Gier nach wertvollen Rohstoffen
Ergänzend zu dieser komplexen politischen Gemengelage gewannen wirtschaftliche Interessen ab den 2000er-Jahren immer mehr an Bedeutung und verschärften die Krise. Im Boden der DR Kongo lagern die grössten Reserven der Welt an seltenen Erden und Metallen, die für die Produktion von Smartphones, Computern und Elektroautos zwingend notwendig sind: etwa Kobalt, Coltan, Kupfer, Uran oder Zink. Diese wertvollen natürlichen Ressourcen befinden sich zu grossen Teilen im Osten des Landes. Und zu den diversen lokalen Interessensgruppen, die davon profitieren wollen, kommen noch internationale Geschäftsinteressen hinzu.
Zu Beginn waren vor allem amerikanische Konzerne im Besitz der Minen, heute haben chinesische Firmen weitgehend übernommen Aber auch die Schweizer Firma Glencore betreibt noch zwei grosse Minen im Land. Die kongolesische Armee kam schon mehrfach zum Einsatz, um chinesische Geschäftsinteressen zu schützen. China wiederum hilft der kongolesischen Regierung mit Drohnen und anderen Waffen, die lokalen Rebellengruppen zu bekämpfen. Hinzu kommen Korruptionsvorwürfe, etwa dass die Chinesen sich die Schürfrechte im Kongo dank Schmiergeld an die Kabila-Regierung sicherten.
Ende 2021 flammte der Konflikt mit Ruanda erneut auf, als die M23-Gruppe nach einigen Jahren Ruhe die Kontrolle über weite Teile von Nord-Kivu erkämpfte – laut der kongolesischen Regierung und der Uno mit finanzieller und logistischer Unterstützung von Ruanda. Dessen Regierung der DR Kongo wiederum vorwirft, erneut extremistische Hutu zu stärken. Gleichzeitig haben Ruanda und andere Nachbarländer, die Milizen im Kongo unterstützen, finanzielle Anteile an den Minen dort.