Die Rechte von Bäuerinnen und Bauern müssen geschützt werden. Fastenaktion unterstützt deshalb die UN-Bauernrechtsdeklaration für mehr Gerechtigkeit.

Angesichts der globalen Krisen müssen Regierungen konkrete Schritte unternehmen, um Bauern, Bäuerinnen und Landarbeiter:innen zu schützen und zu unterstützen. Ihre Stimme muss gehört werden. Staaten müssen endlich Verantwortung übernehmen und die UN-Bauernrechtdeklaration von 2018 in ihren Ländern umsetzen. Dies fordern mehrere Expert:innen der UNO zum 4. Jahrestag der UN-Bauernrechtsdeklaration (UNDROP) in ihrer Erklärung vom 16. Dezember. Fastenaktion unterstützt diese wichtige Erklärung.

Ein Kommentar von Claudia Fuhrer, Fachverantwortliche für Ernährungsgerechtigkeit / Recht auf Nahrung bei Fastenaktion

Kleinbäuerliche Landwirtschaft ernährt die Welt

Kleinbäuerinnen, Kleinbauern und Landarbeiter:innen produzieren 70-80 Prozent unserer Nahrung. Umso schockierender ist es, dass 4 von 5 von ihnen unter Hunger leiden. Sie sind überproportional von Klimakrise, Umweltzerstörung sowie Landraub betroffen und zudem giftigen Pestiziden ausgesetzt. Die Covid-Pandemie und der Ukrainekrieg haben ihre Lage weiter verschlimmert. Die Regierungen stehen in der Pflicht, die Rechte der ländlichen Bevölkerung zu sichern und so das Recht auf Nahrung zu verwirklichen.

Kleinbäuerinnen und Kleinbauern bei der Feldarbeit in der Nähe von Gambo, Burkina Faso.

Mehr Gerechtigkeit durch Bauernrechtsdeklaration

Anlässlich des 4. Jahrestags gaben mehrere UN-Expert:innen eine gemeinsame Erklärung zu den bäuerlichen Rechten ab. Sie führen aus, dass die UNO mit der UNDROP ein wegweisendes internationales Rechtsinstrument geschaffen hat. Es ist «ein Aufruf zu Gerechtigkeit», der auf den Klag­en und Kämpfen von Bauern, Bäuerinnen und Landarbeiter:innen basiert. Die Expert:innen betonen weiter, dass die UNDROP die Rechte und die wichtigen Beiträge der bäuerlichen Bevölkerung zur Ernährungssicherung anerkennt. Zudem soll sie auch als Aktionsplan für Staaten, die Vereinten Nationen, Wirtschaftsunternehmen und andere Akteure dienen. Entsprechend fordern die UN-Expert:innen die Staaten auf, die UNDROP in ihren nationalen Gesetzgebungen zu verankern und konkrete Massnahmen zu ergreifen. Der Menschenrechtsrat soll zudem in seiner regelmässigen Staatenüberprüfung die Umsetzung der UNDROP kontrollieren.

Gemeinsam Hunger beenden

Fastenaktion setzt sich zusammen mit den Partnerorganisationen des Internationalen Programms «Ernährungsgerechtigkeit» und dem Projekt RAISE für die Verwirklichung der bäuerlichen Rechte in Zehn Ländern und auf internationaler Ebene ein. So kann gemeinsam der Hunger beendet werden.

Die gemeinsame Erklärung der UN-Expert:innen finden Sie hier.

Den Kommentar der RAISE-Partnerorganisationen finden Sie hier. 

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Heute ist der internationale Tag der Menschenrechte. Menschenrechte sind die Basis für ein friedliches Zusammenleben auf diesem Planeten. Die Menschenrechte sollen jedem Menschen ein würdevolles Leben garantieren. Dazu gehört auch Zugang zu ausreichend und gesunder Nahrung. Das ist das Menschenrecht auf Nahrung.

Ein Kommentar von Claudia Fuhrer, Fachverantwortliche für Ernährungsgerechtigkeit / Recht auf Nahrung bei Fastenaktion

Der grösste Teil der Menschheit bezieht seine Nahrung von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Ohne die kleinbäuerliche Landwirtschaft könnte die Menschheit nicht überleben. Kleinbäuerliche Landwirtschaft sichert die Ernährung vieler Menschen – auch in den Städten. Deshalb ist es wichtig, dass die Rechte der Bäuerinnen und Bauern als zentrale Menschenrechte geschützt werden.

Das Recht auf eigenes Saatgut ist zentral.
Keine Nahrung ohne Zugang zu Land und Saatgut
Doch leider wird ihr Zugang zu Land und zu ihrem eigenen Saatgut immer stärker eingeschränkt. Sei es durch den jeweiligen Staat, durch die industrielle Landwirtschaft oder durch den Rohstoffabbau. Wertvolles Land für die Produktion von nachhaltiger Nahrung geht an Minen verloren, regional angepasstes Saatgut wird verboten. Das kommerzielle Interesse grosser multinationaler Unternehmen steht im Vordergrund – nicht das Wohl der Menschen.

Das Recht der Bäuerinnen und Bauern auf Mitgestaltung einer lokal angepassten Landwirtschafts- und Ernährungspolitik ist in der UNO-Deklaration UNDROP festgehalten und muss dringend ermöglicht werden. Dies ist umso wichtiger, weil die Bäuerinnen und Bauern in ihrer Produktion von Nahrungsmitteln in mehrfacher Hinsicht beeinträchtigt werden, wie durch den Klimawandel, den Verlust der biologischen Vielfalt und die Verschlechterung der Bodenqualität.

Heute ist der internationale Tag der Menschenrechte. Menschenrechte sind die Basis für ein friedliches Zusammenleben auf diesem Planeten. Dazu gehört auch Zugang zu ausreichend und gesunder Nahrung.
Recht auf ein Leben in Würde
Darum ist es wichtig, dass heute am Tag der Menschenrechte auch an die Bauernrechte gedacht wird. Denn ohne Zugang zu Land und Saatgut keine Nahrung und Nahrung ist eine der Grundlagen für ein würdevolles Leben. Darum setzt sich Fastenaktion auch in Zukunft für das Recht auf Nahrung ein – unter anderem durch unser Projekt RAISE. Dies ist eine Grundlage, um den Hunger zu beenden.

Das von der DEZA mitfinanzierte Fastenaktions-Projekt «RAISE» steht für Rights-based and Agroecological Initiatives for Sustainability and Equity in Peasant Communities. Netzwerke von Frauengruppen, Jugendlichen und Kindern, Kleinbauernfamilien und Viehhalter:innen schliessen sich unter dem Projekt zusammen. Sie fordern und fördern die Umsetzung der Bauernrechte in ihren Ländern und auf globaler Ebene. Fastenaktion und fünf Partnerorganisationen bilden ein internationales Konsortium (Fastenaktion, Searice, Rural Women Assembly, Dreikönigsaktion und Sociedad Cientifica Latinoamerica de Agroecología sowie Vétérinaires sans Fontières Suisse mit ihren Partnern CEMIRIDE und RBM) und tragen das Projekt «RAISE» mit ihren Partnerorganisationen in den Ländern Philippinen, Indien, Nepal, Kenya, Niger, Mali, Burkina Faso, Südafrika, Bolivien und Mexiko. Zudem ist die Geneva Academy als strategischer Partner mandatiert. Das Projekt «RAISE» läuft unter dem DEZA-Programm Menschenrechte in Ernährungssystemen und wird von der DEZA kofinanziert. Erfahren Sie hier mehr über das Projekt.

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Die Welt erholt sich vom Klimagipfel der Vereinten Nationen, der COP27 in Sharm El-Sheikh. Loisa Maimpu aus Kenia hat dazu keine Zeit. Sie ist den ganzen Tag damit beschäftigt, Wasser und Essen für ihre Familie und ihre Tiere zu suchen. Kenia erleidet seit über zwei Jahren eine extreme Dürre.

Ein Bericht von Leon Jander, Verantwortlicher für das Landesprogramm in Kenia

Loisa Maimpu lebt in Kajiado County, einer trockenen Region Kenias, an der Grenze zu Tansania. Sie gehört zum Volk der Massai. Die Massai sind eigentlich Viehhirtinnen und -hirten. Die grossen Herden sind der Stolz jeder Familie und ihre Lebensgrundlage. Die zunehmende Trockenheit durch den Klimawandel macht es schwerer, grosse Herden zu unterhalten und die Massai müssen immer weitere Strecken zurücklegen, um geeignete Weideflächen zu finden.

Die lange Trockenheit schwächt die Tiere. Viele sterben.
Verkürzte Regenzeit hat drastische Folgen
Loisa Maimpu und die anderen Menschen in den trockenen Gebieten Kenias sind Hitze- und Trockenperioden eigentlich gewöhnt. Sie erholen sich während der nächsten Regenzeit. Der Klimawandel verlängert deren Dauer und Intensität aber derart, dass Menschen und Tiere sich nicht schnell genug anpassen können. Eigentlich sollte es jetzt in vielen Regionen Kenias regnen. Teilweise tut es das auch, aber zum fünften Mal in Folge fällt diese Regenzeit unterdurchschnittlich aus. Meteorolog:innen sprechen von 60 Prozent weniger Regen. Die Aussichten für die lange Regenzeit im Frühjahr 2023 sind ebenso schlecht. Die langanhaltende Dürre führt dazu, dass die Menschen und Tiere gesundheitlich beeinträchtig sind und vermehrt sterben. Auch die langfristige Entwicklung der Kinder wird beeinträchtigt. Ausserdem kommt es zu mehr Konflikten zwischen Menschen, und zwischen Menschen und Tieren. Alle sind auf der Suche nach Wasser und Nahrung.
Die Landwirtschaft bietet zusätzliche Einkommens- und Nahrungsquellen.
Verbesserung der Nahrungsmittelversorgung
Doch die Menschen wissen sich zu helfen. Als zusätzliche Einkommens- und Nahrungsquelle steigen sie teilweise auf Landwirtschaft um. Die Partnerorganisation Olkejuado Pastoralists Development Organization (Dupoto-e-Maa), mit der Fastenaktion seit 2009 erfolgreich zusammenarbeitet, begleitet sie dabei. In einer externen Projektevaluierung im Jahr 2021 wurden ermutigende Wirkungen festgestellt: 18 Prozent der Zielgruppe gaben den Verkauf von Gemüse als Haupteinnahmequelle an, zu Beginn des Projektes war dies noch kein Thema. Durch die Landwirtschaft konnte auch die Ernährung abwechslungsreicher gestaltet werden. Die Familien haben nun mehr Gemüse auf dem Tisch.
Die Welt erholt sich vom Klimagipfel der Vereinten Nationen, der COP27 in Sharm El-Sheikh. Loisa Maimpu aus Kenia hat dazu keine Zeit. Sie ist den ganzen Tag damit beschäftigt, Wasser und Essen für ihre Familie und ihre Tiere zu suchen. Kenia erleidet seit über zwei Jahren eine extreme Dürre.
Fastenaktion unterstützt mit Nothilfe 
Es wird Jahre brauchen, bis die Beschlüsse der COP27 umgesetzt werden. Die Erreichung des 1,5-Grad-Zieles wird Jahr für Jahr schwieriger. Loisa Maimpu hat diese Zeit nicht. Um die grösste Not in der Projektregion zu mindern, leistet Fastenaktion Nothilfe. Diese ist wichtig, damit erreichte Fortschritte in den langfristigen Entwicklungsprojekten der Partnerorganisationen nicht verloren gehen.  

Im Jahr 2020 berichtete SRF mitenand über Dupoto-e-Maa, einer Partnerorganisation von Fastenaktion in Kenia: Hier finden Sie den Beitrag.

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Überschwemmungen Guatemala 2020

Im November 2020 verursachten die Wirbelstürme Eta und Iota verheerende Schäden in Guatemala. Betroffen waren vor allem die Menschen in der abgelegenen Berglandschaft im Norden, wo mehrere Projekte von Fastenaktion arbeiten. Dank ihrer Katastrophenteams konnte die Schweizer Regierung umgehend auf die Bitte der guatemaltekischen Regierung nach humanitärer Hilfe reagieren. Eine kurze Bilanz.

Aufgrund seiner geografischen Lage war Guatemala schon immer von Naturkatastrophen bedroht. Mit dem fortschreitenden Klimawandel nehmen Wirbelstürme, lang anhaltende starke Regenfälle, Überschwemmungen, Dürren und Waldbrände noch zu. Im November 2020 liessen sintflutartige Regenfälle zahlreiche Hänge – und mit ihnen Häuser und Felder – abrutschen. Grosse Teile der Mais und Bohnenernten wurden zerstört, Tausende von Familien standen vor dem Nichts.

Wie sich die Schweiz in Zentralamerika auf Katastrophen vorbereitet

Zum einen unterhält die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) in Zentralamerika eine Grupo de Intervención y Apoyo Rápido (GIAR), die sich aus lateinamerikanischen Experten für humanitäre Hilfe zusammensetzt. Als zweites haben die Schweizer Botschaften und sechs in Zentralamerika tätige Schweizer Hilfswerke 2013 ein lokales Nothilfeteam gegründet: das Equipo de emergencia local EEL. Ziel beider Organisationen ist es, die Nothilfe aus der Schweiz rasch und effizient zur betroffenen Bevölkerung zu bringen. In den letzten fünf Jahren übernahm die lokale Koordination der Fastenaktion die Aufgabe, das EEL zu koordinieren.
Die Mitglieder des EEL treffen sich regelmässig zum Austausch und es finden gemeinsame Ausbildungen zum Umgang mit Katastrophen für die lokalen Partnerorganisationen der Hilfswerke statt. Auch gibt es regelmässigen Austausch mit den Expertinnen und Experten von GIAR.

 

Nothilfe Guatemala/Alta Vera Paz 2020

Gemeinsamer Einsatz für 1700 Familien

Nach den Wirbelstürmen und den so noch nie dagewesenen, Überschwemmungen im November 2020 haben die beiden Organisationen zum ersten Mal eng zusammengearbeitet. Ihr Einsatz fand während 22 Tagen in einem der am stärksten betroffenen Gebiete, in San Pedro Carchá/Alta Verapaz, statt. Bei der konkreten Verteilung der Nothilfe erwies sich die Asociación T’zuul Taq’a als wichtige Stütze. Sie ist seit mehr als zehn Jahren Partnerorganisation der Fastenaktion und ihr Team verfügt über solides Wissen zur Region und spricht die lokale Sprache Q’eqchi. Auch waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von T’zuul Taq’a sehr motiviert und solidarisch mit der Bevölkerung. Während der gemeinsamen Aktion konnten mehr als 1700 Familien mit dringend notwendigen Lebensmitteln, Trinkwasser, sowie Hygiene- und Schutzmaterial gegen Covid-19 versorgt werden.

Nothilfe Guatemala Alta Verapaz: Registration

Nothilfe: Je koordinierter, desto wirksamer

Nicht nur die Schweizer Organisationen arbeiteten zusammen: Sie stimmten ihren Einsatz auch ab mit der humanitären Hilfe anderer Länder, der Vereinten Nationen sowie der staatlichen Katastrophenhilfe. Bei der Auswertung wurde diese Erfahrung von allen Beteiligten als erfolgreich eingestuft: Alle waren gegenseitig über die Aktionen der andern informiert und hielten sich an die ihnen zugewiesenen Rollen. Dadurch konnten in einer Rekordzeit von nur einer Woche die dringend benötigte humanitäre Hilfe geleistet werden. Insgesamt wurden 73 Tonnen lebenswichtige Hilfsgüter an betroffene Familien in 14 grossen abgelegenen Gemeinden abgegeben.

Überschwemmungen Guatemala 2020

Rückkehr zum normalen Leben braucht Zeit

Dank der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen der lokalen Fastenaktion-Partnerorganisation T’zuul Taq’a, mit dem EEL und GIAR werden die betroffenen Familien in Alta Verapaz nun auch beim Wiederaufbau unterstützt. Sie erhalten Bargeld, das sie für ihre Grundbedürfnisse einsetzen können: Nahrungsmittel, Trinkwasser, Saatgut, die Reparation und den Neubau von Häusern oder Hygieneartikel wie Seife, Binden und Desinfektionsmittel. Das Ziel ist, dass alle wieder so leben können, wie vor der Katastrophe. Denn erst wenn die grundlegenden Bedürfnisse nach Sicherheit – genug zu essen, ein Dach über dem Kopf – gedeckt sind, ist es für die Familien auch wieder möglich, sich Entwicklungsprojekten zuzuwenden.

Yojana Miner
Mitglied des Koordinationsteams der Fastenaktion und HEKS
Koordinatorin des EEL Guatemala

Um den Wiederaufbau im Norden von Guatemala weiter unterstützen zu können, sind wir froh um jede Spende. 
Hier finden Sie mehr Informationen zum Guatemalaprogramm der Fastenaktion und HEKS allgemein.

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Kleinbäuerinnen stellen ihre biologisch angebauten Produkte auf der Agrarökologie-Konferenz in Nyahururu aus., November 2019. © Fastenaktion/Eyeris CommunicationsKleinbäuerinnen stellen ihre biologisch angebauten Produkte auf der Agrarökologie-Konferenz in Nyahururu aus., November 2019. © Fastenaktion/Eyeris Communications

«Covid-19 hat keine grossen Auswirkungen auf unsere Bauern und Bäuerinnen gehabt, weil sie in der Lage sind, sich selbst zu versorgen. Sie haben einen Waldgarten (Food Forest) und einen bio-dynamischen Gemüsegarten, in dem sie nahrhaftes Gemüse und Obst ernten und auch mit andern teilen können», sagte die Koordinatorin der Fastenaktion in Kenya, Stellamaris Mulaeh, gegenüber ACI Afrika.

von Mercy Maina

Kisumu, 02. Juli 2020 / 21:00 Uhr (ACI Africa)*

Die katholische Organisation Fastenaktion unterstützt Landwirtinnen und Landwirte in acht kenyanischen Distrikten dabei, Ernährungssicherheit durch Agrarökologie zu erreichen, einer alternativen Form der Landwirtschaft, die sowohl ökologische, wie soziokulturelle, wirtschaftliche und politische Dimensionen berücksichtigt.

 «Die Arbeit in den Gärten hilft die Richtlinien der physischen Distanz einzuhalten, da die Bäuerinnen und Bauern Zugang zu nahrhaftem Gemüse haben, ohne auf den Markt gehen zu müssen – ein Beweis dafür, dass «mit der Agrarökologie die Gemeinschaften selbst in Zeiten wie diesen stark und belastbar sind», sagt Mulaeh, Koordinatorin der Fastenaktion in Kenya.

Agrarökologie trägt zur Bewältigung der Krise bei

 «Als Covid-19 im März in Kenya zuschlug, zu einer Zeit, in der Fastenaktion und seine Partnerorganisationen die Bäuerinnen und Bauern normalerweise darauf vorbereiten, die Regenfälle von März bis Mai zu nutzen, verfügten die Teilnehmenden des agrarökologischen Programms über rund 15’000 Baumsetzlinge und 50’000 Fruchtsetzlinge in jeder der 21 Baumschulen», erinnert sich die Agrarökologie-Expertin.

«Wir mussten schnell handeln, weil die Setzlinge nicht warten konnten; sie sollten verteilt werden», sagt sie und fügt hinzu: «Wir mussten uns mit den Dorfältesten und den Führungspersonen zusammensetzen und mit ihnen eine Strategie ausarbeiten, wie wir diese Setzlinge noch verteilen konnten»

Mit Unterstützung der lokalen Verwaltung fanden die Mitarbeitenden der Organisation Wege, um in den Baumschulen sicher zu arbeiten. Sie richteten Handwaschanlagen ein und erstellten einen Plan, der es den Verantwortlichen der 241 Agrarökologie-Gruppen ermöglichte, die Anzahl der Setzlinge zu erfassen, welche die Landwirt/innen benötigten, erzählt Mulaeh.

In Bezug auf die physische Distanz fügt sie hinzu: «Wir entwickelten eine Methode, bei der die Projektteams die Setzlinge an einen bestimmten Ort ablegten, wo sie danach von den Leuten abgeholt werden konnten, jeweils von drei Bäuerinnen und Bauern auf einmal.

Wir arbeiten auch in Schulen, wo wir den Schüler/innen beibringen, wie man Waldgärten und biologisch-dynamische Gemüsegärten anlegt», sagt Mulaeh und fügt hinzu: «Dieses Jahr planten wir, mit 18 Schulen zu arbeiten, aber wir mussten die Initiative wegen Covid-19 stoppen.»

Friedensprogramme und Solidaritätsgruppen leiden unter Versammlungsverbot

Die in Nairobi wohnhafte Koordinatorin erzählt aber auch, dass die Covid-19-Krise die Friedensförderungsprogramme der Fastenaktion, in denen Mitglieder von Gemeinschaften zum «Dialog über die Nutzung ihrer Ressourcen» zusammenkommen, «enorm beeinträchtigt» habe.

«An diesen Programmen nehmen etwa 200 Personen teil, die sich mindestens einmal alle drei Monate treffen, um konfliktive Themen wie Wasser und Weideland zu diskutieren», sagte Mulaeh, gegenüber ACI Afrika.

Die Pandemie hat sich auch auf die Aktivitäten der 69 Spargruppen negativ ausgewirkt, die Fastenaktion in Kenya unterstützt, da deren Arbeitsweise es erfordert, dass sich die 15 Mitglieder jeder Gruppe jeweils physisch treffen, um ihre Beiträge in die gemeinsame Kasse einzuzahlen und Kredite zu vergeben.

«Um die Spargruppen funktionsfähig zu halten, musste die Koordination der Fastenaktion in Kenya Anpassungen vornehmen und den Gebrauch von Mobiltelefonen einführen, um den Verantwortlichen der Gruppen die Vergabe von Krediten zu ermöglichen», erklärt Mulaeh und ergänzt, dass die Ausbildung zur Methode der Spargruppen nach wie vor unterbrochen sei.

Zusammenarbeit innerhalb der katholischen Kirche und darüber hinaus

Die Koordinatorin gibt auch bekannt, dass Fastenaktion plant, die Katholische Bischofskonferenz von Kenya (KCCB) mit 20 000,00 US-Dollar zu unterstützen. Dies als Antwort auf den aktuellen Appell der Bischöfe, die Millionen von Menschen erreichen wollten, die von der Covid-19-Krise und den Überschwemmungen betroffen sind.

Mulaeh vertrat Fastenaktion übrigens auch bei der allerersten Agrarökologie-Konferenz 2019 in Kenya, die beschloss, sich von der Soziallehre der katholischen Kirche inspirieren zu lassen und verschiedene Akteur/innen – insbesondere junge Menschen – zu gewinnen, mit dieser Methode die Ernährungssicherheit und den Umweltschutz in dem ostafrikanischen Land zu verbessern.

Die Organisation Fastenaktion hat ihren Sitz in Luzern, in der Schweiz, und arbeitet unter dem Motto «Wir teilen». Sie stärkt Initiativen, «in denen Menschen und Gemeinschaften unterschiedlicher konfessioneller und religiöser Ausrichtung sich einsetzen für die Beseitigung der Armut, für globale Gerechtigkeit sowie die Schaffung sicherer Lebensgrundlagen». Das katholische Hilfswerk arbeitet in Partnerschaft mit lokalen Organisationen in 14 Ländern sowie in der Schweiz.

*ACI Africa ist eine neue afrikanische Medienagentur im Dienste der Kirchen in Afrika, basiert in Nairobi.
Übersetzt und bearbeitet von Blanca Steinmann

Artikel Original auf Englisch

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. 

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Essbare Wälder und Küchengärten

Das Bistum Nyahururu liegt nordwestlich von Nairobi am Fuss der Aberdarekette. Die junge Diözese umfasst ein Gebiet von einem Viertel der Fläche der Schweiz. Besonders die Gebiete in den weiten Ebenen sind teilweise sehr trocken und werden von verschiedensten Volksgruppen besiedelt. Die Menschen leben fast ausschliesslich von Ackerbau oder Viehzucht. Regelmässige Ernteausfällen wegen dem Klimawandel, immer kleinere Anbauflächen, Abhängigkeit von teurem Hybridsaatgut und Kunstdünger sowie Ausbeutung durch Geldverleiher führen dazu, dass sich Kleinbauern und Kleinbäuerinnen immer stärker verschulden und sich oft nicht einmal selber ernähren können.

Mehr zum erfolgreichen Einsatz der Agrarökologie im Programm Fastenaktion in Kenia sehen Sie hier (Deutsch)

Wie sieht diese Arbeit nun in Zeiten von Corona aus? Machen Sie sich hier ein Bild:

Die Fastenaktionpartnerorganisation Plataforma in Huila sammelt Lebensmittel für bedürftige Familien.Die Fastenaktionpartnerorganisation Plataforma in Huila sammelt Lebensmittel für bedürftige Familien.

Rote Fetzen – T-Shirts und Stoffstücke – hängen vor den Häusern vieler verzweifelter Familien, die hungern. Andere Familien hängen weisse Tücher heraus, um zu protestieren, dass es keine Gesundheitsversorgung gibt. Und weiterhin werden jeden Tag politischen Führungspersonen getötet. Elsy Marulanda, Koordinatorin des Fastenaktionprogramms in Kolumbien, und Alicia Medina, Programmverantwortliche in Luzern, haben die Situation zusammengefasst.

Das Coronavirus lähmt auch Kolumbien. Die Quarantänemassnahmen, die von der Regierung gegen die Ausbreitung des Virus diktiert wurden, haben drastische Folgen in einer so fragilen Gesellschaft, in der 6 von 10 Personen mit informeller Arbeit überleben. Ohne das tägliche oder wöchentliche Einkommen gibt es keine Nahrung. Die Menschen haben mehr Angst vor Hunger als vor dem Virus. Die Verzweiflung nimmt zu.

Zu Hause zu bleiben, ist für viele Familien eine unverständliche Massnahme, da sie in überfüllten Vierteln leben. Dort kann man keinen Meter Abstand einhalten. Der ideale Nährboden für Epidemien – aber auch für Missbrauch und Gewalt gegen Frauen. Während der Ausgangssperre haben die Hilferufe wegen Gewalt um fast 80 Prozent zugenommen. Dies ist eine weitere Epidemie, für die es keine wirksamen Massnahmen gibt und kaum Prävention.

Prekäre Gesundheits- und Lebensmittelversorgung

In einigen Regionen gibt es andere Krankheiten, welche die Bevölkerung plagen, zum Beispiel das Denguefieber im Projektgebiet Caquetá. Das Gesundheitssystem, insbesondere in den ländlichen Regionen, kann weder auf die Pandemie noch auf die anderen Krankheiten reagieren. Medizinisches Personal tritt zurück, weil selbst minimale Standards, um sich selbst zu schützen, nicht vorhanden sind – aber auch, weil es sein Gehalt nicht erhält.

Die Massnahmen der Regierung sind unzureichend. Es profitieren die Banken und die grossen Unternehmen. Die Hilfe für den Agrarsektor geht an agro-industrielle Betriebe, nur ein minimaler Anteil geht an die Kleinbauernfamilien, die am bedürftigsten sind. Der Import von Millionen Tonnen Sorghum, Mais und Soja wird verordnet, die Lebensmittelpreise werden erhöht. Gleichzeitig werden den Bauern und Bäuerinnen ihre Produktion nicht abgekauft.

Regierung und Wirtschaftsvertreter missachten Menschenrechte  

Korruption und Politik schaffen sich neue Freiräume. Während des Ausnahmezustands hat die Regierung zahlreiche Dekrete verabschiedet, ohne dass die Zivilgesellschaft sie kontrollieren konnte. So wurden zum Beispiel Umweltlizenzen für Rohstoffabbau-Projekte beschleunigt abgegeben. Damit wurde das Recht auf Mitsprache der betroffenen Bevölkerung grob verletzt.

Da die Bevölkerung aktuell wegen der Ausgangssperre nicht protestieren kann, nutzt die Regierung auch die Möglichkeit, Massnahmen wie das Versprühen von Glyphosat aus der Luft wieder einzuführen. Bei Wind weht es auch immer wieder giftige Unkrautvertilger auf die angrenzenden Felder der Kleinbäuerinnen und Bauern, die agrarökologische Landwirtschaft betreiben. Damit ist nicht nur die Lebensmittelproduktion der betroffenen Familien in Gefahr, sie verlieren auch ihr Einkommen, weil sie ihre Produkte nicht als biologisch verkaufen können.

Ermordung von Führungspersönlichkeiten geht weiter

Es grassiert zudem eine weitere Pandemie, die von der Weltöffentlichkeit wenig beachtet wird und gegen die die Regierung keine wirksamen Massnahmen trifft: Die Ermordung politisch und gesellschaftlich engagierter Führungskräfte. Männer und Frauen, die ihre Stimme erheben, um ihre Rechte und die Rechte aller Kolumbianer/innen zu verteidigen. Aktivist/innen, welche das Leben und die Natur schützen wollen. Menschen, die nicht die vom Staat verordneten wirtschaftlichen Interessen verfolgen.

Indepaz, das Institut für Studien über Entwicklung und Frieden, berichtet, dass zwischen dem 1. Januar und dem 5. Mai dieses Jahres in Kolumbien mindestens 95 Personen ermordet wurden. Und die Medien meldeten, dass trotz der Ausgangssperre seit dem 23. März 19 Personen umkamen. Am meisten betroffen ist das Departement Cauca, in dem die Fastenaktion-Partnerorganisationen Atucsara, Censat und Semillas de Agua arbeiten.

Die Corona-Krise hat in Kolumbien die bestehenden Probleme wieder in aller Deutlichkeit offengelegt. Die Mehrheit der kolumbianischen Bevölkerung, die bereits vor der Pandemie unter massiven Menschenrechtsverletzungen litt, wird weiterhin mit desolaten Aussichten konfrontiert.

Bis zum 18. Mai 2020 wurden in Kolumbien 15’574  Ansteckungen bestätigt und es gab bisher 574 Todesfälle – die Kurve scheint sich nun abzuflachen.

 

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. Hier finden Sie mehr zum Kolumbienprogramm der Fastenaktion.

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Janneth Lozano von der Partnerorganisation CodacopJanneth Lozano von der Partnerorganisation Codacop

Ausschnitt aus einem Mail von Janneth Lozano B, Direktorin der Partnerorganisation Codacop

«Eine herzliche und solidarische Umarmung für unsere Verbündeten, mit denen wir uns für eine bessere Welt – mit Gerechtigkeit und Gleichheit für alle – einsetzen.»

(…)

«Wir nutzen die Zeit, um mit aufgeschobenen Aufgaben voranzukommen, wir treffen uns virtuell und haben Arbeitspläne entwickelt, wir fördern Prävention und Kampagnen für Gewaltfreiheit, wir unterstützen Solidaritätsaktionen und wir kümmern uns um das Wohl unseres engeren Kreises. 

Aber wir machen uns noch immer Sorgen darüber, welche Auswirkungen dies auf die von uns begleiteten Prozesse, die Projekte und die Zusammenarbeit haben wird. Wir gehen davon aus, dass nichts mehr so sein wird wie vorher, wenn dieser Alptraum vorbei ist; wir bereiten uns darauf vor, gemeinsam über Alternativen und Wege nachzudenken und zusammenzuarbeiten…

Wir verfolgen aufmerksam die Nachrichten aus aller Welt und schliessen uns den Gebeten an, dass diese Nacht zu Ende geht und die Sonne für alle Menschen wieder scheinen wird.»

Andreia Fanzeres, OpanAndreia Fanzeres, Opan

Die Corona-Pandemie wird von der Regierung im Bundesstaat Mato Grosso genutzt, um im Eilverfahren eine Gesetzesänderung voranzutreiben. Diese wird das bisherige Recht der indigenen Bevölkerung auf eigenes Land stark beeinträchtigen. Opan, langjährige Partnerorganisation der Fastenaktion, hat die Öffentlichkeit alarmiert.

Die brasilianische Verfassung sieht Gebiete vor, die ausschliesslich von der indigenen Bevölkerung bewohnt werden dürfen. Doch bis die Grenzen eines solchen Gebiets abgesteckt sind, müssen die indigenen Gemeinschaften einen langwierigen administrativen Prozess durchlaufen. Die Territorien bleiben in dieser Zeit für sie reserviert, unabhängig davon, wo der administrative Prozess gerade steckt. Diesen Grundsatz hat das höchste Gericht des Landes kürzlich in zwei Fällen bestätigt.

Es ist zudem wichtig, zu wissen, dass es möglich ist, Landnutzungsrechte zu erwerben, indem sich eine Person einfach selbst als Besitzer/in eines Stück Landes erklärt. Dann ist der Staat verpflichtet, zu überprüfen ob dieser Anspruch rechtmässig ist. Er kontrolliert auch, ob das Umweltgesetz zur Anwendung kommt. In letzter Zeit wurde aber eine wachsende Anzahl von Fällen von dieser Überprüfung entbunden, was bedeutet, dass auch das Umweltgesetz weniger strikt eingehalten wird.

Verfassungsrecht wird schamlos unterlaufen

Obwohl die rechtliche Lage klar ist, hat der Gouverneur, in Absprache mit der Regierung von Mato Grosso, dem Parlament eine Gesetzesänderung vorgeschlagen: Neu soll auch erlaubt sein, dass jemand eine Selbstdeklaration auf Flächen erheben kann, die bereits von Indigenen genutzt werden – vorausgesetzt, dass diese den administrativen Prozess für das Gebiet noch nicht abgeschlossen haben. Dazu sagt Andreia Fanzeres von der Fastenaktion-Partnerorganisation Opan: «Diese angestrebte Änderung steht in direktem Widerspruch zur Verfassung und den genannten Gerichtsurteilen.» Nachdem die vorberatende Kommission den Gesetzesvorschlag im Eilverfahren per virtueller Abstimmung verabschiedet hat, ist dieser nun im Parlament von Matto Grosso hängig. Der Abstimmungstermin ist für diese Woche angesetzt. Auf Druck der Fastenaktion-Partnerorganisation hat sich jetzt die nationale Staatsanwaltschaft eingeschaltet und die Regierung von Mato Grosso angehalten, das Gesetzesvorhaben zu sistieren bis alle Auswirkungen dieser Gesetzesänderung geklärt sind.

Die Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung zerstören

Sollte das Gesetz dennoch in den kommenden Tagen vom Parlament gutgeheissen werden, besteht die akute Gefahr, dass privaten Personen zahlreiche Ansprüche stellen, um Landnutzungsrechte in indigenen Territorien zu erhalten. Dies bedroht direkt die Lebensgrundlage der betroffenen indigenen Gemeinschaften.

Obwohl Opan offizielles Mitglied des Umweltrates von Mato Grosso ist wurde die Organisation über die geplante Gesetzesänderung nicht informiert. Nur dank der Warnung eines Parlamentariers sowie eines Journalisten wurde die Zivilgesellschaft auf die laufende virtuelle Abstimmung aufmerksam gemacht. Dies bestätigt den Verdacht, dass die Regierung von Mato Grosso und die vorberatende Kommission die derzeitige Ausnahmesituation nutzen wollen, um das heikle Geschäft gezielt in virtuellen Sitzungszimmern voranzutreiben, ohne Information und Konsultation der betroffenen indigenen Gemeinschaften.

Ein Treffen von Opan und Führungspersönlichkeiten der indigenen Gemeinschaften mit Staatsanwälten (Archiv)Ein Treffen von Opan und Führungspersönlichkeiten der indigenen Gemeinschaften mit Staatsanwälten (Archiv)

Opan macht Druck

Opan ist seit 1969 die Interessenvertretung der Indigenen in Mato Grosso und fördert die Vernetzung der indigenen Gemeinschaften. In diesem konkreten Fall hat Opan gemeinsam mit weiteren Nichtregierungsorganisationen in kürzester Zeit Informationen und Hintergrundmaterial über die negativen Auswirkungen der Gesetzesänderung erarbeitet. Auf Druck einiger nationaler Medien musste die Regierung dazu Stellung nehmen und ein erstes Mal öffentlich über das Gesetz informieren. Ausserdem steht Opan in direktem Kontakt mit der nationalen Staatsanwaltschaft, welche die Aufgabe hat, die Verfassung zu schützen.

David Knecht, verantwortlich für Energie und Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion

Update 19. Juni 2020

Am 18. Juni hat das Parlament in Mato Grosso in einer ersten Lesung das neue Gesetz mit 13 Ja, 2 Nein und 6 Enthaltungen angenommen. Es wurde im Eilverfahren, im Schatten der Corona-Krise vorangetrieben. Opan hat keine Hoffnung, dass die zweite Lesung in 1-2 Wochen anders ausgehen wird. Das bedeutet: Die bestehenden Rechte der Indigenen auf Land können künftig einfach übergangen werden. 

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Plakat gegen Covid-19: Bleiben Sie zu HausePlakat gegen Covid-19: Keine Versammlungen und Besuche, bleiben Sie zu Hause

Zur Situation in Brasilien allgemein

In Brasilien wurden bisher 245’595 Personen positiv getestet und es starben 16’370 Personen an Covid-19 – die Kurve steigt noch immer steil an.

Zum einen liegt es daran, dass 13 der 240 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer in Favelas wohnen, in denen es an fliessendem Wasser fehlt und Abstände nicht eingehalten werden können. Vor allem aber liegt es an fehlenden Massnahmen der Regierung Bolsonaro, der noch Anfang Mai zu einem Journalisten sagte: «So what? Was wollen Sie, dass ich etwas dagegen tue?»

Der illegale Rohstoffabbau und das Abholzen im Amazonasgebiet gehen ungerührt weiter. Die Arbeiter bringen das Virus damit auch in sehr abgelegene Gebiete. Mit einem offenen Brief wandte sich am 3. Mai daher der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado und eine Gruppe von Künstlern, Wissenschaftlerinnen und weitere Persönlichkeiten weltweit gegen den befürchteten Genozid an der indigenen Bevölkerung.

Pramod Dahal, CAED/NepaPramod Dahal, CAED/Nepal

Die Menschen in den Projekten der Fastenaktion, die in abgelegenen Gebieten leben, können auf ihren Feldern weiter arbeiten. Doch vor kurzem wurde die Ausgangssperre bis zum 18. Mai verlängert. Das heisst, dass - mit wenigen Ausnahmen - niemand auf den Strassen unterwegs sein darf und keine Projektbesuche möglich sind. Pramod Dahal, Koordinator der Partnerorganisation CAED, berichtet.

«Eine Woche bevor in Nepal die Grenzen geschlossen wurden, überquerten fast eine halbe Million nepalesische Wanderarbeiter, die aus ihren Jobs in Indien vertrieben worden waren, die Grenzen im westlichen Teil des Landes. Doch viele nepalesische Arbeiter stecken noch immer an der indisch-nepalischen Grenze fest. Sie alle möchten zurück zu ihren Familien, in ihre Dörfer. Denn dort müssen sie wenigstens nicht verhungern. Es besteht jedoch ein hohes Risiko, dass die Rückkehrer von ausserhalb das Coronavirus in die ländlichen Gebiet bringen.

Da der Chef des Bezirkskrankenhauses in Dolpa es unterlassen hatte, eine Quarantäne und Isolierstation einzurichten, drohte der Chief District Officer, ihn zu verhaften, was wiederum die Arbeitenden aus den Gesundheitsberufen auf den Plan rief. Sie demonstrierten und forderten für sich Schutz und Sicherheit. 

Die Provinzregierung von Karnali hat Medikamente und Ausrüstung, darunter 200 Operationsmasken, 25 NH90-Masken, 60 persönliche Schutz-Ausrüstungen und 1000 Handschuhe mit dem Helikopter in den Distrikt geliefert. Das reicht nirgendwo hin. Alle sind überfordert. Täglich wird es wärmer und wir hoffen, das dies dazu beitragen wird, die Übertragung des Coronavirus zu verringen.»

Pramod Dahal, Koordinator der Partnerorganisation CAED, Anfang April 2020

 

Up date, 11. Mai 2020

Nepal zählte bis heute offiziell 134 Ansteckungen und keine Toten – doch fürchtet die Regierungen einen grossen Anstieg, wenn die Ausgangssperre gelockert wird. Am 6. Mai kündigte sie deshalb an, dass die Ausgangssperre bis zum 18. Mail verlängert wird. In- und Auslandflüge sind bis zum 31. Mai suspendiert. Bis auf weiteres ist auch Trekking in der Himalayaregion nicht erlaubt. 

Am 30. April konnten die letzten 2000 nepalesischen Arbeiter die Grenze zwischen Indien und Nepal überqueren.  Nepal hatte Mitte März die Grenzen für die Wanderarbeiter gesperrt, die in Indien ihre Jobs verloren hatten und verzweifelt versuchten, zu ihren Familien und in ihre Dörfer zurückzukehren, um wenigstens nicht zu verhungern. Manche waren mehrere hundert Kilometer zu Fuss unterwegs. In Quarantänelagern mussten sie darauf warten, ins Land gelassen zu werden.

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. Hier lesen Sie mehr zur regulären Programmarbeit in Nepal.

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Partnerorganisationen der Fastenaktion informieren über Corona und verteilen Material zur Desinfektion.Partnerorganisationen der Fastenaktion informieren über Corona und verteilen Material zur Desinfektion.

In Haiti ist die Situation verheerend: Klimawandel und eine korrupte Regierung bringen viel Leid über das Land. In das bestehende Chaos kommt nun der Corona-Virus hinzu - worüber nur ungenügend informiert wird. Die Partnerorganisationen der Fastenaktion informieren ihre Solidaritätsgruppen und geben Hygienematerial ab.

Menschen mit Corona-Virus werden stigmatisiert

Viele befürchten, dass es in Haiti bei einem grösseren Ausbruch der Covid-Krankheit zu Gewalt kommen könnte. Es gibt bereits Berichte über Gewaltausbrüche. Es wurden Personen mit verdächtigen Symptomen angegriffen und sogar ein Spital, welches diese Betroffenen behandelt hat.

Haitianischer Staat mit widersprüchlichen Informationen

Der Premierminister hat noch Mitte April gemeldet, dass Haiti bezüglich dem Corona-Virus über dem Berg sei. Es ging wohl vor allem darum, die Textilfabriken für den Export wieder zu öffnen. In den Fabriken können jedoch die Abstands- und Hygieneregeln nicht eingehalten werden. Seit 22. April besteht nun wieder der Ausnahmezustand.

Fastenaktion informiert über das Virus und verteilt Hygienematerial

Alle Partnerorganisationen der Fastenaktion organisieren Sensibilisierungs-Aktivitäten. Sie informieren, wo sie können, über die Gefährlichkeit des Virus und über Hygienemassnahmen. Zusätzlich haben sie Material zum Händewaschen organisiert: Kübel mit Hähnen und Seife zur Desinfektion.

 

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. 

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Ines Pérez und Yojana Miner

Inés Pérez Hernández und Yojana Miner, die Koordinatorinnen des Landesprogramms Guatemala berichten regelmässig zur Corona-Krise im Land. Sie rechnen mit lang andauernden negativen Folgen für die benachteiligte indigene Bevölkerung.

«Die informelle Wirtschaft ist zum Stillstand gekommen. Das betrifft jene schwer, die von Tag zu Tag leben. Es herrscht grosse Besorgnis darüber, wie die Nahrungsmittel beschafft werden können, wenn man die Häuser nicht verlassen darf und keine finanziellen Mittel vorhanden sind.

Die Überweisungen an Familien, welche Verwandte in den Vereinigten Staaten oder in anderen Ländern haben, fliessen nicht mehr reibungslos, denn die Banken haben 75 Prozent ihrer Dienstleistungen eingestellt. Wir befürchten starke negative Auswirkungen: Es fehlt an Nahrung und die Unterernährung – rund 60 Prozent der Bevölkerung leben bereits unter der Armutsschwelle – wird zunehmen.

Davon betroffen ist vor allem die indigene, ländliche Bevölkerung, also unsere Hauptzielgruppe in den Projekten. Diese Krise wird bei ihr wohl tiefe Spuren hinterlassen. Die Partnerorganisationen der Fastenaktion, mussten einen grossen Teil ihrer Aktivitäten aufgrund des Versammlungsverbots reduzieren. Sie arbeiten aber mit alternativen Kanälen, über das Telefon und die Sozialen Medien und informieren die Menschen in den Projekten auch, wie sie sich vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus schützen können. 

Wir selbst arbeiten seit Mitte März von zu Hause aus und sind in stetem Kontakt mit den Partnerorganisationen, unterstützen sie, so gut es geht. Wir hoffen, dass die Projekte von Oktober bis Dezember ihre geplanten Aktivitäten  nachholen können. 

Druck der Regierung auf die zivile Gesellschaft hält an

Der Kongress stellte bis anhin seine Arbeit nicht ein – das ist ein weiteres grosses Risiko, denn es könnten während der Ausgangssperren Gesetze verabschiedet werden, welche die Rechte der Bevölkerung verletzen. Wir hoffen, dass das Gesetz zu den Nichtregierungsorganisationen, welches unsere Arbeitsmöglichkeiten stark einschränken würde, nicht jetzt behandelt wird.

Was den Fokus des Guatemala-Programms betrifft: Das zentrale Problem in dieser Krise ist der Zugang zu und die Verfügbarkeit von Nahrung. Es zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist, das Recht auf Nahrung zu betonen und wie notwendig es ist, die Anliegen der ländlichen, indigenen Bevölkerung ins Zentrum zu stellen.»

Inés Pérez und Yojana Miner, Koordinatorinnen des Ökumenischen Landesprogramms Guatemala.

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. 

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Hier finden Sie mehr zum Guatemalaprogramm der Fastenaktion allgemein.

 

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Präsident von Guatemala, Alejandro Giammattei

Die Entwicklung der Corona-Krise in Guatemala

Am 13. März verkündete Präsident Giammattei den ersten Corona-Fall des Landes – ein Guatemalteke, der aus Italien gekommen war. Bereits ab 16. März wurden daraufhin alle Schulen geschlossen und weitere Massnahmen verkündet:

  • Land-, Luft- und Seegrenzen sind geschlossen, die Einreise von Ausländerinnen und Ausländern nach Guatemala ist verboten.
  • Keine Versammlungen mehr für mehr als 3 Personen, Osterprozessionen sind abgesagt.
  • Es herrscht totale Ausgangssperre von 16 – 4 Uhr.
  • Der öffentliche Verkehr wird eingestellt.
  • Einkaufszentren sind geschlossen, ebenso Bars, Clubs und Restaurants. Ausnahmen sind Apotheken, Tankstellen und grundlegende Dienstleistung.
  • Personen über 60, solche mit besonderen Risiken und Schwangere müssen grundsätzlich zu Hause blieben.

Die Regelungen gelten vorläufig bis zum 20. April, die Schulen bleiben bis Ende April geschlossen. Wer die angeordnete Ausgangssperre nicht einhält oder andere Regeln bricht, hat mit drastischen Strafen zu rechnen: Geldbussen ab umgerechnet 850 Franken oder Gefängnis bis zu 6 Jahren. Das trifft vor allem Menschen, die im informellen Sektor arbeiten und die Ausgangssperre nicht einhalten können.

Vor Ostern wurden die Massnahmen verschärft – unter anderem sind alle Reisen innerhalb des Landes verboten. Der Präsident versprach gleichzeitig 11 Milliarden Quetzal – rund 1.35 Milliarden Franken – bereit zu stellen: Unter anderem sollen 2 Millionen Familien für drei Monate je 1000 Quetzales – rund 120 Franken – erhalten. Ob und wie dies umgesetzt wird, ist offen. Es wurde auch das Thema der häuslichen Gewalt angesprochen und die Frauen wurden gebeten, sich zu melden, wenn sie davon betroffen sind. 

Am 8. April meldete die Regierung, dass täglich rund 20 Ansteckungen dazu kommen und 11‘000 Personen unter Quarantäne gestellt wurden. Wohl wissend, dass das Gesundheitssystem für eine Krise nicht gewappnet ist, drohte der Präsident, die Präventionsmassnahmen erst dann zurückzuziehen, wenn die Neuansteckungen weniger als 12  pro Tag betragen.  Bis zum 12. April gab es insgesamt 156 bestätige Ansteckungen, davon starben 5 Personen, 19 Personen gelten als geheilt. 

Fastenaktion hat in der Schweiz den Fairen Handel mitbegründet und setzt sich mit seinen Kampagnen dafür ein. Mit dem Kauf von Fair Trade Produkten geben Sie Menschen am Anfang der Produktionsketten - den Bananenpflanzern oder den Teepflückerinnen - eine Perspektive. Das ist gerade jetzt wichtig.

Das Coronavirus entwickelt sich auf dem ganzen Planeten rasant. Nun breitet sich das Virus auch auf dem afrikanischen Kontinent aus. Es wird befürchtet, dass die sowieso schon schwachen Gesundheitssysteme an ihre Grenzen kommen.

Der Faire Handel unterstützt Menschen am Anfang der Produktionskette und ermöglicht ihnen eine Arbeit und ein Leben in Würde. Zeigen Sie in dieser globalen Krise Solidarität mit den Schwächsten dieser Welt. 

Für die Schweiz wünschen wir uns, dass Sie als Konsumentin und Konsument die regionalen Angebote nutzen und die kleinen Läden unterstützen, damit diese finanziell die Krise überstehen können. Ebenso wünschen wir uns, dass Sie bei Ihren Einkäufen Fairtrade-Produkte aus Asien, Afrika oder Lateinamerika berücksichtigen. Denn auch damit tragen Sie dazu bei, dass die Strukturen des Fairen Handels in der Krise nicht zusammenbrechen und weiter wachsen können. 

Eine Übersicht der Online Fairtrade Shops hilft Ihnen, das richtige Produkt zu finden. Viele Shops bieten in dieser besonderen Lage spezielle Aktionen an oder liefern lokal und direkt.