Der Ständerat hat am 3. Juni kurzerhand beschlossen, Gelder von der Internationalen Zusammenarbeit (IZA) zum Militär umzuleiten. Vom IZABudget der Jahre 2025-2028 sollen zwei von elf Milliarden gestrichen und der Armee zur Verfügung gestellt werden. Fastenaktion spricht sich entschieden gegen diese weitere Schwächung der langfristigen, nachhaltigen Entwicklungszusammenarbeit aus. Nationalrat und Bundesrat müssen diesen Entscheid korrigieren.

Text: Mischa von Arb, Abteilungsleiter Medien, Information und Campaigning bei Fastenaktion

Mit den Kürzungen der Gelder für die Schweizer IZA würden Zehntausende von Kindern im Stich und Tausende von Kleinbauernfamilien auf dem Weg zu einer guten Eigenversorgung fallen gelassen. Auch die Programmarbeit von Fastenaktion droht, von diesen Kürzungen betroffen zu sein. In Haiti, wo Banden das Land terrorisieren, müssten wir die Unterstützung für tausende Menschen einstellen, in Burkina Faso, wo Terrorgruppen Familien bedrohen und von ihrem Land vertreiben, könnten wir vielen nicht mehr helfen, für ihre eigene Ernährung zu sorgen. Es gäbe noch viele weitere Beispiele, denn die Zahl der vergessenen Krisen und Konflikten auf der Welt ist enorm.

Durch unsere Arbeit verbessern wir direkt das Leben von über 600‘000 Menschen – indirekt sogar von über 2.5 Millionen. Die drohenden Kürzungen würden unsere Programme in Afrika, Asien und Lateinamerika betreffen. Wirkungsvolle Arbeit in den ärmsten Ländern würde erschwert. Ohnehin stehen von den rund 11 Milliarden Franken der staatlichen IZA nur rund 5 Prozent für die Finanzierung von Entwicklungsprogrammen durch Schweizer Hilfswerke zur Verfügung. Dieser Anteil würde durch die Kürzungen wahrscheinlich weiter reduziert werden. Der grösste Teil fliesst in die bilaterale und multinationale Entwicklungszusammenarbeit, in die Friedensförderung und in die Humanitäre Nothilfe.

Der Ständerat will die Gelder für die langfristige Entwicklungszusammenarbeit wie in Kenia streichen. Das geht zu Lasten der ärmsten Menschen.

Schweiz kommt ihrer Verpflichtung nicht nach

2011 legte das Schweizer Parlament fest, dass 0.5 Prozent des Bruttonationaleinkommens für die öffentliche Entwicklungsfinanzierung aufgewendet werden soll. Das halbe Prozent wird bereits mit dem vom Bundesrat vorgeschlagenen Budget für 2025-2028 nicht erreicht. Im Rahmen der Agenda 2030 der UNO hat die Schweiz gar 0.7 Prozent versprochen. Der Bundesrat möchte zudem 1,5 Milliarden aus dem Budget für die Ukraine aufwenden, weitere 1,6 Mrd. sind zur Deckung internationaler Klimaverpflichtungen vorgesehen. Die nun vom Ständerat verabschiedete Kürzung von zusätzlichen 2 Milliarden ist ein regelrechter Kahlschlag für die internationale Hilfe aus der Schweiz. Für die ordentliche Entwicklungszusammenarbeit würde faktisch nur noch rund die Hälfte der bisherigen Gelder zur Verfügung stehen. Dies gefährdet die Existenzgrundlage der Armuts- und Hungerbekämpfung, der humanitären Hilfe und der internationalen Zusammenarbeit zur Erreichung vereinbarter Entwicklungsziele, zu welcher sich die Schweiz verpflichtet hat.

 

Entwicklungszusammenarbeit im Interesse der Schweiz

In der Strategie der Internationalen Zusammenarbeit 2025-2028 benennt der Bundesrat entwicklungspolitische Ziele: Diese sind auch im unmittelbaren Interesse der Schweiz etwa bezüglich der globalen Gesundheit oder der Migration, aber auch im Hinblick auf Frieden, Demokratie oder den Erhalt natürlicher Lebensgrundlagen. Diese Ziele können nur verfolgt und erreicht werden, wenn ausreichend Mittel zur Verfügung stehen. Mit einer zusätzlichen Kürzung um 2 Milliarden Franken wie sie der Ständerat vorschlägt, würde die Umsetzung der Strategie verhindert, bevor sie startet. Deshalb setzen sich Fastenaktion und weitere Schweizer Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit dafür ein, dass diese Gelder nicht gekürzt werden. 

Wir setzen uns im Rahmen von Alliance Sud mit der Kampagne «Mehr Solidarität» für eine nachhaltige und stabile Finanzierung der Entwicklungszusammenarbeit ein. Mehr über die Kampagne erfahren Sie hier.

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Die Lage in Haiti bleibt dramatisch: Zwar ist sind inzwischen ein neuer Premierminister und ein Übergangsrat im Amt, doch die Hauptstadt Port-au-Prince ist weiterhin unter Kontrolle von kriminellen Banden. Die Versorgungslage auf der Karibikinsel wird derweil immer prekärer. Fastenaktion hat deshalb beschlossen, die Menschen in unseren Projekten gezielt mit Nothilfe zu unterstützen, um ihre Ernährungssituation zu verbessern.

Text: Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion

Die Partnerorganisationen von Fastenaktion arbeiten mehrheitlich im ländlichen Raum im Nordwesten Haitis. Die Menschen dort leben oft in prekären Verhältnissen und betreiben Landwirtschaft für den Eigenbedarf. Zwar sind sie vom Terror der kriminellen Banden bisher nicht direkt betroffen, jedoch bekommen auch sie die dadurch ausgelösten Versorgungsengpässe zu spüren: Die Banden blockieren den Hafen der Hauptstadt Port-au-Prince und wichtige Überlandstrassen. Ausserdem hat der Inselnachbar, die Dominikanische Republik, die Grenzen geschlossen – viele Güter des täglichen Bedarfs sind dadurch blockiert. Zudem hat sich auch das lokal hergestellte Saatgut erheblich verteuert.

Die Folgen: eine galoppierende Inflation und eine rapide Zunahme von Armut und Hunger. Fastenaktion unterstützt deshalb vier Partnerorganisationen auf Haiti bei gezielter Nothilfe für die Ärmsten in unseren Projekten. Die Hilfe besteht aus zwei Elementen: Einerseits verteilen die Partnerorganisationen Saatgut, etwa für Bohnen, Erbsen oder Yams, damit die Menschen trotz der Krise anpflanzen und später ernten können.

 

Die Bevölkerung braucht Hilfe

Andererseits organisieren sie bezahlte Gemeinschaftsarbeit zur Verbesserung der Infrastruktur, etwa die Reparatur eines Bewässerungskanals, der Erosionsschutz bei Feldern oder die Wiederaufforstung. So kommen die Menschen kurzfristig zu Bargeld, das sie normalerweise mit dem Verkauf von landwirtschaftlicher Überproduktion verdienen würden. Doch dieser Verkauf wird derzeit durch Strassenblockaden massiv erschwert.  

Das verteilte Saatgut stammt aus der Region selbst  und kann deshalb ohne grössere Einschränkungen zu den betroffenen Bäuerinnen und Bauern transportiert werden. Eine direkte Lebensmittelhilfe mit Produkten von ausserhalb wäre hingegen logistisch derzeit schwierig.

In Haiti ernähren sich die Menschen hauptsächlich von ihren eigenen landwirtschaftlichen Erträgen.

Übergangsrat soll Wahlen aufgleisen

Die Sicherheitslage im Land bleibt derweil dramatisch. Zwar ist seit Ende April ein neunköpfiger Übergangsrat im Amt, der den bisherigen Interimspremier Ariel Henry offiziell abgelöst hat. Doch die Einschwörungszeremonie in Port-au-Prince fand im Geheimen statt, aus Angst vor Angriffen der kriminellen Banden, welche die Hauptstadt faktisch weiterhin kontrollieren.

Der Übergangsrat – eine Frau und acht Männer – repräsentiert Haitis wichtigste politische Parteien sowie die Zivilgesellschaft und Glaubensgemeinschaften. Er wird auch von den USA und der karibischen Gemeinschaft Caricom gestützt und soll ein Kabinett ernennen und Wahlen aufgleisen. Bereits ernannt hat der Rat einen neuen Premierminister, den Entwicklungsexperten und früheren Unicef-Regionaldirektor für Lateinamerika Garry Conille. Vergangene Woche kam auch eine Delegation aus Kenia auf Haiti an, die den Einsatz einer kenianisch geführten Uno-Sicherheitsmission vorbereitet. Bis zu 1000 Polizisten sollen dabei helfen, die Banden zu bekämpfen und die Sicherheitslage im Land zu stabilisieren.

«Es ist weiterhin zu gefährlich, Port-au-Prince zu verlassen», sagt der Koordinator von Fastenaktion.

Tote, Verletzte und Hungernde

Haitis Situation ist seit der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse 2021 noch chaotischer als ohnehin schon. Ende Februar jedoch eskalierte die Lage, als bewaffnete Banden die Macht in der Hauptstadt übernahmen. Ausländische Regierungen haben seither Hunderte ihrer Bürger evakuiert. Allein dieses Jahr wurden 2500 Menschen getötet oder verletzt, rund 1.6 Millionen droht eine Hungersnot.

«Es ist weiterhin zu gefährlich, Port-au-Prince zu verlassen», sagt der Koordinator von Fastenaktion, der in einem Vorort der Hauptstadt lebt und seit Wochen von zu Hause aus arbeitet. Er ist jedoch zuversichtlich, dass sich die Sicherheitslage noch dieses Jahr bessern wird . «Voraussetzung dafür ist, dass der Übergangsrat für Sicherheit im Land sorgt und transparente Wahlen organisieren kann.» Ausserdem werde es substanzielle Wirtschaftshilfe von aussen brauchen – und eine Perspektive für die Menschen. «Die Entscheidungsprozesse im Rat werden sicherlich länger dauern. Aber da alle wichtigen politischen Kräfte darin vertreten sind, besteht Hoffnung, dass bisherige Blockaden überwunden werden können.» 

Erfahren Sie hier im Hintergrundtext mehr über die vielfältigen Hintergründe der Dauerkrise in Haiti.

Zwei Bewohnerinnen in einem Dorf in Haiti.
Die Menschen in Haiti hoffen auf eine baldige Verbesserung der Sicherheitslage und eine friedliche Zukunft.

Fastenaktion setzt knapp 80 000 Franken für die Nothilfe in Haiti ein. Aus diesem Anlass rufen wir zu Spenden auf. Jeder Beitrag zählt, um die betroffenen Menschen zu unterstützen. Klicken Sie hier, um zu spenden.

Fastenaktion unterstützt die Ärmsten in 14 Ländern des globalen Südens. Doch in einigen wird dies durch Konflikte, Terror oder politische Unruhen zusätzlich erschwert. Darunter sind auch langjährige Krisen, welche die Öffentlichkeit kaum mehr beachtet.

Text: Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion

Die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit für Krisen, Kriege und Konflikte ist begrenzt. Der Fokus liegt aktuell vor allem auf der Ukraine und Gaza, doch es gibt noch Dutzende weitere Konfliktregionen, über die in unseren Medien kaum je berichtet wird. 

Zum Beispiel die Demokratische Republik Kongo, in der Fastenaktion in 13 Projekten die Ernährungssituation von rund 16‘000 Menschen verbessert. Der zweitgrösste Staat Afrikas (56-mal die Fläche der Schweiz) gehört trotz enormen Rohstoffreichtums zu den ärmsten Ländern der Welt. Knapp 7 Millionen Menschen sind landesintern auf der Flucht, insbesondere im Osten.

Seit bald 30 Jahren Gewalt im Kongo

Rund 200 bewaffnete Gruppen kämpfen im Kongo um territoriale Machtansprüche – und letztlich um die Kontrolle über natürliche Ressourcen. Es herrscht Willkür und Gewalt, täglich sterben Menschen. Hinzu kommt weitverbreiteter Hunger.  

Seit bald 30 Jahren folgen in der DR Kongo Konflikte und Bürgerkriege aufeinander. Die Welt hat sich daran gewöhnt, das Leid, so furchtbar es ist, ist nicht mehr newswürdig. Diese Mauer der Gleichgültigkeit hat Haiti im März für kurze Zeit durchbrochen – im karibischen Inselstaat löst seit Jahrzehnten eine Krise die nächste ab. 

 

Anarchie auf Haiti

Fastenaktion stabilisiert dort in 10 Projekten die Ernährungssicherheit von rund 8000 Menschen. Der Staat, der seit langem zu den ärmsten der Welt gehört, steht derzeit ohne funktionsfähige Regierung oder Behörden da; es herrscht faktisch Anarchie. Die Hauptstadt Port-au-Prince wird weitgehend von bewaffneten Banden kontrolliert, die im März den Rücktritt des interimistischen Premierministers erzwungen haben. Was dem Land einen kurzen Augenblick öffentlicher Aufmerksamkeit bescherte. 

Die erhält es sonst nicht, obwohl allein 2023 knapp 5000 Menschen durch Bandengewalt ums Leben kamen und knapp 3000 entführt wurden. Schon 314‘000 Menschen wurden durch Gewalt und Plünderungen aus ihren Wohnorten vertrieben. 43 Prozent der Bevölkerung (mehr als vier Millionen Menschen) sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Der Kongo ist reich an wertvollen Rohstoffen wie Kobalt. Verschiedene Interessengruppen kämpfen um die Kontrolle der seltenen Erden.

Wirksame Arbeit trotz Terror und Korruption

Ähnliche vergessene Konflikte gibt es auch noch in anderen unserer Programmländer: Burkina Faso leidet unter jihadistischem Terror, in Teilen der Philippinen kämpfen muslimische Gruppierungen seit Jahrzehnten mit Waffengewalt um mehr Autonomie oder Unabhängigkeit, in Kolumbien herrscht erst seit Kurzem ein fragiler Friede zwischen einer der Guerillagruppen und der Regierung, dafür üben andere bewaffnete Gruppen, Dissidenten sowie kriminelle Banden vermehrt Gewalt aus. Der Norden Kenias beherbergt die zwei grössten Flüchtlingslager der Welt, mit über 600‘000 Vertriebenen aus diversen Konflikten der Region.  

Und gleich mehrere Länder, in denen Fastenaktion aktiv ist, leiden seit Jahrzehnten unter mehr oder weniger korrupten Regierungen und einer kleinen Oberschicht, die sich nicht um die Leiden der Bevölkerung schert – und die teils äusserst lukrativen Einnahmen aus natürlichen Ressourcen in ihre eigenen Taschen leitet. Trotz dieser erschwerten Bedingungen gelingt es Fastenaktion und ihren Partnerorganisationen in diesen Ländern wirksame Arbeit zu leisten und die Ernährungssituation der Ärmsten zu verbessern. 

Wir möchten, exemplarisch für die verschiedenen vergessenen Konflikte, einen genaueren Blick auf die Lage in Haiti und in der Demokratischen Republik Kongo werfen, die Hintergründe dieser Krisen erklären und zeigen, wie es unseren Partnerorganisationen dennoch gelingt, vor Ort erfolgreich zu arbeiten.

In Haiti sichern unsere Projekte trotz der schwierigen Situation die Ernährung von 8000 Menschen.

Fastenaktion verurteilt jede Form von Machtmissbrauch, insbesondere auch sexuelle Übergriffe. Es gibt dazu explizite Richtlinien, die alle Mitarbeitenden und Partnerorganisationen lesen und unterschreiben müssen. Vorfälle können einer Vertrauensperson, aber auch online und anonym gemeldet werden.

Text: Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion

Machtmissbrauch und Übergriffe können überall stattfinden, wo Menschen zusammenarbeiten. Auch in der Entwicklungszusammenarbeit. Wir sind als Organisation jedoch schon seit vielen Jahren darum bemüht, dieses Thema aktiv anzugehen und konnten schon mehrfach Fälle von Missbrauch bei Partnerorganisationen aufdecken oder mithelfen diese aufzuarbeiten. Wir investieren in die Prävention, um Missbräuche zu verhindern, ermutigen zur Meldung von Fällen und bearbeiten diese gemeinsam mit den Whistleblower:innen und Betroffenen.  

Einerseits gibt es eine Richtlinie gegen Machtmissbrauch, die alle Mitarbeitenden vor dem Stellenantritt lesen und unterscheiben müssen – und die auch für alle anderen Organisationen und Menschen gilt, die mit Fastenaktion zusammenarbeiten. Andererseits thematisieren wir Machtmissbrauch bewusst in unseren Programmen sowie innerhalb von Fastenaktion selbst und arbeiten dazu mit internen und externen Fachpersonen zusammen. Unsere kultursensiblen Ansätze zeigen Wirkung: Die Anzahl gemeldeter Fälle aus Projekten im globalen Süden nimmt zu, das Thema wird enttabuisiert. 

Eine ernsthafte Präventionsarbeit ist entscheidend, um Machtmissbrauch und Übergriffe zu verhindern.

Schuldige zur Rechenschaft ziehen 

Fastenaktion verurteilt jede Form von Machtmissbrauch, insbesondere auch sexuelle Übergriffe wie sie kürzlich in der katholischen Kirche der Schweiz aufgedeckt worden sind. Die schuldigen Personen müssen zur Rechenschaft gezogen werden, egal auf welcher Hierarchiestufe.

Bei Fastenaktion gibt es eine Stelle, bei der Vorfälle direkt gemeldet werden können; dies ist auch online und anonym möglich. Allerdings erreichen uns die meisten Meldungen über Vertrauenspersonen in den Programmländern.  Und jede Meldung ist ein Fortschritt, so schrecklich jeder einzelne Missbrauch auch ist: In der «Mauer des Schweigens» entstehen Risse, die Betroffenen haben genug Vertrauen gefasst, dass sie bereit sind, Missstände anzusprechen – weil sie sehen, dass sie ernst genommen und geschützt werden, der Fall untersucht wird und zu Konsequenzen für die Täter:innen führt.  

Wenn wir von Missbräuchen in den Programmen im Ausland erfahren, greifen wir ein: Für die Täter:innen kann dies arbeitsrechtliche und zivilrechtliche Konsequenzen haben, den Betroffenen vermitteln wir psychologische und juristische Unterstützung. Wir orientieren uns dabei an ihren Bedürfnissen und stellen sicher, dass sie selbst jeden Schritt mitentscheiden können. In der Schweiz können sich Mitarbeitende an eine unabhängige Ombudsstelle wenden.

Treiberin einer positiven Veränderung 

Fastenaktion ist wichtig, mit gutem Beispiel voranzugehen. Trotz dieser Massnahmen können wir nicht alle Fälle von Machtmissbrauch verhindern. Wir können aber dafür sorgen, dass wir die Strukturen so verändern, dass mehr Fälle gemeldet werden, weniger Übergriffe passieren und die Betroffenen echte Unterstützung erfahren.Da besondere Risiken bei grossem Machtgefälle bestehen, ist Fastenaktion als Organisation mit hoher Transparenz und starker Mitwirkung von Gremien und Mitarbeitenden weniger anfällig für Machtmissbrauch. 

Wir sind uns aber bewusst, dass auch wir als Geldgeberin Bestandteil von Machtstrukturen sind – damit setzen wir uns seit einigen Jahren intensiv auseinander und sensibilisieren auch im NGO-Bereich. Trotz erster Erfolge ist der Weg noch lang, und es ist ein konstanter Lernprozess. Aber Fastenaktion sieht sich als Treiberin einer positiven Veränderung bei diesem Thema, im In- und Ausland. Denn jeder Fall ist einer zu viel.

Fastenaktion unterstützt Betroffene und handelt nach ihren Bedürfnissen.

Fastenaktion duldet keinen Betrug, keine Korruption, keine sexuelle Belästigung und keine Übergriffe in ihren Projekten. Lesen Sie hier mehr über das Thema Machtmissbrauch und unseren Umgang damit.

Nach einer sexuellen Belästigung in einem unserer Programmländer in Asien wurde nicht nur dem Täter gekündigt, es entstanden auch neue Richtlinien bei der Partnerorganisation. Unsere Compliance-Verantwortliche erklärt die Hintergründe.

Ein Gespräch mit Vreni Jean-Richard , Fachverantwortliche für Machtmissbrauch in den Programmländern von Fastenaktion
Text: Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion

Was ist passiert?

Ein Mann, der von einer unserer Partnerorganisationen in Asien neu angestellt wurde, hat dort eine Frau sexuell belästigt und ihr zudem mit indigener Magie gedroht. Dies mag sich im europäischen Kontext eigenartig anhören, die Frau fürchtete aber deshalb um ihr Leben.

Wie erfolgte die Meldung?

Die Frau sprach dies in ihrem Team direkt an. Sie wurde jedoch belächelt, man sagte ihr, sie solle die Belästigung als Kompliment auffassen. Diese sexistische Reaktion ist leider noch immer verbreitet, in der Schweiz wie im Ausland.  

Der Mann hatte eine starke Position im Team, weil er von höchster Stelle empfohlen worden war. Aber auch weil er aus einer indigenen Minderheit einer entlegenen Region stammte, in der die Partnerorganisation sich engagierte, was ihrer Arbeit dort eine erhöhte Glaubwürdigkeit verlieh. Es bestand ausserdem intern die Sorge, dass der Vorfall ausgenutzt werden könnte, um der Organisation zu schaden und ihre Arbeit zu diskreditieren. Denn sie engagiert sich gegen einen internationalen Konzern, der vor Ort Mineralien abbaut und die Rechte der indigenen Minderheit nicht respektiert.  

Die Frau berichtete den Vorfall auch ihrer Familie, die sie ernstnahm und in der Folge ihren Chef damit konfrontierte und ihr zur Kündigung riet. Fastenaktion erfuhr davon, als die Frau an einem unserer Genderworkshops teilnahm. Dabei wurde ihr erst richtig bewusst, dass das Verhalten ihres Kollegen und des Teams nicht normal und keinesfalls akzeptabel war. Deshalb erzählte sie am Ende den Moderatorinnen von dem Missbrauch. Diese meldeten es der Landesprogramm-Koordination. 

Vreni Jean-Richard auf einem Projektbesuch in Senegal.

Wie stellten wir sicher, dass alle Informationen korrekt sind?

Der Tatbestand war nie in Frage gestellt, da alles ziemlich offen und vor Zeug:innen geschehen war. Die Koordination sprach im Namen von Fastenaktion mit der Frau und mit ihrem Einverständnis auch mit dem Chef der Partnerorganisation. Dieser führte in der Folge interne Abklärungen durch

Wie ging es weiter?

Dem Mann wurde schliesslich gekündigt, die Frau arbeitet weiterhin dort. Und die Organisation hat den Machtmissbrauch danach offen thematisiert, ihre Haltung verändert und Richtlinien gegen solche Missbräuche eingeführt. Dieses positive Resultat wurde ermöglicht, durch die Diskussionen mit den Führungskräften rund um den Fall, andererseits durch den Genderworkshop und die langjährige Sensibilisierungsarbeit.

Wie üblich ist ein derart positiver Ausgang?

Das ist leider nicht der Standard. Manchmal trifft es die Betroffenen schlimmer als die Täter:innen, sie verlieren ihren Job, ihre Familien leiden unter dem Fall, und die Personen stehen unter grossem sozialen und psychologischen Druck, ihre Vorwürfe zurückzuziehen. Das ist aber nicht nur im fernen Ausland so, sondern auch in der Schweiz noch immer ein häufiger Ausgang bei Meldungen über sexuelle Übergriffe und anderen Machtmissbrauch. Fastenaktion möchte diese Tatsache verändern, schützt und stärkt Betroffene und setzt sich dafür ein, dass Täter:innen Verantwortung übernehmen müssen.

Fastenaktion duldet keinen Betrug, keine Korruption, keine sexuelle Belästigung und keine Übergriffe in ihren Projekten. Lesen Sie hier mehr über das Thema Machtmissbrauch und unseren Umgang damit.

Fastenaktion erhält pro Jahr rund ein Dutzend Meldungen zu Machtmissbräuchen aus ihren Programmländern in Afrika, Asien oder Lateinamerika. Und jede Meldung sei ein gutes Zeichen, sagt Vreni Jean-Richard, die diese Vorfälle jeweils bearbeitet. Hier erklärt sie, weshalb das so ist und wie wir mit Missbräuchen umgehen.

Ein Interview mit Vreni Jean-Richard , Fachverantwortliche für Machtmissbrauch in den Programmländern von Fastenaktion
Text: Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion

Wie häufig bist du bei Fastenaktion mit Machtmissbräuchen konfrontiert?

Vorfälle, die Konsequenzen nach sich ziehen, gibt es etwa ein Dutzend pro Jahr. Diese Zahl hat sich in den letzten Jahren kaum verändert, die Themen jedoch schon: Veruntreuungs- und Korruptionsfälle haben abgenommen – die Leute sind dafür inzwischen sensibilisierter, und die Kontrollmechanismen greifen besser. Zugenommen hingegen hat die Zahl der gemeldeten sexuellen Übergriffe.

Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?

Wir müssen davon ausgehen, dass überall, wo Menschen zusammenarbeiten, Machtmissbrauch geschehen kann; dazu gehören leider auch sexuelle Übergriffe. Jede Meldung ist deshalb paradoxerweise ein gutes Zeichen. Denn sie zeigt, dass die Betroffenen uns vertrauen und davon ausgehen, dass wir sie ernst nehmen und ihre Meldung Konsequenzen für die Täter hat – fast ausschliesslich Männer übrigens. Wir sorgen auch aktiv dafür, dass Partnerorganisationen in anderen Ländern von solchen Erfahrungen lernen und ebenfalls Bedingungen schaffen, in denen Fälle gemeldet werden können.

Und warum werden nicht mehr Fälle gemeldet?

Weil es in vielen Ländern und für viele Betroffene schwierig ist, solche Themen auch nur anzusprechen. Dennoch haben alle unsere Programmländer in den letzten Jahren Fortschritte gemacht. Je nach Kultur braucht es einen anderen Zugang, oft beginnt es mit Themen wie Konfliktmanagement, Feedbackkultur, Transparenz oder Gender. Ist damit mal eine Basis gelegt, können wir Missbräuche auch direkter ansprechen. Es ist wichtig, dass die Menschen verstehen, worum es geht und es mit ihren Werten, Anschauungen und ihrer Kultur vereinbaren können. Sonst riskieren wir, dass wir nur Scheinbekenntnisse erhalten.

Fastenaktion hat eine Richtlinie gegen Machtmissbrauch, die für alle Mitarbeitenden und Partnerorganisationen verbindlich ist. Reduziert das den Missbrauch?

Die Richtlinie trägt dazu nur wenig bei . Die Leute merken dadurch jedoch, dass uns das Thema wichtig ist. Letztlich ist es vor allem ein Sensibilisierungsinstrument, das allein nichts verhindern kann. Aber es gibt uns darüber hinaus eine juristische Handhabe, wenn dennoch etwas passiert. Das kann  schon auch abschreckend wirken.

Die Fotos stammen aus einem Schulungsvideo von Fastenaktion, in dem für Missbrauchssituationen sensibilisiert wird.
Die Fotos stammen aus einem Schulungsvideo von Fastenaktion, in dem für Missbrauchssituationen sensibilisiert wird.

Welche Art Missbräuche werden gemeldet?

Neben sexuellen Übergriffen meist Formen von Korruption wie Veruntreuung oder Vetternwirtschaft. Etwa wenn jemand in einer Partnerorganisation Leute aus der eigenen Familie anstellt, was oft aufgrund von sozialem Druck passiert. Die Grenzen zwischen Unwissenheit und Korruption sind dabei fliessend, und die sozialen Normen spielen eine Rolle. In der Schweiz geht es meist um übertriebene Geschenke von Geschäftspartner:innen oder um zwischenmenschliche, personelle Konflikte. Auch diese nimmt Fastenaktion als Arbeitgeber ernst, in dem die Personalverantwortliche, die Personalkommission oder eine externe Ombudsstelle zur Verfügung stehen, bei der sich Mitarbeitende anonym und kostenlos beraten lassen können.

Was genau passiert, wenn Fastenaktion ein Missbrauch gemeldet wird?

Ich nehme den Vorfall mit einem kleinen Gremium zusammen auf, konkret bearbeitet wird er jedoch vor Ort, also vom Koordinationsbüro und den Leuten in den Partnerorganisationen. Nah dran ist auch der oder die Landesprogrammverantwortliche. Wir beraten diese Teams und können finanzielle Unterstützung für Massnahmen oder Betroffene sprechen. Die Aufarbeitung solcher Fälle ist sehr aufwendig und immer eine grosse Belastung für das Team, zeitlich wie emotional. Was genau passiert, ist sehr individuell. Es gibt leider keine Standard-Checkliste, jeder Fall und Kontext ist total unterschiedlich. Wichtig ist, dass die betroffenen Personen über den Prozess entscheiden können, so dass sie zumindest bei der Bearbeitung ihres «Falles» die Führung in der Hand haben und nicht über ihren Kopf hinweg entschieden wird. Einige Opfer wollen Gerechtigkeit und Konsequenzen für den:die Täter:in, andere nicht mal, dass die Person konfrontiert wird. Wir müssen das dann schweren Herzens akzeptieren. Was wir aber stets anbieten, ist psychologische und juristische Beratung, die auch meist genutzt wird. Je nach dem unterstützen wir auch bei einem Stellenwechsel oder einer Ausbildung. Meistens dauert es mehrere Monate oder gar Jahre, bis wir einen Fall sauber abschliessen können.

Am häufigsten treten Fälle von Machtmissbrauch in Form von sexuellen Grenzüberschreitungen auf.

Wie oft führt die Aufarbeitung zu einem befriedigenden Abschluss?

Leider nicht so oft. Selbst wenn am Ende formal sowas wie Gerechtigkeit hergestellt ist, weil der:die Täter:in seinen:ihren Job verliert oder gar rechtlich belangt wird, schlagen solche Vorfälle tiefe Wunden, die oft jahrelang nicht heilen; insbesondere bei einem sexuellen Übergriff. Deshalb ist Prävention so wichtig, um die Zahl der Fälle möglichst tief zu halten. Und es kommt natürlich auch vor, dass sich keine Gerechtigkeit herstellen lässt. Dass das Opfer stigmatisiert und unter Druck gesetzt wird und am Ende gar den Job verliert. Solche Dynamiken kennen wir auch aus der Schweiz mit Whistleblower:innen. Fastenaktion unternimmt jedoch alles, um einen solchen Ausgang abzuwenden. Passiert es dennoch, unterstützen wir die Betroffenen auch in dieser schwierigen Situation weiter auf der Suche nach einer Lösung.

In welcher Form können Missbräuche überhaupt geahndet werden?

Einerseits tatsächlich durch die Partnerorganisation selbst, in dem der:die Täter:in entlassen wird. Wenn möglich geben wir in unserem Netzwerk eine Warnung weiter, damit er:sie nicht in einer anderen, ähnlichen Organisation unterkommt und einfach weitermacht. Gelegentlich kommt auch die nationale Justiz ins Spiel, aber nur wenn die betroffene Person das möchte. Die Chance, dass ihr dies direkt etwas bringt, ist leider meist gering. Es besteht im Gegenteil ein hohes Risiko für eine Retraumatisierung, weil die Betroffenen ihre Geschichte immer wieder erzählen müssen, kriminalisiert und beschuldigt werden. Zudem werden ihre Familien manchmal sozial unter Druck gesetzt. Aber wenn eine betroffene Frau oder ein Mann sich entscheidet, diesen Weg zu gehen, unterstützen wir sie oder ihn vollumfänglich, juristisch, finanziell und psychologisch.

Auch in Ländern mit einem nur mässig funktionierenden Rechtsstaat?

Wenn das Opfer den Mut hat, es trotzdem zu versuchen, auch dann. Manchmal geht es darum, ein Zeichen zu setzen, das Thema zu enttabuisieren, auch wenn die Justiz noch nicht mitmacht. Gesellschaftlich kann sich das durchaus lohnen. Rechtlich ist es aber mit hoher Wahrscheinlichkeit aussichtslos, und es kostet natürlich extrem viel Kraft, weil sich ein juristischer Prozess über Jahre hinziehen kann oder im Sand verläuft.

Opfer von Machtmissbrauch müssen unterstützt und begleitet, sollten aber nicht bevormundet werden.

Wie verbreitet sind Missbräuche in der Entwicklungszusammenarbeit?

Sie sind in allen Gesellschaften und Strukturen verbreitet. Aber sie häufen sich, wenn das Machtgefälle gross ist – wie etwa in der Entwicklungszusammenarbeit. Denn wir im Norden haben das Geld und die Jobs. Ein Mandat durch uns kann im globalen Süden die Existenz einer Grossfamilie sichern. Hat man eine solche Stelle einmal, ist der Druck gross, sie auch zu behalten. Die meisten internationalen Entwicklungsorganisationen sind inzwischen sensibilisiert für Missbräuche und arbeiten präventiv und mit Meldestellen. Es ist aber gar nicht leicht, das so zu machen, dass es auch funktioniert. Mit einem Workshop und einer anonymen Telefonnummer ist es nicht getan.

Was macht Fastenaktion, um dieses Machtgefälle auszugleichen?

Wir arbeiten sehr eng mit den Menschen vor Ort zusammen, und immer über viele Jahre. Das Geld kommt zwar durch uns, aber die Organisationen und Menschen im Land entscheiden mit, wie und wofür diese Mittel eingesetzt werden. Durch die langjährige enge Zusammenarbeit sind wir gut vertraut mit den lokalen Gegebenheiten. Ausserdem entsteht ein Vertrauensverhältnis, was ganz entscheidend ist, damit die Menschen es wagen, einen Übergriff zu melden. Zudem stellen wir sicher, dass alle wissen, was bei Missbräuchen passiert: dass wir die Betroffenen schützen und alles daransetzen, dass es für die Täter Konsequenzen gibt.

Wie ist Fastenaktion bei dem Thema aufgestellt verglichen mit anderen Entwicklungsorganisationen?

Gut – das schliesse ich auch aus Rückmeldungen, die wir bekommen. Ich denke, das liegt vor allem daran, dass wir den Mut haben, neue Wege zu gehen und uns erst zufriedengeben, wenn die Fälle auch wirklich gemeldet werden. Wir anerkennen die Komplexität der Fälle und Kontexte, denn was in einem Dorf funktioniert, kann schon im Nachbardorf völlig wirkungslos sein. Wir haben schon früh mit Prävention und Ahndung angefangen und zeigen seit Jahren, dass wir vor diesen Themen nicht zurückscheuen, sondern sie ernstnehmen. All dies bringt uns Anerkennung von anderen Organisationen und Geldgebern. Allerdings sind auch wir noch lange nicht da, wo wir sein möchten. Wir müssen noch viel Arbeit leisten, bis wirklich jede Person in unseren Projekten versteht, was nicht erlaubt ist, und sich getraut, Missbräuche tatsächlich zu melden. 

Die Entwicklungszusammenarbeit ist anfällig für Machtmissbrauch. Deshalb sind Sensibilisierung und Prävention zentral.

Fastenaktion duldet keinen Betrug, keine Korruption, keine sexuelle Belästigung und keine Übergriffe in ihren Projekten. Lesen Sie hier, wie wir bei einem realen Missbrauchsfall vorgegangen sind und welche Konsequenzen der Fall im Projektland auslöste.

Edgar Hernandez ist Theologe und Sozialarbeiter, Direktor der Caritas Verapaz. Caritas Verapaz ist ein Partner der Fastenaktion in Guatemala.

Guatemala - Keine Aussicht auf Gerechtigkeit

Vor einer Woche hat Generalstaatsanwältin Consuelo Porras den Sonderstaatsanwalt gegen Straffreiheit Juan Francisco Sandoval entlassen. Er war der letzte im guatemaltekische Staatsapparat, der versuchte gegen die grassierende Korruption zu kämpfen. Aus Angst um sein Leben und das seiner Familie, hat er sich nach El Salvador abgesetzt.

Dazu ein Interview mit Edgar Hernandez, Direktor der Fastenaktion Partnerorganisation Caritas Verapaz.

Warum musste der wichtigste Ermittler zur Korruptionsbekämpfung Juan Franzisco Sandoval fliehen?

Edgar Hernandez: Die von Sandoval geleitete Behörde Feci war aus der Uno-Kommission gegen die Straflosigkeit (CICIG) hervorgegangen. Eingesetzt wurde diese Ende 2006, um gegen Menschenrechtsvergehen durch das organisierte Verbrechen und die chronische Korruption in Guatemala vorzugehen. Doch die CICIG, die einst als Modell für eine rechtsstaatliche Wende in Zentralamerika galt, musste bereits unter Giammatteis Vorgänger Jimmy Morales das Land verlassen. Seit der Auflösung der CICIG wurde der Prozess der Ausrottung jeder Einrichtung oder Person die sich gegen Korruption in der Staatsmacht ausspricht, durch die Regierung fortgesetzt. Die Entlassung von Sonderstaatsanwalt Sandoval war nur eine Frage der Zeit, da er der Einzige war, der der korrupten Elite auf den Pelz rückte. Sandoval blieben nur zwei Möglichkeiten: Ins Exil zu gehen oder mit unbegründeten Anschuldigungen vor Gericht gestellt oder verfolgt zu werden, was sein Leben und das seiner Familie bedroht hätte.

Die guatemaltekische Bischofskonferenz protestiert gegen die Entlassung, aber hört die Regierung auf die Stimme der Bischöfe?

Der guatemaltekische Episkopat hat sich in seinem Communiqué klar geäussert. Er betont, dass die Entlassung des Sonderstaatsanwalts Sandoval für Guatemala ein «nicht wiedergutzumachendes Unrecht an der Gerechtigkeit und dem Rechtsstaat in Guatemala» sei. Er ist sich zudem bewusst, dass diese Entlassung Unruhe und Unzufriedenheit in der guatemaltekischen Bevölkerung hervorrufen wird. Mehrere Bischöfe haben in ihren Diözesen die Widerstandsdemonstrationen unterstützt und nehmen sogar daran teil. Die Regierung hört nicht mehr auf die Stimme der Bischöfe, sie sind jedoch immer noch sehr einflussreich in der guatemaltekischen Zivilbevölkerung.

Was kann Fastenaktion tun?

Die enge Solidarität mit den Partnern in Guatemala aufrechterhalten: Genaue Informationen über die Geschehnisse, insbesondere über die Geschehnisse in den einzelnen Regionen des Landes, breit veröffentlichen. Die Informationen in unseren lokalen Medien sind sehr einseitig; was über die Massenmedien Fernsehen und Radio verbreitet wird, wird von der Regierung und den Wirtschaftsmächten kontrolliert. Es wäre für uns eine grosse Hilfe, wenn die Schweizer Bevölkerung Informationen erhalten könnte, die mehr mit den Geschehnissen in Guatemala übereinstimmen.

Edgar Hernandez ist Theologe und Sozialarbeiter, Direktor der Caritas Verapaz. Caritas Verapaz ist ein Partner der Fastenaktion in Guatemala.

Unterstützen Sie unsere Arbeit in Guatemala

Wir danken herzlich für jede Spende.