Seit dem Beginn der Kämpfe 1996 starben in der Demokratischen Republik Kongo rund sechs Millionen Menschen. Auslöser des bis heute andauernden Konflikts war der Völkermord im Nachbarland Ruanda 1994. Inzwischen befeuern ihn jedoch vor allem wirtschaftliche Interessen – und mangelndes Engagement der internationalen Gemeinschaft.

Text: Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion

Seit bald 30 Jahren bekämpfen sich im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) verschiedene Gruppen aus unterschiedlichen Gründen. Die Folgen: Rund sechs Millionen Tote und über 6,5 Millionen Vertriebene innerhalb des Landes – eine halbe Million allein 2023. Ein Viertel der Bevölkerung von rund 100 Millionen leidet unter Hunger und Unterernährung.  

Die aktuellen Ursachen der Krise sind vielfältig. «Im Osten des Landes gibt es viele wirtschaftlich wichtige Mineralien, die Begehrlichkeiten von aussen wecken», sagt Germain Nyembo, Koordinator von Fastenaktion in der DR Kongo, der zudem seit mehreren Jahren an Friedensprojekten im Ost-Kongo arbeitet. «Hinzu kommen schlechte Regierungsführung, institutionalisierte Korruption, verschiedene Diskriminierungen, Gewalt sowie das Fehlen eines offenen Dialogs mit Nachbarländern, die sich Ressourcen aus unserem Land aneignen und dabei bewaffnete Gruppen unterstützen.»

In der Provinzhauptstadt Goma leben Hunderttausende Vertriebene in Zeltlagern.

Rivalitäten zwischen Hutu und Tutsi

Die historischen Wurzeln der Krise hingegen liegen in den Rivalitäten zwischen den Ethnien der Hutu und der Tutsi. Während der besonders fürchterlichen belgischen Kolonialisierung wurden nicht nur über 10 Millionen Menschen getötet. Die Kolonialherren schürten zudem die Rivalitäten zwischen den beiden Ethnien, indem sie den Tutsi Leitungsaufgaben zusprachen. Im Jahr 1994 kam es schliesslich im östlichen Nachbarland Ruanda zu einem Völkermord, bei dem extremistische Hutu innert drei Monaten über 800‘000 Tutsi und moderate Hutu umbrachten. Knapp zwei Millionen Hutu flüchteten über die Grenze in die Republik Zaire (wie DR Kongo damals noch hiess) und siedelten sich in Flüchtlingscamps in Nord- und Süd-Kivu an.

Dadurch weitete der Konflikt in Ruanda sich auf das Nachbarland aus, was zu zwei grossen Kriegen führte, in denen einige Nachbarländer die DR Kongo unterstützen, einige die neue ruandische Regierung unter Präsident Paul Kagame. Dieser argumentierte stets, seinem Land drohe weiterhin Gefahr seitens extremistischer Hutu-Milizen im Osten Kongos.

Obwohl der Zweite Kongo-Krieg 2002 mit einem Friedensabkommen beendet wurde, blieb der Osten des Landes unruhig. Schon bald bildeten sich neue Rebellengruppen – die bekannteste heisst M23, besteht primär aus ethnischen Tutsis und erlangte ab 2012 machtpolitische Bedeutung. Weil M23 laut Uno-Analysen von der ruandischen Regierung unterstützt wird, bleibt das Verhältnis zwischen den beiden Ländern bis heute schwierig.

Gier nach wertvollen Rohstoffen

Ergänzend zu dieser komplexen politischen Gemengelage gewannen wirtschaftliche Interessen ab den 2000er-Jahren immer mehr an Bedeutung und verschärften die Krise. Im Boden der DR Kongo lagern die grössten Reserven der Welt an seltenen Erden und Metallen, die für die Produktion von Smartphones, Computern und Elektroautos zwingend notwendig sind: etwa Kobalt, Coltan, Kupfer, Uran oder Zink. Diese wertvollen natürlichen Ressourcen befinden sich zu grossen Teilen im Osten des Landes. Und zu den diversen lokalen Interessensgruppen, die davon profitieren wollen, kommen noch internationale Geschäftsinteressen hinzu.

Zu Beginn waren vor allem amerikanische Konzerne im Besitz der Minen, heute haben chinesische Firmen weitgehend übernommen. Aber auch die Schweizer Firma Glencore betreibt noch zwei grosse Minen im Land. Die kongolesische Armee kam schon mehrfach zum Einsatz, um chinesische Geschäftsinteressen zu schützen. China wiederum hilft der kongolesischen Regierung mit Drohnen und anderen Waffen, die lokalen Rebellengruppen zu bekämpfen. Hinzu kommen Korruptionsvorwürfe, etwa dass die Chinesen sich die Schürfrechte im Kongo dank Schmiergeld an die Kabila-Regierung sicherten.

Ende 2021 flammte der Konflikt mit Ruanda erneut auf, als die M23-Gruppe nach einigen Jahren Ruhe die Kontrolle über weite Teile von Nord-Kivu erkämpfte – laut der kongolesischen Regierung und der Uno mit finanzieller und logistischer Unterstützung von Ruanda. Dessen Regierung der DR Kongo wiederum vorwirft, erneut extremistische Hutu zu stärken. Gleichzeitig haben Ruanda und andere Nachbarländer, die Milizen im Kongo unterstützen, finanzielle Anteile an den Minen dort. 

Germain Nyembo: «Wir empfinden dies als sehr ungerecht!»

Der Kongo ist reich an wertvollen Rohstoffen wie Kobalt oder Zink, die für die Energiewende benötigt werden.

Wo bleibt die internationale Gemeinschaft?

Mittlerweile mischt auch der Islamische Staat im Ost-Kongo mit, und bisher sind alle Versuche gescheitert, die rivalisierenden Gruppen zu einer anhaltenden Waffenruhe zu bewegen. Germain Nyembo hofft dennoch auf Besserung. «Es gibt einige diplomatische Bemühungen auf regionaler und internationaler Ebene, die Krise zu lösen. Zentral dafür wäre ein aufrichtiger Dialog mit Ruanda und Uganda unter Einbezug der internationalen Gemeinschaft.» Deren Aufmerksamkeit wird jedoch von anderen Krisen absorbiert, wie den Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten.

«Wir empfinden dies als sehr ungerecht», sagt Germain. «Während die ganze Welt den russischen Angriff auf die Ukraine anprangert, scheint sich niemand für die vielen Toten, Vertriebenen und vergewaltigten Frauen im Ost-Kongo zu interessieren. Wird hier mit zweierlei Ellen gemessen?» Er fürchtet gar ein Komplott zur Aufspaltung des Landes. Teile der internationalen Gemeinschaft würden davon profitieren, darunter auch multinationale Konzerne, die von Ruanda und Uganda aus operierten.

«Vor allem aber fehlt der politische Wille der Machthaber», hält Germain fest. «Sie alle führen antidemokratische Regimes, gieren nach Macht und den Einnahmen aus den natürlichen Ressourcen im Kongo. Stattdessen müssten sie den Dialog und ein friedliches Zusammenleben zwischen unseren Ländern fördern. Mehr internationale Solidarität wäre dafür enorm hilfreich, denn letztlich kann nur eine politische Lösung zu einer dauerhaften Beruhigung führen.» 

Erfahren Sie mehr über die Auswirkungen der Krisen im Kongo.

Fastenaktion arbeitet im Kongo mit lokalen Partnerorganisationen zusammen, um den Hunger langfristig zu mindern. In unseren innovativen Projekten sichern wir so die Ernährung von 16’000 Kongolesinnen und Kongolesen. Möchten Sie uns mit einer Spende helfen, noch mehr Menschen im Kongo zu erreichen? 

Germain Nyembo, lokaler Koordinator von Fastenaktion im Kongo, wünscht sich mehr internationale Solidarität.

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Die Schweizer Raffinerie ARGOR-HERAEUS importiert seit fast 20 Jahren Gold aus dem Bajo Cauca, einer Konflikt- und Hochrisikoregion in Kolumbien. Eine neue Studie von Fastenaktion deckt nun negative Folgen für Mensch und Umwelt auf. Die betroffenen Gemeinden werden nicht angemessen einbezogen und die Herkunft des Goldes nicht transparent kommuniziert. Darum braucht es endlich griffige Standards bezüglich der Transparenz im Goldhandel und bei der Kontrolle von Raffinerien

Ein Text von François Mercier, Fachverantwortlicher Rohstoffe und Menschenrechte bei Fastenaktion

Die Schweiz gilt als eine Drehscheibe für den weltweiten Goldhandel und raffiniert knapp ein Drittel des weltweit produzierten Goldes. Dabei ist die ARGOR-HERAEUS in Mendrisio (TI) eine der wichtigsten Raffinerien in der Schweiz. Um sicherzustellen, dass sie nachhaltig gefördertes Gold importiert, ist sie verpflichtet, schweizerische und internationale Standards zu erfüllen. Dazu zählt unter anderem eine Sorgfaltspflicht. Dadurch sollen Umweltverschmutzung und der Verstoss gegen Menschenrechte in der Produktionsregion entgegengewirkt werden.  

In der neuen Studie, die mit Hilfe unseres Partners IPC (Instituto Popular de Capacitación) durchgeführt wurde, wurden die Goldimporte von ARGOR-HERAEUS aus dem Bajo Cauca in Kolumbien analysiert. 

Zweifel an der Sorgfaltspflicht der Raffinerie 

ARGOR-HERAEUS gilt als wichtiger Geschäftspartner der kolumbianischen Firma MINEROS. Diese baut in der Region am Fluss Nechí Gold ab und exportierte in den letzten zehn Jahren die Mehrheit davon an ARGOR-HERAEUS. Betroffene Gemeinden in der Region bestätigen erhebliche negative Folgen für die lokale Bevölkerung und die Umwelt. So erhalten vertriebene Familien unzureichende Entschädigungen. Für die lokale Fischerei lebensnotwendige Feuchtgebiete werden stark in Mitleidenschaft gezogen, wodurch die Ernährungssicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner gefährdet ist. Zudem kommt es zu Dammbrüchen, die das Ökosystem stark verschmutzen. 

Internationale Standards fordern von Raffinerien unter anderem, Besuche vor Ort durchzuführen, die lokalen Gemeinschaften zu konsultieren und sich über die Sicherheitslage zu informieren. Allerdings hatten weder die gesetzlichen Vertreter des Flusses noch die von uns befragten Fischereiverbände und auch nicht unsere Partnerorganisation Kontakt zu einem Vertreter von ARGOR-HERAEUS. Darauf angesprochen weigert sich die Raffinerie, ihre Informationsquellen und die konsultierten Gemeinschaften zu nennen. Hinzu kommt noch, dass auch sonst einige Unklarheiten bestehen und, dass die Raffinerie lückenhafte Kenntnisse zur Sicherheitslage auf dem Gelände zu haben scheint. ARGOR-HERAEUS versichert, dass das Gold nicht aus illegalen Quellen stammt, liefert aber auch hier keine detaillierten Informationen. 

Ein Schwimmbagger der Gold auf dem Rio Nechi abbaut.
Der illegale Goldabbau auf dem Gelände von MINEROS löst verheerende Folgen für die Menschen und die Umwelt aus.

Für mehr Transparenz und eine verantwortungsvolle Goldgewinnung  

In der Schweiz veröffentlichen weder die Behörden noch die grossen Raffinerien Informationen über die Herkunft des abgebauten Goldes. Unsere Recherche lässt Zweifel an den ergriffenen Massnahmen zur Einhaltung der Sorgfaltspflicht von ARGOR-HERAEUS aufkommen. Sowohl das Schweizer Gesetz zum Goldhandel als auch die internationalen Standards reichen nicht aus, um die Raffinerien sinnvoll zu kontrollieren. Angesichts dieser Situation setzt sich Fastenaktion für mehr Transparenz und Kontrolle ein. Transparenz über die Herkunft des Goldes muss gewährleistet sein und in Hochrisikogebieten eine erhöhte Sorgfaltspflicht ausgeübt werden. Schweizer Raffinieren wie ARGOR-HERAEUS sollen sich nicht aus Risikogebieten zurückzuziehen, weil sich dadurch die Situation dieser Gebiete nicht verbessern würde. Es braucht aber starke Gesetze und Richtlinien – in der Schweiz, wie auch international. Nur durch den Einbezug aller Interessensgruppen wie Geschäftspartner, Behörden und Zivilgesellschaft, kann ein verantwortungsvoller Goldabbau gewährleistet werden. Zudem kann dadurch ein positiver Beitrag zur Entwicklung der am stärksten gefährdeten Regionen geleistet werden. Dabei geht es um den Schutz der Umwelt, die Menschenrechte und die Zukunft der lokalen Bevölkerung im Bajo Cauca.

Die Studie von Fastenaktion auf Deutsch finden Sie hier.

Die Berichtigung der Goldstudie vom September 2024 finden Sie hier.

Korrespondenz zwischen Fastenaktion und Argor-Heraeus, Februar – Juli 2023

Der Verband der «Flusswächter», die offizielle Vertretung des Flusses Nechí, erläutert die entstandenen Schäden und versichert, dass sie niemals von MINEROS konsultiert wurden.

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Jahrelang haben John* und seine Kollegen in südafrikanischen Kohleminen geschuftet, ohne Masken zum Schutz vor dem Kohlestaub zu erhalten. Heute leiden mehr als tausend ehemalige Minenarbeiter wie er an Lungenkrankheiten. Sie fordern eine Entschädigung von den Bergbauunternehmen. Fastenaktion und HEKS unterstützen sie in ihrem Anliegen.

Ein Text von François Mercier, Leiter des Programms Rohstoffe und Menschenrechte

In der südafrikanischen Provinz Mpumalanga sind Kohleminen allgegenwärtig. Die Arbeit in den Minen, egal ob unter oder über Tage, ist hart und schlecht bezahlt. Kohlestaub und andere Gefahren sind allgegenwärtig.

Die vier Minenarbeiter, die ich vor einigen Jahren in Ermelo getroffen habe, haben alle über 20 Jahre lang in Kohleminen gearbeitet. Darunter auch in solchen, die dem Schweizer Rohstoffriesen Glencore gehören. Erst im Jahr 2000, nachdem die Gewerkschaften gegen die schlechten Arbeitsbedingungen protestiert hatten, erklärten sich die Bergbauunternehmen dazu bereit, den Mitarbeitenden Mundschutz auszuhändigen.

Lebenslange Folgeschäden

Für mehr als tausend Minenarbeiter kam diese Massnahme zu spät. Der Kohlestaub hat sich tief in ihren Lungen angesammelt und löst viele Jahre später die Lungenkrankheit «Staublunge» aus.

Die vier Männer in Ermelo arbeiten heute nicht mehr und sind von der Krankheit sichtlich gezeichnet: «Ich kann nicht mehr normal atmen. Meine Brust tut weh und ich habe Herzprobleme», erklärt John*. Einer seiner Kollegen fügt hinzu: «Ohne Medikamente kann ich nicht mehr atmen». Zusammen mit anderen ehemaligen Bergleuten gründeten sie den Verein Zamani (Zulu für: «Versuchen wir unser Glück»), um sich gegenseitig zu helfen. Mehrere ihrer ehemaligen Kollegen sind bereits an der Krankheit gestorben.

Nach mehr als 20 Jahren Arbeit in Kohleminen leiden diese ehemaligen Bergleute an Lungenkrankheiten.

Der lange Weg zur Entschädigung

2017 beschliesst die Kommission Justitia et Pax der südafrikanischen Bischofskonferenz, eine Partnerin von Fastenaktion und HEKS, die Minenarbeiter und ihre Familien in ihrem Kampf zu begleiten. Sie lässt den Gesundheitszustand von Hunderten von Menschen untersuchen, testet sie auf Staublunge und unterstützt sie bei den Entschädigungsforderungen gegenüber den fehlbaren Unternehmen.

Im Dezember 2022 ist die Geduld der Minenarbeiter am Ende. Sie protestierten vor einer Glencore-Niederlassung ausserhalb von Johannesburg und forderten Wiedergutmachung für die Erkrankten. Joseph Nzimande, Vertreter der betroffenen Gemeinden, sagt: «Glencore hat mit den Kohleminen Milliarden verdient. Es ist nur fair, dass das Unternehmen nun diejenigen entschädigt, die durch harte Arbeit für das Unternehmen an Staublunge erkrankten».

Anfang Februar 2023 trafen sich Justitia & Pax Südafrika und eine Delegation von Minenarbeitern schliesslich mit dem Unternehmen. Glencore verspricht eine baldige Stellungnahme, scheint die Forderungen aber nicht ernst zu nehmen. Die Arbeiter haben bereits angekündigt, dass sie ihren Protest fortsetzen und rechtliche Schritte in Betracht ziehen. Unterstützen wir sie, damit sie ihre Rechte durchsetzen können!

*richtiger Name bekannt

Kranke Bergarbeiter und ihre Familien protestieren vor einer Glencore-Filiale in Südafrika.

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Lungisa Huna ist Vertreterin der Rural Women’s Assembly, dem grössten Netzwerks von Kleinbäuerinnen und Landarbeiterinnen im südlichen Afrika. Das Netzwerk stellte Ende August am Menschenrechtsrat die Forderungen von Tausenden von Frauen vor, wie deren Recht auf Nahrung, Land, Saatgut und politischer Mitsprache zu verwirklichen ist.

Ein Text von Claudia Fuhrer, Fachexpertin Ernährungsgerechtigkeit bei Fastenaktion

Eingeladen wurde Lungisa Huna vom Menschenrechtsrat anlässlich der Überprüfung der Menschenrechtslage in Südafrika. Der Menschenrechtsrat lässt mit einem speziellen Prüfverfahren, der Universal Periodic Review (siehe unten), die Menschenrechtslage jedes UNO-Mitgliedlands überprüfen. Ziel des Verfahrens ist es, die Menschenrechtssituation vor Ort zu verbessern und die Einhaltung der menschenrechtlichen Verpflichtungen zu fördern.

Hunderttausende setzen sich für bäuerliche Rechte ein
Die Rural Women’s Assembly (RWA) ist in 10 afrikanischen Ländern südlich der Sahara vertreten und hat über 300’000 Mitglieder. Das Netzwerk hat eine schriftliche Eingabe zum Prüfverfahren Südafrikas gemacht. Die Eingabe legt die prekäre Ernährungs- und Rechtslage der Kleinbäuerinnen und Landarbeiterinnen dar und zeigt auf, wie deren Rechte verbessert werden können. Für Lungisa Huna war dies der erste Auftritt am Menschenrechtsrat. Im Interview mit Fastenaktion (auf Englisch) schildert sie ihre Erfahrungen und erzählt, was sie und Tausende von Kleinbäuerinnen und Landarbeiterinnen mit dem Auftritt am Menschenrechtsrat bewirken wollen. Die Rural Women’s Assembly ist eine Partnerorganisation von Fastenaktion im Projekt RAISE. Dieses setzt sich für die Verwirklichung bäuerlicher Rechte in 10 Ländern und auf internationaler Ebene ein.

In diesem Verfahren begutachten sich die Staaten gegenseitig und haben die Möglichkeit, Empfehlungen zur Verbesserung der Menschenrechtssituation abzugeben. Zivilgesellschaftliche Organisationen können entweder versuchen, ihre Empfehlungen in den Staatenbericht einfliessen zu lassen oder beim Menschenrechtsrat eigene Berichte einzureichen, so wie dies die Rural Women’s Assembly gemacht hat.

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Lungisa Huna is a representative of the Rural Women's Assembly (RWA), the largest network of women smallholders and women farm workers in Southern Africa. At the Human Rights Council at the end of August, the network presented the demands of thousands of women on how their rights to food, land, seeds and political participation should be realised. In the following interview with Fastenaktion, she talks about her impressions and the demands of the RWA.
Lungisa Huna is a representative of the Rural Women’s Assembly (RWA), the largest network of women smallholders and women farm workers in Southern Africa. At the Human Rights Council at the end of August, the network presented the demands of thousands of women on how their rights to food, land, seeds and political participation should be realised. In the following interview with Fastenaktion, she talks about her impressions and the demands of the RWA.

Geneva, 30 August 2022
Interview: Tiziana Conti, Responsible for media, information, campaigning in French-speaking Switzerland at Fastenaktion

Lungisa, on behalf of the Rural Women’s Assembly, you have presented a report to the UN on the situation of women farmers and agricultural workers in South Africa. What did you focus on more precisely?
As you only have five minutes to present, I focused on the UNDROP [Editor’s note: the United Nations Declaration on the Rights of Peasants and Other People Working in Rural Areas] and why the Rural Women’s Assembly asks for its implementation in South Africa. During the negotiations for UNDROP, South Africa was in the core group discussion and we signed the declaration in 2018. Now, four years later, which is the cycle for review, we take this opportunity to point out that the UNDROP is not something even in the lips of the duty bearers or even of our country. We therefore selected three of the UNDROP articles that matter for us and pushed them forward.

Could you tell me more about your demands?
One of the biggest campaigns we’ve been working on since 2015 is about access to land and is called “One Woman, One Hectare”. It aims to raise awareness of the importance of food for women. Women, who bear the brunt to feed their families, work the land, but they don’t own and they don’t have access to it, because the tenure rights are not in their name. The patriarchal norms and practices are still very much entrenched, especially in rural areas where women have no say on all right. Traditional leaders are the custodians of the land, and even though we have a democracy and we vote in some rural areas, they do have the power to decide who gets land. With the “One Woman, One Hectare” campaign, we ask that women be acknowledged one hectare and stop being discriminated. “One Hectare” doesn’t mean it’s the only hectare we want, but it’s the minimum we’re asking for.

The struggle of water is another big issue. In addition to land, we also want water, because land without water is useless. Moreover, walking long distances to get water can be dangerous in some villages. South Africa is a country where gender based violence is high, which is an additional barrier for women.

Another central element of the “One Woman, One Hectare” campaign is having the right to use our own seeds. The transmission on traditional seeds is a cultural practice in some African societies. Young women receive traditional seeds as a gift when they get married. Whatever happens, they have something they can plant and grow, and they don’t starve. Seeds allow the creation of seed banks, they can be exchanged, shared and replicated. Today, seed banks allow us to avoid genetically modified seeds.

Did anything change since the beginning of this campaign in 2015?
Nothing really has changed. We marched to Pretoria and we submitted our petition. Then the government changed the campaign’s name and called it “One Household, One Hectare”, which means that the land is still under the husband’s name, and not the wife. The discrimination against women remains. But the Rural Women’s Assembly continues to mobilize for this campaign by putting the issue on the table. We wrote to the president and to the ministries of land and agriculture. The president’s office replied, but it just sent us to refer us to the Women’s Ministry, which never even answered or interacted with us. So we never had any platform. We wanted to hear about how many households got land, and of the household, how many women got land, to get more statistics and for us to engage with them.

What is the main threat to the traditional system of seed transmission and exchange?
Our seeds are at risk of extinction. In a recent seeds audit, women say that when you want to plant genetically modified seeds in the next season, they don’t grow, even by using pesticides. They are not resistant to climate change either. They have tested this by comparing with their own seeds. They can grow, they can survive and they are able to stand drought. The Rural Women’s Assembly is a network that reaches ten countries. We have a tradition where the women bring their seeds across the borders in order to exchange them, share knowledge and educate each other. We do so even if we are not be allowed to [Editor’s note: traditional seed exchange is outlawed in law that favours multinational agribusinesses over local farmers]. Because we understand how to work the land. We understand how the climate patterns work and what they respond for. We understand the resilience of our seeds. They can withstand drought and they can withstand moments where floods happen in other areas. Sometimes women get excited because they get maize from other countries that they haven’t seen for decades, like red maize or purple maize seeds. I only knew of white and yellow maize. I never knew there were all these different variety of seeds. Seed sharing is a knowledge bank, which allows people to perpetrate their culture.

Do you mean that having to conform to the industrial system makes you outlaws if you keep sharing the seeds the way you’ve been doing for hundreds of years?
Absolutely. But now, one of the articles of the UNDROP says that we have the right to our seeds. And this is what we put on the table through our submission: that we want those seeds to be acknowledged and be able to have seed banks. We don’t want to be hiding that we are sharing seeds. It has to be allowed. It has to be legislated. It has to be in a policy form.

Since 2018, when you signed the UNDROP, has anything changed concretely?
There are two critical processes that must occur. First of all, a declaration is a declaration. We applaud South Africa for supporting the UNDROP, the peasants’ rights and the rights of rural people. The government takes part in the big meetings with all the other countries and endorse these declarations. But very little has happened since, because there is no legislation, there isn’t a policy of implementation. The government should make sure that the declaration is implemented, but that is not being done.

The second point is the way we engage with duty bearers. Because even if the declaration has been signed and is known at high level, that doesn’t mean it has filtered down to the duty bearers who are supposed to implement it. The declaration is not a paper exercise, but it must change and transform people’s lives. The peasants, the rural women and others demand those rights to be implemented and want to be able to engage with the government. This is what we are putting forward at the Human Rights Council.

With the UN Decade for Family Farming, 2019-2028, and the hunger and food crisis having been exacerbated by COVID, we felt strongly that this is the right moment to move things forward. With the climate crisis, this is also going to be an ongoing issue. In the province where I lived in the Western Cape, there was a moment where we were nearing “Day Zero” without water. You would open the tap and there wouldn’t be water. The same is happening now in the Eastern Cape, they are in the brink of no water. The government should now deal with this situation and allow for the implementation of the UNDROP. This is even more critical for the women, because women grow the food, they are the caregivers, they do the care work, they have to feed. In the time of the COVID, women had many more struggles with children at home with lockdowns and no shops to buy food at, especially in rural areas. They couldn’t go to their fields, and yet they had to maintain livelihoods.

What was the impact of the so called “seed harmonization” put in place by the government?
After voting in favour of UNDROP in 2018, South Africa has adopted two new laws that do not meet any and all of the seed rights in UNDROP. One is the “Plant Improvement Act” and the other is the “Plant Breeders Rights”. The “Plant Improvement Act” focus is on the commercial seed sector covering 96 food and fodder crops on a “National Plant Variety List” whose seeds, to be sold, must be certified according to the “Distinct, Uniform, Stable” criteria and prohibits the sale of uncertified seed. The “Plant Breeders Rights” protects the intellectual property rights of breeders of new varieties. Instead of starting processes, which are supposed to allow for farmer managed seed system and seed banks, the government opts for a so-called seed harmonisation that takes us further away from that.

Under pressure of big corporations like Syngenta or Monsanto, which push their own seeds and destroy what was the indigenous seeds, this harmonization is a short-term solution that is not helpful because it leads to food crisis. “Contract farming” is another way to try to monopolize what big companies want to grow. Wheat, for instance, is not a food that people want to grow in South Africa. Unfortunately, some end up giving up the land for the money, but then when you want to use your land for something else, nothing grows anymore. In addition, the product of these crops is not even for local people because it is destined for export. South Africa is facing a hunger crisis at the moment. Food has become exuberantly expensive and the issues of inequality and poverty are increasing. So finding the right and long-term solutions is a huge challenge.

Do you think agroecology could be an answer in times of crisis and lockdowns?
Agroecology is an approach that sustains food sovereignty and is a central aspect of the Rural Women’s Assembly’s work. It is an alternative way of growing and eat food according to indigenous practices, without the use of pesticides, nor genetically modified organisms. It is based on an understanding of the interaction and interdependence between humans and nature. The people who fish near the coastal areas, for example, used to fish to be able to survive and had a relationship with the sea. They knew when to go and fish and when to allow for nature to replicate itself. There was a balance. They didn’t fish to clean the ocean by taking all the fish. Now they get quotas to be able to fish. Agroecology allows for a deep inherent way in which we relate to nature. But here again, in order to be able to work the land in the right way, by not putting in chemicals, you have to have access to land.

Can the UNDROP also be used to protect yourself against the construction of mines on your land?
Absolutely. We can protect ourselves. And we know there are many situations of land grabbing for mining in South Africa. The women can use the UNDROP to raise those issues and claim that we have the right to use our land for food instead of letting others digging it up by moving and displacing the community. We have the right to say no. It is the free prior consent: we have the right to participate and to say no. South Africa is known for its diamonds and gold mines, but also coal. The mining companies use a huge amount of energy, which causes energy shortage for the civil society. This is an additional challenge if you want to do political work. The divide between the urban and rural areas is very big.

What kind of support does Fastenaktion give you?
It has been amazing to have a partnership with Fastenaktion for all these years. We were able to use this momentum to take up issues on UNDROP and use the instruments and the frameworks of the United Nations. The current RAISE project partnership we have with Fastenaktion gave us leverage to take things one step further. Fastenaktion has made a big contribution in the journey of accompaniment, support and growing of our network during the last years. The Rural Women’s Assembly South Africa celebrated 10th anniversary in 2019.

Since the beginning, we have been building from the ground up, made sure that women can speak for their own rights and have a voice in their own countries. Now they are able to go on global platforms to raise their issues and to challenge their own countries. We want to say thank you to Fastenaktion for journeying with us. It has been a good cooperation.

What do you think of joint movements?
One of the good things about the RAISE project is the fact that we are across the region. There is a sense of commitment, support and solidarity. The fact of being connected beyond the movements that we know in the global south allows us to create a network with movements that are involved in the same kind of work, also beyond the UNDROP. Looking at other treaties helps us to better utilize and connect the parts of the different recommendations.

Do you feel that your voice has been heard at the UN?
It sure has! This is the first time ever that the Rural Women’s Assembly came to that kind of podium and it was just wonderful to be there. I found this space for the civil society and the Universal Periodic Review process was one that we felt we owned. We felt we had a voice, a voice that came from the women who dealt with the issues. We felt we wrote our submission and we could put the UNDROP on the table. From the beginning, where we started having awareness of the UNDROP, the women could see something that they could say. It is like a ticket or a passport that allows us to table our issues. I think there is no turning back and this gives us more fuel to continue to put pressure and to really put the agenda of the rural women and their struggles on the table.

It was worthwhile to come here, even just for a five-minute presentation. I can see the gains and I can see the possibilities, many possibilities. Yesterday we met with the Bolivian mission, which was extremely, engaging and positive. Bolivian rural women and South African rural women sitting together and sharing. It wasn’t just a conversation, it was a good dialogue and a very constructive exchange of ideas. It is reassuring and hopeful. Today we met the South African mission and we reiterated the importance of having to interact with our government and with the duty bearers. We’ll take it from there and see how we move forward with them. We may have a declaration high up there, but we have to take it down, because what’s happening it’s a grassroots level and the gap is too wide.

One last question: what would be your dream scenario for South Africa?
For me, the ideal situation is to see the UNDROP operationalized, and once operationalized, it has to transform people’s lives. It assists the peasants, and the peasants own this process, because to be a meaningful intervention, you have to be part of it, as the people. It shouldn’t be a government process. The realization of the “One Woman One Hectare” campaign is very key in leveraging the socioeconomic rights that are embedded in that. We have a high rate of unemployment and women have the answers. They can feed themselves. Peasants can feed themselves and they can sell excess produce. They can be able to look after their families. So the ideal is to see that women are free from the bondage of dependency.

If people grow their own vegetables, they will only buy what they cannot produce, but for the rest they can produce themselves, which will close a gap here and there. Give us the land! Let us produce! We’ve got our seeds, allow us to save our own seeds. We can feed ourselves. We can find the alternatives. We do have the answers on how to deal with the issue of poverty, the food crisis and hunger.

It’s a long walk to freedom. If we have to borrow the title of Mandela’s book.

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Die Koalition für Konzernverantwortung, in der Fastenaktion aktives Mitglied ist, hat eine Petition lanciert. Innerhalb von 100 Tagen sollen 100 000 Unterschriften zusammenkommen, damit der Bundesrat endlich ein Gesetz zur Rechenschaftspflicht multinationaler Unternehmen nach dem Vorbild der Europäischen Union erarbeitet. Unterzeichnen auch Sie die Petition!
Die Koalition für Konzernverantwortung, in der Fastenaktion aktives Mitglied ist, hat eine Petition lanciert. Innerhalb von 100 Tagen sollen 100 000 Unterschriften zusammenkommen, damit der Bundesrat endlich ein Gesetz zur Rechenschaftspflicht multinationaler Unternehmen nach dem Vorbild der Europäischen Union erarbeitet. Unterzeichnen auch Sie die Petition!

Ein Kommentar von François Mercier, Verantwortlicher für Rohstoffe und Menschenrechte bei Fastenaktion

Erinnern Sie sich noch an den Abstimmungskampf über die Konzernverantwortungsinitiative im Herbst 2020? Bundesrätin Karin Keller-Sutter bekämpfte die Initiative und versicherte gleichzeitig dem ganzen Land, dass die Schweiz ein «international abgestimmtes Gesetz» brauche und dass multinationale Unternehmen in der Schweiz und in der EU «gleich lange Spiesse» haben müssten.

Nun hat die Europäische Kommission Ende Februar 2022 einen Gesetzesentwurf über die Verantwortung multinationaler Unternehmen vorgelegt, der bald für alle Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden in der EU gelten könnte. Die Unternehmen sollen verpflichtet werden, alle ihre wichtigen Geschäftsbeziehungen auf mögliche Umweltverschmutzungen oder Menschenrechtsverletzungen zu überprüfen. Wenn also ein europäisches Unternehmen Materialien von einem ausländischen, beispielsweise einem asiatischen Lieferanten bezieht und dieser seine Arbeitnehmenden ausbeutet, ist das Unternehmen in der Pflicht, diese Praktiken zu stoppen. Zudem sollen Missbräuche zum Vornherein verhindert werden.

Schweizer Bergbauunternehmen verletzen Menschenrechte
Das europäische Gesetz sieht auch wirksame Durchsetzungsmechanismen vor. Eine Aufsichtsbehörde wird Geldstrafen verhängen können, und es soll möglich sein, bei einem europäischen Gericht Klage gegen Missbrauch durch Tochtergesellschaften oder Zulieferer der europäischen Unternehmen zu erheben. Schliesslich müssen europäische multinationale Unternehmen über die Schritte informieren, die sie zur Einhaltung der Ziele des Pariser Klimaabkommens unternehmen.

Der europäische Gesetzesentwurf stellt einen grossen Fortschritt dar. Denn in den armen Regionen des globalen Südens leiden weiterhin viele Menschen unter der Ausbeutung oder der Verschmutzung durch die Geschäftspartner von multinationalen Unternehmen aus der Schweiz und Europa. Fastenaktion prangert solche Praktiken, insbesondere von Schweizer Bergbauunternehmen, regelmässig an.

Wir brauchen ein Gesetz zur Rechenschaftspflicht
Im Vergleich zum geplanten europäischen Gesetz verlangt der am 1. Januar 2022 in der Schweiz in Kraft getretene, indirekte Gegenvorschlag des Parlaments nur eine begrenzte Sorgfaltspflicht, und die Unternehmen können nicht für Missbräuche im Ausland zur Verantwortung gezogen werden. Keine Aufsichtsbehörde kontrolliert die Unternehmen oder ist befugt, Sanktionen zu verhängen. Wird die Schweiz also bald das einzige Land in Europa sein, in dem es kein wirksames Gesetz zur Rechenschaftspflicht multinationaler Unternehmen gibt? Es ist höchste Zeit, Karin Keller-Sutter dazu aufzufordern, ihre Versprechen zu halten!

Unterstützen Sie deshalb bitte die Petition für ein Konzernverantwortungsgesetz: Jetzt unterzeichnen!

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Im brasilianischen Amazonasgebiet betreibt das multinationale Unternehmen Vale die grösste Eisenerzmine der Welt. Jeden Tag transportieren mehr als 10.000 Waggons das Eisenerz zum Exporthafen. Die Gemeinden entlang der Bahnlinie gehören zu den ärmsten Brasiliens und leiden unter den Umweltbelastungen, während das Unternehmen Rekordgewinne erzielt – auch dank Hilfe aus der Schweiz. Fastenaktion unterstützt Projekte zur Stärkung der Gemeinden.
In Carajás, im brasilianischen Amazonasgebiet, betreibt das multinationale Unternehmen Vale die grösste Eisenerzmine der Welt. Jeden Tag transportieren mehr als 10.000 Waggons das Eisenerz um Exporthafen. Die Gemeinden entlang der Bahnlinie gehören zu den ärmsten Brasiliens und leiden unter den Umweltbelastungen, während das Unternehmen Rekordgewinne erzielt – auch dank Hilfe aus der Schweiz.

Ein Kommentar von François Mercier, Verantwortlicher für Rohstoffe und Menschenrechte bei Fastenaktion

Heute hat unsere brasilianische Partnerorganisation Justiça nos Trilhos (JnT, Gerechtigkeit auf Schienen) mit Unterstützung von Fastenaktion den Bericht «Steuertricks durch Bergbauunternehmen: Was bleibt den Gemeinden» veröffentlicht. Der Bericht analysiert die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Estrada de Ferro Carajás (EFC, Carajás-Eisenbahn), einer fast 900 km langen Eisenbahnstrecke, die Vales Eisenerzmine in Carajás mit dem Hafen von São Luís verbindet.

Schweiz zentral für Steuervermeidung
Vale ist der mit Abstand grösste Exporteur von brasilianischem Eisenerz. Durch die Analyse von Daten der brasilianischen Regierung konnte JnT aufzeigen, dass die Exporte von Eisenerz systematisch falsch berechnet werden. Während das Eisenerz hauptsächlich nach China exportiert wird, wird es zunächst, zu einem Preis weit unter dem internationalen Kurs, an Zwischenhändler in der Schweiz verkauft. Dieses System verschafft dem Bergbauunternehmen Steuervorteile.

Lokale Gemeinschaften profitieren nicht vom Export von Eisenerz. © Ingrid Barros
Von der Mine bis zum Hafen führt die Eisenbahnlinie durch mehr als 130 Gemeinden. Diese beschweren sich über Lärm, häufige Unfälle und das Fehlen von sicheren Bahnübergängen. Während Vale im letzten Jahr einen Nettogewinn von über 20 Milliarden Franken erzielte, gehen die davon betroffenen lokalen Gemeinschaften leer aus. Die Mechanismen, wie die Steuergelder umverteilt werden, sind für die betroffenen Gemeinden ungerecht und intransparent.

Mit der Unterstützung von Fastenaktion prangert JnT diese Situation an und setzt sich für eine transparentere Umverteilung der Steuern zugunsten der betroffenen Gemeinden ein. Auf die Fragen von Justiça nos Trilhos ob der Exporteur von Eisenerz Steuervermeidung betreibe, verneint Vale und schiebt nach, dass sie an der Verbesserung der Sicherheit an der Bahnstrecke arbeiten.

Steuertricks durch Bergbauunternehmen: Was sagen die Anwohner:innen der Bahnlinie? (englische Untertitel)

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Gemeinsam mit Partnerorganisationen wie Justiça nos Trilhos macht Fastenaktion auf die zerstörerischen Auswirkungen des Abbaus von Eisenerz und anderen Rohstoffen und die Verantwortung der Schweizer Unternehmen aufmerksam.
Elsy Marulanda
Nach der Wahl von Gustavo Petro zum Präsidenten hat unsere Koordinatorin in Kolumbien, Elsy Marulanda, umgehend reagiert: «Wir freuen uns über diesen ersten Triumph einer linken Regierung. Er gibt uns Hoffnung auf einen Wandel in unserem Land, in dem die Jahre voller Gewalt und Ungerechtigkeit Tausende von Opfern gefordert haben. Wir wollen auch weiterhin zu diesem Wandel beitragen, der Frieden, Würde, Achtung der Menschenrechte, Verteidigung des Territoriums und Vielfalt zum Ziel hat.»

Der am 19. Juni von den Kolumbianerinnen und Kolumbianern gewählte neue Präsident, schaffte die Wahl mit 50,5 Prozent. Gustavo Petro ist ein ehemaliges Mitglied der Guerillabewegung M-19, ehemaliger Bürgermeister der Hauptstadt Bogotá und bisheriger Senator.

Petro will einen sozialen Wandel einleiten, er strebt tiefgreifende Reformen an. Dazu zählen höhere Steuern für Vermögende und Unternehmen, die Förderung erneuerbarer Energien und die Rohstoffausbeutung bremsen. Die grosse Ungleichheit im Land will er mit kostenloser Hochschulbildung und Rentenreformen ausgleichen. Zudem will er ein Notprogramm gegen Hunger einführen.

Umweltschützerin wird Vizepräsidentin
Erstmals zieht mit Petro in der jüngeren Geschichte Kolumbiens ein bekennender Linker in den Präsidentenpalast in Bogotá ein. Die soziale Kluft im Land ist gross und durch die Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie haben Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger noch einmal stark zugenommen. An Petros Seite wird mit Francia Márquez eine afrokolumbianische Menschenrechtsaktivistin und Umweltschützerin als Vizepräsidentin mit an die Staatsspitze rücken. Sie kämpfte in der von der Gewalt besonders betroffenen Region Cauca, gegen den illegalen Goldabbau, in der Fastenaktion verschiedene Projekte der Partnerorganisationen unterstützt. Sie wurde mehrfach bedroht. Für ihren Kampf erhielt Francia Márquez 2018 den renommierten Goldman-Preis.

Unterstützen Sie unser Landesprogramm in Kolumbien

Die Projekte von Fastenaktion unterstützen die demokratische Entwicklung auf Gemeindeebene. Mit Ausbildung zu umweltfreundlichen landwirtschaftlichen Methoden können sich die begünstigten Familien künftig besser ernähren. Dank gemeinsam verwalteter Sparkassen helfen sie sich in Notlagen gegenseitig aus.
Germain Nyembo
In der Geschichten-Reihe «Stimmen aus dem Süden» berichten unsere Koordinator:innen über die Lebensumstände in ihren Ländern. Der Krieg in der Ukraine hat auch Auswirkungen auf das Leben der Menschen in unseren Projektländern.  Sie wissen bald nicht mehr, wie sie noch über die Runden kommen sollen. In diesen harten Zeiten sind die Programme von Fastenaktion ein Lichtblick und geben den Menschen Zuversicht.

Hier folgt die Stimme von Germain Nyembo, Koordinator Demokratische Republik Kongo bei Fastenaktion.

«Drei Viertel der kongolesischen Haushalte, einschliesslich der Menschen, die in unseren Projekten arbeiten, leben unterhalb der Armutsgrenze. Die Preise für Grundnahrungsmittel sind rasant gestiegen, was sich auf den Warenkorb der Haushalte auswirkt. Maismehl, Reis, Zucker, Austernpflanzen, Seife, Medikamente, Tomaten, Brot, Öl, Benzin, Diesel, krankheits- und schädlingsresistentes Saatgut und Dünger sind teuer und werden knapp.

Die Regierung hat die russische Invasion in der Ukraine scharf verurteilt. Unser Land hat nacheinander für zwei UN-Resolutionen gestimmt: diejenige, die verlangt, dass Russland die Gewalt gegen die Ukraine unverzüglich einstellt, und den Ausschluss Russlands aus dem Menschenrechtsrat. Damit hat sich unsere Regierung von der Position einiger afrikanischer Länder, die sich der Stimme enthalten haben, abgegrenzt. Sie scheint sich des Ernstes der Lage bewusst zu sein und verbündet sich mit dem Rest der internationalen Gemeinschaft, um ein Ende der Feindseligkeiten zu erreichen.

Die beschränkten Nahrungsmittel werden zusammengelegt und nach dem Kochen untereinander aufgeteilt.
Einheimische Produktion sichert Versorgung
Wir befürchten, dass die Menschen in unseren Projekten noch tiefer in die ständige Ernährungsunsicherheit und in extreme Armut getrieben werden. Für sie ist es wichtig, dass wir unermüdlich an der Entwicklung nachhaltigerer und längerfristiger Ernährungssysteme arbeiten, die auf eine solidarische Gemeinschaft und ausreichend Nahrung ausgerichtet sind. Wir wollen uns auf Regierungsebene und bei den internationalen Partnern dafür einsetzen, dass die einheimische Produktion gefördert wird und die landwirtschaftlichen Versorgungswege verbessert werden. Die überhöhte Besteuerung von Lebensmitteln muss abgeschafft und ein günstiges Handelsumfeld geschaffen werden.»

Unterstützen Sie unser Landesprogramm in der Demokratischen Republik Kongo

Dank Fastenaktion lernen die Familien verbesserte Anbautechniken kennen. Mit organischer Düngung und einer sinnvollen Fruchtfolge wird die Bodenfruchtbarkeit erhalten und die Produktion erhöht. Mit der Einführung von verbessertem Getreide- und Gemüsesaatgut und dank selbst angelegten Fischteichen erreichen die Familien eine ausgewogenere Ernährung.
Die burkinische Bäuerin Safiotou Sanfo am Hirseernten
Agrarmulti Syngenta behauptet, weil wir in Europa Bioprodukte essen, leiden Menschen in Afrika an Hunger – eine ziemlich verkürzte Sichtweise.

Ein Kommentar von Christa Suter, Verantwortliche für Agrarökologie bei Fastenaktion

Der Chef des Agrarmultis Syngenta hat in einem Bericht der NZZ am Sonntag vom 08.05.22 angesichts der drohenden Ernährungskrise eine neue Ausrichtung der Landwirtschaft und Steigerung der Agrarproduktion gefordert. Nicht mit Bio, sondern mit den teuren Produkten von Syngenta. Denn Bio habe bis zu 50 Prozent weniger Erträge, fördere den Landverbrauch und schade sogar dem Klima. Die indirekte Folge sei, dass Menschen in Afrika hungern, weil wir immer mehr Bioprodukte essen.

Biologische Landwirtschaft ist nachhaltig
Das mag für Syngenta wohl verkaufsfördernd sein, stimmt aber nicht mit der Realität überein. Langjährige Erfahrungen von Fastenaktion zeigen, dass eine nachhaltige Landwirtschaft zu weniger Hunger führt. Die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in den Landesprogrammen von Fastenaktion setzen auf lokales bäuerliches Saatgut und wenden agrarökologische Methoden an, damit sie ihre Ernährungssouveränität stärken können. Gerade internationale Krisen, wie die Klimakrise, Covid-19 oder nun auch der Krieg in der Ukraine, bestärken uns in der langjährigen Arbeit, die lokalen Ernährungssysteme zu fördern und gegen die Abhängigkeit von internationalen Agrarfirmen zu schützen.

Intensive Landwirtschaft birgt grosse Risiken
Mit unserer politischen Arbeit stärken wir die Rechte der Bäuerinnen und Bauern und unterstützen sie in ihrer Selbstbestimmung, welche Art der Landwirtschaft sie umsetzen wollen. Denn die Anbaubedingungen im ländlichen Afrika, mit sehr kleinen Anbauflächen und geringen Möglichkeiten für den Kauf von teuren Agrochemikalien, sind grundlegend verschieden zu hochintensivierten Monokulturbetrieben in Europa oder Amerika. Im Gegenteil, die Intensivierung der Landwirtschaft mit teuren und zudem umweltschädigenden Inputs birgt grosse Risiken und gefährdet die Lebensgrundlage der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern.

Agrochemikalien führen zu Verunreinigungen
Die intensive konventionelle Landwirtschaft hat über Jahre die Böden verunreinigt. Die agrarökologischen Methoden fördern die Bodenfruchtbarkeit und ermöglichen den Aufbau von Humus, der zudem CO2 im Boden bindet.* Insbesondere verhindert der agrarökologische Ansatz sämtliche negativen Auswirkungen wie die Verunreinigung von Boden und Wasser oder gesundheitliche Schäden durch Agrochemikalien.

Nachhaltige Landwirtschaft vermindert Hunger
Eine differenziertere Debatte wäre dringend nötig. Der Hunger in der Welt hat vielschichtige Ursachen und kann nicht nur durch eine möglichst hohe Produktion gemindert werden. Bestehende Machtstrukturen müssen hinterfragt werden. Der Agrarmarkt darf nicht durch einige wenige internationale Firmen beherrscht werden, die diktieren, was die beste Anbaumethode ist und welches Saatgut angebaut werden darf. Auf der Erde kann genügend Lebensmittel für alle Menschen produziert werden, wenn die Produktion lokal und den regionalen Bedürfnissen angepasst erfolgt. Zugang zu eigenem Land und eine nachhaltige agrarökologische Landwirtschaft wie sie Fastenaktion unterstützt ist daher unabdingbar.

*Wissenschaftlich ist es nicht ausreichend belegt, dass Bio dem Klima schaden würde. Eine Studie, die CO2 Emissionen von Biolandwirtschaft und konventioneller Landwirtschaft verglich, kam zum Schluss, dass ein Hektar Bio-Land 10% mehr Kohlenstoff bindet als konventionell bewirtschaftetes.
Zitat von FIBL Chef Knut Schmidtke 

Unterstützen Sie Bäuerinnen und Bauern und ihr Recht auf das eigene Saatgut

Heute ist der internationale Tag des Fairen Handels. In diesem Jahr liegt der Fokus auf «Klimaresilienz und Lebensgrundlagen». Fastenaktion unterstützt die Thematik mit seinem Kernanliegen für das Recht auf Nahrung. Fairer Handel macht die bäuerliche Landwirtschaft nicht nur widerstandsfähiger – also resilienter, sondern trägt auch zum Klimaschutz bei.

Ein Kommentar von Sophie de Rivaz, Verantwortliche für das Dossier Fairer Handel

Fastenaktion setzt sich seit der Gründung für die Bekämpfung des Hungers ein. Im Jahr 2007 wurde der Begriff «Menschenrechte» in die Strategie aufgenommen. Unser Einsatz gegen den Hunger und für das Recht auf Nahrung wird vom Grundsatz der Menschenrechte geleitet. Wir unterstützen Organisationen, die im Bereich des Fairen Handels tätig sind und Fairer Handel stützt die Menschenrechte.

Klimakrise verursacht verheerende Folgen in der Landwirtschaft
Die Folgen der Klimakrise bekommen vor allem diejenigen zu spüren, die am wenigsten dafür verantwortlich sind. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern im globalen Süden verfügen nicht über finanzielle Mittel, um sich gegen die Folgen von Dürren, Überschwemmungen, Missernten, Pflanzenschädlingen oder Krankheiten schützen zu können.

Fairer Handel stärkt die Betroffenen
Die Folgen der Klimakrise sind umso ungerechter, weil die Menschen darunter leiden, die eigentlich durch ihre Anbaumethoden dem Klimawandel entgegenwirken. Denn die Methoden der kleinbäuerlichen Landwirtschaft schonen die natürlichen Ressourcen und verursachen weitaus weniger Emissionen, als der grossflächige industrielle Anbau.

Fair-Trade-Landwirtschaft ist nicht nur weniger klimaschädlich, sondern auch robuster, da ökologische Anforderungen erfüllt werden. Die Schulungen durch lokale Expertinnen und Experten basieren auf eine Landwirtschaft, die sowohl die Ernährungssicherheit als auch das Einkommen gewährleistet.

Unser Konsum macht den Unterschied
Der Anbau und die Verarbeitung von Produkten aus der bäuerlichen Landwirtschaft ist klimafreundlicher, als jene aus der industriellen Landwirtschaft. Zudem wird ein Grossteil der Produkte aus fairem Handeln per Schiff transportiert, wodurch der CO2-Ausstoss verhältnismässig gering bleibt.

Konsumieren wir fair, gerecht und bewusst!

Unterstützen Sie Bäuerinnen und Bauern und ihr Recht auf das eigene Saatgut

Kommentar zum Internationalen Tag der Bauernrechte

Rechte der Bäuerinnen und Bauern müssen auch in Konfliktzeiten geschützt und respektiert werden

Nach wie vor sind die Bäuerinnen und Bauern, obwohl sie die Nahrungsmittel produzieren, am stärksten von Hunger und Armut betroffen. Der 17. April ist der Internationale Tag der Bäuerinnen und Bauern und will weltweit auf die Rechte und die weitreichenden Herausforderungen der Bäuerinnen und Bauern aufmerksam machen.

Ein Kommentar von Christa Suter, Fachverantwortliche Agrarökologie bei Fastenaktion

Konflikte gefährden Ernährungssicherheit
Der Hunger in der Welt hat zugenommen, was grösstenteils auf verschiedene Krisen zurückzuführen ist – anhaltende Konflikte, schwerwiegende Klimaauswirkungen und Ernährungsunsicherheit. Zwischen 720 und 811 Millionen Menschen auf der Welt waren im Jahr 2020 von Hunger betroffen. Die Zahl der unterernährten Menschen in der Welt ist seit dem Jahr 2020 weiter gestiegen.

Mehr als die Hälfte aller von Ernährungsunsicherheit betroffenen Menschen leben in Ländern, die von Konflikten betroffen sind. Konflikte und Ernährungsunsicherheit können zusammen einen Teufelskreis schaffen, da Nahrungsmittelknappheit zu Marktstörungen führt, die wiederum die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln weiter verringern und zu noch grösseren Störungen führen. Klimaschocks können ähnliche Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit haben, wovon die Bäuerinnen und Bauern am meisten betroffen sind.

Recht auf Nahrung nicht gewährleistet
Der UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Michael Fakhri, unterstreicht die Bedeutung der Bäuerinnen und Bauern für das Ernährungssystem und erwähnt in seinem aktuellen Statement deutlich, dass «der unverzichtbare Beitrag der Bauern und Bäuerinnen zur Gesellschaft nach wie vor nicht ausreichend anerkannt und unterstützt» ist. Dies obwohl die 2018 verabschiedete UNO Deklaration über die Rechte der Bäuerinnen und Bauern und anderer Personen im ländlichen Raum (UNDROP) umfassend ihre Rechte beschreibt und insbesondere das Recht auf Nahrung, Ernährungssouveränität, Saatgut und Land.

Rural Women’s Assembly setzt sich für die Rechte der ländlichen Frauen in Südafrika ein, damit Sie Zugang zu Land erhalten und ihre Familien selber ernähren können.
«Raise» stärkt Bäuerinnen und Bauern
Im Projekt «RAISE», das von Fastenaktion gemeinsam mit Partnernetzwerken lanciert wurde, weisen die lokalen Partner auf die anhaltende Marginalisierung und fehlendem Zugang der Bauerngruppen zu Nahrung und zu natürlichen Ressourcen wie den Landzugang oder den Erhalt des bäuerlichen Saatguts hin. Mit RAISE werden die Partnerorganisationen und Netzwerke in ihren Bestrebungen gestärkt, die UNDROP in ihrem Kontext umzusetzen und selbstbestimmte Veränderungen in der Landwirtschafts- und Ernährungspolitik zu erwirken. Zum Beispiel durch die Bemühungen von Rural Women’s Assembly für den Landbesitz für ländliche Frauen in Südafrika und die Forderungen von SEARICE in den Philippinen, das bäuerliche Saatgut als Recht zu respektieren.

Hier finden Sie das Statement des UNO-Sonderberichterstatters für das Recht auf Nahrung (auf Englisch).

Unterstützen Sie die Rechte von Bäuerinnen und Bauern

Wir danken herzlich für jede Spende.

Batterien für Elektrofahrzeuge und elektronische Geräte müssen menschenrechtskonform und umweltgerecht hergestellt werden - Fastenaktion und HEKS unterstützen die Forderung von Amnesty International.

London / Bern (04.02.2021) – Unternehmen und Regierungen müssen dafür sorgen, dass die in Elektroautos und zahlreichen elektronischen Geräten verbauten Lithium-Ionen-Akkus menschenrechtskonform und umweltgerecht hergestellt werden. Amnesty International hat Grundsätze zur Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards in der gesamten Wertschöpfungskette der Batteriebranche erarbeitet.

Mit den Grundsätzen (Powering Change: Principles for Businesses and Governments in the Battery Value Chain) soll sichergestellt werden, dass Elektrobatterien, die für die Bewältigung des Klimawandels unverzichtbar sind, nicht auf Kosten der Menschenrechte und der Umwelt hergestellt werden. Amnesty International fordert, dies zur höchsten Priorität für die wirtschaftliche Erholungsphase nach der Covid-19-Pandemie zu machen.

«Technologien, wie sie in Elektrofahrzeugen zum Einsatz kommen, sind für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen dringend nötig, doch gleichzeitig bringt diese Batterierevolution Risiken für die Menschenrechte und die Umwelt mit sich», sagt Danièle Gosteli Hauser, Expertin für Wirtschaft und Menschenrechte bei Amnesty International Schweiz. «Daher rufen wir alle Unternehmen entlang der Batterie-Wertschöpfungskette dazu auf, unsere Grundsätze verbindlich zu übernehmen und so ihre Energie im wahrsten Sinne des Wortes für eine bessere Zukunft einsetzen.»

«Die Menschenrechte müssen für Unternehmen eine zentrale Rolle spielen – zum Beispiel indem sie ihre Lieferketten transparent machen, diese auf mögliche Menschenrechtsverletzungen prüfen und solche unterbinden. Indigene Gemeinschaften müssen bei Bergbauprojekten in ihrem Territorium in einem Konsultationsprozess einbezogen werden. Ausserdem muss bei Verstössen für Wiedergutmachung gesorgt werden», fordert Danièle Gosteli Hauser.

Kinderarbeit und Umweltzerstörungen

Amnesty International hat in der Vergangenheit aufgedeckt, dass beim Kleinbergbau in der Demokratischen Republik Kongo auch mit Kinderarbeit gefördertes Kobalterz in die Lieferketten einiger wichtiger Elektronik- und Elektrofahrzeughersteller gelangen kann. In Südamerika wiederum gefährdet der Abbau von Lithium die Wasserversorgung und die sensiblen Ökosysteme indigener Gemeinschaften.

«Auch Regierungen müssen mit gutem Beispiel vorangehen und dürfen nur solche Investitionen und Energielösungen unterstützen, bei denen menschenrechtliche Grundsätze eingehalten werden. Sie müssen Umweltschutzgesetze durchsetzen, mutmassliche Verstösse untersuchen und die Sorgfaltspflicht bei den Menschenrechten gesetzlich verankern. In der Schweiz ist diese letzte Forderung letzten November bei der Abstimmung zur Konzernverantwortungsinitiative am Ständemehr gescheitert, aber irgendwann wird auch die Schweiz nachziehen müssen», so Danièle Gosteli Hauser.

Hintergrund

Viele Menschenrechts- und Umweltorganisationen haben sich bereits hinter die von Amnesty entwickelten Grundsätze Powering Change: Principles for Businesses and Governments in the Battery Value Chain gestellt.

Amnesty International fordert alle Hersteller auf, Batterien unter Einsatz maximaler Ressourceneffizienz herzustellen, unter anderem durch Innovationen zur Verwendung einer geringeren Anzahl von Materialien und Mineralien. Zudem sollten die Firmen darauf hinarbeiten, in ihren Akkus zu 100 Prozent wiederverwendete Materialien einzusetzen. Und nicht zuletzt sollten auch der Finanzsektor und Anleger bei Nachhaltigkeitsfonds darauf achten, dass die Grundsätze ein Kriterium für die Nachhaltigkeit werden. Amnesty International weist zudem auf die Gefahren des Tiefseebergbaus hin und appelliert an Unternehmen und Regierungen, sich aktiv für ein Moratorium dieser Abbauaktivitäten einzusetzen.

Darüber hinaus fordert Amnesty International Regierungen und Unternehmen auf, mit Umweltschützerinnen und Umweltschützern sowie indigenen Gemeinschaften zusammenzuarbeiten und sicherzustellen, dass diese bei geplanten Projekten ausreichend konsultiert und über die möglichen Risiken informiert werden.

Fastenaktion und HEKS sind enttäuscht über das Nein zur Konzernverantwortungsinitiative (KVI). Das Volksmehr von 50.7 Prozent aber zeigt: Ein grosser Teil der Bevölkerung will, dass Schweizer Konzerne auch im Ausland Verantwortung übernehmen. Trotz der Ablehnung der Initiative werden die beiden Organisationen ihre wichtige Arbeit im Bereich der Menschenrechte und des Umweltschutzes im globalen Süden weiterführen.

Als Mitinitianten der KVI sind HEKS und Fastenaktion enttäuscht über das Nein zur Initiative. Die beiden Werke sind aber überzeugt, dass sich der Einsatz für die Menschenrechte und dem Schutz der Umwelt in den letzten Jahren gelohnt hat. Selten hat eine politische Kampagne so viel bewegt und zur Diskussion angeregt. Die breite Unterstützung von Tausenden von Freiwilligen, im kirchlichen Umfeld und in der Zivilgesellschaft zeigt was der Bevölkerung in der Schweiz wichtig ist: Eine wirtschaftliche starke Schweiz, aber auch eine, welche die Menschenrechte und den Schutz der Umwelt hochhält.

Die grosse Sensibilisierung in diesem Bereich, die in den letzten Jahren stattfand, ist klar der Initiative zu verdanken. Vor einigen Jahren sprachen nur wenige über Menschenrechtsverletzungen durch Schweizer Konzerne. Heute bestreitet niemand mehr, dass sich auch Unternehmen an Menschenrechte und Umweltstandards halten müssen – auch im Ausland.

Die Arbeit geht weiter

Während des Abstimmungskampfs haben der Bundesrat und die Wirtschaftsverbände immer wieder betont, dass sie das Ziel der Initiative – den Schutz der Menschenrechte und der Umwelt – voll und ganz teilen. Fastenaktion und HEKS erwarten deshalb, dass den Verlautbarungen auch Taten folgen und sich diese positiv auf die Situation für die Menschen rund um die Projekte von Schweizer Konzernen auswirken.

HEKS und Fastenaktion werden ihre Arbeit im Bereich der Menschenrechte weiterführen. Die beiden Organisationen werden sich weiterhin für die Rechte der Ärmsten einsetzen, Missstände zusammen mit ihren Partnerorganisationen ansprechen und Gerechtigkeit einfordern, in der Schweiz aber auch direkt vor Ort. Denn wenn Konzerne Menschenrechte verletzen oder die Umwelt zerstören, muss dies publik gemacht werden. Profit erwirtschaften zulasten der Schwächsten der Gesellschaft darf nicht sein.

Für weitere Auskünfte:

Bernd Nilles, Geschäftsleiter Fastenaktion,

Spenden Sie für die Umsetzung der Menschenrechte im Kongo!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

Sœur Nathalie Kangaji ist Rechtsanwältin in der kongolesischen Minenstadt Kolwezi und leitet die juristische Beratungsstelle des «Centre d’aide juridico-judiciaire», einer Partnerorganisation der Fastenaktion und HEKS. Sie hat für uns den folgenden Text geschrieben.

Die Demokratische Republik Kongo (DRK) birgt eine Vielzahl natürlicher Ressourcen und strategisch wichtiger Mineralien, dazu gehören insbesondere Kupfer und Kobalt.

Kobalt wird für die Herstellung von wiederaufladbaren Batterien für Smartphones und Elektrofahrzeuge benötigt und ist daher heute der begehrteste Rohstoff der Welt. Deshalb sind die Kupfer- und Kobaltminen und ihre Aktivitäten zu unentbehrlichen Pfeilern der Wirtschaft geworden.

Die Region Lualaba ist in Bezug auf den Bergbau für die DRK äusserst wichtig. Dies zeigt sich auch an den bedeutenden Kupfer- und Kobaltminen in dieser Region. In der Tat verfügt sie über fast die Hälfte der weltweiten Kobaltreserven. Paradoxerweise steht der unermessliche Reichtum dieser Minen im Gegensatz zur extremen Armut der lokalen Bevölkerung, die von den Bergbauaktivitäten kaum profitiert. Man müsste sich also fragen, wie die Einnahmen aus der Kobaltgewinnung für eine echte Entwicklung dieser Provinz und speziell der umliegenden Gemeinden genutzt werden könnten. 

In dieser Provinz Lualaba liegt auch Kolwezi, einer der Orte mit den grössten Kobaltvorkommen der Welt. Es ist kein Zufall, dass sich Mutanda Mining und Kamoto Copper Company, zwei Tochtergesellschaften von Glencore, hier niedergelassen haben. Die Minenaktivitäten folgen dabei der wirtschaftlichen Logik, dies oft zum Nachteil der lokalen Bevölkerung. Denn der Bergbau bedeutet immer Risiken für Umwelt und Gesundheit der Bevölkerung.

Gefährliche Minenaktivitäten

Tatsächlich zahlen die direkt betroffenen lokalen Gemeinschaften einen hohen Preis. Sie leiden unter Wasser-, Luft- und Bodenverschmutzungen – sowie deren Folgen für die Gesundheit. Hinzu kommen weitere Vorfälle, die die Menschenrechte verletzen. Oder der Unfall eines Lastwagens, der im Auftrag einer der Tochterfirmen von Glencore Säure transportierte. Er kippte auf der Strasse nach Kolwezi in der Nähe des Dorfes Kabwe, was im Februar 2019 zahlreiche Schwerverletzte und 21 Todesopfer forderte.

Angesichts dieser gravierenden Auswirkungen auf die umliegenden Gemeinden und die Umwelt, stellt sich die wichtige Frage der Haftung der Konzerne. Das kongolesische Recht sieht zwar vor, dass Minenbetreiber die durch sie verursachten Schäden ersetzen müssen, in der Realität sieht es leider anders aus. Denn in der Praxis verhalten sich multinationale Konzerne wie Herrscher.

So wird im Fall eines Unfalles oft jegliche Sorgfalt missachtet. Bei sichtbaren Schäden, zum Beispiel durch von Giftmüll verunreinigtes Wasser, kontaminierte Böden, geschädigte Ernten oder wenn gar Menschenleben betroffen sind, verlangen die Minen zuerst wissenschaftliche Beweise. Danach reden die Bergbaukonzerne die Fakten klein oder leugnen sie ganz und verweigern jegliche Wiedergutmachung. Noch komplizierter wird das Problem, wenn die Auswirkungen unsichtbar oder latent sind.

Gesetze greifen nicht

Die Wiedergutmachung durch eine gütliche Einigung, wie sie im kongolesischen Bergbaugesetz vorgesehen ist, erweist sich, angesichts des Widerstands der multinationalen Konzerne, für die Opfer oft als schwierig. Als einzige Möglichkeit bleibt der juristische Weg, um Druck auszuüben.

Wir haben noch kein starkes Rechtssystem. Das Land kämpft nach wie vor für eine faire und unabhängige Justiz. Unser Justizsystem leidet noch an weiteren Übeln, dazu gehört Korruption. Daher ist ein faires Gerichtsverfahren gegen multinationale Konzerne schwierig.

Aus diesem Grund unterstütze ich die Konzernverantwortungsinitiative voll und ganz und lade alle Schweizerinnen und Schweizer guten Willens ein, dafür zu stimmen. Die Initiative gibt den Opfern die Möglichkeit, ihre Klage in der Schweiz einzureichen. Dadurch erhalten sie die Chance auf eine faire Wiedergutmachung für erlittene Schäden.

Bedenken Sie, dass die wirtschaftliche Macht der multinationalen Konzerne in einem Land mit einer schwachen Justiz grosses Gewicht hat. Sie kann dazu benutzt werden, das Recht zu instrumentalisieren. Deshalb stellt sich unser Justizsystem oft in den Dienst der Stärksten, der Vermögenden.

Chance für Prävention und Justiz

In Bergbaugebieten bereiten die Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung grosse Sorgen. Es ist empörend festzustellen, dass einzig wirtschaftliche Interessen zählen – auf Kosten von Menschenleben. Keine Behörde und kein Konzern übernimmt die Verantwortung und beachtet den Zustand der Umwelt und noch weniger den Gesundheitszustand der von den Minenaktivitäten direkt betroffenen Bevölkerung.

Wenn nicht rechtzeitig verantwortungsvolle Präventionsmassnahmen ergriffen werden, wirken sich die Minenaktivitäten negativ auf die Gesundheit der Bevölkerung aus. Die Initiative wäre solch eine Massnahme, damit Glencore seine Tochterunternehmen Mutanda Mining und Kamoto Copper Company aufgrund seiner Sorgfaltspflicht in Bezug auf die Einhaltung der Menschenrechte und den Schutz der Umwelt überwacht. So gesehen ist die Konzernverantwortungsinitiative eine Präventionsmassnahme im Bereich der öffentlichen Gesundheit zugunsten der Menschen im globalen Süden, die von diesen Aktivitäten betroffen sind.

Die Konzernverantwortungsinitiative wird die Entstehung einer effizienten und fairen Justiz für alle ermöglichen. Dies, weil die Schweiz zu den Ländern gehört, die in Menschenrechtsfragen sehr weit fortgeschritten sind, und weil die Menschenrechtsinstitutionen dort ihren Sitz haben. Zudem könnte allen Parteien zugesichert werden, dass das Recht auf einen fairen Prozess garantiert ist.  

 

Soeur Nathalie live 2018

Im Schatten des Kobaltbooms

Lesen Sie dazu auch unseren Webreport „Im Schatten des Kobaltbooms“

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Tshibanda Lina, der Onkel von Eric Mutombo Kasuyi, zeigt den Fahrausweis seines verstorbenen Neffen.Tshibanda Lina, der Onkel von Eric Mutombo Kasuyi, zeigt den Fahrausweis seines verstorbenen Neffen.

Bern/Luzern, 21. Oktober 2020. Die Kupfer- und Kobaltminen des Schweizer Rohstoffkonzerns Glencore in der Demokratischen Republik Kongo bergen erhebliche Risiken für Umwelt und Menschen in ihrem Umfeld. Ein neuer Bericht von HEKS und Fastenaktion zeigt, wie schwierig es für Geschädigte in einem Land mit schwachen staatlichen Institutionen ist, zu ihrem Recht zu kommen. Abhilfe könnte künftig die Konzernverantwortungsinitiative schaffen, über die in einem Monat abgestimmt wird.

Im Februar 2014 überquerte der 23-jährige Mutombo Kasuyi das Gelände der Kupfer- und Kobaltmine KCC, die dem Schweizer Rohstoffkonzern Glencore gehört. Dabei wurde er von einer Sicherheitspatrouille der Mine festgenommen und kurz danach in ein Spital in Kolwezi gebracht, wo ein Arzt seinen Tod feststellte. Mutombos Familie erstattete sofort Strafanzeige; zwei Obduktionen ergaben, dass Mutombo wahrscheinlich durch Gewalt zu Tode gekommen war. Trotzdem wurden in einem ersten Gerichtsverfahren zwei angeklagte Sicherheitskräfte freigesprochen.

Die zweite Instanz wies das Verfahren aber zurück, da der Prozess nicht rechtskonform gewesen sei: Die Mitglieder der KCC-Sicherheitspatrouille hatten sich widersprochen, und wichtige Beweisstücke waren unter mysteriösen Umständen verschwunden oder ignoriert worden. Das war vor drei Jahren, doch seither ist nichts mehr geschehen. Anfang 2020 wurde schliesslich klar, dass der entscheidende Rückweisungsentscheid plötzlich aus den Akten verschwunden war. Mutombos Familie wartet also seit über sechs Jahren auf ein rechtskräftiges Urteil und auf Klarheit über die Ereignisse vom Februar 2014.

Keine Garantie auf fairen Prozess

Die Entwicklungsorganisationen Fastenaktion und HEKS haben diese Justizgeschichte aus der Demokratischen Republik Kongo (DRK) in ihrem neusten Bericht minutiös recherchiert. Der Fall zeigt exemplarisch auf, wie schwierig der Zugang zur Justiz in Ländern mit schwachen staatlichen Institutionen wie der DRK sein kann. Und er illustriert, dass in solchen Staaten das Recht auf einen fairen Prozess nicht garantiert ist.

Abhilfe würde die Konzernverantwortungsinitiative schaffen. Denn die mutmasslichen Täter waren entweder direkt bei der Glencore-Tochter KCC angestellt oder standen unter deren operationeller Aufsicht. Somit wäre zu prüfen, ob der Sachverhalt unter die Haftungsklausel der Vorlage fallen würde, über die am 29. November abgestimmt wird. Die Initiative könnte Opfern wie Mutombos Familie künftig den Weg zum Recht in der Schweiz ebnen, wo sie (möglicherweise) eine zivile Haftungsklage gegen Glencore einreichen könnte.

Toxische Risikoauslagerung

Der jüngste Bericht ist der fünfte von HEKS und Fastenaktion über die Tätigkeit von Glencore in der DRK seit 2011. Neben dem Fall von Mutombo Kasuyi dokumentiert er den tragischen Unfall eines Tanklastwagens mit Schwefelsäure in der Nähe von Kolwezi im Februar 2019, bei dem 21 Menschen starben und sieben Personen teilweise schwer verletzt wurden. Die Säure war für Glencores Mutanda-Mine bestimmt, der Konzern hatte aber den Transport an ein anderes Unternehmen ausgelagert. Dieses beauftragte einen weiteren Subunternehmer, welcher den Transport wiederum an einen privaten Lastwagenbesitzer delegierte.

Diese Risikoauslagerung über drei Stufen hatte zur Folge, dass im konkreten Schadenfall niemand haften wollte: Der Lastwagenbesitzer hatte sein Fahrzeug nicht versichert und tauchte nach dem Unfall unter. Erst anderthalb Jahre später, als Fastenaktion und HEKS bereits über den Fall recherchierten, bot der Eigentümer des Lastwagens über seine Anwälte einem Teil der Opfer Entschädigungen an. Glencore wiederum muss sich die Frage gefallen lassen, ob der Konzern alles unternommen hat, um sicherzustellen, dass alle in seiner Lieferkette für Chemikalientransporte verwendeten Fahrzeuge mit einer Versicherung gedeckt waren.

Verhandlung vor Milo Raus Kongo-Tribunal

Der Unfall des Schwefelsäuretransporters ist einer der Fälle, die im neuen Kongo-Tribunal des Schweizer Regisseurs und Autors Milo Rau verhandelt werden. Am kommenden Sonntag, 25. Oktober, werden die Ergebnisse dieser «Kolwezi Hearings» zu einer Reihe von Menschrechtsverletzungen, Fällen von Umweltverschmutzung und Korruption in der Bergbauregion von Kolwezi im Schiffbau des Zürcher Schauspielhauses zusammengefasst und debattiert.

Weitere Informationen:

Nina Burri, HEKS, +41 79 489 38 24, burri@bfa-ppp.ch

Material zum Download:

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Bern/Luzern. Batterien sind der Knackpunkt der Elektromobilität. Eine Studie der Fastenaktion, HEKS, und des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS) untersucht erstmals den Umgang der wichtigsten Akku-Hersteller mit Umwelt- und Menschenrechtsfragen. Probleme bestehen vor allem bei der Transparenz der Lieferketten, der Rohstoffförderung und beim Recycling der Akkus.

Heutige Elektroautos speichern die Energie in Lithium-Ionen-Batterien. Um einen Einblick in den Umgang mit Umwelt- und Menschenrechtsfragen bei deren Produktion zu erhalten, haben Fastenaktion, HEKS und der VCS die Geschäftspolitik der sechs weltweit grössten Hersteller von Fahrzeugbatterien analysiert. Das Schweizer Unternehmen ABB war ebenfalls Gegenstand der Untersuchung. Der Technologiekonzern produziert allerdings keine Autobatterien, sondern montiert unter anderem integrierte Energiespeichersysteme für öffentliche Verkehrsmittel.

In der Gesamtbewertung schneidet der südkoreanische Hersteller Samsung SDI am besten ab, während just der chinesische Weltmarktführer CATL auf dem Schlussrang landet – dies vor allem aufgrund mangelnder Transparenz. Die Rückverfolgbarkeit der Lieferketten weist indessen bei allen Herstellern erhebliche Mängel auf. So fehlen praktisch überall Angaben zu den Minen, aus denen die Rohstoffe stammen.

Sorgfaltspflicht umfassend wahrnehmen

Ausserdem beschränken die Unternehmen ihre Sorgfaltspflicht auf sogenannte Konfliktmineralien und auf Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo, das wegen verbreiteter Kinderarbeit in den Minen als problematisch gilt. Andere Rohstoffe wie etwa Lithium oder Nickel, deren Abbau ebenfalls gravierende soziale und ökologische Schäden verursacht, werden weitgehend ausgeblendet.

Die Herausgeber der Studie fordern deshalb die Hersteller der Batterien auf, ihre Sorgfaltspflicht entlang der gesamten Lieferkette und für alle verwendeten Rohstoffe wahrzunehmen. Entscheidend sind dabei mehr Transparenz in Bezug auf die Herkunft der Rohstoffe, die Arbeitsbedingungen in den entsprechenden Minen und die sozialen und Umweltfolgen in deren Umfeld. Zudem sollten die Unternehmen Missstände in den Lieferketten nicht nur identifizieren, sondern zusammen mit Akteuren der Zivilgesellschaft für Lösungen sorgen.

Recycling fördern und Verkehr reduzieren

Verbesserungsmöglichkeiten sehen Fastenaktion, HEKS und der VCS auch im Ausbau des Recyclings. Sie fordern die Politik auf, entsprechende Innovationen zu fördern sowie Anreize und Regulationen zu schaffen, damit Batterien möglichst lange genutzt und vollständig rezykliert werden. Denn heute ist die Förderung immer neuer Batterierohstoffe oft billiger als deren Wiederverwendung. Recycling muss auch dazu beitragen, die CO2-Emissionen der Akkuherstellung zu reduzieren. Bisher richten nur drei der untersuchten Unternehmen ihre Emissionsziele an den Zielen des Pariser Klimaabkommens aus.

Unter dem Strich ist die Ökobilanz von Elektrofahrzeugen besser als jene von Fahrzeugen, die mit fossiler Energie betrieben werden. Um den Rohstoffbedarf zu begrenzen, braucht es aber eine Reduktion des Fahrzeugbestands. Dazu muss sich das Mobilitätsverhalten ändern, etwa durch den vermehrten Umstieg auf den öffentlichen Verkehr sowie die Förderung von Carpooling, Carsharing und des Veloverkehrs.

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