Unter welchen Bedingungen leben die Menschen, die du besucht hast?
Sie leben wirklich bescheiden. Unter anderem haben wir zwei Bauernhöfe in Morales besucht, im Departement Cauca im Westen Kolumbiens. Dort bauen etwa neun von zehn Menschen Kokapflanzen an. Dies ist nicht nur illegal, sondern wegen der vielen verwendeten Düngemittel und Pestizide auch umweltschädlich. Politisch möchte man diesen Anbau unterbinden, doch der Verzicht auf den Kokaanbau erfordert Mut und Entschlossenheit von den Bauernfamilien. Für eine Umstellung auf eine nachhaltige Landwirtschaft zur Selbstversorgung braucht es zudem Unterstützung von aussen, wie sie unser Programm in diesem Land bietet. Heute ist der Kokaanbau für viele die einzige Einkommensquelle, und es gibt erheblichen Druck durch die Drogenhändler. Ausserdem sind viele Bauernfamilien verschuldet, denn die verwendeten Düngemittel sind sehr teuer, und die Geldverleiher verlangen für ihre Kredite hohen Zinsen, die sie jeden Tag zurückzahlen müssen – ein System, das «gota a gota» (Tropfen für Tropfen) genannt wird.
Wie engagiert sich unsere Partnerorganisation vor Ort?
Die Organisation Semillas de Agua betreibt Projekte in verschiedenen Departementen Kolumbiens und beschäftigt sich vor allem mit der Bodensanierung. Ihr Leiter David Diaz, ein ausgebildeter Agronom, vermittelt den Bauernfamilien die Bedeutung eines fruchtbaren Bodens, der Qualitätsprodukte für eine gesunde Ernährung und ein gesundes Leben hervorbringt. Er bringt ihnen bei, wie man mit agrarökologischen Methoden durch Pestizide vergiftete Böden in fruchtbare, produktive Böden verwandelt, die auch CO2 binden können. In Kolumbien ist der Boden eine stetige Quelle von Konflikten: Die einen wollen ihn für die Gewinnung von Rohstoffen ausbeuten, die anderen für den Anbau von Kokapflanzen nutzen.
Was hat dich an den Menschen besonders beeindruckt, die an den von Fastenaktion unterstützten Projekten teilnehmen?
Ihre Entschlossenheit und ihr Enthusiasmus. Umso mehr sie durch den Entscheid für ein anderes Leben hohem psychologischen Druck ausgesetzt sind, wo doch alle um sie herum weiterhin Koka anbauen. Doch der Ansatz von Fastenaktion dort verändert ihr Leben wirklich zum Besseren. Inzwischen können die Projektteilnehmenden viele selbst produzierte Lebensmittel wie Kaffee oder Papayas für sich nutzen.