Die Folgen der Klimakrise machen sich in Nepal stark bemerkbar. Die Monsunregenfälle werden immer unregelmässiger, was schwere Folgen für die Landwirtschaft hat. Samrat Katwal ist unser Programmkoordinator in Nepal und berichtet über die Auswirkungen für die Bevölkerung im Land.

 

«Ungefähr zwei Drittel der nepalesischen landwirtschaftlichen Betriebe werden von Regenwasser gespeist und sind grösstenteils von den Monsunregenfällen abhängig. Obwohl die Landwirtschaft nur ein Viertel der Wirtschaftsleistung ausmacht, ernährt sie mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Unsere Wirtschaft hängt von der Landwirtschaft und die Landwirtschaft von den Klimaschwankungen ab. Doch leider können unsere Bäuerinnen und Bauern das Klimageschehen nicht steuern, denn es hängt von der Lebensweise von Millionen Menschen weltweit und der Politik von Dutzenden anderer Länder ab. In vielen Teilen Nepals war der Winter trocken, das beeinträchtigte die Weizenproduktion. Darauf folgte eine weitere Welle von Trockenheit im Frühjahr, die sich auf die Maisproduktion auswirkte. Für viele Nepali sind Weizen und Mais die wichtigsten Grundnahrungsmittel – vor allem für die Menschen in den abgelegenen Gebieten, in denen kein Reis angebaut werden kann. Um den Beginn des Monsunregens herum, der von Juni bis September dauert, waren die Wasserquellen versiegt.

Agrarökologie als Lösungsansatz

Trockenperioden gehören in Nepal zur Landwirtschaft. Die Menschen haben sich entsprechend angepasst. Was Wissenschaft und Landwirtschaft jedoch gleichermassen beunruhigt, ist die anhaltende Trockenheit in Zeiten, in denen es eigentlich regnen sollte, und die zu einer Dürre führt. Der Aufbau eines widerstandsfähigen Ernährungssystems durch die Anpassung der Landwirtschaft an die lokalen Ökologie – und sozialen Sicherheitsnetze – durch soziale und kulturelle Solidarität sind der Schlüssel. In Krisenzeiten bekommt die Erkenntnis, dass die Agrarökologie die Widerstandsfähigkeit stärkt, noch mehr Bedeutung. Viele Antworten auf das Problem der Dürre finden sich in traditionellen landwirtschaftlichen Praktiken: der Anbau von traditionellen Wurzelsorten, Hirse, Brennnesseln als Gemüse. Wenn man solche Ernährungspraktiken genau beobachtet, kann man die Weisheit der Vorfahren entdecken. Diese Weisheit wird derzeit vernachlässigt und muss wiederbelebt werden. Dennoch ist die Agrarökologie kein Traum, der sofort in Erfüllung geht. Sie erfordert Geduld und Schweiss. Bis dahin müssen die Menschen überleben, und wenn dieses Überleben eine vorübergehende Nahrungsmittelhilfe bedeutet, muss auch diese geleistet werden.»

Die Partnerorganisationen von Fastenaktion in Asien, Afrika und Lateinamerika setzen sich für agrarökologische Ansätze ein. Erfahren Sie hier mehr über das Thema.

Bauer Sete Budha arbeitet auf seinem Feld nach agrarökologischen Anbaumethoden.
Bauer Sete Budha hat im Fastenaktion-Projekt gelernt, agrarökologische Anbaumethoden anzuwenden.

Unterstützen Sie Menschen in Nepal in ihrem Recht auf Nahrung

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Die Schweiz hat sich verpflichtet, Armut und Hunger in der Welt zu bekämpfen. Obschon die Anzahl an Menschen auf der Welt, die in Armut leben und Hunger leiden, dramatisch zunimmt, schlägt der Bund aber keine Erhöhung der Mittel für die Internationale Zusammenarbeit (IZA) vor. Fastenaktion fordert Solidarität für die ärmsten Menschen auf der Welt.  

Ein Kommentar von Daniel Hostettler, Leiter Internationale Programme bei Fastenaktion 

Der vom Bund vorgelegte Strategieentwurf für die Periode 2025-2028, zu dem Fastenaktion eine Vernehmlassungsantwort eingereicht hat, sieht vor, auch die Unterstützung für die Ukraine und einen Grossteil der Klimafinanzierung aus dem IZA-Budget zu begleichen. Natürlich ist es begrüssenswert, dass sich Bund und Parlament dafür ausgesprochen haben, die Ukraine von 2025 bis 2028 mit einem namhaften Betrag von 1,5 Milliarden Franken zu unterstützen. Der Finanzbedarf in der Ukraine ist immens. Hilfe und Wiederaufbau in Osteuropa gehen so aber auf Kosten der Entwicklung in Afrika und Asien. Statt zusätzlicher Mittel werden die Gelder innerhalb des Budgets umverteilt – unter dem Strich zulasten der Armutsbekämpfung im globalen Süden. 

Humanitäre Tradition bewahren

Fastenaktion fordert deshalb, dass die für die Unterstützung der Ukraine und die Klimafinanzierung notwendigen Mittel auf der Basis eigener gesetzlicher Grundlagen zusätzlich zur IZA-Strategie gesprochen werden. Nehmen wir es mit der globalen Solidarität ernst und leisten wir einen Beitrag, der unserem reichen Land, das sich seiner humanitären Tradition rühmt, entspricht! 

Die Medienmitteilung von Alliance Sud finden Sie hier.

AllianceSud hat die Kampagne «Mehr Solidarität jetzt» lanciert. Alle Informationen sowie Beteiligungsmöglichkeiten finden Sie hier.

Die Solidaritätsgruppe arbeitet gemeinsam auf einer Farm in Kenia.
Wir fordern, dass die finanziellen Mittel für die internationale Zusammenarbeit in Afrika und Asien nicht gekürzt werden.

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Die Koordinator:innen von Fastenaktion berichten über die Lebensumstände in ihren Ländern. Hier folgen die Stimmen von Djibril Thiam und Ndeye Wade, Koordination im Senegal bei Fastenaktion.
In der Geschichten-Reihe «Stimmen aus dem Süden» berichten unsere Koordinator:innen über die Lebensumstände in ihren Ländern. Der Krieg in der Ukraine hat auch Auswirkungen auf das Leben der Menschen in unseren Projektländern.  Sie wissen bald nicht mehr, wie sie noch über die Runden kommen sollen. In diesen harten Zeiten sind die Programme von Fastenaktion ein Lichtblick und geben den Menschen Zuversicht.

Hier die Stimmen von Djibril Thiam und Ndeye Wade, Koordination im Senegal bei Fastenaktion.

«Zu Beginn war die Bevölkerung Senegals nicht sehr besorgt über diesen Krieg in der Ukraine, da er für sie sehr weit weg von unserem Land stattfindet. In den Medien wurden lediglich einige Informationen über die russischen Angriffe und die Reden des ukrainischen Präsidenten wiedergegeben. Doch das Bewusstsein hat sich gewandelt. Dieser Krieg betrifft auch uns. Denn das, was wir im Senegal lieben und viel essen, nämlich Brot, kann nicht ohne das Getreide aus der Ukraine gebacken werden. Mittlerweile ist den Menschen klar, dass dieser Krieg aufhören muss, und alle beten für ein rasches Ende.

In Knappheitsperioden hilft den Frauen der Solidaritätsgruppen der gemeinschaftlich angelegte Nahrungsmittelvorrat.
Eigenanbau statt Import
Die Grundnahrungsmittel Weizen und Mais sind sehr viel teurer geworden, weil sie mehrheitlich importiert werden. Zwar hat der Staat Subventionen eingeführt, doch es ist ungewiss, wie lange er diese finanzielle Unterstützung leisten kann. Zudem befürchten Expert:innen, dass Unternehmen geschlossen werden müssen und viele Menschen ihre Arbeit verlieren. Denn der Senegal exportierte Fisch, Schalentiere, Erze, Schlacke und Asche in die Ukraine.

Selbst wenn der Krieg heute aufhört, sind wir im Senegal in den kommenden Monaten nicht vor einer schweren Hungersnot gefeit. Derzeit suchen wir mit den Menschen in den Projekten nach Möglichkeiten, um die Folgen einer möglichen Nahrungsmittelkrise abzuwehren. Die Lösung wäre, dass wir 80 Prozent der benötigten Nahrungsmittel selber anbauen. Das passiert zwar nicht von heute auf morgen, doch dank unseren Solidaritätsgruppen sind wir auf dem richtigen Weg und haben schon sehr viel erreicht.»

Unterstützen Sie unser Landesprogramm im Senegal

Die Projekte von Fastenaktion initiieren Solidaritätsgruppen, Kalebassen genannt. Rund 50‘000 Gruppenmitglieder – 90 Prozent von ihnen Frauen – legen regelmässig Geld ein. Innerhalb dieser Gruppen können sich die Mitglieder in Notlagen ohne Zinsen gegenseitig aushelfen und sich so langfristig entschulden. Die Vernetzung durch die Kalebassen sorgt für Unabhängigkeit und fördert den Austausch von Wissen und Erfahrungen.