Judy Kipkenda gehört zur indigenen Gemeinschaft der Ogiek in Kenia. Sie hilft lokalen Bäuerinnen und Bauern, sich besser an die Klimaerwärmung anzupassen. Wie wichtig traditionelle Anbaumethoden dabei sind, führte sie kürzlich an einer Uno-Veranstaltung in Rom aus – auch im Namen von Fastenaktion.

Über Fastenaktion können sich Stimmen aus dem Süden direkt in die Diskussionen von internationalen Organisationen einbringen. Eine solche Stimme ist Judy Kipkenda aus Kenia, die sich vergangenen Herbst an einer Uno-Veranstaltung in Rom für die Rechte indigener Bäuerinnen und Bauern einsetzte. Judy ist selbst Teil der indigenen Gemeinschaft der Ogiek und betreibt Landwirtschaft in Koibatek im Great Rift Valley von OstKenia 

 

Arbeit mit Frauen und Jugendlichen

Die 35-jährige Mutter dreier Kinder hat in ihrer Gemeinde eine Organisation gegründet, die den lokalen Bäuerinnen und Bauern dabei hilft, sich mit agrarökologischen Techniken besser an die Klimaerwärmung anzupassen. Dank alten, traditionellen Anbaumethoden und Saatgutvarianten lassen sich trotz der zunehmenden Krisen genügend Nahrungsmittel produzieren. Judy arbeitet vor allem mit indigenen Frauen und Jugendlichen. Ausserdem setzt sie sich auf politischer Ebene für den Erhalt traditioneller Saatgutsorten ein.

In Rom trat sie bei einer Veranstaltung des Uno-Ausschusses für Ernährungssicherheit auf – als einzige junge indigene Frau. Sie tat dies als Vertreterin des internationalen RAISE-Projekts zu Menschenrechten in Ernährungssystemen, das von Fastenaktion koordiniert wird. Dieser menschenrechtsbasierte Ansatz im Umgang mit der Klimakrise stand im Zentrum der Begleitveranstaltung, die von Michael Fakhri eröffnet wurde, dem Uno-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung.

Judy Kipkenda spricht an der Uno-Veranstaltung in Rom.

Traditionelles Wissen und Landrechte

Judy forderte die Stärkung bäuerlicher Rechte, um griffige Massnahmen für die Ernährungssicherheit in Zeiten der Klimaerwärmung durchsetzen zu können. «Regierungen und Organisationen sollten das traditionelle indigene Wissen beim Naturschutz und der Förderung nachhaltiger Praktiken anerkennen», erklärte sie auf dem Podium. Zudem müssten Regierungen die Landrechte indigener Völker schützen und diese in die Entscheidungsprozesse zu Klimaschutzmassnahmen einbeziehen. 

«Schon seit Generationen sind indigene Gemeinschaften die Hüterinner der Natur», sagte Judy weiter. Klimaschutz sei für sie keine Wahl, sondern eine Notwendigkeit. «Die Anerkennung unserer Rechte und unserer wichtigen Rolle beim Erhalt der Umwelt ist entscheidend für die Sicherung einer nachhaltigen Zukunft und des Rechts auf Nahrung für alle.» 

 

Rechte kennen und einfordern 

Für Fastenaktion war dieser Auftritt in Anwesenheit wichtiger internationaler Akteur:innen zum Recht auf Nahrung eine gute Gelegenheit, die Perspektive der Indigenen einzubringen. Ziel von RAISE ist, dass Bäuerinnen und Bauern ihre Rechte kennen und befähigt werden, diese auch einzufordern, national wie international. Genau das hat Judy Kipkenda in Rom getan – und stiess damit auf offene Ohren.

RAISE steht für Rights-based and Agroecological Initiatives for Sustainability and Equity in Peasant Communities. Die Initiative bringt Kleinbäuerinnen und -bauern sowie Viehalter:innen zusammen und setzt sich für bäuerliche Rechte in ihren Ländern und auf globaler Ebene ein. Fastenaktion koordiniert das internationale Konsortium, an dem weitere NGOs beteiligt sind: Rural Women Assembly, Dreikönigsaktion sowie Vétérinaires sans Fontières Suisse mit ihren Partnern Cemiride und RBM. RAISE wird von der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) kofinanziert. Erfahren Sie hier mehr über das Projekt.

Judy mit einem Mitglied ihrer Organisation, die sich für bäuerliche Rechte einsetzt.

Erfahren Sie im Video mehr über Judy Kipkenda und ihren Einsatz für die Rechte von indigenen Bäuerinnen und Bauern.

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Die Klimakonferenz in Dubai ist vorbei – und die Welt weiterhin nicht auf Kurs. Der Rückblick zeigt, dass die erzielten Kompromisse nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung sind. Es braucht mehr, um der Dringlichkeit der Lage gerecht zu werden. Die Ärmsten der Welt, die schon heute unter der Klimakrise leiden, können nicht länger auf ambitionierte Schritte warten. 

Ein Kommentar von Stefan Salzmann, Experte für Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion

Immerhin auf ein paar Punkte konnten sich die 197 Staaten an der Weltklimakonferenz COP28 in Dubai nach über zwei Wochen Verhandlungen einigen: Etwa wie man die Nutzung fossiler Energieträger reduzieren soll. Oder dass die erneuerbaren Energien ausgebaut werden müssen. Doch die Beschlüsse im sogenannten Energiepaket sind aus der Sicht von Fastenaktion nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Zwar bekennt sich die Staatengemeinschaft zum schrittweisen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas, doch leider fehlt ein verbindliches Jahresziel. Nicht mal für die besonders klimaschädliche Kohle konnte man in Dubai einen konkreten Ausstiegstermin festlegen.

 

Wer bezahlt?

Ungelöst ist auch, woher das Geld kommen soll, dass es für die Umsetzung der Energiewende braucht. Darüber wird 2024 an der nächsten Weltklimakonferenz in Aserbeidschan verhandelt. Wie erfolgreich die Konferenz in Dubai war, hängt auch von den Entscheidungen ab, die kommendes Jahr fallen. 

Dort geht es allerdings um einiges mehr als nur die Finanzierung erneuerbarer Energie: Auch die Anpassung an die Klimakrise braucht Mittel – insbesondere für die ärmsten Menschen. Sie leiden überdurchschnittlich an den Folgen der Klimakrise, obwohl sie kaum etwas zu ihr beigetragen haben. Sie brauchen dringend Unterstützung, und in der Pflicht stehen jene Länder, die für die Klimaerwärmung verantwortlich sind. So steht es im Klimaabkommen von Paris. Doch die Finanzversprechen der Industrieländer sind seit Jahren unerfüllt. Sie haben viel an Vertrauen verspielt. 

 

Die Schweiz muss mehr tun

Auch die Schweiz kommt ihren finanziellen Verpflichtungen nicht nach. Sie muss möglichst bald zusätzliche Gelder bereitstellen. Und zwar ergänzend zum Beitrag für Armutsbekämpfung und internationale Zusammenarbeit. 

Darüber hinaus muss die Schweiz einen angemessenen Beitrag leisten, damit die CO2-Emissionen bis 2035 um 60% sinken gegenüber 1990. Diese Forderung ist ein konkretes Ergebnis der Verhandlungen in Dubai. Mit dem aktuellen Kurs wird die Schweiz dieses Klimaziel nicht erreichen. Die Strategie, die notwendigen Reduktionen mit Zertifikaten aus dem Ausland zu erreichen, ist weder sozial noch ökonomisch nachhaltig. 

Bereits am 20. Dezember sollte der Nationalrat in seiner Beratung zum CO2-Gesetz nachbessern: Mit einer Erhöhung der CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe. Und in den folgenden Jahren, wenn es um die Klima-Gesetzgebung ab 2030 gehen wird, muss die Schweiz ambitionierter vorgehen, wenn sie die Verpflichtungen aus dem Klimaabkommen von Paris erfüllen will – nicht nur bei der Emissionsreduktion, sondern auch beim Bereitstellen finanzieller Mittel. 

Die Klimakonferenz in Dubai hat keine Entscheidung darüber getroffen, wie die globale Energiewende finanziert werden soll.

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Bei der internationalen Klimakonferenz in Dubai ist Halbzeit, ohne dass bisher relevante Beschlüsse gefasst wurden. Bis Mitte Dezember braucht es unbedingt entschlossene Entscheide.

Ein Kommentar von Stefan Salzmann, Experte für Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion

Die erste Woche der 28. Weltklimakonferenz ist vorbei. Und eigentlich drängt die Zeit, griffige Massnahmen zu beschliessen, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens noch einzuhalten und der Klimaerwärmung entschieden entgegenzutreten. Leider spiegelt sich diese Dringlichkeit bisher nicht in den Verhandlungen wider. Stattdessen prägen Scheindebatten der fossilen Lobbyisten die Atmosphäre.

 

Geld für Fussballspieler aber nicht für das Klima

Zu den Ländern, die Diskussionen über konkrete Klimaschutzmassnahmen aktiv verhindern, gehört Saudi-Arabien. Dessen Vertreter nehmen die Industrieländer in die Verantwortung und fordern von ihnen, mehr finanzielle Mittel für den Klimaschutz bereitzustellen. An sich teilt Fastenaktion diese Position, wundert sich jedoch über die Doppelmoral eines Landes, das dieses Jahr schon eine Milliarde Schweizer Franken für Fussballspieler ausgegeben hat – doch Geld für Klimaschutz und die Abkehr von fossilen Energieträgern soll keines zur Verfügung stehen? Und während sich die Vertreter:innen der Länder über dieses Thema streiten, vergeht die Zeit, in der ambitionierte Beschlüsse im Kampf gegen die Klimaerwärmung getroffen werden könnten. 

Ein Schwerpunkt der COP28 ist eine Bestandsaufnahme der bisherigen globalen Bemühungen und ihrer Wirkung auf das Klima – mit dem Ziel, die Erkenntnisse in künftige Klimaziele einfliessen zu lassen. Die wissenschaftlichen Berichte dazu sind eindeutig: Die globale Erwärmung hat 1.1 Grad Celsius bereits überschritten. Die Zeit drängt, und es bleibt nur noch eine Woche, um wichtige Entscheide für eine klimagerechte Zukunft zu fällen. 

Stimme der indigenen Gemeinschaften

Die Klimaerwärmung trifft vor allem die Menschen, die in Hunger und Armut leben. Für sie setzt sich Fastenaktion gemeinsam mit Partner:innen ein. So ist etwa Marta Tipuici Manoki nach Dubai gereist, eine Indigene aus Brasilien. Sie erzählt hier von den Herausforderungen ihrer Gemeinschaft, zum Beispiel bei der Gewinnung von Energie aus erneuerbaren Quellen. An der Weltklimakonferenz soll die Verdreifachung dieser Energieträger verabschiedet werden. Doch dieser Umstieg muss gerecht geschehen, denn nicht alle erneuerbaren Energien sind sozial und nachhaltig. So können etwa Flusskraftwerke zu Landenteignungen führen. Fastenaktion wies bereits an der COP26 in Glasgow auf diese Aspekte hin. 

 

Einfluss erhöhen

Marta Tipuici Manoki zweifelt manchmal, ob all die Menschen in Dubai wirklich Veränderung wollen. Ob sie ihr wirklich zuhören, wenn sie von den Problemen ihrer Gemeinschaft erzählt. Eine Klimakonferenz ausgerechnet im Erdöl-Emirat Dubai, das seinen Reichtum offensiv zur Schau stellt, verstärkt solche Zweifel – vielleicht zu Recht. Dennoch nutzen wir die Gelegenheit, uns gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen in die Verhandlungen einzubringen, unsere Netzwerke und unseren Einfluss zu fördern. So wird unsere Stimme für eine klimagerechte Welt ohne Hunger lauter. Wir sind bereit für die zweite Woche! 

Die brasilianische Indigene Marta Tipuici Manoki spricht während einer Veranstaltung im Rahmen der COP28.

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