Hinweis, Klimagespraeche

Bern/Luzern. Die KlimaGespräche stossen trotz der Corona-Krise auf Anklang. 2020 hat die aus England stammende Methode mehr als 200 Menschen in der ganzen Deutschschweiz dabei unterstützt, ihr Leben auf Klimakurs zu bringen und ihren CO2-Ausstoss zu reduzieren. Nun gehen die KlimaGespräche mit 27 neuen Moderatorinnen und Moderatoren an acht Orten und auch Online in die nächste Runde.

Viele Schweizerinnen und Schweizer machen sich Sorgen über den Klimawandel. Trotzdem sind die wenigsten bereit, ihren Lebensstil anzupassen und etwa auf das Auto, die Ferienwohnung, exotische Lebensmittel oder ein neues Handy zu verzichten. Dies zu ändern, ist das Ziel der KlimaGespräche. Die in Grossbritannien entwickelte Methode vereint technische und psychologische Aspekte und setzt auf die Dynamik und Unterstützung der Gruppe. Mit Erfolg: Untersuchungen zeigen, dass Menschen dank der KlimaGespräche ihren CO2-Ausstoss innert fünf Jahren um die Hälfte verringern konnten.

 Die Methode wird inzwischen in zahlreichen Ländern wie Frankreich, Grossbritannien, Holland und Kanada erfolgreich angewandt. 2019 lancierten HEKS und Fastenaktion die KlimaGespräche, die vom Bundesamt für Umwelt und verschiedenen Städten und Kantonen unterstützt werden, auch in der Deutschschweiz. Im vergangenen Jahr haben mehr als 200 Personen von St. Gallen über Zürich und Basel bis ins Wallis daran teilgenommen. Zudem wurden auch vier Online-Gespräche durchgeführt.

Wer an den KlimaGesprächen teilgenommen hat, kann sich im Anschluss selber zum Moderator oder zur Moderatorin ausbilden lassen. Dank 27 neu ausgebildeten Moderatorinnen und Moderatoren sollen mit einer neuen Serie von KlimaGesprächen auch 2021 möglichst viele Personen an acht Orten in der Deutschschweiz erreicht werden. Auch Online gibt es erneut mehrere Angebote.

Information allein reicht nicht

«Die KlimaGespräche setzen dort an, wo die Wissensvermittlung aufhört», sagt Daniel Wiederkehr, Verantwortlicher für die KlimaGespräche in der Deutschschweiz. Denn die Erfahrung der letzten Jahre zeige deutlich, dass Informationen über den Klimawandel allein nicht genügen, um Menschen zu Verhaltensveränderungen zu bewegen. «Es braucht die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema», sagt Wiederkehr.

In Gruppen zu sechs bis zehn Personen und unter der Leitung von jeweils zwei ModeratorInnen analysieren die Teilnehmenden im Rahmen von sechs Gesprächsrunden die eigenen Gewohnheiten in den Bereichen Wohnen, Mobilität, Ernährung und Konsum und deren Folgen fürs Klima. Zudem setzen sie sich in den Gesprächen damit auseinander, wie sie auch ihr Umfeld für einen nachhaltigen Lebensstil sensibilisieren können.   

Gleichzeitig werden innere Prozesse wie Ängste und Motivation beleuchtet, die eine langfristige Verhaltensänderung erschweren können. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Widerständen und der Austausch in der Gruppe helfen, das Gefühl der Machtlosigkeit zu überwinden und zu einem Lebensstil zu finden, der eine langfristige Reduktion der CO2-Emissionen ermöglicht. «Die KlimaGespräche öffnen die Augen: Zusammenhänge werden klarer und ich komme auf Ideen, was ich als Einzelperson gegen den Klimawandel tun kann», fasst eine Teilnehmerin ihre Erfahrungen zusammen. «Wer etwas ändern möchte und den Dreh nicht schafft, ist hier genau richtig. Informationen und Austausch in einer guten Mischung, Ermutigung und gemeinsames Nachdenken bringen einen weiter», sagt eine andere Teilnehmerin.

Rückfragen und Auskünfte

Anmeldung für KlimaGespräche und mehr Information

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Sister Mary John Mananzan, Fastenaktion-Partnerin aus den PhilippinenSister Mary John Mananzan, Fastenaktion-Partnerin aus den Philippinen

Wie die Bischöfe unterstützen zahlreiche Frauen innerhalb der Kirche den Kampf gegen den Missbrauch durch Unternehmen und sind eine wichtige Gruppe, die sich dem Einsatz für Gerechtigkeit verschrieben hat. Schwester Mary John Mananzan, eine langährige Partnerin des Philippinen-Programms der Fastenaktion, hat als Reaktion auf die Erklärung der Bischöfe zur Sorgfaltspflicht und der weltweiten Solidarität untenstehenden Artikel verfasst.

«Als Vorsitzende der grössten philippinischen Frauenorganisation, habe ich mich während achtzehn Jahren intensiv mit unserer Gesellschaft auseinandergesetzt. Ich war Teil vieler Protestaktionen die sich aktiv für die gesellschaftspolitischen Rechte der Frauen eingesetzt haben. Dabei ist mir klar geworden, dass auf den Philippinen – wie auch in vielen anderen Entwicklungsländern – die Globalisierung die Situation in den Ländern massiv verschlechtert hat. Lokale Regierungen haben ihre Autonomie bei der Kontrolle von Importen und der Gesetzgebung von Zöllen zum Schutz ihrer lokalen Wirtschaft verloren. Die Kluft zwischen Arm und Reich hat sich vergrössert, Schäden an der Umwelt haben zugenommen und die Ausbeutung von Frauen und Kindern hat sich verschlimmert.

Ausländischen multinationalen Konzernen ist es gelungen, die Kontrolle über die Wirtschaft des Landes zu übernehmen. Ihre Unternehmenspraktiken verletzen die Rechte der Arbeitnehmenden. Es ist vielen nicht mehr erlaubt sich gewerkschaftlich zu organisieren, zu streiken oder gerechte Löhne einzufordern. Bergbau- und Holzfällerunternehmen haben indigene Gemeinschaften von ihrem angestammten Land vertrieben und künftige Generationen um die Reichtümer des Landes wie Wälder und Bodenschätze gebracht. Die Gewinne aus den abgebauten Metallen, die nicht im Land verarbeitet werden, kommen vor allem den ausländischen multinationalen Konzernen zugute und nicht mehr der einheimischen Wirtschaft.

Feminisierung der Armut

Von Armut sind Frauen die am meisten betroffen. Das führt zu einer Feminisierung der Armut. Obwohl auch Männer unter Armut leiden, ist das Ausmass der Armut bei Frauen ausgeprägter. Denn ihre Armut führt zu einer kürzeren Lebenserwartung, raubt ihnen die Gesundheit, das Recht auf Wissen und die soziale und politische Teilhabe werden ihnen vorenthalten.

Frauen als Arbeitnehmerinnen werden schlechter bezahlt, selbst wenn sie qualitativ bessere Arbeit leisten. Sie laufen Gefahr von Chefs oder Kollegen sexuell belästigt zu werden. Sie tragen eine doppelte Last, denn selbst wenn sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen, sind sie immer auch für die Hausarbeit und die Betreuung der Kinder verantwortlich. Als Bäuerinnen werden sie insofern diskriminiert, dass sie zwar mehr als fünfzig Prozent der Arbeit verrichten, diese Arbeit aber in den Statistiken nicht aufgeführt ist. Viele von ihnen  haben keinen Zugang zu Ressourcen wie Land oder Krediten, selbst dann, wenn sie für den Verkauf ihrer landwirtschaftlichen Produkte zuständig sind.

Unter den philippinischen Frauen sind die indigenen Frauen die Ärmsten und am meisten ausgebeuteten. Nur wenige haben Zugang zu Bildung. Schützt das Militär die multinationalen Bergbaukonzerne, sind sie Vergewaltigungen oder Zwangskonkubinat ausgesetzt. Die mit dem Bergbau einhergehende Landnahme vertreibt die indigenen Familien von ihrem Land, und durch militärische Aktionen werden sie in Flüchtlingslager getrieben, wo sie leichte Beute für Zuhälter und die Sexindustrie werden.

Der Platz der Frauen ist… im Kampf

Die traditionelle Annahme, dass der Platz der Frau im Haus ist, ist heute nicht mehr haltbar. Dasselbe gilt auch für den politischen Kampf: Frauen beanspruchen für sich das Recht, sich in der Gesellschaft , aktiv für Menschenrechte einzusetzen und sich gegen Unterdrückung und Ausbeutung in jeder Form zur Wehr zu setzen. Seit Ende der Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts organisieren sich Frauen auf den Philippinen, um Teil des Kampfes für eine umfassende Umgestaltung der Gesellschaft zu sein, Solidarität mit den Armen und Unterdrückten zu üben, die Menschenrechte zu schützen und zu verteidigen, sich für die Stärkung der Frauenrechte einzusetzen und der Umwelt Sorge zu tragen. Zahlreiche Organisationen schlossen sich in den Philippinen zudem zu einem Dachverband zusammen, die auf ihrem Höhepunkt 250 Frauenorganisationen und 50’000 Einzelmitglieder zählte.

Es gibt zahlreiche Frauen, die sich in nationalen und lokalen Organisationen für die Umwelt einsetzen. An dieser Stelle möchte ich besonders eine Frau würdigen, deren Einsatz für die Ökologie nationale Auswirkungen hat: Meine Mitschwester und Benediktinerin Aida Velasquez. Sie ist eine Pionierin der ökologischen Bewegung auf den Philippinen, die den Kampf gegen die multinationalen Bergbauunternehmen anführte, die die Flüsse in Mindoro verschmutzten. Sie startete eine landesweite Kampagne gegen genmanipulierte Lebensmittel, und war Initiantin der Bewegung für ein nuklearfreies Philippinen. Ihr ist es gelungen, den Betrieb von Kernkraftwerken bis zum heutigen Tag zu verhindern.»

Sister Mary John Mananzan, Philippines

 

Der Aufruf für Menschenrechte und Umweltschutz im Umfeld von Rohstoffaubbau und industriell betriebener Landwirtschaft, wurde bisher von 223 Bischöfen weltweit unterzeichnet. Mehr zum Inhalt des Aufrufs finden Sie hier.

Grossfamilie vor Haus, das die Mine zerstört hat. Foto: Fastenaktion/Meinrad SchadeFamilie in Burkina Faso vor ihrem Haus, das die Mine zerstört hat. Im Hintergrund die Abraumhalde der MIne. Foto: Fastenaktion/Meinrad Schade

Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) hat heute Donnerstag gemeinsam mit der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) eine Stellungnahme zur Konzernverantwortungsinitiative (KVI) veröffentlicht. Fastenaktion als Hilfswerk der katholischen Kirche begrüsst die Stellungnahme. Sie stützt die Erfahrungen, die Fastenaktion tagtäglich in seiner Arbeit macht. Verantwortung zu übernehmen, ist somit auch aus theologisch ethischer Sicht eine Notwendigkeit. Mit einem Ja zur Konzernverantwortung kann dieser Notwendigkeit endlich Nachdruck verliehen werden.

In ihrer heutigen Stellungnahme zeigen die SBK und die EKS auf, dass die Einhaltung der Menschenrechte aus Sicht der Kirche unabdingbar ist. Denn die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 spricht von einer einzigen Menschheitsfamilie, und verweist damit laut der Stellungnahme auch auf das Grundverständnis der Menschheit der jüdisch-christlichen Schöpfungsgeschichte. Christinnen und Christen in der Schweiz haben somit die einmalige Chance, dieser Notwendigkeit bei der Abstimmung am 29. November 2020 Ausdruck zu verleihen. 

Verbindliche Rechte im Interesse aller

Weiter führen die EKS und die SBK aus, dass die meisten Opfer von Menschenrechtsverletzungen sich nicht gegen diese Verletzungen zur Wehr setzen können, weshalb Konzerne in einer besonderen Verantwortung stehen: «Deshalb ist es umso wichtiger, dass die international tätigen Unternehmen mit Sitz in der Schweiz gerade dort aktiv zum Menschenrechtsschutz beitragen, wo prekäre politische und rechtliche Verhältnisse diesen nicht garantieren wollen oder können. (…) sie tragen Verantwortung für eine Unternehmenskultur, die den Betroffenen die Persönlichkeits- und Schutzrechte garantiert, die ihnen ihr Staat unter Umständen verweigert.»  Die Stellungnahme greift aber auch auf, dass klare Regeln wie die KVI am Ende auch zum Erfolg der Wirtschaft und zur positiven Reputation beitragen können: «Ein verbindlicher Menschenrechtsschutz auf rechtsstaatlicher Basis kommt nicht nur den einzelnen Menschen, sondern auch den Unternehmen selbst zugute. Deshalb erfolgt das Engagement für Menschenrechte, die durch flankierende nationale Rechte überprüft und sanktioniert werden können im Interesse aller.»  

Rückmeldungen zeigen Notwendigkeit

Fastenaktion, Mitinitiant der Konzernverantwortungsinitiative, sieht in seinen Projektländern regelmässig wie Menschenrechte verletzt werden und die ärmsten und wehrlosesten Menschen ausgebeutet werden. Die Stellungnahme der SBK und des EKS zeigt aus einer ethisch theologischen Sicht, warum der Einsatz für Menschenrechte unabdingbar ist. Dazu gehört auch die Unterstützung der Konzernverantwortungsinitiative. Es ist zwar eine Massnahme, die rechtlichen Charakter hat, hinter der aber klar ein ethischer Grundgedanke steht. Die Kehrseite jeder Freiheit, auch der unternehmerischen Freiheit heisst Verantwortung.: «Kein Unternehmen sollte sich mit der Missachtung oder Umgehung von Menschenrechten schmücken oder daraus Profit oder Konkurrenzvorteile schlagen können.»  

Was fordert die Initiative
 

Die Initiative will Konzerne mit Sitz in der Schweiz verpflichten, die Menschenrechte nicht zu verletzen und die Umwelt nicht zu zerstören. Denn Freiwilligkeit genügt nicht, deshalb sollen Verstösse von Konzernen in Zukunft Konsequenzen haben. Konzerne sollen deshalb für Menschenrechtsverletzungen geradestehen, welche sie selber oder ihre Tochterfirmen verursachen. 

Für weitere Auskünfte (D/F):Daniel Hostettler, Leiter Internationale Programme, 041 227 59 41  

Die Medienmitteilung der SBK

Demokratische Republik Kongo: Im Schatten des Kobaltbooms
FRauengrupe aus dem Senegal während Corona-19
von Sandra Lassak, Markus Büker, Bernd Nilles

Heute wurde im Vatikan das neue Lehrschreiben von Papst Franziskus veröffentlicht. Am Tag zuvor hat Franziskus es in der mittelitalienischen Kleinstadt Assisi unterzeichnet. Der Ort ist bewusst gewählt und angesichts heutiger Krisen in Gesellschaft und Kirche symbolisch.

Der Namensgeber des Papstes, der heilige Franziskus, war im 13. Jahrhundert aus den bestehenden Machtverhältnissen seiner Stadt und Kirche ausgezogen, um eine neue Vision von universaler Geschwisterlichkeit und sozialer Freundschaft zu leben. In allen Begegnungen bezeugte er die Würde und Gleichheit aller Menschen, begegnete allen Geschöpfen und der Natur mit Ehrfurcht, praktizierte bis zum Besuch bei Sultan Malik-al-Kamil in Ägypten die Freundschaft über Religionen hinweg.

Das bestehende Wirtschaftssystem als Ursache

 Papst Franziskus inszeniert diese Parallele, wenn er von Assisi aus unsere Welt verschiedenster Krisen zu einem tiefgreifenden Wandel einlädt: „Wenn einer meint, dass es nur um ein besseres Funktionieren dessen geht, was wir schon gemacht haben, oder dass die einzige Botschaft darin besteht, die bereits vorhandenen Systeme und Regeln zu verbessern, dann ist er auf dem Holzweg.“ (FT 7). Mit deutlichen Worten identifiziert Franziskus unser profitbasiertes und wachstumsorientiertes Wirtschaftssystem das nicht zögert, Menschen auszubeuten, wegzuwerfen und sogar zu töten (FT 22), als wesentliche Ursache für diese destruktive Lebensweise. Menschen leben und arbeiten in sklavenähnlichen Bedingungen, erfahren sexualisierte oder rassistische Diskriminierung und Gewalt, sterben an den europäischen Außengrenzen aufgrund der „Mauern“, die ihnen gegenüber errichtet wurden.

Die Würde jedes Menschen

Schlüssel zum Verständnis dieser Analyse ist der Glaube daran, dass „jeder Mensch eine unveräußerliche Würde hat, (…) jeder Mensch mein Bruder oder meine Schwester ist, und (…) die Welt wirklich allen gehört, (…) egal, ob jemand hier geboren wurde oder außerhalb der Grenzen seines eigenen Landes lebt.“ (FT 125). Entscheidend ist es wie im Gleichnis vom barmherzigen Samariter, sich von den Notleidenden, den Verletzlichen her zum Nächsten machen zu lassen – es ist eine Provokation, wenn ich mir die Nächsten nicht aussuchen kann, sondern sie mir ungefragt entgegenkommen.
Es braucht mehr als kleine Korrekturen, es braucht tiefgreifende Veränderungen und eine internationale Zusammenarbeit, bei der alle aufgerufen sind, aufeinander zu hören, zu lernen und sich zu verändern. Statt des Recht der Stärkeren, brauchen wir verbindliche Regeln die Mensch und Umwelt schützen und dazu beitragen dass Gleichgültigkeit gegenüber an den europäischen Außengrenzen Ertrinkenden, gegenüber Hungernden und Ausgebeuteten ein Ende finden.

Die Welt als gemeinsames Haus aller

Angesichts der aktuellen weltpolitischen Situation – einerseits die bekannten Krisen wie Klimawandel, brennende Regenwälder, Kriege, über 690 Millionen chronisch Hungernde, schutzlose Flüchtlinge und neu Corona-Krise, andererseits nationale Egoismen, Populismus, eine geschwächte UNO – ist die klare Wortmeldung von Papst Franziskus dringend nötig. Denn eine „globale Tragödie wie die COVID-19-Pandemie hat für eine gewisse Zeit wirklich das Bewusstsein geweckt, eine weltweite Gemeinschaft in einem Boot zu sein, wo das Übel eines Insassen allen zum Schaden gereicht. Wir haben uns daran erinnert, dass keiner sich allein retten kann, dass man nur Hilfe erfährt, wo andere zugegen sind“ (FT 32). Die Überwindung der herrschenden, auf ungleichen Machtverhältnissen basierende Weltordnung zielt auf das friedliche Zusammenleben der Menschheitsfamilie im gemeinsamen Haus der Erde ab. Sie kann nur in einer sich als Weltgemeinschaft verstehenden Menschheit möglich sein und werden.

Der Aufruf für Wandel und weltweite Zusammenarbeit

Die Botschaft von Fratelli tutti: Hoffnung ist möglich, aber nur um den Preis eines radikalen Wandels und in weltweiter Zusammenarbeit. Das schließt aber auch untrennbar ein, auf die eigene Kirche zu schauen, auch in ihr strukturelle Konsequenzen zu ziehen und konkret zu werden: Machtverhältnisse, die diskriminierend und ausschließend sind zu überwinden, Frauen, die gleichen Rechte wie Männern zu geben, die Zeichen der Zeit gesellschaftlicher Veränderungen wahr- und ernst zu nehmen, kulturelle Vorherrschaft infrage zu stellen. In der Suche nach einer Politik der Solidarität aus einer Haltung des Zuhörens heraus selbstverständlich mit Angehörigen anderer Religionen und Kontinente zusammen zu arbeiten. Franziskus lädt dazu ein, wichtige Erfahrungen aus dem Versöhnungsprozess in Südafrika, dem Einsatz für Frieden im Kongo oder einer Armutsbekämpfung der Lateinamerikanischen Kirche zu nutzen wo es nicht um alleine um eine Politik für, sondern mit den Armen geht im Sinne der Option für die Armen (FT 226, 229, 234).

Die konkreten Forderungen

Fratelli tutti beschreibt wichtige Prinzipien einerseits für alle Menschen, aber auch ganz konkret für die Politik, die Medien, die Wirtschaft. Damit betont Franziskus einerseits die Notwendigkeit struktureller Veränderungen, sieht aber zugleich das echte Veränderungen auch davon abhängen, dass jede/r einzelne Bereitschaft zeigt den/die Nächste/n zu lieben, die Ärmsten in den Mittelpunkt zu stellen und geschwisterlich bzw. solidarisch zu handeln. (FT 193, 194) Er bestreitet nicht, dass bereits viel erreicht wurde in der Welt, aber er erinnert uns daran, dass »jede Generation sich die Kämpfe und die Errungenschaften der früheren Generationen zu eigen machen und sie zu noch höheren Zielen führen muss…Unmöglich kann man sich mit dem zufriedengeben, was man in der Vergangenheit erreicht hat, und dabei verweilen, es zu genießen, als würden wir nicht merken, dass viele unserer Brüder und Schwestern unter Situationen der Ungerechtigkeit leiden, die uns alle angehen«. (FT 11)

Die Notwendigkeit, sich einzumischen und Stellung zu beziehen

Konkret kann eine Geschwisterlichkeit im Sinne von Fratelli tutti bedeuten, Anlagen aus Kohl, Erdöl oder Gas abzuziehen, nachhaltig zu konsumieren und verbindliche Sorgfalts- und Haftpflichtregeln für Konzerne festzulegen. Papst Franziskus sieht die Notwendigkeit, dass Kirche sich politisch einmischt und Stellung bezieht. Die Kirche respektiere zwar die Autonomie der Politik, so Franziskus, beschränke aber ihre eigene Mission nicht auf den privaten Bereich: „Im Gegenteil, sie kann und darf beim Aufbau einer besseren Welt nicht abseits stehen…. Es stimmt, dass religiöse Amtsträger keine Parteipolitik betreiben sollten, die den Laien zusteht, aber sie können auch nicht auf die politische Dimension der Existenz verzichten, die eine ständige Aufmerksamkeit für das Gemeinwohl und die Sorge um eine ganzheitliche menschliche Entwicklung umfasst. Die Kirche hat eine ´öffentliche Rolle, die sich … in den Dienst der Förderung des Menschen und der weltweiten Geschwisterlichkeit´ stellt“ (FT 276).

Die Vision einer erneuerten Kirche

 In Evangelii Gaudium entwirft Franziskus das Bild einer grunderneuerten Kirche, die von den Rändern der Existenz und Gesellschaften her Zeichen und Werkzeug einer besseren Welt ist. In Laudato si’ beschreibt er die ökologische und soziale Krise, in die uns Lebens- und Produktionsweisen im herrschenden Kapitalismus heute gebracht haben, zeigt in einer integralen Ökologie einen Ausweg auf. In Fratelli Tutti nun benennt er die innere Haltung und Arbeitsweise, die über alle kulturellen, religiösen, geographischen, ethnischen und politischen Grenzen hinweg angesichts der immer dramatischer werdenden globalen Situation notwendig ist, um die Vision einer friedlichen, weil sozial und ökologisch gerechten Welt näher zu kommen.

Diese Hoffnungsperspektive auf Veränderung möge uns anstiften, tiefer zu denken und zu lieben, entschiedener zu handeln und Bündnisse zu bilden.

 

Sandra Lassak und Markus Büker arbeiten zu theologischen Grundfragen bei Misereor, Deutschland. Bernd Nilles ist Geschäftsleiter der Fastenaktion, Schweiz

 

  • Weitere Kommentare und Informationen zur neuen Enzykliaka finden Sie auf kath.ch unter dem Stichwort Enzyklika. 
  • Den vollständigen Text der Enzyklika finden Sie auf der Vatikan-Seite.

Die Schweiz, Liechtenstein und Norwegen untergraben das Recht auf Saatgut in den Ländern des globalen Südens

Schluss mit dem EFTA-Powerplay gegen den Süden!

Bern, 9. Juli 2020 – 250 Organisationen aus 60 Ländern rufen die Schweiz, Norwegen und Liechtenstein in einem offenen Brief dazu auf, den Ländern des globalen Südens nicht länger strenge Sortenschutzgesetze aufzudrängen, die sie selber nicht erfüllen. Diese Forderung der EFTA-Länder nach strengem Sortenschutz – eine Art Patentschutz auf Saatgut – schränkt den freien Umgang mit Saatgut drastisch zu Lasten der Bäuerinnen und Bauern im globalen Süden ein. Das Recht auf Nahrung, die Ernährungssouveränität und die agrarbiologische Vielfalt sind gefährdet.

250 Organisationen aus der ganzen Welt haben sich aus Sorge um die bäuerlichen Saatgutsysteme, die ein Garant für die agrarbiologische Vielfalt und eine unverzichtbare Ressource für die Züchtung neuer Nutzpflanzen sind, an die Regierungen der Schweiz, Liechtenstein und Norwegen gewandt. Sie verlangen, dass die Forderung nach UPOV-91-kompatiblen Sortenschutzgesetzen aus den Verhandlungsmandaten für künftige Freihandelsabkommen gestrichen werden.

Seit über zwanzig Jahren machen die Länder der Europäischen Freihandelsassoziation EFTA (Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz) in ihren Freihandelsabkommen Druck auf die Länder des globalen Südens, Sortenschutzrechte gemäss dem internationalen Übereinkommen UPOV 91[1] einzuführen. Dies hat eine unverhältnismässige Einschränkung der Rechte der Bäuerinnen und Bauern, Saatgut für die nächste Aussaat zurückzubehalten, zu tauschen und zu verkaufen, zur Folge. Und das obwohl die Schweiz, Norwegen und Liechtenstein[2], diese Standards in ihrem eigenen Land nicht umsetzen.

Dieser «Double Standard» ist umso stossender, als in den Ländern des Südens die bäuerlichen Saatgutsysteme, die durch die UPOV-Standards in ihren Grundfesten erschüttert werden, eine viel zentralere Bedeutung für die Ernährung und Einkommenssicherung haben als in Europa. Den Ländern des globalen Südens diese Standards aufzuzwingen, die ohne ihre Beteiligung ausgehandelt wurden, ist ein neokoloniales Diktat. Die Länder sollen selbst über Gesetze und Politiken in Bezug auf Saatgut, die ihrem landwirtschaftlichen System und den Bedürfnissen ihrer Bevölkerung entsprechen, entscheiden können.

Aktuell verhandelt die EFTA ein Abkommen mit Malaysia. Im Februar 2020 standen auch intellektuelle Eigentumsrechte inklusive Sortenschutz à la UPOV 91 auf der Agenda. Es ist gerade im Fall Malaysia unverständlich, warum die EFTA-Länder auf UPOV 91 beharren. Das Land verfügt bereits über ein Sortenschutzgesetz, das in einem beschränkten Rahmen auch die Rechte der Bäuerinnen und Bauern auf Saatgut respektiert. Die «Koalition Recht auf Saatgut» hat Mitte Juni gegenüber dem Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft in einer Replik ihre Besorgnis darüber eindringlich dargelegt und dessen Argument ‘Sicherung des Wirtschaftsstandorts Schweiz’ zurückgewiesen.

Der Verzicht auf UPOV Standards in Freihandelsabkommen wäre ein bedeutender Beitrag zur Erreichung der Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung, insbesondere dem Ziel Nr.2 (Kein Hunger) und dem Ziel Nr. 15, welches dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende setzen will.

 

Medienmitteilung als PDF

 

[1] UPOV = Internationales Übereinkommens zum Schutz von Pflanzenzüchtungen. Die Akte von 1991 wurde von nur 19 Industrieländern des Nordens und Südafrika für ihre eigenen Bedürfnisse verhandelt.

[2] Island hat ein nationales Sortenschutzrecht nach UPOV 91 Standards

Grossfamilie vor Haus, das die Mine zerstört hat. Foto: Fastenaktion/Meinrad SchadeFamilie in Burkina Faso vor ihrem Haus, das die Mine zerstört hat. Im Hintergrund die Abraumhalde der MIne. Foto: Fastenaktion/Meinrad Schade

«Heute braucht es mehr denn je eine Sorgfaltspflicht, welche den Missbräuchen durch Unternehmen ein Ende setzt und weltweite Solidarität gewährleistet.» Eben haben mehr als 110 Bischöfe aus aller Welt mit der Unterzeichnung dieser Erklärung die Regierungen aufgefordert, Unternehmen verbindlich zur Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards zu verpflichten. Auch vier Schweizer Bischöfe haben die Erklärung unterzeichnet.

«Wenn Unternehmen zur Verschmutzung von Böden, Luft und Grundwasser, zu Menschenrechtsverletzungen oder Kinderarbeit beitragen, müssen sie dafür zur Verantwortung gezogen werden. Betroffenen muss der Zugang zu wirksamen Rechtsmitteln erleichtert werden» sagt der Freiburger Erzbischof Stephan Burger. Die Erklärung der Bischöfe wurde initiiert von Cidse, der Dachorganisation katholischer Organisationen aus Europa und Nordamerika, zu der auch Fastenaktion gehört. Sie ruft Staaten dringend dazu auf, Missbräuche von Unternehmen durch verbindliche Rechtsvorschriften zu unterbinden.

Die Erklärung wurde von zahlreichen Bischöfen der Kirche aus Programmländern der Fastenaktion unterzeichnet, wo Gemeinschaften besonders vom unverantwortlichen Handeln internationaler Unternehmen betroffen sind: Brasilien, Guatemala, Indien, Kolumbien, Kongo, Philippinen und Südafrika. Zudem haben viele Bischöfe aus Europa die Erklärung unterzeichnet und setzen damit ein deutliches Zeichen, dass die europäischen Länder sich ihrer Verantwortung stellen sollten.  Aus der Schweiz sind Markus Büchel, Bischof von Sankt Gallen, Felix Gmür, Bischof von Basel, Jean-Marie Lovey, Bischof von Sion und Charles Morerod, Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, dabei. 

«Diese Pandemie hat unsere gegenseitige Abhängigkeit offengelegt»

Unternehmerischer Missbrauch ist weit verbreitet und die Corona-Krise hat die Situation verschärft insbesondere für die verwundbarsten Bevölkerungsgruppen, die keinen sozialen Schutz geniessen. Einmal mehr waren Frauen von der Krise überproportional betroffen. Gleichzeitig «hat diese Pandemie unsere gegenseitige Abhängigkeit offengelegt und Chaos verursacht in den Lieferketten, welche Fabriken grenzüberschreitend miteinander verbinden. Dadurch wurde unsere Abhängigkeit von verwundbaren Arbeiter und Arbeiterinnen deutlich, die weltweit systemrelevante Arbeiten verrichten».  Die Bischöfe argumentieren, dass angesichts fehlgeschlagener Versuche auf freiwilliger Grundlage bindende Rechtsvorschriften zur Regulierung internationaler Unternehmen die einzige Option sind, um Gemeinschaften zu schützen.

Flickenteppich innerhalb der EU vereinheitlichen, das UN-Abkommen unterstützen

Während einige europäische Länder bereits Gesetze zur Sorgfaltspflicht in Lieferketten haben oder aktuell solche Gesetze erstellen, nimmt die EU als Ganzes nur langsam die Arbeit auf, den bestehenden Flickenteppich zu vereinheitlichen. EU-Justizkommissar Didier Reynders hat angekündigt, dass im Rahmen des Wiederaufbauplans der EU nach der Covid-19-Krise obligatorische Rechtsvorschriften zur Sorgfaltspflicht für Unternehmen entwickelt würden. 

Die Erklärung der Bischöfe bleibt für weitere Unterschriften geöffnet insbesondere im Vorfeld der sechsten Verhandlungsrunde über ein verbindliches UN-Abkommen über Wirtschaft und Menschenrechte. 

Die Schweiz stimmt am 29. November 2020 über die Konzernverantwortung ab

Die Initiative wird seit ihrer Lancierung im Jahr 2016 der Fastenaktion und einer breiten Koalition von 114 Organisationen unterstützt. «Durch Aussagen unserer Partner in den 14 Ländern des Südens wurde uns immer wieder klar, wie sehr ihre Entwicklung bedroht ist durch Aktivitäten multinationaler Konzerne, welche ihre Rechte verletzen und die Umwelt zerstören», sagt François Mercier, Leiter des Programms Rohstoffe und Menschenrechte bei Fastenaktion. «In der Schweiz haben wir durch die Initiative für verantwortungsbewusste Unternehmen nun eine einmalige Gelegenheit, zu handeln.»

Siedlung am Amazonas

Mit Laudato Si richtete sich erstmals eine Enzyklika eines Papstes an alle Menschen dieser Erde und rief angesichts der globalen Herausforderungen zu mutigem Dialog auf: «Das Modell globaler Entwicklung in eine (andere) Richtung (zu) lenken», was einschliesst, «über den Sinn der Wirtschaft und über ihre Ziele nachzudenken, um Missstände und Verzerrungen zu korrigieren» (Laudato Si’, 194).

Für diesen Aufruf zum Systemwandel gibt es gute Gründe: Unsere Wirtschaftsmodelle sind nicht in der Lage mit den planetarischen Grenzen umzugehen. Wir wirtschaften über unsere Verhältnisse – als hätten wir mehrere Erden zur Verfügung.

Wir tolerieren ein Ausmass an Ungleichheit wobei ein Dutzend Personen soviel Kapital konzentrieren wie die arme Hälfte der Weltbevölkerung. Eine Ungleichheit, die es einer Minderheit erlaubt, Atmosphäre und Natur für sich als Ressourcen zu beanspruchen zu Lasten der Mehrheit der Weltbevölkerung.

Der Rhythmus des Konsums, der Verschwendung und der Veränderung der Umwelt hat die Kapazität des Planeten derart überschritten, dass der gegenwärtige Lebensstil nur in Katastrophen enden kann. (Laudato Si’, 161)

Die Wissenschaft sieht uns hier leider gut auf Kurs – vor allem beim Klimawandel. Trotz aller Fortschritte im öffentlichen Diskurs, steigen die CO2-Emissionen weltweit weiter, nehmen der Energieverbrauch wie auch der Verkehr weiter zu und neutralisieren die positiven Effekte, die wir mit den erneuerbaren Energien erzielen.
Laudato Si’ bleibt eine Herausforderung für Kirche und Politik. Wo uns der Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden bereits viel Widerspruch und Gegenwind eingebracht hat – von innerhalb und ausserhalb der Kirche –  ist davon auszugehen, dass auch der Einsatz für «ein neues Entwicklungsverständnis» – für einen Systemwandel – weiterhin eine Herausforderung darstellen wird.

Es geht darum, den «Schrei der Armen und der Erde zu hören und daraus Antworten abzuleiten. (Laudato Si’, 139)

Auch an die Kirche und die Pfarreien in der Schweiz stellt Laudato Si die Frage, welchen konkreten Beitrag wir leisten können zur Bewahrung unseres Planeten. Wie können wir das Pfarreileben nachhaltig und ökologisch gestalten? Wie können wir als Kirchen die gesellschaftliche Bewegung der «Klimabesorgten» begleiten und unterstützen? Wie klimafreundlich sind unsere Pfarreizentren und Kirchengebäude? Wie zeigen wir unsere Solidarität den Menschen im globalen Süden gegenüber, die von den Folgen des Klimawandels am meisten betroffen sind? Wie nachhaltig sind unsere Geldanlagen investiert?

Es gilt für uns, gemeinsam mit den Pfarreien und kirchlichen Institutionen die Initiative zu ergreifen und aktiv für einen Wandel und für Klimagerechtigkeit einzutreten. Für einen Wandel, bei dem es um eine individuelle Umkehr hin zu einem neuen Lebensstil geht und um eine kollektive Umkehr. Bis hin zu einer Kultur, bei der wir uns als Teil der Schöpfung sehen und unsere Mutter Erde respektieren und um eine politisch-wirtschaftliche Umkehr im Sinne eines Systemwandels zugunsten des Gemeinwohls.

5 Jahre nach der Veröffentlichung von Laudato Si’ ist die Zeit dafür mehr als reif.

Helena Jeppesen, Verantwortliche Kooperationen Inland

Initiativen der Fastenaktion zu einem Systemwandel

Kirchen setzen sich für Konzernverantwortung ein

Mit der Konzernverantwortungsinitiative setzen wir uns für eine Sorgfaltspflicht und Haftung für Menschenrechte und Umweltstandards ein. Zusammen mit der Schweizer Bischofskonferenz und der Evangelisch-reformierten Kirche der Schweiz steht eine grosse Bewegung hinter der Volksinitiative. Sie wurde der Fastenaktion mitlanciert.  

Kirche für Konzernverantwortung

Jugendliche üben Nachhaltigkeit im Lagerleben

Fastenaktion fördert die Initiative der Jugendverbände und von youngCaritas, welche Jugendliche und Kinder ermutigt ihre Sommer-Lager nachhaltig zu organisieren und durchzuführen.

Faire Lager

Gruppen bewirken persönlichen Veränderungen

Fastenaktion führte zusammen mit HEKS in der Schweiz die erfolgreichen KlimaGespräche ein, wo sich Menschen in Gruppen mit ihrem persönlichen ökologischen Fussabdruck auseinandersetzen.

KlimaGespräche

Stefan SalzmannStefan Salzmann

Es fällt schwer, nach den letzten Wochen über die Notwendigkeit zu schreiben, den Konsum zu reduzieren. Und dennoch müssen wir das tun, wenn wir die nächsten Krisen verhindern wollen: Die in vielen Ländern des Südens bereits akute Klimakrise, die Übernutzung natürlicher Ressourcen, der Verlust der Biodiversität.

Wir alle waren betroffen von den Corona-Herausforderungen und wir alle kennen andere, die es härter traf: Krankheit, Unsicherheit, Arbeitslosigkeit, Verschuldung. Meine Gedanken drehten sich für eine Weile weniger um die in Armut lebenden Menschen in fernen Ländern sondern um Familienmitglieder und Nachbarn – mir liebe Menschen die wir über Wochen nur am Telefon oder über den Gartenzaun hinweg sehen durften. Wir mussten uns zu Hause gegenseitig aushalten: Wir haben Homeschooling und Kinderbetreuung plötzlich ohne Unterstützung von KiTa und Fussballverein gemacht. Wir ertrugen die soziale Kontrolle der Nachbarn, die mitzählten, mit wie vielen Leuten ich mich auf der Strasse unterhielt oder wie nahe ich dem Handwerker kam, wenn ich ihm einen Kaffee offerierte. Aber es ging uns auch gut dabei.

Unser Land erholt sich langsam und ich bin froh um bisher gesunde Staatsfinanzen und um kreative Köpfe dank einem gutem Bildungssystem. Wir haben uns solidarisch gezeigt und auf diesem guten Gefühl schauen wir auf die bevorstehenden Herausforderungen zur Bewältigung der Krise.

Wir schaffen das!

Diese Bewältigung aber – dies mein Appell – sollte nicht darin bestehen, wieder zum gleichen Leben zurückzukehren. Und wenn ich «wir» schreibe, dann meine ich uns alle – mich, meine Familie, meine Nachbarn, Sie und die Anderen. Wir alle können an Samstagen im Wald spazieren statt shoppen gehen. Wir können zum Teil im Homeoffice arbeiten, anstatt jeden Tag zu pendeln. Wir halten internationale Sitzungen online ab statt ins Flugzeug zu steigen. Wir machen Velotouren statt Ausflüge ins Trampolin-Zentrum und ins Möbelgeschäft. Junge Menschen haben Solidarität gezeigt gegenüber Alten und Schwächeren, sich als verantwortungsvolle Bürger/innen bewiesen und Corona eingedämmt bevor es zu einer Überforderung unseres Gesundheitssystems kam. In der Klimakrise zählen die Jungen nun auf die Solidarität der Älteren – unser Lebensstil muss jetzt ändern nicht erst wenn die heute Jungen die Älteren sind.

Shopping, Geschäftsflüge und Spritzfahrten werden nicht verboten sein nach Corona, aber sie zu reduzieren, ist nicht nur der Weg aus der Corona-Krise – es trägt auch bei zur Lösung der Klimakrise bei. In vielen Programmländern der Fastenaktion zeigt der Klimawandel bereits verheerende Folgen für die Menschen, verstärkt Hunger, Armut und Migration. Von den neu zu entwickelnden Strategien wird abhängig sein, wie wir die Klimakrise bewältigen können.

Corona hat uns gezeigt, dass vieles möglich ist, was wir uns nicht vorstellen konnten.

Stefan Salzmann, Fachverantwortlicher Energie und Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion

 

 

Hinweis, Klimagespraeche

6 Tipps, um den Klimawandel zu stoppen

Zur Bewältigung von Krisen braucht sowohl Individuen wie sinnvolle politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Den Individuen kommt eine wichtige Rolle zu: Wir können unser Verhalten und unsere Handlungen steuern. 

1.Über eine kohlenstoffarme Zukunft nachdenken

Grundlage für ist Bewusstsein und Wissen über den eigenen Ressourcenverbrauch, seinen eigenen ökologischen Fussabdruck. Um mehr über diesen zu erfahren, kann sich dafür anmelden bei «Le climat entre nos mains». Es ist wichtig zu wissen, wo das eigene Verhalten am meisten Potential hat, den Ressourcenverbrauch zu verringern. Je schneller wir die wichtigen Schritte angehen, desto mehr hilft es der Umwelt, dem Klima und dadurch auch den Armen der Welt.
Oder melden Sie sich dazu für die Klimagespräche der Fastenaktion und HEKS an.

2. Energie zu Hause

Für den schweizerischen Durchschnitt gilt: Rund ein Drittel der Energie, die wir als Individuen verbrauchen, fällt beim Wohnen an, dafür brauchen wir Strom und fossile Energieträger. Daran etwas zu ändern ist schwierig und braucht eine langfristige Strategie und einen langen Atem. Dennoch kann man viel tun.

Mieter/innen

  • Ökostrom beziehen – jeder Anbieter bietet eine Auswahl. Erkundigen Sie sich und bezahlen Sie den Aufpreis.
  • Weniger heizen – ein Grad weniger reduziert den Fussabdruck um bis zu 6 Prozent: Heizung ausschalten, wenn man in die Ferien fährt; Fenster nur zum Lüften öffnen.
  • Führen Sie ein Gespräch mit ihrem Vermieter – und zeigen Sie sich als bewusste Konsumentin von Energie. Fragen Sie nach Heizsystem und Rohstoff für die Heizung, wann die Heizung eingesetzt wurde und wann Sie ersetzt werden muss. Wann wurde etwas getan für die Wärmedämmung in den Hauswänden? Gerade wenn die Antworten abweisend oder ausweichend sind, ist die Botschaft angekommen.

Hausbesitzer/innen

  • Suchen Sie nach einer Energieberatung in ihrer Umgebung. Fachexpert/innen werden ihr Haus anschauen, Kostenschätzungen machen und mögliche nächste Schritte mit Ihnen planen. Solche Beratungen machen Sinn, weil die Reihenfolge und Umfang von Massnahmen aufeinander abgestimmt sein sollten.

3. Reisen und Mobilität

Wir pendeln, machen Ferien, nehmen an Meetings von internationalen Netzwerken teil. Doch das heutige Ausmass an Mobilität ist nicht zukunftsfähig. Selbst wenn alle Fahrzeuge elektrisch betrieben würden, brauchen die Batterien grosse Mengen an seltenen Erden und Energie aus Kraftwerken.

  • Keine Flugreisen in Europa – den Zug nehmen auch wenn es teurer ist. Die Zugreise gehört mit zum Erlebnis – ein Buch lesen, sehen, wie sich draussen die Landschaft sich langsam verändert, erleben, wohin man sich bewegt.
  • Einen Tag Homeoffice machen, statt pendeln.
  • Im Zug zu Arbeit und unterwegs die Sozialen Medien bearbeiten – Zeit gewinnen und den vollen Zug aushalten, dafür Zeit gewinnen statt alleine im Auto die Ruhe zu geniessen.

4. Nahrung und Wasser

Zu diesem Thema hat Fastenaktion bereits viele Kampagnen organisiert. Hier ein paar konkrete Ratschläge, die Energie und Ressourcen sparen:

  • Kein Mineralwasser in Flaschen einkaufen.
  • Beim Einkauf: bio – lokal – saisonal.
  • Weniger Fleisch essen.
  • Weniger Produkte aus Übersee kaufen.
  • Weniger Fertigprodukte kaufen

5. Konsum und Abfall

  • Abfall trennen, auch Nespresso-Kapseln richtig entsorgen
  • Ein Gemüseabonnement oder der Einkauf im Hofladen hilft nicht nur, den Abfall zu reduzieren.
  • Besuchen Sie mal den nächsten Unverpackt-Laden – Sie finden ihn mit Google.
  • «Verpackungs-Fasten» geht, ist aber nicht einfach!

6. Weniger ist mehr – diskutieren mit Freunden und Familie

Die Gespräche darüber, wie man weniger Ressourcen verbrauchen kann, sind wichtig. Und sehr schwierig zugleich. Es gibt kein Rezept dafür. Ausser vielleicht dieses: positiv bleiben – von gewonnenen Momenten erzählen statt mahnend andere zum Verzicht erziehen wollen. Selbstbewusst bleiben, nicht moralisch werden. Die eigene Freude teilen statt neidisch wirken. Zuhören. Wir überzeugen nicht mit guten Argumenten sondern mit guten Geschichten.

Quelle: Klimagespräche, ein Projekt der Fastenaktion und Brot für Alle

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