Ein erfolgreiches Projekt in Senegal hat seinen Ursprung in einem alten Brauch der Volksgruppe der Serer. Es basiert auf den Pfeilern Solidarität, Würde und Diskretion. Die getrocknete Hälfte des Flaschenkürbisses – die Kalebasse – ist Namensgeberin der Gruppen.

Folgend finden Sie die multimediale Geschichte über die Solidaritätskalebassen in Senegal. Mit einem Klick auf «Enter» starten Sie das visuelle Abenteuer. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Erkunden!

Steigt Rauch auf, ist das Mittagessen gesichert
Wie ein alter senegalesichscher Brauch den Ursprung für das erfolgreiche Prinzip der Solidaritätsgruppen bildet.
Enter
keywords

Lesen Sie hier mehr über unsere Projekte im Senegal

«Ich möchte zeigen, wie vielschichtig der Senegal ist»

Die Studentin Sofia Poku reiste letztes Jahr in den Senegal und besuchte unsere Projekte. Ihre eindrücklichen Beobachtungen hat sie in Zeichnungen festgehalten.

MEHR

Die Klimaerwärmung zwingt die Menschen, sich anzupassen

Bäuerinnen und Fischer im Senegal spüren die Auswirkungen des Klimawandels. In den Fastenaktion-Projekten lernen sie, damit umzugehen.

MEHR
Die anhaltende Trockenheit lässt Menschen und Tiere in Senegal leiden.

Zu wenig Regen und Pflanzensterben

In Senegal bleibt der Regen immer häufiger aus, was zu schlechten Ernten und mehr Hunger führt. Deshalb sind Anpassungen an die Klimaerwärmung nötig.

MEHR
Im Senegalprogramm sind 90 Prozent der Mitglieder in den Solidaritätsgruppen Frauen.

Senegalesische Regierung unterstützt Solidaritätsgruppen

Unser Programm in Senegal zeigt, wie die Menschen ihre Armut selbst verringern können. Davon ist auch die senegalesische Regierung überzeugt.

MEHR

Unterstützen Sie unser Landesprogramm im Senegal

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Diese Website verwendet Cookies, die die Funktionalität der Website ermöglichen. Sie helfen uns dabei, die Interessen unserer Nutzer:innen zu analysieren. Damit optimieren wir für Sie unserer Inhalte und Ihre Spendenmöglichkeiten. Die gesammelten Daten werden weder durch uns noch durch unsere Partner verwendet, um Sie zu identifizieren oder zu kontaktieren. Mehr erfahren

Awa Dione mit ihrer Schwiegertochter im eigenen Laden.
In Senegal ist die Bouillon wichtiger Bestandteil in jeder Küche. Das industriell gefertigte Produkt besteht in der Regel aus Salz, Fett, Würze und Geschmacksverstärkern. Awa Dione von der Kalebasse in Touba Ngotième weiss, dass diese ungesund ist, und hat sich auf die Herstellung von natürlicher Bouillon spezialisiert.

Awa Dione ist Beraterin der Solidaritätskalebasse Touba Ngotième im Dorf Ndondol im Westen Senegals und stellt nachhaltige Bouillon her. Sie kam ursprünglich aus dem Sine-Saloum-Delta und zog 1984 der Heirat wegen nach Ndondol.

Gleich nach ihrer Ankunft begann sie im Programm der Schwestern der katholischen Mission mitzuarbeiten. Sie stellte mit Nährstoffen angereichertes Mehl her, das die Unterernährung in der Region bekämpfen sollte. Die Generalversammlung der Union der Frauengruppen der Gemeinde wählte sie 2003 zu ihrer Vorsitzenden. Die von ihr geleiteten Frauengruppen beschlossen 2006, sich RECODEF (Regroupement Communautaire pour l’auto Développement de Familles) anzuschliessen, einem Partner von Fastenaktion.

Ausbildung dank Solidaritätskalebasse
RECODEF setzt zur Bekämpfung von Hunger und Verschuldung auf die Solidaritätskalebasse. So kam es, das sie einerseits Kalebassenmitglied wurde und andererseits die Ausbildungen des Netzwerks nutzte und sich auf die Kunst der Herstellung natürlicher Bouillon spezialisierte. An der Sonne getrocknetes geschnittenes Gemüse, Zwiebeln, Meersalz sind unter anderem Bestandteil der Bouillon, doch das genaue Rezept ist ihr Geheimnis, das sie nur ausgewählten Frauen während der Ausbildung weitergibt. Die selbstgemachte Bouillon ist bei den Frauen weit über Ndondol hinaus beliebt. Denn es ist eine schmackhafte und gesunde Alternative zu der industriell hergestellten Bouillon, die meist einen hohen Anteil an Salz, Fett und Geschmacksverstärkern aufweist.

Natürliche Bouillon für die ganze Region
Mittlerweile ist es Awa gelungen, das ganze Dorf davon zu überzeugen, der industriell gefertigten Bouillon den Rücken zu kehren. Zudem hat sie sich zur Aufgabe gemacht, die junge Generation in die Technik der Herstellung natürlicher Bouillon einzuführen. Begonnen hat sie mit den Mitgliedern ihrer eigenen Kalebasse, zu der auch ihre Schwiegertochter gehört, auf deren Unterstützung sie immer zählen kann. Mit ihrer reichen Erfahrung ist Awa Dione eine begehrte Ausbildnerin bei den Kalebassengruppen der ganzen Region. Zudem nutzt sie ihr Wissen, um die Bevölkerung für den Konsum von natürlicher Bouillon zu sensibilisieren.

Unterstützen Sie unser Landesprogramm im Senegal

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten
Regelmässig besuchen die Landesverantwortlichen die von ihnen betreuten Projekte. Einerseits informieren sie sich über den Stand der Arbeit, vor allem aber stehen die Menschen der Zielgruppen im Zentrum. Was bewirkt die Projektarbeit, wie entwickelt sie sich? Vreni Jean-Richard hatte während ihrer letzten Reise in den Senegal in einem Dorf der Casamance ein einmaliges Erlebnis.

Ein Bericht von Vreni Jean-Richard, Verantwortliche für das Landesprogramm im Senegal

Im Dorf erwarteten uns ungefähr 30 Frauen und 15 Männer. Der hohe Anteil an Männern, zusammengesetzt aus Dorfältesten, Dorfchef, Lehrer, Imam, dazu verschiedene Kalebassenmitglieder, erstaunte mich. Zudem waren auch ältere Kinder dabei, eigentlich hätten sie zu dieser Zeit in der Schule sein müssen. Bei der Vorstellungsrunde wurde klar, dass selbst der Dorfchef und einer der beiden Lehrer Kalebassenmitglied sind. Die Lehrer hatten ihre Schülerinnen und Schüler bewusst an dieses Treffen mitgenommen, denn die Kinder und Jugendlichen sollten etwas über das Dorf und seine Entwicklung lernen. So etwas habe ich während einer Projektreise noch nie erlebt. Genau wie ich, waren die Projektverantwortlichen und die Verantwortlichen der Koordination sehr beeindruckt. Denn landesweit sind über 90 Prozent der Mitglieder von Kalebassengruppen1 Frauen. Doch in der Casamance hatte sich das ganze Dorf eingefunden. «Das ist keine Kalebassengruppe innerhalb des Dorfes, das ganze Dorf ist in einer Kalebasse vereint,“ ging mir beim Anblick der Menschen durch den Kopf. Sogar Mitglieder des Nachbarsdorfs waren gekommen, die beiden Dörfer haben sich zu einem Réseau de Proximité (Nachbarschaftsnetzwerk) zusammengeschlossen.

Kalebassen schaffen Sicherheit
Susanne Madjia musste bis vor wenigen Jahren während der Trockenzeit ihre Familie zurücklassen, um in Cap-Skirring in einer Fischproduktion den Lebensunterhalt zu verdienen. Heute kann sie dank der ökonomischen Aktivitäten der Kalebassengruppe das ganze Jahr über im Dorf bleiben und sich und die Familie finanziell über Wasser halten. Sie ist mittlerweile Vizepräsidentin des Netzwerks, das alle Kalebassen in der Region vereint. Als erste der Partnerorganisationen im Senegal, haben sie ihr Netzwerk bereits in eine Genossenschaft umgewandelt. Nebst ihren regelmässigen Gruppentreffen, den zinslosen Krediten, die die Mitglieder aus dem gemeinsam angesparten Vermögen aufnehmen können, lernen sie immer wieder Neues, um sich damit zusätzliche wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erarbeiten.

Zusammenhalt der Dörfer gestärkt
Bei dem Besuch zeigen sie uns wie sie selber Seife herstellen. Die Vorbereitungen dazu waren bereits am Vorabend getroffen worden. So wurden nur noch die zwei zubereiteten Flüssigkeiten gemischt und verrührt. Wichtig dabei, wie mir gesagt wurde, sei, dass nur in eine Richtung gerührt werden darf. Die fertige Seife wurde in 35 Töpfchen abgefüllt, die danach mindestens zehn Tage gelagert werden müssen. Die Herstellung ging sehr schnell. Das hohe Produktionstempo hatte einen Grund: Durch die immer wieder aufflackernden Angriffe der Separatisten in der Casamance, ist die Polizei schnell vor Ort, wenn sich grössere Menschenansammlungen bilden. In Zusammenhang mit den Unruhen kamen die Leute auf das von der Partnerorganisation eingeführte Réseau de Proximité zu sprechen. Dank diesem seien die Dörfer näher zusammengerückt, und freundschaftlich miteinander verbunden. Gerade in unruhigen Zeiten, wenn das gegenseitige Misstrauen gross ist und jederzeit der Vorwurf im Raum stehen kann die Rebellen zu unterstützen, leisten die Kalebassen und die Netzwerke einen wichtigen Beitrag zum Zusammenhalt. Einer der Ältesten meinte, dass die Beziehungen zwischen den Dörfern, die in den letzten Jahren zu verschwinden drohten, heute besser denn je seien.

Am Ende des Besuchs berechneten die Frauen noch den Verkaufspreis für die Seife. Der immer von den verwendeten Zutaten abhängig ist. Zurzeit ist Karitébutter sehr teuer. Zudem wurden die Einnahmen der Kalebasse aufgeteilt, 75 Prozent wurden für das Nachbarschaftsnetzwerkverbucht und 25 Prozent wurden, wie es Tradition ist, der gastgebenden Kalebassengruppe überreicht.

Die Solidaritätsgruppen im Senegal nennen sich Kalebassen. Zurückzuführen ist das auf die getrocknete Hälfte der Flaschenkürbisse, in denen die Gruppenmitglieder während ihren Treffen die freiwilligen Geldbeiträge sammeln.

Unterstützen Sie unsere Projekte im Senegal

Senegal Fenagie: Die Frauen der Solidaritätsgruppe produzieren Seife und JavelwasserSeife und Javelwasser, welche die Frauen selbst herstellen sind sehr gefragt.

Im Senegal sind die von Fénagie initiierten Solidaritäts- und Spargruppen sehr erfolgreich. Nun, während der Corona-Krise, profitieren zahlreiche Dörfer von ihren Fähigkeiten und ihrem Wissen.

700 Liter Javelwasser und 150 Töpfe mit Seife, soviel haben die Frauen der Kalebassengruppe von Soukouta in den letzten Wochen selbst hergestellt. Denn mit dem Ausbruch des Coronavirus ist der Bedarf an Seife zum Händewaschen und Javelwasser, zur regelmässigen Desinfektion von Böden, Ablagen und sanitären Einrichtungen gewachsen. Die Frauen haben in grossen Mengen produziert, damit weder die Gruppenmitglieder noch die Dorfbevölkerung Mangel leiden müssen.

Der erste Fall mit Covid-19 wurde im Senegal am 2. März verzeichnet. Seitdem steigt die Kurve. Am 4. Mai vermeldet das Land bereits 1182 angesteckte Personen, 9 Tote und 372 geheilte. Bisher ist vor allem die städtische Bevölkerung von Covid-19 betroffen. Die Dörfer blieben bis anhin verschont. Die Menschen versuchen Abstand zu halten.

 

Senegal FenagieMit kurzen Theaterszenen vermitteln die Solidaritätsgruppen ihr Wissen an andere Frauen.

Trotz Ausnahmezustand Mut bewahren

Seit dem 23. März ist das Land im Ausnahmezustand. Zwischen acht Uhr abends und sechs Uhr morgens herrscht Ausgangssperre, die Wochenmärkte wurden geschlossen. Bereits um 16 Uhr müssen auch die anderen Geschäfte geschlossen werden. Sämtliche Grenzen sind gesperrt. Ausserhalb des Hauses besteht eine Maskenpflicht.

Zudem sind Reisen innerhalb des Landes verboten. Das bringt auch die Frauen der Kalebassengruppe von Thialane in Bedrängnis. Denn sie, die mitten im Delta des Flusses Saloum leben und deren einziges Transportmittel die Piroge ist, müssen warten. Und das in einem Moment, in dem die Zutaten für Javel knapp geworden sind. Bis anhin konnten sie 186 Liter des Desinfektions- und Reinigungsmittels herstellen, davon profitieren auch hier die 800 Bewohner/innen ihres Dorfes.

Die Spar- und Solidaritätsgruppen sind in den letzten Jahren im ganzen Land zu einer wichtigen Institution geworden und haben für viele Menschen grosse Verbesserungen gebracht. Dabei wird von den meisten Mitgliedern nicht das gemeinsame Sparen als grösste Errungenschaft bezeichnet, sondern der Zusammenhalt und die Solidarität. 

 

Verteilaktion von Seife und Javelwasser durch die Partnerorganisation AgrécolVerteilaktion von Seife und Javelwasser durch die Partnerorganisation Agrécol

Angst vor Hunger geht um

Durch die zahlreichen Einschränkungen zum Schutz gegen das Virus ist das Leben für die Menschen sehr schwierig geworden. Die Nahrungsmittelpreise steigen und die eh schon kleinen Vorräte der letzten Ernte sind fast aufgebraucht. Denn der Regen 2019 fiel nur sehr spärlich und es konnte entsprechend wenig geerntet werden. Die Befürchtung ist gross, dass der Senegal vor einer Hungersnot steht. Zwar hat der Staat Hilfspakete angekündigt. Doch durch das Reiseverbot im Land ist völlig unklar, wie diese Pakete zu den Bedürftigen gelangen sollen. Ausgangs- und Versammlungsverbot führen dazu, dass selbst die während des Ramadans üblichen «Armenspeisungen» in den Moscheen dieses Jahr ausfallen.

Auch die Projektmitarbeitenden der Fastenaktion sind eingeschränkt. Reisen in die Dörfer sind derzeit nicht möglich. Doch unterstützen sie die Menschen so gut es geht, ihr wichtigstes Kommunikationsmittel derzeit ist das Telefon. Sie verbreiten Informationen und Verhaltensregeln, sie beraten die Gruppen und vermitteln bei allfälligen Schwierigkeiten. Zudem arbeiten sie mit den lokalen Behörden zusammen und unterstützen die Hygienemassnahmen. Dazu gehört auch das Verteilen der selbstgemachten Seifen.

 

Selbst gemachte SeifenEine Auswahl von selbst hergestellten Seifen

Was Frauen der Partnerorganisation ADK zu Ihrer Seifenproduktion sagen

« Ich habe importierte Seifen mit unserem Produkt verglichen und das Ergebnis ist, dass das mit Palmöl, Sheabutter und Zitronenblättern hergestellte Produkt wirksamer ist und aktivierend wirkt. Ich bin Präsidentin unserer Kalebasse und wir haben gemeinsam beschlossen, künftig eine grössere Menge zu produzieren.»

Ndèye Diarra, Calebasse 10

« Die hergestellten Seifen werden nicht nur von den Konsumentinnen und Konsumenten geschätzt, sondern ermöglichen uns auch ein Einkommen. »

Maty Dioufm Calebasse 8

Seifenherstellung bei der Partnerorganisation ALSE

 

Partnerorganisation ALSE: Seifenherstellung 1
Partnerorganisation ALSE: Seifenherstellung 2
Partnerorganisation ALSE: Seifenherstellung 3

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. 

Um diese Arbeit halten und weiterführen zu können, sind wir froh um jede Spende.

Unterstützen Sie die Solidaritätsgruppen der Frauen im Senegal!

Wählen Sie hier den Betrag, den Sie spenden möchten