Für die Bäuerinnen und Bauern Guatemalas wird es schwieriger, ihre Ernährung sicherzustellen. Die Klimaerwärmung führt zu mehr Dürren und Wirbelstürmen, was Anbau und Ernte von Nahrungsmitteln erschwert. Und Menschen zum Auswandern treibt.

Wie so viele Länder des Südens bekommt auch Guatemala den Klimawandel sehr direkt zu spüren: Neben Extremen wie Dürren oder Wirbelstürmen hat auch die Unberechenbarkeit des Alltagswetters zugenommen. «Entweder es vertrocknet alles, weil es zu lange gar nicht regnet – oder es schwemmt alles weg, weil es plötzlich tagelang sehr heftig regnet», sagt Inés Pérez, die Koordinatorin von Fastenaktion in Guatemala. «Die Wettervorhersagen sind ausserdem weniger verlässlich als früher, was es den Bäuerinnen und Bauern erschwert, zu entscheiden, wann gesät und wann geerntet werden soll.»

Die Folge: Viele Menschen müssen mangels Alternativen ihr Saatgut essen und haben dann keines mehr für die nächste Aussaat. «Und sie müssen inzwischen fast immer Mais dazukaufen, weil sie nicht mehr genug ernten können», sagt Inés. Mais ist die Grundlage für die Tortillas, die fast zu allen Mahlzeiten auf den Tisch kommen. Dass sich die Preise für dieses Grundnahrungsmittel in letzter Zeit mehr als verdoppelt haben, erschwert den kleinbäuerlichen Familien das Leben noch mehr.


Klimawandel gefährdet Landwirtschaft in Guatemala

Wegen der vielen unterschiedlichen Mikroklimas gilt Guatemala eigentlich als Land des ewigen Frühlings. Doch das ändert sich zurzeit dramatisch. «Es gibt Gegenden, wo es fast gar nicht mehr regnet, und wir sorgen uns, dass in diesem Trockenkorridor, der sich durch mehrere Länder Zentralamerikas zieht, irgendwann gar keine Landwirtschaft mehr möglich sein wird.»

Inés Pérez, Koordinatorin in Guatemala, steht vor einer blühenden Hecke.
Inés Pérez ist unsere Koordinatorin in Guatemala und sorgt sich um die Folgen der Klimaerwärmung in ihrem Land.

Schon jetzt wandern Menschen ab, besonders die Jungen. «Viele Männer gehen auf die Fincas der Grossgrundbesitzer an der Küste, wo sie zu einem Hungerlohn auf Plantagen arbeiten», erklärt Inés. Andere machen sich auf den Weg Richtung USA in der Hoffnung auf ein besseres Leben. «Doch dafür müssen sie ihr letztes Hab und Gut verkaufen – und viele überleben die gefährliche Reise am Ende nicht.»


Unterstützung von Fastenaktion wirkt

Die Projekte, die Fastenaktion in Guatemala unterstützt, geben Gegensteuer. «Die Familien, mit denen wir arbeiten, können dank agrarökologischer Anbaumethoden auf die Klimaerwärmung reagieren, haben bessere landwirtschaftliche Erträge und erreichen sogar eine gewisse wirtschaftliche Unabhängigkeit.» Dies führt dazu, dass weniger abwandern, auch weil sie dank besserer Ausbildung Jobs finden.

Vermehrt gelingt es dank der Unterstützung auch, dass Familien Landtitel bekommen und sich so nicht mehr davor fürchten müssen, von ihrem Land vertrieben zu werden. «Es sind kleine Tropfen der Verbesserung in einem Ozean von Problemen», sagt Inés. «Aber eben auch Hoffnungsschimmer – und Zeichen, dass man etwas verändern kann.»

Fastenaktion entwickelt gemeinsam mit lokalen Partnern Projekte, mit denen wir die Ernährung in Guatemala sichern und den Hunger abwenden. Erfahren Sie hier mehr über unsere Wirkung in Guatemala.

Ein Bäuerin arbeitet mit agrarökologischen Methoden und sammelt Blätter ein.
Agrarökologische Anbaumethoden sichern die Ernährung von bäuerlichen Familien.

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Die Klimaerwärmung trifft die verletzlichsten Gruppen am stärksten, so auch die Bevölkerung in Senegal. Aboubarcry Sall ist Koordinator unseres Projekts Bamtaree-Podor und erzählt, welche Folgen die Klimakrise mit sich bringt und welche Massnahmen getroffen werden.

 

«Verantwortlich für die Dürre und den Wassermangel in der Region Fouta im Norden Senegals ist die Klimaerwärmung, die zu einem massiven Verschwinden von Pflanzen- und Tierarten führt und zu einer immer grösseren Ernährungsunsicherheit der lokalen Bevölkerung und des Viehs beiträgt. Weideflächen und Wasser fehlen. Dies gerade auch, weil wasserintensive Bewässerungskulturen für den Reisanbau mit dem Missbrauch von chemischen Düngemitteln und Pestiziden negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung haben. Die Viehzüchter sind auf der Suche nach Weideland gezwungen, sich für eine lange Zeit weit weg von ihrem angestammten Zuhause zu bewegen. Zieht die ganze Familie mit, wirkt sich das nachteilig auf die Schulbildung der Kinder aus.

Unregelmässiger Niederschlag

Seit mehr als drei Jahrzehnten stellen wir eine zunehmende Unregelmässigkeit des Wetters fest, verbunden mit der Abnahme von Regenfällen. Früher dauerte die Regenzeit von Mai bis Oktober, also sechs Monate mit 400 bis 500 mm Wasser. In den letzten zwanzig Jahren dauerte sie jedoch nur von August bis Oktober, das bedeutet weniger als 250 mm Wasser. Dafür haben wir in regenreichen Jahren mit Überschwemmungen zu kämpfen.

Anpassungen an die Klimaerwärmung

Dennoch sind die Menschen widerstandsfähig. Sie entwickeln gemeinsam Strategien, um sich an die Umstände anzupassen. Um den Zugang zu Wasser zu sichern, bohren sie nach Brunnen und legen Teiche an. Für die Landwirtschaft nutzen sie dürreresistentes lokales Saatgut für den Getreide- und Gemüseanbau auf Familien- oder Gemeinschaftsfeldern. Sie bilden Solidaritätsgruppen, um sich in Zeiten des Mangels gegenseitig unterstützen zu können.»

Der Ansatz der Solidaritätsgruppen stammt aus Senegal, welcher ein zentraler Pfeiler in der Arbeit von Fastenaktion ist. Erfahren Sie hier mehr über die Solidaritätsgruppen.

Die anhaltende Trockenheit lässt Menschen und Tiere in Senegal leiden.
Die anhaltende Trockenheit lässt Menschen und Tiere in Senegal leiden.

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Im zentralamerikanischen Guatemala hat am Sonntag ein Hoffnungsträger überraschend klar die Präsidentschaftswahlen gewonnen: Bernardo Arévalo vom Movimiento Semilla erhielt im zweiten Wahlgang 58 Prozent der Stimmen. Es hätte auch anders kommen können. 

Ein Kommentar von Philippa Mund, Verantwortliche für Gender und das Landesprogramm Guatemala

Dass die regierende Elite Bernardo Arévalo überhaupt zur Wahl zugelassen hat, war eine Überraschung. Ebenso, dass sie ihn vor dem zweiten Wahlgang nicht noch irgendwie ausmanövrierte. Schon in den Monaten vor dem ersten Wahlgang im Juni begann die Manipulation: Das oberste Wahlgericht liess viele Kandidaturen zur Präsidentschaftswahl gar nicht erst zu. 

Aussichtsreiche Kandidierende durften nicht antreten 

Ausgeschlossen wurde zum Beispiel Thelma Cabrera mit ihrem Vizekandidaten Jordan Rodas Andrade. Die indigene Menschenrechtsverteidigerin aus dem Volk der Maya Mam gehört der Bäuer:innenorganisation Codeca an, eine Partnerorganisation von Fastenaktion. Der mit ihr nominierte Vizekandidat ist ehemaliger Menschenrechtsombudsmann und lebt derzeit aus Angst um sein Leben im Ausland – wie viele andere Justizbeamt:innen, die sich mit der korrupten Machtelite angelegt haben. Diese Elite stufte die Wahlchancen des Duos als so aussichtsreich ein, dass sie gar nicht erst antreten durften. 

Sieg für das Movimiento Semilla

Bernardo Arévalo wurde wohl nicht als Gefahr eingeschätzt und zur Wahl zugelassen. Im ersten Wahlgang erreichte er mit 11,8 Prozent der Stimmen den zweiten Platz, hinter der Kandidatin der Elite, Sandra Torres, mit 15,8 Prozent. Wobei mehr als 17 Prozent der Wahlberechtigten ein Voto Nulo – eine leere Stimme – abgegeben hatten und damit ihre Frustration über das herrschende System zum Ausdruck brachten. Dass Arévalo nun so überzeugend gewonnen hat, weckt Hoffnung. Doch es bleibt leider viel Zeit für weitere Manipulationen bis zu seiner Vereidigung im Januar, und das oberste Wahlgericht hat die Wahlergebnisse bisher nicht offizialisiert. Trotzdem sagt Inés Pérez, die Programmkoordinatorin von Fastenaktion: «Am Sonntag hat keine Partei gewonnen, Guatemala hat gewonnen.» Die Freude im Land über diesen Sieg des Volkes ist gross. In den Städten wurde am Sonntagabend getanzt und gefeiert – eine Euphorie, die so schon lange nicht mehr spürbar war. 

Das Recht auf Nahrung soll Realität werden 

Gemäss Unicef hat Guatemala weltweit die vierthöchste Rate an unterernährten Kindern. Deswegen setzen sich die Partnerorganisationen von Fastenaktion unermüdlich für das Recht auf Nahrung ein. Arévalos Partei Semilla ging 2014 unter anderem aus dem Protest gegen das sogenannte Monsanto-Gesetz hervor, das traditionelles Saatgut kriminalisiert hätte. Die breite Bevölkerung fühlt sich auch deshalb mit Semilla verbunden. Und der neu gewählte Präsident sagte in einem Interview mit CNN, dass seine Regierung alle Völker Guatemalas repräsentieren wolle: Mayas, Xinkas, Garifunas und Ladinos. Es liegen grosse Herausforderungen vor Arévalo, aber es gibt eine gemeinsame Vision – und seit langem wieder echte Hoffnung. 

Das zentrale Problem der armen Bevölkerung in Guatemala ist die Ernährung. Trockenheit, Wirbelstürme und Vulkanausbrüche erschweren den Anbau von Gemüse, Mais oder Kaffee. Deshalb unterstützt Fastenaktion in den Projekten eine widerstandsfähige und umweltschonende Landwirtschaft. Erfahren Sie hier mehr über das Landesprogramm in Guatemala.

Portrait von Bernardo Arévalo, dem Gewinner der Präsidentschaftswahlen.
Der Sozialdemokrat Bernardo Arévalo gewann überraschend die Präsidentschaftswahlen.

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Sowohl Projekte in Guatemala wie auch auf den Philippinen waren diesen Herbst ausgesprochen früh von Hurrikans und Taifunen betroffen. Die Verantwortlichen für das Landesprogramm Guatemala Philippa Mund und für das Landesprogramm Philippinen Helena Jeppesen, schildern, welche Auswirkungen diese auf die betroffenen Länder haben und wieso Nothilfe so wichtig ist.

Guatemala CODECA
Philippa Mund: «Hurrikan Julia erreichte Zentralamerika am 9. Oktober mit einer Geschwindigkeit von mehr als 140 km/h. Neben der starken Windgeschwindigkeit führte der Wirbelsturm zu starken Regenfällen, die ganze Landstriche unter Wasser setzten. Bereits Hurrikan Eta und Iota Ende 2020 hatten enorme Schäden in Alta Verapaz angerichtet. Genau dieses Phänomen traf im Oktober nun wieder ein. Die Regierung nutzte die Situation aus, um einen Ausnahmezustand auszurufen. Dies ist ein bekanntes Muster bei Naturkatastrophen. Damit werden jegliche politischen Proteste oder Mobilisierung kriminalisiert. Alle Partnerorganisationen erstellten eine Schadensbewertung und Bedarfsanalyse in den Regionen der Projektarbeit. Diese Analyse zeigte, dass die Partnerorganisationen Tzuul Taq’a in Alta Verapaz sowie Codeca an der Südküste am meisten betroffen sind».

Helena Jeppesen: «Die Philippinen wurden innerhalb eines Monats von zwei starken Taifunen heimgesucht: Taifun Noru am 25. September und Taifun Nalgae am 29. Oktober. Obwohl die Windsignale von Taifun Nalgae nicht über die Windstärke 3 hinausgingen, (89-117 km/h), brachte der Sturm schwere Regenfälle, die Gebiete in Luzon, Visayas und Mindanao überfluteten. Wir wissen von den indigenen Gemeinschaften der Agtas auf Bordeos Island auf Luzon, dass die Zerstörung an Häusern, Infrastruktur und Landwirtschaft durch Supertaifun Noru gewaltig war. Auf Bordeos traf der Taifun das erste Mal auf Land. Da Elektrizität und Mobilfunknetze ausgefallen waren, dauerte es lange, bis wir uns ein Bild des Schadens machen konnten. Die am stärksten betroffenen Gebiete waren die Inseln vor der Küste der Provinzen Quezon und Aurora und einige Küstendörfer.
Im Projektgebiet von YAPAK im Küstenort Dingalan wurden hunderte Häuser zerstört».

Philippa Mund. «Fastenaktion hat am 30. Oktober einer Co-Finanzierung des Nothilfeprojekts für Guatemala mit einem Gesamtvolumen von 216‘500 USD zugestimmt. Hiervon tragen wir 50‘000 USD. Die Humanitäre Hilfe der DEZA steuert den Grossteil bei. Im Rahmen dieses Projekts sollen 1‘800 Familien mit Nothilfe in den Departementen Alta Verapaz, Suchitepéquez und Izabal versorgt werden.

Philippinen YAPAK
Helena Jeppesen: Schon bevor die Wirbelstürme auf den Philippinen auf Land trafen, konnten Partnerorganisationen Notvorräte besorgen. Die Bevölkerung in den Dörfern wurde frühzeitig in Schulen, Turnhallen und Kirchen evakuiert. Die Vorbereitung auf Naturkatastrophen wird in den Dörfern, in denen wir arbeiten, regelmässig geübt. So können wir verhindern, dass Menschen durch Erdrutsche, umfallende Bäume und herumfliegende Dächer ums Leben kommen. Zudem bieten wir psychologische Hilfe für die traumatisierte Bevölkerung und die Teams der Projekte an. (mehr zum psychosozialen Ansatz im Dossier von Perspektiven)

Philippa Mund: «Das Equipo de Emergencia Local (EEL), das seit 2015 von der Fastenaktion-Koordination geleitet wird, aktivierte sich am 9. Oktober und sendete bereits am 12. Oktober einen ersten Bericht an die Abteilung der Humanitären Hilfe der DEZA in Managua. Teil des EEL sind alle in Guatemala tätigen Schweizer Hilfswerke. Das EEL ist an die Schweizer Botschaft angeschlossen und aktiviert sich im Falle einer Naturkatastrophe über klar festgelegte Mechanismen».

Helena Jeppesen: «Die Menschen auf den Philippinen brauchen nun am dringendsten Hygienekits, Lebensmittel, Plachen und Holz für die Reparatur der Häuser. In Absprache mit den politischen Gemeinden und anderen Hilfsorganisationen, konzentrieren wir uns bei YAPAK in Dingalan auf die psychologische Hilfe. Für die Agta-Gemeinschaften von TCD haben wir Mittel für Lebensmittelhilfe freigegeben. Wir arbeiten seit vielen Jahren mit diesen Projektpartnern zusammen und stehen in regelmässigem Austausch, nebstdem, dass regelmässig Monitorings gemacht werden. So können wir sichergehen, dass die Hilfe auch bei den Menschen ankommt».

Philippa Mund: «In Guatemala wird die Verteilung auch von den lokalen Partnerorganisationen organisiert und umgesetzt. Sie sind es, die die Gegebenheiten am besten kennen und beurteilen können, wo die Bedürfnisse am grössten sind. Es werden hierbei HygieneKits, Wasserfilter zur Reinigung des verschmutzten Wassers und Nahrungsmittelpakete verteilt. Für den Einkauf greift die Koordination auf bereits etablierte Kontakte mit lokalen Verkaufsstellen zurück, die agrarökologische Produkte anbieten und mit denen wir bereits 2019 zusammengearbeitet haben».  Mehr darüber erfahren Sie hier.

Wirbelstürme und die Klimakrise

Die Klimaerhitzung hat massgeblichen Einfluss auf die Häufigkeit und die Stärke von Wirbelstürmen.

Wirbelstürme verursachen oft grosse Schäden und Verluste (Loss and Damage). Bei der 27. Weltklimakonferenz (COP27), die ab dem 06. November in Ägypten stattfindet, werden auch diese Schäden und Verluste durch die Klimaerhitzung ein Thema sein, denn viele reiche Länder blockieren Verhandlungen dazu. Es geht um die Entschädigung für irreversible Schäden als Folge der Klimaerhitzung.

Fastenaktion setzt sich daher an der COP27 für höhere Beiträge zur Finanzierung von Massnahmen gegen die Klimaerhitzung und zur Abfederung der Folgen ein. Die Lebensgrundlagen der Menschen im globalen Süden sind durch die Klimakrise am stärksten bedroht. Daher ist es wichtig, dass an der COP27 ernsthafte Bekenntnisse zum Pariser Klimaabkommen von 2015 erfolgen und ambitionierte Programme dazu verabschiedet werden.

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Edgar Hernandez ist Theologe und Sozialarbeiter, Direktor der Caritas Verapaz. Caritas Verapaz ist ein Partner der Fastenaktion in Guatemala.

Guatemala - Keine Aussicht auf Gerechtigkeit

Vor einer Woche hat Generalstaatsanwältin Consuelo Porras den Sonderstaatsanwalt gegen Straffreiheit Juan Francisco Sandoval entlassen. Er war der letzte im guatemaltekische Staatsapparat, der versuchte gegen die grassierende Korruption zu kämpfen. Aus Angst um sein Leben und das seiner Familie, hat er sich nach El Salvador abgesetzt.

Dazu ein Interview mit Edgar Hernandez, Direktor der Fastenaktion Partnerorganisation Caritas Verapaz.

Warum musste der wichtigste Ermittler zur Korruptionsbekämpfung Juan Franzisco Sandoval fliehen?

Edgar Hernandez: Die von Sandoval geleitete Behörde Feci war aus der Uno-Kommission gegen die Straflosigkeit (CICIG) hervorgegangen. Eingesetzt wurde diese Ende 2006, um gegen Menschenrechtsvergehen durch das organisierte Verbrechen und die chronische Korruption in Guatemala vorzugehen. Doch die CICIG, die einst als Modell für eine rechtsstaatliche Wende in Zentralamerika galt, musste bereits unter Giammatteis Vorgänger Jimmy Morales das Land verlassen. Seit der Auflösung der CICIG wurde der Prozess der Ausrottung jeder Einrichtung oder Person die sich gegen Korruption in der Staatsmacht ausspricht, durch die Regierung fortgesetzt. Die Entlassung von Sonderstaatsanwalt Sandoval war nur eine Frage der Zeit, da er der Einzige war, der der korrupten Elite auf den Pelz rückte. Sandoval blieben nur zwei Möglichkeiten: Ins Exil zu gehen oder mit unbegründeten Anschuldigungen vor Gericht gestellt oder verfolgt zu werden, was sein Leben und das seiner Familie bedroht hätte.

Die guatemaltekische Bischofskonferenz protestiert gegen die Entlassung, aber hört die Regierung auf die Stimme der Bischöfe?

Der guatemaltekische Episkopat hat sich in seinem Communiqué klar geäussert. Er betont, dass die Entlassung des Sonderstaatsanwalts Sandoval für Guatemala ein «nicht wiedergutzumachendes Unrecht an der Gerechtigkeit und dem Rechtsstaat in Guatemala» sei. Er ist sich zudem bewusst, dass diese Entlassung Unruhe und Unzufriedenheit in der guatemaltekischen Bevölkerung hervorrufen wird. Mehrere Bischöfe haben in ihren Diözesen die Widerstandsdemonstrationen unterstützt und nehmen sogar daran teil. Die Regierung hört nicht mehr auf die Stimme der Bischöfe, sie sind jedoch immer noch sehr einflussreich in der guatemaltekischen Zivilbevölkerung.

Was kann Fastenaktion tun?

Die enge Solidarität mit den Partnern in Guatemala aufrechterhalten: Genaue Informationen über die Geschehnisse, insbesondere über die Geschehnisse in den einzelnen Regionen des Landes, breit veröffentlichen. Die Informationen in unseren lokalen Medien sind sehr einseitig; was über die Massenmedien Fernsehen und Radio verbreitet wird, wird von der Regierung und den Wirtschaftsmächten kontrolliert. Es wäre für uns eine grosse Hilfe, wenn die Schweizer Bevölkerung Informationen erhalten könnte, die mehr mit den Geschehnissen in Guatemala übereinstimmen.

Edgar Hernandez ist Theologe und Sozialarbeiter, Direktor der Caritas Verapaz. Caritas Verapaz ist ein Partner der Fastenaktion in Guatemala.

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Corona hat die Sterblichkeit, das Leiden und die Ungerechtigkeit weltweit erhöht. Unterstützung, die schon vor Ausgangssperren, Schulschliessungen und anderen einschränkenden Massnahmen wichtig war, ist jetzt lebensnotwendig. Unsere Arbeit in den Projekten sowie die Solidarität sind wichtiger denn je.

Zahlreiche Probleme in Zeiten von Corona liegen auf der Hand, zum Beispiel die steigende Anzahl hungernder Menschen aufgrund erhöhter Lebensmittelpreise. Andere Hürden sind weniger transparent, jedoch nicht minder besorgniserregend. Mädchen, die nicht nur wegen ausfallender Schulstunden, sondern gleich noch mit einer frühen Schwangerschaft zu kämpfen haben oder Sans-papiers, welche trotz existenzbedrohender Lebensverhältnisse keinen Impftermin erhalten. Solche Geschichten drohen unterzugehen in den weltweiten Corona-Schlagzeilen zu Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Deshalb gibt Fastenaktion diesen Menschen eine Stimme und Perspektiven.

Wenn alle Stricke zu reissen drohen

In schwierigen Zeiten tendieren wir dazu, uns auf das Negative zu konzentrieren. Umso wichtiger ist es uns, auch die guten Erfahrungen und Hoffnungen unserer Projektpartner zu teilen. So haben kenyanische Frauen wegen der Corona-Ausnahmesituation von ihren Männern mehr Respekt für ihre Arbeit erhalten. Dies könnte den Weg ebnen zu mehr Geschlechtergerechtigkeit auch nach der Pandemie. Wo kein Verlass ins Gesundheitssystem ist, wird immerhin Vertrauen geschenkt:In den Philippinen, wo die Regierung versagt, bieten die Bischöfe moralische Unterstützung. In anderen Ländern wie Guatemala zeigt sich die Solidarität von innen – trotz Armut teilen die Indigenen mit den Bedürftigen, dies ist Teil ihrer Kultur. 

Erfahren Sie mehr zu Corona in unseren Projekten.

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Marieta Llanera aus den PhilippinenMarieta Llanera aus den Philippinen

5. April 2021, Bern/Luzern. Die Ökumenische Kampagne «Klimagerechtigkeit – jetzt!» von HEKS und Fastenaktion führte zu überdurchschnittlich vielen Reaktionen, negativen wie positiven. Die Klimagerechtigkeit wird die Debatte und die Tätigkeit der Entwicklungsorganisationen auch in den nächsten Jahren prägen.

Besonders bewegt habe das Kampagnenplakat, sagt Matthias Dörnenburg, Kampagnenleiter von Fastenaktion. Es steht exemplarisch für übermässigen Fleischkonsum, der Regenwald zum Verschwinden bringe und damit die Klimakrise vorantreibe. «Wir wollen weltweite Zusammenhänge aufzeigen, welche Auswirkungen unsere Entscheidungen für Menschen im globalen Süden haben, bei den Ärmsten, die bereits jetzt stark unter den Folgen des Klimawandels leiden» so Dörnenburg. Ein bewusster Konsum von Nahrungsmitteln bedeute, regionale und saisonale Produkte zu kaufen. Dies komme auch der Schweizer Landwirtschaft zugute. Rückmeldungen gab es von Pfarreien und Kirchgemeinden, aber auch von Metzgern und Bäuerinnen. «Wenn das Plakat zum Diskutieren anregt oder kleine Verhaltensänderungen zugunsten des Klimas bewirkt, hat es viel der gewünschten Wirkung erreicht», sagt Elke Fassbender, Kampagnenleiterin bei HEKS. Viele haben die Entwicklungsorganisationen aber auch dafür gelobt, den Zusammenhang von Konsumverhalten hier und Auswirkungen anderswo so klar anzusprechen.

Wegen Corona fand mehr draussen statt

Hunderte von Pfarreien und Kirchgemeinden setzten das Kampagnenthema mit viel Kreativität um – wegen Corona oftmals draussen: als Familienlehrpfad, als «Klima-Landkarte», die ökologische Initiativen und Läden in der Gemeinde aufzeigte, als Posten- oder als Sponsorenlauf per Velo. Die Suppentage, welche Menschen in der Zeit vor Ostern zusammenbringen, wurden vielerorts als Take-Away oder Heimlieferdienst angeboten.

Die Ökumenische Kampagne der Entwicklungsorganisationen dauerte vom Aschermittwoch, 17. Februar, bis Ostersonntag, 5. April 2021. Trotz der durch Corona erschwerten Rahmenbedingungen ziehen die Organisationen eine positive Zwischenbilanz: «Das Thema Klimagerechtigkeit bleibt wichtig, und wir werden dranbleiben», sagt Fassbender.

 

Hallau führte durch verschiedene Stationen zum Thema Klima...
Hallau führte durch verschiedene Stationen zum Thema Klima...
...in Bolligen wurden persönliche Klimaziele gesetzt....
...in Bolligen wurden persönliche Klimaziele gesetzt....
...und in Sursee half Bischof Felix Gmür beim Ausliefern der Fastensuppe.
...und in Sursee half Bischof Felix Gmür beim Ausliefern der Fastensuppe.

Weitere Infos

Auskünfte

Matthias Dörnenburg, Leiter Kommunikation Fastenaktion, 041 227 59 21

Lorenz Kummer, Medienbeauftragter HEKS, 079 489 3824

Überschwemmungen Guatemala 2020

Im November 2020 verursachten die Wirbelstürme Eta und Iota verheerende Schäden in Guatemala. Betroffen waren vor allem die Menschen in der abgelegenen Berglandschaft im Norden, wo mehrere Projekte von Fastenaktion arbeiten. Dank ihrer Katastrophenteams konnte die Schweizer Regierung umgehend auf die Bitte der guatemaltekischen Regierung nach humanitärer Hilfe reagieren. Eine kurze Bilanz.

Aufgrund seiner geografischen Lage war Guatemala schon immer von Naturkatastrophen bedroht. Mit dem fortschreitenden Klimawandel nehmen Wirbelstürme, lang anhaltende starke Regenfälle, Überschwemmungen, Dürren und Waldbrände noch zu. Im November 2020 liessen sintflutartige Regenfälle zahlreiche Hänge – und mit ihnen Häuser und Felder – abrutschen. Grosse Teile der Mais und Bohnenernten wurden zerstört, Tausende von Familien standen vor dem Nichts.

Wie sich die Schweiz in Zentralamerika auf Katastrophen vorbereitet

Zum einen unterhält die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) in Zentralamerika eine Grupo de Intervención y Apoyo Rápido (GIAR), die sich aus lateinamerikanischen Experten für humanitäre Hilfe zusammensetzt. Als zweites haben die Schweizer Botschaften und sechs in Zentralamerika tätige Schweizer Hilfswerke 2013 ein lokales Nothilfeteam gegründet: das Equipo de emergencia local EEL. Ziel beider Organisationen ist es, die Nothilfe aus der Schweiz rasch und effizient zur betroffenen Bevölkerung zu bringen. In den letzten fünf Jahren übernahm die lokale Koordination der Fastenaktion die Aufgabe, das EEL zu koordinieren.
Die Mitglieder des EEL treffen sich regelmässig zum Austausch und es finden gemeinsame Ausbildungen zum Umgang mit Katastrophen für die lokalen Partnerorganisationen der Hilfswerke statt. Auch gibt es regelmässigen Austausch mit den Expertinnen und Experten von GIAR.

 

Nothilfe Guatemala/Alta Vera Paz 2020

Gemeinsamer Einsatz für 1700 Familien

Nach den Wirbelstürmen und den so noch nie dagewesenen, Überschwemmungen im November 2020 haben die beiden Organisationen zum ersten Mal eng zusammengearbeitet. Ihr Einsatz fand während 22 Tagen in einem der am stärksten betroffenen Gebiete, in San Pedro Carchá/Alta Verapaz, statt. Bei der konkreten Verteilung der Nothilfe erwies sich die Asociación T’zuul Taq’a als wichtige Stütze. Sie ist seit mehr als zehn Jahren Partnerorganisation der Fastenaktion und ihr Team verfügt über solides Wissen zur Region und spricht die lokale Sprache Q’eqchi. Auch waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von T’zuul Taq’a sehr motiviert und solidarisch mit der Bevölkerung. Während der gemeinsamen Aktion konnten mehr als 1700 Familien mit dringend notwendigen Lebensmitteln, Trinkwasser, sowie Hygiene- und Schutzmaterial gegen Covid-19 versorgt werden.

Nothilfe Guatemala Alta Verapaz: Registration

Nothilfe: Je koordinierter, desto wirksamer

Nicht nur die Schweizer Organisationen arbeiteten zusammen: Sie stimmten ihren Einsatz auch ab mit der humanitären Hilfe anderer Länder, der Vereinten Nationen sowie der staatlichen Katastrophenhilfe. Bei der Auswertung wurde diese Erfahrung von allen Beteiligten als erfolgreich eingestuft: Alle waren gegenseitig über die Aktionen der andern informiert und hielten sich an die ihnen zugewiesenen Rollen. Dadurch konnten in einer Rekordzeit von nur einer Woche die dringend benötigte humanitäre Hilfe geleistet werden. Insgesamt wurden 73 Tonnen lebenswichtige Hilfsgüter an betroffene Familien in 14 grossen abgelegenen Gemeinden abgegeben.

Überschwemmungen Guatemala 2020

Rückkehr zum normalen Leben braucht Zeit

Dank der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen der lokalen Fastenaktion-Partnerorganisation T’zuul Taq’a, mit dem EEL und GIAR werden die betroffenen Familien in Alta Verapaz nun auch beim Wiederaufbau unterstützt. Sie erhalten Bargeld, das sie für ihre Grundbedürfnisse einsetzen können: Nahrungsmittel, Trinkwasser, Saatgut, die Reparation und den Neubau von Häusern oder Hygieneartikel wie Seife, Binden und Desinfektionsmittel. Das Ziel ist, dass alle wieder so leben können, wie vor der Katastrophe. Denn erst wenn die grundlegenden Bedürfnisse nach Sicherheit – genug zu essen, ein Dach über dem Kopf – gedeckt sind, ist es für die Familien auch wieder möglich, sich Entwicklungsprojekten zuzuwenden.

Yojana Miner
Mitglied des Koordinationsteams der Fastenaktion und HEKS
Koordinatorin des EEL Guatemala

Um den Wiederaufbau im Norden von Guatemala weiter unterstützen zu können, sind wir froh um jede Spende. 
Hier finden Sie mehr Informationen zum Guatemalaprogramm der Fastenaktion und HEKS allgemein.

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Die indigenen Gemeinschaften in Guatemala sind stark von Armut betroffen. Sie werden diskriminiert und ihre Menschenrechte kontinuierlich verletzt. Die Corona-Krise, eine ignorante Politik und zuletzt die Wirbelstürme Eta und Iota haben sie an den Rand des Abgrunds gebracht. Die Menschen brauchen dringend Unterstützung – erst recht am Tag der Menschenrechte.

Während die Menschen in Guatemala mit den Folgen der Wirbelstürme und der Corona Pandemie zu kämpfen haben, verabschiedet der Kongress ein Budget, das massive Sparmassnahmen vorsieht und unter dem einmal mehr die indigene Bevölkerung am meisten zu leiden hat. Armut und Ausgrenzung nehmen weiter zu, Menschenrechtsverletzungen wie das Verbot von Versammlungen sind an der Tagesordnung. Flavio Caal Chen vom Vorstand von Redsag, der Partnerorganisation der Fastenaktion, schildert die derzeitige Situation in Guatemala so: «Die Folgen der Wirbelstürme Eta und Iota sind gravierend, sie haben Überschwemmungen und Erdrutsche mit sich gebracht und grosse Verwüstungen angerichtet. Vor allem in den nördlichen und östlichen Regionen Guatemalas, leiden die Menschen unter den Folgen der Stürme und sintflutartigen Regenfälle. Was es für die Menschen bedeutet, ist derzeit nicht abschätzbar. Denn noch immer regnet es und die Flusspegel sind hoch. Hunderte von Häusern stehen unter Wasser, Mais- und Bohnenernten sind vernichtet worden, das Saatgut für die nächste Aussaat ist verloren, Gemüsegärten, ganze Häuser und Orte sind überschwemmt. Hunderte von Gemeinden sind abgeschnitten und weiterhin stark gefährdet.». 

 Recht auf Schutz, Sicherheit und Nahrung 

 Die Zerstörung von Ernte und Saatgut ist eine Katastrophe. Sichert doch die kleinbäuerliche Landwirtschaft die Ernährung vieler Menschen, auch jener in den Städten. Die Überschüsse der Ernte können sie normalerweise verkaufen, das wiederum verhilft zu einem zusätzlichen Einkommen. Nachdem Bäuerinnen und Bauern monatelang durch einen strikten Lockdown eingeschränkt waren, verschärfte die Polizei in der Region von Sololá, in der die Partnerorganisation der Fastenaktion tätig ist, die Ausgangsbeschränkung zusätzlich. Denn Präsident Alejandro Giammattei hatte verfügt, dass Fahrzeuge mit Lebensmitteln trotz Ausgangssperre fahren durften, die Polizei liess diese Transporte jedoch nicht passieren. Solange, bis es schliesslich zum Aufstand der hungernden Bevölkerung kam und die Polizei gezwungen wurde, die Weisung des Präsidenten korrekt umzusetzen.

Budget für Landwirtschaft nicht ausgeschöpft

 Auch was die landwirtschaftliche Unterstützung der indigenen Gemeinschaften betrifft, verhält sich der Staat ungerecht. «Im Oktober beispielsweise besagen die Daten eines der Coordinación de Ongs y Cooperativas de Guatemala durchgeführten Monitorings, dass das Budget des Landwirtschaftsministeriums nur zu 33 Prozent ausgeschöpft wurde. Dies ist in einem Land, das stark von der Pandemie betroffen ist, mehr als beunruhigend. Zumal insbesondere die indigenen Gemeinschaften nicht unterstützt werden», so Flavio Caal Chen von Redsag. Auch was das Disaster Risk Management betrifft hat die guatemaltekischen Regierung noch Verbesserungspotenzial. Obwohl die Wirbelstürme ein typisches und jährlich wiederkehrendes Wetterphänomen sind, hat sie es bis heute nicht geschafft die nötigen Vorkehrungen zu treffen und allen Menschen, unabhängig vom gesellschaftlichen Status, Schutz und Sicherheit zu bieten.

Aufruf, gemeinsam zu handeln

Zusammen mit seiner Partnerorganisation Redsag fordert Fastenaktion am Tag der Menschenrechte Schutz, Sicherheit, das Recht auf Nahrung und Selbstbestimmung für die indigenen Gemeinschaften in Guatemala. Damit die Bäuerinnen und Bauern in Würde leben und arbeiten können, braucht es vom guatemaltekischen Staat zudem die Annahme und Umsetzung der Bauernrechtsdeklaration UNDROP für die Fastenaktion sich in der Schweiz und im globalen Süden einsetzt. Ist UNDROP doch ein Instrument, mit dem Regierungen verschiedene Massnahmen zum Schutz und zur Unterstützung von Bäuerinnen und Bauern ergreifen können. Die Vorständin Awex Cipriano Mejía von Redsag, sagt klipp und klar warum: «Ohne die Bäuerinnen und Bauern gibt es keine Nahrung, niemanden, der die Umwelt, das Wasser, das Saatgut und die wertvolle biologische Vielfalt schützt, die für uns alle essenziell ist. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, die Rechte der Bäuerinnen und Bauern zu schützen und den Zugang zu Land, Wasser, Saatgut und menschenwürdiger Arbeit zu sichern.»

 

Für weitere Informationen: 

Philippa Mund, Programmverantwortliche Guatemala 079 712 41 43

 

Seit März befindet sich Guatemala wegen der Covid-Pandemie im Ausnahmezustand. Nun hat der Tropensturm Eta am 6.November auch Häuser und Ernten der betroffenen Familien zerstört.

Nothilfe-Projekt: Helfen Sie den Familien in den Regionen Jalapa und Cubulco. 

In der vergangenen Woche wütete der Tropensturm Eta über der zentralamerikanischen Region. Guatemala wurden von sintflutartigen Regenfällen heimgesucht, die ganze Erdhänge abrutschen liessen und zahlreiche Häuser zerstörten. In unseren Projekten sind die Folgen des Tropensturms noch nicht gänzlich abzusehen. Aber bereits jetzt ist klar, dass viele Teile der Mais- und Bohnenernte zerstört wurden. Der Leiter unserer Partnerorganisation Tzuul Taq’a schreibt: «Es ist traurig zu sehen, dass jetzt Häuser überschwemmt wurden, in denen es vorher nicht einmal eine Wasserleitung gab. Viele Menschen haben alles verloren. »

HIlfe bedeutet Lebensmittel, Saatgut – und Hoffnung

In dieser doppelt schwierigen Situation wollen wir unsere Projekte zusätzlich unterstützen: Vielen Familien fehlt in Folge der Eindämmungsmassnahmen rund um Covid-19 zusätzliches Einkommen. Um die Ernährung von 300 Familien in den Regionen Jalapa und Cubulco abzusichern unterstützen wir deswegen zwei Projekte mit Nothilfe. Die Familien erhalten Mais, Bohnen und Zucker sowie zusätzliches Saatgut, damit sie trotzdem aussäen können, wenn die aktuelle Ernte verloren ist. Mit dieser Unterstützung wollen wir den Menschen eine Perspektive und Hoffnung geben. Denn sie sollen wissen, dass sie nicht alleine sind. 

Zwei Mitarbeitende der Organisation Tzuul Taq'a verteilten gleichzeitig Informationen zu Covid und dringend benötigte Nahrungsmittel.Zwei Mitarbeitende der Organisation Tzuul Taq'a verteilten gleichzeitig Informationen zu Covid und dringend benötigte Nahrungsmittel.

Eine Katastrophe nach der andern

Wegen Corona war die Situation in Guatemala schon vor dem Tropensturm sehr angespannt. Wenn die Covid-Fälle in einer Region ansteigen, dürfen die Leute das Haus nur noch für wichtige Angelegenheiten wie Einkäufe verlassen. Für unsere Projekte bedeutet dies grosse Veränderungen, denn die direkte Arbeit im Feld ist nur noch in manchen Regionen möglich.

Viele Aktivitäten werden stattdessen über Mobiltelefone begleitet, die Menschen in den Projekten können ihre Fragen stellen und werden beraten. Gleichzeitig rückt die Krise Arbeitsansätze unserer Partnerorganisationen in ein neues Licht: Agrarökologie – das heisst Anbau mit traditionellem Saatgut ohne chemische Pestizide und Düngemittel –ist nicht mehr bloss ein Angebot, das von den Menschen auf dem Land wertgeschätzt wird.

Denn nun nehmen die Menschen in den Städten wahr: Wir essen das, was Frauen und Männer in den nahen ländlichen Regionen produzieren. Dies rückt die tägliche harte Arbeit der Bäuerinnen und Bauern in ein neues, positives Licht und stärkt ihr Selbstbewusstsein.

Covid verdeutlicht soziale Unterschiede

Aber die Pandemie spült auch unnachgiebig und brutal die Ungleichheiten ans Tageslicht, die in Guatemala auch mehr als 20 Jahre nach den Friedensverträgen bestehen. Die Präventionsmassnahmen zu Covid-19 sind in den ländlichen Regionen schwer umsetzbar, Behandlungen für die ländliche Bevölkerung kaum zugänglich. Dies beginnt schon beim Ratschlag sich regelmässig mit Seife die Hände zu waschen. Um dies tun zu können benötigt man Wasser und Seife. Doch in den meisten unserer Projektregionen ist das nicht gegeben. Wie soll eine Frau, die bereits bisher jeden Morgen kilometerweit laufen muss, um das Wasser zum Kochen und Trinken zu holen, nun gewährleisten, dass sich die ganze Familie mehrmals am Tag die Hände waschen kann?

Philippa Mund, verantwortlich für das Programm Guatemala bei Fastenaktion

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Ines Pérez und Yojana Miner

Inés Pérez Hernández und Yojana Miner, die Koordinatorinnen des Landesprogramms Guatemala berichten regelmässig zur Corona-Krise im Land. Sie rechnen mit lang andauernden negativen Folgen für die benachteiligte indigene Bevölkerung.

«Die informelle Wirtschaft ist zum Stillstand gekommen. Das betrifft jene schwer, die von Tag zu Tag leben. Es herrscht grosse Besorgnis darüber, wie die Nahrungsmittel beschafft werden können, wenn man die Häuser nicht verlassen darf und keine finanziellen Mittel vorhanden sind.

Die Überweisungen an Familien, welche Verwandte in den Vereinigten Staaten oder in anderen Ländern haben, fliessen nicht mehr reibungslos, denn die Banken haben 75 Prozent ihrer Dienstleistungen eingestellt. Wir befürchten starke negative Auswirkungen: Es fehlt an Nahrung und die Unterernährung – rund 60 Prozent der Bevölkerung leben bereits unter der Armutsschwelle – wird zunehmen.

Davon betroffen ist vor allem die indigene, ländliche Bevölkerung, also unsere Hauptzielgruppe in den Projekten. Diese Krise wird bei ihr wohl tiefe Spuren hinterlassen. Die Partnerorganisationen der Fastenaktion, mussten einen grossen Teil ihrer Aktivitäten aufgrund des Versammlungsverbots reduzieren. Sie arbeiten aber mit alternativen Kanälen, über das Telefon und die Sozialen Medien und informieren die Menschen in den Projekten auch, wie sie sich vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus schützen können. 

Wir selbst arbeiten seit Mitte März von zu Hause aus und sind in stetem Kontakt mit den Partnerorganisationen, unterstützen sie, so gut es geht. Wir hoffen, dass die Projekte von Oktober bis Dezember ihre geplanten Aktivitäten  nachholen können. 

Druck der Regierung auf die zivile Gesellschaft hält an

Der Kongress stellte bis anhin seine Arbeit nicht ein – das ist ein weiteres grosses Risiko, denn es könnten während der Ausgangssperren Gesetze verabschiedet werden, welche die Rechte der Bevölkerung verletzen. Wir hoffen, dass das Gesetz zu den Nichtregierungsorganisationen, welches unsere Arbeitsmöglichkeiten stark einschränken würde, nicht jetzt behandelt wird.

Was den Fokus des Guatemala-Programms betrifft: Das zentrale Problem in dieser Krise ist der Zugang zu und die Verfügbarkeit von Nahrung. Es zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist, das Recht auf Nahrung zu betonen und wie notwendig es ist, die Anliegen der ländlichen, indigenen Bevölkerung ins Zentrum zu stellen.»

Inés Pérez und Yojana Miner, Koordinatorinnen des Ökumenischen Landesprogramms Guatemala.

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. 

Um diese Arbeit halten und weiterführen zu können, sind wir froh um jede Spende. 
Hier finden Sie mehr zum Guatemalaprogramm der Fastenaktion allgemein.

 

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Präsident von Guatemala, Alejandro Giammattei

Die Entwicklung der Corona-Krise in Guatemala

Am 13. März verkündete Präsident Giammattei den ersten Corona-Fall des Landes – ein Guatemalteke, der aus Italien gekommen war. Bereits ab 16. März wurden daraufhin alle Schulen geschlossen und weitere Massnahmen verkündet:

  • Land-, Luft- und Seegrenzen sind geschlossen, die Einreise von Ausländerinnen und Ausländern nach Guatemala ist verboten.
  • Keine Versammlungen mehr für mehr als 3 Personen, Osterprozessionen sind abgesagt.
  • Es herrscht totale Ausgangssperre von 16 – 4 Uhr.
  • Der öffentliche Verkehr wird eingestellt.
  • Einkaufszentren sind geschlossen, ebenso Bars, Clubs und Restaurants. Ausnahmen sind Apotheken, Tankstellen und grundlegende Dienstleistung.
  • Personen über 60, solche mit besonderen Risiken und Schwangere müssen grundsätzlich zu Hause blieben.

Die Regelungen gelten vorläufig bis zum 20. April, die Schulen bleiben bis Ende April geschlossen. Wer die angeordnete Ausgangssperre nicht einhält oder andere Regeln bricht, hat mit drastischen Strafen zu rechnen: Geldbussen ab umgerechnet 850 Franken oder Gefängnis bis zu 6 Jahren. Das trifft vor allem Menschen, die im informellen Sektor arbeiten und die Ausgangssperre nicht einhalten können.

Vor Ostern wurden die Massnahmen verschärft – unter anderem sind alle Reisen innerhalb des Landes verboten. Der Präsident versprach gleichzeitig 11 Milliarden Quetzal – rund 1.35 Milliarden Franken – bereit zu stellen: Unter anderem sollen 2 Millionen Familien für drei Monate je 1000 Quetzales – rund 120 Franken – erhalten. Ob und wie dies umgesetzt wird, ist offen. Es wurde auch das Thema der häuslichen Gewalt angesprochen und die Frauen wurden gebeten, sich zu melden, wenn sie davon betroffen sind. 

Am 8. April meldete die Regierung, dass täglich rund 20 Ansteckungen dazu kommen und 11‘000 Personen unter Quarantäne gestellt wurden. Wohl wissend, dass das Gesundheitssystem für eine Krise nicht gewappnet ist, drohte der Präsident, die Präventionsmassnahmen erst dann zurückzuziehen, wenn die Neuansteckungen weniger als 12  pro Tag betragen.  Bis zum 12. April gab es insgesamt 156 bestätige Ansteckungen, davon starben 5 Personen, 19 Personen gelten als geheilt.