Jahrelang haben John* und seine Kollegen in südafrikanischen Kohleminen geschuftet, ohne Masken zum Schutz vor dem Kohlestaub zu erhalten. Heute leiden mehr als tausend ehemalige Minenarbeiter wie er an Lungenkrankheiten. Sie fordern eine Entschädigung von den Bergbauunternehmen. Fastenaktion und HEKS unterstützen sie in ihrem Anliegen.

Ein Text von François Mercier, Leiter des Programms Rohstoffe und Menschenrechte

In der südafrikanischen Provinz Mpumalanga sind Kohleminen allgegenwärtig. Die Arbeit in den Minen, egal ob unter oder über Tage, ist hart und schlecht bezahlt. Kohlestaub und andere Gefahren sind allgegenwärtig.

Die vier Minenarbeiter, die ich vor einigen Jahren in Ermelo getroffen habe, haben alle über 20 Jahre lang in Kohleminen gearbeitet. Darunter auch in solchen, die dem Schweizer Rohstoffriesen Glencore gehören. Erst im Jahr 2000, nachdem die Gewerkschaften gegen die schlechten Arbeitsbedingungen protestiert hatten, erklärten sich die Bergbauunternehmen dazu bereit, den Mitarbeitenden Mundschutz auszuhändigen.

Lebenslange Folgeschäden

Für mehr als tausend Minenarbeiter kam diese Massnahme zu spät. Der Kohlestaub hat sich tief in ihren Lungen angesammelt und löst viele Jahre später die Lungenkrankheit «Staublunge» aus.

Die vier Männer in Ermelo arbeiten heute nicht mehr und sind von der Krankheit sichtlich gezeichnet: «Ich kann nicht mehr normal atmen. Meine Brust tut weh und ich habe Herzprobleme», erklärt John*. Einer seiner Kollegen fügt hinzu: «Ohne Medikamente kann ich nicht mehr atmen». Zusammen mit anderen ehemaligen Bergleuten gründeten sie den Verein Zamani (Zulu für: «Versuchen wir unser Glück»), um sich gegenseitig zu helfen. Mehrere ihrer ehemaligen Kollegen sind bereits an der Krankheit gestorben.

Nach mehr als 20 Jahren Arbeit in Kohleminen leiden diese ehemaligen Bergleute an Lungenkrankheiten.

Der lange Weg zur Entschädigung

2017 beschliesst die Kommission Justitia et Pax der südafrikanischen Bischofskonferenz, eine Partnerin von Fastenaktion und HEKS, die Minenarbeiter und ihre Familien in ihrem Kampf zu begleiten. Sie lässt den Gesundheitszustand von Hunderten von Menschen untersuchen, testet sie auf Staublunge und unterstützt sie bei den Entschädigungsforderungen gegenüber den fehlbaren Unternehmen.

Im Dezember 2022 ist die Geduld der Minenarbeiter am Ende. Sie protestierten vor einer Glencore-Niederlassung ausserhalb von Johannesburg und forderten Wiedergutmachung für die Erkrankten. Joseph Nzimande, Vertreter der betroffenen Gemeinden, sagt: «Glencore hat mit den Kohleminen Milliarden verdient. Es ist nur fair, dass das Unternehmen nun diejenigen entschädigt, die durch harte Arbeit für das Unternehmen an Staublunge erkrankten».

Anfang Februar 2023 trafen sich Justitia & Pax Südafrika und eine Delegation von Minenarbeitern schliesslich mit dem Unternehmen. Glencore verspricht eine baldige Stellungnahme, scheint die Forderungen aber nicht ernst zu nehmen. Die Arbeiter haben bereits angekündigt, dass sie ihren Protest fortsetzen und rechtliche Schritte in Betracht ziehen. Unterstützen wir sie, damit sie ihre Rechte durchsetzen können!

*richtiger Name bekannt

Kranke Bergarbeiter und ihre Familien protestieren vor einer Glencore-Filiale in Südafrika.

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Fikele Ntshangase, südafrikanische Aktivistin

Fikile Ntshangase wehrte sich seit Jahren gegen die Ausweitung der Tendele Kohlemine in Somkhele in der Provinz Kwa-Zulu Natal. Am 22. Oktober wurde sie in ihrem Haus vor den Augen ihres 11-jährigen Enkels erschossen.

Die 65-jährige wurde von allen respektvoll Mam’ Ntshangase genannt, sie war Mutter, Grossmutter, Umweltaktivistin und Vizepräsidentin von MCEJO, einer Umweltorganisation in Mfolozi, die mit der Fastenaktion-Partnerorganisation WoMin (Women and Mines) zusammenarbeitet. Sie glaubte an Gerechtigkeit und engagierte sich mutig gegen die Ausdehnung der Kohlemine der südafrikanischen Firma Tendele. Zusammen mit Menschen aus 2300 betroffenen Siedlungen wollte sie die zahlreichen, durch die Mine verursachten Schäden wie Wasser- und Bodenverseuchung, Zerstörung der Häuser durch Sprengungen, Landverlust durch erzwungene Umsiedlung und die Entfernung von Grabstätten nicht weiter hinnehmen.

Fehlende Risikoanalysen, keine Konsultationen mit der betroffenen Bevölkerung

Gemeinsam klagten sie gegen Tendele. Denn die Firma hat weder eine angemessene Umweltrisikoanalyse noch eine umfassende Konsultation mit den Landbesitzerinnen und -besitzern der betroffenen Dörfern durchgeführt. Auch fehlt ein Plan zur Entsorgung des anfallenden Giftmülls. Ausserdem fordern die Anwohnerinnen und Anwohner den Stopp der Bergbautätigkeit und Entschädigungen für den erlittenen Schaden. Die Anhörung der Klage vor dem Obersten Berufungsgericht soll am 3. November 2020 stattfinden.

Anthrazitvorkommen beinahe ausgeschöpft

Die Firma Tendele drängt jedoch auf ein bindendes Abkommen* mit den in MEJCO zusammengeschlossenen Dörfern, und fordert, dass alle laufenden Klagen zurückgezogen werden sollen, damit ihre Arbeitsplätze während der Covid-Pandemie gesichert sind. Einschüchterungen, Morddrohungen und die Ankündigung grosszügiger Zahlungen bei Unterzeichnung des Abkommens führten laut Caroline Ntaopane, der Rechtsanwältin von Fikele Ntshangase, dazu, dass einzelne -nicht zeichnungsberechtigte – Mitglieder von MEJCO diesen Vertrag schliesslich unterschrieben. Mam’ Ntshangase hat dieses Vorgehen aufs Schärfste kritisiert und sich geweigert zu unterzeichnen. Die Firma Tendele verurteilt den Mord an Mam’ Ntshangase zwar, streitet aber jegliche Einschüchterungen und Geldangebote ab.

Ausdehnung der Mine vorgesehen

Die Kohlemine Somkhele der Firma Tendele wurde 2007 nahe der Kleinstadt Mtubatuba, 150 Kilometer nördlich von Durban errichtet und grenzt an den ältesten Wildpark Südafrikas den Hluhluwe-iMfolozi. Mit 22’000 Hektaren ist sie eine der grössten Tagebau-Kohleminen Südafrikas. Die Mine exportiert jährlich zirka 900’000 Tonnen Anthrazit. Das ist die härteste und hochwertigste Kohlesorte, sie verbrennt fast rückstandslos. Gemäss der Firma sind die Anthrazitvorkommen in der Mine fast ausgeschöpft, deshalb soll sie auf die umliegenden Gebiete von Emalalheni und Ophondweni, ausgedehnt werden, dem Ort an dem Mam’ Ntshangase umgebracht wurde.  Der Südafrikanische Menschenrechtsrat und die Fastenaktion-Partnerorganisation WoMin prangern die Umweltschäden und Menschenrechtsverletzungen durch die Tendele Mine seit 2014 an.

Claudia Fuhrer, verantwortlich für das Programm Südafrika/28.10.2020

* Dieses Abkommen liegt Fastenaktion vor.

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