Seit über 50 Jahren leidet Kolumbien unter Gewalt, Entführungen und Zwangsumsiedlungen. Zudem hat sich eine problematische Landwirtschaft etabliert, die Wälder und Böden zerstört. Vicaría del Sur, eine Partnerorganisation von Fastenaktion, gibt Gegensteuer. Sie unterstützt Gemeinschaften mit agrarökologischen Techniken und bei der Verteidigung ihrer Rechte. Inzwischen können sie die Früchte ihrer Bemühungen ernten.

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Erfolgreicher Weg aus Hunger und Elend
Die Wirkung von Fastenaktion in Kolumbien
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Die Schweizer Raffinerie ARGOR-HERAEUS importiert seit fast 20 Jahren Gold aus dem Bajo Cauca, einer Konflikt- und Hochrisikoregion in Kolumbien. Eine neue Studie von Fastenaktion deckt nun negative Folgen für Mensch und Umwelt auf. Die betroffenen Gemeinden werden nicht angemessen einbezogen und die Herkunft des Goldes nicht transparent kommuniziert. Darum braucht es endlich griffige Standards bezüglich der Transparenz im Goldhandel und bei der Kontrolle von Raffinerien

Ein Text von François Mercier, Fachverantwortlicher Rohstoffe und Menschenrechte bei Fastenaktion

Die Schweiz gilt als eine Drehscheibe für den weltweiten Goldhandel und raffiniert knapp ein Drittel des weltweit produzierten Goldes. Dabei ist die ARGOR-HERAEUS in Mendrisio (TI) eine der wichtigsten Raffinerien in der Schweiz. Um sicherzustellen, dass sie nachhaltig gefördertes Gold importiert, ist sie verpflichtet, schweizerische und internationale Standards zu erfüllen. Dazu zählt unter anderem eine Sorgfaltspflicht. Dadurch sollen Umweltverschmutzung und der Verstoss gegen Menschenrechte in der Produktionsregion entgegengewirkt werden.  

In der neuen Studie, die mit Hilfe unseres Partners IPC (Instituto Popular de Capacitación) durchgeführt wurde, wurden die Goldimporte von ARGOR-HERAEUS aus dem Bajo Cauca in Kolumbien analysiert. 

Zweifel an der Sorgfaltspflicht der Raffinerie 

ARGOR-HERAEUS gilt als wichtiger Geschäftspartner der kolumbianischen Firma MINEROS. Diese baut in der Region am Fluss Nechí Gold ab und exportierte in den letzten zehn Jahren die Mehrheit davon an ARGOR-HERAEUS. Betroffene Gemeinden in der Region bestätigen erhebliche negative Folgen für die lokale Bevölkerung und die Umwelt. So erhalten vertriebene Familien unzureichende Entschädigungen. Für die lokale Fischerei lebensnotwendige Feuchtgebiete werden stark in Mitleidenschaft gezogen, wodurch die Ernährungssicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner gefährdet ist. Zudem kommt es zu Dammbrüchen, die das Ökosystem stark verschmutzen. 

Internationale Standards fordern von Raffinerien unter anderem, Besuche vor Ort durchzuführen, die lokalen Gemeinschaften zu konsultieren und sich über die Sicherheitslage zu informieren. Allerdings hatten weder die gesetzlichen Vertreter des Flusses noch die von uns befragten Fischereiverbände und auch nicht unsere Partnerorganisation Kontakt zu einem Vertreter von ARGOR-HERAEUS. Darauf angesprochen weigert sich die Raffinerie, ihre Informationsquellen und die konsultierten Gemeinschaften zu nennen. Hinzu kommt noch, dass auch sonst einige Unklarheiten bestehen und, dass die Raffinerie lückenhafte Kenntnisse zur Sicherheitslage auf dem Gelände zu haben scheint. ARGOR-HERAEUS versichert, dass das Gold nicht aus illegalen Quellen stammt, liefert aber auch hier keine detaillierten Informationen. 

Ein Schwimmbagger der Gold auf dem Rio Nechi abbaut.
Der illegale Goldabbau auf dem Gelände von MINEROS löst verheerende Folgen für die Menschen und die Umwelt aus.

Für mehr Transparenz und eine verantwortungsvolle Goldgewinnung  

In der Schweiz veröffentlichen weder die Behörden noch die grossen Raffinerien Informationen über die Herkunft des abgebauten Goldes. Unsere Recherche lässt Zweifel an den ergriffenen Massnahmen zur Einhaltung der Sorgfaltspflicht von ARGOR-HERAEUS aufkommen. Sowohl das Schweizer Gesetz zum Goldhandel als auch die internationalen Standards reichen nicht aus, um die Raffinerien sinnvoll zu kontrollieren. Angesichts dieser Situation setzt sich Fastenaktion für mehr Transparenz und Kontrolle ein. Transparenz über die Herkunft des Goldes muss gewährleistet sein und in Hochrisikogebieten eine erhöhte Sorgfaltspflicht ausgeübt werden. Schweizer Raffinieren wie ARGOR-HERAEUS sollen sich nicht aus Risikogebieten zurückzuziehen, weil sich dadurch die Situation dieser Gebiete nicht verbessern würde. Es braucht aber starke Gesetze und Richtlinien – in der Schweiz, wie auch international. Nur durch den Einbezug aller Interessensgruppen wie Geschäftspartner, Behörden und Zivilgesellschaft, kann ein verantwortungsvoller Goldabbau gewährleistet werden. Zudem kann dadurch ein positiver Beitrag zur Entwicklung der am stärksten gefährdeten Regionen geleistet werden. Dabei geht es um den Schutz der Umwelt, die Menschenrechte und die Zukunft der lokalen Bevölkerung im Bajo Cauca.

Die Studie von Fastenaktion auf Deutsch finden Sie hier.

Die Berichtigung der Goldstudie vom September 2024 finden Sie hier.

Korrespondenz zwischen Fastenaktion und Argor-Heraeus, Februar – Juli 2023

Der Verband der «Flusswächter», die offizielle Vertretung des Flusses Nechí, erläutert die entstandenen Schäden und versichert, dass sie niemals von MINEROS konsultiert wurden.

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Unsere Kollegin Daria Lepori ist vor kurzem aus Kolumbien zurückgekehrt. Sie besuchte Fastenaktion-Projekte, die eine nachhaltige Landwirtschaft fördern, und hat daran beteiligte Personen getroffen. Hier erzählt sie, was sie besonders beeindruckt hat.

Ein Interview mit Daria Lepori, Sensibilisierung und Ökumenische Kampagne in der italienischen Schweiz

Unter welchen Bedingungen leben die Menschen, die du besucht hast?

Sie leben wirklich bescheiden. Unter anderem haben wir zwei Bauernhöfe in Morales besucht, im Departement Cauca im Westen Kolumbiens. Dort bauen etwa neun von zehn Menschen Kokapflanzen an. Dies ist nicht nur illegal, sondern wegen der vielen verwendeten Düngemittel und Pestizide auch umweltschädlich. Politisch möchte man diesen Anbau unterbinden, doch der Verzicht auf den Kokaanbau erfordert Mut und Entschlossenheit von den Bauernfamilien. Für eine Umstellung auf eine nachhaltige Landwirtschaft zur Selbstversorgung braucht es zudem Unterstützung von aussen, wie sie unser Programm in diesem Land bietet. Heute ist der Kokaanbau für viele die einzige Einkommensquelle, und es gibt erheblichen Druck durch die Drogenhändler. Ausserdem sind viele Bauernfamilien verschuldet, denn die verwendeten Düngemittel sind sehr teuer, und die Geldverleiher verlangen für ihre Kredite hohen Zinsen, die sie jeden Tag zurückzahlen müssen – ein System, das «gota a gota» (Tropfen für Tropfen) genannt wird.


Wie engagiert sich unsere Partnerorganisation vor Ort?

Die Organisation Semillas de Agua betreibt Projekte in verschiedenen Departementen Kolumbiens und beschäftigt sich vor allem mit der Bodensanierung. Ihr Leiter David Diaz, ein ausgebildeter Agronom, vermittelt den Bauernfamilien die Bedeutung eines fruchtbaren Bodens, der Qualitätsprodukte für eine gesunde Ernährung und ein gesundes Leben hervorbringt. Er bringt ihnen bei, wie man mit agrarökologischen Methoden durch Pestizide vergiftete Böden in fruchtbare, produktive Böden verwandelt, die auch CO2 binden können. In Kolumbien ist der Boden eine stetige Quelle von Konflikten: Die einen wollen ihn für die Gewinnung von Rohstoffen ausbeuten, die anderen für den Anbau von Kokapflanzen nutzen.


Was hat
dich an den Menschen besonders beeindruckt, die an den von Fastenaktion unterstützten Projekten teilnehmen?

Ihre Entschlossenheit und ihr Enthusiasmus. Umso mehr sie durch den Entscheid für ein anderes Leben hohem psychologischen Druck ausgesetzt sind, wo doch alle um sie herum weiterhin Koka anbauen. Doch der Ansatz von Fastenaktion dort verändert ihr Leben wirklich zum Besseren. Inzwischen können die Projektteilnehmenden viele selbst produzierte Lebensmittel wie Kaffee oder Papayas für sich nutzen. 

Zwei Begünstigte aus einem Projekt in Kolumbien zeigen zufrieden ihren Garten.
Während der Projektreise besuchte Daria Lepori Begünstigte der Projekte.

Wie wirkt sich das Projekt sonst noch auf das Leben der Beteiligten aus?

Sie lernen, einen kritischen Blick auf das zu werfen, was bisher getan wurde, und erkennen die positiven Auswirkungen einer anderen Landwirtschaft für die Menschen und die Umwelt. Ein junger Landwirt berichtete, dass sich dank der agrarökologischen Landwirtschaft nicht nur seine Ernteerträge erhöht haben, sondern sich durch die gesündere Ernährung auch der Gesundheitszustand seines kranken Vaters verbessert hat. Die Menschen lernen zudem, mit weniger Holz zu kochen und Fische in Teichen zu züchten, die mit Hilfe solarbetriebener Pumpen mit Wasser aus nahegelegenen Bächen gespeist werden. Dies bereichert einerseits ihre Ernährung, andererseits können sie die Fische, die sich nicht selbst essen, auf dem Markt verkaufen, so dass sie ein kleines Einkommen haben. Und die Fische werden in solarbetriebenen Kühlschränken gelagert.


Gibt es etwas, das dich besonders beeindruckt hat?

Was ich überall besonders stark wahrgenommen habe, ist die Einheit zwischen Menschen, Land und Umwelt – wenn man so will der Ort, an dem sich Mensch und Gott treffen. Man kann die Mutter Erde wirklich wahrnehmen, die zum Beispiel den Kaffee nährt und produziert, den ich seit Jahren trinke und nie habe wachsen sehen. Allerdings sind mir bei den Besuchen anderer Projekte auch die tiefen Wunden aufgefallen, die die Jahre des Bürgerkriegs bei der Bevölkerung hinterlassen haben, mit Zwangsumsiedlungen, Morden und dem Verschwinden von Menschen.

Fastenaktion setzt sich in Kolumbien für das Recht auf Nahrung der Bevölkerung ein. Eine nachhaltige Landwirtschaft spielt dabei eine zentrale Rolle. Erfahren Sie hier mehr über das Landesprogramm in Kolumbien.

Ein Fischteich, der im Rahmen eines Fastenaktion-Projekts entstanden ist und die Ernährungssicherheit erhöht.
In den Projekten werden unter anderem Fischteiche angelegt, die Ernährungssicherheit schaffen.

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Elsy Marulanda
Nach der Wahl von Gustavo Petro zum Präsidenten hat unsere Koordinatorin in Kolumbien, Elsy Marulanda, umgehend reagiert: «Wir freuen uns über diesen ersten Triumph einer linken Regierung. Er gibt uns Hoffnung auf einen Wandel in unserem Land, in dem die Jahre voller Gewalt und Ungerechtigkeit Tausende von Opfern gefordert haben. Wir wollen auch weiterhin zu diesem Wandel beitragen, der Frieden, Würde, Achtung der Menschenrechte, Verteidigung des Territoriums und Vielfalt zum Ziel hat.»

Der am 19. Juni von den Kolumbianerinnen und Kolumbianern gewählte neue Präsident, schaffte die Wahl mit 50,5 Prozent. Gustavo Petro ist ein ehemaliges Mitglied der Guerillabewegung M-19, ehemaliger Bürgermeister der Hauptstadt Bogotá und bisheriger Senator.

Petro will einen sozialen Wandel einleiten, er strebt tiefgreifende Reformen an. Dazu zählen höhere Steuern für Vermögende und Unternehmen, die Förderung erneuerbarer Energien und die Rohstoffausbeutung bremsen. Die grosse Ungleichheit im Land will er mit kostenloser Hochschulbildung und Rentenreformen ausgleichen. Zudem will er ein Notprogramm gegen Hunger einführen.

Umweltschützerin wird Vizepräsidentin
Erstmals zieht mit Petro in der jüngeren Geschichte Kolumbiens ein bekennender Linker in den Präsidentenpalast in Bogotá ein. Die soziale Kluft im Land ist gross und durch die Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie haben Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger noch einmal stark zugenommen. An Petros Seite wird mit Francia Márquez eine afrokolumbianische Menschenrechtsaktivistin und Umweltschützerin als Vizepräsidentin mit an die Staatsspitze rücken. Sie kämpfte in der von der Gewalt besonders betroffenen Region Cauca, gegen den illegalen Goldabbau, in der Fastenaktion verschiedene Projekte der Partnerorganisationen unterstützt. Sie wurde mehrfach bedroht. Für ihren Kampf erhielt Francia Márquez 2018 den renommierten Goldman-Preis.

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Die Projekte von Fastenaktion unterstützen die demokratische Entwicklung auf Gemeindeebene. Mit Ausbildung zu umweltfreundlichen landwirtschaftlichen Methoden können sich die begünstigten Familien künftig besser ernähren. Dank gemeinsam verwalteter Sparkassen helfen sie sich in Notlagen gegenseitig aus.

Medienmitteilung
Ökumenische Kampagne 2022

Höchste Zeit, Verantwortung zu übernehmen

Mit einer politischen Forderung an Bundesrätin Simonetta Sommaruga für ambitionierte Klimaziele sowie einem Appell an die Eigenverantwortung hat die Ökumenische Kampagne erneut für das Thema Klimagerechtigkeit sensibilisiert. Die Kernbotschaften der Entwicklungsorganisationen HEKS, Fastenaktion und Partner sein gehen einher mit denen des neuesten Berichts des Weltklimarats (IPCC).

Die Schweiz darf aus Sicht der Klimagerechtigkeit bis 2050 kein CO2 mehr ausstossen. Da dies offensichtlich weiterhin geschehen wird, fordert die Ökumenische Kampagne zum sofortigen Handeln auf. «Klimagerechtigkeit bedeutet, dass Länder, die die Hauptverursacher der Klimaerwärmung sind, Verantwortung für die globalen Folgen und Schäden des Klimawandels übernehmen», sagt Stefan Salzmann, Verantwortlicher Klima- und Energiepolitik bei Fastenaktion. Die Schweiz solle daher in einem neuen CO2-Gesetz das Netto-Null-Ziel bis 2040 auf einem mindestens linearen Absenkpfad festhalten, sowie konsequent aus fossilen Energieträgern aussteigen. Schweizweit wurden für diese Forderung im Rahmen einer Petition schon etliche Unterschriften gesammelt, die Aktion läuft noch immer.

Die Klimakrise ist akut, dies zeigen die zwei neu erschienenen Kapitel des IPCC-Berichts 6. Dieser unterstreicht die Dringlichkeit, den weltweiten CO2-Ausstoss zu reduzieren, aus fossilen Energieträgern auszusteigen und erneuerbare Energien zu fördern. Der weltweite CO2-Ausstoss steige stetig an und der Gesamtplan der internationalen Klimapolitik leite die Welt auf einen Weg mit einem Temperaturanstieg bis zu 2.7 °C – mit verheerenden Folgen.

Breite Unterstützung bei der Kampagne
„Das grosse Engagement von Kirchgemeinden, Schulklassen und Freiwilligen hat uns begeistert“, so Elke Fassbender, Kampagnenleiterin HEKS. Es wurden zahlreiche Suppentage organisiert, über 70‘000 Rosen verkauft, und mit kreativen Ideen wurde für das Thema Klimagerechtigkeit sensibilisiert. Ein grosser Erfolg war auch das „Escape-Spiel“, welches für die Jugendarbeit zur Verfügung gestellt und rege genutzt wurde. Dieses bietet Jugendlichen einen spielerischen Zugang zu verschiedenen Aspekten der Klimagerechtigkeit, Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien, mit denen sie sich im Anschluss vertiefter auseinandersetzen können. Dies schärft das Verantwortungsgefühl für Klimathemen schon in jungem Alter, denn alle können mit ihrem Handeln ihren Fussabdruck reduzieren.

Dies wurde mit dem Kampagnensujet aufgezeigt: Die übervolle Badewanne mit Warmwasser auf der einen Seite symbolisiert unser Konsumverhalten im Norden, die Konsequenz davon ist auf der rechten Seite sichtbar – ein sich aus einer Überschwemmung rettender Mann, was für die verschiedenen Klimakatastrophen und das daraus resultierende Leid steht. „Es geht nicht darum, den Leuten das Baden zu verbieten, sondern darum, sie zu sensibilisieren, zum Reflektieren anzuregen und zu einer Verhaltensänderung zu bewegen“, meint Matthias Dörnenburg, Kampagnenleiter Fastenaktion, zum Kampagnensujet.

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Medienmitteilung
Ökumenische Kampagne 2022

Das CO2-Budget der Schweiz ist aufgebraucht

Ab heute lebt die Schweiz in bezug auf die Klimagerechtigkeit auf Kosten anderer. Die Menge CO2,  welche die Schweiz ausstossen darf, um die 1.5-Grad-Beschränkung einzuhalten, ist erreicht. Fastenaktion, HEKS und Partner sein forderten deshalb an einer Medienkonferenz in Bern ambitionierte Klimaziele. Es braucht konkrete und griffige Massnahmen, damit die Schweiz das Ziel Netto-Null bis 2040 erreicht. Nur so können die Klimagerechtigkeit garantiert und jene Menschen gestärkt werden, die am meisten unter den Auswirkungen der Klimaerhitzung leiden.

Um die globale Erwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen, wie es das Pariser Klimaabkommen anstrebt, hat sich die Schweiz das Netto-Null-Ziel bis 2050 gesetzt. In Bezug auf die Klimagerechtigkeit haben wir jedoch heute schon unser ganzes CO2-Guthaben aufgebraucht. Zu diesem Schluss kam eine Diskussion zum Thema Klimagerechtigkeit von Ethiker:innen aus kirchlichen Institutionen. Diskutiert wurde auf der Grundlage von klimawissenschaftlichen Daten des Weltklimarates. Ab heute dürfte die Schweiz folglich kein CO2 mehr ausstossen. Dies tut sie aber weiterhin – auf Kosten anderer. «Jetzt ist es an der Zeit, konsequent und ambitioniert zu handeln. Die Schweiz muss ihren Beitrag zu mehr Klimagerechtigkeit leisten», sagte Judith Macchi, Themenbeauftragte für Klima und Umwelt bei HEKS, an der Medienkonferenz in Bern.

Bemühungen für mehr Klimagerechtigkeit
In einem offenen Brief fordern die Hilfswerke von Bundesrat und Parlament ambitioniertere Klimaziele. «Wir verlangen die konsequente Abkehr von fossilen Energieträgern», erklärte Stefan Salzmann, Beauftragter für Klima- und Energiepolitik bei Fastenaktion. «Das Netto-Null-Ziel muss 2040 erreicht sein – nicht 2050 wie bis anhin – und dies auf einem mindestens linearen Absenkpfad. Zudem sollen die Beiträge zur Finanzierung von Emissionsminderungen und Anpassungen in anderen Ländern erhöht werden». Im Rahmen der Ökumenischen Kampagne haben die Hilfswerke deshalb eine Petition lanciert, die über Postkarten an Bundesrätin Sommaruga unterzeichnet werden kann. Bundesrat und Parlament werden darin aufgefordert, eine mutige und weitsichtige Klimapolitik zu betreiben und ihre Verantwortung für Klimagerechtigkeit wahrzunehmen.

Sicht aus dem Süden
Jedes zusätzliche Zehntelgrad an globaler Erwärmung führt zu häufigeren Wetterextremen, mit welchen die Menschen in den Programmländern der drei Hilfswerke vermehrt zu kämpfen haben. Die Dürre in Madagaskar hat zu einer Hungersnot geführt, Taifune auf den Philippinen sorgten für Verwüstung und Armut, Überschwemmungen in Kolumbien raubten den Betroffenen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Folgen des Klimawandels sind sichtbar, und wohlhabende Länder wie die Schweiz stehen in der Verantwortung zu handeln. Zum einen, weil sie deutlich mehr zur Klimaerwärmung beitragen als die Menschen im globalen Süden, die jedoch ungleich stärker davon betroffen sind; zum anderen, weil sie im Gegensatz zu ärmeren Regionen die nötigen Ressourcen dafür haben. Der neueste IPCC-Bericht betont die Bedrohung des Klimawandels für die Menschheit und die Erde: Werde nicht bald entschlossen gehandelt, schliesse sich «für alle das Fenster auf eine sichere,  lebenswerte und nachhaltige Zukunft».

Die Ökumenische Kampagne in Kürze
Fastenaktion (ehemals Fastenopfer) und HEKS (seit 2022 fusioniert mit Brot für alle) führen seit 1969 jährlich eine Ökumenische Kampagne in den sechs Wochen vor Ostern durch. Seit 1994 beteiligt sich auch Partner sein, das Hilfswerk der christkatholischen Landeskirche. Die Ökumenische Kampagne hat zum Ziel, die breite Öffentlichkeit für die Ungerechtigkeiten zu sensibilisieren, die weltweit zu über 800 Millionen Menschen in Hunger und Armut führen. Diese Realität zu erkennen, genügt jedoch nicht. Deshalb zeigen die drei Werke Handlungsmöglichkeiten auf: Das eigene Konsumverhalten verändern, Menschen in Südprojekten mit einer Spende unterstützen oder sich an einer Aktion beteiligen – so wird die Ökumenische Kampagne zum Inbegriff gelebter Solidarität.

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Medienmitteilung
Ökumenische Kampagne 2022

Energieverschwendung führt zu Überschwemmungen

Die Klimakrise ist akut. Am stärksten betroffen sind Menschen im globalen Süden, die am wenigsten zum Klimawandel beitragen. Das ist ungerecht. Während viele Menschen keinen Zugang zu «sauberer» Energie haben, verbrauchen wir im Norden zu viel Energie. Dieser Überkonsum ist einer der grössten Treiber der Klimakrise, die zu Hunger und Armut bei den Menschen im globalen Süden führt. Länder wie die Schweiz, die über ihre Verhältnisse leben, müssen daher mehr für den Klimaschutz tun und ihren CO2-Ausstoss verringern. Darum fordern Fastenaktion, HEKS und Partner sein in der Ökumenischen Kampagne 2022 mehr Klimagerechtigkeit.

Würden alle Menschen der Welt so konsumieren wie wir in der Schweiz, bräuchten wir mehr als drei Erden. Wir haben jedoch nur diese eine, und die gilt es zu beschützen. Deshalb fordert die Ökumenische Kampagne für die Schweiz die Reduktion des CO2-Ausstosses auf Netto-Null bis 2040. Die Energieproduktion ist weltweit für rund 70 Prozent des CO2-Ausstosses verantwortlich. Wir können und müssen unseren Energieverbrauch reduzieren – einerseits durch einen bewussteren und nachhaltigeren Konsum, andererseits durch den Umstieg auf erneuerbare Energien. Dafür braucht es ein Umdenken auf individueller Ebene sowie konkrete politische Vorgaben.

Die Forderung «Klimagerechtigkeit-jetzt» der Ökumenischen Kampagne 2022 von Fastenaktion, HEKS und Partner sein will für Klimaschutz, Alternativenergie und Eigenverantwortung sensibilisieren. Dies geht Hand in Hand mit den grundsätzlichen Themen der Organisationen, wie die Verteidigung der Menschenrechte, die Überwindung der Armut oder das Recht auf Nahrung. Wir haben das nötige Wissen, die Technologien und die Ressourcen zur Umstellung auf erneuerbare Energien. Fastenaktion und HEKS fördern dies mit ihren Projekten. Die Umstellung darf jedoch keinesfalls auf Kosten der Ärmsten geschehen, sondern muss sozial und ökologisch verträglich sein.

Globale Zusammenhänge erkennen und handeln
«Mein Haus wurde überschwemmt», berichtet eine Frau aus Indonesien; «wir haben immer weniger Wasser» ein Mann aus Kolumbien. So gegensätzlich die Aussagen der Betroffenen auch scheinen, so ähnlich sind sie in ihrem Ursprung. Der Klimawandel zeigt sich besonders verheerend in den Projektländern der drei Organisationen. Zu viel oder zu wenig Regen, Überschwemmungen, Taifune, Dürren – solche extremen Wetterereignisse führen dazu, dass die betroffene Bevölkerung mit Hunger und Armut zu kämpfen hat. Um diese Entwicklung zu stoppen, muss der globale Temperaturanstieg auf 1.5°C beschränkt bleiben – so wie im Pariser Klimaabkommen vereinbart. Deshalb beziehen Fastenaktion, HEKS und Partner sein mit der Ökumenischen Kampagne auch politisch Position und fordern Parlament und Bundesrat auf zur raschen Revision des CO2-Gesetzes.

Die Ökumenische Kampagne in Kürze
Fastenaktion (ehemals Fastenopfer) und HEKS (seit 2022 fusioniert mit Brot für alle) führen seit 1969 jährlich eine Ökumenische Kampagne in den sechs Wochen vor Ostern durch. Seit 1994 beteiligt sich auch Partner sein, das Hilfswerk der christkatholischen Landeskirche. Die Ökumenische Kampagne hat zum Ziel, die breite Öffentlichkeit für die Ungerechtigkeiten zu sensibilisieren, die weltweit zu über 800 Millionen Menschen in Hunger und Armut führen. Diese Realität zu erkennen, genügt jedoch nicht. Deshalb zeigen die drei Werke Handlungsmöglichkeiten auf: Das eigene Konsumverhalten verändern, Menschen in Südprojekten mit einer Spende unterstützen oder sich an einer Aktion beteiligen – so wird die Ökumenische Kampagne zum Inbegriff gelebter Solidarität.

Weiterführende Unterlagen

Auskunft zur Medienmitteilung geben Ihnen gerne:

  • Selina Stadler, Kommunikation Ökumenische Kampagne,  +41 41 227 59 22
  • Lorenz Kummer, Medien und Campaigning, HEKS, lorenz.kummer@heks.ch, +41 79 489 38 24

Corona hat die Sterblichkeit, das Leiden und die Ungerechtigkeit weltweit erhöht. Unterstützung, die schon vor Ausgangssperren, Schulschliessungen und anderen einschränkenden Massnahmen wichtig war, ist jetzt lebensnotwendig. Unsere Arbeit in den Projekten sowie die Solidarität sind wichtiger denn je.

Zahlreiche Probleme in Zeiten von Corona liegen auf der Hand, zum Beispiel die steigende Anzahl hungernder Menschen aufgrund erhöhter Lebensmittelpreise. Andere Hürden sind weniger transparent, jedoch nicht minder besorgniserregend. Mädchen, die nicht nur wegen ausfallender Schulstunden, sondern gleich noch mit einer frühen Schwangerschaft zu kämpfen haben oder Sans-papiers, welche trotz existenzbedrohender Lebensverhältnisse keinen Impftermin erhalten. Solche Geschichten drohen unterzugehen in den weltweiten Corona-Schlagzeilen zu Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Deshalb gibt Fastenaktion diesen Menschen eine Stimme und Perspektiven.

Wenn alle Stricke zu reissen drohen

In schwierigen Zeiten tendieren wir dazu, uns auf das Negative zu konzentrieren. Umso wichtiger ist es uns, auch die guten Erfahrungen und Hoffnungen unserer Projektpartner zu teilen. So haben kenyanische Frauen wegen der Corona-Ausnahmesituation von ihren Männern mehr Respekt für ihre Arbeit erhalten. Dies könnte den Weg ebnen zu mehr Geschlechtergerechtigkeit auch nach der Pandemie. Wo kein Verlass ins Gesundheitssystem ist, wird immerhin Vertrauen geschenkt:In den Philippinen, wo die Regierung versagt, bieten die Bischöfe moralische Unterstützung. In anderen Ländern wie Guatemala zeigt sich die Solidarität von innen – trotz Armut teilen die Indigenen mit den Bedürftigen, dies ist Teil ihrer Kultur. 

Erfahren Sie mehr zu Corona in unseren Projekten.

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Gewerkschaften, soziale Bewegungen und selbst die Bischofskonferenz riefen für den 21. November 2019 einen Generalstreik in Kolumbien aus. Mehrere Partnerorganisationen der Fastenaktion hatten ebenfalls zum Streik aufgerufen und nahmen in verschiedenen Regionen des Landes daran teil.

Vom frühen Morgen an brachen im ganzen Land Demonstrationszüge auf und blockierten die Strassen in die Städte. Allein in Bogotá bewegten sich 34 Demonstrationszüge durch die Stadt und legten das Wirtschaftsleben lahm. Die Frustration über die mangelnde Umsetzung der Friedensabkommen und über fehlende Reformen nahm bei vielen Kolumbianer/innen in den letzten Monaten immer stärker zu. Entsprechend laut entlud sich die Wut auf den Strassen.

Für Milton Lopez, den lokalen Koordinator der Fastenaktion-Projekte, war der Generalstreik ein historischer Moment. Noch nie kam eine solch grosse Mobilisierung von mehreren Hunderttausend Menschen und über alle Bevölkerungsschichten verteilt, zustande. Die Fastenaktion-Mitarbeitenden David Knecht und Daniel Hostettler konnten in den letzten Tagen vor Ort mit kolumbianischen Partnern die Forderungen der Streikenden diskutieren:  Alle drückten sie ihre Hoffnung aus, dass der Streik Bewegung in das Land bringe und damit auch die Projektarbeit der Fastenaktion künftig in einem dynamischeren und fortschrittlicheren Kontext stattfinden könne.

Erfahren Sie mehr über die Arbeit und die Ziele der Fastenaktion-Partner in Kolumbien.

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