Porträt Aimé SawadoAimé Sawado ist Koordinatorr der Bäuerinnenorganisation Akofed

Burkina Faso, das «Land der aufrechten Menschen», wie es übersetzt heisst, ist eines der ärmsten Länder der Welt. Weit mehr als die Hälfte muss mit weniger als einem Dollar täglich auskommen. Auf die Coronakrise reagieren die Politiker/innen mit Schliessung und Ausgangsverbot. Das treibt die Menschen noch weiter in die Armut.

Betroffen waren zuerst Minister/innen, Botschafter/innen, ein eben erst aus Frankreich zurückgekehrter Pastor und seine Frau, sowie der Erzbischof von Ouagadougou. Sie waren die ersten Covid-19 Patient/innen in Burkina Faso. Doch seit dem Auftreten der ersten Fälle Anfang März, hält hat das ganze Land den Atem an.

Die von der Regierung ergriffenen Massnahmen, um die Ansteckung zu verlangsamen oder zu stoppen, trifft die arme Bevölkerung besonders hart. Es gilt Quarantäne in den Städten, es herrscht landesweit ein Mangel an Schutzmasken, Seife und Desinfektionsmittel. Märkte, Gotteshäuser, Schulen und Bahnhöfe sind geschlossen.

Die Präventionsmassnahmen so gut es geht umsetzen

Akofed (Association Koglzanga féminin pour le développement), die Partnerorganisation der Fastenaktion, ist in der ländlichen Gemeinde Tikaré, 140 km von der Hauptstadt entfernt aktiv.

Aimé Swado der Koordinator erzählt: «Die von 19.00 Uhr bis 5.00 Uhr morgens festgelegte Ausgangssperre wird eingehalten, auch wenn viele Menschen in der Region dies als ungerechtfertigt empfinden, da die Städte, allen voran Ouagadougou, die meisten Ansteckungen verzeichnen. An der Organisation gesellschaftlicher Ereignisse hat sich wenig oder gar nichts geändert, da nach wie vor Zusammenkünfte bei Beerdigungen und glückliche Ereignisse wie Hochzeiten stattfinden.»

Zwar praktizieren einige Familien das Händewaschen, doch Distanz zu halten fällt allen schwer, denn das passt einfach nicht in den soziokulturellen Kontext. Händeschütteln, in Gruppen diskutieren, miteinander Zeit zu verbringen gehört zur Kultur der Burkinabe.

Schwerer Rückschlag für die Projekte

Doch die Bevölkerung von Tikaré lebt in ständiger Angst, wie sich die Situation weiter entwickeln wird. Die über die internationalen Medien verbreiteten Informationen, die tägliche Zahl der Todesfälle in den am stärksten betroffenen Ländern, die tägliche Aktualisierung der Situation in Ouagadougou, die Zahl der Neuinfektionen, Todesfälle und Genesungen, verschlimmern diese noch. Auch die mangelnde Gesundheitsversorgung – im ganzen Land gibt es fünf Beatmungsgeräte und das für über zehn Millionen Menschen – schüren zusätzliche Ängste. Die Behörden sind sich dieser Situation zwar bewusst; doch was sollen sie tun, falls die Katastrophe eintrifft? 

Aimé Sawado, der Koordinator von Akofed ist mehr als besorgt. «Durch das Versammlungsverbot und die sozialen Distanzierungsmassnahmen dürfen wir uns nicht mehr mit den Begünstigten treffen, verschiedene unserer Aktivitäten sind zum Erliegen gekommen. Das trifft die Menschen, die in der Solidaritätskalebasse organisiert sind besonders hart. Denn normalerweise treffen sie sich wöchentlich, um sich auszutauschen und auch um untereinander Geld zu sammeln, um für harte Zeiten gewappnet zu sein. Doch das ist jetzt verboten. Glücklicherweise dürfen die Felder noch bearbeitet werden. Aber wenn die Schliessung der Märkte und andere Massnahmen über die Trockenzeit hinaus andauern, werden wir in eine schwere Hungerkatastrophe schlittern.»

Colette Kalt, Fastenaktion

Covid-19 und seine Auswirkungen  in Burkina Faso – Stand 1. Mai 2020

645 Personen erkrankt an Covid-19, 43 Tote, 506 geheilte. Die tatsächliche Zahl ist nicht bekannt, da es an Testkits mangelt und eine medizinische Versorgung praktisch inexistent ist. 600’000 Menschen sind intern auf der Flucht vor Terrorgruppen im Norden und Osten des Landes. 

Fastenop

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Seit zwanzig Jahren feiern die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) und der Internationale Verband zum Schutz von Pflanzenzüchtungen (UPOV) am 26. April den Welttag für geistiges Eigentum. In diesem Jahr unter dem Motto «Innovationen für eine grüne Zukunft». Partnerorganisationen der Fastenaktion auf der ganzen Welt verurteilen diesen irreführenden Aufruf. Sie riefen deshalb zum Internationalen Saatguttag auf, der die Arbeit und das Wissen von Millionen von Bäuerinnen und Bauern honoriert.

Der sogenannte UPOV-Sortenschutz ist neben den Saatgutgesetzen Teil jener globalen Gesetzgebungen, die das geistige Eigentum schützen, die industriellen Nahrungsmittel- und Agrarsysteme unterstützen und festigen. Wie bereits während der Ökumenischen Kampagne 2020 aufgezeigt, basieren diese Systeme auf der Kommerzialisierung von Natur und Wissen und untergraben die Rechte der Bäuerinnen und Bauern, die bäuerlichen Anbausysteme sowie die biologische Vielfalt. Die Fastenaktion-Partnerorganisationen sind überzeugt, dass die industrialisierte Landwirtschaft die Zukunft des Planeten und der Menschen in grosse Gefahr gebracht hat.

Gerade leben wir in aussergewöhnlich herausfordernden Zeiten. Die Corona-Pandemie hat eine Wirtschaftskrise geschürt und die Risiken, Fragilität und Ungerechtigkeiten in unseren Ernährungssystemen offengelegt. Deshalb sagt die philippinische Partnerorganisation Searice: « Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir unsere Saatgutvielfalt, unsere vielfältigen Ökosysteme und unsere Biokulturlandschaften, die lokale Ernährungssysteme und Millionen von Lebensgrundlagen unterstützen, zurückgewinnen. Angesichts der Pandemie fordern wir den vollen Schutz und die Einhaltung der Rechte von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern.»

UPOV legt sich ein grünes Mäntelchen um

Gemäss WIPO und UPOV sei das geistige Eigentumsrecht an Saatgut gleichbedeutend mit der Innovationsförderung in der Pflanzenzüchtung. Doch dem widersprechen die Partnerorganisationen der Fastenaktion vehement. «Das System, dass die WIPO und UPOV fördern, behindert, untergräbt, beschränkt und entwertet stattdessen lokale Innovationen und traditionelle Wissenssysteme. Das von ihnen propagierte Modell ist ungeeignet für die Bäuerinnen und Bauern des globalen Südens, da sie weitgehend auf jahrhundertealte Systeme der Saatgutgewinnung und des Saatgutaustausches angewiesen sind.»

Tatsächlich sind es der Einfallsreichtum und die Innovationen der kleinbäuerlichen Familien, die die Welt ernähren, widerstandsfähige Nutzpflanzen hervorbringen und gesunde und nahrhafte Lebensmittel liefern – und dies auch in Krisenzeiten.

Gerne präsentiert sich die Agrarindustrie der Weltöffentlichkeit als Retterin in der Ernährungssicherheit. Gleichzeitig trägt sie aber auch eine Mitverantwortung an der Klima- und Umweltkrise.

Für die Partnerorganisationen ist ein solches Verhalten nicht akzeptabel: «Es darf nicht zugelassen werden, dass sich Unternehmen neu erfinden, um sich nun als Retter darzustellen. Sie sollten auch nicht mit dem Recht auf geistiges Eigentum belohnt werden, sind sie es doch, die Saatgut zu einer Ware machen und monopolisieren und die Rechte der Bäuerinnen und Bauern verletzen.»

Die unterzeichnenden Organisationen, verurteilen diese äusserst einseitige Sichtweise und sind schockiert über die Schönfärberei, mit der Sortenschutz nach UPOV und die Patente als Motor für eine grüne Zukunft angepriesen werden. Deshalb haben sie am 26. April alternativ zu einem Internationalen Saatguttag aufgerufen, der die Wichtigkeit der Bäuerinnen und Bauern bei der Saatgutgewinnung, dem Erhalt der Biodiversität und der Sicherstellung der Nahrung auch in Krisenzeiten garantiert.

Sie unterstützen das Anliegen unserer Partnerorganisationen? Unterschreiben Sie noch heute diese Petition, die bereits von vielen Umwelt- und Saatgutorganisationen weltweit unterschrieben wurde.

Erfahren Sie hier mehr über die Koalition.

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Noch während der Ökumenischen Kampagne verliess Mercia Andrews von der Fastenaktion-Partnerorganisation Rural Women Assembly (RWA) die Schweiz. Die Mehrheit ihrer Auftritte war abgesagt worden, gleichzeitig sorgte sie sich, was sie zu Hause erwarten würde.

Mercia Andrews, auch sie derzeit im Home Office, erinnert sich an ihren überstürzten Aufbruch. «Die Szene, die sich mir am Flughafen Zürich am Abend des 9. März präsentierte war unheimlich. Der Flughafen war menschenleer. Eine Stunde vor dem geplanten Abflug wurde der Flug gestrichen. Nach viel Unruhe und wenig Schlaf flog ich am nächsten Morgen mit etwa 40 anderen Passagieren nach Hause.»

Kein Geld für Lebensmittelvorräte

Am Flughafen Johannesburg wurde ihr, wie allen anderen Ankommenden, die Temperatur gemessen. «Ich ging sofort zum Arzt und wollte mich testen lassen. Doch da ich keine Symptome hatte, wurde ich nicht getestet, es mangelte an Testkits. Während der folgenden 14 Tagen musste ich mich an die staatlichen Vorschriften zur Selbstisolierung halten.»

In dieser Zeit bereitete Südafrika den Lockdown vor. Am 23. März trat die Ausgangssperre in Kraft, ein totales Flugverbot wurde verhängt. Über die daraus entstehenden Folgen ist Andrews sehr besorgt: «Seit mehr als drei Wochen leben wir nun mit einem der striktesten Lockdowns überhaupt. Wir stehen deshalb vor vielen Herausforderungen. Während die Mittelschicht Lebensmittel horten kann, mussten arme Menschen warten, bis zu ihrem Zahltag oder bis zum Tag der Auszahlung der Sozialhilfeleistungen oder Renten, um überhaupt etwas einkaufen zu können.»

Wasser – keine Selbstverständlichkeit

In vielen Gebieten haben die Menschen keinen Zugang zu Wasser, um sich regelmässig die Hände waschen zu können. Und in den überfüllten Häusern und in den Townships ist eine Selbstisolierung unmöglich. Oft leben da bis zu zehn Menschen auf engstem Raum. «Deswegen nehmen viele die Ausgangssperre nicht ernst, Polizei und Armee greifen dann aufs Brutalste durch. Viele Menschen haben zudem keinen Zugang zu Radio, Fernsehen und Internet und verfügen nur über beschränkte Informationen über Art und Umfang der von der Epidemie ausgehenden Bedrohung.»

Gleichzeitig beobachtet Mercia Andrews Erstaunliches. Denn die Regierung steht unter Druck. «Tabus von gestern werden auf einmal gebrochen. Die Sparmassnahmen, die zu einem gefährlichen Abbau der Gesundheitsdienste geführt haben, treffen uns jetzt mit voller Härte. Plötzlich ist Finanzminister Tito Mboweni dafür offen, Geld auszugeben, das er gemäss seinen Aussagen vorher nicht hatte.» 

Auf einmal scheint es auch möglich, dass in Townships und informellen Siedlungen den Menschen Land zur Verfügung gestellt wird, obwohl sie vor kurzem noch verhaftet wurden, wenn sie aus purer Not Land besetzten. Pflegepersonal und Gesundheitsarbeiter/innen in den Gemeinden, die im Allgemeinen ein Schattendasein fristen, werden jetzt als unverzichtbar anerkannt.

Frauen leiden besonders

Viele Regierungen in den Ländern des südlichen Afrika, in denen Gruppen des Rural Woman Assembly aktiv sind, befolgen die südafrikanische Strategie und haben ebenfalls einen Lockdown verhängt.

Wie Mercia Andrews berichtet, kritisieren viele der Mitglieder die militarisierte, von oben nach unten durchgesetzte Abriegelung. «Ich bin in grosser Sorge und fürchte den Gedanken an eine sich ausbreitende Epidemie in der Region, denn durch die vorangegangenen Sparmassnahmen sind unsere Gesundheitsinfrastrukturen sehr zerbrechlich. Als Bäuerinnenorganisation konzentrieren wir uns auf die Bewusstseinsbildung. Wir richten interne Kommunikationssysteme ein, um auch Frauen in abgelegenen Regionen erreichen zu können. Für diese sind die Schliessung der lokalen Märkte und des informellen Sektors ein grosses Problem, das sich unmittelbar auf ihr Einkommen auswirkt. Die Polizei weist zudem bereits auf eine deutliche Zunahme von geschlechtsspezifischer Gewalt hin.»

Bereits zwei Wochen nach Beginn der Ausgangssperren berichtete Polizeiminister Bheki Cele, dass 87’000 Menschen die Polizei gerufen hätten, weil sie häusliche Gewalt in ihrem Haus vermuteten. Wie viele Personen in diesem Zusammenhang verhaftet wurden, konnte er nicht sagen.

Zusammen mit den anderen Fastenaktion-Partnerorganisationen in Südafrika, hat Mercia Andrews mittlerweile die C-19 Peoples Coalition gegründet. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, möglichst viele Menschen über Covid-19 zu informieren, damit die richtigen Massnahmen ergriffen werden und die Ausbreitung des Coronavirus in Südafrika gestoppt werden kann.

Am 22. April waren die Zahlen noch vergleichsweise tief: 

 

  Südafrika Schweiz
Angesteckte Personen 3’159  27’740 
Todesfälle 54  1’393 
Durchgeführte Tests 114’711 221’263
Bevölkerung total 2018 57.8 Millionen 8.5 Millionen

 

Update 1. Mai 2020

Inzwischen sind es in Südafrika 103 Todesfälle (Schweiz: / 1737) und 5647 (Schweiz: / 29,705) bestätigte Ansteckungen. Die Regierung von Cyril Ramaphosa plant, die Ausgangssperre ab 1. Mai vorsichtig zu lockern.

 

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Ines Pérez und Yojana Miner

Inés Pérez Hernández und Yojana Miner, die Koordinatorinnen des Landesprogramms Guatemala berichten regelmässig zur Corona-Krise im Land. Sie rechnen mit lang andauernden negativen Folgen für die benachteiligte indigene Bevölkerung.

«Die informelle Wirtschaft ist zum Stillstand gekommen. Das betrifft jene schwer, die von Tag zu Tag leben. Es herrscht grosse Besorgnis darüber, wie die Nahrungsmittel beschafft werden können, wenn man die Häuser nicht verlassen darf und keine finanziellen Mittel vorhanden sind.

Die Überweisungen an Familien, welche Verwandte in den Vereinigten Staaten oder in anderen Ländern haben, fliessen nicht mehr reibungslos, denn die Banken haben 75 Prozent ihrer Dienstleistungen eingestellt. Wir befürchten starke negative Auswirkungen: Es fehlt an Nahrung und die Unterernährung – rund 60 Prozent der Bevölkerung leben bereits unter der Armutsschwelle – wird zunehmen.

Davon betroffen ist vor allem die indigene, ländliche Bevölkerung, also unsere Hauptzielgruppe in den Projekten. Diese Krise wird bei ihr wohl tiefe Spuren hinterlassen. Die Partnerorganisationen der Fastenaktion, mussten einen grossen Teil ihrer Aktivitäten aufgrund des Versammlungsverbots reduzieren. Sie arbeiten aber mit alternativen Kanälen, über das Telefon und die Sozialen Medien und informieren die Menschen in den Projekten auch, wie sie sich vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus schützen können. 

Wir selbst arbeiten seit Mitte März von zu Hause aus und sind in stetem Kontakt mit den Partnerorganisationen, unterstützen sie, so gut es geht. Wir hoffen, dass die Projekte von Oktober bis Dezember ihre geplanten Aktivitäten  nachholen können. 

Druck der Regierung auf die zivile Gesellschaft hält an

Der Kongress stellte bis anhin seine Arbeit nicht ein – das ist ein weiteres grosses Risiko, denn es könnten während der Ausgangssperren Gesetze verabschiedet werden, welche die Rechte der Bevölkerung verletzen. Wir hoffen, dass das Gesetz zu den Nichtregierungsorganisationen, welches unsere Arbeitsmöglichkeiten stark einschränken würde, nicht jetzt behandelt wird.

Was den Fokus des Guatemala-Programms betrifft: Das zentrale Problem in dieser Krise ist der Zugang zu und die Verfügbarkeit von Nahrung. Es zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist, das Recht auf Nahrung zu betonen und wie notwendig es ist, die Anliegen der ländlichen, indigenen Bevölkerung ins Zentrum zu stellen.»

Inés Pérez und Yojana Miner, Koordinatorinnen des Ökumenischen Landesprogramms Guatemala.

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Präsident von Guatemala, Alejandro Giammattei

Die Entwicklung der Corona-Krise in Guatemala

Am 13. März verkündete Präsident Giammattei den ersten Corona-Fall des Landes – ein Guatemalteke, der aus Italien gekommen war. Bereits ab 16. März wurden daraufhin alle Schulen geschlossen und weitere Massnahmen verkündet:

  • Land-, Luft- und Seegrenzen sind geschlossen, die Einreise von Ausländerinnen und Ausländern nach Guatemala ist verboten.
  • Keine Versammlungen mehr für mehr als 3 Personen, Osterprozessionen sind abgesagt.
  • Es herrscht totale Ausgangssperre von 16 – 4 Uhr.
  • Der öffentliche Verkehr wird eingestellt.
  • Einkaufszentren sind geschlossen, ebenso Bars, Clubs und Restaurants. Ausnahmen sind Apotheken, Tankstellen und grundlegende Dienstleistung.
  • Personen über 60, solche mit besonderen Risiken und Schwangere müssen grundsätzlich zu Hause blieben.

Die Regelungen gelten vorläufig bis zum 20. April, die Schulen bleiben bis Ende April geschlossen. Wer die angeordnete Ausgangssperre nicht einhält oder andere Regeln bricht, hat mit drastischen Strafen zu rechnen: Geldbussen ab umgerechnet 850 Franken oder Gefängnis bis zu 6 Jahren. Das trifft vor allem Menschen, die im informellen Sektor arbeiten und die Ausgangssperre nicht einhalten können.

Vor Ostern wurden die Massnahmen verschärft – unter anderem sind alle Reisen innerhalb des Landes verboten. Der Präsident versprach gleichzeitig 11 Milliarden Quetzal – rund 1.35 Milliarden Franken – bereit zu stellen: Unter anderem sollen 2 Millionen Familien für drei Monate je 1000 Quetzales – rund 120 Franken – erhalten. Ob und wie dies umgesetzt wird, ist offen. Es wurde auch das Thema der häuslichen Gewalt angesprochen und die Frauen wurden gebeten, sich zu melden, wenn sie davon betroffen sind. 

Am 8. April meldete die Regierung, dass täglich rund 20 Ansteckungen dazu kommen und 11‘000 Personen unter Quarantäne gestellt wurden. Wohl wissend, dass das Gesundheitssystem für eine Krise nicht gewappnet ist, drohte der Präsident, die Präventionsmassnahmen erst dann zurückzuziehen, wenn die Neuansteckungen weniger als 12  pro Tag betragen.  Bis zum 12. April gab es insgesamt 156 bestätige Ansteckungen, davon starben 5 Personen, 19 Personen gelten als geheilt. 

Die Solidaritätsgruppen oben haben dieses Haus zum Schutz ihrer Reisvorräte vor Überschwemmungen gebaut . Dem Virus haben sie nichts entgegenzusetzen.

Der Hafenstadt Toamasina an der Ostküste Madagaskars bleibt im Moment nichts erspart. Mitte März wurden als Folge des Wirbelsturmes Herold die tiefer gelegenen Quartiere überschwemmt. In vielen Häusern stand das Wasser knietief. Und als das Wasser begann, sich zurückzuziehen, erfuhren die Menschen von der nächsten Bedrohung: eine weltweite, vor der sich sogar die entwickelten Länder fürchten.

Alle Projekte von Fastenaktion sind mit neuen, zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert. Am 24. März berichtete aus der Hafenstadt Toamasina Jean Céléstin Heriniaina, der Verantwortlichen des Projekts mit rund 1500 Solidaritätsgruppen.

Am 17. März trat in Madagaskar der erste Fall von Covid-19 auf. Die Überschwemmungen und jetzt die Epidemie bringen das Leben durcheinander, viele reagieren panisch. Die Bewohnerinnen und Bewohner von Toamasina versuchen sich trotz des plötzlichen Preisanstiegs mit Reis, Gemüse und anderen Dingen des täglichen Bedarfs einzudecken. Bereits ist das Speiseöl 5% teurer geworden, ein Sack Reis, der vorher 90’000 Ariary (23 Franken) kostete, wird jetzt zum doppelten Preis gehandelt. Im Bazary Kely – dem lokalen Markt – und in den Supermärkten war am 21. März alles leer gekauft. Auch die Tankstellen sind «trocken», es gibt weder Benzin noch Heizöl oder Gas.

Aber wie lange sollen unsere Vorräte reichen? Wir können annehmen, dass die Situation die Armut verstärkt. Madagaskar gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, rund 80 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze von rund 2 Dollar/Tag.

Am 22. März rief der Präsident den Notstand auf und verfügte eine 15-tätige Ausgangssperre für die Hauptstadt und Toamasina. In den Strassen von Toamasina spürt man die Panik der Bewohnerinnen und Bewohner, auch wenn bisher noch keine einzige Ansteckung gemeldet wurde.

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. Es ist in Madagaskar möglich, einen Teil der Beratung der Solidaritätsgruppen über Mobiltelefone zu machen. Die Kredite, welche die Gruppen ohne – oder nur gegen einen kleinen Zinssatz – vergeben, sind auch weiterhin möglich. Da es bisher nur wenig gemeldete Covid-19 Patientinnen und Patienten gibt, besteht die Hoffnung, dass sich das Virus nicht epidemisch ausbreitet – Es würde verheerende Folgen für die arme Bevölkerung haben.

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Covid-19 als Zeitbombe für das Regime

Der Journalist Stefan Frey lebt in Olten und Diego Suarez im Norden von Madagaskar. Er hat dort die Organisation Mad’éole gegründet, welche Dörfer mit Wind- und anderen erneuerbaren Energien versorgt. Lesen Sie in seinem Artikel vom 5. April, was er als kritischer Beobachter zu Madagaskar und Covid-19 schrieb.

Am 1. April 2020, veröffentlichte die Beobachtungsstelle des öffentlichen Lebens in Madagaskar (Observatoire de la vie publique – SeFaFi), eine kritische Beurteilung des madagassischen Gesundheitswesens und äusserte schwerwiegende Zweifel an dessen Fähigkeiten im Hinblick auf die Bewältigung der Pandemie. Zehn Tage vorher hatte Staatspräsident Andry Rajoelina in einem pompösen Fernsehauftritt offiziell verkündet, dass das Corona-Virus zwischen dem 11. und 22. März mit Flügen aus Europa gelandet sei.

Die Regionen um die Hauptstadt Antananarivo und um die Hafenstadt Toamasina wurden unter Quarantäne gestellt, der Luftraum seit dem 22. März gesperrt, ebenso die Häfen. Dem Präsidenten zufolge zählte das Land am 2. April 59 Covid-19-Fälle. Kein Mensch im Land glaubt es, dafür werden die Ausgabestellen für Lebensmittelpakete von Tausenden gestürmt. Bilder vom Massenandrang verspotten die vom Präsidenten – der sich jetzt jeden zweiten Tag über die per Notstandsmassnahme requirierten Medien ans Volk wendet.

SeFaFi weist in ihrer neusten Verlautbarung auf ein zur Kultur gewordenes Phänomen hin: die Korruption. Auch im Gesundheitssystem seien Machtmissbrauch, Veruntreuung und offene Korruption längst zu einer existentiellen Bedrohung geworden. Die jahrelange Vernachlässigung des Gesundheitssektors habe die Spitäler praktisch ihrer Behandlungsmöglichkeiten beraubt. Neun von zehn Menschen der ländlichen Bevölkerung haben übrigens überhaupt keinen Zugang zum Gesundheitswesen.“

Zu den Projekten der Fastenaktion meint Frey: „Daneben gibt es zahlreiche rein privat organisierte und finanzierte Projekte, aus denen insbesondere jenes der Fastenaktion hervorzuheben ist, das über die Selbsterkennung der Schuldenspirale zur Selbstorganisation von Schuldnergruppen und schliesslich zu deren Befreiung aus den Wucherer-Fesseln führt. Weit über hunderttausend Menschen konnten so eine nachhaltige Perspektive entwickeln.“

Lesen Sie den ganzen Artikel von Stefan Frey zur Situation in Madagaskar auf Infosperber

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Quinta Titus rechts, lange bevor die verordneten Einschränkungen Namaqualand an den Rand des Kollapses brachten. ©Fastenaktion/Claudia Fuhrer

Die Fastenaktion-Partnerorganisation Namko, ist eine der wenigen NGOs, die noch im Gebiet von Namaqualand tätig ist und die Folgen der verordneten Einschränkungen wegen des Coronavirus, hautnah zu spüren bekommt.

Wie Quinta Titus, die Geschäftsleiterin von Namko berichtet, waren die Menschen der isolierten und armen Gemeinde im äussersten Westen der Nordkap-Provinz überzeugt, dass es sich beim Coronavirus um das Virus des reichen Mannes handelt. Ein aus China in den Rest der Welt verschlepptes Virus. Und da nur reiche Leute in der Lage sind, nach Übersee zu reisen, hätten sie in ihrer Abgeschiedenheit nichts zu befürchten.

Umso mehr erstaunte sie, als der Staatspräsident Abriegelungsmassnahmen verkündete. Nach wie vor waren die Menschen in der abgelegenen Region überzeugt, dass diese Anordnungen sie nicht betreffen würden. Als jedoch die südafrikanische Polizei und das Militär begannen, in den Gemeinden zu patrouillieren, erinnerte dies viel ältere Menschen aufs Schmerzlichste an das alte Apartheidregime. Etliche der jüngeren Generationen waren schockiert über die Einschränkungen, das Ausgehverbot und die Schliessung der kleinen Nahrungsmittel-Shops. Ihr Widerstand führte zu einer Zunahme brutaler Polizeieinsätze.

Die Schulen sind geschlossen, deswegen hungern die Kinder

Seit dem 23. März – dem südafrikanischen Lockdown – sind vertraute Aktivitäten wie der Besuch beim Nachbarn, Fussballspielen, in der Gruppe zusammensitzen um sich auszutauschen, und auch mal die Sorgen und Kümmernisse abladen zu können, nicht mehr erlaubt. Quinta Titus sagt: «Wir sind daran gewöhnt, in Zeiten der Not einander Grundnahrungsmittel zu borgen. Doch dafür müssen wir in der Lage sein, uns frei bewegen zu können. So wie die Situation jetzt aber ist, verschärft das den Überlebenskampf unseres Volkes.»

Die einzige Einkommensquelle für die meisten Menschen in der Region sind die staatlichen Sozialbeihilfen und Gelegenheitsjobs wie Putzen, die aber durch die Abriegelungsmass-nahmen nicht mehr gemacht werden können. Die Gemeindemitglieder haben hart zu kämpfen, da viele von ihnen ohne etwas zu essen zu Bett gehen müssen. Auch die Kinder trifft es hart. Bekommen sie doch in der Schule eine gratis Mahlzeit täglich, die wegen der Schliessung nun aber wegfällt. Oft gehen sie jetzt ohne eine anständige Mahlzeit zu Bett, und den Menschen in Namaqualand bricht es das Herz, wenn sie die Kinder vor Hunger weinen hören.

Telefonberatung gegen häusliche Gewalt

Durch diese nur schwer zu ertragende Situation steigt die Frustration, gerade auch bei den Männern. Das wiederum führt zu einer Zunahme von häuslicher Gewalt, und da die Frauen und Kinder keine Möglichkeit haben anderswo hinzugehen, sind sie gezwungen, in dieser schwierigen, oft auch lebensgefährlichen Situation auszuharren. Die Namko-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter versuchen über Facebook und telefonischen Kontakt, den betroffenen Frauen zu helfen. Doch selbst für sie ist es eine grosse emotionale Belastung, da sie nicht in der Lage sind direkte Hilfe anzubieten.

Quinta Titus spricht Klartext: «In der gegenwärtigen Situation hat unser Volk keine Hoffnung, und die staatlichen Hilfsprogramme erreichen nur wenige Menschen, und Elemente der Korruption sind im Nahrungsmittelpaketprogramm offensichtlich. Wenn es jemals eine Zeit gab, in der unser Volk Unterstützung brauchte, nur um zu überleben, dann ist es jetzt.»

Colette Kalt, Fastenaktion

Covid-19 und seine Auswirkungen – Stand 19. April 2020

Die ersten drei Fälle traten zwischen dem 6.-12. März auf. Bisher wurden 3158 bestätigte Fälle gemeldet. 54 Menschen sind an der Krankheit gestorben. Bisher sind 903 Personen wieder genesen. Im ganzen Land wurden 114’711 Tests durchgeführt.

Im Northern Cape verläuft die Ansteckungskurve äusserst flach, gemeldet sind 16 Fälle. In der Provinz Gauteng ist die Ansteckungsrate mit 1148 am höchsten, gefolgt vom Western Cape und Kwa Zulu Natal mit 868, resp. 617 gemeldeten Fällen. Durch die Ausgangssperre nimmt auch die häusliche Gewalt zu. Seit Beginn des Lockdowns wurden in Südafrika bereits 87’000 Fälle häuslicher Gewalt gemeldet.

Namko – eine Partnerorganisation der Fastenaktion

Namko unterstützt die Bevölkerung, sich in Gruppen zusammen zu schliessen, um gemeinsam ihre Lebenssituation zu verbessern. Mit der Bildung und Beratung von Spargruppen wird der Bevölkerung ein Instrument angeboten, um sich von Verschuldung zu befreien. Zudem werden Haus- und Gemeinschaftsgärten angelegt. Mit diesen können einzelne Haushalte und ganze Gemeinschaften ihre Ernährung kostengünstig sichern und zugleich ausgewogener gestalten. Statt teure Nahrungsmittel im Supermarkt einkaufen zu müssen, können sie das Geld für andere dringende Auslagen verwenden oder in den Spargruppen anlegen. Namko führt seit ungefähr 10 Jahren auch Kampagnen gegen häusliche Gewalt durch und berät betroffene Frauen und Kinder.

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Covid-19 und seine Auswirkungen – Stand 19. April 2020

Die ersten drei Fälle traten zwischen dem 6.-12. März auf. Bisher wurden 3158 bestätigte Fälle gemeldet. 54 Menschen sind an der Krankheit gestorben. Bisher sind 903 Personen wieder genesen. Im ganzen Land wurden 114’711 Tests durchgeführt.

Im Northern Cape verläuft die Ansteckungskurve äusserst flach, gemeldet sind 16 Fälle. In der Provinz Gauteng ist die Ansteckungsrate mit 1148 am höchsten, gefolgt vom Western Cape und Kwa Zulu Natal mit 868, resp. 617 gemeldeten Fällen. Durch die Ausgangssperre nimmt auch die häusliche Gewalt zu. Seit Beginn des Lockdowns wurden in Südafrika bereits 87’000 Fälle häuslicher Gewalt gemeldet.

Namko – eine Partnerorganisation der Fastenaktion

Namko unterstützt die Bevölkerung, sich in Gruppen zusammen zu schliessen, um gemeinsam ihre Lebenssituation zu verbessern. Mit der Bildung und Beratung von Spargruppen wird der Bevölkerung ein Instrument angeboten, um sich von Verschuldung zu befreien. Zudem werden Haus- und Gemeinschaftsgärten angelegt. Mit diesen können einzelne Haushalte und ganze Gemeinschaften ihre Ernährung kostengünstig sichern und zugleich ausgewogener gestalten. Statt teure Nahrungsmittel im Supermarkt einkaufen zu müssen, können sie das Geld für andere dringende Auslagen verwenden oder in den Spargruppen anlegen. Namko führt seit ungefähr 10 Jahren auch Kampagnen gegen häusliche Gewalt durch und berät betroffene Frauen und Kinder.