Die Petition mit fast 14'000 Unterschriften wurde am Mittwoch von Yvan Maillard, HEKS an zwei Vertreter/innen der Nationalbank vor dem SNB-Hauptsitz in Bern übergeben. Foto: Fastenaktion/Patrik KummerDie Petition wurde am 27. April von Yvan Maillard, HEKS, an zwei Vertreter/innen der Nationalbank in Bern übergeben. Foto: Fastenaktion/Patrik Kummer

Bern/Luzern, 30. April 2021. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) nimmt ihre klimapolitische Verantwortung nach wie vor nicht wahr. An der heutigen Online-Generalversammlung erklärte sie auf Fragen der Entwicklungsorganisationen HEKS und Fastenaktion bloss, sie beteilige sich am «internationalen Erfahrungsaustausch» im Rahmen eines Netzwerks von Zentralbanken, ohne jedoch konkrete Massnahmen zur Reduktion ihrer Klimawirkung zu benennen.

Am Mittwoch hatten die beiden Hilfswerke der Bank eine von 14’000 Personen unterzeichnete Petition übergeben, welche die SNB zum Ausstieg aus Investitionen in fossile Energien aufforderte (vergleiche die Medienmitteilung unten). 

Die SNB teilte mit, dass sie dem Pariser Abkommen nicht unterstellt sei und dass das Schweizer CO2-Gesetz keine Vorschriften für ihre Anlagen beinhalte. Weiter betont sie, dass sie eine breite Diversifizierung der Anlagen anstrebe. Obwohl die Nationalbank behauptet, dass sie sich seit längerem intensiv mit dem Thema Klimawandel beschäftigt, hat sie bisher nur wenig getan: Die SNB hat Unternehmen aus ihrem Portfolio ausgeschlossen, die primär Kohleminen betreiben. Das sind aber nur fünf Unternehmen unter den 150 Unternehmen des SNB-Portfolios, die in fossilen Energien tätig sind. Diese fünf Unternehmen machen nur 0.1 Prozent der SNB-Investitionen in fossile Energien aus.

So bleibt die SNB im Rückstand im Vergleich zu anderen Zentralbanken, die aus Klima- und Risikogründen Investitionen in fossile Energien abstossen – etwa die Banque de France und die Schwedische Bank, die vollständig aus Kohle, Erdöl und Erdgas aussteigen. Eine von der NGO «Positive Money» publizierte Studie bestätigt den Rückstand der SNB in Sachen Klimaschutz. Die Schweiz liegt im Rating deutlich hinter den Zentralbanken ihrer Nachbarländer.

 

14’000 Menschen fordern Ausstieg aus fossilen Energien

Bern/Luzern, 30. April 2021. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) soll aus Investitionen in fossile Energien aussteigen, die den Klimawandel anheizen. Dies fordern die Entwicklungsorganisationen Fastenaktion und HEKS mit einer von 14’000 Personen unterzeichneten Petition. Diese wurde der SNB am Mittwoch auf dem Berner Bundesplatz übergeben. Die Klimaverantwortung der SNB wird auch an der heutigen Generalversammlung der Bank ein Thema sein.

Mit einer von 13’929 Personen unterzeichneten Petition fordern deshalb die Entwicklungsorganisationen Fastenaktion und HEKS die SNB auf, alle Investitionen in fossile Energien umgehend abzustossen. Die Petition wurde am Mittwoch einem Vertreter der Nationalbank auf dem Berner Bundesplatz übergeben. Die Hilfswerke werden die Klimaverantwortung der SNB auch an der heutigen Online-Generalversammlung (GV) zum Thema machen und die Bank mit entsprechenden Fragen zu deren Anlagestrategie konfrontieren.

SNB hinkt hinterher

Mit ihrer Investitionsstrategie steht die SNB in Widerspruch zu eigenen Anlagerichtlinien. Diese schreiben vor, dass die Bank auf Investitionen verzichten muss, die «grundlegende Menschenrechte massiv verletzen oder systematisch gravierende Umweltschäden verursachen». Im Rahmen der diesjährigen Ökumenischen Kampagne zeigten HEKS und Fastenaktion unter dem Motto «Klimagerechtigkeit – jetzt!» auf, dass vor allem ärmere Menschen im globalen Süden die Folgen der Klimaerhitzung, etwa mehr Wirbelstürme oder längere Dürren, schon heute als Verletzung ihrer Menschenrechte erleben – ausgerechnet jene Menschen also, die kaum etwas zur Klimakrise beitragen.

Die von der Organisation Campax mitunterstützte Petition fordert die SNB deshalb auf, ihre Vorbildfunktion wahrzunehmen und mit dem Ausstieg aus fossilen Energien einen Beitrag zu mehr globaler Klimagerechtigkeit zu leisten. Als einer der weltweit grössten institutionellen Investoren hätte die SNB dafür noch viel Potenzial: Zwar gab die Bank im Dezember 2020 bekannt, Unternehmen aus ihrem Portfolio auszuschliessen, die primär Kohleminen betreiben. Das ist aber nur ein kleiner Schritt, weil 99.9 Prozent der Investitionen in fossile Energien davon unberührt bleiben.

Andere Zentralbanken sind weiter und steigen aus Klima- und Risikogründen aus fossilen Energien aus. Um in Übereinstimmung mit dem Klimaabkommen von Paris zu sein, plant etwa die Banque de France bis 2024 den vollständigen Ausstieg aus der Kohle und den Ausschluss von Öl- und Gasunternehmen aus ihrem Portfolio. Eine Ende März von der NGO «Positive Money» publizierte Studie bestätigt den Rückstand der SNB in Sachen Klimaschutz. Die Schweiz liegt im Rating deutlich hinter den Zentralbanken ihrer Nachbarländer, aber auch hinter den entsprechenden Instituten der EU, Grossbritanniens, Brasiliens und Chinas.

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Marieta Llanera aus den PhilippinenMarieta Llanera aus den Philippinen

5. April 2021, Bern/Luzern. Die Ökumenische Kampagne «Klimagerechtigkeit – jetzt!» von HEKS und Fastenaktion führte zu überdurchschnittlich vielen Reaktionen, negativen wie positiven. Die Klimagerechtigkeit wird die Debatte und die Tätigkeit der Entwicklungsorganisationen auch in den nächsten Jahren prägen.

Besonders bewegt habe das Kampagnenplakat, sagt Matthias Dörnenburg, Kampagnenleiter von Fastenaktion. Es steht exemplarisch für übermässigen Fleischkonsum, der Regenwald zum Verschwinden bringe und damit die Klimakrise vorantreibe. «Wir wollen weltweite Zusammenhänge aufzeigen, welche Auswirkungen unsere Entscheidungen für Menschen im globalen Süden haben, bei den Ärmsten, die bereits jetzt stark unter den Folgen des Klimawandels leiden» so Dörnenburg. Ein bewusster Konsum von Nahrungsmitteln bedeute, regionale und saisonale Produkte zu kaufen. Dies komme auch der Schweizer Landwirtschaft zugute. Rückmeldungen gab es von Pfarreien und Kirchgemeinden, aber auch von Metzgern und Bäuerinnen. «Wenn das Plakat zum Diskutieren anregt oder kleine Verhaltensänderungen zugunsten des Klimas bewirkt, hat es viel der gewünschten Wirkung erreicht», sagt Elke Fassbender, Kampagnenleiterin bei HEKS. Viele haben die Entwicklungsorganisationen aber auch dafür gelobt, den Zusammenhang von Konsumverhalten hier und Auswirkungen anderswo so klar anzusprechen.

Wegen Corona fand mehr draussen statt

Hunderte von Pfarreien und Kirchgemeinden setzten das Kampagnenthema mit viel Kreativität um – wegen Corona oftmals draussen: als Familienlehrpfad, als «Klima-Landkarte», die ökologische Initiativen und Läden in der Gemeinde aufzeigte, als Posten- oder als Sponsorenlauf per Velo. Die Suppentage, welche Menschen in der Zeit vor Ostern zusammenbringen, wurden vielerorts als Take-Away oder Heimlieferdienst angeboten.

Die Ökumenische Kampagne der Entwicklungsorganisationen dauerte vom Aschermittwoch, 17. Februar, bis Ostersonntag, 5. April 2021. Trotz der durch Corona erschwerten Rahmenbedingungen ziehen die Organisationen eine positive Zwischenbilanz: «Das Thema Klimagerechtigkeit bleibt wichtig, und wir werden dranbleiben», sagt Fassbender.

 

Hallau führte durch verschiedene Stationen zum Thema Klima...
Hallau führte durch verschiedene Stationen zum Thema Klima...
...in Bolligen wurden persönliche Klimaziele gesetzt....
...in Bolligen wurden persönliche Klimaziele gesetzt....
...und in Sursee half Bischof Felix Gmür beim Ausliefern der Fastensuppe.
...und in Sursee half Bischof Felix Gmür beim Ausliefern der Fastensuppe.

Weitere Infos

Auskünfte

Matthias Dörnenburg, Leiter Kommunikation Fastenaktion, 041 227 59 21

Lorenz Kummer, Medienbeauftragter HEKS, 079 489 3824

5.9 Milliarden Franken investiert die Schweizerische Nationalbank (SNB) in Unternehmen, die Erdöl, Erdgas und Kohle fördern und damit das Klima anheizen. Schon heute sind grundlegende Menschenrechte von in Armut lebenden Menschen massiv davon betroffen. Die Klimaerhitzung verursacht ausserdem systematisch gravierende Umweltschäden. Ganze Ökosysteme wie die Arktis oder Korallenriffe sind gefährdet.

Die SNB ist mit 5.9 Milliarden Franken an Unternehmen beteiligt, die fossile Energien fördern. Somit ist sie für Emissionen von 43 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr mitverantwortlich. Zum Vergleich: Die Gesamtemissionen der Schweiz lagen im Jahr 2018 bei 47 Millionen Tonnen CO2. Mit ihren Investitionen trägt die SNB zu einer Entwicklung bei, die bis zum Ende dieses Jahrhunderts eine katastrophale Temperaturerwärmung von 4-6 Grad bedeutet. Damit würden weite Teile der Erde unbewohnbar.

Klimaerwärmung verletzt Menschenrechte

Grundlegende Menschenrechte wie das Recht auf Nahrung, das Recht auf Recht auf Gesundheit, das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser und Hygiene und das Recht auf Wohnen sind dadurch bedroht. So führt zum Beispiel der steigende Meeresspiegel dazu, dass Küstenregionen nicht mehr bewohnbar sind und traditionelle Landwirtschaft sowie Fischerei nicht mehr möglich sind. Millionen von Klimabetroffenen verlieren ihre Nahrungsgrundlage. Extreme Wetterereignisse wie Dürren betreffen auch Regionen im Landesinneren. Der Zugang zu Wasser wird durch Hitzewellen und andere Extremwetterereignisse gefährdet.

Bankrat muss Aufsichtspflicht wahrnehmen

Laut ihren Anlagerichtlinien müsste die SNB auf Investitionen verzichten, die grundlegende Menschenrechte massiv verletzen oder systematisch gravierende Umweltschäden verursachen. Genau dies geschieht auf Grund der globalen Erwärmung. Die SNB verstösst durch ihre Investitionen in  fossile Energien gegen ihre eigenen Anlagerichtlinien. Die Nationalbank hat die rechtliche Grundlage, diese Investitionen umzulenken. Ein solcher Beitrag der SNB zu den Klimazielen wäre vor allem ein grosses Signal für die ganze Welt. Der Bankrat der SNB muss die Geschäftsleitung im Hinblick auf die Einhaltung von Gesetz, Reglementen und Richtlinien kontrollieren. Deshalb fordern Fastenaktion und HEKS zusammen mit der Klima-Allianz Schweiz den Bankrat der SNB und seine Präsidentin Barbara Janom Steiner auf, ihre Aufsichtspflicht wahrzunehmen und Anlagen in fossile Energieunternehmen als Verstoss gegen die Anlagerichtlinie zu behandeln. Die SNB muss aus Investitionen Unternehmen, die Erdöl, Erdgas und Kohle fördern, aussteigen.

Stefan Salzmann, Verantwortlicher für Energie und Klimagerechtigkeit

Diskussion über Livestream verfolgen

Am 30. Oktober ab 17:30 Uhr können sie über Livestream eine Diskussion zwischen Fachleuten zum Thema verfolgen. Hier finden Sie alle Angaben dazu.

Videostatements der Expert/innen und Klimabetroffenen zur kostenfreien Nutzung werden nach dem Event hier zur Verfügung stehen.