Am 8. März ist der internationale Frauentag! In den Projekten von Fastenaktion ist Geschlechtergerechtigkeit ein zentraler Handlungsansatz. Zwei Projekte aus Burkina Faso veranschaulichen auf eindrückliche Weise, wie erfolgreiche Gender-Arbeit über reine Frauenförderung hinausgeht.

Ein Text von Romana Büchel, Fachverantwortliche Gender, Religion & Kultur und Natacha Compaore, Koordinatorin des Landesprogramms Burkina Faso bei Fastenaktion

Gemeinsame Feldarbeit führt zum Erfolg

Seit einigen Jahren arbeitet Fastenaktion mit der Frauenorganisation Lougouzéna in Zentral-Burkina Faso zusammen. Mehr als 1‘500 Frauen sind in Frauengruppen organisiert. Die Gruppen haben das Ziel, durch sozioökonomische Aktivitäten die Lebensbedingungen ihrer Familien zu verbessern. Dies geschieht unter anderem durch die Herstellung und Vermarktung von Karitébutter und dem beliebten Sumbala-Gewürz. Gleichzeitig stärkt Lougouzéna durch nachhaltige landwirtschaftliche Techniken die Ernährungssicherheit. Dafür stellen die Frauen beispielsweise selbst organischen Dünger her, der die Fruchtbarkeit des Bodens erhöht und die Pflanzen widerstandsfähiger gegenüber der Klimaerwärmung macht.

Die Arbeit in den Projekten hat gezeigt, dass die Frauen zwar durch die Ausbildungen gestärkt werden, sie aber nicht alle körperlichen Arbeiten effizient durchführen können – was wiederum ihr erworbenes Wissen unnütz macht. Im Jahr 2022 wurde daher das Projekt überarbeitet und seitdem werden auch Männer in die Aktivitäten miteinbezogen. Sie unterstützen die Frauen bei schweren Arbeiten wie der Herstellung von Kompost und der Bewirtschaftung der Felder der Gruppen. Dies ist eine logische Erweiterung des Projekts, denn bereits im Alltag werden die Familienfelder gemeinsam bearbeitet. Die Verantwortlichen von Lougouzéna haben realisiert, dass nur das Zusammenwirken der Geschlechter ein Projekt zum Erfolg führen kann.

Die Herstellung und der Verkauf von Karitébutter ist eine wichtige Einkommensquelle der Frauen.

Zugang zu Land unabhängig vom Geschlecht

ADIF, eine weitere Frauenorganisation, arbeitet im nördlichen Zentrum von Burkina Faso in der Gemeinde Bourzanga ebenfalls mit Frauengruppen. In dieser stark patriarchal geprägten Gesellschaft erben die Söhne das Land ihrer Väter. Die Mädchen und Frauen gehen hingegen leer aus und sind lediglich Arbeitskräfte auf den Feldern des Vaters resp. später des Ehemannes. In einer ersten Projektphase erlernten die Frauen, ihre landwirtschaftlichen Produkte auf dem Markt zu verkaufen. Damit wollte ADIF ihr Selbstbewusstsein stärken und die Ernährungssicherheit verbessern. Eine nachhaltige Sicherung der Ernährung kann aber nur erreicht werden, wenn auch Frauen Zugang zu Land bekommen. Im Jahr 2020 bekamen daher rund 50 Frauen jeweils einen halben Hektar Land, auf welchem sie nun Niebé (Augenbohnen), Erdnüsse und Erbsen produzieren, die sie später auch selbstständig vermarkten können.

Ein Problem, das es nun noch zu lösen gilt, ist die Absicherung ihres Landbesitzes durch staatliche Dokumente. Das betrifft sowohl die Männer, welche das Land abgeben, wie auch die Frauen, die solches erhalten. Durch Appelle der Partnerorganisation an den burkinischen Staat soll dies für beide Parteien erreicht werden. Denn momentan befinden sich selbst Männer aufgrund des Fehlens dieser Dokumente in einer unsicheren Situation im Hinblick auf den Landbesitz.

In unseren Programmen sollen sich Menschen unabhängig vom Geschlecht selbst befähigen, ihre Interessen zu verfolgen und ihre spezifischen Rechte einzufordern. Die Gender-Arbeit muss sich daher immer auch mit der Vergabe von Ressourcen und der Umverteilung von Macht befassen. Und im Idealfall löst Geschlechtergerechtigkeit in den Fastenaktions-Programmen auch einen gesellschaftlichen Veränderungsprozess aus.

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S. L. Venkatesh setzt alles daran, um das Leben der Urgemeinschaften zu verbessern.

Die Nachfahren der ersten Menschen Indiens – die Adivasi – haben im ganzen Land unter Landenteignung und Vertreibung zu leiden. S. L. Venkatesh, Koordinator der Partnerorganisation, erzählt, wie sie im Süden Indiens die Situation verbessern.

«Die Adivasi-Gemeinschaften leben traditionell vom Wald und betreiben nachhaltige Landwirtschaft. Doch mit der Einrichtung von Schutzgebieten für Wildtiere und Tigerreservaten wurden die Adivasi im indischen Bundesstaat Karnataka aus ihrem angestammten Lebensraum vertrieben. Sie wurden der engen Verbundenheit zu Land, Kultur und Spiritualität beraubt. Um zu überleben, migrieren sie in die Städte. Damit Vertreibung und Leid ein Ende finden, haben wir von SPEDS (Samatha Peoples Education for Development Society) uns das Ziel gesetzt, ihre Menschenrechte zu sichern und sie dabei zu unterstützen, eine funktionierende Infrastruktur aufzubauen. Dazu gehört in erster Linie die Sicherung ihrer Landrechte ohne Wenn und Aber. Wichtig ist zudem, dass sie sich aus der Schuldknechtschaft befreien können. Viele mussten sich verschulden, um überhaupt überleben zu können.

Fortschritt dank Gemeinschaft

Ist ihr Zugang zu Land gesichert, können sie ihre Lebensumstände verbessern. Um sich gegenseitig zu stärken und zu unterstützen, organisieren sich die Menschen in Gruppen. Sie legen gemeinsam Getreide-, Saatgut- und Sparbanken an, denn das macht sie unabhängig. Einen besonderen Fokus legen wir auf die Gleichstellung von Frau und Mann. Zudem setzen wir uns dafür ein, dass möglichst alle Kinder von Schulbildung profitieren können. Mittlerweile besuchen 1270 Mädchen und 1143 Jungen die Schule. Wir unterstützen die Gemeinschaften auch dabei, ihre kulturellen und spirituellen Traditionen wiederzubeleben.

Durch die Anwendung dieser verschiedenen Massnahmen haben die Gemeinschaften bereits viel erreicht. Mittlerweile existieren 90 Männer- und Frauengruppen, insgesamt 1434 Familien, die sich von ihren Schulden befreien konnten. Zudem haben 3018 Menschen das Wahlrecht erlangt, und 18 wurden in die örtlichen Panchayats (Räte) gewählt und können sich auf politischer Ebene für die Interessen ihrer Gemeinschaft einsetzen.

Klimawandel erfordert Innovationen

Angesichts der dramatischen Folgen des Klimawandels setzen wir den Schwerpunkt seit zwei Jahren auf das Erlernen von agrarökologischen Anbaumethoden. Dazu gehört die Ausweitung des Anbaus von Hirse und Linsen. Da die Gemeinschaften nur Zugang zu bereits verkümmertem traditionellem Saatgut und keine wissenschaftliche Perspektive für die Landwirtschaft hatten, haben wir die Zusammenarbeit mit staatlichen wissenschaftlichen Forschungs- und Beratungseinrichtungen wie Krishi Vigyan Kendra und Zonal Agricultural Research Station verstärkt. Doch auch die Wiederbelebung von Wissen der Vorfahren unterstützen wir. So können die Adivasi im Bundesstaat Karnataka ihre Lebenssituation nachhaltig verbessern und eine Zukunftsperspektive entwickeln. Mit all diesen Massnahmen haben wir die Abwanderung von 2307 Familien verhindert.»

Erfahren Sie hier mehr über unsere Projekte in Indien.

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