Fastenaktion ist erfreut, dass ihre Mitarbeiterin Helena Jeppesen-Spuhler an die Weltsynode der katholischen Kirche berufen wurde. So haben die Laien und die Ärmsten weltweit eine Stimme mehr in diesem Prozess zur Zukunft der Kirche.  

Fastenaktion begrüsst eine offene und progressive Kirche, welche die Zeichen der Zeit erkennt. Entsprechend sieht Fastenaktion mit grossem Interesse Reformbewegungen in Nord und Süd hin zu mehr Partizipation, Synodalität und Gleichberechtigung in der katholischen Kirche. In diesen Bewegungen engagieren sich auch einige der Südpartner von Fastenaktion. 

Weltweite Solidarität gegen den Hunger 

Der Auftrag von Fastenaktion, nebst der internationalen Zusammenarbeit im Süden und dem Einsatz gegen Hunger, ist die Sensibilisierung in der Schweiz und das Benennen von Ungleichheiten. Daher ist es nur folgerichtig, dass Fastenaktion eine glaubwürdige, partizipative und respektierende katholische Kirche anstrebt. Dies sind Werte, die auch unsere Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen im globalen Süden prägen. Was Fastenaktion in den Programmländern fordert, muss auch in der Schweiz und der Kirche weltweit eine Selbstverständlichkeit sein. 

Expertise von Fastenaktion im globalen Prozess

Helena Jeppesen hat nun die Möglichkeit, diese Themen in die Reformbewegung des synodalen Prozesses einzubringen. Kirchliche Organisationen und Strukturen spielen weltweit eine bedeutende Rolle bei der Bekämpfung von Armut und Hunger. Die Expertise von Fastenaktion in diesem Prozess ist deshalb äusserst relevant. Eine Kirche, die den Bedürfnissen benachteiligter Menschen, der Option für die Armen und der Bewahrung der Schöpfung Priorität einräumt, ist eine zukunftsfähige Kirche. Helena Jeppesen arbeitet seit 2001 bei Fastenaktion, zurzeit als Programmverantwortliche Philippinen und als Verantwortliche für die Beziehungen zu kirchlichen Akteuren. 

Helena Jeppesen auf Projektreise in Kolumbien.
Helena Jeppesen auf Projektreise in Kolumbien.

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Das Ja des Schweizer Stimmvolks zum Klimaschutz-Gesetz heute Sonntag ist ein lang notwendiger Schritt für mehr Klimagerechtigkeit. Die Stimmberechtigten wollen, dass die Schweiz Verantwortung für mehr Klimaschutz übernimmt. Und dies ist dringend notwendig, denn die Klimakrise ist Realität und führt zu Hunger. 

Ein Kommentar von Stefan Salzmann, Fachexperte für Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion

Von den Folgen der Klimaerwärmung sind besonders stark Menschen betroffen, die in Armut leben und wenig zur Problematik beigetragen haben. Es sind die ärmsten Menschen, die am stärksten unter der Klimakrise leiden. Der Hunger nimmt als Folge drastisch zu. Diese sehen wir bei Fastenaktion in unserer täglichen Arbeit. Darum braucht es mehr Klimagerechtigkeit. 

Ein erster Schritt

Das heutige Ja zeigt, dass eine Mehrheit der Menschen in der Schweiz vor der Bedrohung durch die Klimakrise nicht länger die Augen verschliessen will. Konkrete Massnahmen, um unseren CO2-Ausstoss zu senken, können endlich angegangen werden. Dazu zählen nächste Schritte für mehr Klimagerechtigkeit. Aber es ist noch ein langer Weg zu einer sozialen, ökologischen und klimagerechten Gesellschaft. 

Klimagerechtigkeit für weniger Hunger 

Gehen wir gemeinsam diesen Weg – für uns, für die nächste Generation und insbesondere auch für die Menschen in den ärmsten Ländern der Welt. Denn nur wenn Länder wie die Schweiz ihre Verantwortung wahrnehmen, können die Folgen der Klimakrise abgeschwächt werden und die Nahrungsmittelsicherheit erhöht werden. 

Ziel Netto-Null bis 2040

Ja, das Klimaschutz-Gesetz ist ein erster Schritt – doch den Weg müssen wir konsequent gehen. Um das Pariser Klimaabkommen noch einhalten zu können, muss es schneller vorwärtsgehen – Netto-NullEmissionen bis 2040 muss das Ziel sein. Komm deshalb mit uns am 30. September an die nationale Klimademo in Bern und stehe mit uns für Klimagerechtigkeit ein.

Fastenaktion setzt sich für eine gerechtere Welt und die Überwindung von Hunger und Armut ein. Erfahren Sie hier mehr über unsere Arbeit für mehr Klimagerechtigkeit.

Ein Mann steht neben einem Mangobaum, der vertrocknet und blattlos ist. Er blickt auf das Maniokfeld am Boden.
In Madagaskar werden die Dürren wegen der Klimakrise immer länger und lösen Hunger aus.

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Am 20. Mai sind rund 150 Menschen zum Morteratsch-Gletscher gewandert. Die Gletscher-Zeremonie war ein schöner, aber zugleich auch trauriger Anlass. Die Anwesenden haben gezeigt, dass die Menschen in der Schweiz verstehen: Die Schweizer Klimapolitik ist relevant für in Armut lebende Menschen weltweit.

Ein Kommentar von Stefan Salzmann, Fachexperte für Energie- und Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion

Im Sinne der Klimagerechtigkeit sollen nach dem Verursacher:innenprinzip  jene Länder, Unternehmen und Menschen, welche die Hauptursache der Erderwärmung sind, die entsprechende Verantwortung übernehmen. Von den Auswirkungen der Klimaerwärmung sind besonders stark Menschen betroffen, die in Armut leben und wenig zur Problematik beigetragen haben. Es sind also die ärmsten Menschen, die am stärksten unter der Klimakrise leiden. Der Hunger nimmt als Folge drastisch zu. 

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache und … 

Laut einem Bericht des Stockholm Environment Institute und Oxfam aus dem Jahr 2020 sind die reichsten 10 Prozent der Welt für etwa die Hälfte der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Die Superreichen, das oberste Prozent sind gar für 15 Prozent der Emissionen verantwortlich. Das ist doppelt so viel wie die ärmsten 50 Prozent der Welt, die gerade mal 7 Prozent der Emissionen verursachen. 

… fordern zum Handeln auf. 

Die Schweiz muss sich – aus Verantwortung und im eigenen Interesse – zum Klimaabkommen von Paris bekennen und bis 2040 Netto-Null Emissionen erreichen. Es braucht ein JA zum Klimaschutz-Gesetz: für uns, für unsere Kinder und Enkel. Und für Menschen, die weit weg von hier leben, aber die Auswirkungen unserer politischen Entscheidungen tagtäglich spüren.  

Fastenaktion setzt sich für eine gerechtere Welt und die Überwindung von Hunger und Armut ein. Darum sagen wir JA zum Klimaschutz-Gesetz am 18. Juni!

Am 20. Mai haben wir eine Gletscherzeremonie für ein JA zum Klimaschutz-Gesetz organisiert.

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Am 18. Juni stimmen wir über das Klimaschutz-Gesetz ab. Das hat der Bundesrat heute bekannt gegeben. Bei der Abstimmung können wir das Schweizer Klimaziel «Netto Null 2050» ermöglichen. Dieser Schritt für mehr Klimagerechtigkeit braucht unser aller klares JA. Denn die ärmsten Menschen leiden bereits jetzt am stärksten unter der Klimakrise.

Ein Kommentar von Stefan Salzmann, Fachexperte für Energie- und Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion

Menschen im Süden tragen die grösste Last

Das Abkommen von Paris ist für viele Menschen weltweit eine Art Rettungsring. Es ist die letzte Hoffnung, dass die globale Klimaerwärmung noch gestoppt werden kann. Sie offenbart sich in Hitzewellen, Waldbränden, schmelzenden Gletschern, Dürren, Überschwemmungen, ansteigendem Meeresspiegel und weiteren Wetterextremen. Die Lebensgrundlagen von Millionen von Menschen sind dadurch bedroht. Und die Klimakrise ist auch eine soziale Krise. In Armut lebende Menschen, unter anderem in den Projektländern von Fastenaktion, tragen die Hauptlast – ohne das Problem verursacht zu haben. In vielen Situationen erleben Frauen klimabedingte Stresssituationen überdurchschnittlich stark, etwa weil sie längere Wege für Trinkwasser gehen müssen. Menschen, die in Armut leben, fehlen die Mittel zur Anpassung an neue klimatische Realitäten. Die Folgen sind Hunger, Konflikte und Migrationsdruck. Das Recht auf ein Leben in Würde und ohne Hunger ist von der Klimakrise bedroht.

Die industrialisierten Länder nehmen ihre Verantwortung erst ansatzweise wahr und treiben den Klimawandel weiter voran. Das Klimaschutz-Gesetz bietet die Chance, hier einen Schritt zu tun und Verantwortung wahrzunehmen. Und deshalb engagieren wir uns im Namen der in Armut lebenden Menschen als Fastenaktion für das Klimaschutz-Gesetz.

Ein Bild einer Gletscherwanderung am Morteratschgletscher. Die Wanderung fand im Rahmen einer Aktion für ein JA zum Klimaschutz-Gesetz statt.
Am 20. Mai haben wir am Morteratschgletscher eine Aktion für ein JA zum Klimaschutz-Gesetz organisiert.

Das Klimaschutz-Gesetz (indirekter Gegenvorschlag Gletscher-Initiative) ist eine Art «letzte Chance», um Klimagerechtigkeit voranzubringen. Es geht um die Umsetzung des Klimaabkommens von Paris. Die Schweiz hat dieses Abkommen ratifiziert. Es hat zum Ziel, die globale Klimaerwärmung auf 1.5 Grad Celsius zu begrenzen. Das vorliegende Gesetz enthält Massnahmen, wie die Schweiz zu diesem Abkommen beitragen soll.

Ein Ja für mehr Gerechtigkeit

Wir engagieren  uns in der Koalition Christ:innen für Klimaschutz und mit dem Verein Klimaschutz für mehr Klimagerechtigkeit. Fastenaktion trägt mit dem Einsatz die wichtigen Stimmen der Menschen vom globalen Süden in die Schweiz. Verschliessen Sie nicht die Augen vor der Ungerechtigkeit – Sagen Sie JA am 18. Juni 2023 zum Klimaschutz-Gesetz!

Die Medienmitteilung der Koalition Christ:innen für Klimaschutz finden Sie hier.

Fastenaktion sagt im Namen der in Armut lebenden Menschen JA zum Klimaschutz-Gesetz.

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Bericht des Weltklimarats zeigt: Die Staaten müssen endlich entschlossen handeln. Fastenaktion setzt sich auf verschiedenen Ebenen dafür ein.
Heute hat der Weltklimarat in Interlaken seinen zusammenfassenden Bericht veröffentlicht. Der Bericht zeigt: Die Staaten müssen endlich Verantwortung übernehmen und entschlossen handeln. Denn die Klimakrise trifft die Ärmsten besonders hart. Dies sieht Fastenaktion in seiner täglichen Arbeit.

Ein Kommentar von Bernd Nilles, Geschäftsleiter Fastenaktion

Nach mehreren umfangreichen Klimastudien (IPCC AR6) und Sonderberichten unter der Beteiligung von tausenden von Klimaforscher:innen aus aller Welt, hat der Weltklimarat (IPCC) heute Montag in Interlaken seine Schlussfolgerungen aus diesen Berichten, sowie seine Empfehlungen vorgelegt. Das, was wir heute vom IPCC hören, ist die wissenschaftliche Grundlage zum Handeln für Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Der Klimawandel, wie wir ihn heute bereits erleben, führt zu Schäden, Verlusten und Armut. Wir bei Fastenaktion versuchen, mit unserer Arbeit und auch mit Nothilfe diesen Auswirkungen zu begegnen. Denn zu den Hauptleidtragenden gehören auch die Menschen in den Projektländern von Fastenaktion. Das sieht auch der Weltklimarat so: «Dies hat zu weitverbreiteten nachteiligen Folgen und damit verbundenen Verlusten und Schäden für Natur und Menschen geführt. Verwundbare Bevölkerungsgruppen, die historisch am wenigsten zum aktuellen Klimawandel beigetragen haben, sind unverhältnismässig stark betroffen.» Diese Hilfe wird in Zukunft immer wichtiger und braucht Entwicklungs- sowie Klimafinanzierung.

Klimakrise trifft die Ärmsten am stärksten

Der IPCC weist wie Fastenaktion in seinem Bericht «Das entscheidende Jahrzehnt» erneut darauf hin, dass entschlossenes Handeln in den nächsten sieben Jahren bis 2030 entscheidend ist für das Wohl von uns allen – aber insbesondere für die Menschen im globalen Süden. Der IPCC und Fastenaktion fordern die Einhaltung des jährlich schrumpfenden Restbudgets an CO2. Der Klimawandel betrifft alle Menschen, aber die Folgen für die Ärmsten sind am dramatischsten. In unserer täglichen Arbeit bei Fastenaktion sehen wir das Leid und den Hunger, welche die Klimakrise hervorrufen. Der Bericht des Weltklimarats ist hier eindeutig: Jede zusätzliche Tonne CO2 führt zu mehr Dürren, mehr zerstörerischen Stürmen und weiter ansteigenden Meeren.

Aus fossilen Brennstoffen aussteigen

Der IPCC hat uns heute zudem nochmal deutlich gemacht, dass wir immer noch eine Chance haben die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Die Politiker:innen, die das als unrealistisch oder hoffnungslos bezeichnen, offenbaren ihre Unverantwortlichkeit und ihren Unwillen, angemessen und zum Wohle aller zu handeln. Leider ist dies die Realität, mit der wir konfrontiert sind. Entsprechend zeigt der IPCC-Bericht, dass Regierungen immer noch mehr Geld für die fossile Wirtschaft ausgeben als für Anpassung und Abmilderung des Klimawandels.

Der Bericht lässt meiner Meinung nach nur einen Schluss zu: Der sofortige Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, um unter 1,5 Grad Celsius globaler Erwärmung zu bleiben. Für diesen Ausstieg sieht der Bericht nur noch wenige Jahre Zeit, sofern wir grosses Leid vermeiden und ein Überleben der Menschheit unter würdigen Bedingungen sichern wollen. Dazu der Weltklimarat in seinem Bericht: «Das Zeitfenster, in dem eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft für alle gesichert werden kann, schließt sich rapide.»

Wir können handeln

Solch eine Zukunft in Sicherheit wird unmöglich sein, wenn wir nicht aus den fossilen Brennstoffen aussteigen. Das gilt zuallererst für reiche Länder wie die Schweiz. Sowohl die Landesregierung, die Kantone, aber auch wir alle können handeln. Dieses Jahr zum Beispiel mit einem klaren «Ja zum Klimaschutzgesetz» am 18. Juni.

Denn die Schweiz kann sich mit hundert Prozent erneuerbarer Energie versorgen und ihre Landwirtschaft klimaneutral ausrichten. Es gibt keinen Grund weiterhin Kohle, Öl und Gas zu nutzen oder in anderen Ländern Regenwälder für unseren Konsum abzuholzen.

Die Hauptaussagen des Weltklimarat-Berichts finden Sie hier auf Deutsch.

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Am 8. März ist der internationale Frauentag! In den Projekten von Fastenaktion ist Geschlechtergerechtigkeit ein zentraler Handlungsansatz. Zwei Projekte aus Burkina Faso veranschaulichen auf eindrückliche Weise, wie erfolgreiche Gender-Arbeit über reine Frauenförderung hinausgeht.

Ein Text von Romana Büchel, Fachverantwortliche Gender, Religion & Kultur und Natacha Compaore, Koordinatorin des Landesprogramms Burkina Faso bei Fastenaktion

Gemeinsame Feldarbeit führt zum Erfolg

Seit einigen Jahren arbeitet Fastenaktion mit der Frauenorganisation Lougouzéna in Zentral-Burkina Faso zusammen. Mehr als 1‘500 Frauen sind in Frauengruppen organisiert. Die Gruppen haben das Ziel, durch sozioökonomische Aktivitäten die Lebensbedingungen ihrer Familien zu verbessern. Dies geschieht unter anderem durch die Herstellung und Vermarktung von Karitébutter und dem beliebten Sumbala-Gewürz. Gleichzeitig stärkt Lougouzéna durch nachhaltige landwirtschaftliche Techniken die Ernährungssicherheit. Dafür stellen die Frauen beispielsweise selbst organischen Dünger her, der die Fruchtbarkeit des Bodens erhöht und die Pflanzen widerstandsfähiger gegenüber der Klimaerwärmung macht.

Die Arbeit in den Projekten hat gezeigt, dass die Frauen zwar durch die Ausbildungen gestärkt werden, sie aber nicht alle körperlichen Arbeiten effizient durchführen können – was wiederum ihr erworbenes Wissen unnütz macht. Im Jahr 2022 wurde daher das Projekt überarbeitet und seitdem werden auch Männer in die Aktivitäten miteinbezogen. Sie unterstützen die Frauen bei schweren Arbeiten wie der Herstellung von Kompost und der Bewirtschaftung der Felder der Gruppen. Dies ist eine logische Erweiterung des Projekts, denn bereits im Alltag werden die Familienfelder gemeinsam bearbeitet. Die Verantwortlichen von Lougouzéna haben realisiert, dass nur das Zusammenwirken der Geschlechter ein Projekt zum Erfolg führen kann.

Die Herstellung und der Verkauf von Karitébutter ist eine wichtige Einkommensquelle der Frauen.

Zugang zu Land unabhängig vom Geschlecht

ADIF, eine weitere Frauenorganisation, arbeitet im nördlichen Zentrum von Burkina Faso in der Gemeinde Bourzanga ebenfalls mit Frauengruppen. In dieser stark patriarchal geprägten Gesellschaft erben die Söhne das Land ihrer Väter. Die Mädchen und Frauen gehen hingegen leer aus und sind lediglich Arbeitskräfte auf den Feldern des Vaters resp. später des Ehemannes. In einer ersten Projektphase erlernten die Frauen, ihre landwirtschaftlichen Produkte auf dem Markt zu verkaufen. Damit wollte ADIF ihr Selbstbewusstsein stärken und die Ernährungssicherheit verbessern. Eine nachhaltige Sicherung der Ernährung kann aber nur erreicht werden, wenn auch Frauen Zugang zu Land bekommen. Im Jahr 2020 bekamen daher rund 50 Frauen jeweils einen halben Hektar Land, auf welchem sie nun Niebé (Augenbohnen), Erdnüsse und Erbsen produzieren, die sie später auch selbstständig vermarkten können.

Ein Problem, das es nun noch zu lösen gilt, ist die Absicherung ihres Landbesitzes durch staatliche Dokumente. Das betrifft sowohl die Männer, welche das Land abgeben, wie auch die Frauen, die solches erhalten. Durch Appelle der Partnerorganisation an den burkinischen Staat soll dies für beide Parteien erreicht werden. Denn momentan befinden sich selbst Männer aufgrund des Fehlens dieser Dokumente in einer unsicheren Situation im Hinblick auf den Landbesitz.

In unseren Programmen sollen sich Menschen unabhängig vom Geschlecht selbst befähigen, ihre Interessen zu verfolgen und ihre spezifischen Rechte einzufordern. Die Gender-Arbeit muss sich daher immer auch mit der Vergabe von Ressourcen und der Umverteilung von Macht befassen. Und im Idealfall löst Geschlechtergerechtigkeit in den Fastenaktions-Programmen auch einen gesellschaftlichen Veränderungsprozess aus.

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Jahrelang haben John* und seine Kollegen in südafrikanischen Kohleminen geschuftet, ohne Masken zum Schutz vor dem Kohlestaub zu erhalten. Heute leiden mehr als tausend ehemalige Minenarbeiter wie er an Lungenkrankheiten. Sie fordern eine Entschädigung von den Bergbauunternehmen. Fastenaktion und HEKS unterstützen sie in ihrem Anliegen.

Ein Text von François Mercier, Leiter des Programms Rohstoffe und Menschenrechte

In der südafrikanischen Provinz Mpumalanga sind Kohleminen allgegenwärtig. Die Arbeit in den Minen, egal ob unter oder über Tage, ist hart und schlecht bezahlt. Kohlestaub und andere Gefahren sind allgegenwärtig.

Die vier Minenarbeiter, die ich vor einigen Jahren in Ermelo getroffen habe, haben alle über 20 Jahre lang in Kohleminen gearbeitet. Darunter auch in solchen, die dem Schweizer Rohstoffriesen Glencore gehören. Erst im Jahr 2000, nachdem die Gewerkschaften gegen die schlechten Arbeitsbedingungen protestiert hatten, erklärten sich die Bergbauunternehmen dazu bereit, den Mitarbeitenden Mundschutz auszuhändigen.

Lebenslange Folgeschäden

Für mehr als tausend Minenarbeiter kam diese Massnahme zu spät. Der Kohlestaub hat sich tief in ihren Lungen angesammelt und löst viele Jahre später die Lungenkrankheit «Staublunge» aus.

Die vier Männer in Ermelo arbeiten heute nicht mehr und sind von der Krankheit sichtlich gezeichnet: «Ich kann nicht mehr normal atmen. Meine Brust tut weh und ich habe Herzprobleme», erklärt John*. Einer seiner Kollegen fügt hinzu: «Ohne Medikamente kann ich nicht mehr atmen». Zusammen mit anderen ehemaligen Bergleuten gründeten sie den Verein Zamani (Zulu für: «Versuchen wir unser Glück»), um sich gegenseitig zu helfen. Mehrere ihrer ehemaligen Kollegen sind bereits an der Krankheit gestorben.

Nach mehr als 20 Jahren Arbeit in Kohleminen leiden diese ehemaligen Bergleute an Lungenkrankheiten.

Der lange Weg zur Entschädigung

2017 beschliesst die Kommission Justitia et Pax der südafrikanischen Bischofskonferenz, eine Partnerin von Fastenaktion und HEKS, die Minenarbeiter und ihre Familien in ihrem Kampf zu begleiten. Sie lässt den Gesundheitszustand von Hunderten von Menschen untersuchen, testet sie auf Staublunge und unterstützt sie bei den Entschädigungsforderungen gegenüber den fehlbaren Unternehmen.

Im Dezember 2022 ist die Geduld der Minenarbeiter am Ende. Sie protestierten vor einer Glencore-Niederlassung ausserhalb von Johannesburg und forderten Wiedergutmachung für die Erkrankten. Joseph Nzimande, Vertreter der betroffenen Gemeinden, sagt: «Glencore hat mit den Kohleminen Milliarden verdient. Es ist nur fair, dass das Unternehmen nun diejenigen entschädigt, die durch harte Arbeit für das Unternehmen an Staublunge erkrankten».

Anfang Februar 2023 trafen sich Justitia & Pax Südafrika und eine Delegation von Minenarbeitern schliesslich mit dem Unternehmen. Glencore verspricht eine baldige Stellungnahme, scheint die Forderungen aber nicht ernst zu nehmen. Die Arbeiter haben bereits angekündigt, dass sie ihren Protest fortsetzen und rechtliche Schritte in Betracht ziehen. Unterstützen wir sie, damit sie ihre Rechte durchsetzen können!

*richtiger Name bekannt

Kranke Bergarbeiter und ihre Familien protestieren vor einer Glencore-Filiale in Südafrika.

Unterstützen Sie die Minenarbeiter in Südafrika

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Fikele Ntshangase, südafrikanische Aktivistin

Fikile Ntshangase wehrte sich seit Jahren gegen die Ausweitung der Tendele Kohlemine in Somkhele in der Provinz Kwa-Zulu Natal. Am 22. Oktober wurde sie in ihrem Haus vor den Augen ihres 11-jährigen Enkels erschossen.

Die 65-jährige wurde von allen respektvoll Mam’ Ntshangase genannt, sie war Mutter, Grossmutter, Umweltaktivistin und Vizepräsidentin von MCEJO, einer Umweltorganisation in Mfolozi, die mit der Fastenaktion-Partnerorganisation WoMin (Women and Mines) zusammenarbeitet. Sie glaubte an Gerechtigkeit und engagierte sich mutig gegen die Ausdehnung der Kohlemine der südafrikanischen Firma Tendele. Zusammen mit Menschen aus 2300 betroffenen Siedlungen wollte sie die zahlreichen, durch die Mine verursachten Schäden wie Wasser- und Bodenverseuchung, Zerstörung der Häuser durch Sprengungen, Landverlust durch erzwungene Umsiedlung und die Entfernung von Grabstätten nicht weiter hinnehmen.

Fehlende Risikoanalysen, keine Konsultationen mit der betroffenen Bevölkerung

Gemeinsam klagten sie gegen Tendele. Denn die Firma hat weder eine angemessene Umweltrisikoanalyse noch eine umfassende Konsultation mit den Landbesitzerinnen und -besitzern der betroffenen Dörfern durchgeführt. Auch fehlt ein Plan zur Entsorgung des anfallenden Giftmülls. Ausserdem fordern die Anwohnerinnen und Anwohner den Stopp der Bergbautätigkeit und Entschädigungen für den erlittenen Schaden. Die Anhörung der Klage vor dem Obersten Berufungsgericht soll am 3. November 2020 stattfinden.

Anthrazitvorkommen beinahe ausgeschöpft

Die Firma Tendele drängt jedoch auf ein bindendes Abkommen* mit den in MEJCO zusammengeschlossenen Dörfern, und fordert, dass alle laufenden Klagen zurückgezogen werden sollen, damit ihre Arbeitsplätze während der Covid-Pandemie gesichert sind. Einschüchterungen, Morddrohungen und die Ankündigung grosszügiger Zahlungen bei Unterzeichnung des Abkommens führten laut Caroline Ntaopane, der Rechtsanwältin von Fikele Ntshangase, dazu, dass einzelne -nicht zeichnungsberechtigte – Mitglieder von MEJCO diesen Vertrag schliesslich unterschrieben. Mam’ Ntshangase hat dieses Vorgehen aufs Schärfste kritisiert und sich geweigert zu unterzeichnen. Die Firma Tendele verurteilt den Mord an Mam’ Ntshangase zwar, streitet aber jegliche Einschüchterungen und Geldangebote ab.

Ausdehnung der Mine vorgesehen

Die Kohlemine Somkhele der Firma Tendele wurde 2007 nahe der Kleinstadt Mtubatuba, 150 Kilometer nördlich von Durban errichtet und grenzt an den ältesten Wildpark Südafrikas den Hluhluwe-iMfolozi. Mit 22’000 Hektaren ist sie eine der grössten Tagebau-Kohleminen Südafrikas. Die Mine exportiert jährlich zirka 900’000 Tonnen Anthrazit. Das ist die härteste und hochwertigste Kohlesorte, sie verbrennt fast rückstandslos. Gemäss der Firma sind die Anthrazitvorkommen in der Mine fast ausgeschöpft, deshalb soll sie auf die umliegenden Gebiete von Emalalheni und Ophondweni, ausgedehnt werden, dem Ort an dem Mam’ Ntshangase umgebracht wurde.  Der Südafrikanische Menschenrechtsrat und die Fastenaktion-Partnerorganisation WoMin prangern die Umweltschäden und Menschenrechtsverletzungen durch die Tendele Mine seit 2014 an.

Claudia Fuhrer, verantwortlich für das Programm Südafrika/28.10.2020

* Dieses Abkommen liegt Fastenaktion vor.

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Sister Mary John Mananzan, Fastenaktion-Partnerin aus den PhilippinenSister Mary John Mananzan, Fastenaktion-Partnerin aus den Philippinen

Wie die Bischöfe unterstützen zahlreiche Frauen innerhalb der Kirche den Kampf gegen den Missbrauch durch Unternehmen und sind eine wichtige Gruppe, die sich dem Einsatz für Gerechtigkeit verschrieben hat. Schwester Mary John Mananzan, eine langährige Partnerin des Philippinen-Programms der Fastenaktion, hat als Reaktion auf die Erklärung der Bischöfe zur Sorgfaltspflicht und der weltweiten Solidarität untenstehenden Artikel verfasst.

«Als Vorsitzende der grössten philippinischen Frauenorganisation, habe ich mich während achtzehn Jahren intensiv mit unserer Gesellschaft auseinandergesetzt. Ich war Teil vieler Protestaktionen die sich aktiv für die gesellschaftspolitischen Rechte der Frauen eingesetzt haben. Dabei ist mir klar geworden, dass auf den Philippinen – wie auch in vielen anderen Entwicklungsländern – die Globalisierung die Situation in den Ländern massiv verschlechtert hat. Lokale Regierungen haben ihre Autonomie bei der Kontrolle von Importen und der Gesetzgebung von Zöllen zum Schutz ihrer lokalen Wirtschaft verloren. Die Kluft zwischen Arm und Reich hat sich vergrössert, Schäden an der Umwelt haben zugenommen und die Ausbeutung von Frauen und Kindern hat sich verschlimmert.

Ausländischen multinationalen Konzernen ist es gelungen, die Kontrolle über die Wirtschaft des Landes zu übernehmen. Ihre Unternehmenspraktiken verletzen die Rechte der Arbeitnehmenden. Es ist vielen nicht mehr erlaubt sich gewerkschaftlich zu organisieren, zu streiken oder gerechte Löhne einzufordern. Bergbau- und Holzfällerunternehmen haben indigene Gemeinschaften von ihrem angestammten Land vertrieben und künftige Generationen um die Reichtümer des Landes wie Wälder und Bodenschätze gebracht. Die Gewinne aus den abgebauten Metallen, die nicht im Land verarbeitet werden, kommen vor allem den ausländischen multinationalen Konzernen zugute und nicht mehr der einheimischen Wirtschaft.

Feminisierung der Armut

Von Armut sind Frauen die am meisten betroffen. Das führt zu einer Feminisierung der Armut. Obwohl auch Männer unter Armut leiden, ist das Ausmass der Armut bei Frauen ausgeprägter. Denn ihre Armut führt zu einer kürzeren Lebenserwartung, raubt ihnen die Gesundheit, das Recht auf Wissen und die soziale und politische Teilhabe werden ihnen vorenthalten.

Frauen als Arbeitnehmerinnen werden schlechter bezahlt, selbst wenn sie qualitativ bessere Arbeit leisten. Sie laufen Gefahr von Chefs oder Kollegen sexuell belästigt zu werden. Sie tragen eine doppelte Last, denn selbst wenn sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen, sind sie immer auch für die Hausarbeit und die Betreuung der Kinder verantwortlich. Als Bäuerinnen werden sie insofern diskriminiert, dass sie zwar mehr als fünfzig Prozent der Arbeit verrichten, diese Arbeit aber in den Statistiken nicht aufgeführt ist. Viele von ihnen  haben keinen Zugang zu Ressourcen wie Land oder Krediten, selbst dann, wenn sie für den Verkauf ihrer landwirtschaftlichen Produkte zuständig sind.

Unter den philippinischen Frauen sind die indigenen Frauen die Ärmsten und am meisten ausgebeuteten. Nur wenige haben Zugang zu Bildung. Schützt das Militär die multinationalen Bergbaukonzerne, sind sie Vergewaltigungen oder Zwangskonkubinat ausgesetzt. Die mit dem Bergbau einhergehende Landnahme vertreibt die indigenen Familien von ihrem Land, und durch militärische Aktionen werden sie in Flüchtlingslager getrieben, wo sie leichte Beute für Zuhälter und die Sexindustrie werden.

Der Platz der Frauen ist… im Kampf

Die traditionelle Annahme, dass der Platz der Frau im Haus ist, ist heute nicht mehr haltbar. Dasselbe gilt auch für den politischen Kampf: Frauen beanspruchen für sich das Recht, sich in der Gesellschaft , aktiv für Menschenrechte einzusetzen und sich gegen Unterdrückung und Ausbeutung in jeder Form zur Wehr zu setzen. Seit Ende der Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts organisieren sich Frauen auf den Philippinen, um Teil des Kampfes für eine umfassende Umgestaltung der Gesellschaft zu sein, Solidarität mit den Armen und Unterdrückten zu üben, die Menschenrechte zu schützen und zu verteidigen, sich für die Stärkung der Frauenrechte einzusetzen und der Umwelt Sorge zu tragen. Zahlreiche Organisationen schlossen sich in den Philippinen zudem zu einem Dachverband zusammen, die auf ihrem Höhepunkt 250 Frauenorganisationen und 50’000 Einzelmitglieder zählte.

Es gibt zahlreiche Frauen, die sich in nationalen und lokalen Organisationen für die Umwelt einsetzen. An dieser Stelle möchte ich besonders eine Frau würdigen, deren Einsatz für die Ökologie nationale Auswirkungen hat: Meine Mitschwester und Benediktinerin Aida Velasquez. Sie ist eine Pionierin der ökologischen Bewegung auf den Philippinen, die den Kampf gegen die multinationalen Bergbauunternehmen anführte, die die Flüsse in Mindoro verschmutzten. Sie startete eine landesweite Kampagne gegen genmanipulierte Lebensmittel, und war Initiantin der Bewegung für ein nuklearfreies Philippinen. Ihr ist es gelungen, den Betrieb von Kernkraftwerken bis zum heutigen Tag zu verhindern.»

Sister Mary John Mananzan, Philippines

 

Der Aufruf für Menschenrechte und Umweltschutz im Umfeld von Rohstoffaubbau und industriell betriebener Landwirtschaft, wurde bisher von 223 Bischöfen weltweit unterzeichnet. Mehr zum Inhalt des Aufrufs finden Sie hier.

Grossfamilie vor Haus, das die Mine zerstört hat. Foto: Fastenaktion/Meinrad SchadeFamilie in Burkina Faso vor ihrem Haus, das die Mine zerstört hat. Im Hintergrund die Abraumhalde der MIne. Foto: Fastenaktion/Meinrad Schade

Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) hat heute Donnerstag gemeinsam mit der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) eine Stellungnahme zur Konzernverantwortungsinitiative (KVI) veröffentlicht. Fastenaktion als Hilfswerk der katholischen Kirche begrüsst die Stellungnahme. Sie stützt die Erfahrungen, die Fastenaktion tagtäglich in seiner Arbeit macht. Verantwortung zu übernehmen, ist somit auch aus theologisch ethischer Sicht eine Notwendigkeit. Mit einem Ja zur Konzernverantwortung kann dieser Notwendigkeit endlich Nachdruck verliehen werden.

In ihrer heutigen Stellungnahme zeigen die SBK und die EKS auf, dass die Einhaltung der Menschenrechte aus Sicht der Kirche unabdingbar ist. Denn die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 spricht von einer einzigen Menschheitsfamilie, und verweist damit laut der Stellungnahme auch auf das Grundverständnis der Menschheit der jüdisch-christlichen Schöpfungsgeschichte. Christinnen und Christen in der Schweiz haben somit die einmalige Chance, dieser Notwendigkeit bei der Abstimmung am 29. November 2020 Ausdruck zu verleihen. 

Verbindliche Rechte im Interesse aller

Weiter führen die EKS und die SBK aus, dass die meisten Opfer von Menschenrechtsverletzungen sich nicht gegen diese Verletzungen zur Wehr setzen können, weshalb Konzerne in einer besonderen Verantwortung stehen: «Deshalb ist es umso wichtiger, dass die international tätigen Unternehmen mit Sitz in der Schweiz gerade dort aktiv zum Menschenrechtsschutz beitragen, wo prekäre politische und rechtliche Verhältnisse diesen nicht garantieren wollen oder können. (…) sie tragen Verantwortung für eine Unternehmenskultur, die den Betroffenen die Persönlichkeits- und Schutzrechte garantiert, die ihnen ihr Staat unter Umständen verweigert.»  Die Stellungnahme greift aber auch auf, dass klare Regeln wie die KVI am Ende auch zum Erfolg der Wirtschaft und zur positiven Reputation beitragen können: «Ein verbindlicher Menschenrechtsschutz auf rechtsstaatlicher Basis kommt nicht nur den einzelnen Menschen, sondern auch den Unternehmen selbst zugute. Deshalb erfolgt das Engagement für Menschenrechte, die durch flankierende nationale Rechte überprüft und sanktioniert werden können im Interesse aller.»  

Rückmeldungen zeigen Notwendigkeit

Fastenaktion, Mitinitiant der Konzernverantwortungsinitiative, sieht in seinen Projektländern regelmässig wie Menschenrechte verletzt werden und die ärmsten und wehrlosesten Menschen ausgebeutet werden. Die Stellungnahme der SBK und des EKS zeigt aus einer ethisch theologischen Sicht, warum der Einsatz für Menschenrechte unabdingbar ist. Dazu gehört auch die Unterstützung der Konzernverantwortungsinitiative. Es ist zwar eine Massnahme, die rechtlichen Charakter hat, hinter der aber klar ein ethischer Grundgedanke steht. Die Kehrseite jeder Freiheit, auch der unternehmerischen Freiheit heisst Verantwortung.: «Kein Unternehmen sollte sich mit der Missachtung oder Umgehung von Menschenrechten schmücken oder daraus Profit oder Konkurrenzvorteile schlagen können.»  

Was fordert die Initiative
 

Die Initiative will Konzerne mit Sitz in der Schweiz verpflichten, die Menschenrechte nicht zu verletzen und die Umwelt nicht zu zerstören. Denn Freiwilligkeit genügt nicht, deshalb sollen Verstösse von Konzernen in Zukunft Konsequenzen haben. Konzerne sollen deshalb für Menschenrechtsverletzungen geradestehen, welche sie selber oder ihre Tochterfirmen verursachen. 

Für weitere Auskünfte (D/F):Daniel Hostettler, Leiter Internationale Programme, 041 227 59 41  

Die Medienmitteilung der SBK

Demokratische Republik Kongo: Im Schatten des Kobaltbooms
FRauengrupe aus dem Senegal während Corona-19
von Sandra Lassak, Markus Büker, Bernd Nilles

Heute wurde im Vatikan das neue Lehrschreiben von Papst Franziskus veröffentlicht. Am Tag zuvor hat Franziskus es in der mittelitalienischen Kleinstadt Assisi unterzeichnet. Der Ort ist bewusst gewählt und angesichts heutiger Krisen in Gesellschaft und Kirche symbolisch.

Der Namensgeber des Papstes, der heilige Franziskus, war im 13. Jahrhundert aus den bestehenden Machtverhältnissen seiner Stadt und Kirche ausgezogen, um eine neue Vision von universaler Geschwisterlichkeit und sozialer Freundschaft zu leben. In allen Begegnungen bezeugte er die Würde und Gleichheit aller Menschen, begegnete allen Geschöpfen und der Natur mit Ehrfurcht, praktizierte bis zum Besuch bei Sultan Malik-al-Kamil in Ägypten die Freundschaft über Religionen hinweg.

Das bestehende Wirtschaftssystem als Ursache

 Papst Franziskus inszeniert diese Parallele, wenn er von Assisi aus unsere Welt verschiedenster Krisen zu einem tiefgreifenden Wandel einlädt: „Wenn einer meint, dass es nur um ein besseres Funktionieren dessen geht, was wir schon gemacht haben, oder dass die einzige Botschaft darin besteht, die bereits vorhandenen Systeme und Regeln zu verbessern, dann ist er auf dem Holzweg.“ (FT 7). Mit deutlichen Worten identifiziert Franziskus unser profitbasiertes und wachstumsorientiertes Wirtschaftssystem das nicht zögert, Menschen auszubeuten, wegzuwerfen und sogar zu töten (FT 22), als wesentliche Ursache für diese destruktive Lebensweise. Menschen leben und arbeiten in sklavenähnlichen Bedingungen, erfahren sexualisierte oder rassistische Diskriminierung und Gewalt, sterben an den europäischen Außengrenzen aufgrund der „Mauern“, die ihnen gegenüber errichtet wurden.

Die Würde jedes Menschen

Schlüssel zum Verständnis dieser Analyse ist der Glaube daran, dass „jeder Mensch eine unveräußerliche Würde hat, (…) jeder Mensch mein Bruder oder meine Schwester ist, und (…) die Welt wirklich allen gehört, (…) egal, ob jemand hier geboren wurde oder außerhalb der Grenzen seines eigenen Landes lebt.“ (FT 125). Entscheidend ist es wie im Gleichnis vom barmherzigen Samariter, sich von den Notleidenden, den Verletzlichen her zum Nächsten machen zu lassen – es ist eine Provokation, wenn ich mir die Nächsten nicht aussuchen kann, sondern sie mir ungefragt entgegenkommen.
Es braucht mehr als kleine Korrekturen, es braucht tiefgreifende Veränderungen und eine internationale Zusammenarbeit, bei der alle aufgerufen sind, aufeinander zu hören, zu lernen und sich zu verändern. Statt des Recht der Stärkeren, brauchen wir verbindliche Regeln die Mensch und Umwelt schützen und dazu beitragen dass Gleichgültigkeit gegenüber an den europäischen Außengrenzen Ertrinkenden, gegenüber Hungernden und Ausgebeuteten ein Ende finden.

Die Welt als gemeinsames Haus aller

Angesichts der aktuellen weltpolitischen Situation – einerseits die bekannten Krisen wie Klimawandel, brennende Regenwälder, Kriege, über 690 Millionen chronisch Hungernde, schutzlose Flüchtlinge und neu Corona-Krise, andererseits nationale Egoismen, Populismus, eine geschwächte UNO – ist die klare Wortmeldung von Papst Franziskus dringend nötig. Denn eine „globale Tragödie wie die COVID-19-Pandemie hat für eine gewisse Zeit wirklich das Bewusstsein geweckt, eine weltweite Gemeinschaft in einem Boot zu sein, wo das Übel eines Insassen allen zum Schaden gereicht. Wir haben uns daran erinnert, dass keiner sich allein retten kann, dass man nur Hilfe erfährt, wo andere zugegen sind“ (FT 32). Die Überwindung der herrschenden, auf ungleichen Machtverhältnissen basierende Weltordnung zielt auf das friedliche Zusammenleben der Menschheitsfamilie im gemeinsamen Haus der Erde ab. Sie kann nur in einer sich als Weltgemeinschaft verstehenden Menschheit möglich sein und werden.

Der Aufruf für Wandel und weltweite Zusammenarbeit

Die Botschaft von Fratelli tutti: Hoffnung ist möglich, aber nur um den Preis eines radikalen Wandels und in weltweiter Zusammenarbeit. Das schließt aber auch untrennbar ein, auf die eigene Kirche zu schauen, auch in ihr strukturelle Konsequenzen zu ziehen und konkret zu werden: Machtverhältnisse, die diskriminierend und ausschließend sind zu überwinden, Frauen, die gleichen Rechte wie Männern zu geben, die Zeichen der Zeit gesellschaftlicher Veränderungen wahr- und ernst zu nehmen, kulturelle Vorherrschaft infrage zu stellen. In der Suche nach einer Politik der Solidarität aus einer Haltung des Zuhörens heraus selbstverständlich mit Angehörigen anderer Religionen und Kontinente zusammen zu arbeiten. Franziskus lädt dazu ein, wichtige Erfahrungen aus dem Versöhnungsprozess in Südafrika, dem Einsatz für Frieden im Kongo oder einer Armutsbekämpfung der Lateinamerikanischen Kirche zu nutzen wo es nicht um alleine um eine Politik für, sondern mit den Armen geht im Sinne der Option für die Armen (FT 226, 229, 234).

Die konkreten Forderungen

Fratelli tutti beschreibt wichtige Prinzipien einerseits für alle Menschen, aber auch ganz konkret für die Politik, die Medien, die Wirtschaft. Damit betont Franziskus einerseits die Notwendigkeit struktureller Veränderungen, sieht aber zugleich das echte Veränderungen auch davon abhängen, dass jede/r einzelne Bereitschaft zeigt den/die Nächste/n zu lieben, die Ärmsten in den Mittelpunkt zu stellen und geschwisterlich bzw. solidarisch zu handeln. (FT 193, 194) Er bestreitet nicht, dass bereits viel erreicht wurde in der Welt, aber er erinnert uns daran, dass »jede Generation sich die Kämpfe und die Errungenschaften der früheren Generationen zu eigen machen und sie zu noch höheren Zielen führen muss…Unmöglich kann man sich mit dem zufriedengeben, was man in der Vergangenheit erreicht hat, und dabei verweilen, es zu genießen, als würden wir nicht merken, dass viele unserer Brüder und Schwestern unter Situationen der Ungerechtigkeit leiden, die uns alle angehen«. (FT 11)

Die Notwendigkeit, sich einzumischen und Stellung zu beziehen

Konkret kann eine Geschwisterlichkeit im Sinne von Fratelli tutti bedeuten, Anlagen aus Kohl, Erdöl oder Gas abzuziehen, nachhaltig zu konsumieren und verbindliche Sorgfalts- und Haftpflichtregeln für Konzerne festzulegen. Papst Franziskus sieht die Notwendigkeit, dass Kirche sich politisch einmischt und Stellung bezieht. Die Kirche respektiere zwar die Autonomie der Politik, so Franziskus, beschränke aber ihre eigene Mission nicht auf den privaten Bereich: „Im Gegenteil, sie kann und darf beim Aufbau einer besseren Welt nicht abseits stehen…. Es stimmt, dass religiöse Amtsträger keine Parteipolitik betreiben sollten, die den Laien zusteht, aber sie können auch nicht auf die politische Dimension der Existenz verzichten, die eine ständige Aufmerksamkeit für das Gemeinwohl und die Sorge um eine ganzheitliche menschliche Entwicklung umfasst. Die Kirche hat eine ´öffentliche Rolle, die sich … in den Dienst der Förderung des Menschen und der weltweiten Geschwisterlichkeit´ stellt“ (FT 276).

Die Vision einer erneuerten Kirche

 In Evangelii Gaudium entwirft Franziskus das Bild einer grunderneuerten Kirche, die von den Rändern der Existenz und Gesellschaften her Zeichen und Werkzeug einer besseren Welt ist. In Laudato si’ beschreibt er die ökologische und soziale Krise, in die uns Lebens- und Produktionsweisen im herrschenden Kapitalismus heute gebracht haben, zeigt in einer integralen Ökologie einen Ausweg auf. In Fratelli Tutti nun benennt er die innere Haltung und Arbeitsweise, die über alle kulturellen, religiösen, geographischen, ethnischen und politischen Grenzen hinweg angesichts der immer dramatischer werdenden globalen Situation notwendig ist, um die Vision einer friedlichen, weil sozial und ökologisch gerechten Welt näher zu kommen.

Diese Hoffnungsperspektive auf Veränderung möge uns anstiften, tiefer zu denken und zu lieben, entschiedener zu handeln und Bündnisse zu bilden.

 

Sandra Lassak und Markus Büker arbeiten zu theologischen Grundfragen bei Misereor, Deutschland. Bernd Nilles ist Geschäftsleiter der Fastenaktion, Schweiz

 

  • Weitere Kommentare und Informationen zur neuen Enzykliaka finden Sie auf kath.ch unter dem Stichwort Enzyklika. 
  • Den vollständigen Text der Enzyklika finden Sie auf der Vatikan-Seite.

Die Schweiz, Liechtenstein und Norwegen untergraben das Recht auf Saatgut in den Ländern des globalen Südens

Schluss mit dem EFTA-Powerplay gegen den Süden!

Bern, 9. Juli 2020 – 250 Organisationen aus 60 Ländern rufen die Schweiz, Norwegen und Liechtenstein in einem offenen Brief dazu auf, den Ländern des globalen Südens nicht länger strenge Sortenschutzgesetze aufzudrängen, die sie selber nicht erfüllen. Diese Forderung der EFTA-Länder nach strengem Sortenschutz – eine Art Patentschutz auf Saatgut – schränkt den freien Umgang mit Saatgut drastisch zu Lasten der Bäuerinnen und Bauern im globalen Süden ein. Das Recht auf Nahrung, die Ernährungssouveränität und die agrarbiologische Vielfalt sind gefährdet.

250 Organisationen aus der ganzen Welt haben sich aus Sorge um die bäuerlichen Saatgutsysteme, die ein Garant für die agrarbiologische Vielfalt und eine unverzichtbare Ressource für die Züchtung neuer Nutzpflanzen sind, an die Regierungen der Schweiz, Liechtenstein und Norwegen gewandt. Sie verlangen, dass die Forderung nach UPOV-91-kompatiblen Sortenschutzgesetzen aus den Verhandlungsmandaten für künftige Freihandelsabkommen gestrichen werden.

Seit über zwanzig Jahren machen die Länder der Europäischen Freihandelsassoziation EFTA (Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz) in ihren Freihandelsabkommen Druck auf die Länder des globalen Südens, Sortenschutzrechte gemäss dem internationalen Übereinkommen UPOV 91[1] einzuführen. Dies hat eine unverhältnismässige Einschränkung der Rechte der Bäuerinnen und Bauern, Saatgut für die nächste Aussaat zurückzubehalten, zu tauschen und zu verkaufen, zur Folge. Und das obwohl die Schweiz, Norwegen und Liechtenstein[2], diese Standards in ihrem eigenen Land nicht umsetzen.

Dieser «Double Standard» ist umso stossender, als in den Ländern des Südens die bäuerlichen Saatgutsysteme, die durch die UPOV-Standards in ihren Grundfesten erschüttert werden, eine viel zentralere Bedeutung für die Ernährung und Einkommenssicherung haben als in Europa. Den Ländern des globalen Südens diese Standards aufzuzwingen, die ohne ihre Beteiligung ausgehandelt wurden, ist ein neokoloniales Diktat. Die Länder sollen selbst über Gesetze und Politiken in Bezug auf Saatgut, die ihrem landwirtschaftlichen System und den Bedürfnissen ihrer Bevölkerung entsprechen, entscheiden können.

Aktuell verhandelt die EFTA ein Abkommen mit Malaysia. Im Februar 2020 standen auch intellektuelle Eigentumsrechte inklusive Sortenschutz à la UPOV 91 auf der Agenda. Es ist gerade im Fall Malaysia unverständlich, warum die EFTA-Länder auf UPOV 91 beharren. Das Land verfügt bereits über ein Sortenschutzgesetz, das in einem beschränkten Rahmen auch die Rechte der Bäuerinnen und Bauern auf Saatgut respektiert. Die «Koalition Recht auf Saatgut» hat Mitte Juni gegenüber dem Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft in einer Replik ihre Besorgnis darüber eindringlich dargelegt und dessen Argument ‘Sicherung des Wirtschaftsstandorts Schweiz’ zurückgewiesen.

Der Verzicht auf UPOV Standards in Freihandelsabkommen wäre ein bedeutender Beitrag zur Erreichung der Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung, insbesondere dem Ziel Nr.2 (Kein Hunger) und dem Ziel Nr. 15, welches dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende setzen will.

 

Medienmitteilung als PDF

 

[1] UPOV = Internationales Übereinkommens zum Schutz von Pflanzenzüchtungen. Die Akte von 1991 wurde von nur 19 Industrieländern des Nordens und Südafrika für ihre eigenen Bedürfnisse verhandelt.

[2] Island hat ein nationales Sortenschutzrecht nach UPOV 91 Standards

Grossfamilie vor Haus, das die Mine zerstört hat. Foto: Fastenaktion/Meinrad SchadeFamilie in Burkina Faso vor ihrem Haus, das die Mine zerstört hat. Im Hintergrund die Abraumhalde der MIne. Foto: Fastenaktion/Meinrad Schade

«Heute braucht es mehr denn je eine Sorgfaltspflicht, welche den Missbräuchen durch Unternehmen ein Ende setzt und weltweite Solidarität gewährleistet.» Eben haben mehr als 110 Bischöfe aus aller Welt mit der Unterzeichnung dieser Erklärung die Regierungen aufgefordert, Unternehmen verbindlich zur Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards zu verpflichten. Auch vier Schweizer Bischöfe haben die Erklärung unterzeichnet.

«Wenn Unternehmen zur Verschmutzung von Böden, Luft und Grundwasser, zu Menschenrechtsverletzungen oder Kinderarbeit beitragen, müssen sie dafür zur Verantwortung gezogen werden. Betroffenen muss der Zugang zu wirksamen Rechtsmitteln erleichtert werden» sagt der Freiburger Erzbischof Stephan Burger. Die Erklärung der Bischöfe wurde initiiert von Cidse, der Dachorganisation katholischer Organisationen aus Europa und Nordamerika, zu der auch Fastenaktion gehört. Sie ruft Staaten dringend dazu auf, Missbräuche von Unternehmen durch verbindliche Rechtsvorschriften zu unterbinden.

Die Erklärung wurde von zahlreichen Bischöfen der Kirche aus Programmländern der Fastenaktion unterzeichnet, wo Gemeinschaften besonders vom unverantwortlichen Handeln internationaler Unternehmen betroffen sind: Brasilien, Guatemala, Indien, Kolumbien, Kongo, Philippinen und Südafrika. Zudem haben viele Bischöfe aus Europa die Erklärung unterzeichnet und setzen damit ein deutliches Zeichen, dass die europäischen Länder sich ihrer Verantwortung stellen sollten.  Aus der Schweiz sind Markus Büchel, Bischof von Sankt Gallen, Felix Gmür, Bischof von Basel, Jean-Marie Lovey, Bischof von Sion und Charles Morerod, Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, dabei. 

«Diese Pandemie hat unsere gegenseitige Abhängigkeit offengelegt»

Unternehmerischer Missbrauch ist weit verbreitet und die Corona-Krise hat die Situation verschärft insbesondere für die verwundbarsten Bevölkerungsgruppen, die keinen sozialen Schutz geniessen. Einmal mehr waren Frauen von der Krise überproportional betroffen. Gleichzeitig «hat diese Pandemie unsere gegenseitige Abhängigkeit offengelegt und Chaos verursacht in den Lieferketten, welche Fabriken grenzüberschreitend miteinander verbinden. Dadurch wurde unsere Abhängigkeit von verwundbaren Arbeiter und Arbeiterinnen deutlich, die weltweit systemrelevante Arbeiten verrichten».  Die Bischöfe argumentieren, dass angesichts fehlgeschlagener Versuche auf freiwilliger Grundlage bindende Rechtsvorschriften zur Regulierung internationaler Unternehmen die einzige Option sind, um Gemeinschaften zu schützen.

Flickenteppich innerhalb der EU vereinheitlichen, das UN-Abkommen unterstützen

Während einige europäische Länder bereits Gesetze zur Sorgfaltspflicht in Lieferketten haben oder aktuell solche Gesetze erstellen, nimmt die EU als Ganzes nur langsam die Arbeit auf, den bestehenden Flickenteppich zu vereinheitlichen. EU-Justizkommissar Didier Reynders hat angekündigt, dass im Rahmen des Wiederaufbauplans der EU nach der Covid-19-Krise obligatorische Rechtsvorschriften zur Sorgfaltspflicht für Unternehmen entwickelt würden. 

Die Erklärung der Bischöfe bleibt für weitere Unterschriften geöffnet insbesondere im Vorfeld der sechsten Verhandlungsrunde über ein verbindliches UN-Abkommen über Wirtschaft und Menschenrechte. 

Die Schweiz stimmt am 29. November 2020 über die Konzernverantwortung ab

Die Initiative wird seit ihrer Lancierung im Jahr 2016 der Fastenaktion und einer breiten Koalition von 114 Organisationen unterstützt. «Durch Aussagen unserer Partner in den 14 Ländern des Südens wurde uns immer wieder klar, wie sehr ihre Entwicklung bedroht ist durch Aktivitäten multinationaler Konzerne, welche ihre Rechte verletzen und die Umwelt zerstören», sagt François Mercier, Leiter des Programms Rohstoffe und Menschenrechte bei Fastenaktion. «In der Schweiz haben wir durch die Initiative für verantwortungsbewusste Unternehmen nun eine einmalige Gelegenheit, zu handeln.»

Siedlung am Amazonas

Mit Laudato Si richtete sich erstmals eine Enzyklika eines Papstes an alle Menschen dieser Erde und rief angesichts der globalen Herausforderungen zu mutigem Dialog auf: «Das Modell globaler Entwicklung in eine (andere) Richtung (zu) lenken», was einschliesst, «über den Sinn der Wirtschaft und über ihre Ziele nachzudenken, um Missstände und Verzerrungen zu korrigieren» (Laudato Si’, 194).

Für diesen Aufruf zum Systemwandel gibt es gute Gründe: Unsere Wirtschaftsmodelle sind nicht in der Lage mit den planetarischen Grenzen umzugehen. Wir wirtschaften über unsere Verhältnisse – als hätten wir mehrere Erden zur Verfügung.

Wir tolerieren ein Ausmass an Ungleichheit wobei ein Dutzend Personen soviel Kapital konzentrieren wie die arme Hälfte der Weltbevölkerung. Eine Ungleichheit, die es einer Minderheit erlaubt, Atmosphäre und Natur für sich als Ressourcen zu beanspruchen zu Lasten der Mehrheit der Weltbevölkerung.

Der Rhythmus des Konsums, der Verschwendung und der Veränderung der Umwelt hat die Kapazität des Planeten derart überschritten, dass der gegenwärtige Lebensstil nur in Katastrophen enden kann. (Laudato Si’, 161)

Die Wissenschaft sieht uns hier leider gut auf Kurs – vor allem beim Klimawandel. Trotz aller Fortschritte im öffentlichen Diskurs, steigen die CO2-Emissionen weltweit weiter, nehmen der Energieverbrauch wie auch der Verkehr weiter zu und neutralisieren die positiven Effekte, die wir mit den erneuerbaren Energien erzielen.
Laudato Si’ bleibt eine Herausforderung für Kirche und Politik. Wo uns der Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden bereits viel Widerspruch und Gegenwind eingebracht hat – von innerhalb und ausserhalb der Kirche –  ist davon auszugehen, dass auch der Einsatz für «ein neues Entwicklungsverständnis» – für einen Systemwandel – weiterhin eine Herausforderung darstellen wird.

Es geht darum, den «Schrei der Armen und der Erde zu hören und daraus Antworten abzuleiten. (Laudato Si’, 139)

Auch an die Kirche und die Pfarreien in der Schweiz stellt Laudato Si die Frage, welchen konkreten Beitrag wir leisten können zur Bewahrung unseres Planeten. Wie können wir das Pfarreileben nachhaltig und ökologisch gestalten? Wie können wir als Kirchen die gesellschaftliche Bewegung der «Klimabesorgten» begleiten und unterstützen? Wie klimafreundlich sind unsere Pfarreizentren und Kirchengebäude? Wie zeigen wir unsere Solidarität den Menschen im globalen Süden gegenüber, die von den Folgen des Klimawandels am meisten betroffen sind? Wie nachhaltig sind unsere Geldanlagen investiert?

Es gilt für uns, gemeinsam mit den Pfarreien und kirchlichen Institutionen die Initiative zu ergreifen und aktiv für einen Wandel und für Klimagerechtigkeit einzutreten. Für einen Wandel, bei dem es um eine individuelle Umkehr hin zu einem neuen Lebensstil geht und um eine kollektive Umkehr. Bis hin zu einer Kultur, bei der wir uns als Teil der Schöpfung sehen und unsere Mutter Erde respektieren und um eine politisch-wirtschaftliche Umkehr im Sinne eines Systemwandels zugunsten des Gemeinwohls.

5 Jahre nach der Veröffentlichung von Laudato Si’ ist die Zeit dafür mehr als reif.

Helena Jeppesen, Verantwortliche Kooperationen Inland

Initiativen der Fastenaktion zu einem Systemwandel

Kirchen setzen sich für Konzernverantwortung ein

Mit der Konzernverantwortungsinitiative setzen wir uns für eine Sorgfaltspflicht und Haftung für Menschenrechte und Umweltstandards ein. Zusammen mit der Schweizer Bischofskonferenz und der Evangelisch-reformierten Kirche der Schweiz steht eine grosse Bewegung hinter der Volksinitiative. Sie wurde der Fastenaktion mitlanciert.  

Kirche für Konzernverantwortung

Jugendliche üben Nachhaltigkeit im Lagerleben

Fastenaktion fördert die Initiative der Jugendverbände und von youngCaritas, welche Jugendliche und Kinder ermutigt ihre Sommer-Lager nachhaltig zu organisieren und durchzuführen.

Faire Lager

Gruppen bewirken persönlichen Veränderungen

Fastenaktion führte zusammen mit HEKS in der Schweiz die erfolgreichen KlimaGespräche ein, wo sich Menschen in Gruppen mit ihrem persönlichen ökologischen Fussabdruck auseinandersetzen.

KlimaGespräche