Dank der Arbeit von Justiça nos Trilhos, einer Partnerorganisation von Fastenaktion, hat die Gemeinde Itapecuru-Mirim im Juni 2023 ein neues Gesetz verabschiedet. Das Gesetz ermöglicht eine soziale und transparente Kontrolle über die Steuereinnahmen aus dem Bergbau. Eine Premiere in diesem Land, die noch weitere Nachahmer finden könnte.

François Mercier, Fachverantwortlicher für Rohstoffe und Menschenrechte

Seit Jahren prangert Justiça nos Trilhos – was so viel wie „Gerechtigkeit auf Schienen“ bedeutet, mit Unterstützung von Fastenaktion, die Auswirkungen der weltgrößten Eisenerzmine in Carajás im brasilianischen Amazonasgebiet an. Um das Eisenerz von dieser Mine zum nächstgelegenen Hafen in São Luís zu transportieren, wurde eine fast 900 km lange Eisenbahnstrecke gebaut. Tag und Nacht fahren 48 Züge mit je 330 Waggons durch die Ortschaften an der Zugstrecke – 15 Minuten dauert es, bis ein Zug vorbei ist. Die Menschen in den Dörfern leiden unter dem Lärm und den regelmässigen Unfällen verursacht durch die Züge. Vom enormen Profit der Mine fliesst aber kaum etwas in die betroffenen Dörfer an der Zugstrecken.

Tricks zur Steuervermeidung

Im Juli 2022 prangerte Justiça nos Trilhos insbesondere die Steuertricks des Minenbetreibers VALE an. Ihre mit unserer Unterstützung durchgeführte Studie konnte zeigen, dass die Eisenexporte systematisch unterfakturiert werden, indem sie sich auf in der Schweiz situierte Tochtergesellschaften stützen.

Das brasilianische Gesetz sieht vor, dass die mit dem Eisenabbau verbundenen Steuern zwischen der nationalen Regierung, dem betroffenen Bundesstaat und den betroffenen Gemeinden aufgeteilt werden. Letztere haben jedoch aufgrund der vom Unternehmen praktizierten Steuervermeidung, aber auch aufgrund der intransparenten Gemeindeverwaltung und der Korruption bislang nur wenig oder gar nicht davon profitiert.

Steuergewinn aus dem Bergbau kommt nun der Bevölkerung zugute

Die betroffenen Gemeinden sind größtenteils arm und mittellos. Justiça nos Trilhos hat mit vielen Gemeinden und der Bevölkerung Gespräche über die Nutzung dieser Steuergelder und der Ressourcen aufgenommen. Am 1. Juni 2023 verabschiedete die Gemeinde Itapecuru-Mirim das Gesetz 1601/2023. Es ermöglicht die Einrichtung eines Komitees mit Bürgerbeteiligung für die Verwaltung der Steuereinnahmen aus dem Bergbau. Dank diesem Gesetz können 50 Prozent der Steuergelder aus dem Bergbau direkt für die nachhaltige Entwicklung der am stärksten betroffenen Dörfer eingesetzt werden. Gespräche mit anderen Gemeinden über ähnliche Projekte sind am Laufen.

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Zahlreiche südafrikanische Bäuerinnen und Bauern arbeiten in lokalen und nationalen Netzwerken zum Ansatz der Agrarökologie, um der Klimaerhitzung zu entgegnen. In der Landwirtschaftspolitik der Regierung kommt sie bisher nicht vor. Ist die Agrarökologie der richtige Weg hin zu einem sozialgerechten und klimaschonenden Landwirtschaftsmodell? Dieser Frage geht eine Studie von Fastenaktion nach. Sie zeigt auf, was es braucht, um agrarökologische Initiativen in Südafrika zu stärken und eine nationale Strategie zur Agrarökologie in der Landwirtschaftspolitik zu verankern.

Ein Kommentar von Claudia Fuhrer, Verantwortliche Ernährungsgerechtigkeit / Recht auf Nahrung bei Fastenaktion

Viele lokale und nationale Netzwerke von Bäuerinnen und Bauern sowie Nichtregierungsorganisationen sehen in der Agrarökologie eine Alternative zur industriellen Landwirtschaft: Sie gebietet der Klimaerhitzung Einhalt und respektiert bäuerliche Rechte. Die Studie von Fastenaktion hat die Stärken und Schwächen der agrarökologischen Bestrebungen in Südafrika analysiert. Sie stützt sich auf Interviews und Feldbesuche mit 35 Organisationen sowie Netzwerken. 

Agrarökologie ist eine Alternative 

Die Studie kommt zum Schluss, dass agrarökologische Initiativen als Grundlage für Alternativen zur industriellen Landwirtschaft dienen können und das Recht auf Nahrung fördern. Damit sich die Agrarökologie in Südafrika in diese Richtung weiterentwickelt, braucht es eine gute Koordination, Stärkung und Vernetzung der agrarökologischen Initiativen sowie eine gemeinsame Strategie zur Beeinflussung der nationalen Landwirtschaftspolitik. Insbesondere bedarf es finanzieller Mittel vonseiten des Staates zur Unterstützung der bestehenden Initiativen.   

Herausforderungen bleiben

Die Studie zeigt auch Schwächen in der Umsetzung von Agrarökologie in Südafrika. Die agrarökologischen Initiativen sind bis anhin zersplittert, und es gibt noch kein einheitliches Verständnis zu Agrarökologie. Involvierte Bäuerinnen und Bauern sind hauptsächlich Kleinstproduzierende mit Hausgärten und kleinen Feldern. In der Regel sind es ältere Frauen, die in der Gesellschaft an den Rand gedrängt werden. Sie sind konfrontiert mit der vorherrschenden industriellen Landwirtschaft 

Die Studie finden Sie hier auf Englisch.

Die Partnerorganisationen von Fastenaktion in Asien, Afrika und Lateinamerika setzen sich für agrarökologische Ansätze ein. Erfahren Sie hier mehr über das Thema.

Agrarökologie ist lokal angepasste und umweltschonende Landwirtschaft. In unseren Projekten ist dieser Ansatz zentral, um den Hunger zu vermindern.

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