anpassen können. Eigentlich sollte es jetzt in vielen Regionen Kenias regnen. Teilweise tut es das auch, aber zum fünften Mal in Folge fällt diese Regenzeit unterdurchschnittlich aus. Meteorolog:innen sprechen von 60 Prozent weniger Regen. Die Aussichten für die lange Regenzeit im Frühjahr 2023 sind ebenso schlecht. Die langanhaltende Dürre führt dazu, dass die Menschen und Tiere gesundheitlich beeinträchtig sind und vermehrt sterben. Auch die langfristige Entwicklung der Kinder wird beeinträchtigt. Ausserdem kommt es zu mehr Konflikten zwischen Menschen, und zwischen Menschen und Tieren. Alle sind auf der Suche nach Wasser und Nahrung.
Die Landwirtschaft bietet zusätzliche Einkommens- und Nahrungsquellen.
Verbesserung der Nahrungsmittelversorgung
Doch die Menschen wissen sich zu helfen. Als zusätzliche Einkommens- und Nahrungsquelle steigen sie teilweise auf Landwirtschaft um. Die Partnerorganisation Olkejuado Pastoralists Development Organization (Dupoto-e-Maa), mit der Fastenaktion seit 2009 erfolgreich zusammenarbeitet, begleitet sie dabei. In einer externen Projektevaluierung im Jahr 2021 wurden ermutigende Wirkungen festgestellt: 18 Prozent der Zielgruppe gaben den Verkauf von Gemüse als Haupteinnahmequelle an, zu Beginn des Projektes war dies noch kein Thema. Durch die Landwirtschaft konnte auch die Ernährung abwechslungsreicher gestaltet werden. Die Familien haben nun mehr Gemüse auf dem Tisch.
Die Welt erholt sich vom Klimagipfel der Vereinten Nationen, der COP27 in Sharm El-Sheikh. Loisa Maimpu aus Kenia hat dazu keine Zeit. Sie ist den ganzen Tag damit beschäftigt, Wasser und Essen für ihre Familie und ihre Tiere zu suchen. Kenia erleidet seit über zwei Jahren eine extreme Dürre.
Fastenaktion unterstützt mit Nothilfe 
Es wird Jahre brauchen, bis die Beschlüsse der COP27 umgesetzt werden. Die Erreichung des 1,5-Grad-Zieles wird Jahr für Jahr schwieriger. Loisa Maimpu hat diese Zeit nicht. Um die grösste Not in der Projektregion zu mindern, leistet Fastenaktion Nothilfe. Diese ist wichtig, damit erreichte Fortschritte in den langfristigen Entwicklungsprojekten der Partnerorganisationen nicht verloren gehen.  

Im Jahr 2020 berichtete SRF mitenand über Dupoto-e-Maa, einer Partnerorganisation von Fastenaktion in Kenia: Hier finden Sie den Beitrag.

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