Es gibt nur wenige Lichtblicke im neusten Ernährungsbericht der Vereinten Nationen. Zwar zeichnen sich Fortschritte in Lateinamerika und der Karibik ab, in Afrika jedoch nimmt der Hunger weiterhin zu. Das offizielle Ziel der Weltgemeinschaft, ihn bis 2030 global zu beseitigen, ist nicht mehr erreichbar.

Ein Text von Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion 

Einer von elf Menschen auf der Welt litt 2023 unter Hunger, in Afrika traf es sogar jeden fünften. Während der Coronapandemie stieg die Zahl der Personen ohne genügend Nahrungsmittel steil an und stagnierte in den vergangenen Jahren auf diesem Niveau. Laut dem kürzlich veröffentlichten neusten Ernährungsbericht der Vereinten Nationen (UN) hatten 2023 weltweit rund 733 Millionen Menschen nicht genug zu essen

Ein Drittel der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu gesunder Nahrung

Erschwerend kommt hinzu, dass sich (Stand 2022) 2.8 Milliarden Menschen keine gesunde, ausgewogene Ernährung leisten konnten – also dem Risiko von Mangel– oder Unterernährung ausgesetzt waren. Dies entspricht einem Drittel der Weltbevölkerung und betrifft besonders Menschen in ländlichen Gebieten einkommensschwacher Länder, darunter vor allem Frauen, Jugendliche und Kinder sowie Indigene. Obwohl in Afrika prozentual mehr Menschen unter Ernährungsunsicherheit leiden als irgendwo sonst in der Welt (58 Prozent), lebt aktuell die Mehrheit der Personen ohne genug zu essen in Asien.  

Aufgrund all dieser Entwicklungen gehen die Vereinten Nationen davon aus, dass auch 2030 noch rund 582 Millionen Menschen chronisch unterernährt sein werden, dann jedoch mehr als die Hälfte davon in Afrika. Dabei hatte sich die Weltgemeinschaft in der Agenda 2030 eigentlich zum Ziel gesetzt, den Hunger bis dahin weltweit zu besiegen.

 

Konflikte, Ungleichheit, fehlender politischer Wille

Die Gründe für dieses Versagen sind vielfältig: gewalttätige Konflikte, Klimaerwärmung, wirtschaftliche Krisen und Ungleichheit, gestiegene Kosten für Lebensmittel, ein von wenigen mächtigen Agrarkonzernen kontrolliertes Produktions- und Ernährungssystem. Aber auch die fehlende politische Bereitschaft, genügend finanzielle Mittel einzusetzen, um das Problem systematisch anzugehen. 

Immerhin gibt es auch Lichtblicke. So hat sich die schwere und moderate Ernährungsunsicherheit in Lateinamerika und in der Karibik seit 2021 deutlich reduziert (von 34 auf 28 Prozent der Bevölkerung). Auch gibt es weltweit weniger Kinder unter fünf Jahren, die unter chronischer Unterernährung und einer deswegen beeinträchtigten Entwicklung leiden.

Der Zugang zu gesunder und ausgewogener Nahrung ist eine Grundvoraussetzung, um Hunger zu überwinden.

Immer mehr fehlernährte Übergewichtige

Auf der anderen Seite kann Mangelernährung auch zu Übergewicht führen, weil viele arme Familien sich nur billigen Fast Food leisten können, also kalorienreiche hochverarbeitete Produkte. Und die Zahl der stark Übergewichtigen hat deutlich zugenommen: 2012 galten 12,1 Prozent aller Erwachsenen als stark übergewichtig (591 Millionen Menschen), 2022 waren es 15,8 Prozent (881 Millionen). 2030 dürften es über 1.2 Milliarden sein. 

Der UN-Ernährungsbericht 2024 beschäftigt sich zudem ausführlich mit der Frage, wie sich der Kampf gegen Hunger und Mangelernährung besser finanzieren lässt. Er schätzt, dass dafür aktuell mehrere Billionen Dollar fehlen – und warnt, dass die sozialen und wirtschaftlichen Folgen dieses Defizits die Welt ebenfalls Billionen kosten werden. Es brauche neue, innovative Finanzierungsformen und ein gemeinsames, ganzheitliches Vorgehen.

 

Wirkungsvoller Einsatz von Fastenaktion

Fastenaktion engagiert sich mit seinen Partnerorganisationen im Globalen Süden seit Jahrzehnten im Kampf gegen den Hunger – und kann dabei lokal auch auf viele Erfolge verweisen. Unter anderem dank der Arbeit mit Solidaritätsgruppen und lokal angepassten agrarökologischen Techniken. Wir leiten zudem das Projekt RAISE, eine internationale Kooperation mehrerer Entwicklungsorganisationen, die sich für die Verwirklichung bäuerlicher Rechte einsetzen, um die Ernährungssicherheit zu verbessern. 

RAISE hat sich mit lokaler Sensibilisierungs- und internationaler Lobbyarbeit dafür engagiert, einen Überwachungsmechanismus für bäuerliche Rechte zu schaffen. Dieses Jahr nun hat der Uno-Menschenrechtsrat eine Gruppe von Expert:innen eingesetzt, welche die Umsetzung seiner Bauernrechtsdeklaration UNDROP von 2018 weltweit kontrollieren und fördern soll – ein wichtiger Meilenstein für RAISE, das eng mit dieser Gruppe zusammenarbeiten wird. So können sich Bäuerinnen und Bauern auf internationaler Ebene Gehör verschaffen. Auch dies trägt dazu bei, Hunger zu reduzieren und gesunde Ernährung zu fördern. 

Sie finden hier die Zusammenfassung des UN-Ernährungsberichts 2024 auf Englisch.

Unsere Projekte sind wirksam und reduzieren den Hunger vor Ort, wie das Beispiel der kenianischen Bäuerin Mary Injendi zeigt.

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Agrarökologische Anbaumethoden stärken die Ernährungssicherheit.
Der heutige Welternährungstag liefert keinen Anlass zur Freude: Mit 828 Millionen Menschen sind über zehn Prozent der Weltbevölkerung von Hunger und Unterernährung betroffen. Fastenaktion engagiert sich in der Allianz Sufosec für eine Welt ohne Hunger. Der erste Ernährungsbericht von Sufosec zeigt auf, welche Lösungsansätze für die Überwindung von Hunger gefragt sind. Christa Suter, Fachverantwortliche für Agrarökologie, fasst im Interview die Ergebnisse zusammen.

Warum verschlechtert sich die globale Ernährungslage?
Der Ernährungsbericht benennt die hauptsächlichen Fehlentwicklungen, die seit 2015 zur starken Zunahme von Hunger bei weiteren 150 Millionen Menschen geführt haben: Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft werden immer akuter. Die COVID-19-Pandemie und deren negativen Folgen, die Zunahme von bewaffneten Konflikten sowie Preisspekulationen beeinflussen die globale Ernährungssicherheit. Der Ernährungsbericht beschreibt, dass obwohl genügend Nahrungsmittel produziert werden, dennoch die Zahl der an Hunger leidenden Menschen zunimmt. Rund 60 Prozent der chronisch hungerleidenden Menschen sind Frauen.

Warum sind Frauen stärker von Hunger betroffen?
Obwohl in vielen Ländern überwiegend Frauen für Zubereitung von Nahrung zuständig sind und mehr Arbeitsleistung in der Landwirtschaft erbringen, halten Frauen weniger als 20 Prozent des Landbesitzes, in Nordafrika und Westasien gar weniger als 5 Prozent. Innerhalb des Haushalts ist es zudem oft so, dass zuerst die Männer und Kinder essen und dann erst die Frauen. Die Ungleichheiten haben sich durch die verschiedenen Krisen verstärkt, sodass mehr Frauen als Männer von Mangelernährung betroffen sind.

Was sind die weiteren Erkenntnisse des Ernährungsberichts?
Der Ernährungsbericht 2022 beinhaltet Ergebnisse einer Umfrage bei 14’000 Haushalten aus 16 Ländern in Afrika, Lateinamerika und Asien. Die Studie hat gezeigt, dass agrarökologisch wirtschaftende Bäuerinnen und Bauern ihre Produktion diversifizieren und dass sie dadurch Hunger und Unterernährung verringern können. Auch in den Gebieten auf der Welt, in denen Hunger von erschreckender Normalität ist.

Was unternehmen Fastenaktion und die Allianz Sufosec konkret gegen den Hunger?
Mit unseren Projekten zielen wir auf eine selbstbestimmte Ernährungssicherung in lokalen Ernährungssystemen ab. Wir fördern agrarökologische Anbaumethoden wie Fruchtfolge, Zwischenfruchtanbau oder lokal angepasstes Saatgut. Besonders der Einsatz von organischem Dünger, effizienten Bewässerungen oder Bodenschutzmethoden verringern den Hunger. Aber auch die soziale Unterstützung und politische Massnahmen für das Recht auf Nahrung sind mitentscheidend in unserem gesamtheitlichen agrarökologischen Ansatz. Im Ernährungsbericht werden mit sechs konkreten Beispielen die integrierten Ansätze zur Bekämpfung des Hungers erläutert, darunter auch jene von Fastenaktion in Kenia.

Die Allianz Sufosec ist eine Partnerschaft zwischen den Schweizer Organisationen Aqua Alimenta, Fastenaktion, Swissaid, Skat Foundation, Vétérinaires sans Frontières Suisse und Vivamos Mejor. Die Allianz will die selbstbestimmte Ernährung von Menschen im globalen Süden sichern, indem sie lokale Ernährungssysteme fördert und stärkt. Erfahren Sie hier mehr über die Arbeit von Sufosec.

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