Verheerende Naturkatastrophen, problematische Einmischungen von aussen, krasse Korruption und eine tragische koloniale Historie: Die Gründe für die scheinbar endlose Krise auf Haiti sind vielfältig. Mehr Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft würde helfen – aber nur, wenn dabei das Wohl der Bevölkerung im Zentrum steht und nicht geschäftliche oder politische Interessen der unterstützenden Länder.

Text: Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion

Die indigenen Ureinwohner der Karibikinsel, die Taino, nannten sie einst Kiskeya (wunderbares Land) oder Ayiti (gebirgiges Land). Aus letzterem entstand der Name Haiti. Doch die Tragödie der heute Hispaniola genannten Insel, die sich Haiti und die Dominikanische Republik teilen, begann bereits 1492 mit der Ankunft von Christoph Kolumbus. Mehrere 100‘000 Indigene sollen damals dort gelebt haben. Diese wurden zuerst von den eingeschleppten Seuchen der spanischen Eroberer dezimiert, ab 1503 dann zusätzlich von einem System sklavenartiger Zwangsarbeit.

Ende des 17. Jahrhunderts erkämpfte sich Frankreich den Westteil der Insel und führte ihn zu einer enormen wirtschaftlichen Blüte, die auf Plantagenanbau von Zuckerrohr und Kaffee beruhte. Saint-Domingue, wie Haiti damals hiess, galt für einige Jahrzehnte als Perle der Karibik und war die reichste Kolonie Frankreichs. In den 1780er-Jahren stammten etwa 40 Prozent des Zuckers und 60 Prozent des Kaffees, der in Europa konsumiert wurde, aus Haiti.

 

Revolution brachte Freiheit und neue Probleme

Dies funktionierte nur, weil jährlich Zehntausende Menschen aus Afrika dorthin verschleppt wurden und als Sklav:innen auf den Plantagen schufteten – unter so erbärmlichen Lebensumständen, dass viele nicht überlebten. Die fürstlichen Profite derweil landeten in Frankreich.

Im Nachgang der Französischen Revolution kam es 1791 zur Haitianischen Revolution, einem Aufstand der Sklavinnen und Sklaven, die zu der Zeit rund 90 Prozent der Bevölkerung ausmachten. In einem langen und brutalen Befreiungskrieg erkämpfte sich Haiti schliesslich 1804 als erste «schwarze Nation» seine Unabhängigkeit – misstrauisch beäugt von den benachbarten Sklavenhalternationen, die ein Überspringen befürchteten.  

Die Freude auf der Insel jedoch war von kurzer Dauer. Schon bald übernahm eine Elite von ehemaligen Freiheitskämpfern die Herrschaft und unterdrückte ihrerseits weite Teile der Bevölkerung. Zudem nahm Frankreich den Verlust seiner Kolonie nicht einfach so hin und drohte mit einem erneuten Krieg, falls keine Kompensationszahlungen geleistet würden.

 

Haitis Reichtum floss nach Frankreich

Ein Rechercheteam der «New York Times» kalkulierte 2022, dass Haiti durch diese Zahlungen an die früheren Kolonialherren insgesamt über 100 Milliarden US-Dollar im heutigen Wert verloren gingen – laut internationalen Historiker:innen «die wohl abscheulichste Staatsschuld der Geschichte». Das Fazit der Recherche: Wäre dieses Geld in Haiti geblieben und dort in die Entwicklung der Bevölkerung, der Wirtschaft und der Infrastruktur investiert worden, ginge es dem Land heute sehr viel besser, vergleichbar mit dem Inselnachbarn Dominikanische Republik.

Stattdessen musste Haiti seine Wirtschaft darauf ausrichten, horrende Beträge ins Ausland zu entrichten. Es fokussierte zuerst auf Kaffee, dann auf Tropenholz. In kurzer Zeit verlor das Land 90 Prozent seiner Waldbestände – mit dramatischen Folgen für die Landwirtschaft. Zudem musste sich Haiti anderswo im Ausland verschulden und wurde zwischenzeitlich noch zwei Jahrzehnte von den USA besetzt und ausgeplündert.

Faktisch war die Entwicklung der haitianischen Wirtschaft über 125 Jahre gelähmt. Abbezahlt waren die Schulden an Frankreich erst 1950. Das Land weigert sich bis heute, diese historische Schuld an Haitis Misere angemessen zu kompensieren. Und während die normale Bevölkerung litt, führte eine kleine Elite Haitis weiterhin ein gutes Leben, dank diktatorischen Anführern und krasser Korruption.

In unseren Projekten unterstützen wir gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern dabei, ihre Ernährung langfristig zu sichern.

Naturkatastrophen und politische Instabilität

Hinzu kommen schwere Naturkatastrophen. So wurde etwa die Hauptstadt Port-au-Prince am 12. Januar 2010 vom schwersten Erdbeben in der Geschichte Nord- und Südamerikas zerstört: Es gab 300’000 Tote, Hunderttausende Verletzte und 1.8 Millionen Obdachlose. Zudem erlebt Haiti immer wieder verheerende Wirbelstürme und Dürren. Allein zwischen 1998 und 2016 verursachten diverse Naturkatastrophen Schäden in Höhe von mehr als 12.5 Milliarden US-Dollar.

Auch die politische Situation bleibt seit dem Sturz der diktatorisch herrschenden, maximal korrupten Duvalier-Familie 1986 instabil. Und seit der Ermordung von Präsident Jovenel Moisé 2021 herrscht faktisch Anarchie. Weite Teile der Hauptstadt werden von kriminellen Banden kontrolliert, Entführungen und Morde sind an der Tagesordnung. Die Polizei ist komplett überfordert – und oft selbst korrupt. Wer kann, verlässt das Land. So gehen die gescheitesten Köpfe verloren, die Haiti so dringend brauchen würde.  

 

Ausbeutung statt Investitionen

Es gibt jedoch noch einen weiteren wichtigen Grund für die Missstände im Land: «Im Gegensatz zu anderen karibischen Ländern hat Haiti nie grosse internationale Investitionen angezogen, weder in die Zuckerindustrie noch in den Tourismus, der in der Karibik seit den 1970er-Jahren floriert», sagt der Koordinator von Fastenaktion auf Haiti. «Solche ausländischen Investitionen kurbeln nicht nur die Wirtschaft an, sie zwingen die Investoren auch, in diesen Ländern die richtigen Entscheide zu treffen, um ihre Investitionen zu schützen.»

Stattdessen unterstütze die internationale Gemeinschaft eine lokale korrupte Wirtschaftselite, die das schnelle Geld im Import-Export-Handel suche. «Natürlich trägt Haiti einen Teil der Verantwortung für die derzeitige Situation», sagt unser Koordinator, dessen Namen wir zu seiner eigenen Sicherheit nicht nennen. «Aber seit über 30 Jahren haben die verschiedenen Regierungen ihre strategischen Entscheidungen entweder in Komplizenschaft oder unter den Forderungen der internationalen Geberländer getroffen. Es gibt also eine gemeinsame Verantwortung.»

 

Ohne Hilfe von aussen geht es nicht

Dass die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft derzeit auf anderen Krisenherden liegt, erschwert die Situation zusätzlich. «Aber es überrascht hier niemanden», sagt unser Koordinator. «Die Konflikte um die Ukraine und in Gaza haben eine geostrategische Bedeutung, die in Haiti fehlt. Und die menschliche Tragödie scheint nicht auszureichen, um die notwendigen Ressourcen zu mobilisieren.»

Dabei bräuchte Haiti gerade jetzt Hilfe von aussen, auch wenn das Land in den letzten Jahrzehnten damit oft negative Erfahrungen gemacht hat. «Wichtig wäre, die Kompetenz der Haitianer:innen bei der Lösung der Herausforderungen einzubeziehen wie das etwa Fastenaktion mit ihrer Unterstützung von Partnerorganisationen vor Ort macht.»

Für eine Besserung braucht es minimale politische Stabilität in Form einer Übergangsregierung sowie die Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung mit externer Hilfe. «Ausserdem freie Wahlen und eine funktionierende Regierung», sagt Benno Steffen, der bei Fastenaktion für das Landesprogramm Haiti zuständig ist. Er fürchtet, dass sich die prekäre Sicherheitslage ansonsten von den aktuellen Hotspots auf weitere Regionen ausbreiten könnte.

Fastenaktion leistet gezielte Nothilfe vor Ort, um die Ernährung der Menschen zu sichern. Erfahren Sie hier mehr darüber.

Haiti wird häufig von Wirbelstürmen heimgesucht. Sie hinterlassen eine Schneise der Verwüstung und zerstören wichtige Infrastrukturen.

In Haiti setzen multiple Krisen der Bevölkerung zu. Die Ernährung von mehr als 3,6 Millionen Menschen ist gefährdet. Erfahren Sie hier mehr über unseren Einsatz im Land.

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Kriminelle Banden auf der Karibikinsel haben sich zusammengeschlossen und kontrollieren nun etwa 80 Prozent der Hauptstadt Port-au-Prince. Die Regierung hat den Notstand ausgerufen, die internationalen Flughäfen sind geschlossen, ebenso die Grenze zur Dominikanischen Republik. Der Programmkoordinator von Fastenaktion sitzt in einem Vorort der Hauptstadt fest – vorerst mit ausreichend Vorräten. Unsere Arbeit im Landesprogramm geht dennoch weiter.

Text: Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion

Die Sicherheitslage in Haiti ist schon seit Jahren prekär, doch in den letzten Tagen hat sie sich nochmals dramatisch verschärft. Normalerweise verfeindete kriminelle Banden haben sich zusammengeschlossen, einige Polizisten getötet und die Kontrolle über die Hauptstadt Port-au-Prince weitgehend übernommen. Rund 4000 zum Teil hoch gefährliche Häftlinge wurden aus zwei Gefängnissen befreit. Die Gangs fordern den Rücktritt von Premierminister Henry, der sich aktuell im Ausland befindet und nicht ins Land zurückkehren kann. Die internationalen Flughäfen in Port-au-Prince und Cap Haitien sind geschlossen, ebenso die Grenze zum Inselnachbarn, der Dominikanischen Republik.

Alle Botschaften geschlossen

Die haitianische Regierung hat den Notstand ausgerufen und nachts eine Ausgangssperre verhängt, die in der Hauptstadt aber kaum durchsetzbar sein dürfte. Die Schweiz hatte wie andere Länder ihre Botschaft bereits letztes Jahr geschlossen, nun sind auch die verbleibenden diplomatischen Vertretungen zu. Die USA haben ihre Bürger:innen dazu aufgerufen, Haiti umgehend zu verlassen, was derzeit allerdings kaum möglich ist.  

Der Programmkoordinator von Fastenaktion, dessen Namen wir zu seiner Sicherheit nicht nennen, lebt in einem Vorort von Port-au-Prince und arbeitet von zu Hause aus. Derzeit sind sämtliche Strassen aus seinem Quartier raus blockiert, weshalb er es nicht verlassen kann. Er hat jedoch genügend Wasser und Vorräte im Haus, um einige Zeit ausharren zu können.

Die Mehrheit unserer Partnerorganisationen auf Haiti arbeitet auf dem Land.

Fastenaktion vor allem auf dem Land aktiv

Die Mehrheit unserer Partnerorganisationen auf Haiti arbeitet auf dem Land, wo die Gangs bisher nur eingeschränkt aktiv sind. Die meisten Projektaktivitäten können deshalb trotz der Eskalation weitergehen. Dies sichert für die Menschen eine Versorgung mit lokalen Nahrungsmitteln.

Allerdings ist der Zugang zu Banken, die sich alle in Städten befinden, noch schwieriger als sonst. Zudem ist zu befürchten, dass einige der entflohenen Kriminellen in ihre Heimatregionen zurückkehren, was auch auf dem Land zu einer Destabilisierung führen könnte. Und die Versorgungslage wird generell immer prekärer. In einem der ärmsten Länder der Erde erhöht dies das Risiko, dass schon bald noch mehr Menschen hungern als zuvor.


Banden als neue politische Akteure

Doch was ist das Ziel dieser Eskalation seitens der kriminellen Banden? Benno Steffen, der bei Fastenaktion in Luzern für das Programm in Haiti verantwortlich ist, hat mit unserem Koordinator gesprochen. «Die Gangs wollen sich auf diese Weise wohl als politisch anerkannte Akteure positionieren», sagt Steffen. Es sei ja geplant, dass schon bald ausländische Polizeikräfte mit Uno-Mandat bei der Stabilisierung der Lage auf der Karibikinsel helfen sollen. «Es wird vermutet, dass die Banden sich im Vorfeld eine gute Verhandlungsposition sichern wollen, um später Straffreiheit auszuhandeln, so ähnlich wie dies schon in anderen lateinamerikanischen Ländern passiert ist.»

Die meisten Projektaktivitäten können deshalb trotz der Eskalation weitergehen.

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Viele Menschen unterstützten die katholische Kirche weiterhin, weil sie noch immer viel Gutes tue, nicht zuletzt durch Fastenaktion, sagt Weihbischof Josef Stübi, der neue Stiftungsratspräsident der Organisation. Zur christlichen Kernbotschaft der Nächstenliebe gehöre auch, ein Bewusstsein für die vielfältige Not und ihre Ursachen zu schaffen.

Text: Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion

Wie wurden Sie zum Nachfolger von Felix Gmür? Haben Sie sich bei der Bischofskonferenz beworben, hatten Sie gar Konkurrenz?

Nein, weder habe ich mich beworben, noch gab es Konkurrenten. Es brauchte einen Nachfolger aus der Bischofskonferenz, und das Gremium fragte mich an. Ich sagte nach kurzer Bedenkzeit zu, auch weil ich die Arbeit von Fastenaktion gut und wichtig finde.

Haben Sie sich denn zuvor schon mit internationaler Entwicklungszusammenarbeit beschäftigt?

Nicht in der Intensität und Komplexität, wie dies bei Fastenaktion geschieht. Aber in meiner 30-jährigen Zeit als Pfarrer habe ich immer wieder Gemeinschaften im Süden besucht, um Projekte ideell oder finanziell zu unterstützen. In Indien zum Beispiel hat die lokale Ordensgemeinschaft in Kerala zwölf Wohnhäuser finanziert, für Menschen, die zuvor in einem Slum gelebt haben. Auf der Insel Flores in Indonesien ging es darum, eine Handwerkerschule für junge Leute aufzubauen, die heute erfolgreich läuft. Ausserdem haben wir in meiner Zeit als Stadtpfarrer von Baden jedes Jahr einen Basar veranstaltet, an dem für ein soziales Projekt gesammelt wurde, immer wieder auch für Projekte im Süden.

Wissen Sie noch, wie Sie Fastenaktion ursprünglich kennengelernt haben?

Aber sicher: bereits als Kind. Wir hatten daheim in Dietwil (AG) immer ein Fastenopfer-Säckchen zu Hause, in dem über die Zeit von der ganzen Familie ein gewisser Batzen zusammenkam. Den haben wir dann am Fastenopfersonntag in die Kirche mitgenommen.

Welche Aspekte unserer Arbeit finden Sie besonders wichtig?

Ich lerne all die Details ja erst noch richtig kennen. Aber auf jeden Fall ist mir die diakonische, soziale Arbeit wichtig, die Fastenaktion macht. Dazu gehört auch die politische Bildung, also dass wir bei den Menschen ein Bewusstsein für die vielfältige Not schaffen und die Ursachen und Zusammenhänge gut verständlich darstellen. Dass wir zeigen, wofür wir stehen. Und da kommt für mich auch die christliche Kernbotschaft ins Spiel: die Nächstenliebe, der Auftrag an uns Christinnen und Christen, unseren Mitmenschen in Not zu helfen. Auch die katholische Soziallehre mit ihren Prinzipien von Solidarität und Gemeinwohl spielt eine Rolle – da gibt es direkte Bezüge zu den Menschenrechten, die heute vielerorts unter Druck stehen.

Was sehen Sie als wichtigste Aufgabe in Ihrem neuen Amt? Worauf freuen Sie sich?

Ich sehe mich als Teil dieses Gemeinschaftswerks und freue mich, die Arbeit von Fastenaktion im Rahmen meiner Möglichkeiten zu unterstützen, sie mitzugestalten und dabei neue Menschen kennenzulernen. Vielleicht kann ich mit meiner langjährigen Erfahrung in den Pfarreien auch dazu beitragen, diese traditionell so wichtige Verbindung wieder ein wenig zu stärken. Es gibt dort weiterhin viele Menschen, die offen sind, für Fastenaktion zu spenden. 

Ist die Organisation gut aufgestellt für die Ziele, die sie erreichen möchte?

Dazu kann ich noch nicht viel sagen, ich muss mich erst noch einarbeiten. Aber mir scheint, dass Fastenaktion auf einer guten, stabilen Basis steht.

Die Spendeneinnahmen aus der kirchlichen Welt nehmen schon seit Jahren ab, wohl auch wegen der Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche. Wie sollte sich Fastenaktion in diesem heiklen Umfeld positionieren, um nicht noch mehr Spender:innen aus der katholischen Welt zu verlieren?

Mein Eindruck ist, dass die Gläubigen durchaus differenzieren zwischen diesen Vorfällen und der sozialen Arbeit der Kirche. Ich denke, wenn wir glaubwürdig und transparent handeln und dies gut kommunizieren, dann bleibt die katholische Welt eine gute Basis zur Finanzierung von Fastenaktion. Die Zahl der Katholik:innen nimmt ab, aber sie unterstützen uns auch deshalb noch immer, weil wir viel Gutes tun. Fastenaktion ist diesbezüglich ein Leuchtturm der Kirche. Die Missbrauchsskandale sind furchtbar, ich will das in keiner Weise kleinreden. Gleichzeitig sollten wir engagiert weiterarbeiten und eine neue Wirklichkeit von Kirche anstreben. Ich bin auch durchaus optimistisch, dass dies gelingt.

Sollten wir dennoch versuchen, neue Spender:innen auch aus säkularen Kreisen zu gewinnen?

Das passiert ja bereits, und das ist auch richtig und legitim. Wir dürfen einfach nicht vergessen, woher wir kommen: unser christlicher Hintergrund. Umso mehr als uns das auch auszeichnet.

Was erhoffen Sie sich persönlich von Ihrem neuen Engagement?

Dass ich den Anforderungen der Aufgabe gerecht werde. Und da bin ich auch froh um die Menschen, die mit mir gemeinsam diesen Weg gehen. Wichtig ist mir ausserdem, dass bei all dem die Freude nicht zu kurz kommt, auch wenn es zwischendurch mal schwierig sein kann.

Josef Stübi ist seit Anfang Februar Stiftungsratspräsident von Fastenaktion.

Zur Person

Josef Stübi (62) ist seit Anfang Februar Stiftungsratspräsident von Fastenaktion. Der Weihbischof der Diözese Basel war viele Jahre Stadtpfarrer von Baden (AG) und ist schon seit 1987 als Seelsorger tätig. Er wohnt in Solothurn. Weihbischöfe gibt es in Diözesen, in denen die Aufgaben wegen ihrer Grösse nicht vom Diözesanbischof allein erfüllt werden können. Der Weihbischof vertritt ihn unter anderem bei Weihehandlungen und in manchen Gremien.

Trotz der teils prekären Sicherheitslage in Haiti ist Fastenaktion dort weiterhin im Einsatz. Die Projektarbeit sei gerade deswegen besonders wertvoll, sagt unser lokaler Koordinator vor Ort.

Ein Interview mit J. V.*, Koordinator in Haiti bei Fastenaktion
Text: Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion

Wie kommen die Projekte von Fastenaktion auf Haiti voran?

So weit gut. Mit den agrarökologischen Techniken und den Solidaritätsgruppen stärken wir die Ernährungssicherheit, die finanzielle Situation und das Selbstbewusstsein der dörflichen Gemeinschaften. Davon profitieren insgesamt mehr als 20 000 Menschen. Das funktioniert aber nur, weil die Sicherheitslage in den ländlichen Gebieten noch einigermassen okay ist.

Das ist sie sonst nicht?

Nein. Seit ich 2019 mitten in einer politischen Krise mit dieser Arbeit begonnen habe, ist es eher schlechter geworden.

Was sind die Ursachen dieser Krise?

Die aktuelle begann mit einem Volksaufstand gegen die korrupte Regierung. Doch inzwischen haben schwer bewaffnete Banden die Demonstrationen gestoppt und überziehen den Grossraum Port-au-Prince ungestört mit ihrem Terror, was ernste Folgen für die Mobilität hat.

Zum Beispiel?

Man sollte die Stadt nicht verlassen, ohne die aktuelle Sicherheitslage am Zielort und auf dem Weg dorthin abzuklären. Ich halte mich über diverse WhatsApp-Gruppen auf dem Laufenden, telefoniere mit Leuten vor Ort, höre Radio. Und es kommt immer wieder vor, dass ich auf Besuche verzichte, weil die Lage zu gefährlich ist. Oft ist die Lösung, eine Teilstrecke zu fliegen und dann mit dem Auto weiterzufahren.

Was tun denn diese Banden?

Sie errichten Strassenblockaden und fordern Geld für die Weiterfahrt. Es kommt auch regelmässig zu Entführungen, 2023 gab es allein bis September mehr als 900, wobei 63 Ausländer:innen betrafen. Darüber hinaus plündern die Banden ganze Stadtviertel und verjagen deren Bewohner:innen. Zehntausende wurden so schon vertrieben.

Eine Bäuerin bewirtschaftet ihr agrarökologisches Feld.
Die meisten Fastenaktion-Projekte in Haiti befinden sich in ländlichen Regionen. Dort ist die Sicherheitslage weniger angespannt.

Ist auch der Zugang zu unseren Projekten beeinträchtigt?

Die meisten befinden sich in ungefährlicheren ländlichen Regionen. Aber zwei Partnerorganisationen im Departement Artibonite habe ich aus Sicherheitsgründen schon seit zwei Jahren nicht besucht. Doch diese Krisensituation macht unsere Arbeit umso wertvoller: Die Agrarökologie hilft den Menschen, die benötigten Nahrungsmittel selbst anzubauen. Und die Solidaritätsgruppen geben ihnen Zugang zu Kleinkrediten. Schwierig hingegen sind alle Aktivitäten, die einen funktionierenden Staat voraussetzen.

Es sollen nun ein Jahr lang 1000 ausländische Polizisten unter Uno-Aufsicht beim Kampf gegen die Banden helfen. Wird das etwas ändern?

Die letzte vergleichbare Mission endete vor fünf Jahren und brachte offensichtlich nicht viel. Entsprechend skeptisch ist die Bevölkerung. Klar ist: Die bewaffnete Unterstützung ist nötig, Haiti hat keine Armee und weniger als 10 000 Polizisten auf 12 Millionen Einwohner:innen.

Die Lage in Haiti ist seit Jahrzehnten schwierig, wo liegt das Problem?

Der schwache Staat ist eine Folge von historischen Entwicklungen und fehlenden Strukturen. Die korrupte Elite presst Haiti aus wie eine Zitrone und zeigt kein Interesse, ihren Nachkommen ein funktionierendes Land zu hinterlassen. Und die Geberländer sorgen sich stets, dass die Lage komplett ausser Kontrolle gerät, weshalb sie selbst sehr korrupte Regierungen stützen. Ein grosses Problem ist zudem der Braindrain: Über 80 Prozent der Haitianer:innen mit Uni-Abschluss leben im Ausland.

*Aufgrund der angespannten Sicherheitslage in Haiti verzichten wir auf eine namentliche Nennung.

Agrarökologischer Anbau ermöglicht eine unabhängige Nahrungsmittelversorgung.
Dank agrarökologischer Techniken können Bäuerinnen und Bauern unabhängig Nahrungsmittel anbauen.

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Fastenaktion verurteilt jede Form von Machtmissbrauch, insbesondere auch sexuelle Übergriffe. Es gibt dazu explizite Richtlinien, die alle Mitarbeitenden und Partnerorganisationen lesen und unterschreiben müssen. Vorfälle können einer Vertrauensperson, aber auch online und anonym gemeldet werden.

Text: Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion

Machtmissbrauch und Übergriffe können überall stattfinden, wo Menschen zusammenarbeiten. Auch in der Entwicklungszusammenarbeit. Wir sind als Organisation jedoch schon seit vielen Jahren darum bemüht, dieses Thema aktiv anzugehen und konnten schon mehrfach Fälle von Missbrauch bei Partnerorganisationen aufdecken oder mithelfen diese aufzuarbeiten. Wir investieren in die Prävention, um Missbräuche zu verhindern, ermutigen zur Meldung von Fällen und bearbeiten diese gemeinsam mit den Whistleblower:innen und Betroffenen.  

Einerseits gibt es eine Richtlinie gegen Machtmissbrauch, die alle Mitarbeitenden vor dem Stellenantritt lesen und unterscheiben müssen – und die auch für alle anderen Organisationen und Menschen gilt, die mit Fastenaktion zusammenarbeiten. Andererseits thematisieren wir Machtmissbrauch bewusst in unseren Programmen sowie innerhalb von Fastenaktion selbst und arbeiten dazu mit internen und externen Fachpersonen zusammen. Unsere kultursensiblen Ansätze zeigen Wirkung: Die Anzahl gemeldeter Fälle aus Projekten im globalen Süden nimmt zu, das Thema wird enttabuisiert. 

Eine ernsthafte Präventionsarbeit ist entscheidend, um Machtmissbrauch und Übergriffe zu verhindern.

Schuldige zur Rechenschaft ziehen 

Fastenaktion verurteilt jede Form von Machtmissbrauch, insbesondere auch sexuelle Übergriffe wie sie kürzlich in der katholischen Kirche der Schweiz aufgedeckt worden sind. Die schuldigen Personen müssen zur Rechenschaft gezogen werden, egal auf welcher Hierarchiestufe.

Bei Fastenaktion gibt es eine Stelle, bei der Vorfälle direkt gemeldet werden können; dies ist auch online und anonym möglich. Allerdings erreichen uns die meisten Meldungen über Vertrauenspersonen in den Programmländern.  Und jede Meldung ist ein Fortschritt, so schrecklich jeder einzelne Missbrauch auch ist: In der «Mauer des Schweigens» entstehen Risse, die Betroffenen haben genug Vertrauen gefasst, dass sie bereit sind, Missstände anzusprechen – weil sie sehen, dass sie ernst genommen und geschützt werden, der Fall untersucht wird und zu Konsequenzen für die Täter:innen führt.  

Wenn wir von Missbräuchen in den Programmen im Ausland erfahren, greifen wir ein: Für die Täter:innen kann dies arbeitsrechtliche und zivilrechtliche Konsequenzen haben, den Betroffenen vermitteln wir psychologische und juristische Unterstützung. Wir orientieren uns dabei an ihren Bedürfnissen und stellen sicher, dass sie selbst jeden Schritt mitentscheiden können. In der Schweiz können sich Mitarbeitende an eine unabhängige Ombudsstelle wenden.

Treiberin einer positiven Veränderung 

Fastenaktion ist wichtig, mit gutem Beispiel voranzugehen. Trotz dieser Massnahmen können wir nicht alle Fälle von Machtmissbrauch verhindern. Wir können aber dafür sorgen, dass wir die Strukturen so verändern, dass mehr Fälle gemeldet werden, weniger Übergriffe passieren und die Betroffenen echte Unterstützung erfahren.Da besondere Risiken bei grossem Machtgefälle bestehen, ist Fastenaktion als Organisation mit hoher Transparenz und starker Mitwirkung von Gremien und Mitarbeitenden weniger anfällig für Machtmissbrauch. 

Wir sind uns aber bewusst, dass auch wir als Geldgeberin Bestandteil von Machtstrukturen sind – damit setzen wir uns seit einigen Jahren intensiv auseinander und sensibilisieren auch im NGO-Bereich. Trotz erster Erfolge ist der Weg noch lang, und es ist ein konstanter Lernprozess. Aber Fastenaktion sieht sich als Treiberin einer positiven Veränderung bei diesem Thema, im In- und Ausland. Denn jeder Fall ist einer zu viel.

Fastenaktion unterstützt Betroffene und handelt nach ihren Bedürfnissen.

Fastenaktion duldet keinen Betrug, keine Korruption, keine sexuelle Belästigung und keine Übergriffe in ihren Projekten. Lesen Sie hier mehr über das Thema Machtmissbrauch und unseren Umgang damit.

Nach einer sexuellen Belästigung in einem unserer Programmländer in Asien wurde nicht nur dem Täter gekündigt, es entstanden auch neue Richtlinien bei der Partnerorganisation. Unsere Compliance-Verantwortliche erklärt die Hintergründe.

Ein Gespräch mit Vreni Jean-Richard , Fachverantwortliche für Machtmissbrauch in den Programmländern von Fastenaktion
Text: Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion

Was ist passiert?

Ein Mann, der von einer unserer Partnerorganisationen in Asien neu angestellt wurde, hat dort eine Frau sexuell belästigt und ihr zudem mit indigener Magie gedroht. Dies mag sich im europäischen Kontext eigenartig anhören, die Frau fürchtete aber deshalb um ihr Leben.

Wie erfolgte die Meldung?

Die Frau sprach dies in ihrem Team direkt an. Sie wurde jedoch belächelt, man sagte ihr, sie solle die Belästigung als Kompliment auffassen. Diese sexistische Reaktion ist leider noch immer verbreitet, in der Schweiz wie im Ausland.  

Der Mann hatte eine starke Position im Team, weil er von höchster Stelle empfohlen worden war. Aber auch weil er aus einer indigenen Minderheit einer entlegenen Region stammte, in der die Partnerorganisation sich engagierte, was ihrer Arbeit dort eine erhöhte Glaubwürdigkeit verlieh. Es bestand ausserdem intern die Sorge, dass der Vorfall ausgenutzt werden könnte, um der Organisation zu schaden und ihre Arbeit zu diskreditieren. Denn sie engagiert sich gegen einen internationalen Konzern, der vor Ort Mineralien abbaut und die Rechte der indigenen Minderheit nicht respektiert.  

Die Frau berichtete den Vorfall auch ihrer Familie, die sie ernstnahm und in der Folge ihren Chef damit konfrontierte und ihr zur Kündigung riet. Fastenaktion erfuhr davon, als die Frau an einem unserer Genderworkshops teilnahm. Dabei wurde ihr erst richtig bewusst, dass das Verhalten ihres Kollegen und des Teams nicht normal und keinesfalls akzeptabel war. Deshalb erzählte sie am Ende den Moderatorinnen von dem Missbrauch. Diese meldeten es der Landesprogramm-Koordination. 

Vreni Jean-Richard auf einem Projektbesuch in Senegal.

Wie stellten wir sicher, dass alle Informationen korrekt sind?

Der Tatbestand war nie in Frage gestellt, da alles ziemlich offen und vor Zeug:innen geschehen war. Die Koordination sprach im Namen von Fastenaktion mit der Frau und mit ihrem Einverständnis auch mit dem Chef der Partnerorganisation. Dieser führte in der Folge interne Abklärungen durch

Wie ging es weiter?

Dem Mann wurde schliesslich gekündigt, die Frau arbeitet weiterhin dort. Und die Organisation hat den Machtmissbrauch danach offen thematisiert, ihre Haltung verändert und Richtlinien gegen solche Missbräuche eingeführt. Dieses positive Resultat wurde ermöglicht, durch die Diskussionen mit den Führungskräften rund um den Fall, andererseits durch den Genderworkshop und die langjährige Sensibilisierungsarbeit.

Wie üblich ist ein derart positiver Ausgang?

Das ist leider nicht der Standard. Manchmal trifft es die Betroffenen schlimmer als die Täter:innen, sie verlieren ihren Job, ihre Familien leiden unter dem Fall, und die Personen stehen unter grossem sozialen und psychologischen Druck, ihre Vorwürfe zurückzuziehen. Das ist aber nicht nur im fernen Ausland so, sondern auch in der Schweiz noch immer ein häufiger Ausgang bei Meldungen über sexuelle Übergriffe und anderen Machtmissbrauch. Fastenaktion möchte diese Tatsache verändern, schützt und stärkt Betroffene und setzt sich dafür ein, dass Täter:innen Verantwortung übernehmen müssen.

Fastenaktion duldet keinen Betrug, keine Korruption, keine sexuelle Belästigung und keine Übergriffe in ihren Projekten. Lesen Sie hier mehr über das Thema Machtmissbrauch und unseren Umgang damit.

Fastenaktion erhält pro Jahr rund ein Dutzend Meldungen zu Machtmissbräuchen aus ihren Programmländern in Afrika, Asien oder Lateinamerika. Und jede Meldung sei ein gutes Zeichen, sagt Vreni Jean-Richard, die diese Vorfälle jeweils bearbeitet. Hier erklärt sie, weshalb das so ist und wie wir mit Missbräuchen umgehen.

Ein Interview mit Vreni Jean-Richard , Fachverantwortliche für Machtmissbrauch in den Programmländern von Fastenaktion
Text: Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion

Wie häufig bist du bei Fastenaktion mit Machtmissbräuchen konfrontiert?

Vorfälle, die Konsequenzen nach sich ziehen, gibt es etwa ein Dutzend pro Jahr. Diese Zahl hat sich in den letzten Jahren kaum verändert, die Themen jedoch schon: Veruntreuungs- und Korruptionsfälle haben abgenommen – die Leute sind dafür inzwischen sensibilisierter, und die Kontrollmechanismen greifen besser. Zugenommen hingegen hat die Zahl der gemeldeten sexuellen Übergriffe.

Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?

Wir müssen davon ausgehen, dass überall, wo Menschen zusammenarbeiten, Machtmissbrauch geschehen kann; dazu gehören leider auch sexuelle Übergriffe. Jede Meldung ist deshalb paradoxerweise ein gutes Zeichen. Denn sie zeigt, dass die Betroffenen uns vertrauen und davon ausgehen, dass wir sie ernst nehmen und ihre Meldung Konsequenzen für die Täter hat – fast ausschliesslich Männer übrigens. Wir sorgen auch aktiv dafür, dass Partnerorganisationen in anderen Ländern von solchen Erfahrungen lernen und ebenfalls Bedingungen schaffen, in denen Fälle gemeldet werden können.

Und warum werden nicht mehr Fälle gemeldet?

Weil es in vielen Ländern und für viele Betroffene schwierig ist, solche Themen auch nur anzusprechen. Dennoch haben alle unsere Programmländer in den letzten Jahren Fortschritte gemacht. Je nach Kultur braucht es einen anderen Zugang, oft beginnt es mit Themen wie Konfliktmanagement, Feedbackkultur, Transparenz oder Gender. Ist damit mal eine Basis gelegt, können wir Missbräuche auch direkter ansprechen. Es ist wichtig, dass die Menschen verstehen, worum es geht und es mit ihren Werten, Anschauungen und ihrer Kultur vereinbaren können. Sonst riskieren wir, dass wir nur Scheinbekenntnisse erhalten.

Fastenaktion hat eine Richtlinie gegen Machtmissbrauch, die für alle Mitarbeitenden und Partnerorganisationen verbindlich ist. Reduziert das den Missbrauch?

Die Richtlinie trägt dazu nur wenig bei . Die Leute merken dadurch jedoch, dass uns das Thema wichtig ist. Letztlich ist es vor allem ein Sensibilisierungsinstrument, das allein nichts verhindern kann. Aber es gibt uns darüber hinaus eine juristische Handhabe, wenn dennoch etwas passiert. Das kann  schon auch abschreckend wirken.

Die Fotos stammen aus einem Schulungsvideo von Fastenaktion, in dem für Missbrauchssituationen sensibilisiert wird.
Die Fotos stammen aus einem Schulungsvideo von Fastenaktion, in dem für Missbrauchssituationen sensibilisiert wird.

Welche Art Missbräuche werden gemeldet?

Neben sexuellen Übergriffen meist Formen von Korruption wie Veruntreuung oder Vetternwirtschaft. Etwa wenn jemand in einer Partnerorganisation Leute aus der eigenen Familie anstellt, was oft aufgrund von sozialem Druck passiert. Die Grenzen zwischen Unwissenheit und Korruption sind dabei fliessend, und die sozialen Normen spielen eine Rolle. In der Schweiz geht es meist um übertriebene Geschenke von Geschäftspartner:innen oder um zwischenmenschliche, personelle Konflikte. Auch diese nimmt Fastenaktion als Arbeitgeber ernst, in dem die Personalverantwortliche, die Personalkommission oder eine externe Ombudsstelle zur Verfügung stehen, bei der sich Mitarbeitende anonym und kostenlos beraten lassen können.

Was genau passiert, wenn Fastenaktion ein Missbrauch gemeldet wird?

Ich nehme den Vorfall mit einem kleinen Gremium zusammen auf, konkret bearbeitet wird er jedoch vor Ort, also vom Koordinationsbüro und den Leuten in den Partnerorganisationen. Nah dran ist auch der oder die Landesprogrammverantwortliche. Wir beraten diese Teams und können finanzielle Unterstützung für Massnahmen oder Betroffene sprechen. Die Aufarbeitung solcher Fälle ist sehr aufwendig und immer eine grosse Belastung für das Team, zeitlich wie emotional. Was genau passiert, ist sehr individuell. Es gibt leider keine Standard-Checkliste, jeder Fall und Kontext ist total unterschiedlich. Wichtig ist, dass die betroffenen Personen über den Prozess entscheiden können, so dass sie zumindest bei der Bearbeitung ihres «Falles» die Führung in der Hand haben und nicht über ihren Kopf hinweg entschieden wird. Einige Opfer wollen Gerechtigkeit und Konsequenzen für den:die Täter:in, andere nicht mal, dass die Person konfrontiert wird. Wir müssen das dann schweren Herzens akzeptieren. Was wir aber stets anbieten, ist psychologische und juristische Beratung, die auch meist genutzt wird. Je nach dem unterstützen wir auch bei einem Stellenwechsel oder einer Ausbildung. Meistens dauert es mehrere Monate oder gar Jahre, bis wir einen Fall sauber abschliessen können.

Am häufigsten treten Fälle von Machtmissbrauch in Form von sexuellen Grenzüberschreitungen auf.

Wie oft führt die Aufarbeitung zu einem befriedigenden Abschluss?

Leider nicht so oft. Selbst wenn am Ende formal sowas wie Gerechtigkeit hergestellt ist, weil der:die Täter:in seinen:ihren Job verliert oder gar rechtlich belangt wird, schlagen solche Vorfälle tiefe Wunden, die oft jahrelang nicht heilen; insbesondere bei einem sexuellen Übergriff. Deshalb ist Prävention so wichtig, um die Zahl der Fälle möglichst tief zu halten. Und es kommt natürlich auch vor, dass sich keine Gerechtigkeit herstellen lässt. Dass das Opfer stigmatisiert und unter Druck gesetzt wird und am Ende gar den Job verliert. Solche Dynamiken kennen wir auch aus der Schweiz mit Whistleblower:innen. Fastenaktion unternimmt jedoch alles, um einen solchen Ausgang abzuwenden. Passiert es dennoch, unterstützen wir die Betroffenen auch in dieser schwierigen Situation weiter auf der Suche nach einer Lösung.

In welcher Form können Missbräuche überhaupt geahndet werden?

Einerseits tatsächlich durch die Partnerorganisation selbst, in dem der:die Täter:in entlassen wird. Wenn möglich geben wir in unserem Netzwerk eine Warnung weiter, damit er:sie nicht in einer anderen, ähnlichen Organisation unterkommt und einfach weitermacht. Gelegentlich kommt auch die nationale Justiz ins Spiel, aber nur wenn die betroffene Person das möchte. Die Chance, dass ihr dies direkt etwas bringt, ist leider meist gering. Es besteht im Gegenteil ein hohes Risiko für eine Retraumatisierung, weil die Betroffenen ihre Geschichte immer wieder erzählen müssen, kriminalisiert und beschuldigt werden. Zudem werden ihre Familien manchmal sozial unter Druck gesetzt. Aber wenn eine betroffene Frau oder ein Mann sich entscheidet, diesen Weg zu gehen, unterstützen wir sie oder ihn vollumfänglich, juristisch, finanziell und psychologisch.

Auch in Ländern mit einem nur mässig funktionierenden Rechtsstaat?

Wenn das Opfer den Mut hat, es trotzdem zu versuchen, auch dann. Manchmal geht es darum, ein Zeichen zu setzen, das Thema zu enttabuisieren, auch wenn die Justiz noch nicht mitmacht. Gesellschaftlich kann sich das durchaus lohnen. Rechtlich ist es aber mit hoher Wahrscheinlichkeit aussichtslos, und es kostet natürlich extrem viel Kraft, weil sich ein juristischer Prozess über Jahre hinziehen kann oder im Sand verläuft.

Opfer von Machtmissbrauch müssen unterstützt und begleitet, sollten aber nicht bevormundet werden.

Wie verbreitet sind Missbräuche in der Entwicklungszusammenarbeit?

Sie sind in allen Gesellschaften und Strukturen verbreitet. Aber sie häufen sich, wenn das Machtgefälle gross ist – wie etwa in der Entwicklungszusammenarbeit. Denn wir im Norden haben das Geld und die Jobs. Ein Mandat durch uns kann im globalen Süden die Existenz einer Grossfamilie sichern. Hat man eine solche Stelle einmal, ist der Druck gross, sie auch zu behalten. Die meisten internationalen Entwicklungsorganisationen sind inzwischen sensibilisiert für Missbräuche und arbeiten präventiv und mit Meldestellen. Es ist aber gar nicht leicht, das so zu machen, dass es auch funktioniert. Mit einem Workshop und einer anonymen Telefonnummer ist es nicht getan.

Was macht Fastenaktion, um dieses Machtgefälle auszugleichen?

Wir arbeiten sehr eng mit den Menschen vor Ort zusammen, und immer über viele Jahre. Das Geld kommt zwar durch uns, aber die Organisationen und Menschen im Land entscheiden mit, wie und wofür diese Mittel eingesetzt werden. Durch die langjährige enge Zusammenarbeit sind wir gut vertraut mit den lokalen Gegebenheiten. Ausserdem entsteht ein Vertrauensverhältnis, was ganz entscheidend ist, damit die Menschen es wagen, einen Übergriff zu melden. Zudem stellen wir sicher, dass alle wissen, was bei Missbräuchen passiert: dass wir die Betroffenen schützen und alles daransetzen, dass es für die Täter Konsequenzen gibt.

Wie ist Fastenaktion bei dem Thema aufgestellt verglichen mit anderen Entwicklungsorganisationen?

Gut – das schliesse ich auch aus Rückmeldungen, die wir bekommen. Ich denke, das liegt vor allem daran, dass wir den Mut haben, neue Wege zu gehen und uns erst zufriedengeben, wenn die Fälle auch wirklich gemeldet werden. Wir anerkennen die Komplexität der Fälle und Kontexte, denn was in einem Dorf funktioniert, kann schon im Nachbardorf völlig wirkungslos sein. Wir haben schon früh mit Prävention und Ahndung angefangen und zeigen seit Jahren, dass wir vor diesen Themen nicht zurückscheuen, sondern sie ernstnehmen. All dies bringt uns Anerkennung von anderen Organisationen und Geldgebern. Allerdings sind auch wir noch lange nicht da, wo wir sein möchten. Wir müssen noch viel Arbeit leisten, bis wirklich jede Person in unseren Projekten versteht, was nicht erlaubt ist, und sich getraut, Missbräuche tatsächlich zu melden. 

Die Entwicklungszusammenarbeit ist anfällig für Machtmissbrauch. Deshalb sind Sensibilisierung und Prävention zentral.

Fastenaktion duldet keinen Betrug, keine Korruption, keine sexuelle Belästigung und keine Übergriffe in ihren Projekten. Lesen Sie hier, wie wir bei einem realen Missbrauchsfall vorgegangen sind und welche Konsequenzen der Fall im Projektland auslöste.

Sie verkauft selbstgemachtes Gebäck, impft Hühner und baut Getreide an: Adèle Neya ist eine vielbeschäftigte Frau – und kümmert sich zudem um ihre grosse Familie. Dank der Unterstützung von Fastenaktion und ihrer Partnerorganisation ASD Paalga hat sie nicht nur Selbstvertrauen gewonnen, sondern auch grössere finanzielle Sicherheit.

Als hätte Adèle Neya mit zehn Kindern nicht schon genug zu tun, jongliert sie daneben zahlreiche weitere Aktivitäten, um ein Einkommen zu sichern, das ihre grosse Familie ernährt. Die 40-jährige Mutter, Landwirtin und Unternehmerin hat fünf eigene Kinder und ist Vormundin für fünf weitere, darunter das Kind ihres verstorbenen Bruders. Ihr Mann arbeitet in der benachbarten Elfenbeinküste und kann sie deshalb kaum unterstützen. 

In Koupéla, Adèles Dorf in der Mitte-West-Region von Burkina Faso, dreht sich das Leben hauptsächlich um Landwirtschaft und Tierhaltung. Die Klimaerwärmung ist dabei eine grosse Herausforderung, denn sie bringt steigende Temperaturen, mehr Trockenheit und unberechenbare Regenfälle. Dies erhöht das Risiko für Ernteausfälle und Nahrungsmittelkrisen – ein wachsendes Problem für die ländliche Bevölkerung des westafrikanischen Landes. 

Verschärft wird dies noch, weil der Staat weiterhin die konventionelle Landwirtschaft fördert, die den Einsatz chemischer Düngemittel und Pestizide erfordert. Das wirkt sich schädlich auf die Umwelt aus und benötigt ein bestimmtes Saatgut, das jedes Jahr neu gekauft werden muss; dadurch entsteht eine Abhängigkeit der Bäuerinnen und Bauern. 

 

Gestiegene Ernten dank Agrarökologie 

Deshalb setzt sich Fastenaktion vor Ort für agrarökologische Anbautechniken ein. Sie verbessern den Zugang zu gesunden Nahrungsmitteln und reduzieren Pestizide und Übernutzung der Ressourcen. Zudem erleichtern sie die Anpassung an die Folgen der globalen Erwärmung. 

Auch Adèle nahm 2019 an einer Schulung der Association SOS-Santé et Développement (ASD Paalga) zur Ernährungssicherheit und Agrarökologie teil, ein Angebot dieser langjährigen Partnerorganisation von Fastenaktion. Die Bäuerin setzte die neu erlernten Techniken sofort um und konnte durch die Herstellung eines eigenen organischen Flüssigdüngers die Abhängigkeit von teurem chemischem Dünger verringern. Zudem stiegen die Erträge auf ihrem Feld, auch dank weniger Insektenbefall. 

«Früher habe ich rund 40 Kilo Sorghum (Anmerkung der Red: eine Art Hirse) geerntet, heute sind es bei reichlich Regen bis zu 60 Kilo», erzählt sie. Und dank der Zaï-Technik, bei der Wasser und Mist in Erdlöchern konzentriert werden, um das Wachstum von Pflanzen zu fördern, kann sie nun auch im Winter Gemüse wie lokale Auberginen anbauen. Durch deren Verkauf hat sie eine zusätzliche Einnahmequelle. 

Adèle Neya mit ihrem Ehemann, der in der benachbarten Elfenbeinküste arbeitet.

Lukrativer Geflügel-Boom 

In einer weiteren Schulung liess Adèle sich ausserdem zur Geflügelimpferin ihres Dorfs ausbilden. Der Impfstoff bietet einen wirksamen Schutz gegen die Vogelgrippe, die 2022 in der Region zu erheblichen Verlusten bei der Hühnerpopulation führte. Als Impferin kann Adèle nicht nur die Gesundheit ihrer eigenen Tiere verbessern, sondern auch die von allen anderen Hühnern im Dorf. 

Dies ist umso wichtiger, weil sich die Geflügelzucht in Burkina Faso zu einem boomenden Wirtschaftssektor entwickelt hat. In den Grossstädten gibt es zahllose Essstände mit Hühnergerichten in allen Variationen: gegrillt, sautiert, mit Knoblauch oder einfach flambiert. Das lokale «poulet bicyclette» ist inzwischen sogar im umliegenden Ausland bekannt.  

Dieser Boom im Geflügelhandel sichert den Lebensunterhalt von Tausenden Menschen, die in der Produktion und Verarbeitung tätig sind. Auch für Bäuerinnen und Bauern ist der Besitz einiger Hühner finanziell lukrativ – und eine gewisse Absicherung. 

«Durch mein neues Wissen habe ich an Respekt in der Gemeinschaft gewonnen.»

Respekt gewonnen 

Adèles Haupttätigkeit jedoch ist der Verkauf von selbstgemachten Krapfen, und auch das hat sich positiv entwickelt. Nach der Schulung von ASD Paalga hat sie ihre Rezeptur angepasst und dadurch Geschmack und Nährwerte verbessert. Ihr Verkaufsumsatz ist seither um 50 Prozent gestiegen. 

Die Wirkung all dieser Fortschritte blieb nicht aus: Adèle ist heute viel unabhängiger. «Durch mein neues Wissen habe ich an Respekt in der Gemeinschaft gewonnen, ich fühle mich selbstsicherer und kann wichtige Entscheidungen selbst treffen», erzählt sie. Auch blickt sie optimistisch in die Zukunft und hofft, dass das Dorf künftig ein Bohrloch für Wasser erhält, damit sie auch während der Trockenzeit Gemüse anbauen kann. Ihr Traum ist, ein Moped zu kaufen und ein eigenes Haus zu bauen. Und wenn es bei ihr weiter so aufwärts geht, könnten diese Träume sich durchaus erfüllen.  

Der Artikel über Adèle Neya ist im Magazin «Perspektiven» von Fastenaktion erschienen. Erfahren Sie hier mehr über das Landesprogramm in Burkina Faso.

Adèle verbessert als Geflügelimpferin die Gesundheit der Tiere im Dorf.

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Wie können die Meschen ihre Armut selbst verringern? Das Senegalprogramm von Fastenaktion hat eine Antwort darauf – die Kalebassen. Der Kalebassenansatz hat inzwischen so grossen Erfolg, dass sogar die Regierung vom Senegal darauf aufmerksam wurde. Ein Ministerium hat zugesagt, das nationale Kalebassennetzwerk mit über 200’000 Franken zu unterstützen.

Ein Bericht von Vreni Jean-Richard, Verantwortliche für das Landesprogramm Senegal

Die Kalebassen sind Solidaritätsgruppen, die sich ein gemeinsames Vermögen ansparen, mit welchem sie sich in Notzeiten absichern. Das angesparte Vermögen wird auch dazu genutzt, gemeinsam einzukaufen. Dadurch werden Produkte für die Familien günstiger und der Einkaufsweg entfällt. Die Kalebasse kommt besonders Frauen und Kindern zugute, wenn die Männer abwesend sind. Diese gehen oft für mehrere Monate im Jahr in die Stadt oder ziehen mit dem Vieh auf neue Weiden. Wenn die Männer weg sind, können die Familien sich in finanziellen Notlagen dennoch Zugang zu finanziellen Mitteln sichern.

Solidaritätsgruppen für mehr Sicherheit

Das nationale Kalebassennetzwerk vereint 66’500 Familien aus knapp 2000 Kalebassen und sorgt somit für die soziale Sicherheit von über einer halben Million Menschen. Diese können sich in knappen Zeiten diskret zinslose Kredite einholen, die für Gesundheitskosten, Nahrungsmittel oder Schulgebühren verwendet werden.

Regierung stützt Ansatz von Fastenaktion

Das senegalesische Ministerium für Mikrofinanz und Sozial- und Solidarwirtschaft hat Anfangs 2023 zugesagt, das nationale Kalebassennetzwerk mit Transportmitteln und   Unterständen zu unterstützen. Ausserdem stellt es ca. 150’000 CHF als Kredit zur Verfügung. Damit ermöglicht es den Netzwerken, die Gruppeneikäufe auch auf regionaler oder sogar nationaler Ebene abzuwickeln und effizienter zu werden. Ein Teil dieses Geldes ist für die junge Bevölkerung reserviert. Die Jugendlichen und jungen Eltern haben spezifische Produkte, die sie benötigen – zum Beispiel Windeln und Schulhefte, oder Milchpulver und Veloreifen.

Die Solidaritätsgruppen bilden ein soziales Sicherheitsnetz für die Mitglieder.
Die Solidaritätsgruppen bilden ein soziales Sicherheitsnetz für die Mitglieder.

Hilfe zur Selbsthilfe

Auch für ihre wirtschaftlichen Kleinstbetriebe benötigen die Menschen in den Projektregionen von Fastenaktion günstige Güter: Fischernetze, Mehl für Backwaren, Kaffee für den Kaffeestand und vieles mehr. Bei einer Bank oder einem anderen Kreditinstitut bekommen diese Kleinstunternehmer:innen keine Darlehen. Über die Kalebassennetzwerke haben sie nun Zugang zu günstigen Rohstoffen, die sie gewinnbringend weiterverarbeiten und damit ihre Familien unterstützen können. Die Anerkennung und Unterstützung durch die Regierung macht die Frauen, die über 90 Prozent der Mitglieder der Solidaritätsgruppen stellen, stolz. Sie ist ein wichtiges Zeichen dafür, dass sich die Menschen selber helfen und innovative Ideen die Welt verändern können.

Seit über 20 Jahren stehen im Mittelpunkt der Arbeit von Fastenaktion und seinen Partnerorganisationen Solidaritätsgruppen. Dank des Ansatzes wird der Hunger nachhaltig und langfristig reduziert. Erfahren Sie hier mehr darüber.

Im Senegalprogramm sind 90 Prozent der Mitglieder in den Solidaritätsgruppen Frauen.
Im Senegalprogramm sind 90 Prozent der Mitglieder in den Solidaritätsgruppen Frauen.

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