Christa Suter ist Expertin für Ernährungssysteme und kümmert sich bei Fastenaktion um das Landesprogramm in Kenia. Im Gespräch zum Welthungertag erklärt sie, weshalb so viele Menschen unter Hunger leiden und welche Ansätze trotz allem Hoffnung schaffen.

Text von Manolito Steffen, OnlineRedaktor bei Fastenaktion

Jeder zehnte Mensch auf der Welt hat nicht genug zu essen. Weshalb sind es noch immer so viele? 

In jeder Region gibt es unterschiedliche Gründe für Hunger. Die klimatischen Veränderungen wirken sich jedoch weltweit auf die Landwirtschaft aus und vermindern die Erträge. Hinzu kommen häufig politische und wirtschaftliche Faktoren: Wer hat Zugang zu ausreichend gesunder Nahrung? Und wer kann sich welche Nahrung leisten? Vielerorts ist das Preisniveau für Getreide und andere Nahrungsmittel geradezu explodiert, weil auch die Benzin- und Energiekosten steigen. Die Inflation in den Projektländern von Fastenaktion ist um einiges höher als in der Schweiz. Wer schon in extremer Armut lebt, kann sich diese Preise schlicht nicht leisten. 

«Die Hungersituation in vielen Ländern gibt weiterhin Anlass zu grosser Sorge»

Immerhin hungern knapp 100 Millionen Menschen weniger als im vergangenen Jahr, rund 700 Millionen insgesamt. Zeichnet sich also eine Verbesserung der Situation ab? 

Nur unwesentlich, die Lage ist immer noch höchst dramatisch. Während der Hunger seit dem Jahr 2000 schrittweise zurück ging, erleben wir seit 2015, dass die Fortschritte stagnieren, respektive sich der Hunger während der Corona-Pandemie nochmals verschärft hat. Erfolge gibt es punktuell, aber die Hungersituation in vielen Ländern gibt weiterhin Anlass zu grosser Sorge. Denn hinter jedem Menschen steht ein persönliches Schicksal. Und Hunger wirkt sich ein Leben lang aus, besonders die Entwicklung von Kindern wird beeinträchtigt. Aber auch Frauen sind stark betroffen: Sie sind es häufig, die verzichten, wenn das Essen nicht für die ganze Familie reicht.  

 

Hätten wir denn grundsätzlich genug Nahrung, um weltweit alle zu ernähren? 

Ja, eigentlich gäbe es genügend Essen für alle Menschen. Neben der grossen Menge Nahrungsmittel, die weggeworfen werden, ist aber insbesondere die Verteilung ungerecht. Sowohl zwischen dem globalen Süden und Norden als auch in den Ländern selbst. Letztlich ist es eine moralisch-ethische Frage, ob wir als globale Gemeinschaft bereit sind, diesen ungerechten Zustand zu verändern oder nicht. 

Die kenianische Bäuerin Faith Wanjiru schneidet eine Frucht, die sie zuvor aus ihrem Garten geerntet hat. Der Welthunger kann durch agrarökologische Anbaumethoden gebremst werden.
Umso mehr Nahrungsmittel eigenhändig produziert werden, desto unabhängiger sind die Menschen von den hohen Marktpreisen.

Du bist auch für das Landesprogramm von Fastenaktion in Kenia verantwortlich. Wie ist dort die Lage? 

Im westlichen Kenia konnten die Bäuerinnen und Bauern ernten, jedoch folgte eine Trockenheit. In der zweiten Anbausaison hat es wieder geregnet. Allerdings waren die Niederschläge so heftig, dass es vielerorts Überschwemmungen gab. Die Menschen im Südosten des Landes warten hingegen immer noch auf Regen. Die Bäuerinnen und Bauern haben keine Bewässerungssysteme und sind der Dürre ausgeliefert. Gleichzeitig spitzt sich in Kenia die Not wegen der allgemeinen Teuerung zu.

«Ein wichtiger Ansatz ist, die Vernetzung unter den Bäuerinnen und Bauern zu fördern»

Was unternimmt Fastenaktion, um dem Hunger dort entgegenzuwirken? 

Wir befähigen Bäuerinnen und Bauern, unabhängig und eigenständig lokale Ernährungssysteme aufzubauen, die unter anderem gegenüber Dürren widerstandsfähiger sind. Der Fachbegriff dafür heisst Agrarökologie und umfasst eine lokal angepasste und umweltschonende Landwirtschaft. Ein wichtiger Ansatz ist, die Vernetzung unter den Bäuerinnen und Bauern zu fördern. Sie schliessen sich in Solidaritätsgruppen zusammen und bestärken sich so gegenseitig. Mittlerweile sind in den kenianischen Projekten von Fastenaktion 545 Solidaritätsgruppen mit knapp zehntausend Mitgliedern aktiv, drei Viertel davon Frauen. Sie können mit agrarökologischen Anbaumethoden ausreichend gesunde Nahrungsmittel für ihre Familien produzieren und ihre Widerstandskraft gegen Klimaveränderungen wie Dürren stärken.  

Die kenianische Bäuerin Faith Wanjiru ist einem Fastenaktion-Projekt aktiv. Klicken Sie hier, um in ihre multimedial erzählte Geschichte «Von der Dürre zur Ernte» einzutauchen.

Die kenianische Bäuerin Faith Wanjiru arbeitet auf ihrem Feld mit agrarökologischen Methoden. Dieser Ansatz ist zentral, um dem Welthunger entgegenzuwirken.
Dank agrarökologischer Anbaumethoden können trotz Dürre ausreichend gesunde Nahrungsmittel produziert werden.

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In Madagaskar zeichnet sich die Klimakrise mit ihren schweren Folgen ab. Abwechselnde Trockenperioden treffen auf übermässige Regenfälle und Wirbelstürme. Dies führt zu Ernteausfällen in der Landwirtschaft, wie unsere Programmkoordinatorin in Madagaskar, Diary Ratsimanarihaja, erklärt.

«Nach drei aufeinanderfolgenden Jahren ohne Regen zogen im Februar 2022 zwei Wirbelstürme (Batsirai und Emnati) über den Süden des Landes hinweg. Im Bezirk Betioky hat es im Februar und März dieses Jahres endlich wieder geregnet. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind froh darüber. Aber die Auswirkungen sind nicht so, wie sie es sich erhofft haben. Die starken Regenfälle, vor allem während der Wirbelstürme, haben Schäden an den Kulturen verursacht. Die wichtigste Kulturpflanze in der Region, der Maniok, bildete keine Knollen aus, und Stecklinge verfaulten aufgrund des übermässigen Wassers. Die Gemüsesamen, die sie während der langen Dürreperiode nicht aussäen konnten, keimten nicht mehr, als sie sie in die Erde brachten. Diese zunehmende Trockenheit ist auf die Klimaerwärmung zurückzuführen. Der Süden Madagaskars hat ein semiarides Klima. Regen fällt dort schon in «normalen Zeiten» spärlich. Nach einer langen Phase des Regenmangels hat sie sich noch nicht erholt. Die diesjährige landwirtschaftliche Produktion ist aufgrund von Problemen mit dem Saatgut noch nicht ausreichend. Bleibt der Regen auch in der nächsten Anbauperiode aus, besteht die Gefahr einer weiteren Hungersnot für die Menschen in der Region.

Solidaritätsgruppen und Agrarökologie als Ansätze

Angesichts dieser Situation ist die Stärkung von Solidaritätsgruppen wichtig, um wieder gemeinsame Ersparnisse anzulegen, um so Notlagen vorzubeugen. Die Vermittlung von nachhaltigen landwirtschaftlichen Anbaumethoden ist ein integraler Bestandteil des Projekts Tsinjo Aina von Fastenaktion. Um die Widerstandsfähigkeit der landwirtschaftlichen Kulturen sowie der Menschen gegenüber der Klimaerwärmung zu verbessern, sind agrarökologische Techniken unsere Verbündeten: Förderung der Diversifizierung und Kombination von Kulturen, um die Schäden durch Schädlinge zu minimieren und eine Vielfalt an Nahrungsmitteln für die Männer und Frauen, die das Land bearbeiten, aber auch für ihre Kinder zu gewährleisten.

Wasser als unabdingbares Gut

Der Ausdruck «Wasser, Quelle des Lebens» ist in dieser Region wirklich gerechtfertigt. Wasser ist eine wertvolle Ressource, die für die Landwirtschaft unerlässlich ist. Dank dem Rano-Aina Projekt verfügen einige Dörfer über Brunnen und Bohrungen, die es den Bewohnern ermöglichen, agrarökologische Techniken in Gemeinschaftsgärten in der Nähe der Pumpen zu erlernen und zu praktizieren. Diese Gärten tragen sowohl zur Nahrungsmittelproduktion als auch zur Saatgutproduktion bei und stellen eine zusätzliche Einkommensquelle für die Mitglieder der Solidaritätsgruppen dar. In mehreren Dörfern sind die Brunnen jedoch veraltet und beschädigt. Die Instandsetzung der Pumpen würde sich enorm auf die Verbesserung der Widerstandsfähigkeit der Bauern und Bäuerinnen auswirken. Sie sind bereit, ihren Teil beizutragen, wie beispielsweise durch die Bereitstellung von Arbeitskräften und die Lieferung von Sand und Kies.»

Seit über 20 Jahren stehen im Mittelpunkt der Arbeit von Fastenaktion und seinen Partnerorganisationen Solidaritätsgruppen. Dank des Ansatzes wird der Hunger nachhaltig und langfristig reduziert. Erfahren Sie hier mehr darüber.

Etahery, Familienvater und Mitglied der Solidaritätsgruppe, hat das verfügbare Regenwasser genutzt, um ein wenig Reis, verschiedene Gemüsesorten und die Mischkulturen Maniok, Mais und Süsskartoffeln anzubauen.
Der Familienvater Etahery ist Mitglied einer Solidaritätsgruppe. Er hat agrarökologische Anbaumethoden angewendet, um verschiedene Gemüsesorten anzubauen.

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Die Koordinator:innen von Fastenaktion berichten über die Lebensumstände in ihren Ländern. Der Krieg in der Ukraine hat auch Auswirkungen auf das Leben der Menschen in unseren Projektländern. Hier folgen die Stimmen von Diary Ratsimanarihaja und Parany Rasamimanana, Koordination in Madagaskar bei Fastenaktion.
In der Geschichten-Reihe «Stimmen aus dem Süden» berichten unsere Koordinator:innen über die Lebensumstände in ihren Ländern. Der Krieg in der Ukraine hat auch Auswirkungen auf das Leben der Menschen in unseren Projektländern.  Sie wissen bald nicht mehr, wie sie noch über die Runden kommen sollen. In diesen harten Zeiten sind die Programme von Fastenaktion ein Lichtblick und geben den Menschen Zuversicht.

Hier folgen die Stimmen von Diary Ratsimanarihaja und Parany Rasamimanana, Koordination in Madagaskar bei Fastenaktion.

«Madagaskar wird von einer galoppierenden Inflation beherrscht, die eine grosse Abhängigkeit von ausländischer Hilfe schafft. Selbst Reis, der im Land selbst produziert werden kann, muss eingeführt werden. Diese Abhängigkeit in Verbindung mit den Auswirkungen von Wirbelstürmen, Covid-19 und schlechter Regierungsführung lässt die Bevölkerung von Tag zu Tag ärmer werden. Mit unseren Projekten arbeiten wir hauptsächlich in ländlichen Gebieten, und die Bauern und Bäuerinnen wissen nicht einmal vom Krieg in der Ukraine.

Regelmässig versammeln sich die Mitglieder der Spargruppe.
Unabhängigkeit als Schlüssel 
Bis heute sind Getreide, Benzin, Gas, Sonnenblumenöl und Dünger noch erhältlich. Die Medienberichte über mögliche Engpässe haben Spekulationen begünstigt, und seit Beginn des Krieges steigen die Preise stetig an. Die immer höher werdenden Preise sind für die Haushalte eine grosse Belastung und für viele zunehmend unerschwinglich.

Wir haben gelernt, dass es für die Menschen in den Projekten am wichtigsten ist, gegenüber einem möglichen Mangel an Importprodukten, wie er derzeit droht, unabhängig zu sein. Die Instabilität der Weltwirtschaft aufgrund eines Krieges, gepaart mit der schlechten Regierungsführung unserer Staatsoberhäupter, bestärkt uns in unserer Überzeugung, dass die Unterstützung der Bedürftigsten mehr als sinnvoll ist. Unser Programm zielt darauf ab, dass die Menschen sich selbst ernähren können, indem sie den Grossteil ihres Bedarfs selbst produzieren.»

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Die Projekte von Fastenaktion bieten armen Familien einen Ausweg. Sie initiieren Spargruppen, welche sich in Notfällen gegenseitig mit zinslosen Darlehen aushelfen können – wenn am Ende der Regenzeit die Nahrungsvorräte zu Ende gehen, wenn jemand erkrankt oder wenn die Kinder Schulmaterial brauchen.
Diary Ratsimanarihaja ist Programmkoordinatorin von Fastenaktion in Madagaskar

Wirbelsturm Batsiray

Zerstörte Dörfer – Strassen unter Wasser

Am Sonntag erreichte der Wirbelsturm Batsiray Madagaskar. Nicht nur wurden ganze Dörfer zerstört, der anhaltende Regen hat auch viele Felder und Bäume – die Lebensgrundlage der Menschen – zerstört. Die Fastenaktion-Koordinatorin Diary Ratsimanarihaja schildert in bewegenden Worten, wie sich die Situation in den Projekten im Südosten des Landes präsentiert.

Diary Ratsimanarihaja, nur wenige Tage nach dem Tropensturm, traf am vergangenen Sonntag der Wirbelsturm Batsiray auf Land, wie präsentiert sich die Situation?
Gemäss der Projektleiterin vor Ort sind 95 Prozent der Häuser im Bezirk Mananjary völlig zerstört Da die grosse Mehrheit der Menschen in Häusern lebt, die mit den Blättern der Ravenala Pflanze (Baum des Reisenden) gebaut sind, wurden die Häuser buchstäblich fortgeblasen. Schätzungen zufolge sind von 30 Häusern in einem Dorf gerade mal drei bis vier stehen geblieben, und selbst die sind beschädigt. Die Gemüsefelder wurden entweder überschwemmt oder vom Wind zerstört. Viele Bäume sind umgestürzt, sogar die Brotbäume, die eine wichtige Nahrungsgrundlage für die Menschen sind. Darüber hinaus sind viele Dörfer aufgrund der Überschwemmung von der Umwelt abgeschnitten und der Strom fehlt. Über das wahre Ausmass der Katastrophe können wir uns noch kein definitives Bild machen, uns fehlen noch Informationen.

Was braucht es nun am dringendsten?
Die Menschen brauchen nun dringend Nahrung, Wasser und Medikamente. Denn die Lebensmittelvorräte wurden zerstört. Zudem müssen wir den Wiederaufbau der Häuser vorantreiben, da die Infrastruktur, die für die Aufnahme der Betroffenen vorgesehen war, ebenfalls zerstört wurde. Der Wind hat die Dächer von Kirchen, Schulen und Gemeindezentren abgedeckt. Zur Zeit leben die Menschen zu dritt oder zu viert in kleinen Küchen, die dem Wind standhielten. Einige fanden bei denen Unterschlupf, die noch Häuser haben, in denen man sich ein wenig in Sicherheit bringen kann. Auch der Bedarf an Saatgut ist gross. Nach dem Wiederaufbau der Häuser müssen sie wieder mit dem Anbau beginnen können, doch ohne Saatgut geht das nicht.

Eine erste Handyaufnahme: Das Ausmass der Zerstörung ist erschreckend
Was konnte bereits getan werden?
Die Organisation Taratra, die für dieses Gebiet zuständig ist, hat dem Team bereits einen Geldbetrag als Hilfe für ihre derzeitigen Grundbedürfnisse geschickt. Wir von der Koordinationsstelle diskutieren derzeit mit den Programmbeauftragten und der Leitung von Taratra über den Aufbau von Hilfeleistungen. Aufgrund der noch vagen Informationen und der Unterbrechung der Strasse nach Mananjary ist es für uns jedoch noch schwierig, konkrete Aktionen zu planen.

Wenn Sie unsere Arbeit in Madagaskar ins Besondere jetzt in dieser schwierigen Zeit unterstützen möchten, sind Spenden herzlich willkommen. Vielen Dank!

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Tobias Buser konnte als Verantwortlicher für das Landesprogramm in Madagaskar erstmals Ende Dezember auf die Insel reisen. Im Rahmen der Treffen mit unseren Projektpartnern konnte er auch Schulen besuchen und sich ein Bild der prekären Situation machen.

Madagaskar

Lange Schulschliessungen wegen Corona

Die Corona Pandemie hat auch die Arbeit der Verantwortlichen der Landesprogramme von Fastenaktion erschwert. Tobias Buser, der 2020 die Verantwortung für Madagaskar übernahm, musste mehr als ein Jahr warten bis er auf die Insel reisen konnte, um zum ersten Mal die Projektpartner zu treffen.

Tobias Buser, was sind deine Eindrücke nach der ersten Projektreise im Dezember von Madagaskar?
Ich war vor allem in der Hauptstadt Antananarivo, wo ich zusammen mit den Koordinator*innen des Landesprogramms, Andrianparany Rasamimanana und Diary Ratsimanarihaja verschiedene andere Organisationen und die Schweizer Botschaft besucht habe. Um möglichst effektiv zu arbeiten, wurde ein viertägiger Workshop organisiert, an dem ich alle Vertreterinnen und Vertreter der Partnerorganisationen des Landesprogramms persönlich kennengelernt habe. Leider musste ich wegen der Entdeckung der Omikron-Variante im südlichen Afrika eine Woche früher als geplant zurückreisen, da Europa auch die Grenzen zu Madagaskar jederzeit hätte schliessen können. Corona war auch der Grund, weshalb ich nur einen Feldbesuch in der Nähe der Hauptstadt machen konnte. Madagaskar habe ich auf diesem kurzen Besuch als sehr schönes, fruchtbares und grünes Land erlebt.

Wie präsentiert sich die Situation im Land?
Im November 2021 hat die madagassische Regierung die Grenzen für den Tourismus wieder geöffnet. Damit erhofft man sich Impulse für die Wirtschaft. Andererseits steigen damit aber die Befürchtungen vor einem Anstieg der Covid-Fälle und damit verbunden erneute Einschränkungen. Für die Menschen im Land ist es eine Gratwanderung.

Offiziell hat die Pandemie nur wenige Opfer gefordert, wie ist deine und die Einschätzung der Partnerorganisationen dazu?
Aufgrund der Insellage und der Grenzschliessung, war es für Madagaskar vergleichsweise einfach die Pandemie zu kontrollieren. Bis zur Wiederöffnung der Grenze im November 2021, gab es tatsächlich relativ wenige Opfer, obwohl die offizielle Zahl der Fälle wohl nicht die Realität abbildet. Seit der Grenzöffnung geht die Zahl der Neuansteckungen jedoch nach oben.

Was sind die Auswirkungen der Pandemie?
Einschneidende Auswirkungen haben die wiederholten Schulschliessungen der letzten beiden Jahre auf die Kinder. Nach den Weihnachtsferien ist der Schulstart in der Hauptstadtregion Analamanga, wegen der vielen positiven Tests, um zwei Wochen, auf den 17. Januar verschoben worden. Allein in der ersten Januarwoche wurden in der Region Analamanga 1620 positive Fälle gemeldet. Im übrigen Land gab es im gleichen Zeitraum 2155 neue Ansteckungen.

Im Süden des Landes herrschte im letzten Jahr eine grosse Dürre. Fastenaktion hat Nothilfe geleistet, wie geht es den Menschen jetzt?
Das Nothilfeprojekt hat das Überleben der Menschen für drei bis vier Wochen gesichert. In der Zwischenzeit hat es etwas geregnet, doch nicht genug, damit sich ihre Situation verbessert. Was den Menschen in der Dürreregion im Süden fehlt, ist der Zugang zu Wasser. Sobald sie Wasser haben, können sie auch Landwirtschaft betreiben. Unsere Partnerorganisation Taratra wird sich noch dieses Jahr, überall dort wo es Brunnen gibt und eine minimale Bewässerung gewährleistet ist, vermehrt auf den Anbau von Nahrungsmitteln konzentrieren. Dazu gehört auch die Einführung von Basket-Kompost, auf organischen Küchenabfällen werden Linsen, Maniok, Mais und Erdnüsse angepflanzt. Im südöstlichen Teil Madagaskars kann mit dieser Methode auf nährstoffarmen Böden auf wenig Fläche eine sehr hohe Produktivität erzielt werden. Um die Hungersnot nachhaltig zu lindern, begnügen wir uns nicht mit dem Gemüseanbau in den Gärten. Die Partnerorganisation Taratra wird in den Dörfern bei den Tsinjo Aina Gruppen auch die Technik der „Keyhole Garden“ einführen. Keyhole Garden, oder Schlüssellochgarten, ist eine Art Hochbeet, in dem Gemüse angebaut wird. Auf diese Weise können knappe Ressourcen wie Wasser und Nährstoffe optimal genutzt werden. Zudem treiben wir die Einrichtung von Baumschulen voran, um die negativen Effekte, die die Abholzung auf das Wetter hat, wie beispielsweise fehlender Regen, zu stoppen und im Idealfall sogar umzukehren.

Was ist dein Wunsch und welche Hoffnungen verbindest du damit?
Ich wünsche mir, dass wir die Zusammenarbeit im Landesprogramm Madagaskar optimal weiterführen können, damit die Menschen aus eigener Kraft ihre Lebensbedingungen verbessern können.

Hier erfahren Sie mehr über die Projekte von Fastenaktion in Madagaskar.

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Fely ist Schülerin am Lycée von Betioky.

Wie ein Projekt in Madagaskar hilft

Träume sollen wahr werden

Seit Monaten warten die Menschen im Süden Madagaskars auf Regen. Die Dürre beeinträchtigt die Landwirtschaft massiv und der Hunger breitet sich aus. Die schlimme Krise kann jedoch mittels Solidaritätsgruppen abgefedert werden. In unserer Reihe «Hoffnung trotz Dürre» teilen Menschen vor Ort ihre Erfahrungen mit uns und berichten über die Wirkung unserer gemeinsamen Projekte.

«Wenn ich mein Abitur habe, möchte ich gerne Medizin studieren. Die Menschen hier leiden so sehr unter dem Klimawandel. Ich sehe, dass Krankheiten wie Kopfschmerzen und Malaria zunehmen. Akute Unterernährung ist auch eine Ursache für verschiedene Krankheiten. Als Alternative zum üblichen Essen sind wir gezwungen, Moky zu essen, den wir in der Erde suchen müssen. Glücklicherweise hat die Gruppe mit dem Anbau von Blattgemüse begonnen. Die Anstrengungen sind jedoch aufgrund der trockenen Böden und des Mangels an Regen und Wasser nach wie vor enorm. Wenn ich Ärztin bin, kann ich meinen Landsleuten helfen. Ich weiss, wie schwer das ist, aber ich bin entschlossen, mein Ziel zu erreichen. Als Erstes würde ich die Schritte der medizinischen Versorgung umkehren, indem ich zuerst die Gesundheit meiner Patientinnen und Patienten sicherstelle, und erst dann würde ich mich um die Bezahlung der Kosten kümmern. Es ist wirklich traurig zu sehen, wie die Kranken ins Krankenhaus gehen, das meilenweit vom Dorf entfernt ist, und abgewiesen werden, weil sie kein Geld haben.

Mein Traum ist es, dass meine Familie ein anständiges Leben führen kann. Ich träume davon, dass das Dorf meiner Kindheit eines Tages Fortschritte macht und sich entwickelt. Und ich hoffe, dass Gruppen wie Tsinjo Aina Taratra gedeihen. Schliesslich wünsche ich mir ein Dorf, in dem alle Kinder die Schulen besuchen können.»

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Hareantsoa ist Züchterin und Bäuerin. Sie ist verheiratet und hat acht Kinder.

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Genügend Schulen, Spitäler und Häuser für alle

Seit Monaten warten die Menschen im Süden Madagaskars auf Regen. Die Dürre beeinträchtigt die Landwirtschaft massiv und der Hunger breitet sich aus. Die schlimme Krise kann jedoch mittels Solidaritätsgruppen abgefedert werden. In unserer Reihe «Hoffnung trotz Dürre» teilen Menschen vor Ort ihre Erfahrungen mit uns und berichten über die Wirkung unserer gemeinsamen Projekte.

«Durch die Dürre ist unser Leben sehr schwer geworden. Jetzt stehe ich um vier Uhr morgens auf, um unser Gemüse zu giessen. Anschliessend machen wir uns auf den drei Kilometer langen Weg, um auf den Feldern nach Moky zu suchen. Sobald wir zurück sind, so gegen Mittag, koche ich den Moky eineinhalb Stunden lang für das Mittagessen. Das ist die erste Mahlzeit des Tages. Am Nachmittag kehren wir zurück, um wieder Moky für das Abendessen zu suchen. Früher konnten wir dank dem Regen verschiedene Pflanzen wie Maniok, Linsen und Bambara-Erbsen anbauen.

 Ich bin Vater und Mutter zugleich, denn mein Mann ist seit sieben Jahren krank. Die Ärzte im Krankenhaus diagnostizierten bei ihm Bilharziose (eine durch Würmer übertragene Krankheit, Anm. der Red.). Als wir noch Geld hatten, konnten wir ihn behandeln lassen. Ich wünsche mir, dass unser Leben wieder so wird, wie es war. Früher hatten wir acht Zebus, jetzt haben wir keines mehr, weil wir sie verkaufen mussten, um uns weiter versorgen zu können. Ich hätte gerne ein Krankenhaus in der Nähe, damit die Behandlung meines Mannes fortgesetzt werden könnte. Ich wünsche mir, dass es für meine Kinder eine Schule in der Nähe gäbe. Wenn ich Präsidentin wäre, würde ich mich vorrangig darum kümmern, dass alle ein Dach über dem Kopf hätten und es genügend Krankenhäuser und Schulen gäbe.»

Stéphanie ist 9 Jahre alt und eine der Töchter von Hareantsoa. Sie besucht die Grundschule.

«Ich träume davon, Lehrerin in unserem Dorf zu werden. Ich wünsche mir ein sauberes und entwickeltes Dorf, dem es dank der Landwirtschaft gut geht. Denn ich liebe es, Gemüse und Früchte anzupflanzen und zu den Tieren zu schauen. Heute hatten wir nur am Morgen Schule. Unser Lehrer musste an ein Begräbnis, an eine Havoria. Und manchmal ist er an Markttagen abwesend. In meinen Augen ist das ein Problem, dass der Unterricht immer wieder ausfällt.»

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Soafiavy ist Dorfvorsteher, Züchter und Bauer. Er ist verheiratet und hat elf Kinder.

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Der Klimawandel bedroht Leben

Seit Monaten warten die Menschen im Süden Madagaskars auf Regen. Die Dürre beeinträchtigt die Landwirtschaft massiv und der Hunger breitet sich aus. Die schlimme Krise kann jedoch mittels Solidaritätsgruppen abgefedert werden. In unserer Reihe «Hoffnung trotz Dürre» teilen Menschen vor Ort ihre Erfahrungen mit uns und berichten über die Wirkung unserer gemeinsamen Projekte.

«Die meisten von uns sind Landwirt*innen und Viehzüchter*innen. Der Klimawandel in unserer Region bedroht unser Leben. Weder Menschen noch Tiere bekommen genügend Nahrung. Vor der Dürre konnten die Ochsen auf der Weide regelmässig Raketa fressen. Das ist eine Kaktusart, die überall wächst und ihnen sehr schmeckt. Aber seit der Dürre gibt es fast kein Raketa mehr. Auch die Tamarindenbäume sind abgepflückt. Allenfalls gibt es noch Tamarinden zu kaufen. Die Menschen essen nichts anderes mehr als Moky. Der letzte Regen fiel im Februar 2021, und die Landwirtschaft befindet sich in einem kritischen Zustand.

Um das Land zu bearbeiten, müssen wir unsere Kräfte bündeln, denn für eine Person allein ist es zu anstrengend. Je mehr wir zusammenarbeiten, desto besser. Die gegenseitige Hilfe hält weiterhin an: Diejenigen, die Moky ausgraben können, geben denen, die keinen haben. Die Gruppe lehrt uns, einander zu helfen, besonders in diesen schweren Zeiten.»

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Emahatratse und seine Frau Hinerisoa sind Viehzüchter*in und Bauer und Bäuerin. Sie sind Eltern von zwei Kindern.

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Hoffnung auf Regen

Seit Monaten warten die Menschen im Süden Madagaskars auf Regen. Die Dürre beeinträchtigt die Landwirtschaft massiv und der Hunger breitet sich aus. Die schlimme Krise kann jedoch mittels Solidaritätsgruppen abgefedert werden. In unserer Reihe «Hoffnung trotz Dürre» teilen Menschen vor Ort ihre Erfahrungen mit uns und berichten über die Wirkung unserer gemeinsamen Projekte.

«In der Ausbildung haben wir gelernt, wie wir mit Wasser und Pflanzen sorgfältig umgehen können. Vor der Dürre war das Land fruchtbar, und es konnten Maniok, Süsskartoffeln und andere Feldfrüchte angebaut werden. Wir waren mit dem, was wir an Wasser und Lebensmitteln hatten, zufrieden. Wir mussten nur ein wenig graben, um Wasser zu bekommen. Und sogar unsere Tiere hatten genügend Futter. Wir hatten ein gutes Leben. Doch die Dürre ist schlimm. Das Land ist unfruchtbar geworden. Allmählich verlieren wir die Mittel, um für uns und unsere Tiere zu sorgen. Das Wasser ist sehr knapp geworden. Wir dürfen täglich maximal zwei Kleidungsstücke von Hand waschen. Wasser kann nur zu einer bestimmten Tageszeit geholt werden.

Um unseren Hunger zu stillen, müssen wir meilenweit fahren, um Moky, die Knollen, die eine Alternative zu den üblichen Nahrungsmitteln sind, in der Erde zu finden. Es gibt kein Wasser, keinen Regen und somit auch keine Ernte. Es ist der Gruppe Tsinjo Aina Taratra zu verdanken, dass wir durchhalten. Glücklicherweise ist unsere Selbsthilfegruppe immer noch aktiv. Wir alle hoffen, dass der Regen eines Tages zurückkehrt und der Boden wieder fruchtbar wird.»

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Tsarasoa ist Landwirtin und die Präsidentin der Dorfgruppe Tsinjo Aina Taratra. Sie ist alleinerziehende Mutter von sechs Kindern.

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Die Gemeinschaft stärken

Seit Monaten warten die Menschen im Süden Madagaskars auf Regen. Die Dürre beeinträchtigt die Landwirtschaft massiv und der Hunger breitet sich aus. Die schlimme Krise kann jedoch mittels Solidaritätsgruppen abgefedert werden. In unserer Reihe «Hoffnung trotz Dürre» teilen Menschen vor Ort ihre Erfahrungen mit uns und berichten über die Wirkung unserer gemeinsamen Projekte.

«Wir alle haben viel Leid erfahren. Das hat bei mir den Wunsch geweckt, die Gruppe zu leiten. Wir alle litten unter extremem Hunger. Die Erziehung und der Unterricht der Kinder waren miserabel, und sie hatten mit verschiedenen Krankheiten zu kämpfen. Das hat mich sehr motiviert, beim Projekt Tsinjo Aina Taratra mitzumachen. Ich wollte Männern und Frauen, Jungen und Alten helfen. Ich hatte keine Angst davor, die Zügel in die Hand zu nehmen, denn ich hatte bereits eine Vision vom Erfolg, den das Projekt uns bringen würde. Ausserdem erleichterte mir der Enthusiasmus der Gruppenmitglieder meine Rolle als Führungsperson.

Alle waren bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen, und wir lernten verschiedene Anbaumethoden, die Pflege der Gemüsefelder, erfuhren mehr über den Gemeinsinn, die Hygiene. Ich hoffe, dass die geknüpften Verbindungen weiter wachsen und dass das Projekt Tsinjo Aina Taratra für immer bestehen bleibt.»

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Wie ein Projekt in Madagaskar hilft

« Für uns selber sorgen»

Seit Monaten warten die Menschen im Süden Madagaskars auf Regen. Die Dürre beeinträchtigt die Landwirtschaft massiv und der Hunger breitet sich aus. Die schlimme Krise kann jedoch mittels Solidaritätsgruppen abgefedert werden. In unserer Reihe «Hoffnung trotz Dürre» teilen Menschen vor Ort ihre Erfahrungen mit uns und berichten über die Wirkung unserer gemeinsamen Projekte.

«Wenn wir keine Schulden haben, haben wir ein reines Gewissen. Früher haben wir in Zeiten extremen Hungers sehr gelitten. Wir waren gezwungen, uns Geld zu leihen, um unseren Hunger zu stillen. Das Schlimmste aber war, dass wir das Geld nicht nur zurückzahlen, sondern auch noch hohe Zinsen drauflegen mussten. Wir schämten uns, dass wir Mühe hatten, unsere Schulden zu bezahlen. Wenn wir keinen Ausweg wussten, blieb uns nichts anderes übrig, als unseren Kreditgebern möglichst aus dem Weg zu gehen. Doch seit wir uns dem Projekt Tsinjo Aina Taratra angeschlossen haben, gibt es erste Veränderungen. Unsere Lebensumstände haben sich sehr verbessert.

Wir Dorfbewohner*innen haben uns zusammengetan, um gemeinsam Geld zu sparen. Von diesem Geld kann jedes Mitglied der Gruppe einen Kredit aufnehmen und diesen vor allem auch zinslos zurückzahlen. Unsere Kinder können durch das Projekt zur Schule gehen, um zu lernen. Und da die meisten von uns Bäuerinnen und Bauern sind, beinhaltet das Projekt auch Schulungen in Anbautechniken, die dem Klima und der Trockenheit unseres Bodens Rechnung tragen. Davon konnten wir sehr profitieren. Seit der Gründung der Gruppe haben wir viel weniger Stress, da wir nun in aller Ruhe für uns selbst und unsere Bedürfnisse sorgen können.»

 *In der Region Betioky, im Süden von Madagaskar, ist es verbreitet,  dass die Menschen ausschliesslich einen Vornamen tragen.

Hier erfahren Sie mehr über die Projekte von Fastenaktion in Madagaskar.

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Corona hat die Sterblichkeit, das Leiden und die Ungerechtigkeit weltweit erhöht. Unterstützung, die schon vor Ausgangssperren, Schulschliessungen und anderen einschränkenden Massnahmen wichtig war, ist jetzt lebensnotwendig. Unsere Arbeit in den Projekten sowie die Solidarität sind wichtiger denn je.

Zahlreiche Probleme in Zeiten von Corona liegen auf der Hand, zum Beispiel die steigende Anzahl hungernder Menschen aufgrund erhöhter Lebensmittelpreise. Andere Hürden sind weniger transparent, jedoch nicht minder besorgniserregend. Mädchen, die nicht nur wegen ausfallender Schulstunden, sondern gleich noch mit einer frühen Schwangerschaft zu kämpfen haben oder Sans-papiers, welche trotz existenzbedrohender Lebensverhältnisse keinen Impftermin erhalten. Solche Geschichten drohen unterzugehen in den weltweiten Corona-Schlagzeilen zu Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Deshalb gibt Fastenaktion diesen Menschen eine Stimme und Perspektiven.

Wenn alle Stricke zu reissen drohen

In schwierigen Zeiten tendieren wir dazu, uns auf das Negative zu konzentrieren. Umso wichtiger ist es uns, auch die guten Erfahrungen und Hoffnungen unserer Projektpartner zu teilen. So haben kenyanische Frauen wegen der Corona-Ausnahmesituation von ihren Männern mehr Respekt für ihre Arbeit erhalten. Dies könnte den Weg ebnen zu mehr Geschlechtergerechtigkeit auch nach der Pandemie. Wo kein Verlass ins Gesundheitssystem ist, wird immerhin Vertrauen geschenkt:In den Philippinen, wo die Regierung versagt, bieten die Bischöfe moralische Unterstützung. In anderen Ländern wie Guatemala zeigt sich die Solidarität von innen – trotz Armut teilen die Indigenen mit den Bedürftigen, dies ist Teil ihrer Kultur. 

Erfahren Sie mehr zu Corona in unseren Projekten.

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Wir danken für Ihre Spende
Die Solidaritätsgruppen oben haben dieses Haus zum Schutz ihrer Reisvorräte vor Überschwemmungen gebaut . Dem Virus haben sie nichts entgegenzusetzen.

Der Hafenstadt Toamasina an der Ostküste Madagaskars bleibt im Moment nichts erspart. Mitte März wurden als Folge des Wirbelsturmes Herold die tiefer gelegenen Quartiere überschwemmt. In vielen Häusern stand das Wasser knietief. Und als das Wasser begann, sich zurückzuziehen, erfuhren die Menschen von der nächsten Bedrohung: eine weltweite, vor der sich sogar die entwickelten Länder fürchten.

Alle Projekte von Fastenaktion sind mit neuen, zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert. Am 24. März berichtete aus der Hafenstadt Toamasina Jean Céléstin Heriniaina, der Verantwortlichen des Projekts mit rund 1500 Solidaritätsgruppen.

Am 17. März trat in Madagaskar der erste Fall von Covid-19 auf. Die Überschwemmungen und jetzt die Epidemie bringen das Leben durcheinander, viele reagieren panisch. Die Bewohnerinnen und Bewohner von Toamasina versuchen sich trotz des plötzlichen Preisanstiegs mit Reis, Gemüse und anderen Dingen des täglichen Bedarfs einzudecken. Bereits ist das Speiseöl 5% teurer geworden, ein Sack Reis, der vorher 90’000 Ariary (23 Franken) kostete, wird jetzt zum doppelten Preis gehandelt. Im Bazary Kely – dem lokalen Markt – und in den Supermärkten war am 21. März alles leer gekauft. Auch die Tankstellen sind «trocken», es gibt weder Benzin noch Heizöl oder Gas.

Aber wie lange sollen unsere Vorräte reichen? Wir können annehmen, dass die Situation die Armut verstärkt. Madagaskar gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, rund 80 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze von rund 2 Dollar/Tag.

Am 22. März rief der Präsident den Notstand auf und verfügte eine 15-tätige Ausgangssperre für die Hauptstadt und Toamasina. In den Strassen von Toamasina spürt man die Panik der Bewohnerinnen und Bewohner, auch wenn bisher noch keine einzige Ansteckung gemeldet wurde.

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. Es ist in Madagaskar möglich, einen Teil der Beratung der Solidaritätsgruppen über Mobiltelefone zu machen. Die Kredite, welche die Gruppen ohne – oder nur gegen einen kleinen Zinssatz – vergeben, sind auch weiterhin möglich. Da es bisher nur wenig gemeldete Covid-19 Patientinnen und Patienten gibt, besteht die Hoffnung, dass sich das Virus nicht epidemisch ausbreitet – Es würde verheerende Folgen für die arme Bevölkerung haben.

Um diese Arbeit halten und weiterführen zu können, sind wir froh um jede Spende. Hier erfahren Sie mehr zu unserem Madagaskarprogramm.

 

 

Covid-19 als Zeitbombe für das Regime

Der Journalist Stefan Frey lebt in Olten und Diego Suarez im Norden von Madagaskar. Er hat dort die Organisation Mad’éole gegründet, welche Dörfer mit Wind- und anderen erneuerbaren Energien versorgt. Lesen Sie in seinem Artikel vom 5. April, was er als kritischer Beobachter zu Madagaskar und Covid-19 schrieb.

Am 1. April 2020, veröffentlichte die Beobachtungsstelle des öffentlichen Lebens in Madagaskar (Observatoire de la vie publique – SeFaFi), eine kritische Beurteilung des madagassischen Gesundheitswesens und äusserte schwerwiegende Zweifel an dessen Fähigkeiten im Hinblick auf die Bewältigung der Pandemie. Zehn Tage vorher hatte Staatspräsident Andry Rajoelina in einem pompösen Fernsehauftritt offiziell verkündet, dass das Corona-Virus zwischen dem 11. und 22. März mit Flügen aus Europa gelandet sei.

Die Regionen um die Hauptstadt Antananarivo und um die Hafenstadt Toamasina wurden unter Quarantäne gestellt, der Luftraum seit dem 22. März gesperrt, ebenso die Häfen. Dem Präsidenten zufolge zählte das Land am 2. April 59 Covid-19-Fälle. Kein Mensch im Land glaubt es, dafür werden die Ausgabestellen für Lebensmittelpakete von Tausenden gestürmt. Bilder vom Massenandrang verspotten die vom Präsidenten – der sich jetzt jeden zweiten Tag über die per Notstandsmassnahme requirierten Medien ans Volk wendet.

SeFaFi weist in ihrer neusten Verlautbarung auf ein zur Kultur gewordenes Phänomen hin: die Korruption. Auch im Gesundheitssystem seien Machtmissbrauch, Veruntreuung und offene Korruption längst zu einer existentiellen Bedrohung geworden. Die jahrelange Vernachlässigung des Gesundheitssektors habe die Spitäler praktisch ihrer Behandlungsmöglichkeiten beraubt. Neun von zehn Menschen der ländlichen Bevölkerung haben übrigens überhaupt keinen Zugang zum Gesundheitswesen.“

Zu den Projekten der Fastenaktion meint Frey: „Daneben gibt es zahlreiche rein privat organisierte und finanzierte Projekte, aus denen insbesondere jenes der Fastenaktion hervorzuheben ist, das über die Selbsterkennung der Schuldenspirale zur Selbstorganisation von Schuldnergruppen und schliesslich zu deren Befreiung aus den Wucherer-Fesseln führt. Weit über hunderttausend Menschen konnten so eine nachhaltige Perspektive entwickeln.“

Lesen Sie den ganzen Artikel von Stefan Frey zur Situation in Madagaskar auf Infosperber

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«Im Fluss leben auch Krokodile. Es ist jedoch die einzige Wasserquelle, die wir haben; man muss mehrere Kilometer gehen, um eine andere zu finden», sagt Paulette Rasoanivo. Sie und die Bewohnerinnen und Bewohner von Taratasy mobilisieren sich, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Vom Zusammenhalt der Gruppe hängt ihr Überleben ab.

In Taratasy leben 80 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Eine fünfköpfige Familie verfügt über ein Einkommen von weniger als einem Euro pro Tag.

Doch allmählich lebt das Dorf an der Ostküste Madagaskars auf – dank dem der Fastenaktion entwickelten Projekt «Tsinjo Aina».

Bedrohte Lebensgrundlagen

Die Lage von Taratasy entlang des Flusses Namandrahana beeinträchtigt die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Dorfes: Der Bewässerungskanal der Reisfelder ist oft von Unkraut und wuchernden Pflanzen verstopft. Bei Regen werden die Kulturen überschwemmt. Weil es an einer Infrastruktur für das Trinkwasser fehlt, muss sich die Bevölkerung mit dem verschmutzten Wasser des Flusses begnügen.

«Im Fluss leben auch Krokodile. Es ist jedoch die einzige Wasserquelle, die wir haben; man muss mehrere Kilometer gehen, um eine andere zu finden».

Das sagt Paulette Rasoanivo. Die 49-Jährige ist eine der Verantwortlichen der Gruppe Fizai, die in Taratasy im Rahmen des Projekts «Tsinjo Aina» ins Leben gerufen wurde. Ziel: sich mit gemeinsamen Ersparnissen aus der Verschuldung befreien.

Dank der Gruppe organisieren sich die Mitglieder und denken sich gemeinsam Lösungen für die Probleme aus. Im konkreten Fall versammelten die Mitglieder der Sparkassen die Bewohnerinnen und Bewohner des Dorfes. Zusammen diskutierten sie über die Schaffung eines Komitees, das für den Unterhalt des Kanals zuständig ist und dessen Regel mässige Säuberung sicherstellt. Schliesslich bildete sich eine Gruppe von rund 20 Personen.

«Verantwortungsbewusstsein geweckt»

Paulin Célestin, ein weiteres Mitglied der Gruppe, kommentiert die Resultate:

 «Seit es die Gruppe gibt, sind die Hochwasserschäden viel geringer. Und diese Initiative weckte das Verantwortungsbewusstsein der Bauernfamilien. Es hat sich gezeigt, dass nur Einigkeit stark macht.»

Die Mitarbeitenden des Projekts haben den Frauen und Männern geholfen, Unterstützung zu finden, um Zugang zu Trinkwasser zu erhalten. Eine lokale NGO hat auf Anfrage den Bau eines Brunnens im Dorfzentrum finanziert.

Dank der Mobilisierung der Bewohnerinnen und Bewohner verfügt Taratasy heute über zwei Brunnen. Das Dorf hat auch ein solidarisches Sparsystem eingerichtet. Das Ziel ist, sich gegenseitig kostenlose Darlehen zu ermöglichen und die Geldverleiher und ihre hohen Zinsen zu umgehen. Da Rasoanivo schuldenfrei wurde und sich ihre Körbe auf dem lokalen Markt gut verkauften, konnte sie einen kleinen Laden mit Produkten für den täglichen Bedarf eröffnen. Sie erzielt damit ein Einkommen, das die Lebensqualität ihrer Familie mit vier Kindern entscheidend verbessert.

«Tsinjo Aina verhalf mir zu einem erfüllten Leben. Zusammen mit der Gruppe kann ich Projekte entwickeln und über meine Grenzen hinausgehen», sagt Harivola Rasamizanany.

Nur Einigkeit macht stark Die Bewohnerinnen und Bewohner von Taratasy mobilisieren sich, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Vom Zusammenhalt der Gruppe hängt ihr Überleben ab.