Trotz der anhaltenden Konflikte in der Demokratischen Republik Kongo leisten die Partnerorganisationen von Fastenaktion wirksame Arbeit. Doch die Krise ist für die Menschen sehr belastend, und ohne Sicherheitsmassnahmen geht es nicht.

Text: Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion

Fastenaktion ist bereits seit 1962 in der Demokratischen Republik Kongo aktiv, die bis 1997 Zaire hiess. Aktuell unterstützen wir dort 13 Partnerorganisationen, die dazu beitragen, Hunger und Armut zu überwinden, gesunde Ernährung und Alphabetisierung zu fördern, Schulden zu reduzieren, verantwortungsvollen Rohstoffabbau einzufordern sowie Geschlechtergerechtigkeit zu verbessern.  

2023 haben dadurch knapp 13’000 Personen direkt von mehr und gesünderer Nahrung profitiert, unter ihnen 55 Prozent Frauen, deren gesellschaftliche Stellung erfreuliche Fortschritte macht. Es gibt 649 Solidaritätsgruppen im Land, die kleine, nahezu zinslose Kredite an ihre Mitglieder vergeben und gemeinsam Felder und Fischteiche bewirtschaften. Zudem wurden letztes Jahr zahlreiche Vereinbarungen mit Unternehmen unterzeichnet, um finanzielle Beiträge aus Bergbauerträgen in soziale Gemeindeprojekte zu investieren.

 

Reisen im Land eingeschränkt

Obwohl wir keine Projekte im von diversen Gruppen umkämpften Osten des Landes betreiben, wirkt sich die instabile und unberechenbare Situation auch auf unsere Arbeit aus. «Die Menschen im ganzen Land verfolgen die Gewalt im Osten, sie löst Stress und Traumata aus», sagt Germain Nyembo, Koordinator von Fastenaktion in DR Kongo. «So wie sich ein verletzter Arm negativ auf das Wohlbefinden des ganzen Körpers eines Menschen auswirkt.» 

Erschwerend kommt hinzu, dass in den letzten Jahren auch andere Regionen des Landes unsicherer geworden sind. «Die Zusammenstösse zwischen den Mobondo-Milizen und den kongolesischen Streitkräften (FARDC) in den Provinzen Mai-ndombe und Kwango im Westen schränken unseren Bewegungsradius ein», erklärt Germain. Denn diese Kämpfe führten zu Fluchtbewegungen in die Nachbarregionen, insbesondere nach Kwilu und Kinshasa. «Letztes Jahr mussten wir aufgrund von Sicherheitsbedenken mehrmals Beratungseinsätze zur Begleitung unserer Partner in Kwilu verschieben oder aussetzen.» Bis heute komme es auf einigen Streckenabschnitten zu Störungen. «Es gibt sporadische Angriffe, man sollte es insbesondere vermeiden, in der Nacht zu reisen.» 

Bewohnerinnen des Dorfes Lokolo zeigen am Weltfrauentag stolz ihre Alphabetisierungszertifikate.

Schlafstörungen und Ängste

Darüber hinaus gibt es weitere negative Auswirkungen auf das Leben der Menschen: Zahlungen an die Staatsangestellten verzögern sich wegen unvorhergesehener Regierungsausgaben im Zusammenhang mit den Konflikten. Die Bewegungsfreiheit der Geschäftsleute und Konsument:innen ist eingeschränkt. Ebenfalls belastend ist die Abwertung der kongolesischen Währung, welche die Preise für Treibstoff, Lebensmittel und Kleidung erhöht.  

Vor allem führt die anhaltende Krise zu einer enormen Verunsicherung, auch in den Projekten von Fastenaktion. «Wir leben in grosser Ungewissheit, wissen nicht, was der nächste Tag bringt», sagt Germain. «Viele Menschen haben Schlafstörungen und fürchten, dass sich die Konflikte und Kämpfe auf weitere Regionen ausbreiten.» Auch die Projektleiter seien psychisch stark belastet, was ihnen Kraft und Energie raube, die sie in stabilen Zeiten für ihre Arbeit einsetzen könnten.

 

Rückzug nur als letztes Mittel

Für den Arbeitsalltag gibt es konkrete Sicherheitsmassnahmen. So werden etwa Reiserouten geheim gehalten oder kurzfristig angepasst, manchmal werden Besuche auch ganz abgesagt. Und in Regionen mit problematischen Entwicklungen bemühen sich die lokalen Partner um besonders gute Beziehungen zu den Behörden. «Je besser unsere Arbeit akzeptiert ist, desto sicherer können wir dort tätig sein», erklärt Germain. 

Weitere Massnahmen seien denkbar, falls sich die Lage verschlimmere. «Etwa das Reisen mit bewaffneten Sicherheitsleuten oder gar der Rückzug aus einem bestimmten Gebiet, wenn es dort zu gefährlich wird.» Dies sei jedoch das letzte Mittel und bisher noch nie nötig gewesen. «Aber es bleibt uns gar nichts anderes übrig, als die Sicherheitslage ständig zu beobachten, insbesondere vor Reisen in potenziell gefährliche Gebiete.»

Erfahren Sie mehr über die Geschichte der Krisen im Kongo in unserem Hintergrundartikel.

Fastenaktion arbeitet im Kongo mit lokalen Partnerorganisationen zusammen, um den Hunger langfristig zu mindern. In unseren innovativen Projekten sichern wir so die Ernährung von 16’000 Kongolesinnen und Kongolesen. Möchten Sie uns mit einer Spende helfen, noch mehr Menschen im Kongo zu erreichen? 

Germain Nyembo berichtet, dass viele Menschen im Kongo eine Ausweitung der Konflikte und Kämpfe auf andere Regionen des Landes befürchten.

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Die Projekte von Fastenaktion auf den Philippinen führen zu spürbaren Verbesserungen für Menschen am Rande der Gesellschaft. Dies bestätigt eine externe Beurteilung des Landesprogramms.

Bereits seit den 1970er-Jahren ist Fastenaktion auf den ostasiatischen Philippinen aktiv. Aktuell konzentrieren sich die Projekte auf das Recht auf Nahrung mit dem Ziel, die Lebensgrundlagen der Ärmsten zu verbessern. Unterstützt werden insbesondere indigene Kleinbäuerinnen und Fischer in Gebieten mit grosser Armut und hohem Risiko für Taifune, Überschwemmungen und Dürren. Das jährliche Budget beträgt 800’000 Franken.

 

Stimmen der Frauen haben mehr Gewicht

2022 liessen wir das Länderprogramm vom unabhängigen Beratungsbüro Lumina Ventures aus Manila begutachten, dessen Ergebnisse inzwischen vorliegen. Die Gutachterinnen bezeichnen den Mitteleinsatz als effizient und die Projekte als «höchst relevant» – durch sie seien «spürbare Veränderungen erreicht worden, um gesunde Lebensmittel für gefährdete Zielgruppen zugänglich zu machen». Dies geschah mit agrarökologischen Anbaumethoden und Produktion von Lebensmitteln in den eigenen Hinterhöfen. Ausserdem haben sich die Bauern– und Fischerfamilien vernetzt, um ihre Rechte gegenüber staatlichen Stellen besser durchzusetzen. Die Projekte erreichten ein «hohes Mass an Eigenverantwortung und bieten eine starke Grundlage für die Nachhaltigkeit der erreichten Ziele», heisst es im Bericht. 

Profitiert von den Projekten haben insbesondere Frauen. Diese hätten nun eine stärkere Stimme in der Gemeinschaft, schreiben die Gutachterinnen weiter. Generell sei es gelungen, das Selbstbewusstsein von Menschen am Rande der Gesellschaft zu stärken. Die 14 Partnerorganisationen, mit denen Fastenaktion zusammenarbeitet, haben mit ihrem guten Netzwerk in die katholische Kirche und zu anderen Organisationen zudem Kampagnen unterstützt, um die nachhaltige Lebensmittelproduktion politisch zu stärken und auf mehr Menschen auszudehnen. 2021 hat das Programm 17’600 Personen geholfen, ihre Lebensgrundlagen zu verbessern.

 

Herausforderung Klimaerwärmung

Diese Erfolge fanden unter erschwerten Bedingungen statt: einerseits die Covid-Pandemie und eine Regierung, die Menschenrechte eher ignorierte als schützte, andererseits eine wachsende Zahl an Naturkatastrophen als Folge der Klimaveränderungen.  

Verbesserungsbedarf sehen die Gutachterinnen im Umgang mit den Folgen der Klimaerwärmung. Sie empfehlen auch, den Wissensaustausch unter den Partnerorganisationen zu verstärken. Diese sollten zudem gezielter auf die lokalen Behörden einwirken, um Investitionen in Bereichen zu fördern, welche die Ärmsten stärken. 

Die vollständige Zusammenfassung des Berichts finden Sie hier auf Englisch.

In unseren Projekten sollen sich Menschen unabhängig vom Geschlecht selbst befähigen, ihre Interessen zu verfolgen und ihre spezifischen Rechte einzufordern. Das ist der Grundsatz in der Gender-Arbeit von Fastenaktion. Erfahren Sie hier mehr darüber.

Die Fischerin Marilou Galdones erlebt mehr Gleichberechtigung, seitdem sie im Fastenaktion-Projekt aktiv ist.
Die Stimme der Fischerin Marilou Galdones wird in ihrer Gemeinschaft gehört, seitdem sie Teil eines Fastenaktion-Projekts ist.

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Dank der Arbeit von Justiça nos Trilhos, einer Partnerorganisation von Fastenaktion, hat die Gemeinde Itapecuru-Mirim im Juni 2023 ein neues Gesetz verabschiedet. Das Gesetz ermöglicht eine soziale und transparente Kontrolle über die Steuereinnahmen aus dem Bergbau. Eine Premiere in diesem Land, die noch weitere Nachahmer finden könnte.

François Mercier, Fachverantwortlicher für Rohstoffe und Menschenrechte

Seit Jahren prangert Justiça nos Trilhos – was so viel wie „Gerechtigkeit auf Schienen“ bedeutet, mit Unterstützung von Fastenaktion, die Auswirkungen der weltgrößten Eisenerzmine in Carajás im brasilianischen Amazonasgebiet an. Um das Eisenerz von dieser Mine zum nächstgelegenen Hafen in São Luís zu transportieren, wurde eine fast 900 km lange Eisenbahnstrecke gebaut. Tag und Nacht fahren 48 Züge mit je 330 Waggons durch die Ortschaften an der Zugstrecke – 15 Minuten dauert es, bis ein Zug vorbei ist. Die Menschen in den Dörfern leiden unter dem Lärm und den regelmässigen Unfällen verursacht durch die Züge. Vom enormen Profit der Mine fliesst aber kaum etwas in die betroffenen Dörfer an der Zugstrecken.

Tricks zur Steuervermeidung

Im Juli 2022 prangerte Justiça nos Trilhos insbesondere die Steuertricks des Minenbetreibers VALE an. Ihre mit unserer Unterstützung durchgeführte Studie konnte zeigen, dass die Eisenexporte systematisch unterfakturiert werden, indem sie sich auf in der Schweiz situierte Tochtergesellschaften stützen.

Das brasilianische Gesetz sieht vor, dass die mit dem Eisenabbau verbundenen Steuern zwischen der nationalen Regierung, dem betroffenen Bundesstaat und den betroffenen Gemeinden aufgeteilt werden. Letztere haben jedoch aufgrund der vom Unternehmen praktizierten Steuervermeidung, aber auch aufgrund der intransparenten Gemeindeverwaltung und der Korruption bislang nur wenig oder gar nicht davon profitiert.

Steuergewinn aus dem Bergbau kommt nun der Bevölkerung zugute

Die betroffenen Gemeinden sind größtenteils arm und mittellos. Justiça nos Trilhos hat mit vielen Gemeinden und der Bevölkerung Gespräche über die Nutzung dieser Steuergelder und der Ressourcen aufgenommen. Am 1. Juni 2023 verabschiedete die Gemeinde Itapecuru-Mirim das Gesetz 1601/2023. Es ermöglicht die Einrichtung eines Komitees mit Bürgerbeteiligung für die Verwaltung der Steuereinnahmen aus dem Bergbau. Dank diesem Gesetz können 50 Prozent der Steuergelder aus dem Bergbau direkt für die nachhaltige Entwicklung der am stärksten betroffenen Dörfer eingesetzt werden. Gespräche mit anderen Gemeinden über ähnliche Projekte sind am Laufen.

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Zahlreiche südafrikanische Bäuerinnen und Bauern arbeiten in lokalen und nationalen Netzwerken zum Ansatz der Agrarökologie, um der Klimaerhitzung zu entgegnen. In der Landwirtschaftspolitik der Regierung kommt sie bisher nicht vor. Ist die Agrarökologie der richtige Weg hin zu einem sozialgerechten und klimaschonenden Landwirtschaftsmodell? Dieser Frage geht eine Studie von Fastenaktion nach. Sie zeigt auf, was es braucht, um agrarökologische Initiativen in Südafrika zu stärken und eine nationale Strategie zur Agrarökologie in der Landwirtschaftspolitik zu verankern.

Ein Kommentar von Claudia Fuhrer, Verantwortliche Ernährungsgerechtigkeit / Recht auf Nahrung bei Fastenaktion

Viele lokale und nationale Netzwerke von Bäuerinnen und Bauern sowie Nichtregierungsorganisationen sehen in der Agrarökologie eine Alternative zur industriellen Landwirtschaft: Sie gebietet der Klimaerhitzung Einhalt und respektiert bäuerliche Rechte. Die Studie von Fastenaktion hat die Stärken und Schwächen der agrarökologischen Bestrebungen in Südafrika analysiert. Sie stützt sich auf Interviews und Feldbesuche mit 35 Organisationen sowie Netzwerken. 

Agrarökologie ist eine Alternative 

Die Studie kommt zum Schluss, dass agrarökologische Initiativen als Grundlage für Alternativen zur industriellen Landwirtschaft dienen können und das Recht auf Nahrung fördern. Damit sich die Agrarökologie in Südafrika in diese Richtung weiterentwickelt, braucht es eine gute Koordination, Stärkung und Vernetzung der agrarökologischen Initiativen sowie eine gemeinsame Strategie zur Beeinflussung der nationalen Landwirtschaftspolitik. Insbesondere bedarf es finanzieller Mittel vonseiten des Staates zur Unterstützung der bestehenden Initiativen.   

Herausforderungen bleiben

Die Studie zeigt auch Schwächen in der Umsetzung von Agrarökologie in Südafrika. Die agrarökologischen Initiativen sind bis anhin zersplittert, und es gibt noch kein einheitliches Verständnis zu Agrarökologie. Involvierte Bäuerinnen und Bauern sind hauptsächlich Kleinstproduzierende mit Hausgärten und kleinen Feldern. In der Regel sind es ältere Frauen, die in der Gesellschaft an den Rand gedrängt werden. Sie sind konfrontiert mit der vorherrschenden industriellen Landwirtschaft 

Die Studie finden Sie hier auf Englisch.

Die Partnerorganisationen von Fastenaktion in Asien, Afrika und Lateinamerika setzen sich für agrarökologische Ansätze ein. Erfahren Sie hier mehr über das Thema.

Agrarökologie ist lokal angepasste und umweltschonende Landwirtschaft. In unseren Projekten ist dieser Ansatz zentral, um den Hunger zu vermindern.

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Carine Shombe Dombo ist 35 Jahre alt und Mutter von acht Kindern. Im Fastenaktion-Projekt lernte sie lesen und schreiben und verfolgt nun das Ziel, wirtschaftlich unabhängig zu sein.

«Ich habe als Kind nie eine Schule besucht und war nur Hausfrau. Ich habe mich aus Neugierde für das Alphabetisierungsprogramm angemeldet. Ich wollte wissen, was genau im Kurs passiert.

Jetzt kann ich schreiben, lesen, rechnen und zählen.

Ich weiss jetzt, wie nützlich es ist, dass ich an diesem Kurs teilgenommen habe. Dank dieser Ausbildung habe ich eine Menge gelernt, und sie hat mir Respekt verschafft. Mittlerweile kann ich meinem Mann ein Thema vorschlagen, und wir diskutieren darüber, um Lösungen zu finden. Wir haben auch gemeinsam entschieden, unsere Kinder einschulen zu lassen. Und wenn er einmal abwesend ist, kann ich mich in der Schule über die Entwicklung der Kinder informieren und an Elterninformationen teilnehmen.

Ich bin froh, dass ich lesen, rechnen und schreiben kann und dass ich nicht mehr betrogen werde. Das war früher oft der Fall, wenn ich meine Shikwanges (Maniokbrot) auf dem Markt verkaufte: Die Kunden gaben mir statt der verlangten 10 000 FC nur 1000 FC, weil sie wussten, dass ich nicht rechnen kann. So machte ich jeden Tag Verluste. Doch das passiert mir heute nicht mehr.

Als Nächstes möchte ich lernen, mit der Nähmaschine Kleider zu nähen oder Seife herzustellen.

Ich sage mir: Jetzt, da ich lesen kann, werde ich auch eines Tages eine bezahlte Arbeit finden, sodass ich finanziell unabhängig werde – das ist wirklich mein Ziel.»

Der Stimme von Carine Shombe Dombo ist im Magazin «Perspektiven» von Fastenaktion erschienen. Erfahren Sie hier mehr über das Landesprogramm in der Demokratischen Republik Kongo.

Carine Shombe Dombo hält das Zertifikat ihres Alphabetisierungsprogramms in der Hand.
Carine Shombe Dombo möchte ihre neu erworbenen Fähigkeiten anwenden und wirtschaftlich unabhängig werden.

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Justinne Akatshi Ndjadi ist Gender-Animatorin bei der Partnerorganisation Caritas Kole in Lomela. Sie berichtet über das Engagement der Frauen und den  Wandel in der kongolesischen Gesellschaft.

«In der Vergangenheit waren wir Frauen Opfer verschiedener Diskriminierungen und häuslicher Gewalt. Zudem wurde uns der Schulbesuch verboten. Wie aber sollen wir unsere Kinder zu gebildeten Menschen erziehen, wenn wir selbst keine Bildung haben? In unserer Tradition ist der Glaube verbreitet, dass es den Mädchen schadet, in die Schule zu gehen. Bildung stellt keinen Mehrwert dar. So organisierten wir von Caritas Kole – der Partnerorganisation von Fastenaktion – mit interessierten Frauen in der Region Zusammenkünfte und begannen, zu überlegen, wie wir die Rechte der Frauen thematisieren können.

Wir begannen, den Tag der Frau am 8. März zu feiern, um auf unsere Rechte aufmerksam zu machen und sie zu verteidigen.

Das machen wir nun seit acht Jahren. Dieser Feiertag ist für alle Frauen und Mädchen. Um die Ungerechtigkeit, die uns ständig widerfährt, darzustellen, erarbeiten wir regelmässig kurze Theaterszenen, in denen die Diskriminierung auf spielerische Art thematisiert wird.

In Kongos Gesellschaft ist dadurch ein grosser Wandel eingetreten.

Erstens hat sich die Achtung vor der Frau durchgesetzt, häusliche Gewalt ist verboten und wird rechtlich geahndet. Die Frauen dürfen sich frei bewegen und können an unseren Versammlungen teilnehmen. Früher wäre das nicht denkbar gewesen. Auch die Frage der Gleichheit am Arbeitsplatz wird ernst genommen. Wir brauchen immer noch eine Menge Training zu Frauenfragen und -rechten, das ist die ständige Herausforderung, um die Gleichstellung von Mann und Frau in der Gesellschaft Kongos zu verankern. Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Frauen nach ihrer Ausbildung ihre Fähigkeiten gerne unter Beweis stellen würden. Doch das ist gar nicht einfach. Deshalb wollen wir Arbeitsplätze schaffen, um zu verhindern, dass sie wieder in die gleiche Situation wie am Anfang geraten.»

Der Stimme von Justinne Akatshi Ndjadi ist im Magazin «Perspektiven» von Fastenaktion erschienen. Erfahren Sie hier mehr über das Landesprogramm in der Demokratischen Republik Kongo.

Die Gender-Animatorin Justinne Akatshi Ndjadi steht in einem Dorf und blickt hoffnungsvoll in die Kamera.
Justinne Akatshi Ndjadi organisiert seit achten Jahren Aktionen für den Tag der Frau.

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Georgette Alembe Ekandji hat einen Alphabetisierungskurs im Rahmen eines Fastenaktion-Projekts besucht. Sie berichtet, dass ihr Mann der Direktor einer Grundschule ist, erst spät verstanden hat, wie wichtig für sie ist, lesen und schreiben zu können.

«Mein Mann und ich haben zusammen 13 Kinder, zwei von ihnen sind verstorben. Heute kann ich überzeugt sagen, dass wir in Harmonie leben. Das war nicht immer so. Unsere traditionellen Bräuche, die der Tetela, zu denen wir gehören, sehen vor, dass Frauen sich in der Gegenwart von Männern nicht äussern dürfen. Nur Männer haben das Recht, zu sprechen.

Vor sieben Jahren aber begann hier bei uns das Alphabetisierungsprogramm.

Und seitdem hat sich sehr viel verändert. Deshalb feiern wir mittlerweile auch unsere Rechte am Tag der Frau, am 8. März. Wir fühlen uns nun endlich als gleichwertige Menschen. Ich habe nie eine Schule besucht. Doch als sich uns die Möglichkeit bot, lesen und schreiben zu lernen, entschied mein Mann, dass ich diese Ausbildung machen kann, um diese wichtigen Grundkenntnisse zu erlangen. Und heute hilft es mir dabei, dass ich mich mit ihm so gut verstehe. Seit ich lesen und schreiben gelernt habe, ist er noch mehr in mich verliebt.

Eine weitere Veränderung ist, dass ich heute seinen Lohn verwalte.

Früher war er der Meinung, dass ich nicht einmal das Recht hätte, zu wissen, wie viel er verdient, weil ich nicht lesen und schreiben konnte. Aber seit ich mit dem Alphabetisierungskurs begonnen habe, habe ich vieles gelernt, und jetzt vertraut er mir sogar sein Geld an. Er gesteht mir jetzt meine Rechte zu. Und seine anfängliche Angst, dass ich keine Hausarbeit mehr machen würde, sobald ich lesen und schreiben könne, hat sich auch nicht bewahrheitet. Eine gebildete Frau kann ihren Haushalt führen und gleichzeitig mitreden. Zwei meiner drei Töchter haben die Schule bereits beendet, und das macht mich stolz. Es ist wichtig, dass die Ausbildung und Alphabetisierung von Frauen fortgesetzt werden. Denn nur so kann unsere Gemeinschaft sich verändern und entwickeln.»

Der Stimme von Georgette Alembe Ekandji ist im Magazin «Perspektiven» von Fastenaktion erschienen. Erfahren Sie hier mehr über das Landesprogramm in der Demokratischen Republik Kongo.

Zu sehen ist Georgette Alembe Ekandji, die am Alphabetisierungsprogramm von Fastenaktion lesen und schreiben gelernt hat.
Georgette Alembe Ekandji hat einen Alphabetisierungskurs besucht. Seither hat sich ihre Ehe zum positiven verändert.

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Die Gleichstellung der Frau ist für den Kampf gegen Hunger und Armut zentral. Als der Landesverantwortliche Benno Steffen nach langer Pause die Fastenaktion Projekte in Nepal wieder besuchen konnte, hatte er zusammen mit dem Koordinator Samrat Katwal eine eindrückliche Begegnung.

Der Weg zur Gleichberechtigung ist lang und mit schwerer Last verbunden

Als der Landesverantwortliche Benno Steffen nach langer Corona bedingter Pause die Fastenaktion Projekte in Nepal wieder besuchen konnte, hatte er zusammen mit dem Koordinator Samrat Katwal eine eindrückliche Begegnung.

Auf der schlechten Strasse, die Dolpa mit dem Rest Nepals verbindet, gibt es an vielen Übergängen keine befahrbaren Brücken. Daher müssen Menschen die Waren über Fussgängerbrücken von der einen Seite des Flusses auf die andere tragen, um sie dort für den Weitertransport wieder auf die Anhänger von Traktoren zu verladen. Auf unserer Fahrt zur Partnerorganisation Caed durch die abgeschiedene Provinz Karnali, der ärmsten Nepals, trafen wir in Tripurasundari auf mehr als ein Dutzend junger Frauen, die mit schweren Lasten auf dem Rücken den gewaltigen Fluss Thuli Bheri auf einer Hängebrücke überquerten. Mit Purnima Sharki, einer 18 Jahre alten Dalit-Frau, kamen wir ins Gespräch. Auf ihrem Rücken trug sie Lasten von bis zu 50 Kilogramm, mehr als ihr Körpergewicht. Andere Frauen schleppten sogar Waren von bis zu 80 Kilogramm, während die 13 bis 14-jährigen bis zu 40 Kilogramm trugen. Trotz dieser Plackerei waren Purnima und ihre Freundinnen gut gelaunt und sichtlich froh darüber, dass sich ihnen die Gelegenheit bot, eigenes Geld zu verdienen.

Für den Transport eines vollen Anhängers von der einen zur anderen Flussseite erhalten die Frauen zusammen 6000 NPR (rund CHF 46.00). Je nach Anzahl der Anhänger und Gruppengrösse kann so jede von ihnen 500 bis 2000 Rupien pro Tag verdienen. Das Interesse der Frauen an dieser körperlich anstrengenden Arbeit ist so gross, dass sich die Dalit-Frauen in den umliegenden Dörfern darauf geeinigt haben, dies abwechselnd zu tun, damit möglichst viele von ihnen Geld verdienen können. Unter anderem fragten wir die jungen Frauen, warum denn keine jungen Männer zu sehen seien, die könnten diese Arbeit doch auch machen. Purnima meinte, sie seien wohl zu schüchtern und selbstbewusst ergänzte sie, das sollte sowieso den Frauen vorbehalten sein, damit sie ihr eigenes Geld verdienen könnten.

Selbstbewusst für ein selbstbestimmtes Leben
Gefragt nach ihren Lebensträumen, antwortete Purnima, zum Vergnügen ihrer Freundinnen, dass sie einen Job finden und ein selbstbestimmtes Leben führen wolle. Ihre Freundinnen wollten sie etwas necken und erwiderten, dass sie sicher zuerst heiraten wolle. Für die Frauen im ländlichen Nepal bedeutet eine Heirat, dass sie ihre berufliche Laufbahn aufgeben müssen. Um ihren Traum zu verwirklichen, besucht Purnima im Moment nicht nur die 12. Klasse. Parallel dazu besucht sie zudem eine Landwirtschaftsschule, um sich zur Junior-Technikerin in der Landwirtschaft (JTA) auszubilden.

Caed, die Partnerorganisation von Fastenaktion in Dolpa, ist sich der Diskriminierung von Frauen im Allgemeinen und der Dalits im Besonderen bewusst und hat ihre Arbeit darauf ausgerichtet, um das zu ändern. Kulturelle Praktiken und Überzeugungen sind jedoch tief verwurzelt und lassen sich nicht über Nacht ändern. Der Weg hin zu Gleichberechtigung ist lang und steinig. Dennoch haben wir bei dieser spontanen Begegnung mit Purnima Sharki und ihren Freundinnen realisiert, dass sie des Geldes wegen zwar diese harten Jobs machen müssen, gleichzeitig aber selbstbewusst sind und zur Schule gehen, um ihre Träume zu verwirklichen. Noch vor zehn Jahren wären viele dieser jungen Frauen verheiratet worden, hätten die Schule vorzeitig verlassen müssen und wären noch vor ihrem zwanzigsten Altersjahr Mutter mehrerer Kinder gewesen.

Weltfrauentag
Die Gleichstellung der Frau ist für den Kampf gegen Hunger und Armut zentral. In sämtlichen Projekten und Programmen konzentrieren wir uns darauf, die Selbstermächtigung von Frauen zu unterstützen und Machtbeziehungen zwischen den Geschlechtern nachhaltig aufzubrechen. Wir respektieren alle Menschen in ihrer Diversität, in Bezug auf Geschlecht, sexuelle Orientierung, Herkunft, Glauben und Alter. Menschen sollen frei von Diskriminierung leben können.