Pierre-Gilles Sthioul und Antoine Meier haben ihre Jobs aufgegeben, um sich voll und ganz in Praz Bonjour, einem landwirtschaftlichen Betrieb mit agrarökologischem Gemüseanbau in Blonay (VD), einzubringen.

Das zweieinhalb Hektar grosse Grundstück, das Pierre-Gilles und Antoine seit zwei Jahren bewirtschafteten, befindet sich in Stadtnähe, weniger als fünf Kilometer von Vevey entfernt direkt über dem Genfersee. Durch den Anbau von Gemüse, Obstbäumen und einigen Reben bieten sie eine vielfältige und qualitativ hochwertige regionale Nahrung, die in einem umweltfreundlichen System produziert wird. Anbau und Verarbeitung verursachen nur wenig CO2-Emissionen. Ihr Ziel ist es, die lokale Ernährungssouveränität auch in der Schweiz zu fördern. Sie liefern ihre Produkte an ein Dutzend Restaurants in der Region. Privatpersonen können sich vor Ort beim Betrieb selbst bedienen oder im kürzlich eröffneten Laden in Vevey einkaufen. Demnächst wollen sie auch Gemüsekörbe mit dem Fahrrad ausliefern.

Eine berufliche Veränderung

Die Eltern von Pierre-Gilles führten ein Restaurant, er selber war zehn Jahre Koch, bevor er Politikwissenschaften studierte. Schliesslich wurde er Koordinator der Ökumenischen Kampagne von Fastenopfer und Brot für alle [heute Fastenaktion und HEKS, Anm. d. Red.] in der Westschweiz. Im Frühjahr 2020 führte der Lockdown dazu, dass sämtliche Veranstaltungen für die damalige Kampagne zum Recht auf Saatgut abgesagt wurden. «Die Arbeit eines ganzen Jahres fiel ins Wasser! Da begann ich vieles infrage zu stellen», erinnert er sich. Mitten in dieser seltsamen Zeit erhielten Pierre-Gilles und Antoine das Land über dem Genfersee angeboten. Dank dem andauernd schönen Wetter und weil nichts weiter zu tun war, nutzten die beiden die Zeit, um im Freien zu arbeiten. Nach und nach wurde Pierre-Gilles klar, dass er künftig als Bauer arbeiten wollte. «Ich realisierte, dass ich genau das in meinem Leben machen wollte, auch wenn mein Einkommen um die Hälfte reduziert werden würde.»

Agrarökologie als Antwort auf die Herausforderungen des Klimawandels

Als die beiden im Jahr 2021 ganz offiziell ihre Tätigkeit auf der Praz Bonjour aufnahmen, wiesen starke Regenfälle, Kälte und Spätfrost bereits auf eine katastrophale Saison im Gemüseanbau hin. Im Jahr darauf wurde die grosse Hitzewelle im Sommer von einer Trockenperiode begleitet. Auch wenn das Klima in unseren Breitengraden eher mild ist, sind sich die Fachleute in der Landwirtschaft einig: Extreme Wetterereignisse sind heute die Norm, und wir müssen uns darauf einstellen. Hier zeigen sich die Vorteile der agrarökologischen Anbaumethoden – auch auf dem Hof der Jungbauern – während der sommerlichen Hitzewelle 2022. Denn der Wald entlang der Wiese in Praz Bonjour sorgte dafür, dass die Feuchtigkeit auf den Feldern so hoch blieb, dass fast nicht gegossen werden musste. Um zu verhindern, dass die Setzlinge austrocknen, installierten Pierre-Gilles und Antoine zudem Schattenspender, die sie aus Ästen und Laub bauten, die sie auf dem Betrieb gesammelt hatten. Pierre-Gilles ist überzeugt: «Die Agrarökologie ist die Methode, die es uns ermöglicht, mit den zunehmend schwierigen klimatischen Bedingungen umzugehen und auch dann noch Nahrungsmittel zu produzieren, wenn die industriellen Nahrungsmittelsysteme versagen.» Der von ihnen gewählte Ansatz gibt den beiden Bauern recht. Nicht nur konnten sie mit den agrarökologischen Anbaumethoden, die klimatisch schwierigen Jahre 2021/2022 überstehen. Sie leben auch ihren Traum einer in allen Belangen nachhaltigen Landwirtschaft.

Weitere Informationen: www.praz-bonjour.ch

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Auf dem Feld von Phylis Mumbi Kamau wachsen Obstbäume und verschiedene Gemüsesorten in schönster Eintracht nebeneinander. Die Pflanzen unterstützen sich gegenseitig und trotzen der zunehmenden Dürre.

«Früher haben wir nur Mais und Bohnen angebaut, und wenn die Dürre kam, hatten wir wenig bis gar nichts mehr zu essen.» Das erzählt Phylis Mumbi Kamau, die seit einigen Jahren im Projekt der Fastenaktion-Partnerorganisation Caritas Nyahururu mitarbeitet. Sie lebt, zusammen mit ihrem Mann und den vier Söhnen, im Dorf Mithuri Laikipia County, im Hochland von Kenia. Die Nächte sind kalt, und eigentlich gilt das Land als fruchtbar. Doch seit sich die Folgen der Klimaveränderung immer stärker auswirken, fallen die Regenzeiten teilweise ganz aus oder sind nur kurz. Für die Menschen in der Region um Nyahururu, die sich auf Ackerbau und Viehzucht spezialisiert haben, eine bedrohliche Situation. Denn nebst der Klimaveränderung führen auch Überweidung und weitverbreitete Abholzung zu immer mehr Trockenheit. Ernteausfälle sind die Folge, und das Vieh findet kein Futter mehr. Abhängigkeit von teurem Hybridsaatgut und Kunstdünger sowie Ausbeutung durch Wucherer treiben die Bäuerinnen und Bauern schnell einmal in die Verschuldung. Doch die Partnerorganisation von Fastenaktion geht die Ursachen der Probleme von Grund auf an. So werden in einem ersten Schritt die Menschen ermuntert, sich in Gruppen zusammenzuschliessen, denn so können sie ihre Probleme gemeinsam angehen.

Auch Phylis Mumbi Kamau hat sich organisiert. «Ich gehöre zu einer Gruppe mit dem Namen Mithuri-Jugendgruppe. Jede von uns bewirtschaftet ihr eigenes Feld, auf dem sie die unterschiedlichsten Pflanzen anbaut. Wir ziehen und tauschen Setzlinge, manchmal werden sie uns auch zur Verfügung gestellt.»

Vielfalt auf gesunden Böden

Die lokalen Animator:innen bilden die Menschen in Bodenschutz- und Anbaumethoden nach den Prinzipien der Agrarökologie aus. Dank Erosionsschutz, gesünderen Böden und gepflanzten Obst und Nutzbäumen kann der Boden Regenwasser besser speichern, wird fruchtbarer, und die Setzlinge gedeihen besser. Durch die gemeinsame Arbeit auf den Feldern können die Menschen ihr Wissen austauschen. Phylis pflanzt Mangos, Passionsfrüchte und Grünkohl, Kürbisse, Süsskartoffeln und Maniok an. Auch ihr ältester Sohn Joseph hilft auf dem Feld regelmässig mit. Er hat sich auf die Veredelung von Pflanzen spezialisiert. So können die Obstbäume trotz zunehmender Dürre weiterwachsen. Joseph gefällt die Landwirtschaft, doch sein Berufswunsch ist Ingenieur. «Weil», wie er sagt, «Ingenieure Dinge normalerweise von Grund auf neu erschaffen. Das kommt dem nahe, was wir hier auf dem Feld machen.»

Der älteste Sohn Joseph beim Veredeln einer Pflanze.

Für das Schulgeld bleibt genügend übrig

Die Tage der Bäuerin und Mutter sind streng. Um 5.45 Uhr steht sie auf, spricht ihr Morgengebet und macht dann Feuer, um den Tee für die ganze Familie zu kochen. Wenn die Kinder ihr Frühstück beendet haben, gehen die drei älteren zur Schule, der Jüngste bleibt noch zu Hause, gerne auch bei den Grosseltern, die ganz in der Nähe wohnen. Phylis fegt das Haus, füttert die Hühner, melkt die Kühe und bringt sie danach auf die Weide. Anschliessend geht sie mit ihrem Mann zum Feld. «Ich geniesse es, zu sehen, dass alles, was ich angepflanzt habe, gut gedeiht. Ich bin einfach gerne auf dem Feld.»

Die Arbeit im Projekt hat das Leben der ganzen Familie Kamau verändert. «Ich hätte nie im Leben daran gedacht, Obstbäume zu pflanzen. Doch dank der Unterstützung der Koordinator:innen und zusammen mit meiner Gruppe habe ich es gewagt. Mittlerweile kaufe ich keine Früchte mehr. Ich hole sie einfach auf meinem Feld und gebe sie meinen Kindern zu essen. Ich habe sogar so viel Überschuss, dass ich ihn an einige meiner Nachbarinnen verteile, die nicht am Programm teilnehmen. Ich verwende auf meinem Hof keine chemischen Düngemittel mehr. Ich benutze natürliche Mittel, um Schädlinge zu vertreiben. Das hat die Qualität der Lebensmittel, die wir essen, verbessert und die Krankheiten, die wir früher hatten, drastisch reduziert. Zudem ernte ich so viele Früchte, dass ich sie zusätzlich noch auf dem Markt verkaufen kann. Mit dem Geld, das ich damit verdiene, bezahle ich das Schulgeld meiner Kinder und kaufe nur noch wenige Dinge, die ich für den Haushalt brauche. Mein Lebensmittelbudget ist nicht mehr sehr hoch, denn das meiste kommt aus meinem Garten.»

Zurück vom Feld gibt es erst einmal Tee und eine kleine Pause.

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Teodulo und Delia Badillo

Warum Agrarökologie krisenresistent macht

Die Bäuerin Delia Badillo und ihr Mann Teodulo haben auf der philippinischen Insel Mindanao einen eigenen Hof. Gerade in Zeiten von Corona ist die Selbstversorgung der Familie mit agrarökologischen Methoden zentral. Während viele Menschen auf Nahrungsmittellieferungen angeweisen sind, kommt diese Kleinbauernfamilie mit der Hilfe der Fastenaktion gut durch die Krise.

Die Warenbewegungen im Land sind drastisch eingeschränkt worden aufgrund der von der Regierung verhängten Sperre. In den Städten ist die Versorgung mit Lebensmitteln bereits jetzt vielerorts alarmierend. Es wird befürchtet, dass sich die Nahrungsmittelkrise in den kommenden Monaten noch verschärfen wird, wenn die Sperre wahrscheinlich verlängert wird und die Situation weiterhin aussergewöhnlich bleibt.

Bauern und Bäuerinnen sind gut auf die Corona-Krise vorbereitet

Menschen wie die Badillos haben nun mehr Möglichkeiten als andere: „Es geht uns hier gut, trotz der von der Regierung durchgeführten Sperre. Unser Bauernhof versorgt uns mit allem Nötigen“, sagt Delia Badillo. Sie und ihr Mann Teodulo – oder „Dokdok“, wie er überall genannt wird – bewirtschaften ihre Felder mit agrarökologischen Methoden. Ständig führen sie Innovationen auf dem Bauernhof durch, passen ihr Saatgut an. Auch teilen sie ihr Wissen uneigennützig mit den Bäuerinnen und Bauern in der Region der Halbinsel Zamboanga und in mehreren Teilen Mindanaos.

Diversität der landwirtschaftlichen Produkte zahlt sich aus

Auf ihrem ein Hektar grossen Bauernhof pflanzen sie Reis, Gemüse, Obstbäume und Kräuter an und ziehen Ziegen, einheimische Hühner und Enten auf. Begleitet werden sie dabei vom landwirtschaftlichen Know-How der Fastenaktion-Partnerorganisation Agro-Eco. Für ihr Engagement wurde die Organisation bereits mit einem internationalen Agrarökologie-Preis ausgezeichnet. Mit der agrarökologischen Anbaumethode versorgt sich die Familie Barillo ganzjährig mit nahrhaftem Essen, mit Medikamenten, natürlichen Düngemitteln. Dass sie auf viele verschiedene Nahrungsmittel setzen, garantiert ihnen zudem ein regelmässiges Einkommen und sogar einen grösseren Ertrag, als wenn sie nur Reis angepflanzt hätten.

Delia Badillo bekräftigt: „Agrarökologie macht unsere Familie flexibler, um mit einer solchen Situation fertig zu werden. Die diversifizierten Anbaumethoden sind ein wesentliches Element für den Fortbestand der Bäuerinnen und Bauern und der lokalen Wirtschaft.»

Text: Geonathan Barro von der philippinischen Partnerorganisation Agro-eco

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. 

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Corona: Wird Agrarökoklogie auf den Philippinen zum Trend?

Rund 1’500 agrarökologische Bauernbetriebe, die von unserer Partnerorganisation Agro-Eco unterstützt werden, kommen gut durch die Corona-Zeit. Warum sie gut auf die aktuelle Krise vorbereitet sind, erklärt Karin Wenger in der folgenden SRF-Reportage:

Die Kleinbäuerin Salvadora erntet Ube, eine Art Yamswurzel oder auf Englich "purpel yam".
Hier gibt es mehr Informationen zum Philippinenprogramm allgemein der Fastenaktion.