Verheerende Naturkatastrophen, problematische Einmischungen von aussen, krasse Korruption und eine tragische koloniale Historie: Die Gründe für die scheinbar endlose Krise auf Haiti sind vielfältig. Mehr Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft würde helfen – aber nur, wenn dabei das Wohl der Bevölkerung im Zentrum steht und nicht geschäftliche oder politische Interessen der unterstützenden Länder.

Text: Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion

Die indigenen Ureinwohner der Karibikinsel, die Taino, nannten sie einst Kiskeya (wunderbares Land) oder Ayiti (gebirgiges Land). Aus letzterem entstand der Name Haiti. Doch die Tragödie der heute Hispaniola genannten Insel, die sich Haiti und die Dominikanische Republik teilen, begann bereits 1492 mit der Ankunft von Christoph Kolumbus. Mehrere 100‘000 Indigene sollen damals dort gelebt haben. Diese wurden zuerst von den eingeschleppten Seuchen der spanischen Eroberer dezimiert, ab 1503 dann zusätzlich von einem System sklavenartiger Zwangsarbeit.

Ende des 17. Jahrhunderts erkämpfte sich Frankreich den Westteil der Insel und führte ihn zu einer enormen wirtschaftlichen Blüte, die auf Plantagenanbau von Zuckerrohr und Kaffee beruhte. Saint-Domingue, wie Haiti damals hiess, galt für einige Jahrzehnte als Perle der Karibik und war die reichste Kolonie Frankreichs. In den 1780er-Jahren stammten etwa 40 Prozent des Zuckers und 60 Prozent des Kaffees, der in Europa konsumiert wurde, aus Haiti.

 

Revolution brachte Freiheit und neue Probleme

Dies funktionierte nur, weil jährlich Zehntausende Menschen aus Afrika dorthin verschleppt wurden und als Sklav:innen auf den Plantagen schufteten – unter so erbärmlichen Lebensumständen, dass viele nicht überlebten. Die fürstlichen Profite derweil landeten in Frankreich.

Im Nachgang der Französischen Revolution kam es 1791 zur Haitianischen Revolution, einem Aufstand der Sklavinnen und Sklaven, die zu der Zeit rund 90 Prozent der Bevölkerung ausmachten. In einem langen und brutalen Befreiungskrieg erkämpfte sich Haiti schliesslich 1804 als erste «schwarze Nation» seine Unabhängigkeit – misstrauisch beäugt von den benachbarten Sklavenhalternationen, die ein Überspringen befürchteten.  

Die Freude auf der Insel jedoch war von kurzer Dauer. Schon bald übernahm eine Elite von ehemaligen Freiheitskämpfern die Herrschaft und unterdrückte ihrerseits weite Teile der Bevölkerung. Zudem nahm Frankreich den Verlust seiner Kolonie nicht einfach so hin und drohte mit einem erneuten Krieg, falls keine Kompensationszahlungen geleistet würden.

 

Haitis Reichtum floss nach Frankreich

Ein Rechercheteam der «New York Times» kalkulierte 2022, dass Haiti durch diese Zahlungen an die früheren Kolonialherren insgesamt über 100 Milliarden US-Dollar im heutigen Wert verloren gingen – laut internationalen Historiker:innen «die wohl abscheulichste Staatsschuld der Geschichte». Das Fazit der Recherche: Wäre dieses Geld in Haiti geblieben und dort in die Entwicklung der Bevölkerung, der Wirtschaft und der Infrastruktur investiert worden, ginge es dem Land heute sehr viel besser, vergleichbar mit dem Inselnachbarn Dominikanische Republik.

Stattdessen musste Haiti seine Wirtschaft darauf ausrichten, horrende Beträge ins Ausland zu entrichten. Es fokussierte zuerst auf Kaffee, dann auf Tropenholz. In kurzer Zeit verlor das Land 90 Prozent seiner Waldbestände – mit dramatischen Folgen für die Landwirtschaft. Zudem musste sich Haiti anderswo im Ausland verschulden und wurde zwischenzeitlich noch zwei Jahrzehnte von den USA besetzt und ausgeplündert.

Faktisch war die Entwicklung der haitianischen Wirtschaft über 125 Jahre gelähmt. Abbezahlt waren die Schulden an Frankreich erst 1950. Das Land weigert sich bis heute, diese historische Schuld an Haitis Misere angemessen zu kompensieren. Und während die normale Bevölkerung litt, führte eine kleine Elite Haitis weiterhin ein gutes Leben, dank diktatorischen Anführern und krasser Korruption.

In unseren Projekten unterstützen wir gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern dabei, ihre Ernährung langfristig zu sichern.

Naturkatastrophen und politische Instabilität

Hinzu kommen schwere Naturkatastrophen. So wurde etwa die Hauptstadt Port-au-Prince am 12. Januar 2010 vom schwersten Erdbeben in der Geschichte Nord- und Südamerikas zerstört: Es gab 300’000 Tote, Hunderttausende Verletzte und 1.8 Millionen Obdachlose. Zudem erlebt Haiti immer wieder verheerende Wirbelstürme und Dürren. Allein zwischen 1998 und 2016 verursachten diverse Naturkatastrophen Schäden in Höhe von mehr als 12.5 Milliarden US-Dollar.

Auch die politische Situation bleibt seit dem Sturz der diktatorisch herrschenden, maximal korrupten Duvalier-Familie 1986 instabil. Und seit der Ermordung von Präsident Jovenel Moisé 2021 herrscht faktisch Anarchie. Weite Teile der Hauptstadt werden von kriminellen Banden kontrolliert, Entführungen und Morde sind an der Tagesordnung. Die Polizei ist komplett überfordert – und oft selbst korrupt. Wer kann, verlässt das Land. So gehen die gescheitesten Köpfe verloren, die Haiti so dringend brauchen würde.  

 

Ausbeutung statt Investitionen

Es gibt jedoch noch einen weiteren wichtigen Grund für die Missstände im Land: «Im Gegensatz zu anderen karibischen Ländern hat Haiti nie grosse internationale Investitionen angezogen, weder in die Zuckerindustrie noch in den Tourismus, der in der Karibik seit den 1970er-Jahren floriert», sagt der Koordinator von Fastenaktion auf Haiti. «Solche ausländischen Investitionen kurbeln nicht nur die Wirtschaft an, sie zwingen die Investoren auch, in diesen Ländern die richtigen Entscheide zu treffen, um ihre Investitionen zu schützen.»

Stattdessen unterstütze die internationale Gemeinschaft eine lokale korrupte Wirtschaftselite, die das schnelle Geld im Import-Export-Handel suche. «Natürlich trägt Haiti einen Teil der Verantwortung für die derzeitige Situation», sagt unser Koordinator, dessen Namen wir zu seiner eigenen Sicherheit nicht nennen. «Aber seit über 30 Jahren haben die verschiedenen Regierungen ihre strategischen Entscheidungen entweder in Komplizenschaft oder unter den Forderungen der internationalen Geberländer getroffen. Es gibt also eine gemeinsame Verantwortung.»

 

Ohne Hilfe von aussen geht es nicht

Dass die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft derzeit auf anderen Krisenherden liegt, erschwert die Situation zusätzlich. «Aber es überrascht hier niemanden», sagt unser Koordinator. «Die Konflikte um die Ukraine und in Gaza haben eine geostrategische Bedeutung, die in Haiti fehlt. Und die menschliche Tragödie scheint nicht auszureichen, um die notwendigen Ressourcen zu mobilisieren.»

Dabei bräuchte Haiti gerade jetzt Hilfe von aussen, auch wenn das Land in den letzten Jahrzehnten damit oft negative Erfahrungen gemacht hat. «Wichtig wäre, die Kompetenz der Haitianer:innen bei der Lösung der Herausforderungen einzubeziehen wie das etwa Fastenaktion mit ihrer Unterstützung von Partnerorganisationen vor Ort macht.»

Für eine Besserung braucht es minimale politische Stabilität in Form einer Übergangsregierung sowie die Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung mit externer Hilfe. «Ausserdem freie Wahlen und eine funktionierende Regierung», sagt Benno Steffen, der bei Fastenaktion für das Landesprogramm Haiti zuständig ist. Er fürchtet, dass sich die prekäre Sicherheitslage ansonsten von den aktuellen Hotspots auf weitere Regionen ausbreiten könnte.

Fastenaktion leistet gezielte Nothilfe vor Ort, um die Ernährung der Menschen zu sichern. Erfahren Sie hier mehr darüber.

Haiti wird häufig von Wirbelstürmen heimgesucht. Sie hinterlassen eine Schneise der Verwüstung und zerstören wichtige Infrastrukturen.

In Haiti setzen multiple Krisen der Bevölkerung zu. Die Ernährung von mehr als 3,6 Millionen Menschen ist gefährdet. Erfahren Sie hier mehr über unseren Einsatz im Land.

Unterstützen Sie unseren Einsatz für eine gerechte Welt ohne Hunger

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Diese Website verwendet Cookies, die die Funktionalität der Website ermöglichen. Sie helfen uns dabei, die Interessen unserer Nutzer:innen zu analysieren. Damit optimieren wir für Sie unserer Inhalte und Ihre Spendenmöglichkeiten. Die gesammelten Daten werden weder durch uns noch durch unsere Partner verwendet, um Sie zu identifizieren oder zu kontaktieren. Mehr erfahren

Kriminelle Banden auf der Karibikinsel haben sich zusammengeschlossen und kontrollieren nun etwa 80 Prozent der Hauptstadt Port-au-Prince. Die Regierung hat den Notstand ausgerufen, die internationalen Flughäfen sind geschlossen, ebenso die Grenze zur Dominikanischen Republik. Der Programmkoordinator von Fastenaktion sitzt in einem Vorort der Hauptstadt fest – vorerst mit ausreichend Vorräten. Unsere Arbeit im Landesprogramm geht dennoch weiter.

Text: Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion

Die Sicherheitslage in Haiti ist schon seit Jahren prekär, doch in den letzten Tagen hat sie sich nochmals dramatisch verschärft. Normalerweise verfeindete kriminelle Banden haben sich zusammengeschlossen, einige Polizisten getötet und die Kontrolle über die Hauptstadt Port-au-Prince weitgehend übernommen. Rund 4000 zum Teil hoch gefährliche Häftlinge wurden aus zwei Gefängnissen befreit. Die Gangs fordern den Rücktritt von Premierminister Henry, der sich aktuell im Ausland befindet und nicht ins Land zurückkehren kann. Die internationalen Flughäfen in Port-au-Prince und Cap Haitien sind geschlossen, ebenso die Grenze zum Inselnachbarn, der Dominikanischen Republik.

Alle Botschaften geschlossen

Die haitianische Regierung hat den Notstand ausgerufen und nachts eine Ausgangssperre verhängt, die in der Hauptstadt aber kaum durchsetzbar sein dürfte. Die Schweiz hatte wie andere Länder ihre Botschaft bereits letztes Jahr geschlossen, nun sind auch die verbleibenden diplomatischen Vertretungen zu. Die USA haben ihre Bürger:innen dazu aufgerufen, Haiti umgehend zu verlassen, was derzeit allerdings kaum möglich ist.  

Der Programmkoordinator von Fastenaktion, dessen Namen wir zu seiner Sicherheit nicht nennen, lebt in einem Vorort von Port-au-Prince und arbeitet von zu Hause aus. Derzeit sind sämtliche Strassen aus seinem Quartier raus blockiert, weshalb er es nicht verlassen kann. Er hat jedoch genügend Wasser und Vorräte im Haus, um einige Zeit ausharren zu können.

Die Mehrheit unserer Partnerorganisationen auf Haiti arbeitet auf dem Land.

Fastenaktion vor allem auf dem Land aktiv

Die Mehrheit unserer Partnerorganisationen auf Haiti arbeitet auf dem Land, wo die Gangs bisher nur eingeschränkt aktiv sind. Die meisten Projektaktivitäten können deshalb trotz der Eskalation weitergehen. Dies sichert für die Menschen eine Versorgung mit lokalen Nahrungsmitteln.

Allerdings ist der Zugang zu Banken, die sich alle in Städten befinden, noch schwieriger als sonst. Zudem ist zu befürchten, dass einige der entflohenen Kriminellen in ihre Heimatregionen zurückkehren, was auch auf dem Land zu einer Destabilisierung führen könnte. Und die Versorgungslage wird generell immer prekärer. In einem der ärmsten Länder der Erde erhöht dies das Risiko, dass schon bald noch mehr Menschen hungern als zuvor.


Banden als neue politische Akteure

Doch was ist das Ziel dieser Eskalation seitens der kriminellen Banden? Benno Steffen, der bei Fastenaktion in Luzern für das Programm in Haiti verantwortlich ist, hat mit unserem Koordinator gesprochen. «Die Gangs wollen sich auf diese Weise wohl als politisch anerkannte Akteure positionieren», sagt Steffen. Es sei ja geplant, dass schon bald ausländische Polizeikräfte mit Uno-Mandat bei der Stabilisierung der Lage auf der Karibikinsel helfen sollen. «Es wird vermutet, dass die Banden sich im Vorfeld eine gute Verhandlungsposition sichern wollen, um später Straffreiheit auszuhandeln, so ähnlich wie dies schon in anderen lateinamerikanischen Ländern passiert ist.»

Die meisten Projektaktivitäten können deshalb trotz der Eskalation weitergehen.

In Haiti setzen multiple Krisen der Bevölkerung zu. Die Ernährung von mehr als 3,6 Millionen Menschen ist gefährdet. Erfahren Sie hier mehr über unsere wirksamen Projekte im Land.

Unterstützen Sie unseren Einsatz gegen Hunger und Armut in Haiti

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Viele Menschen unterstützten die katholische Kirche weiterhin, weil sie noch immer viel Gutes tue, nicht zuletzt durch Fastenaktion, sagt Weihbischof Josef Stübi, der neue Stiftungsratspräsident der Organisation. Zur christlichen Kernbotschaft der Nächstenliebe gehöre auch, ein Bewusstsein für die vielfältige Not und ihre Ursachen zu schaffen.

Text: Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion

Wie wurden Sie zum Nachfolger von Felix Gmür? Haben Sie sich bei der Bischofskonferenz beworben, hatten Sie gar Konkurrenz?

Nein, weder habe ich mich beworben, noch gab es Konkurrenten. Es brauchte einen Nachfolger aus der Bischofskonferenz, und das Gremium fragte mich an. Ich sagte nach kurzer Bedenkzeit zu, auch weil ich die Arbeit von Fastenaktion gut und wichtig finde.

Haben Sie sich denn zuvor schon mit internationaler Entwicklungszusammenarbeit beschäftigt?

Nicht in der Intensität und Komplexität, wie dies bei Fastenaktion geschieht. Aber in meiner 30-jährigen Zeit als Pfarrer habe ich immer wieder Gemeinschaften im Süden besucht, um Projekte ideell oder finanziell zu unterstützen. In Indien zum Beispiel hat die lokale Ordensgemeinschaft in Kerala zwölf Wohnhäuser finanziert, für Menschen, die zuvor in einem Slum gelebt haben. Auf der Insel Flores in Indonesien ging es darum, eine Handwerkerschule für junge Leute aufzubauen, die heute erfolgreich läuft. Ausserdem haben wir in meiner Zeit als Stadtpfarrer von Baden jedes Jahr einen Basar veranstaltet, an dem für ein soziales Projekt gesammelt wurde, immer wieder auch für Projekte im Süden.

Wissen Sie noch, wie Sie Fastenaktion ursprünglich kennengelernt haben?

Aber sicher: bereits als Kind. Wir hatten daheim in Dietwil (AG) immer ein Fastenopfer-Säckchen zu Hause, in dem über die Zeit von der ganzen Familie ein gewisser Batzen zusammenkam. Den haben wir dann am Fastenopfersonntag in die Kirche mitgenommen.

Welche Aspekte unserer Arbeit finden Sie besonders wichtig?

Ich lerne all die Details ja erst noch richtig kennen. Aber auf jeden Fall ist mir die diakonische, soziale Arbeit wichtig, die Fastenaktion macht. Dazu gehört auch die politische Bildung, also dass wir bei den Menschen ein Bewusstsein für die vielfältige Not schaffen und die Ursachen und Zusammenhänge gut verständlich darstellen. Dass wir zeigen, wofür wir stehen. Und da kommt für mich auch die christliche Kernbotschaft ins Spiel: die Nächstenliebe, der Auftrag an uns Christinnen und Christen, unseren Mitmenschen in Not zu helfen. Auch die katholische Soziallehre mit ihren Prinzipien von Solidarität und Gemeinwohl spielt eine Rolle – da gibt es direkte Bezüge zu den Menschenrechten, die heute vielerorts unter Druck stehen.

Was sehen Sie als wichtigste Aufgabe in Ihrem neuen Amt? Worauf freuen Sie sich?

Ich sehe mich als Teil dieses Gemeinschaftswerks und freue mich, die Arbeit von Fastenaktion im Rahmen meiner Möglichkeiten zu unterstützen, sie mitzugestalten und dabei neue Menschen kennenzulernen. Vielleicht kann ich mit meiner langjährigen Erfahrung in den Pfarreien auch dazu beitragen, diese traditionell so wichtige Verbindung wieder ein wenig zu stärken. Es gibt dort weiterhin viele Menschen, die offen sind, für Fastenaktion zu spenden. 

Ist die Organisation gut aufgestellt für die Ziele, die sie erreichen möchte?

Dazu kann ich noch nicht viel sagen, ich muss mich erst noch einarbeiten. Aber mir scheint, dass Fastenaktion auf einer guten, stabilen Basis steht.

Die Spendeneinnahmen aus der kirchlichen Welt nehmen schon seit Jahren ab, wohl auch wegen der Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche. Wie sollte sich Fastenaktion in diesem heiklen Umfeld positionieren, um nicht noch mehr Spender:innen aus der katholischen Welt zu verlieren?

Mein Eindruck ist, dass die Gläubigen durchaus differenzieren zwischen diesen Vorfällen und der sozialen Arbeit der Kirche. Ich denke, wenn wir glaubwürdig und transparent handeln und dies gut kommunizieren, dann bleibt die katholische Welt eine gute Basis zur Finanzierung von Fastenaktion. Die Zahl der Katholik:innen nimmt ab, aber sie unterstützen uns auch deshalb noch immer, weil wir viel Gutes tun. Fastenaktion ist diesbezüglich ein Leuchtturm der Kirche. Die Missbrauchsskandale sind furchtbar, ich will das in keiner Weise kleinreden. Gleichzeitig sollten wir engagiert weiterarbeiten und eine neue Wirklichkeit von Kirche anstreben. Ich bin auch durchaus optimistisch, dass dies gelingt.

Sollten wir dennoch versuchen, neue Spender:innen auch aus säkularen Kreisen zu gewinnen?

Das passiert ja bereits, und das ist auch richtig und legitim. Wir dürfen einfach nicht vergessen, woher wir kommen: unser christlicher Hintergrund. Umso mehr als uns das auch auszeichnet.

Was erhoffen Sie sich persönlich von Ihrem neuen Engagement?

Dass ich den Anforderungen der Aufgabe gerecht werde. Und da bin ich auch froh um die Menschen, die mit mir gemeinsam diesen Weg gehen. Wichtig ist mir ausserdem, dass bei all dem die Freude nicht zu kurz kommt, auch wenn es zwischendurch mal schwierig sein kann.

Josef Stübi ist seit Anfang Februar Stiftungsratspräsident von Fastenaktion.

Zur Person

Josef Stübi (62) ist seit Anfang Februar Stiftungsratspräsident von Fastenaktion. Der Weihbischof der Diözese Basel war viele Jahre Stadtpfarrer von Baden (AG) und ist schon seit 1987 als Seelsorger tätig. Er wohnt in Solothurn. Weihbischöfe gibt es in Diözesen, in denen die Aufgaben wegen ihrer Grösse nicht vom Diözesanbischof allein erfüllt werden können. Der Weihbischof vertritt ihn unter anderem bei Weihehandlungen und in manchen Gremien.

Trotz der teils prekären Sicherheitslage in Haiti ist Fastenaktion dort weiterhin im Einsatz. Die Projektarbeit sei gerade deswegen besonders wertvoll, sagt unser lokaler Koordinator vor Ort.

Ein Interview mit J. V.*, Koordinator in Haiti bei Fastenaktion
Text: Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion

Wie kommen die Projekte von Fastenaktion auf Haiti voran?

So weit gut. Mit den agrarökologischen Techniken und den Solidaritätsgruppen stärken wir die Ernährungssicherheit, die finanzielle Situation und das Selbstbewusstsein der dörflichen Gemeinschaften. Davon profitieren insgesamt mehr als 20 000 Menschen. Das funktioniert aber nur, weil die Sicherheitslage in den ländlichen Gebieten noch einigermassen okay ist.

Das ist sie sonst nicht?

Nein. Seit ich 2019 mitten in einer politischen Krise mit dieser Arbeit begonnen habe, ist es eher schlechter geworden.

Was sind die Ursachen dieser Krise?

Die aktuelle begann mit einem Volksaufstand gegen die korrupte Regierung. Doch inzwischen haben schwer bewaffnete Banden die Demonstrationen gestoppt und überziehen den Grossraum Port-au-Prince ungestört mit ihrem Terror, was ernste Folgen für die Mobilität hat.

Zum Beispiel?

Man sollte die Stadt nicht verlassen, ohne die aktuelle Sicherheitslage am Zielort und auf dem Weg dorthin abzuklären. Ich halte mich über diverse WhatsApp-Gruppen auf dem Laufenden, telefoniere mit Leuten vor Ort, höre Radio. Und es kommt immer wieder vor, dass ich auf Besuche verzichte, weil die Lage zu gefährlich ist. Oft ist die Lösung, eine Teilstrecke zu fliegen und dann mit dem Auto weiterzufahren.

Was tun denn diese Banden?

Sie errichten Strassenblockaden und fordern Geld für die Weiterfahrt. Es kommt auch regelmässig zu Entführungen, 2023 gab es allein bis September mehr als 900, wobei 63 Ausländer:innen betrafen. Darüber hinaus plündern die Banden ganze Stadtviertel und verjagen deren Bewohner:innen. Zehntausende wurden so schon vertrieben.

Eine Bäuerin bewirtschaftet ihr agrarökologisches Feld.
Die meisten Fastenaktion-Projekte in Haiti befinden sich in ländlichen Regionen. Dort ist die Sicherheitslage weniger angespannt.

Ist auch der Zugang zu unseren Projekten beeinträchtigt?

Die meisten befinden sich in ungefährlicheren ländlichen Regionen. Aber zwei Partnerorganisationen im Departement Artibonite habe ich aus Sicherheitsgründen schon seit zwei Jahren nicht besucht. Doch diese Krisensituation macht unsere Arbeit umso wertvoller: Die Agrarökologie hilft den Menschen, die benötigten Nahrungsmittel selbst anzubauen. Und die Solidaritätsgruppen geben ihnen Zugang zu Kleinkrediten. Schwierig hingegen sind alle Aktivitäten, die einen funktionierenden Staat voraussetzen.

Es sollen nun ein Jahr lang 1000 ausländische Polizisten unter Uno-Aufsicht beim Kampf gegen die Banden helfen. Wird das etwas ändern?

Die letzte vergleichbare Mission endete vor fünf Jahren und brachte offensichtlich nicht viel. Entsprechend skeptisch ist die Bevölkerung. Klar ist: Die bewaffnete Unterstützung ist nötig, Haiti hat keine Armee und weniger als 10 000 Polizisten auf 12 Millionen Einwohner:innen.

Die Lage in Haiti ist seit Jahrzehnten schwierig, wo liegt das Problem?

Der schwache Staat ist eine Folge von historischen Entwicklungen und fehlenden Strukturen. Die korrupte Elite presst Haiti aus wie eine Zitrone und zeigt kein Interesse, ihren Nachkommen ein funktionierendes Land zu hinterlassen. Und die Geberländer sorgen sich stets, dass die Lage komplett ausser Kontrolle gerät, weshalb sie selbst sehr korrupte Regierungen stützen. Ein grosses Problem ist zudem der Braindrain: Über 80 Prozent der Haitianer:innen mit Uni-Abschluss leben im Ausland.

*Aufgrund der angespannten Sicherheitslage in Haiti verzichten wir auf eine namentliche Nennung.

Agrarökologischer Anbau ermöglicht eine unabhängige Nahrungsmittelversorgung.
Dank agrarökologischer Techniken können Bäuerinnen und Bauern unabhängig Nahrungsmittel anbauen.

In Haiti setzen multiple Krisen der Bevölkerung zu. Die Ernährung von mehr als 3,6 Millionen Menschen ist gefährdet. Erfahren Sie hier mehr über unsere wirksamen Projekte im Land.

Unterstützen Sie unseren Einsatz gegen Hunger und Armut in Haiti

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Der Uno-Menschenrechtsrat setzt im Frühling 2024 eine neue Expertengruppe ein, die für die Förderung und Überwachung der Rechte von Bäuerinnen und Bauern verantwortlich ist. Dies erleichtert die weltweite Sensibilisierung von Behörden und Zivilgesellschaft für die Herausforderungen der kleinbäuerlichen Nahrungsmittelproduktion. 

Obwohl Bäuerinnen und Bauern, Viehzüchter:innen und andere Menschen, die im ländlichen Raum arbeiten, eine tragende Rolle spielen, um die weltweite Ernährungssicherheit zu gewährleisten, erhalten sie in vielen Ländern kaum Unterstützung. Im Gegenteil: Durch die verstärkte Industrialisierung der Landwirtschaft und politische Konflikte wird ihnen der Zugang zu Land, Wasser oder traditionellem Saatgut erschwert oder gar entzogen. Zudem sind sie den Folgen der Klimaerwärmung besonders stark ausgesetzt. 

Damit den Worten Taten folgen 

Um diese Menschen besser zu schützen, verabschiedete die Uno 2018 die «Erklärung für die Rechte von Kleinbauern und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten» (UNDROP), in der unter anderem das Recht auf Land, Wasser, Saatgut und agrarökologische Produktionsformen festgelegt ist. Aber auch das Recht, selbstbestimmt über die eigenen wirtschaftlichen Ziele und Ernährungsweisen bestimmen zu können. 

Nun hat der Uno-Menschenrechtsrat in Genf diese Rechte vergangene Woche nochmals gestärkt: Eine fünfköpfige Expertengruppe soll ab Frühling 2024 sicherstellen, dass den Worten auch wirklich Taten folgen. So erhalten nun weltweit Bäuerinnen und Bauern die Möglichkeit, auf missachtete Rechte hinzuweisen und die Umsetzung der Deklaration in ihrem Land voranzubringen. Das Gremium soll zudem den Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit fördern, Länderbesuche durchführen und auf Rechtsverstösse aufmerksam machen.

Politisches und rechtliches Instrument 

Fastenaktion steht für das Recht auf Nahrung ein und fördert die Rechte der Bäuerinnen und Bauern als Mitglied der Koalition «Friends of the Declaration» und durch das internationale Projekt RAISE («Rights-based and Agroecological Initiatives for Sustainability and Equity»). Dieses hat sich stark für die Bildung einer solchen Expertensruppe eingesetzt und sieht den Entscheid als grossen Fortschritt. «Das ist ein wichtiges politisches und rechtliches Instrument zur Förderung kleinbäuerlicher Rechte», sagt Christa Suter, Expertin für Ernährungssysteme bei Fastenaktion. «Der mit grosser Mehrheit gefallene Uno-Entscheid illustriert zudem die wachsende internationale Anerkennung der zentralen Rolle, die kleinbäuerliche Familien bei der Nahrungsmittelproduktion und beim Schutz von Umwelt und Biodiversität spielen 

Die Arbeitsgruppe besteht aus Expert:innen von fünf Kontinenten, die im März 2024 gewählt werden. RAISE hat angekündigt, eng mit dem neuen Gremium zusammenzuarbeiten, um seinen Erfolg zu unterstützen. Die Stärkung bäuerlicher Rechte ist ein zentraler Pfeiler, um dem Hunger entgegenzuwirken. 

Die Medienmitteilung von RAISE finden Sie hier.

Sie möchten mehr über RAISE erfahren? Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Eine Kleinbäuerin in Südafrika kontrolliert ihr Feld. Sie wird von der «Rural Women’s Assembly» unterstützt, einer Partnerorganisation von Fastenaktion, die auch Teil des Projekts RAISE ist.

Unterstützen Sie unseren Einsatz für die Rechte von Bäuerinnen und Bauern

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Christa Suter ist Expertin für Ernährungssysteme und kümmert sich bei Fastenaktion um das Landesprogramm in Kenia. Im Gespräch zum Welthungertag erklärt sie, weshalb so viele Menschen unter Hunger leiden und welche Ansätze trotz allem Hoffnung schaffen.

Text von Manolito Steffen, OnlineRedaktor bei Fastenaktion

Jeder zehnte Mensch auf der Welt hat nicht genug zu essen. Weshalb sind es noch immer so viele? 

In jeder Region gibt es unterschiedliche Gründe für Hunger. Die klimatischen Veränderungen wirken sich jedoch weltweit auf die Landwirtschaft aus und vermindern die Erträge. Hinzu kommen häufig politische und wirtschaftliche Faktoren: Wer hat Zugang zu ausreichend gesunder Nahrung? Und wer kann sich welche Nahrung leisten? Vielerorts ist das Preisniveau für Getreide und andere Nahrungsmittel geradezu explodiert, weil auch die Benzin- und Energiekosten steigen. Die Inflation in den Projektländern von Fastenaktion ist um einiges höher als in der Schweiz. Wer schon in extremer Armut lebt, kann sich diese Preise schlicht nicht leisten. 

«Die Hungersituation in vielen Ländern gibt weiterhin Anlass zu grosser Sorge»

Immerhin hungern knapp 100 Millionen Menschen weniger als im vergangenen Jahr, rund 700 Millionen insgesamt. Zeichnet sich also eine Verbesserung der Situation ab? 

Nur unwesentlich, die Lage ist immer noch höchst dramatisch. Während der Hunger seit dem Jahr 2000 schrittweise zurück ging, erleben wir seit 2015, dass die Fortschritte stagnieren, respektive sich der Hunger während der Corona-Pandemie nochmals verschärft hat. Erfolge gibt es punktuell, aber die Hungersituation in vielen Ländern gibt weiterhin Anlass zu grosser Sorge. Denn hinter jedem Menschen steht ein persönliches Schicksal. Und Hunger wirkt sich ein Leben lang aus, besonders die Entwicklung von Kindern wird beeinträchtigt. Aber auch Frauen sind stark betroffen: Sie sind es häufig, die verzichten, wenn das Essen nicht für die ganze Familie reicht.  

 

Hätten wir denn grundsätzlich genug Nahrung, um weltweit alle zu ernähren? 

Ja, eigentlich gäbe es genügend Essen für alle Menschen. Neben der grossen Menge Nahrungsmittel, die weggeworfen werden, ist aber insbesondere die Verteilung ungerecht. Sowohl zwischen dem globalen Süden und Norden als auch in den Ländern selbst. Letztlich ist es eine moralisch-ethische Frage, ob wir als globale Gemeinschaft bereit sind, diesen ungerechten Zustand zu verändern oder nicht. 

Die kenianische Bäuerin Faith Wanjiru schneidet eine Frucht, die sie zuvor aus ihrem Garten geerntet hat. Der Welthunger kann durch agrarökologische Anbaumethoden gebremst werden.
Umso mehr Nahrungsmittel eigenhändig produziert werden, desto unabhängiger sind die Menschen von den hohen Marktpreisen.

Du bist auch für das Landesprogramm von Fastenaktion in Kenia verantwortlich. Wie ist dort die Lage? 

Im westlichen Kenia konnten die Bäuerinnen und Bauern ernten, jedoch folgte eine Trockenheit. In der zweiten Anbausaison hat es wieder geregnet. Allerdings waren die Niederschläge so heftig, dass es vielerorts Überschwemmungen gab. Die Menschen im Südosten des Landes warten hingegen immer noch auf Regen. Die Bäuerinnen und Bauern haben keine Bewässerungssysteme und sind der Dürre ausgeliefert. Gleichzeitig spitzt sich in Kenia die Not wegen der allgemeinen Teuerung zu.

«Ein wichtiger Ansatz ist, die Vernetzung unter den Bäuerinnen und Bauern zu fördern»

Was unternimmt Fastenaktion, um dem Hunger dort entgegenzuwirken? 

Wir befähigen Bäuerinnen und Bauern, unabhängig und eigenständig lokale Ernährungssysteme aufzubauen, die unter anderem gegenüber Dürren widerstandsfähiger sind. Der Fachbegriff dafür heisst Agrarökologie und umfasst eine lokal angepasste und umweltschonende Landwirtschaft. Ein wichtiger Ansatz ist, die Vernetzung unter den Bäuerinnen und Bauern zu fördern. Sie schliessen sich in Solidaritätsgruppen zusammen und bestärken sich so gegenseitig. Mittlerweile sind in den kenianischen Projekten von Fastenaktion 545 Solidaritätsgruppen mit knapp zehntausend Mitgliedern aktiv, drei Viertel davon Frauen. Sie können mit agrarökologischen Anbaumethoden ausreichend gesunde Nahrungsmittel für ihre Familien produzieren und ihre Widerstandskraft gegen Klimaveränderungen wie Dürren stärken.  

Die kenianische Bäuerin Faith Wanjiru ist einem Fastenaktion-Projekt aktiv. Klicken Sie hier, um in ihre multimedial erzählte Geschichte «Von der Dürre zur Ernte» einzutauchen.

Die kenianische Bäuerin Faith Wanjiru arbeitet auf ihrem Feld mit agrarökologischen Methoden. Dieser Ansatz ist zentral, um dem Welthunger entgegenzuwirken.
Dank agrarökologischer Anbaumethoden können trotz Dürre ausreichend gesunde Nahrungsmittel produziert werden.

Wir schaffen Hoffnung – helfen Sie uns dabei?

Unterstützen Sie unseren Einsatz für eine gerechte Welt ohne Hunger.

Die Klimaerwärmung trifft die verletzlichsten Gruppen am stärksten, so auch die Bevölkerung in Senegal. Aboubarcry Sall ist Koordinator unseres Projekts Bamtaree-Podor und erzählt, welche Folgen die Klimakrise mit sich bringt und welche Massnahmen getroffen werden.

 

«Verantwortlich für die Dürre und den Wassermangel in der Region Fouta im Norden Senegals ist die Klimaerwärmung, die zu einem massiven Verschwinden von Pflanzen- und Tierarten führt und zu einer immer grösseren Ernährungsunsicherheit der lokalen Bevölkerung und des Viehs beiträgt. Weideflächen und Wasser fehlen. Dies gerade auch, weil wasserintensive Bewässerungskulturen für den Reisanbau mit dem Missbrauch von chemischen Düngemitteln und Pestiziden negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung haben. Die Viehzüchter sind auf der Suche nach Weideland gezwungen, sich für eine lange Zeit weit weg von ihrem angestammten Zuhause zu bewegen. Zieht die ganze Familie mit, wirkt sich das nachteilig auf die Schulbildung der Kinder aus.

Unregelmässiger Niederschlag

Seit mehr als drei Jahrzehnten stellen wir eine zunehmende Unregelmässigkeit des Wetters fest, verbunden mit der Abnahme von Regenfällen. Früher dauerte die Regenzeit von Mai bis Oktober, also sechs Monate mit 400 bis 500 mm Wasser. In den letzten zwanzig Jahren dauerte sie jedoch nur von August bis Oktober, das bedeutet weniger als 250 mm Wasser. Dafür haben wir in regenreichen Jahren mit Überschwemmungen zu kämpfen.

Anpassungen an die Klimaerwärmung

Dennoch sind die Menschen widerstandsfähig. Sie entwickeln gemeinsam Strategien, um sich an die Umstände anzupassen. Um den Zugang zu Wasser zu sichern, bohren sie nach Brunnen und legen Teiche an. Für die Landwirtschaft nutzen sie dürreresistentes lokales Saatgut für den Getreide- und Gemüseanbau auf Familien- oder Gemeinschaftsfeldern. Sie bilden Solidaritätsgruppen, um sich in Zeiten des Mangels gegenseitig unterstützen zu können.»

Der Ansatz der Solidaritätsgruppen stammt aus Senegal, welcher ein zentraler Pfeiler in der Arbeit von Fastenaktion ist. Erfahren Sie hier mehr über die Solidaritätsgruppen.

Die anhaltende Trockenheit lässt Menschen und Tiere in Senegal leiden.
Die anhaltende Trockenheit lässt Menschen und Tiere in Senegal leiden.

Unterstützen Sie die Menschen in Senegal bei ihrem Recht auf Nahrung

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

In Madagaskar zeichnet sich die Klimakrise mit ihren schweren Folgen ab. Abwechselnde Trockenperioden treffen auf übermässige Regenfälle und Wirbelstürme. Dies führt zu Ernteausfällen in der Landwirtschaft, wie unsere Programmkoordinatorin in Madagaskar, Diary Ratsimanarihaja, erklärt.

«Nach drei aufeinanderfolgenden Jahren ohne Regen zogen im Februar 2022 zwei Wirbelstürme (Batsirai und Emnati) über den Süden des Landes hinweg. Im Bezirk Betioky hat es im Februar und März dieses Jahres endlich wieder geregnet. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind froh darüber. Aber die Auswirkungen sind nicht so, wie sie es sich erhofft haben. Die starken Regenfälle, vor allem während der Wirbelstürme, haben Schäden an den Kulturen verursacht. Die wichtigste Kulturpflanze in der Region, der Maniok, bildete keine Knollen aus, und Stecklinge verfaulten aufgrund des übermässigen Wassers. Die Gemüsesamen, die sie während der langen Dürreperiode nicht aussäen konnten, keimten nicht mehr, als sie sie in die Erde brachten. Diese zunehmende Trockenheit ist auf die Klimaerwärmung zurückzuführen. Der Süden Madagaskars hat ein semiarides Klima. Regen fällt dort schon in «normalen Zeiten» spärlich. Nach einer langen Phase des Regenmangels hat sie sich noch nicht erholt. Die diesjährige landwirtschaftliche Produktion ist aufgrund von Problemen mit dem Saatgut noch nicht ausreichend. Bleibt der Regen auch in der nächsten Anbauperiode aus, besteht die Gefahr einer weiteren Hungersnot für die Menschen in der Region.

Solidaritätsgruppen und Agrarökologie als Ansätze

Angesichts dieser Situation ist die Stärkung von Solidaritätsgruppen wichtig, um wieder gemeinsame Ersparnisse anzulegen, um so Notlagen vorzubeugen. Die Vermittlung von nachhaltigen landwirtschaftlichen Anbaumethoden ist ein integraler Bestandteil des Projekts Tsinjo Aina von Fastenaktion. Um die Widerstandsfähigkeit der landwirtschaftlichen Kulturen sowie der Menschen gegenüber der Klimaerwärmung zu verbessern, sind agrarökologische Techniken unsere Verbündeten: Förderung der Diversifizierung und Kombination von Kulturen, um die Schäden durch Schädlinge zu minimieren und eine Vielfalt an Nahrungsmitteln für die Männer und Frauen, die das Land bearbeiten, aber auch für ihre Kinder zu gewährleisten.

Wasser als unabdingbares Gut

Der Ausdruck «Wasser, Quelle des Lebens» ist in dieser Region wirklich gerechtfertigt. Wasser ist eine wertvolle Ressource, die für die Landwirtschaft unerlässlich ist. Dank dem Rano-Aina Projekt verfügen einige Dörfer über Brunnen und Bohrungen, die es den Bewohnern ermöglichen, agrarökologische Techniken in Gemeinschaftsgärten in der Nähe der Pumpen zu erlernen und zu praktizieren. Diese Gärten tragen sowohl zur Nahrungsmittelproduktion als auch zur Saatgutproduktion bei und stellen eine zusätzliche Einkommensquelle für die Mitglieder der Solidaritätsgruppen dar. In mehreren Dörfern sind die Brunnen jedoch veraltet und beschädigt. Die Instandsetzung der Pumpen würde sich enorm auf die Verbesserung der Widerstandsfähigkeit der Bauern und Bäuerinnen auswirken. Sie sind bereit, ihren Teil beizutragen, wie beispielsweise durch die Bereitstellung von Arbeitskräften und die Lieferung von Sand und Kies.»

Seit über 20 Jahren stehen im Mittelpunkt der Arbeit von Fastenaktion und seinen Partnerorganisationen Solidaritätsgruppen. Dank des Ansatzes wird der Hunger nachhaltig und langfristig reduziert. Erfahren Sie hier mehr darüber.

Etahery, Familienvater und Mitglied der Solidaritätsgruppe, hat das verfügbare Regenwasser genutzt, um ein wenig Reis, verschiedene Gemüsesorten und die Mischkulturen Maniok, Mais und Süsskartoffeln anzubauen.
Der Familienvater Etahery ist Mitglied einer Solidaritätsgruppe. Er hat agrarökologische Anbaumethoden angewendet, um verschiedene Gemüsesorten anzubauen.

Unterstützen Sie die Menschen in unseren Madagaskar-Projekten

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Am 18. September versammeln sich die Regierungschefinnen und -chefs aus aller Welt an der Uno in New York zum Gipfel zu den nachhaltigen Entwicklungszielen. Die Halbzeitbilanz der ehrgeizigen Agenda 2030 ist ernüchternd. 

Ein Kommentar von Ralf Kaminski, Fachverantwortlicher Kommunikation bei Fastenaktion 

Die Ziele, die sich die Weltgemeinschaft 2015 setzte, klingen eindrücklich: Bis 2030 sollte es keine extreme Armut und keinen Hunger mehr geben auf der Welt. Der Umgang mit der Umwelt, dem Klima, der Biodiversität sollte sich massiv verbessern. Zugang zu sauberem Trinkwasser, gesunder Ernährung und guter Ausbildung sollte weltweit gewährleistet sein. Die Gleichstellung und der Frieden sollten deutlich vorwärtskommen – und all dies auf der ganzen Welt. 

193 Länder stimmten damals insgesamt 17 ehrgeizigen Nachhaltigkeitszielen zu – den sogenannten SDGs –, doch die Halbzeitbilanz ist ernüchternd: Nur gerade 12 Prozent der 140 messbaren Unterziele sind auf Kurs. 30 Prozent stehen still oder machten gar Rückschritte. Beim Rest gibt’s zwar Fortschritte, aber viel zu langsam. 

Mehr Hunger statt weniger

Hauptverantwortlich für diese Entwicklung sind eine Reihe von Krisen, welche die Weltgemeinschaft seit 2015 stark beschäftigt haben: die Corona-Pandemie, der russische Angriff auf die Ukraine, immer mehr und heftigere Naturkatastrophen wegen der Klimaerwärmung. All dies führte dazu, dass heute nicht weniger, sondern mehr Menschen an Hunger leiden, dass die Armut vielerorts eher zu- als abgenommen hat, dass 2022 so viele Menschen auf der Flucht waren wie noch nie zuvor (siehe Zahlen unten). Hinzu kommen die geopolitischen Spannungen, welche die internationale Zusammenarbeit erschweren, die nötig wäre, um globale Fortschritte zu erreichen. 

Es heisst deshalb Vollgas geben, wenn sich am 18. September die Regierungschefinnen- und chefs aus aller Welt an der Uno in New York versammeln. Sie alle stehen in der Pflicht, die Agenda 2030 voranzubringen. Die Ansätze dafür sind klar – was es braucht, ist entsprechendes Engagement und politischen Willen. 

Die Grafik zeigt, wie viele Fastenaktion-Projekte auf welches Nachhaltigkeitsziel abgestimmt ist.
Die Projekte von Fastenaktion sind auf die Uno-Nachhaltigkeitsziele abgestimmt.

Wir müssen und können mehr tun

Die Schweiz steht auf den ersten Blick nicht so schlecht da: Sie befindet sich auf Rang 15 der Liste, die den Fortschritt der einzelnen Länder auf Basis von Selbsteinschätzungen ausweist. Diese bezieht sich jedoch lediglich auf die Wirkung im Inland. Eine andere Analyse des renommierten Harvard-Ökonomen Jeffrey D. Sachs hingegen misst, welchen Effekt einzelne Staaten auf die Agenda 2030 in anderen Ländern haben. Und dort liegt die Schweiz auf dem traurigen zehntletzten Platz von 166 Nationen – sie wirkt sich insbesondere als globaler Finanz- und Rohstoffhandelsplatz negativ auf die nachhaltige Entwicklung aus. 

Nicht nur müssen und können wir also im Inland mehr tun – dies gilt umso mehr in der Entwicklungszusammenarbeit, um die ärmsten Länder bei ihren Fortschritten zu unterstützen. Stattdessen plant der Bund, ab 2025 Gelder aus dem Budget der Entwicklungszusammenarbeit zur Unterstützung der Ukraine und zur Anpassungshilfe für die Klimaerwärmung einzusetzen. Beides ohne Zweifel wichtige Anliegen. Aber diese Hilfe sollte nicht auf Kosten der Ärmsten dieser Welt gehen, der Bund sollte zusätzliche Mittel dafür zur Verfügung stellen. Für ein Land, das so reich ist wie die Schweiz, sollte das eigentlich selbstverständlich sein.  

Ein Partner von Fastenaktion pflanzt einen Setzling ein.
Die meisten Fastenaktion-Projekte sind auf das 2. SDG-Ziel Hunger beenden ausgerichtet.

Zahlen zur Agenda 2030

193 Länder 
haben sich 2015 im Rahmen der Uno 17 Nachhaltigkeitsziele gesetzt, die bis 2030 erreicht sein sollen.

12 Prozent 
der 140 messbaren Unterziele sind auf Kurs, 50 Prozent zeigen Fortschritte, jedoch zu langsam. 

30 Prozent 
der 140 Unterziele stehen still oder machen Rückschritte gegenüber 2015 

575 Millionen Menschen 
werden 2030 in extremer Armut leben (7 Prozent der Weltbevölkerung), wenn der aktuelle Trend sich fortsetzt. 2015 waren es 800 Millionen (knapp 11 Prozent). Das Ziel wäre Null. 

768 Millionen Menschen 
litten 2021 an Hunger, 2015 waren es 589 Millionen. 2030 werden es rund 670 Millionen sein, 8 Prozent der Weltbevölkerung und gleich viel wie 2015. Besonders betroffen sind das südliche Afrika und Südasien. Das Ziel wäre Null. 

2.2 Milliarden Menschen 
hatten 2022 trotz einiger Fortschritte keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser. Um dies bis 2030 zu beheben, müsste sich das Tempo der Verbesserung mindestens verfünffachen. 

25 Prozent der Menschheit 
lebte 2022 in Regionen mit Konflikten; über 100 Millionen wurden zwangsumgesiedelt, mehr als doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor. 

1 von 251 Menschen 
weltweit war 2022 auf der Flucht, so viele wie noch nie. Entweder wegen Konflikten oder aus wirtschaftlichen Gründen. Seit 2015 wurden 54’127 Todesfälle auf den globalen Migrationsrouten dokumentiert, wobei die Dunkelziffer hoch sein dürfte. 

3 Milliarden Menschen 
werden vermehrt von Hitzewellen, Dürren, Feuern, Überschwemmungen oder Hungersnöten betroffen sein, wenn es nicht gelingt, die Klimaerwärmung bis 2050 auf 1.5 Grad Celsius zu beschränken. Dafür jedoch müssten die CO2-Emissionen bis 2030 halbiert werden, wovon die Welt weit entfernt ist. 

286 Jahre 
wird es noch dauern, bis Geschlechtergerechtigkeit in der globalen Gesetzgebung erreicht ist, wenn der aktuelle Trend sich fortsetzt.  

 

Quelle: Bericht des UN Economic and Social Council an die Generalversammlung 
SDG_Progress_Report_Special_Edition_2023_ADVANCE_UNEDITED_VERSION.pdf 
The SDG Report 2023: Special Edition – YouTube 

Unterstützen Sie unsere Arbeit für eine Welt ohne Hunger

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Unsere Kollegin Daria Lepori ist vor kurzem aus Kolumbien zurückgekehrt. Sie besuchte Fastenaktion-Projekte, die eine nachhaltige Landwirtschaft fördern, und hat daran beteiligte Personen getroffen. Hier erzählt sie, was sie besonders beeindruckt hat.

Ein Interview mit Daria Lepori, Sensibilisierung und Ökumenische Kampagne in der italienischen Schweiz

Unter welchen Bedingungen leben die Menschen, die du besucht hast?

Sie leben wirklich bescheiden. Unter anderem haben wir zwei Bauernhöfe in Morales besucht, im Departement Cauca im Westen Kolumbiens. Dort bauen etwa neun von zehn Menschen Kokapflanzen an. Dies ist nicht nur illegal, sondern wegen der vielen verwendeten Düngemittel und Pestizide auch umweltschädlich. Politisch möchte man diesen Anbau unterbinden, doch der Verzicht auf den Kokaanbau erfordert Mut und Entschlossenheit von den Bauernfamilien. Für eine Umstellung auf eine nachhaltige Landwirtschaft zur Selbstversorgung braucht es zudem Unterstützung von aussen, wie sie unser Programm in diesem Land bietet. Heute ist der Kokaanbau für viele die einzige Einkommensquelle, und es gibt erheblichen Druck durch die Drogenhändler. Ausserdem sind viele Bauernfamilien verschuldet, denn die verwendeten Düngemittel sind sehr teuer, und die Geldverleiher verlangen für ihre Kredite hohen Zinsen, die sie jeden Tag zurückzahlen müssen – ein System, das «gota a gota» (Tropfen für Tropfen) genannt wird.


Wie engagiert sich unsere Partnerorganisation vor Ort?

Die Organisation Semillas de Agua betreibt Projekte in verschiedenen Departementen Kolumbiens und beschäftigt sich vor allem mit der Bodensanierung. Ihr Leiter David Diaz, ein ausgebildeter Agronom, vermittelt den Bauernfamilien die Bedeutung eines fruchtbaren Bodens, der Qualitätsprodukte für eine gesunde Ernährung und ein gesundes Leben hervorbringt. Er bringt ihnen bei, wie man mit agrarökologischen Methoden durch Pestizide vergiftete Böden in fruchtbare, produktive Böden verwandelt, die auch CO2 binden können. In Kolumbien ist der Boden eine stetige Quelle von Konflikten: Die einen wollen ihn für die Gewinnung von Rohstoffen ausbeuten, die anderen für den Anbau von Kokapflanzen nutzen.


Was hat
dich an den Menschen besonders beeindruckt, die an den von Fastenaktion unterstützten Projekten teilnehmen?

Ihre Entschlossenheit und ihr Enthusiasmus. Umso mehr sie durch den Entscheid für ein anderes Leben hohem psychologischen Druck ausgesetzt sind, wo doch alle um sie herum weiterhin Koka anbauen. Doch der Ansatz von Fastenaktion dort verändert ihr Leben wirklich zum Besseren. Inzwischen können die Projektteilnehmenden viele selbst produzierte Lebensmittel wie Kaffee oder Papayas für sich nutzen. 

Zwei Begünstigte aus einem Projekt in Kolumbien zeigen zufrieden ihren Garten.
Während der Projektreise besuchte Daria Lepori Begünstigte der Projekte.

Wie wirkt sich das Projekt sonst noch auf das Leben der Beteiligten aus?

Sie lernen, einen kritischen Blick auf das zu werfen, was bisher getan wurde, und erkennen die positiven Auswirkungen einer anderen Landwirtschaft für die Menschen und die Umwelt. Ein junger Landwirt berichtete, dass sich dank der agrarökologischen Landwirtschaft nicht nur seine Ernteerträge erhöht haben, sondern sich durch die gesündere Ernährung auch der Gesundheitszustand seines kranken Vaters verbessert hat. Die Menschen lernen zudem, mit weniger Holz zu kochen und Fische in Teichen zu züchten, die mit Hilfe solarbetriebener Pumpen mit Wasser aus nahegelegenen Bächen gespeist werden. Dies bereichert einerseits ihre Ernährung, andererseits können sie die Fische, die sich nicht selbst essen, auf dem Markt verkaufen, so dass sie ein kleines Einkommen haben. Und die Fische werden in solarbetriebenen Kühlschränken gelagert.


Gibt es etwas, das dich besonders beeindruckt hat?

Was ich überall besonders stark wahrgenommen habe, ist die Einheit zwischen Menschen, Land und Umwelt – wenn man so will der Ort, an dem sich Mensch und Gott treffen. Man kann die Mutter Erde wirklich wahrnehmen, die zum Beispiel den Kaffee nährt und produziert, den ich seit Jahren trinke und nie habe wachsen sehen. Allerdings sind mir bei den Besuchen anderer Projekte auch die tiefen Wunden aufgefallen, die die Jahre des Bürgerkriegs bei der Bevölkerung hinterlassen haben, mit Zwangsumsiedlungen, Morden und dem Verschwinden von Menschen.

Fastenaktion setzt sich in Kolumbien für das Recht auf Nahrung der Bevölkerung ein. Eine nachhaltige Landwirtschaft spielt dabei eine zentrale Rolle. Erfahren Sie hier mehr über das Landesprogramm in Kolumbien.

Ein Fischteich, der im Rahmen eines Fastenaktion-Projekts entstanden ist und die Ernährungssicherheit erhöht.
In den Projekten werden unter anderem Fischteiche angelegt, die Ernährungssicherheit schaffen.

Unterstützen Sie die Menschen in Kolumbien in ihrem Recht auf Nahrung

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Im zentralamerikanischen Guatemala hat am Sonntag ein Hoffnungsträger überraschend klar die Präsidentschaftswahlen gewonnen: Bernardo Arévalo vom Movimiento Semilla erhielt im zweiten Wahlgang 58 Prozent der Stimmen. Es hätte auch anders kommen können. 

Ein Kommentar von Philippa Mund, Verantwortliche für Gender und das Landesprogramm Guatemala

Dass die regierende Elite Bernardo Arévalo überhaupt zur Wahl zugelassen hat, war eine Überraschung. Ebenso, dass sie ihn vor dem zweiten Wahlgang nicht noch irgendwie ausmanövrierte. Schon in den Monaten vor dem ersten Wahlgang im Juni begann die Manipulation: Das oberste Wahlgericht liess viele Kandidaturen zur Präsidentschaftswahl gar nicht erst zu. 

Aussichtsreiche Kandidierende durften nicht antreten 

Ausgeschlossen wurde zum Beispiel Thelma Cabrera mit ihrem Vizekandidaten Jordan Rodas Andrade. Die indigene Menschenrechtsverteidigerin aus dem Volk der Maya Mam gehört der Bäuer:innenorganisation Codeca an, eine Partnerorganisation von Fastenaktion. Der mit ihr nominierte Vizekandidat ist ehemaliger Menschenrechtsombudsmann und lebt derzeit aus Angst um sein Leben im Ausland – wie viele andere Justizbeamt:innen, die sich mit der korrupten Machtelite angelegt haben. Diese Elite stufte die Wahlchancen des Duos als so aussichtsreich ein, dass sie gar nicht erst antreten durften. 

Sieg für das Movimiento Semilla

Bernardo Arévalo wurde wohl nicht als Gefahr eingeschätzt und zur Wahl zugelassen. Im ersten Wahlgang erreichte er mit 11,8 Prozent der Stimmen den zweiten Platz, hinter der Kandidatin der Elite, Sandra Torres, mit 15,8 Prozent. Wobei mehr als 17 Prozent der Wahlberechtigten ein Voto Nulo – eine leere Stimme – abgegeben hatten und damit ihre Frustration über das herrschende System zum Ausdruck brachten. Dass Arévalo nun so überzeugend gewonnen hat, weckt Hoffnung. Doch es bleibt leider viel Zeit für weitere Manipulationen bis zu seiner Vereidigung im Januar, und das oberste Wahlgericht hat die Wahlergebnisse bisher nicht offizialisiert. Trotzdem sagt Inés Pérez, die Programmkoordinatorin von Fastenaktion: «Am Sonntag hat keine Partei gewonnen, Guatemala hat gewonnen.» Die Freude im Land über diesen Sieg des Volkes ist gross. In den Städten wurde am Sonntagabend getanzt und gefeiert – eine Euphorie, die so schon lange nicht mehr spürbar war. 

Das Recht auf Nahrung soll Realität werden 

Gemäss Unicef hat Guatemala weltweit die vierthöchste Rate an unterernährten Kindern. Deswegen setzen sich die Partnerorganisationen von Fastenaktion unermüdlich für das Recht auf Nahrung ein. Arévalos Partei Semilla ging 2014 unter anderem aus dem Protest gegen das sogenannte Monsanto-Gesetz hervor, das traditionelles Saatgut kriminalisiert hätte. Die breite Bevölkerung fühlt sich auch deshalb mit Semilla verbunden. Und der neu gewählte Präsident sagte in einem Interview mit CNN, dass seine Regierung alle Völker Guatemalas repräsentieren wolle: Mayas, Xinkas, Garifunas und Ladinos. Es liegen grosse Herausforderungen vor Arévalo, aber es gibt eine gemeinsame Vision – und seit langem wieder echte Hoffnung. 

Das zentrale Problem der armen Bevölkerung in Guatemala ist die Ernährung. Trockenheit, Wirbelstürme und Vulkanausbrüche erschweren den Anbau von Gemüse, Mais oder Kaffee. Deshalb unterstützt Fastenaktion in den Projekten eine widerstandsfähige und umweltschonende Landwirtschaft. Erfahren Sie hier mehr über das Landesprogramm in Guatemala.

Portrait von Bernardo Arévalo, dem Gewinner der Präsidentschaftswahlen.
Der Sozialdemokrat Bernardo Arévalo gewann überraschend die Präsidentschaftswahlen.

Unterstützen Sie unser Landesprogramm in Guatemala

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Über 40 Prozent der weltweiten Reisexporte stammen aus Indien. Das von der Regierung im Juli verhängte Reisausfuhrverbot macht die Situation für arme Länder wie Nepal oder Senegal noch prekärer. Sie litten schon zuvor unter stark gestiegenen Preisen für Grundnahrungsmittel. 

Wegen verspätetem oder zu heftigem Monsunregen erwartet Indien dieses Jahr eine schlechte Reiseernte. Die Regierung hat deshalb am 20. Juli beschlossen, bestimmte Reissorten nicht mehr zu exportieren, um die schon zuvor gestiegenen Preise im Land zu stabilisieren. Der Entscheid ist vor allem innenpolitisch begründet, um die vielen Armen wohlwollend zu stimmen, die bei den anstehenden Wahlen 2024 eine wichtige Rolle spielen. 

Reispreise nun noch höher 

Reis ist ein Grundnahrungsmittel für mehr als drei Milliarden Menschen. 2022 exportierte Indien über zehn Millionen Tonnen von den vom Ausfuhrverbot betroffenen Reissorten – insbesondere an afrikanische Länder wie Benin, Senegal, Elfenbeinküste und Togo, aber auch an Nachbarstaaten wie China, Bangladesch oder Nepal. Für die ärmere Bevölkerung dieser Länder, die wegen unberechenbaren Wetterextremen und dem russischen Angriff auf die Ukraine ohnehin schon mit höheren Preisen für Grundnahrungsmittel konfrontiert ist, wird die Lage nun noch prekärer. 

Nepal etwa ist nach Benin der zweitgrösste Importeur dieser indischen Reissorten und leidet dieses Jahr zudem wegen unzuverlässiger Regenfälle unter Ernteausfällen – die Reispreise sind deswegen bereits gestiegen.

Eine trägt einen 30 Kilogramm schweren Reisbeutel auf ihrer Schulter.
Nepal ist stark vom Import indischer Reissorten abhängig.

Hoffnung kommt auf 

«Es zeichnet sich jedoch ab, dass sich Nepal durch Verhandlungen mit Indien mindestens einen Teil der üblichen Exporte auch für dieses Jahr sichern kann», sagt Samrat Katwal, der die Ernährungsprojekte von Fastenaktion in Nepal koordiniert. Somit bestehe Hoffnung, dass das Exportverbot die Lage nicht allzu sehr verschärfe. 

Dennoch bleibt die Ernährungssituation für viele Menschen in ärmeren Verhältnissen schwierig. «Bei höheren Preisen müssen sie sich weiter verschulden und verstärken so ihre Abhängigkeit. Dies stützt die bestehenden Machtstrukturen, die die Schwächsten der Gesellschaft in einem Teufelskreis der Armut gefangen halten.» 

Agrarökologie ist Teil der Lösung 

Dagegen hilft unter anderem eine Umstellung der Landwirtschaft nach den Grundlagen der Agrarökologie, wie sie Fastenaktion in Nepal, Senegal und weiteren Projektländern unterstützt. Dabei handelt es sich um eine lokal angepasste und umweltschonende Landwirtschaft, die zudem die Widerstandskraft gegenüber den Folgen der Klimaerwärmung erhöht. «Mögliche Antworten auf diese schwierigen Zeiten finden sich in traditionellen landwirtschaftlichen Praktiken», sagt Samrat Katwal. «In den Weisheiten der Ahnen liegt grosses Potenzial, heutige Probleme anzugehen.»  

Die Partnerorganisationen von Fastenaktion in Asien, Afrika und Lateinamerika setzen sich für agrarökologische Ansätze ein. Erfahren Sie hier mehr über das Thema.

Ein agrarökologisches Feld in einem nepalesischen Dorf.
Fastenaktion setzt in Projekten auf eine lokal angepasste und umweltschonende Landwirtschaft, um den Hunger langfristig zu vermindern.

Unterstützen Sie Menschen in ihrem Recht auf Nahrung

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Maman Danga Esambo ist Mutter von sieben Kindern. Zusammen mit anderen Frauen hat sie eine Solidaritätsgruppe gegründet. 

«Ich bin Vorsitzende des Vereins Anawedja, was so viel wie Die Ausländerinnen bedeutet. Wir bewirtschaften gemeinsam Reis und Erdnussfelder. Im April und Mai ernten wir den Reis. Einen Teil lagern wir für den Verbrauch ein, ein Teil wird verkauft, und der Rest wird als Saatgut an die Mitglieder unseres Vereins weitergegeben, damit sie dieses auf ihren eigenen Feldern aussäen können. In der darauffolgenden Saison bauen wir Erdnüsse an. Von dieser Ernte verkaufen wir einen Teil, um mit dem Ertrag die Schuluniformen für unsere Kinder zu kaufen. Die Kinder brauchen ausserdem Armmanschetten und Bücher.

Wir Frauen kaufen von diesem Geld auch Hacken für die Feldarbeit, ausserdem Dinge des täglichen Bedarfs für unsere Familien.

Zudem schaffen wir uns Jungtiere für die Zucht an, um unsere landwirtschaftliche Produktion zu erweitern. Ein Teil der Einnahmen fliesst in die Solidaritätskasse. Zudem führen wir regelmässige Treffen durch, bei denen jedes Mitglied seine Beiträge für die Solidaritätsgruppe entrichtet. Doch nicht alle zahlen gleich viel ein. Einige zahlen nie. Das macht es für uns wiederum schwierig, sie zu unterstützen, wenn sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Wir Bäuerinnen brauchen die Unterstützung der Politik, denn wir wollen uns weiterentwickeln.

Wir brauchen Schulungen in der modernen landwirtschaftlichen Praxis. Wir möchten verschiedene Früchte und Gemüse anpflanzen, damit wir unsere Produktion variieren und ausbauen können.»

Seit über 20 Jahren stehen im Mittelpunkt der Arbeit von Fastenaktion und seinen Partnerorganisationen Solidaritätsgruppen. Dank des Ansatzes wird der Hunger nachhaltig und langfristig reduziert. Erfahren Sie hier mehr darüber.

Maman Danga Esambo steht vor einer Wand. Sie ist Mutter von sieben Kindern. Zusammen mit anderen Frauen hat sie eine Solidaritätsgruppe gegründet.
Danga Esambo bewirtschaftet mit anderen Frauen Felder. Ein Teil des Erlöses aus der Ernte fliesst in die Solidaritätsgruppe.

Unterstützen Sie unser Landesprogramm in der Demokratischen Republik Kongo

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Im Jahr 2022 profitierten rund 2.5 Millionen Menschen von der Arbeit von Fastenaktion. Zusammen mit den Partnerorganisationen in den Projektländern sicherte Fastenaktion Zugang zu Nahrung und Saatgut. Die Folgen der Klimakrise und des Ukrainekriegs waren massgebende Faktoren für die Arbeit von Fastenaktion. Klimachaos, Terror und Hunger führten dazu, dass Fastenaktion neben der langfristigen Hilfe auch Nothilfe geleistet hat.

Im vergangenen Jahr verbesserte Fastenaktion die Lebensumstände von rund 624‘000 Menschen direkt, dies durch ihre Aktivitäten in zwölf Landesprogrammen und den drei Internationalen Programmen. Insgesamt bedeutet das für 2.5 Millionen Menschen eine Verbesserung ihrer Lebensumstände – 58 Prozent davon sind Frauen. Gemeinsam mit kleinbäuerlichen Netzwerken, Solidaritätsgruppen, kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen setzte Fastenaktion 338 Projekte um. Im Fokus der Arbeit stand der Zugang zu genügend und gesunder Nahrung. Dies erreichte Fastenaktion durch die Vermittlung von nachhaltigen Anbaumethoden und die Stärkung von Dorfgemeinschaften. Die Förderung des lokalen Zugangs zu Nahrung und Saatgut war umso dringlicher, da aufgrund des Krieges in der Ukraine und die Verknappung von Getreide, die Preise für Grundnahrungsmittel in vielen Projektländern massiv anstiegen. Dies führte dazu, dass in einigen Projekten von Fastenaktion Nothilfe-Massnahmen getroffen wurden.

Innovatives Projekt im Kampf gegen den Hunger

Fastenaktion lancierte 2022 ein mehrjähriges Projekt zur Förderung der Menschenrechte in Ernährungssystemen: Das Projekt mit dem Namen «Raise» hat zum Ziel, die UNO-Deklaration für die Rechte der Bäuerinnen und Bauern und Personen im ländlichen Raum (UNDROP) umzusetzen. Zudem soll dadurch die lokal angepasste und agrarökologische Landwirtschaft gefördert und die Versorgung mit Nahrungsmitteln im ländlichen Raum nachhaltig gestärkt werden. Das Projekt wird unter anderem von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) finanziert.

9 von 10 Franken fliessen direkt in die Projekte

Den Ausgaben von 22‘951‘715 Franken standen Einnahmen von insgesamt 23‘968‘947 Franken gegenüber. 86 Prozent der Einnahmen wurden direkt für die Projektarbeit eingesetzt.

Kampagne zu erneuerbaren Energien – überschattet durch den Krieg

Im Jahr 2022 stand die Ökumenische Kampagne zum zweiten Mal unter dem Motto «Klimagerechtigkeit – jetzt». Die Kampagne legte den Fokus auf die Wichtigkeit und die Notwendigkeit von erneuerbaren Energien. Denn aus ethischer Sicht hätte die Schweiz bereits ab dem 15. März 2022 kein CO2 mehr ausstossen dürfen. Die Ökumenische Kampagne ist die wichtigste Sammlungs- und Sensibilisierungskampagne von Fastenaktion. Doch der Angriff Russlands auf die Ukraine überschattete die Kampagne.

Neues wegweisendes Leitbild

Nach rund 25 Jahren erneuerte Fastenaktion ihr Leitbild. Der zentrale Gedanke des neuen Leitbildes: Eine gerechte Welt ohne Hunger und ein Leben in Würde. Es lohnt sich, dafür einzustehen. Das Recht auf Nahrung für alle und ein Leben und Wirtschaften innerhalb planetarer Grenzen – Grundsätze der Arbeit von Fastenaktion – sind ebenfalls Bestandteile des Leitbilds.

Ausblick 2023

Nebst dem Krieg in der Ukraine sind Gewalt und Terror in vielen Ländern, in denen Fastenaktion tätig ist, an der Tagesordnung. Die Projektländer von Fastenaktion sind zudem stark von den Folgen der Klimakrise betroffen. Zunehmende Armut und steigende Nahrungsunsicherheit sind die Folgen – Hungerkrisen sind unausweichlich. Mit den Partnerorganisationen und dem Konzept der Hilfe zur Selbsthilfe unternimmt Fastenaktion alles, um dagegen zu halten.

Bereits in früheren Hungerkrisen zeigte sich die Wirkung des von Fastenaktion gewählten Ansatzes. Menschen können dank eigenem, lokal angepasstem Saatgut und Anbaumethoden ihre Nahrung produzieren, somit Hunger reduzieren und ihre Lebensumstände verbessern. 2023 ist für die Schweiz in Bezug auf die Klimagerechtigkeit wegweisend. Die Schweiz muss endlich Verantwortung in Bezug auf die Klimakrise übernehmen. Denn die, die am stärksten unter den Folgen der Klimakrise leiden, sind die Menschen in den ärmsten Ländern der Welt, die am wenigsten zur Krise beigetragen haben. Klimakrise bedeutet Hunger! Ein Ja am 18. Juni zum Klimaschutzgesetz ist ein Schritt zu mehr Klimagerechtigkeit, ein Schritt zu weniger Hunger auf dieser Welt.

Den Fastenaktion-Jahresbericht 2022 finden Sie hier.

Weitere Auskünfte zum Jahresbericht und der Arbeit von Fastenaktion: Bernd Nilles, Geschäftsleiter Fastenaktion (041 227 59 71)

Unterstützen Sie Menschen in ihrem Recht auf Nahrung

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Donatien Mulumba lebt in Sankuru, einer Region in der Demokratischen Republik Kongo. Nachdem die Kautschukfirma in der Donatien arbeitete Konkurs ging, entschloss er sich mit anderen Menschen aus dem Dorf fortan gemeinsam Feldarbeit zu betreiben – für eine bessere Zukunft. 

«Mein Name ist Donatien Mulumba Ngalambidi. Hier im Dorf Kutusongo war ich früher Arbeiter in einer Kautschukfabrik. Doch als sie Konkurs ging, haben wir alle unsere Arbeit verloren. Glücklicherweise habe ich mich einer Partnerorganisation von Fastenaktion angeschlossen und unser Projekt nimmt nun langsam Fahrt auf. Unsere Gruppe nennen wir Association Emongo und ich bin seit drei Jahren ihr Vorsitzender. Ich habe an der Universität studiert und einen Abschluss in Erziehungswissenschaft an der Fakultät für Psychologie erlangt. In unserem Verein sind wir 32 Personen. Jeden Morgen gehen wir auf unser Feld. Erst jäten wir Unkraut und dann bepflanzen wir die Beete. Wir bauen Reis, Mais, Kürbisse und Erdnüsse an, um unsere Familien zu ernähren und einen Teil der Produktion zu verkaufen. Wir hoffen, dass dies die Entwicklung unseres Dorfes vorantreiben wird.  

Es ist wichtig, dass wir die Landwirtschaft gemeinsam betreiben. So können wir uns gegenseitig helfen und unsere gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation verbessern. Wenn wir Überschüsse verkaufen, können wir das Geld untereinander aufteilen, damit alle Mitglieder ihre dringendsten Bedürfnisse befriedigen können. Dazu gehören der Kauf von Saatgut, das Schulgeld für die Kinder oder die medizinische Notversorgung im Krankheitsfall. Wir würden gerne lernen, wie wir lokal angepasstes Saatgut vermehren und damit arbeiten können. Und wir möchten weitere Felder im Wald zwischen den Bäumen anlegen, damit die Setzlinge vor der Sonne geschützt sind. Unsere Gemeinschaft hat zum Ziel, wirtschaftlich unabhängig zu werden 

Früher hat jede Person im Dorf für sich allein gearbeitet, heute arbeiten wir zusammen, um gemeinsam zu produzieren und auch gemeinsam zu ernten. Das geht besser und ist einfacher. Zusammen können wir bis zu 2 000 Reisballen produzierenallein wäre dies nicht möglich.  

Donatien Mulumba steht im Eingang seiner Hütte.
Donatien Mulumba Ngalambidi ist Vorsitzender der Association Emongo.

Im Verein können wir gemeinsam grössere Mengen produzieren und damit auch genügend Geld erwirtschaften. Bisher haben wir noch nicht mit dem Verkauf unserer Produkte begonnen, aber wir werden Käufer:innen finden und den Gewinn aus unserer gemeinsamen Arbeit teilen oder unsere Einnahmen in andere Projekte investieren. Wir würden gerne einen Fischteich anlegen und Wasserhühner züchten. Wir entwickeln unsere Tätigkeiten stets weiter, so haben wir gerade gestern ein zusätzliches Erdnusslager eingerichtet. Denn Reis- und Erdnusssamen können nicht miteinander gelagert werden. Deshalb bewahren wir jedes Saatgut separat an seinem richtigen Platz auf.» 

Die Demokratische Republik Kongo ist reich an natürlichen Ressourcen. Trotzdem lebt über die Hälfte der Bevölkerung in extremer Armut. In den Projekten von Fastenaktion lernen Familien verbesserte Anbautechniken kennen. Mit organischer Düngung und einer sinnvollen Fruchtfolge wird die Bodenfruchtbarkeit erhalten und die Produktion erhöht. Erfahren Sie hier mehr über das Landesprogramm in der Demokratischen Republik Kongo.

Frisch geerntete Reisähren auf dem Feld.
Einige frisch geerntete Reisähren der Gruppe.

Unterstützen Sie unser Landesprogramm in der Demokratischen Republik Kongo

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Ein von Fastenaktion in Auftrag gegebener Bericht in Südafrika zeigt die verheerenden Auswirkungen des Bergbaus auf Frauen und Männer. In der Studie wurde untersucht, welchen Einfluss Kohleminen auf die Bevölkerung um die Minen haben. Dabei interessierte insbesondere die Frage, wie das Leben je nach Geschlecht unterschiedlich beeinflusst wird.

Ein Text von Philippa Mund, Verantwortliche für Gender und das Landesprogramm Guatemala

Die Studie wurde von der Soziologin Asanda-Jonas Benya von der Universität Kapstadt und Gastdozentin am Graduate Institute in Genf durchgeführt. Dazu besuchte sie verschiedene Gemeinden in Südafrika, die von Kohleabbauaktivitäten betroffen sind, zu denen unsere Partnerorganisationen arbeiten. Sie sprach mit Direktbetroffenen und wertete die Interviews aus.

Frauen sind existenziell betroffen

Der Bericht zeigt, dass die negativen und lebensfeindlichen Auswirkungen der Minentätigkeit vielfältig sind. Der Staub des Kohleabbaus breitet sich überall aus und legt seinen grauen Schleier über Land, Pflanzen, Tiere und Häuser. Vor allem Frauen – darunter viele Grossmütter – pflanzen traditionell in Küchengärten Gemüse für den täglichen Bedarf an. Durch den Minenstaub gehen die Ernten zurück, das Vieh verendet. Den Menschen, die zuvor selbstversorgend waren, wird damit ihre Lebensgrundlage genommen und die Armut steigt massiv an. Frauen sind hiervon stärker betroffen, da es meist sie sind, die sich um die Nahrungsversorgung und -zubereitung für die Familie kümmern.

Mama Moya, Anwohnerin einer Mine, schildert die schlimmen Folgen der Mine folgendermassen:

«Wir müssen alles bedecken – das Essen, Wasser, die Möbel, einfach alles. Denn wenn wir es nicht tun, wird alles schwarz, sobald der Wind aus Richtung der Mine bläst. […] Unser Wasser ist verschmutzt. Wenn du den Hahn öffnest, kommt schwarzes Wasser. Wir essen und trinken faktisch Kohle und wir werden krank. Auch die Kinder werden krank. Wir brauchen öfter Medikamente für sie, müssen häufiger zum Arzt mit ihnen. Das alles kostet – wir müssen mehr Geld ausgeben. Wir können nicht einmal unsere traditionellen Heilpflanzen nutzen – denn sie sind mit Kohlestaub bedeckt. Nichts wächst mehr, der Staub tötet alle Pflanzen.»  

Der Kohlestaub bedeckt die Pflanzen und löst einen Rückgang der Ernte aus.
Der Kohlestaub bedeckt die Pflanzen und löst einen Rückgang der Ernte aus.

Verbindliche Gesetze notwendig

Die Arbeitslast für Frauen vermehrt sich, denn sie müssen wieder und wieder ihr zu Hause von Staub befreien. Sie essen und trinken den Staub täglich. Die Umsetzung des Rechts auf gesunde Nahrung ist in weiter Ferne. Arbeitsplätze werden für die lokale Bevölkerung hingegen fast keine geschaffen, da primär Wanderarbeiter (in geringem Masse auch Wanderarbeiterinnen) von den Minen angestellt werden.

Der Bericht zeigt die verheerenden Auswirkungen des Bergbaus auf Frauen und Männer. Umso wichtiger sind verbindliche Gesetze, die multinationale Konzerne in die Verantwortung nehmen – zum Beispiel auch Glencore als einer der grössten Kohleproduzenten weltweit.

Die komplette Studie (Englisch) finden Sie hier.

Asanda-Jonas Benya berichtet hier in einem Beitrag von Alliance Sud über Folgen des südafrikanischen Bergbaus. 

In unseren Programmen sollen sich Menschen unabhängig vom Geschlecht selbst befähigen, ihre Interessen zu verfolgen und ihre spezifischen Rechte einzufordern. Die Gender-Arbeit muss sich daher immer auch mit der Vergabe von Ressourcen und der Umverteilung von Macht befassen. Und im Idealfall löst Geschlechtergerechtigkeit in den Fastenaktions-Programmen auch einen gesellschaftlichen Veränderungsprozess aus.

Das Wasser in der Nähe der Kohleminen ist verschmutzt und giftig.
Das Wasser in der Nähe der Kohleminen ist verschmutzt und giftig.

Unterstützen Sie unseren Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Für Bauern, Bäuerinnen und Landarbeiter:innen ist heute ein besonderer Tag. Am 17. April ist der weltweite Tag des bäuerlichen Widerstands. Es geht um ihre Anerkennung als Nahrungsmittelproduzierende und um den Schutz ihrer Rechte und Lebensgrundlagen.

Ein Kommentar von Claudia Fuhrer, Verantwortliche Ernährungsgerechtigkeit / Recht auf Nahrung bei Fastenaktion

Im Vergleich zu 2021 hat die Anzahl der weltweit hungernden Menschen infolge Klimakrise, Konflikten und Covid-Pandemie von 811 auf 828 Millionen Menschen zugenommen. Von Anfang 2020 bis Mitte 2022 hat sich gemäss Welternährungsprogramm die Zahl der Menschen, die unter akutem Hunger leiden gar auf 345 Millionen verdoppelt.

Kleinbäuerliche Familien von Hunger betroffen

Obwohl Kleinbäuerinnen und -bauern rund 70 Prozent der weltweiten Nahrungsmittel produzieren, sind die Hälfte von ihnen selbst von Hunger betroffen. Ihr Zugang zu Land, Wasser und Saatgut ist bedroht. Sie erfahren Ausgrenzung und Gewalt durch die eigenen Regierungen und Agrarkonzerne. Am Internationalen Tag des bäuerlichen Widerstandes machen Bäuerinnen und Bauern mit weltweiten Aktionen auf ihre Situation aufmerksam, fordern Anerkennung ihrer Rechte und Solidarität.

Fastenaktion unterstützt die Kleinbäuer:innen

Die Zusammenarbeit mit Kleinbauern und -bäuerinnen ist zentraler Bestandteil der Arbeit von Fastenaktion. In zwölf Ländern unterstützt Fastenaktion Projekte, welche eine nachhaltige und sozialgerechte Landwirtschaft fördern und zur Verwirklichung der bäuerlichen Rechte beitragen.

Fastenaktion unterstützt gezielt Kleinbäuer:innen, so auch in Guatemala.
Fastenaktion unterstützt gezielt Kleinbäuer:innen, so auch in Guatemala.

Solidaritätsgruppen zeigen Wirkung

Ein Ansatz mit dem Fastenaktion arbeitet sind Solidaritätsgruppen. Diese ermöglichen Kleinbäuer:innen, sich untereinander zinslose Darlehen zu geben und sich gegenseitig bei der Feldarbeit und beim Verkauf der überschüssigen Ernte zu helfen. Inzwischen sind unter anderem in Madagaskar, Senegal, Indien und Kenia tausende von Bauern und Bäuerinnen in selbstständigen Solidaritätsgruppen aktiv und setzen Impulse für wichtige gesellschaftliche Veränderungen.

Rechte müssen durchgesetzt werden

Zudem setzt sich Fastenaktion zusammen mit den Partnerorganisationen des Internationalen Programms «Ernährungsgerechtigkeit» und dem Projekt RAISE für die Verwirklichung der UN-Bauernrechtsdeklaration in zehn Ländern und auf internationaler Ebene ein. So kann gemeinsam der Hunger beendet werden.

Wir setzen uns für die Umsetzung der UN-Bauernrechtsdeklaration ein, um Hunger nachhaltig zu beenden.
Wir setzen uns für die Umsetzung der UN-Bauernrechtsdeklaration ein, um Hunger nachhaltig zu beenden.

Unterstützen Sie Menschen in ihrem Recht auf Nahrung

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Am 8. März ist der internationale Frauentag! In den Projekten von Fastenaktion ist Geschlechtergerechtigkeit ein zentraler Handlungsansatz. Zwei Projekte aus Burkina Faso veranschaulichen auf eindrückliche Weise, wie erfolgreiche Gender-Arbeit über reine Frauenförderung hinausgeht.

Ein Text von Romana Büchel, Fachverantwortliche Gender, Religion & Kultur und Natacha Compaore, Koordinatorin des Landesprogramms Burkina Faso bei Fastenaktion

Gemeinsame Feldarbeit führt zum Erfolg

Seit einigen Jahren arbeitet Fastenaktion mit der Frauenorganisation Lougouzéna in Zentral-Burkina Faso zusammen. Mehr als 1‘500 Frauen sind in Frauengruppen organisiert. Die Gruppen haben das Ziel, durch sozioökonomische Aktivitäten die Lebensbedingungen ihrer Familien zu verbessern. Dies geschieht unter anderem durch die Herstellung und Vermarktung von Karitébutter und dem beliebten Sumbala-Gewürz. Gleichzeitig stärkt Lougouzéna durch nachhaltige landwirtschaftliche Techniken die Ernährungssicherheit. Dafür stellen die Frauen beispielsweise selbst organischen Dünger her, der die Fruchtbarkeit des Bodens erhöht und die Pflanzen widerstandsfähiger gegenüber der Klimaerwärmung macht.

Die Arbeit in den Projekten hat gezeigt, dass die Frauen zwar durch die Ausbildungen gestärkt werden, sie aber nicht alle körperlichen Arbeiten effizient durchführen können – was wiederum ihr erworbenes Wissen unnütz macht. Im Jahr 2022 wurde daher das Projekt überarbeitet und seitdem werden auch Männer in die Aktivitäten miteinbezogen. Sie unterstützen die Frauen bei schweren Arbeiten wie der Herstellung von Kompost und der Bewirtschaftung der Felder der Gruppen. Dies ist eine logische Erweiterung des Projekts, denn bereits im Alltag werden die Familienfelder gemeinsam bearbeitet. Die Verantwortlichen von Lougouzéna haben realisiert, dass nur das Zusammenwirken der Geschlechter ein Projekt zum Erfolg führen kann.

Die Herstellung und der Verkauf von Karitébutter ist eine wichtige Einkommensquelle der Frauen.

Zugang zu Land unabhängig vom Geschlecht

ADIF, eine weitere Frauenorganisation, arbeitet im nördlichen Zentrum von Burkina Faso in der Gemeinde Bourzanga ebenfalls mit Frauengruppen. In dieser stark patriarchal geprägten Gesellschaft erben die Söhne das Land ihrer Väter. Die Mädchen und Frauen gehen hingegen leer aus und sind lediglich Arbeitskräfte auf den Feldern des Vaters resp. später des Ehemannes. In einer ersten Projektphase erlernten die Frauen, ihre landwirtschaftlichen Produkte auf dem Markt zu verkaufen. Damit wollte ADIF ihr Selbstbewusstsein stärken und die Ernährungssicherheit verbessern. Eine nachhaltige Sicherung der Ernährung kann aber nur erreicht werden, wenn auch Frauen Zugang zu Land bekommen. Im Jahr 2020 bekamen daher rund 50 Frauen jeweils einen halben Hektar Land, auf welchem sie nun Niebé (Augenbohnen), Erdnüsse und Erbsen produzieren, die sie später auch selbstständig vermarkten können.

Ein Problem, das es nun noch zu lösen gilt, ist die Absicherung ihres Landbesitzes durch staatliche Dokumente. Das betrifft sowohl die Männer, welche das Land abgeben, wie auch die Frauen, die solches erhalten. Durch Appelle der Partnerorganisation an den burkinischen Staat soll dies für beide Parteien erreicht werden. Denn momentan befinden sich selbst Männer aufgrund des Fehlens dieser Dokumente in einer unsicheren Situation im Hinblick auf den Landbesitz.

In unseren Programmen sollen sich Menschen unabhängig vom Geschlecht selbst befähigen, ihre Interessen zu verfolgen und ihre spezifischen Rechte einzufordern. Die Gender-Arbeit muss sich daher immer auch mit der Vergabe von Ressourcen und der Umverteilung von Macht befassen. Und im Idealfall löst Geschlechtergerechtigkeit in den Fastenaktions-Programmen auch einen gesellschaftlichen Veränderungsprozess aus.

Unterstützen Sie unseren Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Agrarökologie ist lokal angepasste und umweltschonende Landwirtschaft. In den Projektländern von Fastenaktion ist dieser Ansatz zentral, um Ernährungssicherheit und Selbstbestimmung zu erreichen.

Ein Text von Christa Suter, Fachverantwortliche für Agrarökologie bei Fastenaktion

Die negativen Auswirkungen der konventionellen Landwirtschaft auf Umwelt und Klima nehmen unübersehbar zu. Klimaerwärmung, Kriege, Rohstoffspekulationen und die Beeinträchtigung internationaler Handelsketten gefährden die Verfügbarkeit von gesunden und bezahlbaren Nahrungsmitteln im globalen Süden. Mit dem sorgsamen Umgang und dem Erhalt des Bodens und durch die Förderung von Biodiversität liefert Agrarökologie einen wichtigen Beitrag zu einem nachhaltigeren Anbausystem. Nicht nur, dass sich Pflanzen, Tiere, Menschen und Umwelt gegenseitig stützen, auch das Ernährungssystem wird gerechter, da die Menschen selbst entscheiden können, wie sie produzieren und was sie essen. Die Produktion von gesunden Lebensmitteln, welche die Bodenfruchtbarkeit bewahrt und aufbaut, die biologische Vielfalt von Saatgut und Tieren erhalten und weiterentwickeln, und der schonende Umgang mit Wasser stehen im Zentrum der Agrarökologie.

Agrarökologie ist gleichzeitig eine Wissenschaft, eine Sammlung von nachhaltigen landwirtschaftlichen Praktiken sowie eine soziale Bewegung für mehr Ernährungssouveränität. Sie hat sich in den letzten Jahrzehnten stetig weiterentwickelt. Sie konzentriert sich nicht nur auf Äcker und landwirtschaftliche Betriebe, sondern umfasst Empfehlungen für das gesamte Ernährungssystem, vom Feld bis zum Teller – und für alles, was sich dazwischen abspielt.

Menschen und nicht Konzerne oder Handelsabkommen sollen entscheiden, wie und wo sie ihre Nahrungsmittel produzieren und was auf den Teller kommt. Agrarökologie kann die Klimaerhitzung nicht verhindern. Doch sie kann Möglichkeiten aufzeigen, wie sich Bäuerinnen und Bauern an die zu erwartenden Auswirkungen anpassen können.

Die Solidaritätsgruppe in der kenianischen Region Mochongoi unterstützt sich bei der Feldarbeit.

Ein Zusammenspiel von vier Dimensionen

Die ökologische Dimension der Agrarökologie ist von zentraler Bedeutung: Dabei geht es um den Aufbau von fruchtbaren Böden, den Schutz vor Erosion und die Förderung der Artenvielfalt. Hochgiftige Pestizide und synthetische Dünger werden vermieden und durch umweltschonende Methoden ersetzt. Um besser auf die Klimaveränderungen und ihre Auswirkungen vorbereitet zu sein, wird bewusst auf lokales Saatgut geachtet.

Auf der sozialen Ebene ist das traditionelle Wissen von grosser Bedeutung für eine gerechte und selbstbestimmte Landwirtschaft. Solidaritätsgruppen und die Ausbildung von Frauen stärken die Gemeinschaftsbildung. Frauen spielen eine zentrale Rolle in der Landwirtschaft und in der Ernährung, da sie oft viel Feldarbeit leisten oder bäuerliches Saatgut erhalten und vermehren, die Mahlzeiten zubereiten und die Ernten auf dem Markt verkaufen.

Auf ökonomischer Ebene stärken agrarökologische Ansätze die lokalen Kreisläufe, indem auf eine regionale und saisonale Landwirtschaft und Nahrungsmittel gesetzt wird. Lebensmittel werden für den lokalen Markt hergestellt, Saatgut sowie ökologische Dünge- und Pflanzenschutzmittel werden vor Ort hergestellt. Es wird bewusst darauf geachtet, dass die angebauten Produkte vielfältig und Nahrungsmittel möglichst ganzjährig geerntet werden können, damit verschiedene Einkommensquellen die Familien stärken. Die politische Mitbestimmung und Beteiligung der Produzent:innen und Mitarbeiter:innen in der Landwirtschaft und in der Lebensmittelverarbeitung wurde 2018 in der Uno-Erklärung über die Rechte der Bäuerinnen und Bauern und Personen im ländlichen Raum (UNDROP) festgehalten. Diese Rechte erlauben es, Ernährungssouveränität, das Recht auf Nahrung und die Kontrolle über Land und Saatgut auch tatsächlich einzufordern.

Konkrete Veränderungen

Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Treiber der Klimakrise – und gleichzeitig sehr stark von Klimaerhitzung betroffen. Konkrete Veränderungen sind notwendig. Direkte und indirekte Subventionen für die industrielle Landwirtschaft, die einen nicht nachhaltigen Anbau fördert, müssen gestoppt werden. Der Gebrauch chemischer Düngemittel und Pestizide muss drastisch sinken. Und statt grossflächiger Plantagenproduktion braucht es vielfältige, kleinräumig strukturierte Bauernbetriebe und Zugang zu Land, gerade auch für Frauen im globalen Süden.

Die Partnerorganisationen von Fastenaktion in Asien, Afrika und Lateinamerika setzen sich sowohl auf praktischer wie auch auf politischer Ebene für die Stärkung und die Ausweitung agrarökologischer Ansätze ein. Sie fördern und fordern den Zugang zu Ressourcen wie Land, Saatgut und Wasser. Zudem verlangen sie Schutz und Sicherheit der Menschenrechtsaktivist:innen, die für die Rechte der Bäuerinnen und Bauern einstehen.

Lauchsetzlinge werden sorgfältig und mit genügend Abstand eingepflanzt.

Im Rahmen der Ökumenischen Kampagne 2023 legen Fastenaktion und HEKS den Fokus auf das Thema Agrarökologie. Mehr über die Kampagne erfahren Sie hier. 

Unterstützen Sie Menschen in ihrem Recht auf Nahrung

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Industrielle Landwirtschaft ist der Klimakrise nicht gewachsen, zerstört aber die Umwelt. Agrarökologische Anbaumethoden verbessern die Ernährungssituation und können die Folgen der Klimaerhitzung stärker abfedern.

Bis zu 828 Millionen Menschen haben weltweit nicht genügend zu essen. Das sind fast 10 Prozent der Weltbevölkerung. Das bedeutet: jeder 5. Mensch in Afrika, jeder 10. in Asien, jeder 12. in Lateinamerika. In Nordamerika und Europa sind es jeweils rund 2 Prozent der Bevölkerung. (Quelle: FAO Food Security and Nutrition in the World 2022)

1/3 der weltweit für Menschen produzierten Lebensmittel wird entweder verschwendet oder geht verloren.

10 Prozent mehr Frauen als Männer litten im Jahr 2020 unter Hunger. (Quelle: FAO, IFAD, UNICEF, WFP, WHO: The State of Food Security and Nutrition in the World 2022)

Wo mehrere agrarökologische Massnahmen angewendet werden, sinkt das Risiko einer Mangelernährung um 22 Prozent. (Sufosec Ernährungsbericht 2022)

Das können wir tun

  • Wollen wir bei unserer Ernährung etwas ändern, erreichen wir dies am besten, wenn wir uns überschaubare Ziele setzen.
  • Saisonal, regional und fair zum Beispiel in einem Hoflädeli oder auf dem lokalen Markt einkaufen. hoflädeli.ch
  • Was in der Ernährungspyramide ganz unten zu finden ist, ist für das Klima am besten.
  • Verpackungsarme Lebensmittel bevorzugen und Verpackungen recyceln.
  • Einen Selbstversuch wagen: während einer Woche nur Lebensmittel kaufen und konsumieren, die im Umkreis von 50 Kilometern produziert wurden.
  • Und steht ein Garten zur Verfügung: warum nicht Wildobststräucher, einheimisches Gemüse und Blühstauden anpflanzen?

Unterstützen Sie Menschen in ihrem Recht auf Nahrung

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Pierre-Gilles Sthioul und Antoine Meier haben ihre Jobs aufgegeben, um sich voll und ganz in Praz Bonjour, einem landwirtschaftlichen Betrieb mit agrarökologischem Gemüseanbau in Blonay (VD), einzubringen.

Das zweieinhalb Hektar grosse Grundstück, das Pierre-Gilles und Antoine seit zwei Jahren bewirtschafteten, befindet sich in Stadtnähe, weniger als fünf Kilometer von Vevey entfernt direkt über dem Genfersee. Durch den Anbau von Gemüse, Obstbäumen und einigen Reben bieten sie eine vielfältige und qualitativ hochwertige regionale Nahrung, die in einem umweltfreundlichen System produziert wird. Anbau und Verarbeitung verursachen nur wenig CO2-Emissionen. Ihr Ziel ist es, die lokale Ernährungssouveränität auch in der Schweiz zu fördern. Sie liefern ihre Produkte an ein Dutzend Restaurants in der Region. Privatpersonen können sich vor Ort beim Betrieb selbst bedienen oder im kürzlich eröffneten Laden in Vevey einkaufen. Demnächst wollen sie auch Gemüsekörbe mit dem Fahrrad ausliefern.

Eine berufliche Veränderung

Die Eltern von Pierre-Gilles führten ein Restaurant, er selber war zehn Jahre Koch, bevor er Politikwissenschaften studierte. Schliesslich wurde er Koordinator der Ökumenischen Kampagne von Fastenopfer und Brot für alle [heute Fastenaktion und HEKS, Anm. d. Red.] in der Westschweiz. Im Frühjahr 2020 führte der Lockdown dazu, dass sämtliche Veranstaltungen für die damalige Kampagne zum Recht auf Saatgut abgesagt wurden. «Die Arbeit eines ganzen Jahres fiel ins Wasser! Da begann ich vieles infrage zu stellen», erinnert er sich. Mitten in dieser seltsamen Zeit erhielten Pierre-Gilles und Antoine das Land über dem Genfersee angeboten. Dank dem andauernd schönen Wetter und weil nichts weiter zu tun war, nutzten die beiden die Zeit, um im Freien zu arbeiten. Nach und nach wurde Pierre-Gilles klar, dass er künftig als Bauer arbeiten wollte. «Ich realisierte, dass ich genau das in meinem Leben machen wollte, auch wenn mein Einkommen um die Hälfte reduziert werden würde.»

Agrarökologie als Antwort auf die Herausforderungen des Klimawandels

Als die beiden im Jahr 2021 ganz offiziell ihre Tätigkeit auf der Praz Bonjour aufnahmen, wiesen starke Regenfälle, Kälte und Spätfrost bereits auf eine katastrophale Saison im Gemüseanbau hin. Im Jahr darauf wurde die grosse Hitzewelle im Sommer von einer Trockenperiode begleitet. Auch wenn das Klima in unseren Breitengraden eher mild ist, sind sich die Fachleute in der Landwirtschaft einig: Extreme Wetterereignisse sind heute die Norm, und wir müssen uns darauf einstellen. Hier zeigen sich die Vorteile der agrarökologischen Anbaumethoden – auch auf dem Hof der Jungbauern – während der sommerlichen Hitzewelle 2022. Denn der Wald entlang der Wiese in Praz Bonjour sorgte dafür, dass die Feuchtigkeit auf den Feldern so hoch blieb, dass fast nicht gegossen werden musste. Um zu verhindern, dass die Setzlinge austrocknen, installierten Pierre-Gilles und Antoine zudem Schattenspender, die sie aus Ästen und Laub bauten, die sie auf dem Betrieb gesammelt hatten. Pierre-Gilles ist überzeugt: «Die Agrarökologie ist die Methode, die es uns ermöglicht, mit den zunehmend schwierigen klimatischen Bedingungen umzugehen und auch dann noch Nahrungsmittel zu produzieren, wenn die industriellen Nahrungsmittelsysteme versagen.» Der von ihnen gewählte Ansatz gibt den beiden Bauern recht. Nicht nur konnten sie mit den agrarökologischen Anbaumethoden, die klimatisch schwierigen Jahre 2021/2022 überstehen. Sie leben auch ihren Traum einer in allen Belangen nachhaltigen Landwirtschaft.

Weitere Informationen: www.praz-bonjour.ch

Unterstützen Sie unsere Projekte für eine nachhaltige Landwirtschaft

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Auf dem Feld von Phylis Mumbi Kamau wachsen Obstbäume und verschiedene Gemüsesorten in schönster Eintracht nebeneinander. Die Pflanzen unterstützen sich gegenseitig und trotzen der zunehmenden Dürre.

«Früher haben wir nur Mais und Bohnen angebaut, und wenn die Dürre kam, hatten wir wenig bis gar nichts mehr zu essen.» Das erzählt Phylis Mumbi Kamau, die seit einigen Jahren im Projekt der Fastenaktion-Partnerorganisation Caritas Nyahururu mitarbeitet. Sie lebt, zusammen mit ihrem Mann und den vier Söhnen, im Dorf Mithuri Laikipia County, im Hochland von Kenia. Die Nächte sind kalt, und eigentlich gilt das Land als fruchtbar. Doch seit sich die Folgen der Klimaveränderung immer stärker auswirken, fallen die Regenzeiten teilweise ganz aus oder sind nur kurz. Für die Menschen in der Region um Nyahururu, die sich auf Ackerbau und Viehzucht spezialisiert haben, eine bedrohliche Situation. Denn nebst der Klimaveränderung führen auch Überweidung und weitverbreitete Abholzung zu immer mehr Trockenheit. Ernteausfälle sind die Folge, und das Vieh findet kein Futter mehr. Abhängigkeit von teurem Hybridsaatgut und Kunstdünger sowie Ausbeutung durch Wucherer treiben die Bäuerinnen und Bauern schnell einmal in die Verschuldung. Doch die Partnerorganisation von Fastenaktion geht die Ursachen der Probleme von Grund auf an. So werden in einem ersten Schritt die Menschen ermuntert, sich in Gruppen zusammenzuschliessen, denn so können sie ihre Probleme gemeinsam angehen.

Auch Phylis Mumbi Kamau hat sich organisiert. «Ich gehöre zu einer Gruppe mit dem Namen Mithuri-Jugendgruppe. Jede von uns bewirtschaftet ihr eigenes Feld, auf dem sie die unterschiedlichsten Pflanzen anbaut. Wir ziehen und tauschen Setzlinge, manchmal werden sie uns auch zur Verfügung gestellt.»

Vielfalt auf gesunden Böden

Die lokalen Animator:innen bilden die Menschen in Bodenschutz- und Anbaumethoden nach den Prinzipien der Agrarökologie aus. Dank Erosionsschutz, gesünderen Böden und gepflanzten Obst und Nutzbäumen kann der Boden Regenwasser besser speichern, wird fruchtbarer, und die Setzlinge gedeihen besser. Durch die gemeinsame Arbeit auf den Feldern können die Menschen ihr Wissen austauschen. Phylis pflanzt Mangos, Passionsfrüchte und Grünkohl, Kürbisse, Süsskartoffeln und Maniok an. Auch ihr ältester Sohn Joseph hilft auf dem Feld regelmässig mit. Er hat sich auf die Veredelung von Pflanzen spezialisiert. So können die Obstbäume trotz zunehmender Dürre weiterwachsen. Joseph gefällt die Landwirtschaft, doch sein Berufswunsch ist Ingenieur. «Weil», wie er sagt, «Ingenieure Dinge normalerweise von Grund auf neu erschaffen. Das kommt dem nahe, was wir hier auf dem Feld machen.»

Der älteste Sohn Joseph beim Veredeln einer Pflanze.

Für das Schulgeld bleibt genügend übrig

Die Tage der Bäuerin und Mutter sind streng. Um 5.45 Uhr steht sie auf, spricht ihr Morgengebet und macht dann Feuer, um den Tee für die ganze Familie zu kochen. Wenn die Kinder ihr Frühstück beendet haben, gehen die drei älteren zur Schule, der Jüngste bleibt noch zu Hause, gerne auch bei den Grosseltern, die ganz in der Nähe wohnen. Phylis fegt das Haus, füttert die Hühner, melkt die Kühe und bringt sie danach auf die Weide. Anschliessend geht sie mit ihrem Mann zum Feld. «Ich geniesse es, zu sehen, dass alles, was ich angepflanzt habe, gut gedeiht. Ich bin einfach gerne auf dem Feld.»

Die Arbeit im Projekt hat das Leben der ganzen Familie Kamau verändert. «Ich hätte nie im Leben daran gedacht, Obstbäume zu pflanzen. Doch dank der Unterstützung der Koordinator:innen und zusammen mit meiner Gruppe habe ich es gewagt. Mittlerweile kaufe ich keine Früchte mehr. Ich hole sie einfach auf meinem Feld und gebe sie meinen Kindern zu essen. Ich habe sogar so viel Überschuss, dass ich ihn an einige meiner Nachbarinnen verteile, die nicht am Programm teilnehmen. Ich verwende auf meinem Hof keine chemischen Düngemittel mehr. Ich benutze natürliche Mittel, um Schädlinge zu vertreiben. Das hat die Qualität der Lebensmittel, die wir essen, verbessert und die Krankheiten, die wir früher hatten, drastisch reduziert. Zudem ernte ich so viele Früchte, dass ich sie zusätzlich noch auf dem Markt verkaufen kann. Mit dem Geld, das ich damit verdiene, bezahle ich das Schulgeld meiner Kinder und kaufe nur noch wenige Dinge, die ich für den Haushalt brauche. Mein Lebensmittelbudget ist nicht mehr sehr hoch, denn das meiste kommt aus meinem Garten.»

Zurück vom Feld gibt es erst einmal Tee und eine kleine Pause.

Unterstützen Sie die Menschen, die ihr Leben selber in die Hand nehmen wollen.

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten
S. L. Venkatesh setzt alles daran, um das Leben der Urgemeinschaften zu verbessern.

Die Nachfahren der ersten Menschen Indiens – die Adivasi – haben im ganzen Land unter Landenteignung und Vertreibung zu leiden. S. L. Venkatesh, Koordinator der Partnerorganisation, erzählt, wie sie im Süden Indiens die Situation verbessern.

«Die Adivasi-Gemeinschaften leben traditionell vom Wald und betreiben nachhaltige Landwirtschaft. Doch mit der Einrichtung von Schutzgebieten für Wildtiere und Tigerreservaten wurden die Adivasi im indischen Bundesstaat Karnataka aus ihrem angestammten Lebensraum vertrieben. Sie wurden der engen Verbundenheit zu Land, Kultur und Spiritualität beraubt. Um zu überleben, migrieren sie in die Städte. Damit Vertreibung und Leid ein Ende finden, haben wir von SPEDS (Samatha Peoples Education for Development Society) uns das Ziel gesetzt, ihre Menschenrechte zu sichern und sie dabei zu unterstützen, eine funktionierende Infrastruktur aufzubauen. Dazu gehört in erster Linie die Sicherung ihrer Landrechte ohne Wenn und Aber. Wichtig ist zudem, dass sie sich aus der Schuldknechtschaft befreien können. Viele mussten sich verschulden, um überhaupt überleben zu können.

Fortschritt dank Gemeinschaft

Ist ihr Zugang zu Land gesichert, können sie ihre Lebensumstände verbessern. Um sich gegenseitig zu stärken und zu unterstützen, organisieren sich die Menschen in Gruppen. Sie legen gemeinsam Getreide-, Saatgut- und Sparbanken an, denn das macht sie unabhängig. Einen besonderen Fokus legen wir auf die Gleichstellung von Frau und Mann. Zudem setzen wir uns dafür ein, dass möglichst alle Kinder von Schulbildung profitieren können. Mittlerweile besuchen 1270 Mädchen und 1143 Jungen die Schule. Wir unterstützen die Gemeinschaften auch dabei, ihre kulturellen und spirituellen Traditionen wiederzubeleben.

Durch die Anwendung dieser verschiedenen Massnahmen haben die Gemeinschaften bereits viel erreicht. Mittlerweile existieren 90 Männer- und Frauengruppen, insgesamt 1434 Familien, die sich von ihren Schulden befreien konnten. Zudem haben 3018 Menschen das Wahlrecht erlangt, und 18 wurden in die örtlichen Panchayats (Räte) gewählt und können sich auf politischer Ebene für die Interessen ihrer Gemeinschaft einsetzen.

Klimawandel erfordert Innovationen

Angesichts der dramatischen Folgen des Klimawandels setzen wir den Schwerpunkt seit zwei Jahren auf das Erlernen von agrarökologischen Anbaumethoden. Dazu gehört die Ausweitung des Anbaus von Hirse und Linsen. Da die Gemeinschaften nur Zugang zu bereits verkümmertem traditionellem Saatgut und keine wissenschaftliche Perspektive für die Landwirtschaft hatten, haben wir die Zusammenarbeit mit staatlichen wissenschaftlichen Forschungs- und Beratungseinrichtungen wie Krishi Vigyan Kendra und Zonal Agricultural Research Station verstärkt. Doch auch die Wiederbelebung von Wissen der Vorfahren unterstützen wir. So können die Adivasi im Bundesstaat Karnataka ihre Lebenssituation nachhaltig verbessern und eine Zukunftsperspektive entwickeln. Mit all diesen Massnahmen haben wir die Abwanderung von 2307 Familien verhindert.»

Erfahren Sie hier mehr über unsere Projekte in Indien.

Unterstützen Sie die Adivasi in Indien, um ihre Lebenssituation zu verbessern

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten
Norberta Contreras mit ihrem Mann José und den beiden Söhnen im eigenen Garten.
Der Bauer José Barrera und die Bäuerin sowie Leaderin einer Spargruppe, Norberta Contreras, arbeiten in Guatemala mit nachhaltigen Anbaumethoden. Im Interview sprechen sie über die Fortschritte und Wirkung des Programmes.

«José Barrera: Meine Frau und ich arbeiten jetzt seit zwei Jahren im Programm von Fastenaktion mit und praktizieren agrarökologische Anbaumethoden. Wir haben gesät und angepflanzt, was uns zur Verfügung gestellt wurde. Angefangen haben wir mit Obstbäumen, von denen wir bereits die ersten Früchte geerntet haben. Einen Teil davon haben wir für unsere Familie zurückbehalten, und den anderen Teil haben wir verkauft.

Norberta Contreras: Mein Mann und ich sind Teil dieses Programmes, weil es uns überzeugt. Ich pflanze meine Früchte an und verkaufe die geernteten Bananen, Zitronen und Mangos, und damit verdiene ich Geld und kann meine Familie versorgen. Bevor uns die Projektverantwortlichen Unterstützung anboten, fühlten wir uns einsam, weil wir uns an niemanden wenden konnten. Doch mittlerweile haben wir viele unterschiedliche Anbaumethoden kennengelernt. Wir haben gelernt, unseren Garten zu terrassieren, um den Boden zu pflegen.

José Barrera und Norberta Contreras arbeiten in Guatemala mit nachhaltigen Anbaumethoden. Im Interview sprechen sie über die Vorteile und Fortschritte.
Wir bauen das Futter für die Tiere selbst an, damit sie auch während der Dürrezeit nicht hungern müssen. Wir sind Bäuerin und Bauer, das ist unser Beruf, und es ist das, was wir sein wollen. Mittlerweile haben wir auch einen Streuer für organischen Dünger. Er erleichtert uns die Arbeit. Zudem müssen wir keinen chemischen Dünger kaufen, der teuer und auch schädlich ist. Wir machen unseren eigenen Dünger und pflegen damit unsere Pflanzen und Obstbäume.

José Barrera: Doch der fehlende Zugang zu Wasser macht uns Sorgen. Und wir hoffen sehr, dass wir das mit der Unterstützung des Partners von Fastenaktion bald ändern können.

Norberta Contreras: Seit zwei Jahren bin ich die Leaderin unserer Spargruppe. Dank ihr hat unsere Gemeinschaft mittlerweile auch gemeinsame Ersparnisse. Das hilft uns sehr. Hätten wir diese Ersparnisse nicht, wüsste ich nicht, was mit der Gemeinschaft geschehen würde. Wenn jetzt jemand krank wird, haben wir die Mittel und können ins Krankenhaus gehen, um Hilfe zu bekommen. Das macht mich und auch die Gemeinschaft glücklich.»

 

Der Artikel ist in der Dezemberausgabe des Magazins Perspektiven  «Hoffnung in Guatemala» erschienen. Hier finden Sie die vollständige Ausgabe.

Unterstützen Sie Bäuerinnen und Bauern in Guatemala

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten
Die Rechte von Bäuerinnen und Bauern müssen geschützt werden. Fastenaktion unterstützt deshalb die UN-Bauernrechtsdeklaration für mehr Gerechtigkeit.

Angesichts der globalen Krisen müssen Regierungen konkrete Schritte unternehmen, um Bauern, Bäuerinnen und Landarbeiter:innen zu schützen und zu unterstützen. Ihre Stimme muss gehört werden. Staaten müssen endlich Verantwortung übernehmen und die UN-Bauernrechtdeklaration von 2018 in ihren Ländern umsetzen. Dies fordern mehrere Expert:innen der UNO zum 4. Jahrestag der UN-Bauernrechtsdeklaration (UNDROP) in ihrer Erklärung vom 16. Dezember. Fastenaktion unterstützt diese wichtige Erklärung.

Ein Kommentar von Claudia Fuhrer, Fachverantwortliche für Ernährungsgerechtigkeit / Recht auf Nahrung bei Fastenaktion

Kleinbäuerliche Landwirtschaft ernährt die Welt

Kleinbäuerinnen, Kleinbauern und Landarbeiter:innen produzieren 70-80 Prozent unserer Nahrung. Umso schockierender ist es, dass 4 von 5 von ihnen unter Hunger leiden. Sie sind überproportional von Klimakrise, Umweltzerstörung sowie Landraub betroffen und zudem giftigen Pestiziden ausgesetzt. Die Covid-Pandemie und der Ukrainekrieg haben ihre Lage weiter verschlimmert. Die Regierungen stehen in der Pflicht, die Rechte der ländlichen Bevölkerung zu sichern und so das Recht auf Nahrung zu verwirklichen.

Kleinbäuerinnen und Kleinbauern bei der Feldarbeit in der Nähe von Gambo, Burkina Faso.

Mehr Gerechtigkeit durch Bauernrechtsdeklaration

Anlässlich des 4. Jahrestags gaben mehrere UN-Expert:innen eine gemeinsame Erklärung zu den bäuerlichen Rechten ab. Sie führen aus, dass die UNO mit der UNDROP ein wegweisendes internationales Rechtsinstrument geschaffen hat. Es ist «ein Aufruf zu Gerechtigkeit», der auf den Klag­en und Kämpfen von Bauern, Bäuerinnen und Landarbeiter:innen basiert. Die Expert:innen betonen weiter, dass die UNDROP die Rechte und die wichtigen Beiträge der bäuerlichen Bevölkerung zur Ernährungssicherung anerkennt. Zudem soll sie auch als Aktionsplan für Staaten, die Vereinten Nationen, Wirtschaftsunternehmen und andere Akteure dienen. Entsprechend fordern die UN-Expert:innen die Staaten auf, die UNDROP in ihren nationalen Gesetzgebungen zu verankern und konkrete Massnahmen zu ergreifen. Der Menschenrechtsrat soll zudem in seiner regelmässigen Staatenüberprüfung die Umsetzung der UNDROP kontrollieren.

Gemeinsam Hunger beenden

Fastenaktion setzt sich zusammen mit den Partnerorganisationen des Internationalen Programms «Ernährungsgerechtigkeit» und dem Projekt RAISE für die Verwirklichung der bäuerlichen Rechte in Zehn Ländern und auf internationaler Ebene ein. So kann gemeinsam der Hunger beendet werden.

Die gemeinsame Erklärung der UN-Expert:innen finden Sie hier.

Den Kommentar der RAISE-Partnerorganisationen finden Sie hier. 

Unterstützen Sie Menschen in ihrem Recht auf Nahrung

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten
Lidia Morente ist Animatorin der Partnerorganisation von Fastenaktion.
Lidia Morente, Animatorin Spargruppen Caritas Verapaz

«Wir von Caritas Verapaz, der Partnerorganisation von Fastenaktion, arbeiten mit den Frauen daran, dass sie das Recht haben, ihre traditionelle Kleidung zu tragen, und dass sie mit Stolz in ihrer eigenen Sprache sprechen können, kurzum, das Recht ihre Identität zu leben. Zwischen dem Recht auf Identität und dem Recht auf Nahrung bestehen viele Zusammenhänge. Beispielsweise in der Art, wie Nahrung zubereitet wird, oder was gegessen wird.

Recht auf Nahrung als Grundsatz

Das Essen ist Teil der kulturellen Identität, und jeder Mensch hat das Recht auf Nahrung. Das ist unser Grundsatz. Wir wollen Traditionen und Kultur weder verändern noch den Menschen eine aufzwingen, die der eigenen fremd ist. Wir betonen immer wieder, dass sie auch das Recht auf Wasser haben. Genauso wie sie das Recht haben, auf kommunaler Ebene mitzuwirken, um die Sitten und Gebräuche der einzelnen Gemeinschaften bekannt zu machen. Sie sollen sich dabei wohl und sicher fühlen. Vielen ist das nicht bewusst, wurde es ihnen doch so lange gesetzlich verboten.

Die Guatemaltekin Lidia Morente ist Animatorin einer Spargruppe. Die Partnerorganisation von Fastenaktion arbeitet mit Frauen daran, ihre Rechte zu nutzen.

Weibliche Mitwirkung bringt Fortschritt

Durch unsere Projekte lernen die Frauen sich zu beteiligen, und das verändert vieles. Sie handeln unternehmerisch, ernähren mit dem Anbau von Gemüse und Früchten die Familie und erzielen mit den Überschüssen ihrer Ernte ein wirtschaftliches Einkommen. Die Kinder essen nicht mehr so viel Junkfood, sondern selbstangebaute nährstoffreiche Lebensmittel. Die Gemeinschaften haben dadurch die Ernährungssouveränität, denn sie bauen ihre eigenen Pflanzen und Lebensmittel an.


Klimakrise erfordert Veränderungen

Dennoch gibt es grosse Herausforderungen. Eine davon ist die Klimakrise. Es gibt Jahre, in denen Dürre herrscht, und andere, in denen es zu viel regnet. Laufend müssen wir uns an diese einschneidenden Veränderungen anpassen. Eine andere sind die politischen Rechte der Frauen, denn es ist oft schwierig, ihnen verständlich zu machen, dass sie Rechte haben. Doch wir setzen uns unermüdlich dafür ein, dass sie eine Stimme haben und auf Gemeindeebene mitbestimmen und mitwirken können.»

Der Artikel ist in der Dezemberausgabe des Magazins Perspektiven  «Hoffnung in Guatemala» erschienen. Hier finden Sie die vollständige Ausgabe.

Unterstützen Sie Frauengruppen in Guatemala

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten
Heute ist der internationale Tag der Menschenrechte. Menschenrechte sind die Basis für ein friedliches Zusammenleben auf diesem Planeten. Die Menschenrechte sollen jedem Menschen ein würdevolles Leben garantieren. Dazu gehört auch Zugang zu ausreichend und gesunder Nahrung. Das ist das Menschenrecht auf Nahrung.

Ein Kommentar von Claudia Fuhrer, Fachverantwortliche für Ernährungsgerechtigkeit / Recht auf Nahrung bei Fastenaktion

Der grösste Teil der Menschheit bezieht seine Nahrung von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Ohne die kleinbäuerliche Landwirtschaft könnte die Menschheit nicht überleben. Kleinbäuerliche Landwirtschaft sichert die Ernährung vieler Menschen – auch in den Städten. Deshalb ist es wichtig, dass die Rechte der Bäuerinnen und Bauern als zentrale Menschenrechte geschützt werden.

Das Recht auf eigenes Saatgut ist zentral.
Keine Nahrung ohne Zugang zu Land und Saatgut
Doch leider wird ihr Zugang zu Land und zu ihrem eigenen Saatgut immer stärker eingeschränkt. Sei es durch den jeweiligen Staat, durch die industrielle Landwirtschaft oder durch den Rohstoffabbau. Wertvolles Land für die Produktion von nachhaltiger Nahrung geht an Minen verloren, regional angepasstes Saatgut wird verboten. Das kommerzielle Interesse grosser multinationaler Unternehmen steht im Vordergrund – nicht das Wohl der Menschen.

Das Recht der Bäuerinnen und Bauern auf Mitgestaltung einer lokal angepassten Landwirtschafts- und Ernährungspolitik ist in der UNO-Deklaration UNDROP festgehalten und muss dringend ermöglicht werden. Dies ist umso wichtiger, weil die Bäuerinnen und Bauern in ihrer Produktion von Nahrungsmitteln in mehrfacher Hinsicht beeinträchtigt werden, wie durch den Klimawandel, den Verlust der biologischen Vielfalt und die Verschlechterung der Bodenqualität.

Heute ist der internationale Tag der Menschenrechte. Menschenrechte sind die Basis für ein friedliches Zusammenleben auf diesem Planeten. Dazu gehört auch Zugang zu ausreichend und gesunder Nahrung.
Recht auf ein Leben in Würde
Darum ist es wichtig, dass heute am Tag der Menschenrechte auch an die Bauernrechte gedacht wird. Denn ohne Zugang zu Land und Saatgut keine Nahrung und Nahrung ist eine der Grundlagen für ein würdevolles Leben. Darum setzt sich Fastenaktion auch in Zukunft für das Recht auf Nahrung ein – unter anderem durch unser Projekt RAISE. Dies ist eine Grundlage, um den Hunger zu beenden.

Das von der DEZA mitfinanzierte Fastenaktions-Projekt «RAISE» steht für Rights-based and Agroecological Initiatives for Sustainability and Equity in Peasant Communities. Netzwerke von Frauengruppen, Jugendlichen und Kindern, Kleinbauernfamilien und Viehhalter:innen schliessen sich unter dem Projekt zusammen. Sie fordern und fördern die Umsetzung der Bauernrechte in ihren Ländern und auf globaler Ebene. Fastenaktion und fünf Partnerorganisationen bilden ein internationales Konsortium (Fastenaktion, Searice, Rural Women Assembly, Dreikönigsaktion und Sociedad Cientifica Latinoamerica de Agroecología sowie Vétérinaires sans Fontières Suisse mit ihren Partnern CEMIRIDE und RBM) und tragen das Projekt «RAISE» mit ihren Partnerorganisationen in den Ländern Philippinen, Indien, Nepal, Kenya, Niger, Mali, Burkina Faso, Südafrika, Bolivien und Mexiko. Zudem ist die Geneva Academy als strategischer Partner mandatiert. Das Projekt «RAISE» läuft unter dem DEZA-Programm Menschenrechte in Ernährungssystemen und wird von der DEZA kofinanziert. Erfahren Sie hier mehr über das Projekt.

Unterstützen Sie Menschen in ihrem Recht auf Nahrung

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten
Die Welt erholt sich vom Klimagipfel der Vereinten Nationen, der COP27 in Sharm El-Sheikh. Loisa Maimpu aus Kenia hat dazu keine Zeit. Sie ist den ganzen Tag damit beschäftigt, Wasser und Essen für ihre Familie und ihre Tiere zu suchen. Kenia erleidet seit über zwei Jahren eine extreme Dürre.

Ein Bericht von Leon Jander, Verantwortlicher für das Landesprogramm in Kenia

Loisa Maimpu lebt in Kajiado County, einer trockenen Region Kenias, an der Grenze zu Tansania. Sie gehört zum Volk der Massai. Die Massai sind eigentlich Viehhirtinnen und -hirten. Die grossen Herden sind der Stolz jeder Familie und ihre Lebensgrundlage. Die zunehmende Trockenheit durch den Klimawandel macht es schwerer, grosse Herden zu unterhalten und die Massai müssen immer weitere Strecken zurücklegen, um geeignete Weideflächen zu finden.

Die lange Trockenheit schwächt die Tiere. Viele sterben.
Verkürzte Regenzeit hat drastische Folgen
Loisa Maimpu und die anderen Menschen in den trockenen Gebieten Kenias sind Hitze- und Trockenperioden eigentlich gewöhnt. Sie erholen sich während der nächsten Regenzeit. Der Klimawandel verlängert deren Dauer und Intensität aber derart, dass Menschen und Tiere sich nicht schnell genug anpassen können. Eigentlich sollte es jetzt in vielen Regionen Kenias regnen. Teilweise tut es das auch, aber zum fünften Mal in Folge fällt diese Regenzeit unterdurchschnittlich aus. Meteorolog:innen sprechen von 60 Prozent weniger Regen. Die Aussichten für die lange Regenzeit im Frühjahr 2023 sind ebenso schlecht. Die langanhaltende Dürre führt dazu, dass die Menschen und Tiere gesundheitlich beeinträchtig sind und vermehrt sterben. Auch die langfristige Entwicklung der Kinder wird beeinträchtigt. Ausserdem kommt es zu mehr Konflikten zwischen Menschen, und zwischen Menschen und Tieren. Alle sind auf der Suche nach Wasser und Nahrung.
Die Landwirtschaft bietet zusätzliche Einkommens- und Nahrungsquellen.
Verbesserung der Nahrungsmittelversorgung
Doch die Menschen wissen sich zu helfen. Als zusätzliche Einkommens- und Nahrungsquelle steigen sie teilweise auf Landwirtschaft um. Die Partnerorganisation Olkejuado Pastoralists Development Organization (Dupoto-e-Maa), mit der Fastenaktion seit 2009 erfolgreich zusammenarbeitet, begleitet sie dabei. In einer externen Projektevaluierung im Jahr 2021 wurden ermutigende Wirkungen festgestellt: 18 Prozent der Zielgruppe gaben den Verkauf von Gemüse als Haupteinnahmequelle an, zu Beginn des Projektes war dies noch kein Thema. Durch die Landwirtschaft konnte auch die Ernährung abwechslungsreicher gestaltet werden. Die Familien haben nun mehr Gemüse auf dem Tisch.
Die Welt erholt sich vom Klimagipfel der Vereinten Nationen, der COP27 in Sharm El-Sheikh. Loisa Maimpu aus Kenia hat dazu keine Zeit. Sie ist den ganzen Tag damit beschäftigt, Wasser und Essen für ihre Familie und ihre Tiere zu suchen. Kenia erleidet seit über zwei Jahren eine extreme Dürre.
Fastenaktion unterstützt mit Nothilfe 
Es wird Jahre brauchen, bis die Beschlüsse der COP27 umgesetzt werden. Die Erreichung des 1,5-Grad-Zieles wird Jahr für Jahr schwieriger. Loisa Maimpu hat diese Zeit nicht. Um die grösste Not in der Projektregion zu mindern, leistet Fastenaktion Nothilfe. Diese ist wichtig, damit erreichte Fortschritte in den langfristigen Entwicklungsprojekten der Partnerorganisationen nicht verloren gehen.  

Im Jahr 2020 berichtete SRF mitenand über Dupoto-e-Maa, einer Partnerorganisation von Fastenaktion in Kenia: Hier finden Sie den Beitrag.

Unterstützen Sie Menschen in ihrem Recht auf Nahrung

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Abschlusskommentar von David Knecht, Fachverantwortlicher für Klima- und Energiegerechtigkeit bei Fastenaktion. David Knecht verfolgte die COP27 in den letzten zwei Wochen vor Ort.

Die Welt hat im ägyptischen Sharm-El-Sheikh getagt. Eine absurde Stadt für eine Monsterkonferenz – mit über 30’000 Teilnehmenden. Da kommt ab und an das Gefühl auf, dass das Konferenzgelände mit dem Menschengewimmel einem arabischen Basar gleicht. Nur das hier das drängendste aller globaler Themen verhandelt wird. Die Begrenzung der Klimaerhitzung.

Sharm-El-Sheik – Inbegriff des Massentourismus. Bekannt für wunderschöne Korallenriffe, welche durch den Klimawandel akut bedroht sind. Expert:innen gehen davon aus, dass bis zu 99 Prozent der Korallenriffe zerstört werden, wenn die Klimaerhitzung zwei Grad Celsius erreicht.[1]

Klimaerwärmung wartet nicht – die Ärmsten leiden
Präsidenten und Premierminister:innen aller Nationen haben sich die Türklinke in die Hand gedrückt. Sie haben in Reden betont, wie wichtig es ist, die Klimaerhitzung zu begrenzen. Diesem Treiben haben über 600 Fossilenergie Lobbyisten nickend zugeschaut und eifrig dafür gesorgt, dass der Abschlusstext der COP27 keinen Ausstieg aus den fossilen Energien fordert.[2] Sie sagen, das wäre angesichts der weltweiten Energiekrise zu viel des Guten, das brauche mehr Zeit, müsse sorgfältig geplant werden. Fossil is King. Die Klimaerwärmung aber wartet nicht. Sie schreitet Tag für Tag weiter voran. Gerade die ärmsten Menschen unseres Planeten leiden am meisten unter der Erwärmung. Sie haben nicht die Mittel, sich den Auswirkungen anzupassen.

Eine indonesische Delegation über die Folgen der Klimaerhitzung.

Fonds für Klimagerechtigkeit
Wenn Anpassung nicht mehr möglich ist, weil die Klimaerwärmung irreparable Schäden verursacht, werden Kompensationszahlungen nötig. Deshalb ist es so wichtig, dass ein spezifischer Fonds für diese Zahlungen aufgebaut wird. Verluste und Schäden müssen ausgeglichen werden. In der moralischen Pflicht stehen die historischen Verursacher der Klimaerwärmung. Viele Südländer, Inselstaaten und tausende zivilgesellschaftliche Vertreter:innen aus der ganzen Welt, darunter Fastenaktion, haben sich für einen solchen Fonds eingesetzt. Blockiert wurde dieses Vorhaben in den vergangenen Jahren vom globalen Norden. Nach einem langen Seilziehen konnten sich die Staaten schliesslich dazu einigen, Fonds für klimabedingte Schäden und Verluste zu schaffen. Das ist ein grosser Erfolg und ein bedeutsamer Schritt in Richtung Klimagerechtigkeit!

Solidarität zeigen
Aber Kompensationszahlungen sind nur ein Teil der Gleichung. Wichtig ist, dass die Klimaerhitzung gar nicht voranschreitet. Die Klimaerhitzung soll möglichst auf 1.5 Grad Celsius begrenzt werden. Dafür müssen wir unsere Treibhausgasemissionen global drastisch reduzieren. Die UNO hat im Oktober veröffentlicht, dass die weltweiten Klimaschutzpläne zu einer Erhitzung von über 2.4 Grad Celsius führen würden.[3] Es braucht dringend schnelle und ambitioniertere Emissionsreduktionsprogramme. An der COP27 haben die Länder deshalb ein Arbeitsprogramm zur Emissionsminderung beraten und verabschiedet – ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Wichtig ist, dass diese Massnahmen mit den entsprechenden Finanzzahlungen ergänzt werden, damit finanzschwache Länder ebenfalls die nötigen Klimaprogramme durchführen können. Solidarität und die Anerkennung der historischen Verantwortung durch den globalen Norden ist hierfür zentral.

Schweiz muss Verantwortung übernehmen
Aber die Welt hinkt den eigenen Versprechen hinterher. 2009 versprachen die Industrieländer jährlich 100 Milliarden USD, doch bislang wurden davon nur 83 mobilisiert.[4] Und auch dies ist gemäss dem Weltklimarat noch zu wenig, es braucht Billionen.[5] Zur Finanzierungslücke hat die Klimakonferenz keine zufriedenstellenden Antworten geliefert. Das ist frustrierend, gerade in einem Jahr wo die Mineralöl- und Energiekonzerne BP, ExxonMobil, Chevron, Shell und TotalEnergies zusammen allein im zweiten Quartal 55 Milliarden Gewinn verbuchten. Dieses Ungleichgewicht muss dringend aufgelöst werden.  Die Schweiz ist ein reiches Land und trägt als Drehscheibe des internationalen Rohstoffhandels dabei eine besondere Verantwortung.

Fastenaktion setzt sich für Ernährungssicherheit ein
Wenn die Staatengemeinschaft dabei scheitert, können die Pariser Klimaziele nicht erreicht werden, was insbesondere für die ärmsten Menschen katastrophale Folgen hätte. Denn die Klimaerhitzung wirkt sich direkt auf die Ernährungssicherheit dieser Menschen aus. Verstärkte Dürren und Überschwemmungen sind direkte folgen der Klimaerhitzung. Und sie nehmen zu, in Stärke und Häufigkeit. Die Ernährungssicherheit von Millionen von Menschen steht auf dem Spiel. Fastenaktion setzte sich deshalb zusammen mit der CIDSE an der COP für die Verankerung der Agrarökologie als ein tragendes Element der landwirtschaftlichen Lösungen ein. Die Forderung hatte an der COP27 einen schweren Stand und deren Erwähnung wurde weggestrichen. Der Druck der industriellen Landwirtschaft ist zu gross.

Das CIDSE-Team an der Weltklimakonferenz.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass an der COP27 mit Fonds für klimabedingte Schäden und Verlustes sowie dem Programm zur Abschwächung der Klimakrise (Mitigation) wichtige Schritte in die richtige Richtung gemacht worden sind. Dass aber der Staatenbund sich nicht auf ein Aussteigen aus fossilen Energien einigen konnte, zeigt, dass der Einfluss der Lobby für fossile Energien sehr stark ist. Das zudem keine konkreten Pläne zur Schliessung der Finanzierungslücke verabschiedet wurden bestätigt, dass das dringend notwendige Umdenken noch nicht stattgefunden hat. So werden wir das globale 1.5 Grad Celsius Ziel nicht erreichen. Und das Fenster dazu schliesst sich mit rasendem Tempo.

Fastenaktion begleitete eine Delegation aus dem Amazonas.

Partner von Fastenaktion zeigen Lösungen
In Sharm El Sheikh hat sich Fastenaktion mit Partnerorganisationen aus Kolumbien und Brasilien aktiv für eine rasche und sozialgerechte Umsetzung der Pariser Klimaziele eingesetzt. Zudem wurden Menschen- und Indigene Rechte sowie das wichtige Prinzip der Transparenz in Berichterstattungen in die Verhandlungen eingebracht. In einem offiziellen COP-Event haben wir mit unseren Partnern gezeigt, dass es in vielen Ländern hapert mit der Transparenz. Unsere Partner haben aufgezeigt, dass dezentralisierte, gemeinschaftliche Energielösungen ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels sind. Gleichzeitig stärken sie die Ernährungssicherheit der Menschen. Gemeinsam mit unseren Partnern wird sich Fastenaktion auch im kommenden Jahr für eine rasche und sozialgerechte Umsetzung der Pariser Verträge einsetzen, um dem Hunger auf der Welt entgegenzuwirken.

Unterstützen Sie unsere Arbeit für Klimagerechtigkeit

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten
«Jeder kann es sehen, aber alle sehen weg», singt Reinhard Mey im Lied Narrenschiff, welches volle Fahrt mit Kurs aufs Riff steuert. Es beschreibt bildlich unser individuelles Verhalten in der Klimakrise. Gleichzeitig hoffen viele Menschen auf die Beschlüsse an der Klimakonferenz in Ägypten. Morgen beginnt die 27. Weltklimakonferenz (COP27). Ambitionierte Beschlüsse braucht es mehr denn je.

Kommentar von Stefan Salzmann, Fachexperte für Energie- und Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion

Hitzewellen, Dürre, Wasserknappheit. Was in Partnerländern von Fastenaktion seit Jahren Alltag ist, kommt auch auf die Schweiz und Europa zu. Was wir im Sommer 2022 erlebt haben, ist ein bitterer Vorgeschmack auf das, was der Weltklimarat voraussagt. Die Zunahme von Wetterextremen aufgrund der Klimaerhitzung. Überall, auch in der Schweiz.

Kurs aufs Riff
Trotzdem tun wir uns schwer, unser individuelles Handeln anzupassen. Tanks werden vor dem Winter mit frischem Heizöl aufgefüllt. Eine Nachbarin erzählt mir im Vorbeigehen, wie sehr sie sich auf einen dreitägigen Trip nach Ibiza freut. Viele Mitmenschen, die sich über die Hitze im Sommer beklagt hatten, ärgern sich über hohe Energiepreise und kaufen billiges Fleisch. Als gäbe es keinen Zusammenhang. Unser Schiff steuert auf das Riff zu, wir wissen es. Und machen weiter wie gewohnt. Den Preis dafür zahlen viele in Armut lebende Menschen auf der ganzen Welt.

Und die Politik?
Bis 2050 sollen die schweizerischen Treibhausgasemissionen bei null ankommen – für die Menschen in vielen Weltregionen viel zu spät. Sie leiden schon heute, haben das Problem aber nicht verursacht. Teile der schweizerischen Politik nimmt die Dringlichkeit nicht ernst. Gegen den indirekten Gegenvorschlag der Gletscher-Initiative wurde das Referendum ergriffen. Dabei ist das neue Klimagesetz nur ein erster Schritt in die richtige Richtung. Gerade deshalb ist das Ja zur Gletscherinitiative ein absolutes Minimum, wenn wir zu globaler Klimagerechtigkeit einen Beitrag leisten wollen. Eine weitere Verzögerung ist keine Option.

Sharm el Sheikh
Am 6. November beginnt die 27. Klimakonferenz in Ägypten. Viele wichtige Punkte werden verhandelt. Die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015 ist weiterhin das Hauptziel. Dieses will die Erderwärmung bei 2 Grad Celsius, wenn möglich 1.5 Grad Celsius begrenzen. Gemäss Climate Action Tracker steuern wir aber auf eine Erderwärmung von 2.7 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit zu. Konkret soll in Ägypten ein Arbeitsprogramm verabschiedet werden, um die Ambitionen zur Minderung von Emissionen schneller und wirksamer zu reduzieren (Mitigation Work Programme). Neben Minderung geht es auch um Anpassungen an die Klimaerwärmung. Darum sind Einigungen zu höheren Beiträgen zur Klimafinanzierung ein dringendes Ziel.

Viele reiche Länder blockieren die Verhandlungen zu Schäden und Verlusten (Loss and Damage). Es geht um die Entschädigung für irreversible Schäden als Folge der Klimaerhitzung. Was dies bedeutet, hat die Flutkatastrophe 2022 in Pakistan gezeigt. Tausende Menschen sind gestorben. Millionen von Menschen haben durch den extremen Monsunregen ihre Lebensgrundlagen verloren. Sie haben keine Perspektiven mehr. Gerade arme Menschen sind auf die Unterstützung der reichen Länder angewiesen. Globaler Klimaschutz und Klimagerechtigkeit bedingen Solidarität zur Bekämpfung der Klimakrise.

Fastenaktion setzt sich für eine ambitionierte Klimapolitik in der Schweiz ein. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist die Gletscher-Initiative.
Wählen Sie jetzt, welches prominente Gesicht unser:e Klimabotschafter:in werden soll.

Jetzt Klimabotschafter:in wählen

Unterstützen Sie unsere Arbeit für Klimagerechtigkeit

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten