Corona hat die Sterblichkeit, das Leiden und die Ungerechtigkeit weltweit erhöht. Unterstützung, die schon vor Ausgangssperren, Schulschliessungen und anderen einschränkenden Massnahmen wichtig war, ist jetzt lebensnotwendig. Unsere Arbeit in den Projekten sowie die Solidarität sind wichtiger denn je.

Zahlreiche Probleme in Zeiten von Corona liegen auf der Hand, zum Beispiel die steigende Anzahl hungernder Menschen aufgrund erhöhter Lebensmittelpreise. Andere Hürden sind weniger transparent, jedoch nicht minder besorgniserregend. Mädchen, die nicht nur wegen ausfallender Schulstunden, sondern gleich noch mit einer frühen Schwangerschaft zu kämpfen haben oder Sans-papiers, welche trotz existenzbedrohender Lebensverhältnisse keinen Impftermin erhalten. Solche Geschichten drohen unterzugehen in den weltweiten Corona-Schlagzeilen zu Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Deshalb gibt Fastenaktion diesen Menschen eine Stimme und Perspektiven.

Wenn alle Stricke zu reissen drohen

In schwierigen Zeiten tendieren wir dazu, uns auf das Negative zu konzentrieren. Umso wichtiger ist es uns, auch die guten Erfahrungen und Hoffnungen unserer Projektpartner zu teilen. So haben kenyanische Frauen wegen der Corona-Ausnahmesituation von ihren Männern mehr Respekt für ihre Arbeit erhalten. Dies könnte den Weg ebnen zu mehr Geschlechtergerechtigkeit auch nach der Pandemie. Wo kein Verlass ins Gesundheitssystem ist, wird immerhin Vertrauen geschenkt:In den Philippinen, wo die Regierung versagt, bieten die Bischöfe moralische Unterstützung. In anderen Ländern wie Guatemala zeigt sich die Solidarität von innen – trotz Armut teilen die Indigenen mit den Bedürftigen, dies ist Teil ihrer Kultur. 

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Überschwemmungen Guatemala 2020

Im November 2020 verursachten die Wirbelstürme Eta und Iota verheerende Schäden in Guatemala. Betroffen waren vor allem die Menschen in der abgelegenen Berglandschaft im Norden, wo mehrere Projekte von Fastenaktion arbeiten. Dank ihrer Katastrophenteams konnte die Schweizer Regierung umgehend auf die Bitte der guatemaltekischen Regierung nach humanitärer Hilfe reagieren. Eine kurze Bilanz.

Aufgrund seiner geografischen Lage war Guatemala schon immer von Naturkatastrophen bedroht. Mit dem fortschreitenden Klimawandel nehmen Wirbelstürme, lang anhaltende starke Regenfälle, Überschwemmungen, Dürren und Waldbrände noch zu. Im November 2020 liessen sintflutartige Regenfälle zahlreiche Hänge – und mit ihnen Häuser und Felder – abrutschen. Grosse Teile der Mais und Bohnenernten wurden zerstört, Tausende von Familien standen vor dem Nichts.

Wie sich die Schweiz in Zentralamerika auf Katastrophen vorbereitet

Zum einen unterhält die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) in Zentralamerika eine Grupo de Intervención y Apoyo Rápido (GIAR), die sich aus lateinamerikanischen Experten für humanitäre Hilfe zusammensetzt. Als zweites haben die Schweizer Botschaften und sechs in Zentralamerika tätige Schweizer Hilfswerke 2013 ein lokales Nothilfeteam gegründet: das Equipo de emergencia local EEL. Ziel beider Organisationen ist es, die Nothilfe aus der Schweiz rasch und effizient zur betroffenen Bevölkerung zu bringen. In den letzten fünf Jahren übernahm die lokale Koordination der Fastenaktion die Aufgabe, das EEL zu koordinieren.
Die Mitglieder des EEL treffen sich regelmässig zum Austausch und es finden gemeinsame Ausbildungen zum Umgang mit Katastrophen für die lokalen Partnerorganisationen der Hilfswerke statt. Auch gibt es regelmässigen Austausch mit den Expertinnen und Experten von GIAR.

 

Nothilfe Guatemala/Alta Vera Paz 2020

Gemeinsamer Einsatz für 1700 Familien

Nach den Wirbelstürmen und den so noch nie dagewesenen, Überschwemmungen im November 2020 haben die beiden Organisationen zum ersten Mal eng zusammengearbeitet. Ihr Einsatz fand während 22 Tagen in einem der am stärksten betroffenen Gebiete, in San Pedro Carchá/Alta Verapaz, statt. Bei der konkreten Verteilung der Nothilfe erwies sich die Asociación T’zuul Taq’a als wichtige Stütze. Sie ist seit mehr als zehn Jahren Partnerorganisation der Fastenaktion und ihr Team verfügt über solides Wissen zur Region und spricht die lokale Sprache Q’eqchi. Auch waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von T’zuul Taq’a sehr motiviert und solidarisch mit der Bevölkerung. Während der gemeinsamen Aktion konnten mehr als 1700 Familien mit dringend notwendigen Lebensmitteln, Trinkwasser, sowie Hygiene- und Schutzmaterial gegen Covid-19 versorgt werden.

Nothilfe Guatemala Alta Verapaz: Registration

Nothilfe: Je koordinierter, desto wirksamer

Nicht nur die Schweizer Organisationen arbeiteten zusammen: Sie stimmten ihren Einsatz auch ab mit der humanitären Hilfe anderer Länder, der Vereinten Nationen sowie der staatlichen Katastrophenhilfe. Bei der Auswertung wurde diese Erfahrung von allen Beteiligten als erfolgreich eingestuft: Alle waren gegenseitig über die Aktionen der andern informiert und hielten sich an die ihnen zugewiesenen Rollen. Dadurch konnten in einer Rekordzeit von nur einer Woche die dringend benötigte humanitäre Hilfe geleistet werden. Insgesamt wurden 73 Tonnen lebenswichtige Hilfsgüter an betroffene Familien in 14 grossen abgelegenen Gemeinden abgegeben.

Überschwemmungen Guatemala 2020

Rückkehr zum normalen Leben braucht Zeit

Dank der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen der lokalen Fastenaktion-Partnerorganisation T’zuul Taq’a, mit dem EEL und GIAR werden die betroffenen Familien in Alta Verapaz nun auch beim Wiederaufbau unterstützt. Sie erhalten Bargeld, das sie für ihre Grundbedürfnisse einsetzen können: Nahrungsmittel, Trinkwasser, Saatgut, die Reparation und den Neubau von Häusern oder Hygieneartikel wie Seife, Binden und Desinfektionsmittel. Das Ziel ist, dass alle wieder so leben können, wie vor der Katastrophe. Denn erst wenn die grundlegenden Bedürfnisse nach Sicherheit – genug zu essen, ein Dach über dem Kopf – gedeckt sind, ist es für die Familien auch wieder möglich, sich Entwicklungsprojekten zuzuwenden.

Yojana Miner
Mitglied des Koordinationsteams der Fastenaktion und HEKS
Koordinatorin des EEL Guatemala

Um den Wiederaufbau im Norden von Guatemala weiter unterstützen zu können, sind wir froh um jede Spende. 
Hier finden Sie mehr Informationen zum Guatemalaprogramm der Fastenaktion und HEKS allgemein.

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In der Nacht am 11./12. November traf Taifun Vamco im Norden der Philippinen auf Land. Er hinterliess eine Spur der Verwüstung im Grossraum Manila, in Infanta und der angrenzenden Provinz Aurora. Drei Projekte von Fastenaktion in Infanta, darunter das Partnerprojekt von Jubla Schweiz, wurden hart getroffen.

Mitarbeiter Marcelino von TCD Infanta zeigt, wie hoch das Wasser in seinem Dorf steht.Mitarbeiter Marcelino von TCD Infanta zeigt, wie hoch das Wasser in seinem Dorf steht. Foto: TCD
Der Taifun Vamco war der fünfte Taifun innerhalb eines Monats, der die Philippinen traf. Mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 250 km/h zog er über den Osten der Insel Luzon hin. Innert weniger Stunden wurden mindestens 73 Menschen getötet und viele verletzt. 19 Personen werden noch vermisst.

Gegen 400‘000 Menschen wurden in Luzon im Vorfeld des Taifuns evakuiert. Eine Million Menschen war ohne Strom. Der Taifun hatte einen Durchmesser von 500 Kilometern und brachte grosse Mengen Niederschlag. Viele Provinzen und Städte in Zentral- und Nordluzon bis hin zur Hauptstadt Manila wurden arg in Mitleidenschaft gezogen.   

Landwirtschaft und Fischerei stark betroffen

Eine erste Bilanz zeigt das Ausmass der Zerstörung. Insbesondere der Landwirtschaft und der Fischerei wurden schwere Schäden zugefügt. Die Ernte ist vielerorts ganz verloren, auch weil vier aufeinanderfolgende Taifune vorher schon Schäden angerichtet hatten. Rund 11‘350 Haushalte auf den Philippinen sind betroffen, viele davon sind auf Soforthilfe angewiesen.

Der Gesamtschaden des Taifuns für die Landwirtschaft in den Philippinen wird auf 60 Millionen Franken geschätzt. Dazu kommen auch die Schäden für die Fischerei.

Nothilfe für die Menschen in den Projekten der Fastenaktion

Laut den letzten Berichten der Prelature of Infanta und der Partnerorganisationen TCD sind in ihrem Projektgebiet in der Provinz Quezon 720 Haushalte betroffen, die dringend Hilfe brauchen. Davon sind 150 indigene Agtas-Familien, die zu den Ärmsten in der Region gehören. Ihre Gemüsekulturen, einschliesslich Bananen und Kokosnüsse, sind zerstört. 

Im Norden der Prelature of Infanta sind auch Zielgruppen des Basisgemeindeprojekts YAPAK und der Task Force Anti Apeco betroffen. Dort wird im Rahmen des bestehenden Projektbudgets Nothilfe geleistet.

Auch auf den vorgelagerten Inseln Polillo und Bordeos, die zur Prelature gehören, gab es immense Schäden an Gebäuden, Land, Wald und Infrastruktur. Dort werden NASSA (Nationale Caritas Philippinen) und DKA Österreich Nothilfe leisten.

Direkte Zielgruppe dieses FO Nothilfe-Projekts: 720 Haushalte, darunter 150 Agta-Familien, rund 4‘500 Personen in der Provinz Quezon.

Folgende Aktivitäten sind vorgesehen:

  1. Mit Saatgut und Pflanzmaterial werden 350 betroffene Familien unterstützt, damit sie ihre Felder und Gärten wieder anbauen und bepflanzen können.
  2. Baumaterialien wie Nägel, Holz und Plastikblachen werden für 500 Familien für das Reparieren und den Wiederaufbau ihrer Häuser zur Verfügung gestellt.
  3. Disaster Risk Management (DRR): In Workshops wird die Bevölkerung informiert, was sie zur Reduzierung des Katastrophenrisikos zusammen mit den lokalen Behörden unternehmen können. Inhalt dieser Workshops sind Risikoanalysen für die Projektgebiete, Kennenlernen von DRR(Disaster Risk Reduction Tools, Katastrophen-Vorbereitungsmassnahmen und Katastrophenhilfe.

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Ines Pérez und Yojana Miner

Inés Pérez Hernández und Yojana Miner, die Koordinatorinnen des Landesprogramms Guatemala berichten regelmässig zur Corona-Krise im Land. Sie rechnen mit lang andauernden negativen Folgen für die benachteiligte indigene Bevölkerung.

«Die informelle Wirtschaft ist zum Stillstand gekommen. Das betrifft jene schwer, die von Tag zu Tag leben. Es herrscht grosse Besorgnis darüber, wie die Nahrungsmittel beschafft werden können, wenn man die Häuser nicht verlassen darf und keine finanziellen Mittel vorhanden sind.

Die Überweisungen an Familien, welche Verwandte in den Vereinigten Staaten oder in anderen Ländern haben, fliessen nicht mehr reibungslos, denn die Banken haben 75 Prozent ihrer Dienstleistungen eingestellt. Wir befürchten starke negative Auswirkungen: Es fehlt an Nahrung und die Unterernährung – rund 60 Prozent der Bevölkerung leben bereits unter der Armutsschwelle – wird zunehmen.

Davon betroffen ist vor allem die indigene, ländliche Bevölkerung, also unsere Hauptzielgruppe in den Projekten. Diese Krise wird bei ihr wohl tiefe Spuren hinterlassen. Die Partnerorganisationen der Fastenaktion, mussten einen grossen Teil ihrer Aktivitäten aufgrund des Versammlungsverbots reduzieren. Sie arbeiten aber mit alternativen Kanälen, über das Telefon und die Sozialen Medien und informieren die Menschen in den Projekten auch, wie sie sich vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus schützen können. 

Wir selbst arbeiten seit Mitte März von zu Hause aus und sind in stetem Kontakt mit den Partnerorganisationen, unterstützen sie, so gut es geht. Wir hoffen, dass die Projekte von Oktober bis Dezember ihre geplanten Aktivitäten  nachholen können. 

Druck der Regierung auf die zivile Gesellschaft hält an

Der Kongress stellte bis anhin seine Arbeit nicht ein – das ist ein weiteres grosses Risiko, denn es könnten während der Ausgangssperren Gesetze verabschiedet werden, welche die Rechte der Bevölkerung verletzen. Wir hoffen, dass das Gesetz zu den Nichtregierungsorganisationen, welches unsere Arbeitsmöglichkeiten stark einschränken würde, nicht jetzt behandelt wird.

Was den Fokus des Guatemala-Programms betrifft: Das zentrale Problem in dieser Krise ist der Zugang zu und die Verfügbarkeit von Nahrung. Es zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist, das Recht auf Nahrung zu betonen und wie notwendig es ist, die Anliegen der ländlichen, indigenen Bevölkerung ins Zentrum zu stellen.»

Inés Pérez und Yojana Miner, Koordinatorinnen des Ökumenischen Landesprogramms Guatemala.

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. 

Um diese Arbeit halten und weiterführen zu können, sind wir froh um jede Spende. 
Hier finden Sie mehr zum Guatemalaprogramm der Fastenaktion allgemein.

 

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Präsident von Guatemala, Alejandro Giammattei

Die Entwicklung der Corona-Krise in Guatemala

Am 13. März verkündete Präsident Giammattei den ersten Corona-Fall des Landes – ein Guatemalteke, der aus Italien gekommen war. Bereits ab 16. März wurden daraufhin alle Schulen geschlossen und weitere Massnahmen verkündet:

  • Land-, Luft- und Seegrenzen sind geschlossen, die Einreise von Ausländerinnen und Ausländern nach Guatemala ist verboten.
  • Keine Versammlungen mehr für mehr als 3 Personen, Osterprozessionen sind abgesagt.
  • Es herrscht totale Ausgangssperre von 16 – 4 Uhr.
  • Der öffentliche Verkehr wird eingestellt.
  • Einkaufszentren sind geschlossen, ebenso Bars, Clubs und Restaurants. Ausnahmen sind Apotheken, Tankstellen und grundlegende Dienstleistung.
  • Personen über 60, solche mit besonderen Risiken und Schwangere müssen grundsätzlich zu Hause blieben.

Die Regelungen gelten vorläufig bis zum 20. April, die Schulen bleiben bis Ende April geschlossen. Wer die angeordnete Ausgangssperre nicht einhält oder andere Regeln bricht, hat mit drastischen Strafen zu rechnen: Geldbussen ab umgerechnet 850 Franken oder Gefängnis bis zu 6 Jahren. Das trifft vor allem Menschen, die im informellen Sektor arbeiten und die Ausgangssperre nicht einhalten können.

Vor Ostern wurden die Massnahmen verschärft – unter anderem sind alle Reisen innerhalb des Landes verboten. Der Präsident versprach gleichzeitig 11 Milliarden Quetzal – rund 1.35 Milliarden Franken – bereit zu stellen: Unter anderem sollen 2 Millionen Familien für drei Monate je 1000 Quetzales – rund 120 Franken – erhalten. Ob und wie dies umgesetzt wird, ist offen. Es wurde auch das Thema der häuslichen Gewalt angesprochen und die Frauen wurden gebeten, sich zu melden, wenn sie davon betroffen sind. 

Am 8. April meldete die Regierung, dass täglich rund 20 Ansteckungen dazu kommen und 11‘000 Personen unter Quarantäne gestellt wurden. Wohl wissend, dass das Gesundheitssystem für eine Krise nicht gewappnet ist, drohte der Präsident, die Präventionsmassnahmen erst dann zurückzuziehen, wenn die Neuansteckungen weniger als 12  pro Tag betragen.  Bis zum 12. April gab es insgesamt 156 bestätige Ansteckungen, davon starben 5 Personen, 19 Personen gelten als geheilt. 

1,3 Milliarden Inderinnen und Inder stehen unter Ausgangssperre. Für die arme Bevölkerung ist dies eine grössere Bedrohung als die Krankheit selbst.

1,3 Milliarden Inderinnen und Inder stehen wegen dem Virus bis zum 31. März unter Ausgangssperre. Für die Männer und Frauen im informellen Sektor ist das Leben dadurch momentan stärker bedroht, als durch die Krankheit selbst.

Alle Projekte von Fastenaktion sind mit neuen, zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert. Besonders drastisch zeigt sich das in Indien. Tobias Buser, Programmverantwortlicher für das Programm der Fastenaktion in Indien sagt:

Die Situation ist schwierig und verschlimmert sich laufend, weil niemand Zeit hatte, sich auf die Ausgangssperre vorzubereiten. Das gilt vor allem für jene, die im informellen Sektor arbeiten und für die Armen auf dem Land. Überall kommt es zu Aufständen und zu Hunger als Resultat der plötzlichen Arbeitslosigkeit der vielen Tagelöhner und Tagelöhnerinnen aufgrund der strikten Ausgangssperre. Weil sich diese von einem Tag auf den anderen keine Unterkunft und kein Essen mehr leisten können, versuchen sie trotz fehlender Transportmittel in ihre Herkunftsorte zurückgelangen. Das führt zu riesigen Fluchtbewegungen zu Fuss. Und natürlich trägt es zur Verbreitung des Virus bei.

Es ist sehr schwierig geworden, sich mit Nahrungsmitteln zu versorgen oder medizinische Hilfe zu erhalten, denn wer sich nicht an das Ausgehverbot hält, wird von der Polizei brutal behandelt.

 

Tobias Buser, Programmverantwortlicher Indien und Madagaskar

Wie geht es weiter im Indienprogramm?

Wie geht es weiter im Indienprogramm?

Eines kann Tobias Buser bereits jetzt klar sagen:

Wir arbeiten in unserem Programm in Indien mit stark benachteiligten, landlosen Adivasi-Gruppen, die sich Zugang zu Waldland sichern und sich in agrarökologischer Landwirtschaft weiterbilden. Diese Strategie–– erweist sich auch jetzt als sehr hilfreich. Dadurch haben die Leute in den Projekten eigene Nahrungsmittel zur Verfügung – und das in der schlimmsten aller bisherigen schlechten Zeiten!

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und ihre Arbeit den Umständen anpassen können. Bereits versorgen einige Organisationen die Leute mit kurzen Videos über WhatsApp, mit Infos, wie sie sich vor dem Virus schützen können. Sie planen Radiosendungen zum Thema – auch um über schädliche Fake News aufzuklären. Es ist vielerorts möglich, die Menschen in den Projekten über Mobiltelefone zu beraten – zum Beispiel zu Landwirtschaftsfragen – und so mit ihnen in Kontakt zu bleiben. In Ausnahmefällen ist es auch möglich, für hungernde Familien Nothilfe zu leisten.

Um diese Arbeit halten und weiterführen zu können, sind wir froh um jede Spende. Hier erfahren Sie mehr über das Indienprogramm allgemein.

Unterstützen Sie die Benachteiligten in Indien - gerade jetzt!

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«Die Klimakrise zwingt uns, unsere Welt neu zu gestalten. Dieser Wandel soll nicht auf Kosten bedrohter Indigener und Bauerngemeinschaften geschehen. Dafür setzt sich Fastenaktion an der Klimakonferenz ein.»

David Knecht, Programmverantwortung Klima und Energie, Fastenaktion

David Knecht, Verantwortlicher Internationales Programm Energie und Klimagerechtigkeit
UNO Klimakonferenz cop25 titelbild

Anfang Dezember findet in Madrid die COP25 - die jährliche Klimakonferenz der UNO - statt. Gemeinsam mit seinen Allianzpartnern wird Fastenaktion vom Klimawandel bedrohten Indigenen und Bauerngemeinschaften eine Stimme geben. So dass deren Anliegen wahrgenommen und Schutzmechanismen für sie eingebaut werden.

Brasilien hat ein ambitioniertes Klimaziel verkündet. Zwischen 2005 und 2025 sollen die Treibhausgas-Emissionen um 37 Prozent reduziert werden. Um dieses zu erreichen, soll der Energiemix des Landes bis 2030 zu 45 Prozent aus erneuerbaren Energien bestehen. Dafür sind unter anderem viele Wasserkraftwerke geplant.

Kurzsichtige Lösungen entlarven

Im Bundesstaat Mato Grosso, im brasilianischen Amazonas erlebt die Fastenaktion-Partnerorganisation Opan direkt, wie eine schlechte Umsetzung der Ziele auf Kosten der benachteiligten Bevölkerung geschieht. Im Einzugsgebiet des Flusses Juruena sind 127 kleine und mittelgrosse Wasserstaudämme geplant. Diese bedrohen die Lebensgrundlagen der lokalen indigenen Bevölkerung. Denn der Wasserfluss verändert sich drastisch, Fischpopulationen schwinden, heilige Orte sind nicht mehr zugänglich. Und schliesslich kommt die produzierte Energie nicht ihnen selbst zugute, sondern wird direkt ins nationale Netz eingespeist, von dem vor allem Städte ihren Strom beziehen.

Deshalb setzt sich die der Fastenaktion unterstützte Organisation der indigenen Gemeinschaften Opan dafür ein, dass falsche Lösungen als solche enttarnt und gesellschaftsfähige Lösungen gesucht und verbreitet werden. Gerade für die brasilianische Organisation Opan ist es je länger je wichtiger, auf der internationalen Ebene mehr Druck auf die Regierung machen zu können. Denn in Brasilien wird die Zivilgesellschaft je länger je mehr von der aktuellen Regierung eingeschränkt und Aktivistinnen und Aktivisten bedroht.

Sozial verträgliche Lösungen suchen

Die Partnerorganisation Censat in Kolumbien arbeitet an solchen gesellschaftsfähigen Lösungen: Sie führen lokale, dezentrale Energielösungen ein, wie solarbetriebene Wasserpumpen zur Bewässerung agrarökologischer Landwirtschaft oder gemeinschaftlich verwaltete kleine Biogasanlagen, die beispielsweise zur Verarbeitung von Kakao genutzt werden.

Denn die UNO-Klimaziele greifen zu kurz, wenn sie «nur» die Senkung der Treibhausgas-Emissionen überwachen. Es ist wichtig, bei der dringend notwendigen Umsetzung der vertraglich bindenden Ziele die sozialen Aspekte einzubeziehen. Für diese soziale Dimension setzen sich Fastenaktion und seine Allianzpartner an der Klimakonferenz in Madrid ein. Gemeinsam mit dem Netzwerk katholischer Entwicklungswerke Cidse ist eine offizielle Veranstaltung zu diesem Thema geplant, um die Anliegen der indigenen und benachteiligten Bevölkerungsgruppen einzubringen.

Der Handel mit Treibhausgas-Zertifikaten ist keine langfristige Lösung

An den Verhandlungen in Madrid geht es auch konkret darum, den Marktmechanismus zum Handel von Emissionsreduktionen zu bestimmen. Der Bundesrat möchte auf diesen Mechanismus setzen, um die Schweizer Klimaziele zu erreichen. Dieser Handel hat zum Ziel, dass die Treibhausgase, die an einem Ort ausgestossen werden – also zum Beispiel in der Schweiz – an anderen Orten der Welt mit konkreten Massnahmen vermieden werden – zum Beispiel mit Windkraftwerken statt Dieselgeneratoren in Madagaskar. Dahinter steht die Idee, dass es für das Klima – anders als beim Wasser oder der Luftverschmutzung – nicht darauf ankommt, wo die Treibhausgase ausgestossen oder wo sie eingespart werden.

Fastenaktion ist der Meinung, dass ein solch globaler Handel am Ziel vorbei führt: Die wohlhabende Schweiz soll die Verantwortung für ihre Treibhausgasemissionen voll übernehmen und die Reduktionen im Inland erreichen. Darüber hinaus besteht die akute Gefahr, dass der Handel mit Treibhausgasemissionen falsche Anreize setzt und Klimaprojekte mit verheerenden sozialen Schäden fördert.

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