Im Jahr 2022 profitierten rund 2.5 Millionen Menschen von der Arbeit von Fastenaktion. Zusammen mit den Partnerorganisationen in den Projektländern sicherte Fastenaktion Zugang zu Nahrung und Saatgut. Die Folgen der Klimakrise und des Ukrainekriegs waren massgebende Faktoren für die Arbeit von Fastenaktion. Klimachaos, Terror und Hunger führten dazu, dass Fastenaktion neben der langfristigen Hilfe auch Nothilfe geleistet hat.

Im vergangenen Jahr verbesserte Fastenaktion die Lebensumstände von rund 624‘000 Menschen direkt, dies durch ihre Aktivitäten in zwölf Landesprogrammen und den drei Internationalen Programmen. Insgesamt bedeutet das für 2.5 Millionen Menschen eine Verbesserung ihrer Lebensumstände – 58 Prozent davon sind Frauen. Gemeinsam mit kleinbäuerlichen Netzwerken, Solidaritätsgruppen, kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen setzte Fastenaktion 338 Projekte um. Im Fokus der Arbeit stand der Zugang zu genügend und gesunder Nahrung. Dies erreichte Fastenaktion durch die Vermittlung von nachhaltigen Anbaumethoden und die Stärkung von Dorfgemeinschaften. Die Förderung des lokalen Zugangs zu Nahrung und Saatgut war umso dringlicher, da aufgrund des Krieges in der Ukraine und die Verknappung von Getreide, die Preise für Grundnahrungsmittel in vielen Projektländern massiv anstiegen. Dies führte dazu, dass in einigen Projekten von Fastenaktion Nothilfe-Massnahmen getroffen wurden.

Innovatives Projekt im Kampf gegen den Hunger

Fastenaktion lancierte 2022 ein mehrjähriges Projekt zur Förderung der Menschenrechte in Ernährungssystemen: Das Projekt mit dem Namen «Raise» hat zum Ziel, die UNO-Deklaration für die Rechte der Bäuerinnen und Bauern und Personen im ländlichen Raum (UNDROP) umzusetzen. Zudem soll dadurch die lokal angepasste und agrarökologische Landwirtschaft gefördert und die Versorgung mit Nahrungsmitteln im ländlichen Raum nachhaltig gestärkt werden. Das Projekt wird unter anderem von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) finanziert.

9 von 10 Franken fliessen direkt in die Projekte

Den Ausgaben von 22‘951‘715 Franken standen Einnahmen von insgesamt 23‘968‘947 Franken gegenüber. 86 Prozent der Einnahmen wurden direkt für die Projektarbeit eingesetzt.

Kampagne zu erneuerbaren Energien – überschattet durch den Krieg

Im Jahr 2022 stand die Ökumenische Kampagne zum zweiten Mal unter dem Motto «Klimagerechtigkeit – jetzt». Die Kampagne legte den Fokus auf die Wichtigkeit und die Notwendigkeit von erneuerbaren Energien. Denn aus ethischer Sicht hätte die Schweiz bereits ab dem 15. März 2022 kein CO2 mehr ausstossen dürfen. Die Ökumenische Kampagne ist die wichtigste Sammlungs- und Sensibilisierungskampagne von Fastenaktion. Doch der Angriff Russlands auf die Ukraine überschattete die Kampagne.

Neues wegweisendes Leitbild

Nach rund 25 Jahren erneuerte Fastenaktion ihr Leitbild. Der zentrale Gedanke des neuen Leitbildes: Eine gerechte Welt ohne Hunger und ein Leben in Würde. Es lohnt sich, dafür einzustehen. Das Recht auf Nahrung für alle und ein Leben und Wirtschaften innerhalb planetarer Grenzen – Grundsätze der Arbeit von Fastenaktion – sind ebenfalls Bestandteile des Leitbilds.

Ausblick 2023

Nebst dem Krieg in der Ukraine sind Gewalt und Terror in vielen Ländern, in denen Fastenaktion tätig ist, an der Tagesordnung. Die Projektländer von Fastenaktion sind zudem stark von den Folgen der Klimakrise betroffen. Zunehmende Armut und steigende Nahrungsunsicherheit sind die Folgen – Hungerkrisen sind unausweichlich. Mit den Partnerorganisationen und dem Konzept der Hilfe zur Selbsthilfe unternimmt Fastenaktion alles, um dagegen zu halten.

Bereits in früheren Hungerkrisen zeigte sich die Wirkung des von Fastenaktion gewählten Ansatzes. Menschen können dank eigenem, lokal angepasstem Saatgut und Anbaumethoden ihre Nahrung produzieren, somit Hunger reduzieren und ihre Lebensumstände verbessern. 2023 ist für die Schweiz in Bezug auf die Klimagerechtigkeit wegweisend. Die Schweiz muss endlich Verantwortung in Bezug auf die Klimakrise übernehmen. Denn die, die am stärksten unter den Folgen der Klimakrise leiden, sind die Menschen in den ärmsten Ländern der Welt, die am wenigsten zur Krise beigetragen haben. Klimakrise bedeutet Hunger! Ein Ja am 18. Juni zum Klimaschutzgesetz ist ein Schritt zu mehr Klimagerechtigkeit, ein Schritt zu weniger Hunger auf dieser Welt.

Den Fastenaktion-Jahresbericht 2022 finden Sie hier.

Weitere Auskünfte zum Jahresbericht und der Arbeit von Fastenaktion: Bernd Nilles, Geschäftsleiter Fastenaktion (041 227 59 71)

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Medienmitteilung
Ökumenische Kampagne 2022

Höchste Zeit, Verantwortung zu übernehmen

Mit einer politischen Forderung an Bundesrätin Simonetta Sommaruga für ambitionierte Klimaziele sowie einem Appell an die Eigenverantwortung hat die Ökumenische Kampagne erneut für das Thema Klimagerechtigkeit sensibilisiert. Die Kernbotschaften der Entwicklungsorganisationen HEKS, Fastenaktion und Partner sein gehen einher mit denen des neuesten Berichts des Weltklimarats (IPCC).

Die Schweiz darf aus Sicht der Klimagerechtigkeit bis 2050 kein CO2 mehr ausstossen. Da dies offensichtlich weiterhin geschehen wird, fordert die Ökumenische Kampagne zum sofortigen Handeln auf. «Klimagerechtigkeit bedeutet, dass Länder, die die Hauptverursacher der Klimaerwärmung sind, Verantwortung für die globalen Folgen und Schäden des Klimawandels übernehmen», sagt Stefan Salzmann, Verantwortlicher Klima- und Energiepolitik bei Fastenaktion. Die Schweiz solle daher in einem neuen CO2-Gesetz das Netto-Null-Ziel bis 2040 auf einem mindestens linearen Absenkpfad festhalten, sowie konsequent aus fossilen Energieträgern aussteigen. Schweizweit wurden für diese Forderung im Rahmen einer Petition schon etliche Unterschriften gesammelt, die Aktion läuft noch immer.

Die Klimakrise ist akut, dies zeigen die zwei neu erschienenen Kapitel des IPCC-Berichts 6. Dieser unterstreicht die Dringlichkeit, den weltweiten CO2-Ausstoss zu reduzieren, aus fossilen Energieträgern auszusteigen und erneuerbare Energien zu fördern. Der weltweite CO2-Ausstoss steige stetig an und der Gesamtplan der internationalen Klimapolitik leite die Welt auf einen Weg mit einem Temperaturanstieg bis zu 2.7 °C – mit verheerenden Folgen.

Breite Unterstützung bei der Kampagne
„Das grosse Engagement von Kirchgemeinden, Schulklassen und Freiwilligen hat uns begeistert“, so Elke Fassbender, Kampagnenleiterin HEKS. Es wurden zahlreiche Suppentage organisiert, über 70‘000 Rosen verkauft, und mit kreativen Ideen wurde für das Thema Klimagerechtigkeit sensibilisiert. Ein grosser Erfolg war auch das „Escape-Spiel“, welches für die Jugendarbeit zur Verfügung gestellt und rege genutzt wurde. Dieses bietet Jugendlichen einen spielerischen Zugang zu verschiedenen Aspekten der Klimagerechtigkeit, Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien, mit denen sie sich im Anschluss vertiefter auseinandersetzen können. Dies schärft das Verantwortungsgefühl für Klimathemen schon in jungem Alter, denn alle können mit ihrem Handeln ihren Fussabdruck reduzieren.

Dies wurde mit dem Kampagnensujet aufgezeigt: Die übervolle Badewanne mit Warmwasser auf der einen Seite symbolisiert unser Konsumverhalten im Norden, die Konsequenz davon ist auf der rechten Seite sichtbar – ein sich aus einer Überschwemmung rettender Mann, was für die verschiedenen Klimakatastrophen und das daraus resultierende Leid steht. „Es geht nicht darum, den Leuten das Baden zu verbieten, sondern darum, sie zu sensibilisieren, zum Reflektieren anzuregen und zu einer Verhaltensänderung zu bewegen“, meint Matthias Dörnenburg, Kampagnenleiter Fastenaktion, zum Kampagnensujet.

Weiterführende Unterlagen

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Klimagerechtigkeit

Menschenrechte in der Klimakrise

Je länger die Klimakrise andauert und je weiter sie sich verschärft, desto deutlicher werden die Schäden für die Menschheit. Es trifft am stärksten Menschen im globalen Süden, die schon jetzt Hunger erleiden und deren prekäre Situation sich weiter verschlechtert. Die Vereinten Nationen (UNO) warnen davor, dass Menschenrechtsverletzungen als Folge der Klimakrise weiter zunehmen. Fastenaktion setzt sich mit seiner Arbeit für mehr Klimagerechtigkeit ein.

Ein Kommentar von Daniel Hostettler, Leiter Internationale Programme bei Fastenaktion

Die Menschenrechte sind bedroht
Die Klimakrise bedeutet massive Menschenrechtsverletzungen für Millionen von Menschen. Das hat die UNO-Menschenrechtsrat vergangenen Sommer in einer Resolution deutlich gemacht. Die Auswirkungen davon sind laut UNO ein reduzierter Zugang zu Nahrung und Trinkwasser, zu Gesundheitsdiensten und sozialer Fürsorge, zu Bildung, geeigneten Unterkünften, Transport und Arbeit. Sie listet eine ganze Reihe von Menschenrechten auf, deren Durchsetzung durch die Klimakrise erschwert oder verunmöglicht wird. Das Recht auf Nahrung etwa; das Recht auf Gesundheit; oder das Recht auf Leben.

Unser Konsum entzieht Menschen die Grundrechte
Die Verknüpfung der Klimakrise mit den Menschenrechten ist ein wichtiger Schritt. Er bringt uns dazu, die Krise nicht als moralische Frage abzutun, die je nach weltanschaulichem Standpunkt beantwortet werden kann. Deutlich wird vielmehr, dass durch die Art der Produktion und Konsumation der reichen Staaten und Gesellschaftsschichten die Grundrechte ganz vieler Menschen verneint werden. Der UNO-Menschenrechtsrat ruft deshalb dazu auf, den Ausstoss an Treibhausgasen gemäss Pariser Abkommen schnell und kontinuierlich zu reduzieren und den ärmeren Ländern bei der Anpassung an den Klimawandel finanziell angemessen beizustehen.

Klimagerechtigkeit für alle
Die Massnahmen gegen die Klimakrise sollten dabei wiederum auf ihre Auswirkungen überprüft werden, um weitere Menschenrechtsverletzungen zu verhindern. Es darf nicht sein, dass der Klimakrise auf Kosten der Ärmsten begegnet wird. Die Massnahmen zur Bewältigung des Klimawandels, so die UNO, sollten mit der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung koordiniert werden, und zwar auf integrierte Weise. Dies ist auch der entwicklungspolitische Ansatz von Fastenaktion. Nur wenn die soziale und die ökologische Dimension der Krise zusammen gedacht werden, ergibt sich Klimagerechtigkeit für alle. Dabei muss die Schweiz ihre Verpflichtungen als Mitverursacherin des globalen Klimawandels wahrnehmen – auch zur Wahrung der Menschenrechte.

Die Klimakrise ist akut und die Schweiz ist mitschuldig. Fordern Sie jetzt Bundesrätin Sommaruga per Petition zum Handeln auf!

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Wir danken herzlich für jede Spende.

Medienmitteilung
Ökumenische Kampagne 2022

Rosen bringen dreifach Freude – duftend oder digital

Am kommenden Samstag, 26. März, verkaufen Freiwillige vielerorts Rosen für Projekte von HEKS, Fastenaktion und Partner sein. Zu jeder duftenden gibt es auch eine digitale Rose: Auf der Webseite «Give a Rose» kann diese zusammen mit einer Widmung verschenkt werden.

An über 500 Orten in der ganzen Schweiz findet am 26. März 2022 der traditionelle Rosenverkauf im Rahmen der Ökumenischen Kampagne statt. Viele Freiwillige bieten Rosen für eine symbolische Spende von fünf Franken an und informieren über die Arbeit von Fastenaktion, HEKS und Partner sein. Über 70’000 Rosen sind bestellt worden, das sind fast wieder so viele wie vor der Corona-Pandemie.

«Wir sind sehr erfreut, dass so viele Kirchgemeinden und Pfarreien mitmachen», sagt Maggie Pfister, Bereichsleiterin Kommunikation bei Fastenaktion, «und dies, obschon die Situation mit Corona immer noch unsicher ist». Genau deswegen setzen die drei Entwicklungsorganisationen auch auf die Webseite «Give a Rose»: Zu jeder verkauften Rose gehört ein Gutschein, mit dem zusätzlich eine virtuelle Rose verschenkt werden kann.

Jede Rose bereitet dreifach Freude: Erstens, weil der Erlös an Projekte von HEKS, Fastenaktion und Partner sein geht. Zweitens, weil fair produzierte und gehandelte Max Havelaar-Rosen verkauft werden. Die Fair-Trade-Prämie kommt direkt den Mitarbeitenden auf den Rosenfarmen zugute. Und drittens, weil jede verschenkte Rose – ob duftend oder digital – die Empfängerin oder den Empfänger glücklich macht.

Die Ökumenische Kampagne macht dieses Jahr erneut auf die Klimakrise aufmerksam. Unter dem Motto «Klimagerechtigkeit – jetzt!» lassen die Entwicklungsorganisationen Menschen aus Afrika, Asien und Lateinamerika zu Wort kommen, die von den Folgen der Klimaerhitzung berichten. Und sie fordern Bundesrat und Parlament mit einer Petition dazu auf, endlich griffige Massnahmen gegen die Klimakrise zu erlassen.

Weitere Informationen und Material zum Download:

Auskunft zur Medienmitteilung geben Ihnen gerne:

  • Selina Stadler, Kommunikation Ökumenische Kampagne,  +41 41 227 59 22
  • Lorenz Kummer, Medien und Information, HEKS, +41 76 461 88 70

Die Schweiz lebt ab heute auf CO2-Kredit

Die Folgen der Klimakrise wie Dürren, Starkregen oder Hitzewellen kommen in allen Partnerländern von Fastenaktion vor. Bereits 1989 waren die Folgen der Klimakrise das Thema der damaligen Ökumenischen Kampagne. Was hat sich seither verändert? Viel zu wenig. Die Untätigkeit der letzten Jahrzehnte hat aber Konsequenzen: Wir leben ab heute in der Schweiz auf Kredit.

Kommentar von Stefan Salzmann, Fachexperte für Energie- und Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion

Warum leben wir ab heute auf CO2-Kredit? Ich möchte dies an einem erfundenen Beispiel erklären. Stellen Sie sich vor, 1990 hätten Sie auf einem Bankkonto 1.8 Millionen Franken gehabt und sich im Alter von 65 Jahren zur Ruhe gesetzt. Wie wir alle hätten Sie gerechnet: noch ungefähr 30 Jahre zu leben macht pro Jahr 60’000, pro Monat rund 5’000 Franken, die sie von Ihren 1.8 Mio ausgeben dürfen. Damit kann man in der Schweiz als Einzelperson leben, ohne Not zu leiden.

Über dem Budget gelebt
Die Herausforderung 1990 war aber, dass Sie mit Ihrem Lebensstil pro Monat 10’000 Franken verbraucht haben. Sie haben ihren Lebensstil nicht ihrem Budget von 5’000 Franken angepasst. Dies führt zur Situation, in der Sie nach 15 Jahren Ihres Ruhestandes kein Geld mehr gehabt hätten. Ab dann mussten andere für Ihre Ausgaben aufkommen – zum Beispiel Ihre Kinder. Genau dies passiert zur Zeit mit unserem CO2-Budget, wir haben unser Budget aufgebraucht und Leben ab sofort auf Kredit. Wir leben lieber das Leben weiter wie bisher und geniessen unseren Lebensstil auf grossem Fuss. Die Frage nach dem Guthaben bleibt unbeantwortet, sie wird nicht mal gestellt.  

Wir fordern Klimagerechtigkeit!
Fastenaktion und HEKS haben sich deshalb die Frage nach dem Guthaben gestellt. Das Ziel war zu ermitteln wie viel COdie Schweiz noch ausstossen darf, wenn sie sich klimagerecht verhalten will. Die ernüchternde Wahrheit: die Schweiz hat Mitte März 2022 die letzte klimagerechte Tonne COausgestossen. In der Finanzsprache: Ab heute leben wir auf CO2-Kredit. Das Konto ist leer und andere müssen für unser Verhalten bezahlen. Die Generationen nach uns und auch die Menschen im globalen Süden, die schon jetzt stark unter den Folgen der Klimakatastrophe leiden. Das ist ungerecht. Die Schweiz steht in der Pflicht, Verantwortung zu übernehmen. Es braucht griffige Massnahmen, damit die Schweiz bis 2040 klimaneutral wird.

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Medienmitteilung
Ökumenische Kampagne 2022

Das CO2-Budget der Schweiz ist aufgebraucht

Ab heute lebt die Schweiz in bezug auf die Klimagerechtigkeit auf Kosten anderer. Die Menge CO2,  welche die Schweiz ausstossen darf, um die 1.5-Grad-Beschränkung einzuhalten, ist erreicht. Fastenaktion, HEKS und Partner sein forderten deshalb an einer Medienkonferenz in Bern ambitionierte Klimaziele. Es braucht konkrete und griffige Massnahmen, damit die Schweiz das Ziel Netto-Null bis 2040 erreicht. Nur so können die Klimagerechtigkeit garantiert und jene Menschen gestärkt werden, die am meisten unter den Auswirkungen der Klimaerhitzung leiden.

Um die globale Erwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen, wie es das Pariser Klimaabkommen anstrebt, hat sich die Schweiz das Netto-Null-Ziel bis 2050 gesetzt. In Bezug auf die Klimagerechtigkeit haben wir jedoch heute schon unser ganzes CO2-Guthaben aufgebraucht. Zu diesem Schluss kam eine Diskussion zum Thema Klimagerechtigkeit von Ethiker:innen aus kirchlichen Institutionen. Diskutiert wurde auf der Grundlage von klimawissenschaftlichen Daten des Weltklimarates. Ab heute dürfte die Schweiz folglich kein CO2 mehr ausstossen. Dies tut sie aber weiterhin – auf Kosten anderer. «Jetzt ist es an der Zeit, konsequent und ambitioniert zu handeln. Die Schweiz muss ihren Beitrag zu mehr Klimagerechtigkeit leisten», sagte Judith Macchi, Themenbeauftragte für Klima und Umwelt bei HEKS, an der Medienkonferenz in Bern.

Bemühungen für mehr Klimagerechtigkeit
In einem offenen Brief fordern die Hilfswerke von Bundesrat und Parlament ambitioniertere Klimaziele. «Wir verlangen die konsequente Abkehr von fossilen Energieträgern», erklärte Stefan Salzmann, Beauftragter für Klima- und Energiepolitik bei Fastenaktion. «Das Netto-Null-Ziel muss 2040 erreicht sein – nicht 2050 wie bis anhin – und dies auf einem mindestens linearen Absenkpfad. Zudem sollen die Beiträge zur Finanzierung von Emissionsminderungen und Anpassungen in anderen Ländern erhöht werden». Im Rahmen der Ökumenischen Kampagne haben die Hilfswerke deshalb eine Petition lanciert, die über Postkarten an Bundesrätin Sommaruga unterzeichnet werden kann. Bundesrat und Parlament werden darin aufgefordert, eine mutige und weitsichtige Klimapolitik zu betreiben und ihre Verantwortung für Klimagerechtigkeit wahrzunehmen.

Sicht aus dem Süden
Jedes zusätzliche Zehntelgrad an globaler Erwärmung führt zu häufigeren Wetterextremen, mit welchen die Menschen in den Programmländern der drei Hilfswerke vermehrt zu kämpfen haben. Die Dürre in Madagaskar hat zu einer Hungersnot geführt, Taifune auf den Philippinen sorgten für Verwüstung und Armut, Überschwemmungen in Kolumbien raubten den Betroffenen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Folgen des Klimawandels sind sichtbar, und wohlhabende Länder wie die Schweiz stehen in der Verantwortung zu handeln. Zum einen, weil sie deutlich mehr zur Klimaerwärmung beitragen als die Menschen im globalen Süden, die jedoch ungleich stärker davon betroffen sind; zum anderen, weil sie im Gegensatz zu ärmeren Regionen die nötigen Ressourcen dafür haben. Der neueste IPCC-Bericht betont die Bedrohung des Klimawandels für die Menschheit und die Erde: Werde nicht bald entschlossen gehandelt, schliesse sich «für alle das Fenster auf eine sichere,  lebenswerte und nachhaltige Zukunft».

Die Ökumenische Kampagne in Kürze
Fastenaktion (ehemals Fastenopfer) und HEKS (seit 2022 fusioniert mit Brot für alle) führen seit 1969 jährlich eine Ökumenische Kampagne in den sechs Wochen vor Ostern durch. Seit 1994 beteiligt sich auch Partner sein, das Hilfswerk der christkatholischen Landeskirche. Die Ökumenische Kampagne hat zum Ziel, die breite Öffentlichkeit für die Ungerechtigkeiten zu sensibilisieren, die weltweit zu über 800 Millionen Menschen in Hunger und Armut führen. Diese Realität zu erkennen, genügt jedoch nicht. Deshalb zeigen die drei Werke Handlungsmöglichkeiten auf: Das eigene Konsumverhalten verändern, Menschen in Südprojekten mit einer Spende unterstützen oder sich an einer Aktion beteiligen – so wird die Ökumenische Kampagne zum Inbegriff gelebter Solidarität.

Weiterführende Unterlagen

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Medienmitteilung
Ökumenische Kampagne 2022

Energieverschwendung führt zu Überschwemmungen

Die Klimakrise ist akut. Am stärksten betroffen sind Menschen im globalen Süden, die am wenigsten zum Klimawandel beitragen. Das ist ungerecht. Während viele Menschen keinen Zugang zu «sauberer» Energie haben, verbrauchen wir im Norden zu viel Energie. Dieser Überkonsum ist einer der grössten Treiber der Klimakrise, die zu Hunger und Armut bei den Menschen im globalen Süden führt. Länder wie die Schweiz, die über ihre Verhältnisse leben, müssen daher mehr für den Klimaschutz tun und ihren CO2-Ausstoss verringern. Darum fordern Fastenaktion, HEKS und Partner sein in der Ökumenischen Kampagne 2022 mehr Klimagerechtigkeit.

Würden alle Menschen der Welt so konsumieren wie wir in der Schweiz, bräuchten wir mehr als drei Erden. Wir haben jedoch nur diese eine, und die gilt es zu beschützen. Deshalb fordert die Ökumenische Kampagne für die Schweiz die Reduktion des CO2-Ausstosses auf Netto-Null bis 2040. Die Energieproduktion ist weltweit für rund 70 Prozent des CO2-Ausstosses verantwortlich. Wir können und müssen unseren Energieverbrauch reduzieren – einerseits durch einen bewussteren und nachhaltigeren Konsum, andererseits durch den Umstieg auf erneuerbare Energien. Dafür braucht es ein Umdenken auf individueller Ebene sowie konkrete politische Vorgaben.

Die Forderung «Klimagerechtigkeit-jetzt» der Ökumenischen Kampagne 2022 von Fastenaktion, HEKS und Partner sein will für Klimaschutz, Alternativenergie und Eigenverantwortung sensibilisieren. Dies geht Hand in Hand mit den grundsätzlichen Themen der Organisationen, wie die Verteidigung der Menschenrechte, die Überwindung der Armut oder das Recht auf Nahrung. Wir haben das nötige Wissen, die Technologien und die Ressourcen zur Umstellung auf erneuerbare Energien. Fastenaktion und HEKS fördern dies mit ihren Projekten. Die Umstellung darf jedoch keinesfalls auf Kosten der Ärmsten geschehen, sondern muss sozial und ökologisch verträglich sein.

Globale Zusammenhänge erkennen und handeln
«Mein Haus wurde überschwemmt», berichtet eine Frau aus Indonesien; «wir haben immer weniger Wasser» ein Mann aus Kolumbien. So gegensätzlich die Aussagen der Betroffenen auch scheinen, so ähnlich sind sie in ihrem Ursprung. Der Klimawandel zeigt sich besonders verheerend in den Projektländern der drei Organisationen. Zu viel oder zu wenig Regen, Überschwemmungen, Taifune, Dürren – solche extremen Wetterereignisse führen dazu, dass die betroffene Bevölkerung mit Hunger und Armut zu kämpfen hat. Um diese Entwicklung zu stoppen, muss der globale Temperaturanstieg auf 1.5°C beschränkt bleiben – so wie im Pariser Klimaabkommen vereinbart. Deshalb beziehen Fastenaktion, HEKS und Partner sein mit der Ökumenischen Kampagne auch politisch Position und fordern Parlament und Bundesrat auf zur raschen Revision des CO2-Gesetzes.

Die Ökumenische Kampagne in Kürze
Fastenaktion (ehemals Fastenopfer) und HEKS (seit 2022 fusioniert mit Brot für alle) führen seit 1969 jährlich eine Ökumenische Kampagne in den sechs Wochen vor Ostern durch. Seit 1994 beteiligt sich auch Partner sein, das Hilfswerk der christkatholischen Landeskirche. Die Ökumenische Kampagne hat zum Ziel, die breite Öffentlichkeit für die Ungerechtigkeiten zu sensibilisieren, die weltweit zu über 800 Millionen Menschen in Hunger und Armut führen. Diese Realität zu erkennen, genügt jedoch nicht. Deshalb zeigen die drei Werke Handlungsmöglichkeiten auf: Das eigene Konsumverhalten verändern, Menschen in Südprojekten mit einer Spende unterstützen oder sich an einer Aktion beteiligen – so wird die Ökumenische Kampagne zum Inbegriff gelebter Solidarität.

Weiterführende Unterlagen

Auskunft zur Medienmitteilung geben Ihnen gerne:

  • Selina Stadler, Kommunikation Ökumenische Kampagne,  +41 41 227 59 22
  • Lorenz Kummer, Medien und Campaigning, HEKS, lorenz.kummer@heks.ch, +41 79 489 38 24
Diary Ratsimanarihaja ist Programmkoordinatorin von Fastenaktion in Madagaskar

Wirbelsturm Batsiray

Zerstörte Dörfer – Strassen unter Wasser

Am Sonntag erreichte der Wirbelsturm Batsiray Madagaskar. Nicht nur wurden ganze Dörfer zerstört, der anhaltende Regen hat auch viele Felder und Bäume – die Lebensgrundlage der Menschen – zerstört. Die Fastenaktion-Koordinatorin Diary Ratsimanarihaja schildert in bewegenden Worten, wie sich die Situation in den Projekten im Südosten des Landes präsentiert.

Diary Ratsimanarihaja, nur wenige Tage nach dem Tropensturm, traf am vergangenen Sonntag der Wirbelsturm Batsiray auf Land, wie präsentiert sich die Situation?
Gemäss der Projektleiterin vor Ort sind 95 Prozent der Häuser im Bezirk Mananjary völlig zerstört Da die grosse Mehrheit der Menschen in Häusern lebt, die mit den Blättern der Ravenala Pflanze (Baum des Reisenden) gebaut sind, wurden die Häuser buchstäblich fortgeblasen. Schätzungen zufolge sind von 30 Häusern in einem Dorf gerade mal drei bis vier stehen geblieben, und selbst die sind beschädigt. Die Gemüsefelder wurden entweder überschwemmt oder vom Wind zerstört. Viele Bäume sind umgestürzt, sogar die Brotbäume, die eine wichtige Nahrungsgrundlage für die Menschen sind. Darüber hinaus sind viele Dörfer aufgrund der Überschwemmung von der Umwelt abgeschnitten und der Strom fehlt. Über das wahre Ausmass der Katastrophe können wir uns noch kein definitives Bild machen, uns fehlen noch Informationen.

Was braucht es nun am dringendsten?
Die Menschen brauchen nun dringend Nahrung, Wasser und Medikamente. Denn die Lebensmittelvorräte wurden zerstört. Zudem müssen wir den Wiederaufbau der Häuser vorantreiben, da die Infrastruktur, die für die Aufnahme der Betroffenen vorgesehen war, ebenfalls zerstört wurde. Der Wind hat die Dächer von Kirchen, Schulen und Gemeindezentren abgedeckt. Zur Zeit leben die Menschen zu dritt oder zu viert in kleinen Küchen, die dem Wind standhielten. Einige fanden bei denen Unterschlupf, die noch Häuser haben, in denen man sich ein wenig in Sicherheit bringen kann. Auch der Bedarf an Saatgut ist gross. Nach dem Wiederaufbau der Häuser müssen sie wieder mit dem Anbau beginnen können, doch ohne Saatgut geht das nicht.

Eine erste Handyaufnahme: Das Ausmass der Zerstörung ist erschreckend
Was konnte bereits getan werden?
Die Organisation Taratra, die für dieses Gebiet zuständig ist, hat dem Team bereits einen Geldbetrag als Hilfe für ihre derzeitigen Grundbedürfnisse geschickt. Wir von der Koordinationsstelle diskutieren derzeit mit den Programmbeauftragten und der Leitung von Taratra über den Aufbau von Hilfeleistungen. Aufgrund der noch vagen Informationen und der Unterbrechung der Strasse nach Mananjary ist es für uns jedoch noch schwierig, konkrete Aktionen zu planen.

Wenn Sie unsere Arbeit in Madagaskar ins Besondere jetzt in dieser schwierigen Zeit unterstützen möchten, sind Spenden herzlich willkommen. Vielen Dank!

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Tobias Buser konnte als Verantwortlicher für das Landesprogramm in Madagaskar erstmals Ende Dezember auf die Insel reisen. Im Rahmen der Treffen mit unseren Projektpartnern konnte er auch Schulen besuchen und sich ein Bild der prekären Situation machen.

Madagaskar

Lange Schulschliessungen wegen Corona

Die Corona Pandemie hat auch die Arbeit der Verantwortlichen der Landesprogramme von Fastenaktion erschwert. Tobias Buser, der 2020 die Verantwortung für Madagaskar übernahm, musste mehr als ein Jahr warten bis er auf die Insel reisen konnte, um zum ersten Mal die Projektpartner zu treffen.

Tobias Buser, was sind deine Eindrücke nach der ersten Projektreise im Dezember von Madagaskar?
Ich war vor allem in der Hauptstadt Antananarivo, wo ich zusammen mit den Koordinator*innen des Landesprogramms, Andrianparany Rasamimanana und Diary Ratsimanarihaja verschiedene andere Organisationen und die Schweizer Botschaft besucht habe. Um möglichst effektiv zu arbeiten, wurde ein viertägiger Workshop organisiert, an dem ich alle Vertreterinnen und Vertreter der Partnerorganisationen des Landesprogramms persönlich kennengelernt habe. Leider musste ich wegen der Entdeckung der Omikron-Variante im südlichen Afrika eine Woche früher als geplant zurückreisen, da Europa auch die Grenzen zu Madagaskar jederzeit hätte schliessen können. Corona war auch der Grund, weshalb ich nur einen Feldbesuch in der Nähe der Hauptstadt machen konnte. Madagaskar habe ich auf diesem kurzen Besuch als sehr schönes, fruchtbares und grünes Land erlebt.

Wie präsentiert sich die Situation im Land?
Im November 2021 hat die madagassische Regierung die Grenzen für den Tourismus wieder geöffnet. Damit erhofft man sich Impulse für die Wirtschaft. Andererseits steigen damit aber die Befürchtungen vor einem Anstieg der Covid-Fälle und damit verbunden erneute Einschränkungen. Für die Menschen im Land ist es eine Gratwanderung.

Offiziell hat die Pandemie nur wenige Opfer gefordert, wie ist deine und die Einschätzung der Partnerorganisationen dazu?
Aufgrund der Insellage und der Grenzschliessung, war es für Madagaskar vergleichsweise einfach die Pandemie zu kontrollieren. Bis zur Wiederöffnung der Grenze im November 2021, gab es tatsächlich relativ wenige Opfer, obwohl die offizielle Zahl der Fälle wohl nicht die Realität abbildet. Seit der Grenzöffnung geht die Zahl der Neuansteckungen jedoch nach oben.

Was sind die Auswirkungen der Pandemie?
Einschneidende Auswirkungen haben die wiederholten Schulschliessungen der letzten beiden Jahre auf die Kinder. Nach den Weihnachtsferien ist der Schulstart in der Hauptstadtregion Analamanga, wegen der vielen positiven Tests, um zwei Wochen, auf den 17. Januar verschoben worden. Allein in der ersten Januarwoche wurden in der Region Analamanga 1620 positive Fälle gemeldet. Im übrigen Land gab es im gleichen Zeitraum 2155 neue Ansteckungen.

Im Süden des Landes herrschte im letzten Jahr eine grosse Dürre. Fastenaktion hat Nothilfe geleistet, wie geht es den Menschen jetzt?
Das Nothilfeprojekt hat das Überleben der Menschen für drei bis vier Wochen gesichert. In der Zwischenzeit hat es etwas geregnet, doch nicht genug, damit sich ihre Situation verbessert. Was den Menschen in der Dürreregion im Süden fehlt, ist der Zugang zu Wasser. Sobald sie Wasser haben, können sie auch Landwirtschaft betreiben. Unsere Partnerorganisation Taratra wird sich noch dieses Jahr, überall dort wo es Brunnen gibt und eine minimale Bewässerung gewährleistet ist, vermehrt auf den Anbau von Nahrungsmitteln konzentrieren. Dazu gehört auch die Einführung von Basket-Kompost, auf organischen Küchenabfällen werden Linsen, Maniok, Mais und Erdnüsse angepflanzt. Im südöstlichen Teil Madagaskars kann mit dieser Methode auf nährstoffarmen Böden auf wenig Fläche eine sehr hohe Produktivität erzielt werden. Um die Hungersnot nachhaltig zu lindern, begnügen wir uns nicht mit dem Gemüseanbau in den Gärten. Die Partnerorganisation Taratra wird in den Dörfern bei den Tsinjo Aina Gruppen auch die Technik der „Keyhole Garden“ einführen. Keyhole Garden, oder Schlüssellochgarten, ist eine Art Hochbeet, in dem Gemüse angebaut wird. Auf diese Weise können knappe Ressourcen wie Wasser und Nährstoffe optimal genutzt werden. Zudem treiben wir die Einrichtung von Baumschulen voran, um die negativen Effekte, die die Abholzung auf das Wetter hat, wie beispielsweise fehlender Regen, zu stoppen und im Idealfall sogar umzukehren.

Was ist dein Wunsch und welche Hoffnungen verbindest du damit?
Ich wünsche mir, dass wir die Zusammenarbeit im Landesprogramm Madagaskar optimal weiterführen können, damit die Menschen aus eigener Kraft ihre Lebensbedingungen verbessern können.

Hier erfahren Sie mehr über die Projekte von Fastenaktion in Madagaskar.

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Herzlichen Dank für Ihre wertvolle Spende.
Fely ist Schülerin am Lycée von Betioky.

Wie ein Projekt in Madagaskar hilft

Träume sollen wahr werden

Seit Monaten warten die Menschen im Süden Madagaskars auf Regen. Die Dürre beeinträchtigt die Landwirtschaft massiv und der Hunger breitet sich aus. Die schlimme Krise kann jedoch mittels Solidaritätsgruppen abgefedert werden. In unserer Reihe «Hoffnung trotz Dürre» teilen Menschen vor Ort ihre Erfahrungen mit uns und berichten über die Wirkung unserer gemeinsamen Projekte.

«Wenn ich mein Abitur habe, möchte ich gerne Medizin studieren. Die Menschen hier leiden so sehr unter dem Klimawandel. Ich sehe, dass Krankheiten wie Kopfschmerzen und Malaria zunehmen. Akute Unterernährung ist auch eine Ursache für verschiedene Krankheiten. Als Alternative zum üblichen Essen sind wir gezwungen, Moky zu essen, den wir in der Erde suchen müssen. Glücklicherweise hat die Gruppe mit dem Anbau von Blattgemüse begonnen. Die Anstrengungen sind jedoch aufgrund der trockenen Böden und des Mangels an Regen und Wasser nach wie vor enorm. Wenn ich Ärztin bin, kann ich meinen Landsleuten helfen. Ich weiss, wie schwer das ist, aber ich bin entschlossen, mein Ziel zu erreichen. Als Erstes würde ich die Schritte der medizinischen Versorgung umkehren, indem ich zuerst die Gesundheit meiner Patientinnen und Patienten sicherstelle, und erst dann würde ich mich um die Bezahlung der Kosten kümmern. Es ist wirklich traurig zu sehen, wie die Kranken ins Krankenhaus gehen, das meilenweit vom Dorf entfernt ist, und abgewiesen werden, weil sie kein Geld haben.

Mein Traum ist es, dass meine Familie ein anständiges Leben führen kann. Ich träume davon, dass das Dorf meiner Kindheit eines Tages Fortschritte macht und sich entwickelt. Und ich hoffe, dass Gruppen wie Tsinjo Aina Taratra gedeihen. Schliesslich wünsche ich mir ein Dorf, in dem alle Kinder die Schulen besuchen können.»

Hier erfahren Sie mehr über die Projekte von Fastenaktion in Madagaskar.

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Hareantsoa ist Züchterin und Bäuerin. Sie ist verheiratet und hat acht Kinder.

Wie ein Projekt in Madagaskar hilft

Genügend Schulen, Spitäler und Häuser für alle

Seit Monaten warten die Menschen im Süden Madagaskars auf Regen. Die Dürre beeinträchtigt die Landwirtschaft massiv und der Hunger breitet sich aus. Die schlimme Krise kann jedoch mittels Solidaritätsgruppen abgefedert werden. In unserer Reihe «Hoffnung trotz Dürre» teilen Menschen vor Ort ihre Erfahrungen mit uns und berichten über die Wirkung unserer gemeinsamen Projekte.

«Durch die Dürre ist unser Leben sehr schwer geworden. Jetzt stehe ich um vier Uhr morgens auf, um unser Gemüse zu giessen. Anschliessend machen wir uns auf den drei Kilometer langen Weg, um auf den Feldern nach Moky zu suchen. Sobald wir zurück sind, so gegen Mittag, koche ich den Moky eineinhalb Stunden lang für das Mittagessen. Das ist die erste Mahlzeit des Tages. Am Nachmittag kehren wir zurück, um wieder Moky für das Abendessen zu suchen. Früher konnten wir dank dem Regen verschiedene Pflanzen wie Maniok, Linsen und Bambara-Erbsen anbauen.

 Ich bin Vater und Mutter zugleich, denn mein Mann ist seit sieben Jahren krank. Die Ärzte im Krankenhaus diagnostizierten bei ihm Bilharziose (eine durch Würmer übertragene Krankheit, Anm. der Red.). Als wir noch Geld hatten, konnten wir ihn behandeln lassen. Ich wünsche mir, dass unser Leben wieder so wird, wie es war. Früher hatten wir acht Zebus, jetzt haben wir keines mehr, weil wir sie verkaufen mussten, um uns weiter versorgen zu können. Ich hätte gerne ein Krankenhaus in der Nähe, damit die Behandlung meines Mannes fortgesetzt werden könnte. Ich wünsche mir, dass es für meine Kinder eine Schule in der Nähe gäbe. Wenn ich Präsidentin wäre, würde ich mich vorrangig darum kümmern, dass alle ein Dach über dem Kopf hätten und es genügend Krankenhäuser und Schulen gäbe.»

Stéphanie ist 9 Jahre alt und eine der Töchter von Hareantsoa. Sie besucht die Grundschule.

«Ich träume davon, Lehrerin in unserem Dorf zu werden. Ich wünsche mir ein sauberes und entwickeltes Dorf, dem es dank der Landwirtschaft gut geht. Denn ich liebe es, Gemüse und Früchte anzupflanzen und zu den Tieren zu schauen. Heute hatten wir nur am Morgen Schule. Unser Lehrer musste an ein Begräbnis, an eine Havoria. Und manchmal ist er an Markttagen abwesend. In meinen Augen ist das ein Problem, dass der Unterricht immer wieder ausfällt.»

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Soafiavy ist Dorfvorsteher, Züchter und Bauer. Er ist verheiratet und hat elf Kinder.

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Der Klimawandel bedroht Leben

Seit Monaten warten die Menschen im Süden Madagaskars auf Regen. Die Dürre beeinträchtigt die Landwirtschaft massiv und der Hunger breitet sich aus. Die schlimme Krise kann jedoch mittels Solidaritätsgruppen abgefedert werden. In unserer Reihe «Hoffnung trotz Dürre» teilen Menschen vor Ort ihre Erfahrungen mit uns und berichten über die Wirkung unserer gemeinsamen Projekte.

«Die meisten von uns sind Landwirt*innen und Viehzüchter*innen. Der Klimawandel in unserer Region bedroht unser Leben. Weder Menschen noch Tiere bekommen genügend Nahrung. Vor der Dürre konnten die Ochsen auf der Weide regelmässig Raketa fressen. Das ist eine Kaktusart, die überall wächst und ihnen sehr schmeckt. Aber seit der Dürre gibt es fast kein Raketa mehr. Auch die Tamarindenbäume sind abgepflückt. Allenfalls gibt es noch Tamarinden zu kaufen. Die Menschen essen nichts anderes mehr als Moky. Der letzte Regen fiel im Februar 2021, und die Landwirtschaft befindet sich in einem kritischen Zustand.

Um das Land zu bearbeiten, müssen wir unsere Kräfte bündeln, denn für eine Person allein ist es zu anstrengend. Je mehr wir zusammenarbeiten, desto besser. Die gegenseitige Hilfe hält weiterhin an: Diejenigen, die Moky ausgraben können, geben denen, die keinen haben. Die Gruppe lehrt uns, einander zu helfen, besonders in diesen schweren Zeiten.»

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Emahatratse und seine Frau Hinerisoa sind Viehzüchter*in und Bauer und Bäuerin. Sie sind Eltern von zwei Kindern.

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Hoffnung auf Regen

Seit Monaten warten die Menschen im Süden Madagaskars auf Regen. Die Dürre beeinträchtigt die Landwirtschaft massiv und der Hunger breitet sich aus. Die schlimme Krise kann jedoch mittels Solidaritätsgruppen abgefedert werden. In unserer Reihe «Hoffnung trotz Dürre» teilen Menschen vor Ort ihre Erfahrungen mit uns und berichten über die Wirkung unserer gemeinsamen Projekte.

«In der Ausbildung haben wir gelernt, wie wir mit Wasser und Pflanzen sorgfältig umgehen können. Vor der Dürre war das Land fruchtbar, und es konnten Maniok, Süsskartoffeln und andere Feldfrüchte angebaut werden. Wir waren mit dem, was wir an Wasser und Lebensmitteln hatten, zufrieden. Wir mussten nur ein wenig graben, um Wasser zu bekommen. Und sogar unsere Tiere hatten genügend Futter. Wir hatten ein gutes Leben. Doch die Dürre ist schlimm. Das Land ist unfruchtbar geworden. Allmählich verlieren wir die Mittel, um für uns und unsere Tiere zu sorgen. Das Wasser ist sehr knapp geworden. Wir dürfen täglich maximal zwei Kleidungsstücke von Hand waschen. Wasser kann nur zu einer bestimmten Tageszeit geholt werden.

Um unseren Hunger zu stillen, müssen wir meilenweit fahren, um Moky, die Knollen, die eine Alternative zu den üblichen Nahrungsmitteln sind, in der Erde zu finden. Es gibt kein Wasser, keinen Regen und somit auch keine Ernte. Es ist der Gruppe Tsinjo Aina Taratra zu verdanken, dass wir durchhalten. Glücklicherweise ist unsere Selbsthilfegruppe immer noch aktiv. Wir alle hoffen, dass der Regen eines Tages zurückkehrt und der Boden wieder fruchtbar wird.»

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Tsarasoa ist Landwirtin und die Präsidentin der Dorfgruppe Tsinjo Aina Taratra. Sie ist alleinerziehende Mutter von sechs Kindern.

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Die Gemeinschaft stärken

Seit Monaten warten die Menschen im Süden Madagaskars auf Regen. Die Dürre beeinträchtigt die Landwirtschaft massiv und der Hunger breitet sich aus. Die schlimme Krise kann jedoch mittels Solidaritätsgruppen abgefedert werden. In unserer Reihe «Hoffnung trotz Dürre» teilen Menschen vor Ort ihre Erfahrungen mit uns und berichten über die Wirkung unserer gemeinsamen Projekte.

«Wir alle haben viel Leid erfahren. Das hat bei mir den Wunsch geweckt, die Gruppe zu leiten. Wir alle litten unter extremem Hunger. Die Erziehung und der Unterricht der Kinder waren miserabel, und sie hatten mit verschiedenen Krankheiten zu kämpfen. Das hat mich sehr motiviert, beim Projekt Tsinjo Aina Taratra mitzumachen. Ich wollte Männern und Frauen, Jungen und Alten helfen. Ich hatte keine Angst davor, die Zügel in die Hand zu nehmen, denn ich hatte bereits eine Vision vom Erfolg, den das Projekt uns bringen würde. Ausserdem erleichterte mir der Enthusiasmus der Gruppenmitglieder meine Rolle als Führungsperson.

Alle waren bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen, und wir lernten verschiedene Anbaumethoden, die Pflege der Gemüsefelder, erfuhren mehr über den Gemeinsinn, die Hygiene. Ich hoffe, dass die geknüpften Verbindungen weiter wachsen und dass das Projekt Tsinjo Aina Taratra für immer bestehen bleibt.»

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« Für uns selber sorgen»

Seit Monaten warten die Menschen im Süden Madagaskars auf Regen. Die Dürre beeinträchtigt die Landwirtschaft massiv und der Hunger breitet sich aus. Die schlimme Krise kann jedoch mittels Solidaritätsgruppen abgefedert werden. In unserer Reihe «Hoffnung trotz Dürre» teilen Menschen vor Ort ihre Erfahrungen mit uns und berichten über die Wirkung unserer gemeinsamen Projekte.

«Wenn wir keine Schulden haben, haben wir ein reines Gewissen. Früher haben wir in Zeiten extremen Hungers sehr gelitten. Wir waren gezwungen, uns Geld zu leihen, um unseren Hunger zu stillen. Das Schlimmste aber war, dass wir das Geld nicht nur zurückzahlen, sondern auch noch hohe Zinsen drauflegen mussten. Wir schämten uns, dass wir Mühe hatten, unsere Schulden zu bezahlen. Wenn wir keinen Ausweg wussten, blieb uns nichts anderes übrig, als unseren Kreditgebern möglichst aus dem Weg zu gehen. Doch seit wir uns dem Projekt Tsinjo Aina Taratra angeschlossen haben, gibt es erste Veränderungen. Unsere Lebensumstände haben sich sehr verbessert.

Wir Dorfbewohner*innen haben uns zusammengetan, um gemeinsam Geld zu sparen. Von diesem Geld kann jedes Mitglied der Gruppe einen Kredit aufnehmen und diesen vor allem auch zinslos zurückzahlen. Unsere Kinder können durch das Projekt zur Schule gehen, um zu lernen. Und da die meisten von uns Bäuerinnen und Bauern sind, beinhaltet das Projekt auch Schulungen in Anbautechniken, die dem Klima und der Trockenheit unseres Bodens Rechnung tragen. Davon konnten wir sehr profitieren. Seit der Gründung der Gruppe haben wir viel weniger Stress, da wir nun in aller Ruhe für uns selbst und unsere Bedürfnisse sorgen können.»

 *In der Region Betioky, im Süden von Madagaskar, ist es verbreitet,  dass die Menschen ausschliesslich einen Vornamen tragen.

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Wollen Sie bei der Ökumenischen Kampagne mitmachen?

In diesem Jahr findet die Ökumenische Kampagne vom 17. Februar – 4. April 2021 statt.

Klimagerechtigkeit – jetzt!

Die Länder des globalen Südens sind am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen, obwohl sie am wenigsten dazu beigetragen haben. Für Fastenaktion ist es eine Frage der Gerechtigkeit, dass die Länder und ihre Einwohner/innen, welche hauptsächlich für Treibhausgasemissionen verantwortlich sind, endlich Verantwortung übernehmen. Die Schweiz ist eines dieser Länder. Um wirksam auf die Klimakrise zu antworten und unseren Planeten zu bewahren,  ist eine Umkehr zu einem genügsameren Lebensstil notwendig. 

Unter den folgenden Links finden Sie vielfältige Informationen und Material zu unserer Kampagne für Pfarreien, Schulen und Kirchgemeinden.

Mehr über die Projekte von Fastenaktion

RAISE: Die Rechte von Bäuerinnen und Bauern stärken

Das Projekt «Raise» hat zum Ziel, dass die Rechte der Bäuerinnen und Bauern in zehn Ländern und auf globaler Ebene verwirklicht werden. Dadurch wird ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht und ihr Recht auf Nahrung gestärkt.

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Eine ausgewogene Ernährung und mehr Anerkennung

Mehr Anerkennung für die traditionelle Kulturen sowie die Einführung agrarökologischer Methoden verbessern die Lebensbedingungen der Chepang in Nepal.

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Senegal: Bamtaare

Mit lokalen Mitteln dem Klimawandel trotzen

Klimawandel und Bevölkerungsdruck schaffen zunehmend Probleme im Senegal. Solidaritätsgruppen und Gemeinschaftsfelder tragen dazu bei, die Knappheitsperioden verkürzen.

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Kampagne 2020: Briefaktion ans Seco zu Saatgut

Saatgut soll den Bäuerinnen und Bauern gehören, die es nutzen. Dies fordern über 2300 Menschen aus 11 Ländern in ihren Briefen ans Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Dieses hat mit einer Stellungnahme reagiert – welche ihrerseits HEKS und Fastenaktion kommentieren. 

Während der Ökumenischen Kampagne der Fastenaktion und HEKS von Februar bis April 2020 haben rund 2’400 Bäuer/innen und Bürger/innen aus 11 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas sowie der Schweiz über 1’300 Briefe an das Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco) geschickt. Darin haben sie das Seco aufgefordert, in den Freihandelsabkommen (FHA) mit Ländern des globalen Südens nicht länger Sortenschutzgesetze gemäss des UPOV91-Übereinkommens zu verlangen. Diese schränken den Zugang zu Saatgut ein und bedrohen damit die Saatgutvielfalt und Ernährungssicherheit. 

In einer Stellungnahme vom Februar 2020 reagierte das Seco auf diese Briefe – auf die nun die Koalition «Recht auf Saatgut», darunter Fastenaktion und HEKS, ihrerseits ausführlich reagiert hat (lange Fassung).

Eine Analyse der Koalition zu den wichtigsten Punkten des Seco finden Sie hier in einer Kurzfassung:  

Reaktion auf die Stellungnahme des Seco (Kurzfassung)

Beitritt zu UPOV91 ist keine Voraussetzung – aber Grundforderung

Die Schweiz würde «den Beitritt zu UPOV nicht zur Voraussetzung für den Abschluss eines Freihandelsabkommens» machen. Für die Schweizer Koalition «Recht auf Saatgut» ist diese Behauptung irreführend. Gemäss der Seco-Stellungnahme ist der Beitritt zu UPOV bzw. einem Sortenschutzgesetz gemäss UPOV91-Kriterien zwar keine Voraussetzung für ein Freihandelsabkommen mit der Schweiz. Es ist aber eine Grundforderung der Schweiz beim Beginn aller Verhandlungen für Freihandelsabkommen mit Nicht-UPOV Staaten.

Ein System von wenigen, dass für viele gelten soll

Das UPOV-Abkommen wird von den Interessen der Saatgutindustrie dominiert, auch wenn mittlerweile Entwicklungsländer zu den Mitgliedern zählen. Ursprünglich wurde das Abkommen 1961 durch sechs westeuropäische Länder verhandelt. Bei der Ausarbeitung der Version von 1991, die von der Schweiz in den Freihandelsabkommen eingefordert wird, waren die damals 20 UPOV-Mitgliedstaaten beteiligt. Das einzige Land des Südens am Verhandlungstisch war Südafrika, in dem dazumal Apartheid herrschte. Die Stimme des globalen Südens blieb aussen vor. Die UPOV-Konvention kann deshalb punkto Legitimität in keiner Weise mit einem Abkommen der UNO oder ihrer Fachorganisationen gleichgestellt werden, bei denen praktisch alle Länder an den Verhandlungen teilnehmen dürfen.  Die Entwicklungsländer unter den heutigen UPOV-Mitgliedern haben – wo immer möglich – die Version von 1978 ratifiziert, die ihnen auch punkto Bauernrechte mehr Freiheiten erlaubt. Ebenfalls grosse Landwirtschaftsproduzenten wie China, Brasilien oder Argentinien haben die Version 78 unterzeichnet. Das Seco fordert nun von viel ärmeren Ländern wie Indonesien oder Malaysia, dass sie strengere Sortenschutzmassnahmen einführen als diese Mega-Agrarproduzenten. Andere Entwicklungsländer, welche die UPOV-Akte von 1991 ratifiziert haben, taten dies, weil sie durch Freihandelsverträge wie jene der EFTA oder den USA dazu gezwungen wurden (z.B. Peru, Marokko, Costa Rica).  

Wasser predigen, Wein trinken

Anders als vom Seco behauptet, ist es deshalb nicht naheliegend, dass die Schweiz und die EFTA von den Partnerländern ein Sortenschutzrecht gemäss UPOV 91 einfordern. Umso mehr, da drei der vier EFTA-Staaten (Schweiz, Norwegen und Liechtenstein) diese Anforderungen mit ihren eigenen Gesetzen ja selbst gar nicht erfüllen: Die EFTA-Länder fordern von den Partnerländern strengere Sortenschutzgesetze, als sie selbst bereit sind einzuführen.

In seiner Stellungnahme suggeriert das Seco Offenheit, die Rechte der Bäuerinnen und Bauern am Saatgut besser zu berücksichtigen: «Ziel jedes von der Schweiz ausgehandelten FHAs ist es, die bestmögliche Lösung für alle Betroffenen zu schaffen. Die Schweiz und die andere EFTA-Mitgliedsstaaten sind darum offen, mit Partnerländern bei Bedarf individuelle Alternativlösungen zu finden… Dies wurde beispielsweise in den kürzlich abgeschlossenen Verhandlungen mit Indonesien und den Philippinen gemacht.»

Dies ist nicht korrekt. Gemäss dem Freihandelsvertrag muss Indonesien alle «wesentlichen Bestimmungen» von UPOV 91 umsetzen. Auch weiterhin ihre lokalen Sorten schützen zu dürfen, ist das Einzige, was Indonesien zugestanden wurde. Dies hat aber keinen direkten Zusammenhang mit dem Recht der Bauern und Bäuerinnen, Saatgut geschützter Sorten nachzubauen, zu tauschen oder zu verkaufen. Von einer «Alternativlösung» kann in diesem Fall also nicht die Rede sein.

 Im Widerspruch zu Bauernrechten

Um eine bestmögliche Lösung zu finden, ist es unabdingbar, auch die Interessen der Bäuerinnen und Bauern in den Verhandlungsprozess einfliessen zu lassen. Da die Verhandlungen zu den Freihandelsabkommen jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, gibt es für die Betroffenen keine Möglichkeit, direkt an den Gesprächen teilzunehmen. Dieser Ausschluss steht im Widerspruch zu den Rechten der Bäuerinnen und Bauern wie sie auch im Internationalen Saatgutvertrag der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) und in der Bauernrechtsdeklaration der UNO verankert sind. Darüber hinaus weigert sich das Seco bis heute, die Auswirkungen von UPOV91 auf die Menschenrechte zu prüfen. Obwohl verschiedene Studien und Berichte darauf hinweisen, dass die Einführung von UPOV91 sehr wohl Menschenrechte gefährden können, allen voran das Recht auf Nahrung.

Interessen der Konzerne als Priorität

Eine konkrete Forderung in den Briefen der Bäuerinnen, Bauern und weiteren Bürger/innen war unter anderem, in den laufenden FHA-Verhandlungen mit Malaysia auf die Forderung nach UPOV zu verzichten. Auf dieses konkrete Anliegen geht die Stellungnahme nicht ein.

Ausserdem verweist das Seco auf den Forschungsstandort Schweiz, der «auch in Partnerländern an einem angemessenen Schutz der Rechte an geistigem Eigentum interessiert ist». Es macht damit klar, dass es auch weiterhin die Interessen von kommerziellen und staatlichen Züchter*innen, darunter die marktdominierenden internationalen Agrarkonzerne, höher gewichtet als die Rechte der Bäuerinnen und Bauern.

Die Stellungnahme schliesst mit der Bereitschaft des Seco, «den Dialog mit den verschiedenen Interessengruppen weiterzuführen». Die Schweizer Koalition «Recht auf Saatgut» wird das Gespräch mit dem Seco weiterführen.

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In diesem Jahr findet die Ökumenische Kampagne vom 26. Februar – 12. April 2020 statt. Unter dem Motto «Gemeinsam für eine Landwirtschaft, die unsere Zukunft sichert.» setzen wir Saatgut ins Zentrum.

Saatgut oder Pflanzensamen stellen die Grundlage fast allen Lebens dar.  Über 70 Prozent der Nahrungsmittel werden weltweit von kleinbäuerlichen Betrieben produziert und nicht von der Agrarindustrie. Kleinbauern und Kleinbäuerinnen ernähren die Mehrheit der Weltbevölkerung. Damit das so bleibt, brauchen sie weiterhin Zugang zu bäuerlichem Saatgut. Es gehört in die Hände von Bauern und Bäuerinnen.

Unter den folgenden Links finden Sie vielfältige Informationen und Material über unser Kampagen, auch für Pfarreien, Schulen und Kirchgemeinden.

Fastenzeit 2020

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RAISE: Die Rechte von Bäuerinnen und Bauern stärken

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