Am 18. September versammeln sich die Regierungschefinnen und -chefs aus aller Welt an der Uno in New York zum Gipfel zu den nachhaltigen Entwicklungszielen. Die Halbzeitbilanz der ehrgeizigen Agenda 2030 ist ernüchternd. 

Ein Kommentar von Ralf Kaminski, Fachverantwortlicher Kommunikation bei Fastenaktion 

Die Ziele, die sich die Weltgemeinschaft 2015 setzte, klingen eindrücklich: Bis 2030 sollte es keine extreme Armut und keinen Hunger mehr geben auf der Welt. Der Umgang mit der Umwelt, dem Klima, der Biodiversität sollte sich massiv verbessern. Zugang zu sauberem Trinkwasser, gesunder Ernährung und guter Ausbildung sollte weltweit gewährleistet sein. Die Gleichstellung und der Frieden sollten deutlich vorwärtskommen – und all dies auf der ganzen Welt. 

193 Länder stimmten damals insgesamt 17 ehrgeizigen Nachhaltigkeitszielen zu – den sogenannten SDGs –, doch die Halbzeitbilanz ist ernüchternd: Nur gerade 12 Prozent der 140 messbaren Unterziele sind auf Kurs. 30 Prozent stehen still oder machten gar Rückschritte. Beim Rest gibt’s zwar Fortschritte, aber viel zu langsam. 

Mehr Hunger statt weniger

Hauptverantwortlich für diese Entwicklung sind eine Reihe von Krisen, welche die Weltgemeinschaft seit 2015 stark beschäftigt haben: die Corona-Pandemie, der russische Angriff auf die Ukraine, immer mehr und heftigere Naturkatastrophen wegen der Klimaerwärmung. All dies führte dazu, dass heute nicht weniger, sondern mehr Menschen an Hunger leiden, dass die Armut vielerorts eher zu- als abgenommen hat, dass 2022 so viele Menschen auf der Flucht waren wie noch nie zuvor (siehe Zahlen unten). Hinzu kommen die geopolitischen Spannungen, welche die internationale Zusammenarbeit erschweren, die nötig wäre, um globale Fortschritte zu erreichen. 

Es heisst deshalb Vollgas geben, wenn sich am 18. September die Regierungschefinnen- und chefs aus aller Welt an der Uno in New York versammeln. Sie alle stehen in der Pflicht, die Agenda 2030 voranzubringen. Die Ansätze dafür sind klar – was es braucht, ist entsprechendes Engagement und politischen Willen. 

Die Grafik zeigt, wie viele Fastenaktion-Projekte auf welches Nachhaltigkeitsziel abgestimmt ist.
Die Projekte von Fastenaktion sind auf die Uno-Nachhaltigkeitsziele abgestimmt.

Wir müssen und können mehr tun

Die Schweiz steht auf den ersten Blick nicht so schlecht da: Sie befindet sich auf Rang 15 der Liste, die den Fortschritt der einzelnen Länder auf Basis von Selbsteinschätzungen ausweist. Diese bezieht sich jedoch lediglich auf die Wirkung im Inland. Eine andere Analyse des renommierten Harvard-Ökonomen Jeffrey D. Sachs hingegen misst, welchen Effekt einzelne Staaten auf die Agenda 2030 in anderen Ländern haben. Und dort liegt die Schweiz auf dem traurigen zehntletzten Platz von 166 Nationen – sie wirkt sich insbesondere als globaler Finanz- und Rohstoffhandelsplatz negativ auf die nachhaltige Entwicklung aus. 

Nicht nur müssen und können wir also im Inland mehr tun – dies gilt umso mehr in der Entwicklungszusammenarbeit, um die ärmsten Länder bei ihren Fortschritten zu unterstützen. Stattdessen plant der Bund, ab 2025 Gelder aus dem Budget der Entwicklungszusammenarbeit zur Unterstützung der Ukraine und zur Anpassungshilfe für die Klimaerwärmung einzusetzen. Beides ohne Zweifel wichtige Anliegen. Aber diese Hilfe sollte nicht auf Kosten der Ärmsten dieser Welt gehen, der Bund sollte zusätzliche Mittel dafür zur Verfügung stellen. Für ein Land, das so reich ist wie die Schweiz, sollte das eigentlich selbstverständlich sein.  

Ein Partner von Fastenaktion pflanzt einen Setzling ein.
Die meisten Fastenaktion-Projekte sind auf das 2. SDG-Ziel Hunger beenden ausgerichtet.

Zahlen zur Agenda 2030

193 Länder 
haben sich 2015 im Rahmen der Uno 17 Nachhaltigkeitsziele gesetzt, die bis 2030 erreicht sein sollen.

12 Prozent 
der 140 messbaren Unterziele sind auf Kurs, 50 Prozent zeigen Fortschritte, jedoch zu langsam. 

30 Prozent 
der 140 Unterziele stehen still oder machen Rückschritte gegenüber 2015 

575 Millionen Menschen 
werden 2030 in extremer Armut leben (7 Prozent der Weltbevölkerung), wenn der aktuelle Trend sich fortsetzt. 2015 waren es 800 Millionen (knapp 11 Prozent). Das Ziel wäre Null. 

768 Millionen Menschen 
litten 2021 an Hunger, 2015 waren es 589 Millionen. 2030 werden es rund 670 Millionen sein, 8 Prozent der Weltbevölkerung und gleich viel wie 2015. Besonders betroffen sind das südliche Afrika und Südasien. Das Ziel wäre Null. 

2.2 Milliarden Menschen 
hatten 2022 trotz einiger Fortschritte keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser. Um dies bis 2030 zu beheben, müsste sich das Tempo der Verbesserung mindestens verfünffachen. 

25 Prozent der Menschheit 
lebte 2022 in Regionen mit Konflikten; über 100 Millionen wurden zwangsumgesiedelt, mehr als doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor. 

1 von 251 Menschen 
weltweit war 2022 auf der Flucht, so viele wie noch nie. Entweder wegen Konflikten oder aus wirtschaftlichen Gründen. Seit 2015 wurden 54’127 Todesfälle auf den globalen Migrationsrouten dokumentiert, wobei die Dunkelziffer hoch sein dürfte. 

3 Milliarden Menschen 
werden vermehrt von Hitzewellen, Dürren, Feuern, Überschwemmungen oder Hungersnöten betroffen sein, wenn es nicht gelingt, die Klimaerwärmung bis 2050 auf 1.5 Grad Celsius zu beschränken. Dafür jedoch müssten die CO2-Emissionen bis 2030 halbiert werden, wovon die Welt weit entfernt ist. 

286 Jahre 
wird es noch dauern, bis Geschlechtergerechtigkeit in der globalen Gesetzgebung erreicht ist, wenn der aktuelle Trend sich fortsetzt.  

 

Quelle: Bericht des UN Economic and Social Council an die Generalversammlung 
SDG_Progress_Report_Special_Edition_2023_ADVANCE_UNEDITED_VERSION.pdf 
The SDG Report 2023: Special Edition – YouTube 

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Fastenaktion ist erfreut, dass ihre Mitarbeiterin Helena Jeppesen-Spuhler an die Weltsynode der katholischen Kirche berufen wurde. So haben die Laien und die Ärmsten weltweit eine Stimme mehr in diesem Prozess zur Zukunft der Kirche.  

Fastenaktion begrüsst eine offene und progressive Kirche, welche die Zeichen der Zeit erkennt. Entsprechend sieht Fastenaktion mit grossem Interesse Reformbewegungen in Nord und Süd hin zu mehr Partizipation, Synodalität und Gleichberechtigung in der katholischen Kirche. In diesen Bewegungen engagieren sich auch einige der Südpartner von Fastenaktion. 

Weltweite Solidarität gegen den Hunger 

Der Auftrag von Fastenaktion, nebst der internationalen Zusammenarbeit im Süden und dem Einsatz gegen Hunger, ist die Sensibilisierung in der Schweiz und das Benennen von Ungleichheiten. Daher ist es nur folgerichtig, dass Fastenaktion eine glaubwürdige, partizipative und respektierende katholische Kirche anstrebt. Dies sind Werte, die auch unsere Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen im globalen Süden prägen. Was Fastenaktion in den Programmländern fordert, muss auch in der Schweiz und der Kirche weltweit eine Selbstverständlichkeit sein. 

Expertise von Fastenaktion im globalen Prozess

Helena Jeppesen hat nun die Möglichkeit, diese Themen in die Reformbewegung des synodalen Prozesses einzubringen. Kirchliche Organisationen und Strukturen spielen weltweit eine bedeutende Rolle bei der Bekämpfung von Armut und Hunger. Die Expertise von Fastenaktion in diesem Prozess ist deshalb äusserst relevant. Eine Kirche, die den Bedürfnissen benachteiligter Menschen, der Option für die Armen und der Bewahrung der Schöpfung Priorität einräumt, ist eine zukunftsfähige Kirche. Helena Jeppesen arbeitet seit 2001 bei Fastenaktion, zurzeit als Programmverantwortliche Philippinen und als Verantwortliche für die Beziehungen zu kirchlichen Akteuren. 

Helena Jeppesen auf Projektreise in Kolumbien.
Helena Jeppesen auf Projektreise in Kolumbien.

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Das Ja des Schweizer Stimmvolks zum Klimaschutz-Gesetz heute Sonntag ist ein lang notwendiger Schritt für mehr Klimagerechtigkeit. Die Stimmberechtigten wollen, dass die Schweiz Verantwortung für mehr Klimaschutz übernimmt. Und dies ist dringend notwendig, denn die Klimakrise ist Realität und führt zu Hunger. 

Ein Kommentar von Stefan Salzmann, Fachexperte für Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion

Von den Folgen der Klimaerwärmung sind besonders stark Menschen betroffen, die in Armut leben und wenig zur Problematik beigetragen haben. Es sind die ärmsten Menschen, die am stärksten unter der Klimakrise leiden. Der Hunger nimmt als Folge drastisch zu. Diese sehen wir bei Fastenaktion in unserer täglichen Arbeit. Darum braucht es mehr Klimagerechtigkeit. 

Ein erster Schritt

Das heutige Ja zeigt, dass eine Mehrheit der Menschen in der Schweiz vor der Bedrohung durch die Klimakrise nicht länger die Augen verschliessen will. Konkrete Massnahmen, um unseren CO2-Ausstoss zu senken, können endlich angegangen werden. Dazu zählen nächste Schritte für mehr Klimagerechtigkeit. Aber es ist noch ein langer Weg zu einer sozialen, ökologischen und klimagerechten Gesellschaft. 

Klimagerechtigkeit für weniger Hunger 

Gehen wir gemeinsam diesen Weg – für uns, für die nächste Generation und insbesondere auch für die Menschen in den ärmsten Ländern der Welt. Denn nur wenn Länder wie die Schweiz ihre Verantwortung wahrnehmen, können die Folgen der Klimakrise abgeschwächt werden und die Nahrungsmittelsicherheit erhöht werden. 

Ziel Netto-Null bis 2040

Ja, das Klimaschutz-Gesetz ist ein erster Schritt – doch den Weg müssen wir konsequent gehen. Um das Pariser Klimaabkommen noch einhalten zu können, muss es schneller vorwärtsgehen – Netto-NullEmissionen bis 2040 muss das Ziel sein. Komm deshalb mit uns am 30. September an die nationale Klimademo in Bern und stehe mit uns für Klimagerechtigkeit ein.

Fastenaktion setzt sich für eine gerechtere Welt und die Überwindung von Hunger und Armut ein. Erfahren Sie hier mehr über unsere Arbeit für mehr Klimagerechtigkeit.

Ein Mann steht neben einem Mangobaum, der vertrocknet und blattlos ist. Er blickt auf das Maniokfeld am Boden.
In Madagaskar werden die Dürren wegen der Klimakrise immer länger und lösen Hunger aus.

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Am 20. Mai sind rund 150 Menschen zum Morteratsch-Gletscher gewandert. Die Gletscher-Zeremonie war ein schöner, aber zugleich auch trauriger Anlass. Die Anwesenden haben gezeigt, dass die Menschen in der Schweiz verstehen: Die Schweizer Klimapolitik ist relevant für in Armut lebende Menschen weltweit.

Ein Kommentar von Stefan Salzmann, Fachexperte für Energie- und Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion

Im Sinne der Klimagerechtigkeit sollen nach dem Verursacher:innenprinzip  jene Länder, Unternehmen und Menschen, welche die Hauptursache der Erderwärmung sind, die entsprechende Verantwortung übernehmen. Von den Auswirkungen der Klimaerwärmung sind besonders stark Menschen betroffen, die in Armut leben und wenig zur Problematik beigetragen haben. Es sind also die ärmsten Menschen, die am stärksten unter der Klimakrise leiden. Der Hunger nimmt als Folge drastisch zu. 

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache und … 

Laut einem Bericht des Stockholm Environment Institute und Oxfam aus dem Jahr 2020 sind die reichsten 10 Prozent der Welt für etwa die Hälfte der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Die Superreichen, das oberste Prozent sind gar für 15 Prozent der Emissionen verantwortlich. Das ist doppelt so viel wie die ärmsten 50 Prozent der Welt, die gerade mal 7 Prozent der Emissionen verursachen. 

… fordern zum Handeln auf. 

Die Schweiz muss sich – aus Verantwortung und im eigenen Interesse – zum Klimaabkommen von Paris bekennen und bis 2040 Netto-Null Emissionen erreichen. Es braucht ein JA zum Klimaschutz-Gesetz: für uns, für unsere Kinder und Enkel. Und für Menschen, die weit weg von hier leben, aber die Auswirkungen unserer politischen Entscheidungen tagtäglich spüren.  

Fastenaktion setzt sich für eine gerechtere Welt und die Überwindung von Hunger und Armut ein. Darum sagen wir JA zum Klimaschutz-Gesetz am 18. Juni!

Am 20. Mai haben wir eine Gletscherzeremonie für ein JA zum Klimaschutz-Gesetz organisiert.

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Am 18. Juni stimmen wir über das Klimaschutz-Gesetz ab. Das hat der Bundesrat heute bekannt gegeben. Bei der Abstimmung können wir das Schweizer Klimaziel «Netto Null 2050» ermöglichen. Dieser Schritt für mehr Klimagerechtigkeit braucht unser aller klares JA. Denn die ärmsten Menschen leiden bereits jetzt am stärksten unter der Klimakrise.

Ein Kommentar von Stefan Salzmann, Fachexperte für Energie- und Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion

Menschen im Süden tragen die grösste Last

Das Abkommen von Paris ist für viele Menschen weltweit eine Art Rettungsring. Es ist die letzte Hoffnung, dass die globale Klimaerwärmung noch gestoppt werden kann. Sie offenbart sich in Hitzewellen, Waldbränden, schmelzenden Gletschern, Dürren, Überschwemmungen, ansteigendem Meeresspiegel und weiteren Wetterextremen. Die Lebensgrundlagen von Millionen von Menschen sind dadurch bedroht. Und die Klimakrise ist auch eine soziale Krise. In Armut lebende Menschen, unter anderem in den Projektländern von Fastenaktion, tragen die Hauptlast – ohne das Problem verursacht zu haben. In vielen Situationen erleben Frauen klimabedingte Stresssituationen überdurchschnittlich stark, etwa weil sie längere Wege für Trinkwasser gehen müssen. Menschen, die in Armut leben, fehlen die Mittel zur Anpassung an neue klimatische Realitäten. Die Folgen sind Hunger, Konflikte und Migrationsdruck. Das Recht auf ein Leben in Würde und ohne Hunger ist von der Klimakrise bedroht.

Die industrialisierten Länder nehmen ihre Verantwortung erst ansatzweise wahr und treiben den Klimawandel weiter voran. Das Klimaschutz-Gesetz bietet die Chance, hier einen Schritt zu tun und Verantwortung wahrzunehmen. Und deshalb engagieren wir uns im Namen der in Armut lebenden Menschen als Fastenaktion für das Klimaschutz-Gesetz.

Ein Bild einer Gletscherwanderung am Morteratschgletscher. Die Wanderung fand im Rahmen einer Aktion für ein JA zum Klimaschutz-Gesetz statt.
Am 20. Mai haben wir am Morteratschgletscher eine Aktion für ein JA zum Klimaschutz-Gesetz organisiert.

Das Klimaschutz-Gesetz (indirekter Gegenvorschlag Gletscher-Initiative) ist eine Art «letzte Chance», um Klimagerechtigkeit voranzubringen. Es geht um die Umsetzung des Klimaabkommens von Paris. Die Schweiz hat dieses Abkommen ratifiziert. Es hat zum Ziel, die globale Klimaerwärmung auf 1.5 Grad Celsius zu begrenzen. Das vorliegende Gesetz enthält Massnahmen, wie die Schweiz zu diesem Abkommen beitragen soll.

Ein Ja für mehr Gerechtigkeit

Wir engagieren  uns in der Koalition Christ:innen für Klimaschutz und mit dem Verein Klimaschutz für mehr Klimagerechtigkeit. Fastenaktion trägt mit dem Einsatz die wichtigen Stimmen der Menschen vom globalen Süden in die Schweiz. Verschliessen Sie nicht die Augen vor der Ungerechtigkeit – Sagen Sie JA am 18. Juni 2023 zum Klimaschutz-Gesetz!

Die Medienmitteilung der Koalition Christ:innen für Klimaschutz finden Sie hier.

Fastenaktion sagt im Namen der in Armut lebenden Menschen JA zum Klimaschutz-Gesetz.

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Bericht des Weltklimarats zeigt: Die Staaten müssen endlich entschlossen handeln. Fastenaktion setzt sich auf verschiedenen Ebenen dafür ein.
Heute hat der Weltklimarat in Interlaken seinen zusammenfassenden Bericht veröffentlicht. Der Bericht zeigt: Die Staaten müssen endlich Verantwortung übernehmen und entschlossen handeln. Denn die Klimakrise trifft die Ärmsten besonders hart. Dies sieht Fastenaktion in seiner täglichen Arbeit.

Ein Kommentar von Bernd Nilles, Geschäftsleiter Fastenaktion

Nach mehreren umfangreichen Klimastudien (IPCC AR6) und Sonderberichten unter der Beteiligung von tausenden von Klimaforscher:innen aus aller Welt, hat der Weltklimarat (IPCC) heute Montag in Interlaken seine Schlussfolgerungen aus diesen Berichten, sowie seine Empfehlungen vorgelegt. Das, was wir heute vom IPCC hören, ist die wissenschaftliche Grundlage zum Handeln für Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Der Klimawandel, wie wir ihn heute bereits erleben, führt zu Schäden, Verlusten und Armut. Wir bei Fastenaktion versuchen, mit unserer Arbeit und auch mit Nothilfe diesen Auswirkungen zu begegnen. Denn zu den Hauptleidtragenden gehören auch die Menschen in den Projektländern von Fastenaktion. Das sieht auch der Weltklimarat so: «Dies hat zu weitverbreiteten nachteiligen Folgen und damit verbundenen Verlusten und Schäden für Natur und Menschen geführt. Verwundbare Bevölkerungsgruppen, die historisch am wenigsten zum aktuellen Klimawandel beigetragen haben, sind unverhältnismässig stark betroffen.» Diese Hilfe wird in Zukunft immer wichtiger und braucht Entwicklungs- sowie Klimafinanzierung.

Klimakrise trifft die Ärmsten am stärksten

Der IPCC weist wie Fastenaktion in seinem Bericht «Das entscheidende Jahrzehnt» erneut darauf hin, dass entschlossenes Handeln in den nächsten sieben Jahren bis 2030 entscheidend ist für das Wohl von uns allen – aber insbesondere für die Menschen im globalen Süden. Der IPCC und Fastenaktion fordern die Einhaltung des jährlich schrumpfenden Restbudgets an CO2. Der Klimawandel betrifft alle Menschen, aber die Folgen für die Ärmsten sind am dramatischsten. In unserer täglichen Arbeit bei Fastenaktion sehen wir das Leid und den Hunger, welche die Klimakrise hervorrufen. Der Bericht des Weltklimarats ist hier eindeutig: Jede zusätzliche Tonne CO2 führt zu mehr Dürren, mehr zerstörerischen Stürmen und weiter ansteigenden Meeren.

Aus fossilen Brennstoffen aussteigen

Der IPCC hat uns heute zudem nochmal deutlich gemacht, dass wir immer noch eine Chance haben die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Die Politiker:innen, die das als unrealistisch oder hoffnungslos bezeichnen, offenbaren ihre Unverantwortlichkeit und ihren Unwillen, angemessen und zum Wohle aller zu handeln. Leider ist dies die Realität, mit der wir konfrontiert sind. Entsprechend zeigt der IPCC-Bericht, dass Regierungen immer noch mehr Geld für die fossile Wirtschaft ausgeben als für Anpassung und Abmilderung des Klimawandels.

Der Bericht lässt meiner Meinung nach nur einen Schluss zu: Der sofortige Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, um unter 1,5 Grad Celsius globaler Erwärmung zu bleiben. Für diesen Ausstieg sieht der Bericht nur noch wenige Jahre Zeit, sofern wir grosses Leid vermeiden und ein Überleben der Menschheit unter würdigen Bedingungen sichern wollen. Dazu der Weltklimarat in seinem Bericht: «Das Zeitfenster, in dem eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft für alle gesichert werden kann, schließt sich rapide.»

Wir können handeln

Solch eine Zukunft in Sicherheit wird unmöglich sein, wenn wir nicht aus den fossilen Brennstoffen aussteigen. Das gilt zuallererst für reiche Länder wie die Schweiz. Sowohl die Landesregierung, die Kantone, aber auch wir alle können handeln. Dieses Jahr zum Beispiel mit einem klaren «Ja zum Klimaschutzgesetz» am 18. Juni.

Denn die Schweiz kann sich mit hundert Prozent erneuerbarer Energie versorgen und ihre Landwirtschaft klimaneutral ausrichten. Es gibt keinen Grund weiterhin Kohle, Öl und Gas zu nutzen oder in anderen Ländern Regenwälder für unseren Konsum abzuholzen.

Die Hauptaussagen des Weltklimarat-Berichts finden Sie hier auf Deutsch.

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Pierre-Gilles Sthioul und Antoine Meier haben ihre Jobs aufgegeben, um sich voll und ganz in Praz Bonjour, einem landwirtschaftlichen Betrieb mit agrarökologischem Gemüseanbau in Blonay (VD), einzubringen.

Das zweieinhalb Hektar grosse Grundstück, das Pierre-Gilles und Antoine seit zwei Jahren bewirtschafteten, befindet sich in Stadtnähe, weniger als fünf Kilometer von Vevey entfernt direkt über dem Genfersee. Durch den Anbau von Gemüse, Obstbäumen und einigen Reben bieten sie eine vielfältige und qualitativ hochwertige regionale Nahrung, die in einem umweltfreundlichen System produziert wird. Anbau und Verarbeitung verursachen nur wenig CO2-Emissionen. Ihr Ziel ist es, die lokale Ernährungssouveränität auch in der Schweiz zu fördern. Sie liefern ihre Produkte an ein Dutzend Restaurants in der Region. Privatpersonen können sich vor Ort beim Betrieb selbst bedienen oder im kürzlich eröffneten Laden in Vevey einkaufen. Demnächst wollen sie auch Gemüsekörbe mit dem Fahrrad ausliefern.

Eine berufliche Veränderung

Die Eltern von Pierre-Gilles führten ein Restaurant, er selber war zehn Jahre Koch, bevor er Politikwissenschaften studierte. Schliesslich wurde er Koordinator der Ökumenischen Kampagne von Fastenopfer und Brot für alle [heute Fastenaktion und HEKS, Anm. d. Red.] in der Westschweiz. Im Frühjahr 2020 führte der Lockdown dazu, dass sämtliche Veranstaltungen für die damalige Kampagne zum Recht auf Saatgut abgesagt wurden. «Die Arbeit eines ganzen Jahres fiel ins Wasser! Da begann ich vieles infrage zu stellen», erinnert er sich. Mitten in dieser seltsamen Zeit erhielten Pierre-Gilles und Antoine das Land über dem Genfersee angeboten. Dank dem andauernd schönen Wetter und weil nichts weiter zu tun war, nutzten die beiden die Zeit, um im Freien zu arbeiten. Nach und nach wurde Pierre-Gilles klar, dass er künftig als Bauer arbeiten wollte. «Ich realisierte, dass ich genau das in meinem Leben machen wollte, auch wenn mein Einkommen um die Hälfte reduziert werden würde.»

Agrarökologie als Antwort auf die Herausforderungen des Klimawandels

Als die beiden im Jahr 2021 ganz offiziell ihre Tätigkeit auf der Praz Bonjour aufnahmen, wiesen starke Regenfälle, Kälte und Spätfrost bereits auf eine katastrophale Saison im Gemüseanbau hin. Im Jahr darauf wurde die grosse Hitzewelle im Sommer von einer Trockenperiode begleitet. Auch wenn das Klima in unseren Breitengraden eher mild ist, sind sich die Fachleute in der Landwirtschaft einig: Extreme Wetterereignisse sind heute die Norm, und wir müssen uns darauf einstellen. Hier zeigen sich die Vorteile der agrarökologischen Anbaumethoden – auch auf dem Hof der Jungbauern – während der sommerlichen Hitzewelle 2022. Denn der Wald entlang der Wiese in Praz Bonjour sorgte dafür, dass die Feuchtigkeit auf den Feldern so hoch blieb, dass fast nicht gegossen werden musste. Um zu verhindern, dass die Setzlinge austrocknen, installierten Pierre-Gilles und Antoine zudem Schattenspender, die sie aus Ästen und Laub bauten, die sie auf dem Betrieb gesammelt hatten. Pierre-Gilles ist überzeugt: «Die Agrarökologie ist die Methode, die es uns ermöglicht, mit den zunehmend schwierigen klimatischen Bedingungen umzugehen und auch dann noch Nahrungsmittel zu produzieren, wenn die industriellen Nahrungsmittelsysteme versagen.» Der von ihnen gewählte Ansatz gibt den beiden Bauern recht. Nicht nur konnten sie mit den agrarökologischen Anbaumethoden, die klimatisch schwierigen Jahre 2021/2022 überstehen. Sie leben auch ihren Traum einer in allen Belangen nachhaltigen Landwirtschaft.

Weitere Informationen: www.praz-bonjour.ch

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Eine symbolische Gedenkfeier für den schmelzenden Pizolgletscher im Rahmen einer Aktion für die Gletscher-Initiative.

Wetterextreme nehmen weltweit zu – in Häufigkeit und Intensität. Betroffen sind alle Weltregionen. In Armut lebende Menschen spüren die Folgen am stärksten. Sie sind die verwundbarsten Bevölkerungsgruppen. Um sie zu schützen, muss das Klima geschützt werden. Dieses Jahr kann die Schweiz einen Schritt Richtung Klimaschutz machen.

Ein Kommentar von Stefan Salzmann, Fachexperte für Energie- und Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion

«Die Klimakrise schafft Ungerechtigkeit: Von den Auswirkungen der Klimaerwärmung sind insbesondere Menschen betroffen, die wenig zur Problematik beigetragen haben. Sie verfügen nicht über die finanziellen Mittel für nötige Schutz- und Anpassungsmassnahmen. Auch die immensen Kosten, um bereits entstandene Schäden zu beseitigen, übersteigen ihre finanziellen Möglichkeiten bei weitem. Klimagerechtigkeit bedeutet, dass Länder, Unternehmen und Menschen, die die Hauptverursacherinnen der Klimakrise sind, auch für deren Folgen und Schäden aufkommen. Zudem müssen sie in der Reduktion von Treibhausgasemissionen vorangehen. Sie stehen in der Verantwortung, sie müssen und sie können handeln.

Der Experte für Energie- und Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion erklärt , warum die Schweiz im Jahr 2023 einen Schritt Richtung Klimaschutz machen kann.

Kein Vorwärtskommen an der Klimakonferenz in Ägypten

Die Resultate der 27. Uno-Klimakonferenz im November 2022 in Sharm El Sheikh, Ägypten, haben keine Fortschritte gebracht. Angesichts der bestehenden Dringlichkeit, gegen die Klimaerhitzung vorzugehen, sind die Resultate dieser Konferenz enttäuschend. Nur in einem Punkt haben die Verhandlungen einen Schritt in Richtung hin zu mehr Klimagerechtigkeit gemacht. Die Errichtung eines neuen Fonds für klimabedingte Schäden und Verluste wurde beschlossen. Dieser Fonds ist dringend nötig, um Menschen, die als Folge der Klimaerhitzung ihr Hab und Gut verloren haben, zu unterstützen. Noch unklar ist, wie die notwendigen finanziellen Mittel zusammenkommen werden. Kompensationszahlungen sind aber nur ein Teil der Klimagerechtigkeit. Wichtig ist, dass die Klimaerhitzung nicht weiter zunimmt. Sie soll auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden. Dafür müssen wir unsere Treibhausgasemissionen reduzieren. Hier kommt der CO2-Ausstoss in der Schweiz ins Spiel.

Ein Schritt zum Klimaschutz in der Schweiz

In der Schweiz hat eine entscheidende Phase begonnen. Das sogenannte Klimaschutz-Gesetz (der indirekte Gegenvorschlag zur Gletscher-Initiative) liegt bereit. Damit übernimmt die Schweiz Verantwortung – auch in Bezug auf die Klimagerechtigkeit. Es enthält unter anderem konkrete Reduktionsziele zum CO2-Ausstoss. Es sorgt für einen besseren Klimaschutz, mehr Innovation und Energiesicherheit in der Schweiz. Und wer kann gegen den Schutz des Klimas und mehr Sicherheit sein? Klimaschutz kommt letztlich allen zugute – uns hier im eigenen Land, doch vor allem den Menschen im globalen Süden, die schon jetzt unter den Folgen der Klimakrise leiden.»

Erfahren Sie hier mehr über unsere Arbeit im Bereich Klima- und Energiegerechtigkeit.

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Stephanie Rauer bietet Kurse zu Permakultur an und berät bei der Anlage von Schulgärten und essbaren Gärten.

Nicht nur in den Projekten von Fastenaktion werden sogenannte «Food Forest» angelegt. Auch im Tessin wächst dank der Initiative einiger Lehrer:innen seit September 2022 solch ein Waldgarten in der Grundschule San Nazzaro. Die Begeisterung darüber ist ansteckend.

Wir alle haben einen Traum in der Schublade, von dem wir hoffen, dass wir ihn früher oder später verwirklichen können. Doch zu oft bleibt er leider in der Schublade verschlossen. Nicht so in der Grundschule San Nazzaro, hier ist der Traum vieler Kinder Wirklichkeit geworden. Alles begann mit der Idee einiger Lehrer:innen, einen Gemüsegarten an der Schule anzulegen. So wandten sie sich an den Verein «Ortoascuola». Doch im Verlauf der Planung hat sich die ursprüngliche Idee weiterentwickelt, auch dank der Unterstützung von Stephanie Rauer, einer Permakultur-Designerin aus der italienischen Schweiz. Das Projekt startete im September 2022 mit drei Klassen. Die Initiative hat Schülerinnen und Schüler, Lehrer:innen und die ganze Gemeinde angesteckt: Sie alle sind von dem Projekt begeistert und kümmern sich liebevoll um den noch jungen Waldgarten.

Nicht nur in den Projekten von Fastenaktion werden sog. «Food Forest» angelegt, auch im Tessin wächst solch ein Waldgarten in der Grundschule San Nazzaro.

Das Leben um uns herum kennen- und lieben lernen

«Zunächst haben wir eine Analyse zu den Bedürfnissen und Träumen aller Beteiligten, der Ressourcen des gewählten Ortes und der dort lebenden Menschen durchgeführt», erklärt Stephanie. So entdeckten die Schüler:innen, wie viel Magie um sie herum schlummert, und erfuhren, dass es in einer Handvoll Erde mehr Lebewesen als Menschen auf dem gesamten Planeten gibt. «Dann haben wir beobachtet, was uns zur Verfügung steht, ob es Wasser und Sonne gibt», fügt sie an. In San Nazzaro wurden Hochbeete angelegt, in die der von der Gemeinde bereitgestellte Kompost eingebracht wurde. In den Beeten wurde ein Wintergarten mit verschiedenen Salat- und Gemüsesorten gepflanzt, die so üppig gedeihen, dass noch im Herbst die erste Ernte eingefahren werden konnte. Die Zufriedenheit der Schüler:innen ist gross, und sie haben beschlossen, ihren Garten «Kiwi-Garten» zu nennen. Anfang März wird der zweite Teil des Projekts mit der Anpflanzung von Obststauden beginnen. Bäume, Kletterpflanzen, Sträucher, Kräuter und Gemüse werden gemeinsam, wenn auch auf verschiedenen Ebenen, kultiviert und bilden einen Mini-Lebensmittelwald. Ein essbarer Wald, in dem die Kinder spielen und die gewachsenen Früchte wie Äpfel, Kiwis, Heidelbeeren, Erdbeeren und Himbeeren geniessen können. Ausserdem gibt es einen Lehrpfad zur biologischen Vielfalt mit einheimischen Wildblumen, die Insekten zur Nahrung dienen.

Den Kontakt zur Natur wiederentdecken

«Als Journalistin und Filmemacherin bin ich viel gereist und habe verschiedene Realitäten kennengelernt. Mir ist klargeworden, dass wir innerhalb von zwei Generationen das Know-how verloren haben, unsere Lebensmittel selbst zu produzieren», sagt Stephanie. Im Jahr 2013 entdeckte sie zufällig die Permakultur, die sie lehrte, dass alles miteinander verbunden ist und dass angesichts der heutigen Herausforderungen für die Menschheit jede:r von uns etwas bewirken kann. Jedes Projekt, jede menschliche Handlung muss ökologisch, wirtschaftlich und sozial nachhaltig sein. Dabei sollen drei ethische Grundsätze beachtet werden: Sorge für die Erde, Sorge für die Menschen und gerechte Verteilung der Überschüsse. Auf diese Weise ist es möglich, die Bedürfnisse von allen zu befriedigen und gleichzeitig die Ressourcen unseres Planeten für künftige Generationen zu erhalten.

Weitere Informationen finden sie hier: www.gioca-permacultura.ch

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Bernd Nilles, Geschäftsleiter Fastenaktion
Nach rund 25 Jahren hat Fastenaktion sein Leitbild erneuert. Bernd Nilles, der Geschäftsleiter von Fastenaktion, hat sich in einem Interview mit kath.ch unter anderem zum neuen Leitbild geäussert.

Was ist ein Leitbild überhaupt?
Bernd Nilles: Ein gutes Leitbild ist wie die Seele einer Organisation. Es ist nicht so formal wie die Statuten und nicht so detailliert wie die Strategie. Es ist das bindende Glied, das alles zusammenhält.

Was ist der zentrale Gedanke des Leitbildes?
Eine gerechte Welt ohne Hunger und ein Leben in Würde sind möglich. Und es lohnt sich, dafür zu kämpfen! Für dieses Ziel müssen wir die Schöpfung in ihrer Vielfalt bewahren und auch die kommenden Generationen im Blick haben. Es geht um ein an christlichen Werten orientiertes Handeln auf Augenhöhe mit unseren Partnerorganisationen, den Menschen im globalen Süden und den vielen Unterstützerinnen und Unterstützern in der Schweiz.

Welche Aspekte des Leitbildes sind neu?
Das Recht auf Nahrung für alle und ein Leben und Wirtschaften innerhalb planetarer Grenzen sind neu im Leitbild. Neu ist auch, dass wir uns als Schweizer Organisation der internationalen Zusammenarbeit bezeichnen.

Aber das waren Sie doch schon immer, oder?
Ja, aber der bisherige Begriff des Hilfswerks brachte weniger die Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit den Partnerorganisationen im Süden zum Ausdruck. Nur wenn wir die Menschen in den Projekten als gleichwertige Akteurinnen und Akteure miteinbeziehen kann eine nachhaltige Entwicklung erfolgen. Es entsteht eine gegenseitige Zusammenarbeit und nicht eine Abhängigkeit.

Was machen Sie im neuen Leitbild noch stark?
Wir stellen klar, dass wir aus der katholischen Jugendbewegung hervorgegangen sind. Und wie wichtig uns die christliche Sozialethik mit Blick auf Menschenrechte und Wissenschaft sind. Besonders wichtig ist auch ein klares Bekenntnis gegen jede Form der Diskriminierung. Wir wollen eine Organisation sein, die für Gerechtigkeit einsteht, sie aber auch lebt, einschliesslich Geschlechtergerechtigkeit. Ursachen von Armut und Umweltzerstörung wollen wir konsequent ansprechen, mutig Stellung nehmen, dabei aber stets parteipolitisch unabhängig sein. Wie bisher setzen wir aktiv auf Netzwerke und die ökumenische Zusammenarbeit und gestalten aktiv die Fastenzeit in Kirche und Öffentlichkeit.

Das gesamte Gespräch mit Bernd Nilles, in dem es auch um die Klimakrise und Geschlechtergerechtigkeit geht, können Sie auf kath.ch lesen.

Hier finden Sie das neue Leitbild von Fastenaktion.

Die Energiekrise beschäftigt die Schweiz. Strom, Gas, Öl und Treibstoffe werden knapp und die Preise gehen durch die Decke. Der Energiepfad von Fastenaktion liefert Ihnen Tipps zum bewussten Energiekonsum für die ganze Familie und in verschiedenen Lebensbereichen.

Wir verbrauchen zu viele natürliche Ressourcen. Wenn alle Länder so haushalten würden wie die Schweiz, dann bräuchten wir fast drei Erden. Der Energieverbrauch in der Schweiz bestimmt diesen Wert massgeblich mit. Unser Energie-Überkonsum ist aktuell nicht nur wahnsinnig teuer, sondern schadet auch dem Klima. Die Folgen für das Klima spüren die Menschen im globalen Süden am härtesten, obwohl sie am wenigsten zum Klimawandel beitragen. Wenn wir bewusst und klimagerecht Handeln, kommt das also nicht nur unserem Geldbeutel zu Gute, sondern auch den Menschen in den ärmsten Ländern.

Wie kann ich Energie sparen?
In allen Lebensbereichen gibt es Potenzial, Energie zu sparen: Sei es bei der morgendlichen Dusche, beim Heizen oder in der Freizeit. Der Energiepfad aus der Ökumenischen Kampagne von Fastenaktion und HEKS gibt dabei auf spielerische Art und Weise Energiespartipps für die ganze Familie. Das Ziel: Gemeinsam dem Energiefresserli zu entwischen!

Die Energiereise durch den eigenen Alltag wird mit eindrücklichen Hintergrundinformationen über unseren Konsum und dessen Auswirkungen ergänzt. Inspirierende Beispiele aus unseren Partnerländern zeigen zudem auf, wie die Menschen dort mit den Herausforderungen des Klimawandels umgehen.

Unsere Lebensweise hat Auswirkungen, die weit über unsere eigene Existenz hinausgehen. Seien wir also solidarisch mit den künftigen Generationen – in der Schweiz und auf der ganzen Welt.

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Lungisa Huna ist Vertreterin der Rural Women’s Assembly, dem grössten Netzwerks von Kleinbäuerinnen und Landarbeiterinnen im südlichen Afrika. Das Netzwerk stellte Ende August am Menschenrechtsrat die Forderungen von Tausenden von Frauen vor, wie deren Recht auf Nahrung, Land, Saatgut und politischer Mitsprache zu verwirklichen ist.

Ein Text von Claudia Fuhrer, Fachexpertin Ernährungsgerechtigkeit bei Fastenaktion

Eingeladen wurde Lungisa Huna vom Menschenrechtsrat anlässlich der Überprüfung der Menschenrechtslage in Südafrika. Der Menschenrechtsrat lässt mit einem speziellen Prüfverfahren, der Universal Periodic Review (siehe unten), die Menschenrechtslage jedes UNO-Mitgliedlands überprüfen. Ziel des Verfahrens ist es, die Menschenrechtssituation vor Ort zu verbessern und die Einhaltung der menschenrechtlichen Verpflichtungen zu fördern.

Hunderttausende setzen sich für bäuerliche Rechte ein
Die Rural Women’s Assembly (RWA) ist in 10 afrikanischen Ländern südlich der Sahara vertreten und hat über 300’000 Mitglieder. Das Netzwerk hat eine schriftliche Eingabe zum Prüfverfahren Südafrikas gemacht. Die Eingabe legt die prekäre Ernährungs- und Rechtslage der Kleinbäuerinnen und Landarbeiterinnen dar und zeigt auf, wie deren Rechte verbessert werden können. Für Lungisa Huna war dies der erste Auftritt am Menschenrechtsrat. Im Interview mit Fastenaktion (auf Englisch) schildert sie ihre Erfahrungen und erzählt, was sie und Tausende von Kleinbäuerinnen und Landarbeiterinnen mit dem Auftritt am Menschenrechtsrat bewirken wollen. Die Rural Women’s Assembly ist eine Partnerorganisation von Fastenaktion im Projekt RAISE. Dieses setzt sich für die Verwirklichung bäuerlicher Rechte in 10 Ländern und auf internationaler Ebene ein.

In diesem Verfahren begutachten sich die Staaten gegenseitig und haben die Möglichkeit, Empfehlungen zur Verbesserung der Menschenrechtssituation abzugeben. Zivilgesellschaftliche Organisationen können entweder versuchen, ihre Empfehlungen in den Staatenbericht einfliessen zu lassen oder beim Menschenrechtsrat eigene Berichte einzureichen, so wie dies die Rural Women’s Assembly gemacht hat.

Unterstützen Sie die Rechte von Bäuerinnen und Bauern

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Lungisa Huna is a representative of the Rural Women's Assembly (RWA), the largest network of women smallholders and women farm workers in Southern Africa. At the Human Rights Council at the end of August, the network presented the demands of thousands of women on how their rights to food, land, seeds and political participation should be realised. In the following interview with Fastenaktion, she talks about her impressions and the demands of the RWA.
Lungisa Huna is a representative of the Rural Women’s Assembly (RWA), the largest network of women smallholders and women farm workers in Southern Africa. At the Human Rights Council at the end of August, the network presented the demands of thousands of women on how their rights to food, land, seeds and political participation should be realised. In the following interview with Fastenaktion, she talks about her impressions and the demands of the RWA.

Geneva, 30 August 2022
Interview: Tiziana Conti, Responsible for media, information, campaigning in French-speaking Switzerland at Fastenaktion

Lungisa, on behalf of the Rural Women’s Assembly, you have presented a report to the UN on the situation of women farmers and agricultural workers in South Africa. What did you focus on more precisely?
As you only have five minutes to present, I focused on the UNDROP [Editor’s note: the United Nations Declaration on the Rights of Peasants and Other People Working in Rural Areas] and why the Rural Women’s Assembly asks for its implementation in South Africa. During the negotiations for UNDROP, South Africa was in the core group discussion and we signed the declaration in 2018. Now, four years later, which is the cycle for review, we take this opportunity to point out that the UNDROP is not something even in the lips of the duty bearers or even of our country. We therefore selected three of the UNDROP articles that matter for us and pushed them forward.

Could you tell me more about your demands?
One of the biggest campaigns we’ve been working on since 2015 is about access to land and is called “One Woman, One Hectare”. It aims to raise awareness of the importance of food for women. Women, who bear the brunt to feed their families, work the land, but they don’t own and they don’t have access to it, because the tenure rights are not in their name. The patriarchal norms and practices are still very much entrenched, especially in rural areas where women have no say on all right. Traditional leaders are the custodians of the land, and even though we have a democracy and we vote in some rural areas, they do have the power to decide who gets land. With the “One Woman, One Hectare” campaign, we ask that women be acknowledged one hectare and stop being discriminated. “One Hectare” doesn’t mean it’s the only hectare we want, but it’s the minimum we’re asking for.

The struggle of water is another big issue. In addition to land, we also want water, because land without water is useless. Moreover, walking long distances to get water can be dangerous in some villages. South Africa is a country where gender based violence is high, which is an additional barrier for women.

Another central element of the “One Woman, One Hectare” campaign is having the right to use our own seeds. The transmission on traditional seeds is a cultural practice in some African societies. Young women receive traditional seeds as a gift when they get married. Whatever happens, they have something they can plant and grow, and they don’t starve. Seeds allow the creation of seed banks, they can be exchanged, shared and replicated. Today, seed banks allow us to avoid genetically modified seeds.

Did anything change since the beginning of this campaign in 2015?
Nothing really has changed. We marched to Pretoria and we submitted our petition. Then the government changed the campaign’s name and called it “One Household, One Hectare”, which means that the land is still under the husband’s name, and not the wife. The discrimination against women remains. But the Rural Women’s Assembly continues to mobilize for this campaign by putting the issue on the table. We wrote to the president and to the ministries of land and agriculture. The president’s office replied, but it just sent us to refer us to the Women’s Ministry, which never even answered or interacted with us. So we never had any platform. We wanted to hear about how many households got land, and of the household, how many women got land, to get more statistics and for us to engage with them.

What is the main threat to the traditional system of seed transmission and exchange?
Our seeds are at risk of extinction. In a recent seeds audit, women say that when you want to plant genetically modified seeds in the next season, they don’t grow, even by using pesticides. They are not resistant to climate change either. They have tested this by comparing with their own seeds. They can grow, they can survive and they are able to stand drought. The Rural Women’s Assembly is a network that reaches ten countries. We have a tradition where the women bring their seeds across the borders in order to exchange them, share knowledge and educate each other. We do so even if we are not be allowed to [Editor’s note: traditional seed exchange is outlawed in law that favours multinational agribusinesses over local farmers]. Because we understand how to work the land. We understand how the climate patterns work and what they respond for. We understand the resilience of our seeds. They can withstand drought and they can withstand moments where floods happen in other areas. Sometimes women get excited because they get maize from other countries that they haven’t seen for decades, like red maize or purple maize seeds. I only knew of white and yellow maize. I never knew there were all these different variety of seeds. Seed sharing is a knowledge bank, which allows people to perpetrate their culture.

Do you mean that having to conform to the industrial system makes you outlaws if you keep sharing the seeds the way you’ve been doing for hundreds of years?
Absolutely. But now, one of the articles of the UNDROP says that we have the right to our seeds. And this is what we put on the table through our submission: that we want those seeds to be acknowledged and be able to have seed banks. We don’t want to be hiding that we are sharing seeds. It has to be allowed. It has to be legislated. It has to be in a policy form.

Since 2018, when you signed the UNDROP, has anything changed concretely?
There are two critical processes that must occur. First of all, a declaration is a declaration. We applaud South Africa for supporting the UNDROP, the peasants’ rights and the rights of rural people. The government takes part in the big meetings with all the other countries and endorse these declarations. But very little has happened since, because there is no legislation, there isn’t a policy of implementation. The government should make sure that the declaration is implemented, but that is not being done.

The second point is the way we engage with duty bearers. Because even if the declaration has been signed and is known at high level, that doesn’t mean it has filtered down to the duty bearers who are supposed to implement it. The declaration is not a paper exercise, but it must change and transform people’s lives. The peasants, the rural women and others demand those rights to be implemented and want to be able to engage with the government. This is what we are putting forward at the Human Rights Council.

With the UN Decade for Family Farming, 2019-2028, and the hunger and food crisis having been exacerbated by COVID, we felt strongly that this is the right moment to move things forward. With the climate crisis, this is also going to be an ongoing issue. In the province where I lived in the Western Cape, there was a moment where we were nearing “Day Zero” without water. You would open the tap and there wouldn’t be water. The same is happening now in the Eastern Cape, they are in the brink of no water. The government should now deal with this situation and allow for the implementation of the UNDROP. This is even more critical for the women, because women grow the food, they are the caregivers, they do the care work, they have to feed. In the time of the COVID, women had many more struggles with children at home with lockdowns and no shops to buy food at, especially in rural areas. They couldn’t go to their fields, and yet they had to maintain livelihoods.

What was the impact of the so called “seed harmonization” put in place by the government?
After voting in favour of UNDROP in 2018, South Africa has adopted two new laws that do not meet any and all of the seed rights in UNDROP. One is the “Plant Improvement Act” and the other is the “Plant Breeders Rights”. The “Plant Improvement Act” focus is on the commercial seed sector covering 96 food and fodder crops on a “National Plant Variety List” whose seeds, to be sold, must be certified according to the “Distinct, Uniform, Stable” criteria and prohibits the sale of uncertified seed. The “Plant Breeders Rights” protects the intellectual property rights of breeders of new varieties. Instead of starting processes, which are supposed to allow for farmer managed seed system and seed banks, the government opts for a so-called seed harmonisation that takes us further away from that.

Under pressure of big corporations like Syngenta or Monsanto, which push their own seeds and destroy what was the indigenous seeds, this harmonization is a short-term solution that is not helpful because it leads to food crisis. “Contract farming” is another way to try to monopolize what big companies want to grow. Wheat, for instance, is not a food that people want to grow in South Africa. Unfortunately, some end up giving up the land for the money, but then when you want to use your land for something else, nothing grows anymore. In addition, the product of these crops is not even for local people because it is destined for export. South Africa is facing a hunger crisis at the moment. Food has become exuberantly expensive and the issues of inequality and poverty are increasing. So finding the right and long-term solutions is a huge challenge.

Do you think agroecology could be an answer in times of crisis and lockdowns?
Agroecology is an approach that sustains food sovereignty and is a central aspect of the Rural Women’s Assembly’s work. It is an alternative way of growing and eat food according to indigenous practices, without the use of pesticides, nor genetically modified organisms. It is based on an understanding of the interaction and interdependence between humans and nature. The people who fish near the coastal areas, for example, used to fish to be able to survive and had a relationship with the sea. They knew when to go and fish and when to allow for nature to replicate itself. There was a balance. They didn’t fish to clean the ocean by taking all the fish. Now they get quotas to be able to fish. Agroecology allows for a deep inherent way in which we relate to nature. But here again, in order to be able to work the land in the right way, by not putting in chemicals, you have to have access to land.

Can the UNDROP also be used to protect yourself against the construction of mines on your land?
Absolutely. We can protect ourselves. And we know there are many situations of land grabbing for mining in South Africa. The women can use the UNDROP to raise those issues and claim that we have the right to use our land for food instead of letting others digging it up by moving and displacing the community. We have the right to say no. It is the free prior consent: we have the right to participate and to say no. South Africa is known for its diamonds and gold mines, but also coal. The mining companies use a huge amount of energy, which causes energy shortage for the civil society. This is an additional challenge if you want to do political work. The divide between the urban and rural areas is very big.

What kind of support does Fastenaktion give you?
It has been amazing to have a partnership with Fastenaktion for all these years. We were able to use this momentum to take up issues on UNDROP and use the instruments and the frameworks of the United Nations. The current RAISE project partnership we have with Fastenaktion gave us leverage to take things one step further. Fastenaktion has made a big contribution in the journey of accompaniment, support and growing of our network during the last years. The Rural Women’s Assembly South Africa celebrated 10th anniversary in 2019.

Since the beginning, we have been building from the ground up, made sure that women can speak for their own rights and have a voice in their own countries. Now they are able to go on global platforms to raise their issues and to challenge their own countries. We want to say thank you to Fastenaktion for journeying with us. It has been a good cooperation.

What do you think of joint movements?
One of the good things about the RAISE project is the fact that we are across the region. There is a sense of commitment, support and solidarity. The fact of being connected beyond the movements that we know in the global south allows us to create a network with movements that are involved in the same kind of work, also beyond the UNDROP. Looking at other treaties helps us to better utilize and connect the parts of the different recommendations.

Do you feel that your voice has been heard at the UN?
It sure has! This is the first time ever that the Rural Women’s Assembly came to that kind of podium and it was just wonderful to be there. I found this space for the civil society and the Universal Periodic Review process was one that we felt we owned. We felt we had a voice, a voice that came from the women who dealt with the issues. We felt we wrote our submission and we could put the UNDROP on the table. From the beginning, where we started having awareness of the UNDROP, the women could see something that they could say. It is like a ticket or a passport that allows us to table our issues. I think there is no turning back and this gives us more fuel to continue to put pressure and to really put the agenda of the rural women and their struggles on the table.

It was worthwhile to come here, even just for a five-minute presentation. I can see the gains and I can see the possibilities, many possibilities. Yesterday we met with the Bolivian mission, which was extremely, engaging and positive. Bolivian rural women and South African rural women sitting together and sharing. It wasn’t just a conversation, it was a good dialogue and a very constructive exchange of ideas. It is reassuring and hopeful. Today we met the South African mission and we reiterated the importance of having to interact with our government and with the duty bearers. We’ll take it from there and see how we move forward with them. We may have a declaration high up there, but we have to take it down, because what’s happening it’s a grassroots level and the gap is too wide.

One last question: what would be your dream scenario for South Africa?
For me, the ideal situation is to see the UNDROP operationalized, and once operationalized, it has to transform people’s lives. It assists the peasants, and the peasants own this process, because to be a meaningful intervention, you have to be part of it, as the people. It shouldn’t be a government process. The realization of the “One Woman One Hectare” campaign is very key in leveraging the socioeconomic rights that are embedded in that. We have a high rate of unemployment and women have the answers. They can feed themselves. Peasants can feed themselves and they can sell excess produce. They can be able to look after their families. So the ideal is to see that women are free from the bondage of dependency.

If people grow their own vegetables, they will only buy what they cannot produce, but for the rest they can produce themselves, which will close a gap here and there. Give us the land! Let us produce! We’ve got our seeds, allow us to save our own seeds. We can feed ourselves. We can find the alternatives. We do have the answers on how to deal with the issue of poverty, the food crisis and hunger.

It’s a long walk to freedom. If we have to borrow the title of Mandela’s book.

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Die Koalition für Konzernverantwortung, in der Fastenaktion aktives Mitglied ist, hat eine Petition lanciert. Innerhalb von 100 Tagen sollen 100 000 Unterschriften zusammenkommen, damit der Bundesrat endlich ein Gesetz zur Rechenschaftspflicht multinationaler Unternehmen nach dem Vorbild der Europäischen Union erarbeitet. Unterzeichnen auch Sie die Petition!
Die Koalition für Konzernverantwortung, in der Fastenaktion aktives Mitglied ist, hat eine Petition lanciert. Innerhalb von 100 Tagen sollen 100 000 Unterschriften zusammenkommen, damit der Bundesrat endlich ein Gesetz zur Rechenschaftspflicht multinationaler Unternehmen nach dem Vorbild der Europäischen Union erarbeitet. Unterzeichnen auch Sie die Petition!

Ein Kommentar von François Mercier, Verantwortlicher für Rohstoffe und Menschenrechte bei Fastenaktion

Erinnern Sie sich noch an den Abstimmungskampf über die Konzernverantwortungsinitiative im Herbst 2020? Bundesrätin Karin Keller-Sutter bekämpfte die Initiative und versicherte gleichzeitig dem ganzen Land, dass die Schweiz ein «international abgestimmtes Gesetz» brauche und dass multinationale Unternehmen in der Schweiz und in der EU «gleich lange Spiesse» haben müssten.

Nun hat die Europäische Kommission Ende Februar 2022 einen Gesetzesentwurf über die Verantwortung multinationaler Unternehmen vorgelegt, der bald für alle Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden in der EU gelten könnte. Die Unternehmen sollen verpflichtet werden, alle ihre wichtigen Geschäftsbeziehungen auf mögliche Umweltverschmutzungen oder Menschenrechtsverletzungen zu überprüfen. Wenn also ein europäisches Unternehmen Materialien von einem ausländischen, beispielsweise einem asiatischen Lieferanten bezieht und dieser seine Arbeitnehmenden ausbeutet, ist das Unternehmen in der Pflicht, diese Praktiken zu stoppen. Zudem sollen Missbräuche zum Vornherein verhindert werden.

Schweizer Bergbauunternehmen verletzen Menschenrechte
Das europäische Gesetz sieht auch wirksame Durchsetzungsmechanismen vor. Eine Aufsichtsbehörde wird Geldstrafen verhängen können, und es soll möglich sein, bei einem europäischen Gericht Klage gegen Missbrauch durch Tochtergesellschaften oder Zulieferer der europäischen Unternehmen zu erheben. Schliesslich müssen europäische multinationale Unternehmen über die Schritte informieren, die sie zur Einhaltung der Ziele des Pariser Klimaabkommens unternehmen.

Der europäische Gesetzesentwurf stellt einen grossen Fortschritt dar. Denn in den armen Regionen des globalen Südens leiden weiterhin viele Menschen unter der Ausbeutung oder der Verschmutzung durch die Geschäftspartner von multinationalen Unternehmen aus der Schweiz und Europa. Fastenaktion prangert solche Praktiken, insbesondere von Schweizer Bergbauunternehmen, regelmässig an.

Wir brauchen ein Gesetz zur Rechenschaftspflicht
Im Vergleich zum geplanten europäischen Gesetz verlangt der am 1. Januar 2022 in der Schweiz in Kraft getretene, indirekte Gegenvorschlag des Parlaments nur eine begrenzte Sorgfaltspflicht, und die Unternehmen können nicht für Missbräuche im Ausland zur Verantwortung gezogen werden. Keine Aufsichtsbehörde kontrolliert die Unternehmen oder ist befugt, Sanktionen zu verhängen. Wird die Schweiz also bald das einzige Land in Europa sein, in dem es kein wirksames Gesetz zur Rechenschaftspflicht multinationaler Unternehmen gibt? Es ist höchste Zeit, Karin Keller-Sutter dazu aufzufordern, ihre Versprechen zu halten!

Unterstützen Sie deshalb bitte die Petition für ein Konzernverantwortungsgesetz: Jetzt unterzeichnen!

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Wer an den Klima-Gesprächen teilnimmt, verringert nachweislich seinen CO2-Ausstoss.
Wer an den von Fastenaktion und HEKS lancierten KlimaGesprächen teilnimmt, verringert in der Folge seinen CO2-Abdruck. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Center for Development and Environment (CDE) der Universität Bern. Ab September finden an diversen Orten in der Schweiz die KlimaGespräche zum ersten Mal in einem neuen Format statt.

Viele Menschen machen sich Sorgen über den Klimawandel, trotzdem ist es für die meisten schwierig, ihren Lebensstil anzupassen und etwa auf das Auto, die Ferienwohnung oder exotische Lebensmittel zu verzichten. Dies zu ändern ist das Ziel der KlimaGespräche, die dazu Fakten zur Klimakrise mit der persönlichen Erfahrung und Lebenswelt der Teilnehmenden verbinden.

Die Klimagespräche sind erfolgreich
Eine vom CDE durchgeführte wissenschaftliche Untersuchung verglich nun den CO2-Ausstoss der Teilnehmenden mit einer entsprechenden Kontrollgruppe. Der Klima-Fussabdruck sank in der Gruppe der Teilnehmenden um 1,2 Tonnen CO2 stärker als bei der Kontrollgruppe. Dies entspricht rund 10% des durchschnittlichen Schweizer Klima-Fussabdrucks. Seit 2019 haben mehr als 400 Personen an KlimaGesprächen mitgemacht.

Neue KlimaGespräche ab September
Ab Mitte September starten zahlreiche neue KlimaGespräche in der ganzen Deutschschweiz, in einem überarbeiteten Format und mit aktualisierten Inhalten. Neu analysieren die Gruppen an vier statt wie bisher sechs Gesprächsrunden ihre eigenen Gewohnheiten in den Bereichen Mobilität, Ernährung sowie Konsum und deren Folgen fürs Klima. Ein grösseres Gewicht erhalten die Fragen, wie die Teilnehmenden ihr Umfeld für einen nachhaltigen Lebensstil sensibilisieren und wie sich über das eigene Verhalten hinaus für den Klimaschutz einsetzen können.

Methode der KlimaGespräche
An den Gesprächen geht es nebst der Information vor allem darum, sich selbst mit eigenen Gewohnheiten, Dilemmata und Werten auseinanderzusetzen und dank dem Austausch in der Gruppe ins Handeln zu kommen. Die in England entstandene Methode der Klimagespräche wird inzwischen in zahlreichen Ländern erfolgreich angewandt, in der Deutschschweiz bieten Fastenaktion und HEKS seit 2019 KlimaGespräche an. 

Hier finden Sie eine Zusammenfassung der CDE-Studie.

Sie möchten Ihr Leben auf Klimakurs bringen und ein KlimaGespräch besuchen? Hier finden Sie alle Veranstaltungsorte und Termine!

Das BLW berichtet heute von den Schweizer Multi-Stakeholder-Dialogen über die Ernährungssysteme. Diese Dialoge sind als ein Beitrag für den im September in New York stattfindenden Food System Summit der UNO (UNFSS) gedacht. Der Gipfel steht im Dienst der Agenda 2030 – der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung. Die Teilnehmenden wollen nichts Geringeres als den «Aufbau der Ernährungssysteme der Zukunft» erreichen.

Jelena Filipovic, Mitgründerin von Landwirtschaft mit Zukunft, hat am Dialog teilgenommen und meint: «Es ist illusorisch zu glauben, dass sich durch ein zwei kurze Austausche zwischen unterschiedlichen Akteuren mit gegensätzlichen Interessen grundlegende Machtungleichgewichte und Zielkonflikte in Luft auflösen.» Dass der Bund bei der Gestaltung der Ernährungssysteme für die Zukunft auf Partizipation setzt, ist zwar positiv. Doch für echte Transformation braucht es einen viel umfassenderen Prozess mit Einbezug der Bevölkerung, der auf politische Veränderung zielt.

Noch schlechter sieht es auf globaler Ebene aus: Der Eindruck verfestigt sich, dass am UNFSS elementare Aspekte wie die Menschenrechte und insbesondere die bäuerlichen Rechte ausgeklammert, und stattdessen einseitig technologische Lösungen im Interesse der Agrarindustrie favorisiert werden.

Die nationalen Multi-Stakeholder-Dialoge des BLW brachten nur allgemeine und unverbindliche Handlungsansätze hervor. Besser waren die Städtedialoge, welche konkretere und vielversprechendere Massnahmen hervorbrachten. Parallel zu den Dialogen auf nationaler und lokaler Ebene hat die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) eine eigene Diskussionsrunde organisiert. Es ist bedauerlich, dass die Dialoge separat geführt wurden, denn um das Silodenken zu überwinden und Politikkohärenz zu erreichen, müssten Innen- und Aussenpolitik endlich zusammen gedacht werden.

Für erfolgreiche alternative Formen der Landwirtschaft

Die unterzeichnenden Organisationen – HEKS, Fastenaktion, Greenpeace, Heks, Landwirtschaft mit Zukunft, Public Eye, Swissaid, Uniterre – treten für eine Landwirtschaft ein, welche die Umsetzung des Rechts auf Nahrung zum Ziel hat und sich aus der Abhängigkeit von chemischen Düngern und Pestiziden befreit, welche die Böden mittelfristig unfruchtbar machen und Umwelt und Gesundheit gefährden. Die Wissenschaft sowie Bäuerinnen und Bauern – im Globalen Süden wie auch in der Schweiz – haben den Tatbeweis längst erbracht, dass alternative, agrarökologische Formen der Landwirtschaft erfolgreich sind. Infolge falscher politischer Rahmenbedingungen fristen diese Alternativen jedoch ein Schattendasein.

Der bevorstehende Gipfel verstärkt den Trend, dass globale Konzerne auf Kosten der Menschenrechte und sozialen Gerechtigkeit und damit auf Kosten der Staatengemeinschaft und der Zivilgesellschaft immer mehr Raum in Prozessen der UNO einnehmen. «Die UNO verliert so an Legitimität. Es ist besorgniserregend, dass die UNO-Organisationen den Prozess für die Lösung der aktuellen Probleme in den Ernährungssystemen weitgehend jenen Konzernen in die Hand gibt, die sie mit verursacht haben», sagt Simon Degelo, Verantwortlicher für Saatgut und Biodiversität bei Swissaid.

Welternährungsgipfel – Food System Summit der UNO – UNFSS

Der UNFSS wird von der UNO in enger Partnerschaft mit dem WEF organisiert – auf dem Hintergrund eines umfassenden «Strategic Partnership Framework», das die beiden Organisationen 2019 unterzeichnet haben. Eine angemessene Partizipationsmöglichkeit für bäuerliche und zivilgesellschaftliche Organisationen fehlt. Dagegen haben Konzerne und industrienahe Kreise grossen Einfluss. Im Vorfeld des UNFSS fanden in den einzelnen Ländern sogenannte Food Systems Dialoge – in der Schweiz organisiert vom BLW und der Deza) statt. Die erarbeiteten Lösungen sollen in den UNO Gipfel einfliessen.

Hier finden Sie die Medienmitteilung des Bundesamts für Landwirtschaft. 

Für weitere Informationen: 

Überschwemmungen Guatemala 2020

Im November 2020 verursachten die Wirbelstürme Eta und Iota verheerende Schäden in Guatemala. Betroffen waren vor allem die Menschen in der abgelegenen Berglandschaft im Norden, wo mehrere Projekte von Fastenaktion arbeiten. Dank ihrer Katastrophenteams konnte die Schweizer Regierung umgehend auf die Bitte der guatemaltekischen Regierung nach humanitärer Hilfe reagieren. Eine kurze Bilanz.

Aufgrund seiner geografischen Lage war Guatemala schon immer von Naturkatastrophen bedroht. Mit dem fortschreitenden Klimawandel nehmen Wirbelstürme, lang anhaltende starke Regenfälle, Überschwemmungen, Dürren und Waldbrände noch zu. Im November 2020 liessen sintflutartige Regenfälle zahlreiche Hänge – und mit ihnen Häuser und Felder – abrutschen. Grosse Teile der Mais und Bohnenernten wurden zerstört, Tausende von Familien standen vor dem Nichts.

Wie sich die Schweiz in Zentralamerika auf Katastrophen vorbereitet

Zum einen unterhält die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) in Zentralamerika eine Grupo de Intervención y Apoyo Rápido (GIAR), die sich aus lateinamerikanischen Experten für humanitäre Hilfe zusammensetzt. Als zweites haben die Schweizer Botschaften und sechs in Zentralamerika tätige Schweizer Hilfswerke 2013 ein lokales Nothilfeteam gegründet: das Equipo de emergencia local EEL. Ziel beider Organisationen ist es, die Nothilfe aus der Schweiz rasch und effizient zur betroffenen Bevölkerung zu bringen. In den letzten fünf Jahren übernahm die lokale Koordination der Fastenaktion die Aufgabe, das EEL zu koordinieren.
Die Mitglieder des EEL treffen sich regelmässig zum Austausch und es finden gemeinsame Ausbildungen zum Umgang mit Katastrophen für die lokalen Partnerorganisationen der Hilfswerke statt. Auch gibt es regelmässigen Austausch mit den Expertinnen und Experten von GIAR.

 

Nothilfe Guatemala/Alta Vera Paz 2020

Gemeinsamer Einsatz für 1700 Familien

Nach den Wirbelstürmen und den so noch nie dagewesenen, Überschwemmungen im November 2020 haben die beiden Organisationen zum ersten Mal eng zusammengearbeitet. Ihr Einsatz fand während 22 Tagen in einem der am stärksten betroffenen Gebiete, in San Pedro Carchá/Alta Verapaz, statt. Bei der konkreten Verteilung der Nothilfe erwies sich die Asociación T’zuul Taq’a als wichtige Stütze. Sie ist seit mehr als zehn Jahren Partnerorganisation der Fastenaktion und ihr Team verfügt über solides Wissen zur Region und spricht die lokale Sprache Q’eqchi. Auch waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von T’zuul Taq’a sehr motiviert und solidarisch mit der Bevölkerung. Während der gemeinsamen Aktion konnten mehr als 1700 Familien mit dringend notwendigen Lebensmitteln, Trinkwasser, sowie Hygiene- und Schutzmaterial gegen Covid-19 versorgt werden.

Nothilfe Guatemala Alta Verapaz: Registration

Nothilfe: Je koordinierter, desto wirksamer

Nicht nur die Schweizer Organisationen arbeiteten zusammen: Sie stimmten ihren Einsatz auch ab mit der humanitären Hilfe anderer Länder, der Vereinten Nationen sowie der staatlichen Katastrophenhilfe. Bei der Auswertung wurde diese Erfahrung von allen Beteiligten als erfolgreich eingestuft: Alle waren gegenseitig über die Aktionen der andern informiert und hielten sich an die ihnen zugewiesenen Rollen. Dadurch konnten in einer Rekordzeit von nur einer Woche die dringend benötigte humanitäre Hilfe geleistet werden. Insgesamt wurden 73 Tonnen lebenswichtige Hilfsgüter an betroffene Familien in 14 grossen abgelegenen Gemeinden abgegeben.

Überschwemmungen Guatemala 2020

Rückkehr zum normalen Leben braucht Zeit

Dank der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen der lokalen Fastenaktion-Partnerorganisation T’zuul Taq’a, mit dem EEL und GIAR werden die betroffenen Familien in Alta Verapaz nun auch beim Wiederaufbau unterstützt. Sie erhalten Bargeld, das sie für ihre Grundbedürfnisse einsetzen können: Nahrungsmittel, Trinkwasser, Saatgut, die Reparation und den Neubau von Häusern oder Hygieneartikel wie Seife, Binden und Desinfektionsmittel. Das Ziel ist, dass alle wieder so leben können, wie vor der Katastrophe. Denn erst wenn die grundlegenden Bedürfnisse nach Sicherheit – genug zu essen, ein Dach über dem Kopf – gedeckt sind, ist es für die Familien auch wieder möglich, sich Entwicklungsprojekten zuzuwenden.

Yojana Miner
Mitglied des Koordinationsteams der Fastenaktion und HEKS
Koordinatorin des EEL Guatemala

Um den Wiederaufbau im Norden von Guatemala weiter unterstützen zu können, sind wir froh um jede Spende. 
Hier finden Sie mehr Informationen zum Guatemalaprogramm der Fastenaktion und HEKS allgemein.

Unterstützen Sie die Menschen in Guatemala auch beim Wiederaufbau!

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5.9 Milliarden Franken investiert die Schweizerische Nationalbank (SNB) in Unternehmen, die Erdöl, Erdgas und Kohle fördern und damit das Klima anheizen. Schon heute sind grundlegende Menschenrechte von in Armut lebenden Menschen massiv davon betroffen. Die Klimaerhitzung verursacht ausserdem systematisch gravierende Umweltschäden. Ganze Ökosysteme wie die Arktis oder Korallenriffe sind gefährdet.

Die SNB ist mit 5.9 Milliarden Franken an Unternehmen beteiligt, die fossile Energien fördern. Somit ist sie für Emissionen von 43 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr mitverantwortlich. Zum Vergleich: Die Gesamtemissionen der Schweiz lagen im Jahr 2018 bei 47 Millionen Tonnen CO2. Mit ihren Investitionen trägt die SNB zu einer Entwicklung bei, die bis zum Ende dieses Jahrhunderts eine katastrophale Temperaturerwärmung von 4-6 Grad bedeutet. Damit würden weite Teile der Erde unbewohnbar.

Klimaerwärmung verletzt Menschenrechte

Grundlegende Menschenrechte wie das Recht auf Nahrung, das Recht auf Recht auf Gesundheit, das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser und Hygiene und das Recht auf Wohnen sind dadurch bedroht. So führt zum Beispiel der steigende Meeresspiegel dazu, dass Küstenregionen nicht mehr bewohnbar sind und traditionelle Landwirtschaft sowie Fischerei nicht mehr möglich sind. Millionen von Klimabetroffenen verlieren ihre Nahrungsgrundlage. Extreme Wetterereignisse wie Dürren betreffen auch Regionen im Landesinneren. Der Zugang zu Wasser wird durch Hitzewellen und andere Extremwetterereignisse gefährdet.

Bankrat muss Aufsichtspflicht wahrnehmen

Laut ihren Anlagerichtlinien müsste die SNB auf Investitionen verzichten, die grundlegende Menschenrechte massiv verletzen oder systematisch gravierende Umweltschäden verursachen. Genau dies geschieht auf Grund der globalen Erwärmung. Die SNB verstösst durch ihre Investitionen in  fossile Energien gegen ihre eigenen Anlagerichtlinien. Die Nationalbank hat die rechtliche Grundlage, diese Investitionen umzulenken. Ein solcher Beitrag der SNB zu den Klimazielen wäre vor allem ein grosses Signal für die ganze Welt. Der Bankrat der SNB muss die Geschäftsleitung im Hinblick auf die Einhaltung von Gesetz, Reglementen und Richtlinien kontrollieren. Deshalb fordern Fastenaktion und HEKS zusammen mit der Klima-Allianz Schweiz den Bankrat der SNB und seine Präsidentin Barbara Janom Steiner auf, ihre Aufsichtspflicht wahrzunehmen und Anlagen in fossile Energieunternehmen als Verstoss gegen die Anlagerichtlinie zu behandeln. Die SNB muss aus Investitionen Unternehmen, die Erdöl, Erdgas und Kohle fördern, aussteigen.

Stefan Salzmann, Verantwortlicher für Energie und Klimagerechtigkeit

Diskussion über Livestream verfolgen

Am 30. Oktober ab 17:30 Uhr können sie über Livestream eine Diskussion zwischen Fachleuten zum Thema verfolgen. Hier finden Sie alle Angaben dazu.

Videostatements der Expert/innen und Klimabetroffenen zur kostenfreien Nutzung werden nach dem Event hier zur Verfügung stehen.

Die Studie über die Rechte der Bäuerinnen und Bauern und die Schweizer Aussenpolitik wird vorgestellt.Die Studie über die Rechte der Bäuerinnen und Bauern und die Schweizer Aussenpolitik wurde heute in Bern vorgestellt.

Bauern und Bäuerinnen ernähren die Welt und sind paradoxerweise in vielen Ländern die Hauptbetroffenen von Hunger und extremer Armut. Seit 2018 legt die UN-Deklaration die Rechte der weltweit marginalisierten Kleinbauern und -bäuerinnen* fest. Eine neue Studie zeigt, dass in der Schweizer Aussenpolitik ein beachtlicher Handlungsbedarf besteht, um die Umsetzung der UN-Deklaration, zu der sich die Schweiz verpflichtet hat, voranzubringen. Die Studie wurde heute Vormittag den zuständigen Schweizer Ämtern vorgestellt.

Für die weltweite Ernährungssicherung spielen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern eine zentrale Rolle. Dennoch sind sie gleichzeitig die Hauptbetroffenen von Hunger und extremer Armut. Zahlreiche Regierungen vernachlässigen in ihrer Landwirtschafts- und Handelspolitik ihre Rechte und Bedürfnisse, und überlassen das Geschäft mit der Nahrung den Agrarkonzernen.

Im Verhandlungsprozess der 2018 von der UNO angenommenen Deklaration über die Rechte der Kleinbäuerinnen und -bauern (UNDROP), mit der ein umfassendes internationales Instrument vorliegt, um ihre Rechte einzufordern und zu verteidigen, hatte der Bund eine Schlüsselrolle inne und setzte sich für deren Annahme ein.

Nun aber zeigt die von Schweizer NGOs in Auftrag gegebene Studie, dass die Schweiz zentrale Bereiche ihrer Aussenpolitik kohärenter gestalten sollte, um zur weltweiten Verwirklichung der Bauernrechte beizutragen.

Die Richtung stimmt, aber es bleibt noch viel zu tun

Die von den Organisationen FastenaktionHEKS, Cetim, FIAN-Schweiz, Heks, Swissaid und Uniterre in Auftrag gegebene Studie, analysiert die Schweizer Aussenpolitik in den Bereichen Handel, Saatgut und Landrechte sowie die Entwicklungszusammenarbeit im Lichte der UN-Deklaration, deckt Mängel auf und präsentiert einen Forderungskatalog.

Die Schweiz setzt auf Handelsliberalisierung und trifft bestimmte Massnahmen zum Schutz der Schweizer Landwirtschaft. Diese national ausgerichtete Politik benachteiligt jedoch die Kleinbauern und -bäuerinnen in den Ländern des Südens und verletzt die in der UNDROP verankerten Rechte. Dadurch verlieren unzählige Menschen ihr Recht auf Land, auf biologische Vielfalt sowie auf eine saubere und gesunde Umwelt. Hier ist die Schweiz aufgefordert, genau hinzuschauen und die Auswirkungen der bestehenden oder künftiger Freihandelsabkommen auf Bauernfamilien in der Schweiz sowie in Partnerländern zu überprüfen. Zudem muss die Mitsprache der Bäuerinnen und Bauern in den Verhandlungen aktiv gefördert und die Standards entsprechend angepasst werden. Die Schweiz soll sich klar für das Recht auf Saatgut positionieren und damit auf strenge Sortenschutzgesetze als Bestandteil von Freihandelsabkommen verzichten.

Bauern und Bäuerinnen züchten, nutzen und vervielfältigen seit jeher Saatgut und tragen damit zum Schutz der Biodiversität bei. Über die Entwicklungszusammenarbeit soll die Schweiz die Entwicklung alternativer Sortenschutzgesetze anregen sowie lokale bäuerliche Saatgutsysteme stärken.

Projekte des Bundes im Einklang mit den Rechten der Bäuerinnen und Bauern

Zudem zeigt die Studie, dass in der neuen Botschaft zur Strategie der internationalen Zusammenarbeit 2021-2024 die Bauernrechte, ausser im Globalprogramm für Ernährungssicherheit der Deza, keine Erwähnung finden, und dass die starke Beteiligung des Privatsektors ein beträchtliches Risiko hinsichtlich der Einhaltung der Menschenrechte und traditioneller Landnutzung darstellt. Die Schweiz muss jedoch sicherstellen, dass alle Projekte von Seco und Deza in Einklang mit den Rechten der Bäuerinnen und Bauern stehen. Um ihre Mitsprache und Mitwirkung zu ermöglichen und zu stärken, empfiehlt die Studie bei der internationalen Zusammenarbeit, Bauern und Bäuerinnen zu unterstützen, damit sie ihre Rechte einfordern und wahrnehmen können. Zudem soll sie die Bildung und Förderung bäuerlicher Organisationen und nationaler bäuerlicher Räte unterstützen.

Beim heutigen Treffen zwischen den NGOs und Vertreterinnen und Vertretern der Bundesämter, darunter das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten und das Institut für Geistiges Eigentum, konnten die Studienresultate präsentiert werden. Die Auftraggeber/innen der Studie schätzen diese Offenheit und hoffen weiterhin auf einen konstruktiven Dialog.

*Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte von Kleinbauern und -bäuerinnen und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten.

Hier finden sie die neue Studie zur Umsetzung der UN-Deklaration durch die Schweiz:

Weitere Auskunft: 

Claudia Fuhrer, Fastenaktion, +41 78 764 34 31

Judith Reusser, Swissaid, +41 78 700 49 61 

Setzen Sie sich mit den Bäuerinnen und Bauern für das Recht auf Nahrung ein!

Herzlichen Dank für Ihre wertvolle Spende.
Foto: Daniel Hitzig/Alliance Sud

Medienmitteilung

Vorwärts in alle Richtungen, so zeigt der Kompass der Entwicklungspolitik des Bundesrats. Alliance Sud vermisst klare Bekenntnisse zu einer konsequenten Ausrichtung an den Uno-Zielen für nachhaltige Entwicklung (Agenda 2030) und dem Pariser Klimaübereinkommen.

Der Bundesrat hat heute zwei wichtige entwicklungspolitische Dokumente verabschiedet – die Botschaft zur Internationalen Zusammenarbeit (IZA) der Schweiz für die Jahre 2021 bis 2024 sowie die Botschaft zu den Kapitalerhöhungen der IBRD, IFC und der Afrikanischen Entwicklungs­bank. Bei beiden steht der Privatsektor als Entwicklungsmotor im Fokus – dies auf Kosten einer globalen Vision von Nachhaltigkeit, die sich konsequent an der Agenda 2030 und dem Pariser Klimaabkommen ausrichten würde.

Im Mai 2019 hatten das EDA und das WBF erstmals einen erläuternden Bericht zur IZA in die öffentliche Vernehmlassung geschickt. Eine Rekordzahl von 249 Antworten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und der Zivilgesellschaft gingen ein. Alliance Sud begrüsst, dass aufgrund der Vernehmlassung nun die Armutsreduktion wieder ins Zentrum der Botschaft zur IZA gerückt ist. Ebenfalls erfreulich ist die Klarstellung, dass mit den Interessen der Schweiz die langfristigen Interessen an einer stabilen, sicheren und nachhaltigen Welt gemeint sind und nicht kurzfristige migrations- oder wirtschaftspolitische Interessen. Die Agenda 2030 als Referenzrahmen für die Schweizer IZA wird nun im Text richtigerweise stärker hervorgehoben, allerdings ohne eine klare Vision zu formulieren, was eine globale nachhaltige Entwicklung im Sinne der Agenda 2030 tatsächlich bedeutet. Auch beim vorgesehenen Ausbau der Zusammenarbeit mit dem Privatsektor ist keine klare Strategie erkenntlich. So bleibt unklar, was genau mit den «neuen innovativen Finanzierungsinstrumenten» gemeint ist, wieviel Geld in diese Zusammenarbeit fliessen soll und zu welchem Zweck. Dies ist bedenklich, zeigen doch verschiedene Studien, dass die anvisierten Blended Finance-Instrumente vor allem in Ländern mittleren Einkommens etwas bewirken können, kaum aber in den ärmsten Ländern. Auch die Überprüfung eines tatsächlichen Entwicklungsnut­zens gestaltet sich aufgrund der Vielzahl involvierter Akteure bei dieser Art von Finanzierung oftmals schwierig. So stand just die in der Botschaft als positives Beispiel erwähnte Private Infrastructure Development Group (PIDG) kürzlich in der Kritik, weil sie nach wie vor massiv in Öl- und Gasprojekte in Entwicklungsländern investiert. Dies ist mit einer nachhaltigen Entwicklung im Sinne der Agenda 2030 und des Pariser Klimaabkommens unvereinbar.

Was den Finanzrahmen betrifft, scheinen die Ergebnisse der öffentlichen Vernehmlassung spurlos am Bundesrat vorbei gegangen zu sein. Obwohl 138 der eingegangenen Eingaben eine Erhöhung der Mittel für die IZA forderten (nur zwei forderten eine Reduktion, der Rest äusserte sich nicht zum Finanzrahmen), kürzt der Bundesrat die Gelder gegenüber dem Entwurf um 120 Millionen auf 11.25 Milliarden CHF. Ein Widerspruch auch, dass sich dadurch die anvisierte APD-Quote (aide publique au développement) von 0.45% auf 0.47% des Schweizer Nationaleinkommens (BNE) erhöhen soll. Ohne Asylausgaben, die ebenfalls der Entwicklungszusammenarbeit angerechnet werden, verharrt die Quote bei bloss 0,41% des BNE. Nicht nur der international mehrmals bestätigte Richtwert von 0.7%, sondern auch das vom Parlament 2011 gesetzte Ziel von 0.5% werden damit klar verfehlt. Angesichts wiederholter Milliardenüberschüsse in der Bundeskasse und der breiten Abstützung der IZA in der Schweizer Bevölkerung ist dies unverständlich.

Auch in der zweiten heute vom Bundesrat verabschiedeten Botschaft zu den Kapitalerhöhungen der beiden Weltbanktöchter IBRD (International Bank for Reconstruction and Development) und IFC (International Finance Corporation) sowie der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) fehlt die Vision einer gerechten, nachhaltigen Welt im Sinne der Agenda 2030 und des Pariser Klimaab­kommens. Alle drei Institutionen fördern privatwirtschaftliche Grossinvestitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern und setzen sich dafür ein, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Entwicklungsländern «stimmen», was in vielen Fällen mit Land- und Saatgutprivatisierung, Steuer­vorteilen für ausländische Unternehmen und Restriktionen beim Schutz der heimischen Wirtschaft einhergeht. Schweizer Unternehmen profitieren stark von den Krediten der Entwicklungsbanken, vor allem von der IFC, welche 2019 1.3 Milliarden US-Dollar mit Schweizer Unternehmen co-inves­tiert hatte und ebenfalls in die oben genannte Private Infrastructure Development Group involviert ist. Obwohl sowohl die Weltbank wie auch die AfDB in den letzten Jahren verschiedene Klimaver­sprechen gemacht haben, vertreten beide nach wie vor ein Entwicklungsmodell, das klar auf der Förderung von fossilen Energien aufbaut. Die von diesen Banken geförderten grossflächigen Infrastrukturprojekte sowie die Förderung der industriellen Landwirtschaft gehen zudem oft einher mit Vertreibungen, Umsiedlungen und massiver Repression der lokalen Bevölkerung.

Im Sinne einer nachhaltigen und gerechten globalen Entwicklung sollte die Schweiz ihre Stimm­rechte in diesen Institutionen dafür nutzen, den Fokus zu verschieben – weg von riesigen Infra­strukturvorhaben und der Förderung ausländischer Privatinvestitionen, hin zu einer Unterstützung lokaler KMUs in Entwicklungsländern, dem Aufbau lokaler Märkte und einer dezentralisierten nach­haltigen Energieversorgung. Dazu gehört auch der konsequente Schutz von zivilgesellschaftlichen Organisationen vor Ort, die bei der Bekämpfung von Korruption und Menschenrechtsverletzungen eine zentrale Rolle spielen.

Für weitere Informationen

Markus Brun, Leiter Internationale Zusammenarbeit Fastenaktion, 041 227  59 75

Daniel Hostettler, Leiter Internationale Programm Fastenaktion, 041 227  59  41

Alliance Sud setzt sich Auftrag der sechs Trägerorganisationen Fastenaktion, HEKS, Heks, Swissaid, Helvetas und Caritas für gerechte Beziehungen zwischen den Industriestaaten und armen Ländern des Südens ein. Die Geschäftsleiter/innen der sechs Trägerorganisationen bilden den Vorstand von Alliance Sud. Der Vorsitz rotiert im Zweijahresturnus. Präsident ab 2020 ist Bernd Nilles, Geschäftsleiter der Fastenaktion.