Über 40 Prozent der weltweiten Reisexporte stammen aus Indien. Das von der Regierung im Juli verhängte Reisausfuhrverbot macht die Situation für arme Länder wie Nepal oder Senegal noch prekärer. Sie litten schon zuvor unter stark gestiegenen Preisen für Grundnahrungsmittel. 

Wegen verspätetem oder zu heftigem Monsunregen erwartet Indien dieses Jahr eine schlechte Reiseernte. Die Regierung hat deshalb am 20. Juli beschlossen, bestimmte Reissorten nicht mehr zu exportieren, um die schon zuvor gestiegenen Preise im Land zu stabilisieren. Der Entscheid ist vor allem innenpolitisch begründet, um die vielen Armen wohlwollend zu stimmen, die bei den anstehenden Wahlen 2024 eine wichtige Rolle spielen. 

Reispreise nun noch höher 

Reis ist ein Grundnahrungsmittel für mehr als drei Milliarden Menschen. 2022 exportierte Indien über zehn Millionen Tonnen von den vom Ausfuhrverbot betroffenen Reissorten – insbesondere an afrikanische Länder wie Benin, Senegal, Elfenbeinküste und Togo, aber auch an Nachbarstaaten wie China, Bangladesch oder Nepal. Für die ärmere Bevölkerung dieser Länder, die wegen unberechenbaren Wetterextremen und dem russischen Angriff auf die Ukraine ohnehin schon mit höheren Preisen für Grundnahrungsmittel konfrontiert ist, wird die Lage nun noch prekärer. 

Nepal etwa ist nach Benin der zweitgrösste Importeur dieser indischen Reissorten und leidet dieses Jahr zudem wegen unzuverlässiger Regenfälle unter Ernteausfällen – die Reispreise sind deswegen bereits gestiegen.

Eine trägt einen 30 Kilogramm schweren Reisbeutel auf ihrer Schulter.
Nepal ist stark vom Import indischer Reissorten abhängig.

Hoffnung kommt auf 

«Es zeichnet sich jedoch ab, dass sich Nepal durch Verhandlungen mit Indien mindestens einen Teil der üblichen Exporte auch für dieses Jahr sichern kann», sagt Samrat Katwal, der die Ernährungsprojekte von Fastenaktion in Nepal koordiniert. Somit bestehe Hoffnung, dass das Exportverbot die Lage nicht allzu sehr verschärfe. 

Dennoch bleibt die Ernährungssituation für viele Menschen in ärmeren Verhältnissen schwierig. «Bei höheren Preisen müssen sie sich weiter verschulden und verstärken so ihre Abhängigkeit. Dies stützt die bestehenden Machtstrukturen, die die Schwächsten der Gesellschaft in einem Teufelskreis der Armut gefangen halten.» 

Agrarökologie ist Teil der Lösung 

Dagegen hilft unter anderem eine Umstellung der Landwirtschaft nach den Grundlagen der Agrarökologie, wie sie Fastenaktion in Nepal, Senegal und weiteren Projektländern unterstützt. Dabei handelt es sich um eine lokal angepasste und umweltschonende Landwirtschaft, die zudem die Widerstandskraft gegenüber den Folgen der Klimaerwärmung erhöht. «Mögliche Antworten auf diese schwierigen Zeiten finden sich in traditionellen landwirtschaftlichen Praktiken», sagt Samrat Katwal. «In den Weisheiten der Ahnen liegt grosses Potenzial, heutige Probleme anzugehen.»  

Die Partnerorganisationen von Fastenaktion in Asien, Afrika und Lateinamerika setzen sich für agrarökologische Ansätze ein. Erfahren Sie hier mehr über das Thema.

Ein agrarökologisches Feld in einem nepalesischen Dorf.
Fastenaktion setzt in Projekten auf eine lokal angepasste und umweltschonende Landwirtschaft, um den Hunger langfristig zu vermindern.

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Maman Danga Esambo ist Mutter von sieben Kindern. Zusammen mit anderen Frauen hat sie eine Solidaritätsgruppe gegründet. 

«Ich bin Vorsitzende des Vereins Anawedja, was so viel wie Die Ausländerinnen bedeutet. Wir bewirtschaften gemeinsam Reis und Erdnussfelder. Im April und Mai ernten wir den Reis. Einen Teil lagern wir für den Verbrauch ein, ein Teil wird verkauft, und der Rest wird als Saatgut an die Mitglieder unseres Vereins weitergegeben, damit sie dieses auf ihren eigenen Feldern aussäen können. In der darauffolgenden Saison bauen wir Erdnüsse an. Von dieser Ernte verkaufen wir einen Teil, um mit dem Ertrag die Schuluniformen für unsere Kinder zu kaufen. Die Kinder brauchen ausserdem Armmanschetten und Bücher.

Wir Frauen kaufen von diesem Geld auch Hacken für die Feldarbeit, ausserdem Dinge des täglichen Bedarfs für unsere Familien.

Zudem schaffen wir uns Jungtiere für die Zucht an, um unsere landwirtschaftliche Produktion zu erweitern. Ein Teil der Einnahmen fliesst in die Solidaritätskasse. Zudem führen wir regelmässige Treffen durch, bei denen jedes Mitglied seine Beiträge für die Solidaritätsgruppe entrichtet. Doch nicht alle zahlen gleich viel ein. Einige zahlen nie. Das macht es für uns wiederum schwierig, sie zu unterstützen, wenn sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Wir Bäuerinnen brauchen die Unterstützung der Politik, denn wir wollen uns weiterentwickeln.

Wir brauchen Schulungen in der modernen landwirtschaftlichen Praxis. Wir möchten verschiedene Früchte und Gemüse anpflanzen, damit wir unsere Produktion variieren und ausbauen können.»

Seit über 20 Jahren stehen im Mittelpunkt der Arbeit von Fastenaktion und seinen Partnerorganisationen Solidaritätsgruppen. Dank des Ansatzes wird der Hunger nachhaltig und langfristig reduziert. Erfahren Sie hier mehr darüber.

Maman Danga Esambo steht vor einer Wand. Sie ist Mutter von sieben Kindern. Zusammen mit anderen Frauen hat sie eine Solidaritätsgruppe gegründet.
Danga Esambo bewirtschaftet mit anderen Frauen Felder. Ein Teil des Erlöses aus der Ernte fliesst in die Solidaritätsgruppe.

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Donatien Mulumba lebt in Sankuru, einer Region in der Demokratischen Republik Kongo. Nachdem die Kautschukfirma in der Donatien arbeitete Konkurs ging, entschloss er sich mit anderen Menschen aus dem Dorf fortan gemeinsam Feldarbeit zu betreiben – für eine bessere Zukunft. 

«Mein Name ist Donatien Mulumba Ngalambidi. Hier im Dorf Kutusongo war ich früher Arbeiter in einer Kautschukfabrik. Doch als sie Konkurs ging, haben wir alle unsere Arbeit verloren. Glücklicherweise habe ich mich einer Partnerorganisation von Fastenaktion angeschlossen und unser Projekt nimmt nun langsam Fahrt auf. Unsere Gruppe nennen wir Association Emongo und ich bin seit drei Jahren ihr Vorsitzender. Ich habe an der Universität studiert und einen Abschluss in Erziehungswissenschaft an der Fakultät für Psychologie erlangt. In unserem Verein sind wir 32 Personen. Jeden Morgen gehen wir auf unser Feld. Erst jäten wir Unkraut und dann bepflanzen wir die Beete. Wir bauen Reis, Mais, Kürbisse und Erdnüsse an, um unsere Familien zu ernähren und einen Teil der Produktion zu verkaufen. Wir hoffen, dass dies die Entwicklung unseres Dorfes vorantreiben wird.  

Es ist wichtig, dass wir die Landwirtschaft gemeinsam betreiben. So können wir uns gegenseitig helfen und unsere gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation verbessern. Wenn wir Überschüsse verkaufen, können wir das Geld untereinander aufteilen, damit alle Mitglieder ihre dringendsten Bedürfnisse befriedigen können. Dazu gehören der Kauf von Saatgut, das Schulgeld für die Kinder oder die medizinische Notversorgung im Krankheitsfall. Wir würden gerne lernen, wie wir lokal angepasstes Saatgut vermehren und damit arbeiten können. Und wir möchten weitere Felder im Wald zwischen den Bäumen anlegen, damit die Setzlinge vor der Sonne geschützt sind. Unsere Gemeinschaft hat zum Ziel, wirtschaftlich unabhängig zu werden 

Früher hat jede Person im Dorf für sich allein gearbeitet, heute arbeiten wir zusammen, um gemeinsam zu produzieren und auch gemeinsam zu ernten. Das geht besser und ist einfacher. Zusammen können wir bis zu 2 000 Reisballen produzierenallein wäre dies nicht möglich.  

Donatien Mulumba steht im Eingang seiner Hütte.
Donatien Mulumba Ngalambidi ist Vorsitzender der Association Emongo.

Im Verein können wir gemeinsam grössere Mengen produzieren und damit auch genügend Geld erwirtschaften. Bisher haben wir noch nicht mit dem Verkauf unserer Produkte begonnen, aber wir werden Käufer:innen finden und den Gewinn aus unserer gemeinsamen Arbeit teilen oder unsere Einnahmen in andere Projekte investieren. Wir würden gerne einen Fischteich anlegen und Wasserhühner züchten. Wir entwickeln unsere Tätigkeiten stets weiter, so haben wir gerade gestern ein zusätzliches Erdnusslager eingerichtet. Denn Reis- und Erdnusssamen können nicht miteinander gelagert werden. Deshalb bewahren wir jedes Saatgut separat an seinem richtigen Platz auf.» 

Die Demokratische Republik Kongo ist reich an natürlichen Ressourcen. Trotzdem lebt über die Hälfte der Bevölkerung in extremer Armut. In den Projekten von Fastenaktion lernen Familien verbesserte Anbautechniken kennen. Mit organischer Düngung und einer sinnvollen Fruchtfolge wird die Bodenfruchtbarkeit erhalten und die Produktion erhöht. Erfahren Sie hier mehr über das Landesprogramm in der Demokratischen Republik Kongo.

Frisch geerntete Reisähren auf dem Feld.
Einige frisch geerntete Reisähren der Gruppe.

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Teodulo und Delia Badillo

Warum Agrarökologie krisenresistent macht

Die Bäuerin Delia Badillo und ihr Mann Teodulo haben auf der philippinischen Insel Mindanao einen eigenen Hof. Gerade in Zeiten von Corona ist die Selbstversorgung der Familie mit agrarökologischen Methoden zentral. Während viele Menschen auf Nahrungsmittellieferungen angeweisen sind, kommt diese Kleinbauernfamilie mit der Hilfe der Fastenaktion gut durch die Krise.

Die Warenbewegungen im Land sind drastisch eingeschränkt worden aufgrund der von der Regierung verhängten Sperre. In den Städten ist die Versorgung mit Lebensmitteln bereits jetzt vielerorts alarmierend. Es wird befürchtet, dass sich die Nahrungsmittelkrise in den kommenden Monaten noch verschärfen wird, wenn die Sperre wahrscheinlich verlängert wird und die Situation weiterhin aussergewöhnlich bleibt.

Bauern und Bäuerinnen sind gut auf die Corona-Krise vorbereitet

Menschen wie die Badillos haben nun mehr Möglichkeiten als andere: „Es geht uns hier gut, trotz der von der Regierung durchgeführten Sperre. Unser Bauernhof versorgt uns mit allem Nötigen“, sagt Delia Badillo. Sie und ihr Mann Teodulo – oder „Dokdok“, wie er überall genannt wird – bewirtschaften ihre Felder mit agrarökologischen Methoden. Ständig führen sie Innovationen auf dem Bauernhof durch, passen ihr Saatgut an. Auch teilen sie ihr Wissen uneigennützig mit den Bäuerinnen und Bauern in der Region der Halbinsel Zamboanga und in mehreren Teilen Mindanaos.

Diversität der landwirtschaftlichen Produkte zahlt sich aus

Auf ihrem ein Hektar grossen Bauernhof pflanzen sie Reis, Gemüse, Obstbäume und Kräuter an und ziehen Ziegen, einheimische Hühner und Enten auf. Begleitet werden sie dabei vom landwirtschaftlichen Know-How der Fastenaktion-Partnerorganisation Agro-Eco. Für ihr Engagement wurde die Organisation bereits mit einem internationalen Agrarökologie-Preis ausgezeichnet. Mit der agrarökologischen Anbaumethode versorgt sich die Familie Barillo ganzjährig mit nahrhaftem Essen, mit Medikamenten, natürlichen Düngemitteln. Dass sie auf viele verschiedene Nahrungsmittel setzen, garantiert ihnen zudem ein regelmässiges Einkommen und sogar einen grösseren Ertrag, als wenn sie nur Reis angepflanzt hätten.

Delia Badillo bekräftigt: „Agrarökologie macht unsere Familie flexibler, um mit einer solchen Situation fertig zu werden. Die diversifizierten Anbaumethoden sind ein wesentliches Element für den Fortbestand der Bäuerinnen und Bauern und der lokalen Wirtschaft.»

Text: Geonathan Barro von der philippinischen Partnerorganisation Agro-eco

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. 

Um diese Arbeit halten und weiterführen zu können, sind wir froh um jede Spende. 
 

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Corona: Wird Agrarökoklogie auf den Philippinen zum Trend?

Rund 1’500 agrarökologische Bauernbetriebe, die von unserer Partnerorganisation Agro-Eco unterstützt werden, kommen gut durch die Corona-Zeit. Warum sie gut auf die aktuelle Krise vorbereitet sind, erklärt Karin Wenger in der folgenden SRF-Reportage:

Die Kleinbäuerin Salvadora erntet Ube, eine Art Yamswurzel oder auf Englich "purpel yam".
Hier gibt es mehr Informationen zum Philippinenprogramm allgemein der Fastenaktion.