Eine von Fastenaktion unterstützte Solidaritätsgruppe im Westen Nepals kämpft gegen die Diskriminierung von Dalits. Nach ersten Erfolgen ist sie nun mit Rückschlägen konfrontiert, lässt sich dadurch jedoch nicht entmutigen.

Ein Text von Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion 

17 der 28 Schülerinnen und Schüler an der Bhawani Basic School in der westnepalesischen Region Dolpa sind Dalits. Sie sind mit vielfältigen Diskriminierungen konfrontiert, obwohl Dalits etwa 13 Prozent der Bevölkerung Nepals ausmachen.

Das jahrhundertalte Kastensystem in Nepal basiert auf dem Hinduismus, der eine Einteilung der Menschen in soziale Klassen vornimmt, so genannte Kasten. Die Dalits umfassen über 20 einzelne niedrige Kasten und gelten traditionell als unrein und somit als unberührbar”. Für die anderen, höheren Kasten gelten deshalb auch Nahrungsmittel oder Getränke, die von ihnen berührt werden, als unrein.

Sushila B. K. ist eine Dalit und Mitglied einer Solidaritätsgruppe in der Region Dolpa.

«Unsere Kinder erzählten uns immer wieder von ihren Erfahrungen in der Schule», sagt Sushila B. K. (35), Landwirtin, Mutter und Mitglied der Dalit-Solidaritätsgruppe Batabaran Krishi Samuha. «Sie wurden von Nicht-Dalit-Lehrpersonen häufig ignoriert. Zum Beispiel kontrollierten sie ihre Hausaufgaben nicht. Dafür bestraften sie sie härter als die anderen, wenn sie mal etwas zu Hause vergassen.» 

Besonders stark äussert sich die Diskriminierung rund um Essen und Trinken. «So liessen sich zwei Nicht-Dalit-Lehrerinnen, wenn sie durstig waren, immer Wasser von ihren Nicht-Dalit-Schüler:innen bringen statt den für solche Dinge zuständigen Dalit-Schulangestellten zu fragen.» Und die Schüler:innen, die das Wasser holten, mussten darauf achten, dabei ja nicht aus Versehen eine ihrer Dalit-Kolleg:innen zu berühren. «Sonst tranken die Lehrerinnen das Wasser nicht.» Generell weigerten sich die Nicht-Dalits, Mahlzeiten oder Getränke zu konsumieren, die der Dalit-Schulangestellte berührt hatte. 

Drohung mit einer Anzeige wirkte

So zumindest war es bis im Herbst 2023. Dann intervenierte die Solidaritätsgruppe bei der Schule. «Das Gesetz ist nämlich auf unserer Seite», erklärt Sushila B.K. Die Gruppe machte die Schulleitung darauf aufmerksam, dass das Verhalten der Nicht-Dalits gegen geltendes Recht verstösst und drohte mit einer Anzeige. «Natürlich war die rechtliche Situation allen bereits bekannt, aber es brauchte unsere Drohung, um eine Verhaltensänderung zu erreichen.» 

Danach erweiterten sich die Aufgaben des Dalit-Schulangestellten Maan Prasad Kami (40): «Heute koche und serviere ich das Mittagessen für alle Lehrer:innen und Schüler:innen, mache Tee und Kaffee für Gäste und Lehrpersonen, kümmere mich wie bisher um das Schulmaterial und putze die Klassenzimmer.» Zuvor hatte es mittags nur ungesunden Fast Food gegeben wie Instant-Nudeln oder Kekse. «Ich bin sehr glücklich über die grössere Verantwortung und dass die Kinder nun etwas Gesünderes zu essen bekommen.» 

 

Rückschlag wegen Schamane

So assen ab Oktober 2023 mittags alle gemeinsam in der Schulkantine, was Maan Prasad Kami zubereitete. Etwa fünf Monate lang lief alles gut. «Danach jedoch nahmen weniger und weniger am Mittagessen teil», erzählt Sushila B. K. Denn ein Nicht-Dalit-Kind hatte einen Ausschlag in der Mundgegend bekommen, worauf die Eltern mit ihm zum Dorf-Schamanen gingen. «Er wies sie an, dass ihr Kind nichts essen oder trinken dürfe, dass von Menschen aus tieferen Kasten berührt wurde.» Dies verbreitete sich rasch in der Schule. Heute essen nur noch drei von elf Nicht-Dalit-Kindern Kamis Mittagsmahlzeiten. Dabei entwickelte sich der Ausschlag wohl aufgrund von gesundheitlichen Problemen. 

«Einige positive Veränderungen jedoch sind geblieben», sagt Sushila B.K. «So sitzen die Kinder heute alle zusammen in den gleichen Bänken im Klassenzimmer, nicht mehr getrennt wie früher.» Und auch Maan Prasad Kami hat trotz des Rückschlags Hoffnung geschöpft. «Ich hätte nicht gedacht, dass sich die Diskriminierung für uns Dalits je ändern würde. Aber sie hat nun tatsächlich abgenommen, und ich bin zuversichtlich, dass wir diesen Kampf gewinnen können und sich das Verhalten an der Schule weiter bessern wird.» Umso mehr als er auch an einer anderen Schule positive Veränderungen in der Kantine gesehen hat.

Maan Prasad Kami arbeitet an der Bhawani Basic School und freut sich über mehr Verantwortung.

Zwei Schritte vorwärts, einer zurück

Sushila B.K. wiederum fühlt sich in ihrer Meinung bestätigt, dass die Intervention der Gruppe lediglich das Verhalten der Nicht-Dalits an der Schule verändert hat, nicht jedoch ihre Einstellung. «Und auch das nur wegen unserer rechtlichen Drohung. Hinzu kommt, dass sie Angst haben vor der Reaktion anderer Nicht-Dalits.» Eine Lehrerin wurde von ihrem Vermieter gewarnt, sie müsse sich eine andere Wohnung suchen, wenn sie an der Schule weiterhin Mahlzeiten esse, die ein Dalit zubereitet habe.    

Dass es im Kampf gegen Diskriminierung immer wieder Rückschritte gebe, sei nicht ungewöhnlich, sagt Umakanta Bhusal, der lokale Projektleiter von CAED, einer Partnerorganisation von Fastenaktion in Nepal. «Oft sind es zwei Schritte vorwärts und einer zurück – aber auch das bringt uns langsam vorwärts.  Den Hauptgrund für den Rückschlag an der Bhawani Basic School sieht er in der Haltung der Nicht-Dalit-Eltern. «Sie setzten ihre Kinder und die Lehrpersonen unter Druck. Letztlich wollen die Nicht-Dalits ihre privilegierte Rolle so lange wie möglich behalten.»

 

Dalits kämpfen weiter

Umakanta Bhusal räumt ein, dass es schwierig ist, solche tiefsitzenden sozialen Einstellungen zu verändern. Gesetzesänderungen allein reichten dafür nicht. «Aber wir sind überzeugt, dass es möglich ist – ebenso die Dalit-Gemeinschaften, mit denen wir arbeiten.»   

Die Dalit-Solidaritätsgruppe hat nun den Rektor der Schule aufgefordert, ein Treffen zwischen der Leitung, den Lehrer:innen und der Gruppe zu organisieren, um das Thema erneut zu diskutieren. «Wir sind entschlossener denn je weiterzukämpfen», sagt Sushila B.K.  

Es gehe ihnen dabei vor allem um ihre Kinder. «Deshalb fokussieren wir auch so sehr auf die Schule, denn wir wissen, dass eine gute Ausbildung viele Türen öffnet. Wir wollen, dass unsere Kinder gern zur Schule gehen, viel lernen und ein besseres Leben haben als wir.»

Erfahren Sie hier mehr über unseren Einsatz in Nepal.

Umakanta Bhusal ist der Projektleiter der lokalen Partnerorganisation CAED von Fastenaktion.

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Seit über 50 Jahren leidet Kolumbien unter Gewalt, Entführungen und Zwangsumsiedlungen. Zudem hat sich eine problematische Landwirtschaft etabliert, die Wälder und Böden zerstört. Vicaría del Sur, eine Partnerorganisation von Fastenaktion, gibt Gegensteuer. Sie unterstützt Gemeinschaften mit agrarökologischen Techniken und bei der Verteidigung ihrer Rechte. Inzwischen können sie die Früchte ihrer Bemühungen ernten.

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Erfolgreicher Weg aus Hunger und Elend
Die Wirkung von Fastenaktion in Kolumbien
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Trotz der anhaltenden Konflikte in der Demokratischen Republik Kongo leisten die Partnerorganisationen von Fastenaktion wirksame Arbeit. Doch die Krise ist für die Menschen sehr belastend, und ohne Sicherheitsmassnahmen geht es nicht.

Text: Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion

Fastenaktion ist bereits seit 1962 in der Demokratischen Republik Kongo aktiv, die bis 1997 Zaire hiess. Aktuell unterstützen wir dort 13 Partnerorganisationen, die dazu beitragen, Hunger und Armut zu überwinden, gesunde Ernährung und Alphabetisierung zu fördern, Schulden zu reduzieren, verantwortungsvollen Rohstoffabbau einzufordern sowie Geschlechtergerechtigkeit zu verbessern.  

2023 haben dadurch knapp 13’000 Personen direkt von mehr und gesünderer Nahrung profitiert, unter ihnen 55 Prozent Frauen, deren gesellschaftliche Stellung erfreuliche Fortschritte macht. Es gibt 649 Solidaritätsgruppen im Land, die kleine, nahezu zinslose Kredite an ihre Mitglieder vergeben und gemeinsam Felder und Fischteiche bewirtschaften. Zudem wurden letztes Jahr zahlreiche Vereinbarungen mit Unternehmen unterzeichnet, um finanzielle Beiträge aus Bergbauerträgen in soziale Gemeindeprojekte zu investieren.

 

Reisen im Land eingeschränkt

Obwohl wir keine Projekte im von diversen Gruppen umkämpften Osten des Landes betreiben, wirkt sich die instabile und unberechenbare Situation auch auf unsere Arbeit aus. «Die Menschen im ganzen Land verfolgen die Gewalt im Osten, sie löst Stress und Traumata aus», sagt Germain Nyembo, Koordinator von Fastenaktion in DR Kongo. «So wie sich ein verletzter Arm negativ auf das Wohlbefinden des ganzen Körpers eines Menschen auswirkt.» 

Erschwerend kommt hinzu, dass in den letzten Jahren auch andere Regionen des Landes unsicherer geworden sind. «Die Zusammenstösse zwischen den Mobondo-Milizen und den kongolesischen Streitkräften (FARDC) in den Provinzen Mai-ndombe und Kwango im Westen schränken unseren Bewegungsradius ein», erklärt Germain. Denn diese Kämpfe führten zu Fluchtbewegungen in die Nachbarregionen, insbesondere nach Kwilu und Kinshasa. «Letztes Jahr mussten wir aufgrund von Sicherheitsbedenken mehrmals Beratungseinsätze zur Begleitung unserer Partner in Kwilu verschieben oder aussetzen.» Bis heute komme es auf einigen Streckenabschnitten zu Störungen. «Es gibt sporadische Angriffe, man sollte es insbesondere vermeiden, in der Nacht zu reisen.» 

Bewohnerinnen des Dorfes Lokolo zeigen am Weltfrauentag stolz ihre Alphabetisierungszertifikate.

Schlafstörungen und Ängste

Darüber hinaus gibt es weitere negative Auswirkungen auf das Leben der Menschen: Zahlungen an die Staatsangestellten verzögern sich wegen unvorhergesehener Regierungsausgaben im Zusammenhang mit den Konflikten. Die Bewegungsfreiheit der Geschäftsleute und Konsument:innen ist eingeschränkt. Ebenfalls belastend ist die Abwertung der kongolesischen Währung, welche die Preise für Treibstoff, Lebensmittel und Kleidung erhöht.  

Vor allem führt die anhaltende Krise zu einer enormen Verunsicherung, auch in den Projekten von Fastenaktion. «Wir leben in grosser Ungewissheit, wissen nicht, was der nächste Tag bringt», sagt Germain. «Viele Menschen haben Schlafstörungen und fürchten, dass sich die Konflikte und Kämpfe auf weitere Regionen ausbreiten.» Auch die Projektleiter seien psychisch stark belastet, was ihnen Kraft und Energie raube, die sie in stabilen Zeiten für ihre Arbeit einsetzen könnten.

 

Rückzug nur als letztes Mittel

Für den Arbeitsalltag gibt es konkrete Sicherheitsmassnahmen. So werden etwa Reiserouten geheim gehalten oder kurzfristig angepasst, manchmal werden Besuche auch ganz abgesagt. Und in Regionen mit problematischen Entwicklungen bemühen sich die lokalen Partner um besonders gute Beziehungen zu den Behörden. «Je besser unsere Arbeit akzeptiert ist, desto sicherer können wir dort tätig sein», erklärt Germain. 

Weitere Massnahmen seien denkbar, falls sich die Lage verschlimmere. «Etwa das Reisen mit bewaffneten Sicherheitsleuten oder gar der Rückzug aus einem bestimmten Gebiet, wenn es dort zu gefährlich wird.» Dies sei jedoch das letzte Mittel und bisher noch nie nötig gewesen. «Aber es bleibt uns gar nichts anderes übrig, als die Sicherheitslage ständig zu beobachten, insbesondere vor Reisen in potenziell gefährliche Gebiete.»

Erfahren Sie mehr über die Geschichte der Krisen im Kongo in unserem Hintergrundartikel.

Fastenaktion arbeitet im Kongo mit lokalen Partnerorganisationen zusammen, um den Hunger langfristig zu mindern. In unseren innovativen Projekten sichern wir so die Ernährung von 16’000 Kongolesinnen und Kongolesen. Möchten Sie uns mit einer Spende helfen, noch mehr Menschen im Kongo zu erreichen? 

Germain Nyembo berichtet, dass viele Menschen im Kongo eine Ausweitung der Konflikte und Kämpfe auf andere Regionen des Landes befürchten.

Sinkende Ernteerträge, weniger Fische: Bäuerinnen und Fischer im Senegal bekommen die Klimaerwärmung sehr direkt zu spüren. In den Projekten von Fastenaktion lernen sie, wie sie diesen Herausforderungen begegnen können.

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Die Klimaerwärmung zwingt die Menschen, sich anzupassen
Stimmen aus dem Senegal
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Unterstützen Sie die Menschen im Senegal dabei, widerstandsfähig gegenüber der Klimaerwärmung zu sein.

Sandrine Cottier ist verantwortlich für die Programmentwicklung bei Fastenaktion. Kürzlich hat sie Projekte in Indien besucht – und staunte, wie sichtbar das gestärkte Selbstbewusstsein der Menschen ist.  

Was war der Anlass deiner Reise nach Indien?

Wir wollten sehen, was die Partnerorganisationen dort besonders gut machen und daher auch für die Arbeit in anderen Ländern spannend sein könnte. Zu diesem Zweck waren auch der Koordinator und die Programmverantwortliche für Nepal dabei.

 

Und habt ihr etwas gefunden?

Ja, vieles! Zum Beispiel die Fehlerkultur. Die Partnerorganisationen in Indien kommen regelmässig zusammen, um zu diskutieren, was gut läuft und was nicht. Fehler werden dabei offen angesprochen, ohne dass sich der oder die Betroffene deswegen schämen müsste. Denn alle können daraus lernen; es ist ein Prozess, der die Menschen und die Projektarbeit weiterbringt.

 

Was hat dich während des Besuchs besonders beeindruckt?

Wie sehr man es den Menschen an ihrem Gesichtsausdruck und Verhalten ansieht, ob sie noch in Schuldknechtschaft leben oder sich davon bereits befreien konnten. Die einen sind in sich gekehrt, schauen einem nicht in die Augen, reden leise und eher ängstlich. Die anderen, die sich schon befreit haben, sind selbstbewusst, schauen einen an, sprechen laut und bestimmt. Man sieht die Veränderung der Menschen von blossem Auge, das ist eindrücklich.

«Die Menschen überwinden ihre Angst, weil sie merken, dass da plötzlich eine starke Gemeinschaft ist, in der man sich gegenseitig unterstützt.»

Diese Adivasi-Frauen aus der Region Andhra haben sich mit der Unterstützung von Fastenaktion aus der Schuldknechtschaft befreit.

Wie kommt es zu dieser Schuldknechtschaft?

Wir arbeiten in Indien vor allem mit Angehörigen der indigenen Adivasi, Nachfahren der Ureinwohner:innen, die traditionell benachteiligt sind. Viele von ihnen sind an einen Grossgrundbesitzer gebunden, bei dem sie Geld ausgeliehen haben – im Gegenzug müssen sie sieben Tage die Woche von morgens bis abends für ihn schuften, bis die Schulden abgearbeitet sind. Das sind sie jedoch nie. Denn dadurch fehlt ihnen die Zeit, um Geld für ihren täglichen Bedarf zu verdienen dafür müssen sie sich wieder neu verschulden. Die Projektarbeit besteht darin, sie zu unterstützen, den Weg aus diesem Teufelskreis zu finden, um ein Leben in Würde führen zu können. Dies machen wir unter anderem mittels Solidaritätsgruppen, die zu einer Stärkung des Selbstbewusstseins führen. Die Menschen überwinden ihre Angst, weil sie merken, dass da plötzlich eine starke Gemeinschaft ist, in der man sich gegenseitig unterstützt. Schliesslich wagen sie es, dem Grossgrundbesitzer die Stirn zu bieten, denn eigentlich steht das Gesetz offiziell auf ihrer Seite. 

 

Wie wirkt sich dein Besuch auf die Programmentwicklung aus?

Es gibt in Indien eine enge Zusammenarbeit mit Landwirtschaftsbehörden und staatlichen Universitäten für die bäuerliche Lebensmittelproduktion mit agrarökologischen Verfahren. Einerseits sind die Wissensvermittlung und der Wissensaustausch enorm fruchtbar, andererseits muss darauf geachtet werden, dass den Bäuerinnen und Bauern kein hochgezüchtetes Saatgut angedreht wird, für das es dann auch Pestizide braucht. Denn dies führt zurück in die Verschuldung und Abhängigkeit. Von diesen Erfahrungen über Vorteile und Risiken solcher Kooperationen können wir auch in anderen Landesprogrammen profitieren.

 

Wir lassen regelmässig Evaluationen durchführen. Wie wirken sie sich auf die Programme aus?

Viele Empfehlungen sind stark auf das jeweilige Land bezogen und lassen sich nur teilweise übertragen. Generell gilt: Je stärker der Evaluationsprozess die Menschen in den Projekten einbezieht, desto eher führt er zu hilfreichen Erkenntnissen und nützlichen Anpassungen. Denn im Vordergrund steht nicht die Beurteilung der Arbeit, sondern das Auslösen eines Reflektionsprozesses bei den Beteiligten

Erfahren Sie hier mehr über unsere Projekte in Indien.

Sandrine Cottier gemeinsam mit Koordinatorinnen unserer Partnerorganisationen in der Region Tamil Nadu.

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Hunger ist in Kenia ein verbreitetes Problem – auch weil es aufgrund der Klimaerwärmung immer wieder Ernteausfälle gibt. In den Projekten von Fastenaktion lernen Landwirtinnen wie Faith Wanjiru, wie sie trotz vermehrter Trockenheit Lebensmittel produzieren können.

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Von der Dürre zur Ernte: Hoffnung in Kenia
Aus dem Leben von Faith Wanjiru
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Unterstützen Sie Menschen wie die kenianische Bäuerin Faith dem Hunger zu entfliehen.

Die Klimaerwärmung trifft die verletzlichsten Gruppen am stärksten, so auch die Bevölkerung in Senegal. Aboubarcry Sall ist Koordinator unseres Projekts Bamtaree-Podor und erzählt, welche Folgen die Klimakrise mit sich bringt und welche Massnahmen getroffen werden.

 

«Verantwortlich für die Dürre und den Wassermangel in der Region Fouta im Norden Senegals ist die Klimaerwärmung, die zu einem massiven Verschwinden von Pflanzen- und Tierarten führt und zu einer immer grösseren Ernährungsunsicherheit der lokalen Bevölkerung und des Viehs beiträgt. Weideflächen und Wasser fehlen. Dies gerade auch, weil wasserintensive Bewässerungskulturen für den Reisanbau mit dem Missbrauch von chemischen Düngemitteln und Pestiziden negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung haben. Die Viehzüchter sind auf der Suche nach Weideland gezwungen, sich für eine lange Zeit weit weg von ihrem angestammten Zuhause zu bewegen. Zieht die ganze Familie mit, wirkt sich das nachteilig auf die Schulbildung der Kinder aus.

Unregelmässiger Niederschlag

Seit mehr als drei Jahrzehnten stellen wir eine zunehmende Unregelmässigkeit des Wetters fest, verbunden mit der Abnahme von Regenfällen. Früher dauerte die Regenzeit von Mai bis Oktober, also sechs Monate mit 400 bis 500 mm Wasser. In den letzten zwanzig Jahren dauerte sie jedoch nur von August bis Oktober, das bedeutet weniger als 250 mm Wasser. Dafür haben wir in regenreichen Jahren mit Überschwemmungen zu kämpfen.

Anpassungen an die Klimaerwärmung

Dennoch sind die Menschen widerstandsfähig. Sie entwickeln gemeinsam Strategien, um sich an die Umstände anzupassen. Um den Zugang zu Wasser zu sichern, bohren sie nach Brunnen und legen Teiche an. Für die Landwirtschaft nutzen sie dürreresistentes lokales Saatgut für den Getreide- und Gemüseanbau auf Familien- oder Gemeinschaftsfeldern. Sie bilden Solidaritätsgruppen, um sich in Zeiten des Mangels gegenseitig unterstützen zu können.»

Der Ansatz der Solidaritätsgruppen stammt aus Senegal, welcher ein zentraler Pfeiler in der Arbeit von Fastenaktion ist. Erfahren Sie hier mehr über die Solidaritätsgruppen.

Die anhaltende Trockenheit lässt Menschen und Tiere in Senegal leiden.
Die anhaltende Trockenheit lässt Menschen und Tiere in Senegal leiden.

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Maman Danga Esambo ist Mutter von sieben Kindern. Zusammen mit anderen Frauen hat sie eine Solidaritätsgruppe gegründet. 

«Ich bin Vorsitzende des Vereins Anawedja, was so viel wie Die Ausländerinnen bedeutet. Wir bewirtschaften gemeinsam Reis und Erdnussfelder. Im April und Mai ernten wir den Reis. Einen Teil lagern wir für den Verbrauch ein, ein Teil wird verkauft, und der Rest wird als Saatgut an die Mitglieder unseres Vereins weitergegeben, damit sie dieses auf ihren eigenen Feldern aussäen können. In der darauffolgenden Saison bauen wir Erdnüsse an. Von dieser Ernte verkaufen wir einen Teil, um mit dem Ertrag die Schuluniformen für unsere Kinder zu kaufen. Die Kinder brauchen ausserdem Armmanschetten und Bücher.

Wir Frauen kaufen von diesem Geld auch Hacken für die Feldarbeit, ausserdem Dinge des täglichen Bedarfs für unsere Familien.

Zudem schaffen wir uns Jungtiere für die Zucht an, um unsere landwirtschaftliche Produktion zu erweitern. Ein Teil der Einnahmen fliesst in die Solidaritätskasse. Zudem führen wir regelmässige Treffen durch, bei denen jedes Mitglied seine Beiträge für die Solidaritätsgruppe entrichtet. Doch nicht alle zahlen gleich viel ein. Einige zahlen nie. Das macht es für uns wiederum schwierig, sie zu unterstützen, wenn sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Wir Bäuerinnen brauchen die Unterstützung der Politik, denn wir wollen uns weiterentwickeln.

Wir brauchen Schulungen in der modernen landwirtschaftlichen Praxis. Wir möchten verschiedene Früchte und Gemüse anpflanzen, damit wir unsere Produktion variieren und ausbauen können.»

Seit über 20 Jahren stehen im Mittelpunkt der Arbeit von Fastenaktion und seinen Partnerorganisationen Solidaritätsgruppen. Dank des Ansatzes wird der Hunger nachhaltig und langfristig reduziert. Erfahren Sie hier mehr darüber.

Maman Danga Esambo steht vor einer Wand. Sie ist Mutter von sieben Kindern. Zusammen mit anderen Frauen hat sie eine Solidaritätsgruppe gegründet.
Danga Esambo bewirtschaftet mit anderen Frauen Felder. Ein Teil des Erlöses aus der Ernte fliesst in die Solidaritätsgruppe.

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Wie können die Meschen ihre Armut selbst verringern? Das Senegalprogramm von Fastenaktion hat eine Antwort darauf – die Kalebassen. Der Kalebassenansatz hat inzwischen so grossen Erfolg, dass sogar die Regierung vom Senegal darauf aufmerksam wurde. Ein Ministerium hat zugesagt, das nationale Kalebassennetzwerk mit über 200’000 Franken zu unterstützen.

Ein Bericht von Vreni Jean-Richard, Verantwortliche für das Landesprogramm Senegal

Die Kalebassen sind Solidaritätsgruppen, die sich ein gemeinsames Vermögen ansparen, mit welchem sie sich in Notzeiten absichern. Das angesparte Vermögen wird auch dazu genutzt, gemeinsam einzukaufen. Dadurch werden Produkte für die Familien günstiger und der Einkaufsweg entfällt. Die Kalebasse kommt besonders Frauen und Kindern zugute, wenn die Männer abwesend sind. Diese gehen oft für mehrere Monate im Jahr in die Stadt oder ziehen mit dem Vieh auf neue Weiden. Wenn die Männer weg sind, können die Familien sich in finanziellen Notlagen dennoch Zugang zu finanziellen Mitteln sichern.

Solidaritätsgruppen für mehr Sicherheit

Das nationale Kalebassennetzwerk vereint 66’500 Familien aus knapp 2000 Kalebassen und sorgt somit für die soziale Sicherheit von über einer halben Million Menschen. Diese können sich in knappen Zeiten diskret zinslose Kredite einholen, die für Gesundheitskosten, Nahrungsmittel oder Schulgebühren verwendet werden.

Regierung stützt Ansatz von Fastenaktion

Das senegalesische Ministerium für Mikrofinanz und Sozial- und Solidarwirtschaft hat Anfangs 2023 zugesagt, das nationale Kalebassennetzwerk mit Transportmitteln und   Unterständen zu unterstützen. Ausserdem stellt es ca. 150’000 CHF als Kredit zur Verfügung. Damit ermöglicht es den Netzwerken, die Gruppeneikäufe auch auf regionaler oder sogar nationaler Ebene abzuwickeln und effizienter zu werden. Ein Teil dieses Geldes ist für die junge Bevölkerung reserviert. Die Jugendlichen und jungen Eltern haben spezifische Produkte, die sie benötigen – zum Beispiel Windeln und Schulhefte, oder Milchpulver und Veloreifen.

Die Solidaritätsgruppen bilden ein soziales Sicherheitsnetz für die Mitglieder.
Die Solidaritätsgruppen bilden ein soziales Sicherheitsnetz für die Mitglieder.

Hilfe zur Selbsthilfe

Auch für ihre wirtschaftlichen Kleinstbetriebe benötigen die Menschen in den Projektregionen von Fastenaktion günstige Güter: Fischernetze, Mehl für Backwaren, Kaffee für den Kaffeestand und vieles mehr. Bei einer Bank oder einem anderen Kreditinstitut bekommen diese Kleinstunternehmer:innen keine Darlehen. Über die Kalebassennetzwerke haben sie nun Zugang zu günstigen Rohstoffen, die sie gewinnbringend weiterverarbeiten und damit ihre Familien unterstützen können. Die Anerkennung und Unterstützung durch die Regierung macht die Frauen, die über 90 Prozent der Mitglieder der Solidaritätsgruppen stellen, stolz. Sie ist ein wichtiges Zeichen dafür, dass sich die Menschen selber helfen und innovative Ideen die Welt verändern können.

Seit über 20 Jahren stehen im Mittelpunkt der Arbeit von Fastenaktion und seinen Partnerorganisationen Solidaritätsgruppen. Dank des Ansatzes wird der Hunger nachhaltig und langfristig reduziert. Erfahren Sie hier mehr darüber.

Im Senegalprogramm sind 90 Prozent der Mitglieder in den Solidaritätsgruppen Frauen.
Im Senegalprogramm sind 90 Prozent der Mitglieder in den Solidaritätsgruppen Frauen.

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Für Bauern, Bäuerinnen und Landarbeiter:innen ist heute ein besonderer Tag. Am 17. April ist der weltweite Tag des bäuerlichen Widerstands. Es geht um ihre Anerkennung als Nahrungsmittelproduzierende und um den Schutz ihrer Rechte und Lebensgrundlagen.

Ein Kommentar von Claudia Fuhrer, Verantwortliche Ernährungsgerechtigkeit / Recht auf Nahrung bei Fastenaktion

Im Vergleich zu 2021 hat die Anzahl der weltweit hungernden Menschen infolge Klimakrise, Konflikten und Covid-Pandemie von 811 auf 828 Millionen Menschen zugenommen. Von Anfang 2020 bis Mitte 2022 hat sich gemäss Welternährungsprogramm die Zahl der Menschen, die unter akutem Hunger leiden gar auf 345 Millionen verdoppelt.

Kleinbäuerliche Familien von Hunger betroffen

Obwohl Kleinbäuerinnen und -bauern rund 70 Prozent der weltweiten Nahrungsmittel produzieren, sind die Hälfte von ihnen selbst von Hunger betroffen. Ihr Zugang zu Land, Wasser und Saatgut ist bedroht. Sie erfahren Ausgrenzung und Gewalt durch die eigenen Regierungen und Agrarkonzerne. Am Internationalen Tag des bäuerlichen Widerstandes machen Bäuerinnen und Bauern mit weltweiten Aktionen auf ihre Situation aufmerksam, fordern Anerkennung ihrer Rechte und Solidarität.

Fastenaktion unterstützt die Kleinbäuer:innen

Die Zusammenarbeit mit Kleinbauern und -bäuerinnen ist zentraler Bestandteil der Arbeit von Fastenaktion. In zwölf Ländern unterstützt Fastenaktion Projekte, welche eine nachhaltige und sozialgerechte Landwirtschaft fördern und zur Verwirklichung der bäuerlichen Rechte beitragen.

Fastenaktion unterstützt gezielt Kleinbäuer:innen, so auch in Guatemala.
Fastenaktion unterstützt gezielt Kleinbäuer:innen, so auch in Guatemala.

Solidaritätsgruppen zeigen Wirkung

Ein Ansatz mit dem Fastenaktion arbeitet sind Solidaritätsgruppen. Diese ermöglichen Kleinbäuer:innen, sich untereinander zinslose Darlehen zu geben und sich gegenseitig bei der Feldarbeit und beim Verkauf der überschüssigen Ernte zu helfen. Inzwischen sind unter anderem in Madagaskar, Senegal, Indien und Kenia tausende von Bauern und Bäuerinnen in selbstständigen Solidaritätsgruppen aktiv und setzen Impulse für wichtige gesellschaftliche Veränderungen.

Rechte müssen durchgesetzt werden

Zudem setzt sich Fastenaktion zusammen mit den Partnerorganisationen des Internationalen Programms «Ernährungsgerechtigkeit» und dem Projekt RAISE für die Verwirklichung der UN-Bauernrechtsdeklaration in zehn Ländern und auf internationaler Ebene ein. So kann gemeinsam der Hunger beendet werden.

Wir setzen uns für die Umsetzung der UN-Bauernrechtsdeklaration ein, um Hunger nachhaltig zu beenden.
Wir setzen uns für die Umsetzung der UN-Bauernrechtsdeklaration ein, um Hunger nachhaltig zu beenden.

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Ein erfolgreiches Projekt in Senegal hat seinen Ursprung in einem alten Brauch der Volksgruppe der Serer. Es basiert auf den Pfeilern Solidarität, Würde und Diskretion. Die getrocknete Hälfte des Flaschenkürbisses – die Kalebasse – ist Namensgeberin der Gruppen.

Folgend finden Sie die multimediale Geschichte über die Solidaritätskalebassen in Senegal. Mit einem Klick auf «Enter» starten Sie das visuelle Abenteuer. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Erkunden!

Steigt Rauch auf, ist das Mittagessen gesichert
Wie ein alter senegalesichscher Brauch den Ursprung für das erfolgreiche Prinzip der Solidaritätsgruppen bildet.
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Lesen Sie hier mehr über unsere Projekte im Senegal

«Ich möchte zeigen, wie vielschichtig der Senegal ist»

Die Studentin Sofia Poku reiste letztes Jahr in den Senegal und besuchte unsere Projekte. Ihre eindrücklichen Beobachtungen hat sie in Zeichnungen festgehalten.

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Die Klimaerwärmung zwingt die Menschen, sich anzupassen

Bäuerinnen und Fischer im Senegal spüren die Auswirkungen des Klimawandels. In den Fastenaktion-Projekten lernen sie, damit umzugehen.

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Die anhaltende Trockenheit lässt Menschen und Tiere in Senegal leiden.

Zu wenig Regen und Pflanzensterben

In Senegal bleibt der Regen immer häufiger aus, was zu schlechten Ernten und mehr Hunger führt. Deshalb sind Anpassungen an die Klimaerwärmung nötig.

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Im Senegalprogramm sind 90 Prozent der Mitglieder in den Solidaritätsgruppen Frauen.

Senegalesische Regierung unterstützt Solidaritätsgruppen

Unser Programm in Senegal zeigt, wie die Menschen ihre Armut selbst verringern können. Davon ist auch die senegalesische Regierung überzeugt.

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Natacha Forte ist bei Fastenaktion für das Sparöfen-Projekt in Kenia verantwortlich. Im Mai konnte sie erstmals in das ostafrikanische Land reisen. Da traf sie unsere Koordinatorin und bekam einen Einblick in die Agrarökologie.
Natacha Forte ist seit knapp einem Jahr bei Fastenaktion für das Sparöfen-Projekt in Kenia verantwortlich. Im Mai konnte sie erstmals in das ostafrikanische Land reisen. Da traf sie Stellamaris Mulaeh, die Koordinatorin von Fastenaktion in Kenia und bekam einen Einblick in die Agrarökologie.

Ein Kommentar von Natacha Forte, Verantwortliche für das Sparöfen-Projekt in Kenia

Eineinhalb Stunden von Nairobi entfernt, umgeben von trockenen Gärten, die nur wenige kümmerliche Setzlinge zum Vorschein bringen, befindet sich ein kleines Paradies: Der agrarökologische Garten von unserer kenianischen Koordinatorin Stellamaris Mulaeh (Stella), den ich während meiner Reise besuchen durfte. In ihrem blühenden Paradies gedeihen Obstbäume, Gemüse und Kräuter in Hülle und Fülle.

Der Mai bescherte Stella eine Menge Früchte, die alle köstlich schmeckten: Papayas, riesige Avocados, Orangen, Bananen und noch viel mehr. Leider waren die Mangos noch nicht reif, doch die wunderschönen Bäume spendeten uns angenehmen Schatten. Auch Mais, Kürbisse, Tomaten, Rosmarin, Petersilie und viele andere Pflanzen wachsen im Gartenparadies. Stella muss dank des Reichtums ihres Gartens keine Lebensmittel mehr einkaufen, sondern nur noch Salz, Öl und Gewürze.

Stella blickt in ihren agrarökologischen Garten.
Ernährungssicherheit stärken
Stella setzt sich leidenschaftlich mit ökologischen Themen auseinander und hat mehrere Schulungen in Agrarökologie absolviert. Vor sieben Jahren, nutzte sie die Gelegenheit und probierte alles aus, was sie in den Schulungen gelernt hatte. In der Agrarökologie wird nicht nur die Vielfalt und Bedeutung von Bäumen, Pflanzen und Insekten berücksichtig, sondern auch die Verträglichkeit mit dem lokalen Klima miteinbezogen. Als mir Stella von ihren Anbauversuchen, den Erfolgen und Misserfolgen erzählte, sprudelte sie nur so vor Begeisterung. Ich finde es grossartig, dass sie ihr Fachwissen teilt und die Leidenschaft an unsere Partnerorganisationen und die Dorfgemeinschaften weitergeben kann. Denn durch Agrarökologie wird die Ernährungssicherheit gestärkt und der Hunger bekämpft.

Als ich schliesslich die Strasse zu Stellas Dorf verliess, hörte ich im Garten die Bäume, Früchte und Insekten flüstern: «Schau, Agrarökologie funktioniert!»

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Fastenaktion und unsere Partnerorganisationen im Land setzen auf erprobte Ansätze: Familien lernen agrarökologische Anbaumethoden anzuwenden, welche die Bodenqualität verbessern und die Ernährungssicherheit nachhaltig fördern.
Die Koordinator:innen von Fastenaktion berichten über die Lebensumstände in ihren Ländern. Hier folgen die Stimmen von Djibril Thiam und Ndeye Wade, Koordination im Senegal bei Fastenaktion.
In der Geschichten-Reihe «Stimmen aus dem Süden» berichten unsere Koordinator:innen über die Lebensumstände in ihren Ländern. Der Krieg in der Ukraine hat auch Auswirkungen auf das Leben der Menschen in unseren Projektländern.  Sie wissen bald nicht mehr, wie sie noch über die Runden kommen sollen. In diesen harten Zeiten sind die Programme von Fastenaktion ein Lichtblick und geben den Menschen Zuversicht.

Hier die Stimmen von Djibril Thiam und Ndeye Wade, Koordination im Senegal bei Fastenaktion.

«Zu Beginn war die Bevölkerung Senegals nicht sehr besorgt über diesen Krieg in der Ukraine, da er für sie sehr weit weg von unserem Land stattfindet. In den Medien wurden lediglich einige Informationen über die russischen Angriffe und die Reden des ukrainischen Präsidenten wiedergegeben. Doch das Bewusstsein hat sich gewandelt. Dieser Krieg betrifft auch uns. Denn das, was wir im Senegal lieben und viel essen, nämlich Brot, kann nicht ohne das Getreide aus der Ukraine gebacken werden. Mittlerweile ist den Menschen klar, dass dieser Krieg aufhören muss, und alle beten für ein rasches Ende.

In Knappheitsperioden hilft den Frauen der Solidaritätsgruppen der gemeinschaftlich angelegte Nahrungsmittelvorrat.
Eigenanbau statt Import
Die Grundnahrungsmittel Weizen und Mais sind sehr viel teurer geworden, weil sie mehrheitlich importiert werden. Zwar hat der Staat Subventionen eingeführt, doch es ist ungewiss, wie lange er diese finanzielle Unterstützung leisten kann. Zudem befürchten Expert:innen, dass Unternehmen geschlossen werden müssen und viele Menschen ihre Arbeit verlieren. Denn der Senegal exportierte Fisch, Schalentiere, Erze, Schlacke und Asche in die Ukraine.

Selbst wenn der Krieg heute aufhört, sind wir im Senegal in den kommenden Monaten nicht vor einer schweren Hungersnot gefeit. Derzeit suchen wir mit den Menschen in den Projekten nach Möglichkeiten, um die Folgen einer möglichen Nahrungsmittelkrise abzuwehren. Die Lösung wäre, dass wir 80 Prozent der benötigten Nahrungsmittel selber anbauen. Das passiert zwar nicht von heute auf morgen, doch dank unseren Solidaritätsgruppen sind wir auf dem richtigen Weg und haben schon sehr viel erreicht.»

Unterstützen Sie unser Landesprogramm im Senegal

Die Projekte von Fastenaktion initiieren Solidaritätsgruppen, Kalebassen genannt. Rund 50‘000 Gruppenmitglieder – 90 Prozent von ihnen Frauen – legen regelmässig Geld ein. Innerhalb dieser Gruppen können sich die Mitglieder in Notlagen ohne Zinsen gegenseitig aushelfen und sich so langfristig entschulden. Die Vernetzung durch die Kalebassen sorgt für Unabhängigkeit und fördert den Austausch von Wissen und Erfahrungen.
Die Koordinator:innen von Fastenaktion berichten über die Lebensumstände in ihren Ländern. Hier folgen die Stimmen von Sam Barthélémy und Natacha Compaoré, Koordination in Burkina Faso bei Fastenaktion.
In der Geschichten-Reihe «Stimmen aus dem Süden» berichten unsere Koordinator:innen über die Lebensumstände in ihren Ländern. Der Krieg in der Ukraine hat auch Auswirkungen auf das Leben der Menschen in unseren Projektländern.  Sie wissen bald nicht mehr, wie sie noch über die Runden kommen sollen. In diesen harten Zeiten sind die Programme von Fastenaktion ein Lichtblick und geben den Menschen Zuversicht.

Hier die Stimmen von Sam Barthélémy und Natacha Compaoré, Koordination in Burkina Faso bei Fastenaktion.

«Die Menschen in unseren Projekten in Burkina Faso sind meist Bäuerinnen und Bauern, leben in ländlichen Gebieten fernab der Stadt und der Medien. Die meisten konnten keine Schule besuchen und verstehen nicht, was mit dem Krieg in der Ukraine auf dem Spiel steht. Russland und die Ukraine sind für sie so weit entfernt wie ein Mythos oder eine Geschichte. Die Menschen hier beschäftigt vielmehr die Unsicherheit durch die verbreiteten Terroranschläge. Seit nunmehr sechs Jahren leben vor allem die Menschen in der Sahelzone im Norden, im nördlichen Zentrum und im Westen mit dieser ständigen Bedrohung.

Neben dem Terrorismus ist der Klimawandel eine weitere Sorge. Da die vergangene Winterperiode katastrophal war und die Ernte sehr schlecht ausfiel, hat sich bei den Menschen in fast allen Gebieten, in denen wir aktiv sind, die Situation verschlechtert und es wird zunehmend schwierig, sich noch ausreichend zu ernähren.

Möglichst viel selber herstellen, um wirtschaftlich unabhängig zu sein.
Abhängigkeit vom Ausland verringern
Dieser eigentlich weit entfernte Konflikt zeigt uns, wie sehr wir alle von wenigen Ländern abhängig sind. Ein Krieg, der in der Ukraine ausbricht, wirkt sich sowohl auf Europa als auch auf Afrika aus. Die derzeitige Situation betrachten wir als Chance für den lokalen Getreideanbau, der die Grundlage der Ernährung in Burkina bildet. Um das Fehlen von importiertem Weizen auszugleichen, probieren wir mit den Menschen in den Projekten aus, welches Getreide unter diesen schwierigen klimatischen Bedingungen bei uns wachsen und verarbeitet werden kann. Zudem wollen wir andere Techniken der Brotherstellung mit anderen Getreidearten ausprobieren.

Wir versuchen alles, um die Abhängigkeit vom Ausland zu verringern und uns auf die eigenen Stärken zu konzentrieren. Immerhin hatte Burkina Faso bis 2005 eine nationale Getreidemühle (Les grands moulins du Burkina) in der der eigene Weizen gemahlen wurde. Da wollen wir wieder hin.»

Unterstützen Sie unser Landesprogramm in Burkina Faso

Mit der Unterstützung von Fastenaktion erhalten Familien eine Ausbildung zu angepasster Landwirtschaft und vielfältigem Saatgut. Dadurch können sie besser auf die Folgen des Klimawandels reagieren. Zusätzlich gründen sie Solidaritätsgruppen, in die sie regelmässig Geld einlegen und sich in Notlagen ohne Zinsen gegenseitig aushelfen können.
Die Koordinator:innen von Fastenaktion berichten über die Lebensumstände in ihren Ländern. Der Krieg in der Ukraine hat auch Auswirkungen auf das Leben der Menschen in unseren Projektländern. Hier folgen die Stimmen von Diary Ratsimanarihaja und Parany Rasamimanana, Koordination in Madagaskar bei Fastenaktion.
In der Geschichten-Reihe «Stimmen aus dem Süden» berichten unsere Koordinator:innen über die Lebensumstände in ihren Ländern. Der Krieg in der Ukraine hat auch Auswirkungen auf das Leben der Menschen in unseren Projektländern.  Sie wissen bald nicht mehr, wie sie noch über die Runden kommen sollen. In diesen harten Zeiten sind die Programme von Fastenaktion ein Lichtblick und geben den Menschen Zuversicht.

Hier folgen die Stimmen von Diary Ratsimanarihaja und Parany Rasamimanana, Koordination in Madagaskar bei Fastenaktion.

«Madagaskar wird von einer galoppierenden Inflation beherrscht, die eine grosse Abhängigkeit von ausländischer Hilfe schafft. Selbst Reis, der im Land selbst produziert werden kann, muss eingeführt werden. Diese Abhängigkeit in Verbindung mit den Auswirkungen von Wirbelstürmen, Covid-19 und schlechter Regierungsführung lässt die Bevölkerung von Tag zu Tag ärmer werden. Mit unseren Projekten arbeiten wir hauptsächlich in ländlichen Gebieten, und die Bauern und Bäuerinnen wissen nicht einmal vom Krieg in der Ukraine.

Regelmässig versammeln sich die Mitglieder der Spargruppe.
Unabhängigkeit als Schlüssel 
Bis heute sind Getreide, Benzin, Gas, Sonnenblumenöl und Dünger noch erhältlich. Die Medienberichte über mögliche Engpässe haben Spekulationen begünstigt, und seit Beginn des Krieges steigen die Preise stetig an. Die immer höher werdenden Preise sind für die Haushalte eine grosse Belastung und für viele zunehmend unerschwinglich.

Wir haben gelernt, dass es für die Menschen in den Projekten am wichtigsten ist, gegenüber einem möglichen Mangel an Importprodukten, wie er derzeit droht, unabhängig zu sein. Die Instabilität der Weltwirtschaft aufgrund eines Krieges, gepaart mit der schlechten Regierungsführung unserer Staatsoberhäupter, bestärkt uns in unserer Überzeugung, dass die Unterstützung der Bedürftigsten mehr als sinnvoll ist. Unser Programm zielt darauf ab, dass die Menschen sich selbst ernähren können, indem sie den Grossteil ihres Bedarfs selbst produzieren.»

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Die Projekte von Fastenaktion bieten armen Familien einen Ausweg. Sie initiieren Spargruppen, welche sich in Notfällen gegenseitig mit zinslosen Darlehen aushelfen können – wenn am Ende der Regenzeit die Nahrungsvorräte zu Ende gehen, wenn jemand erkrankt oder wenn die Kinder Schulmaterial brauchen.
Regelmässig besuchen die Landesverantwortlichen die von ihnen betreuten Projekte. Einerseits informieren sie sich über den Stand der Arbeit, vor allem aber stehen die Menschen der Zielgruppen im Zentrum. Was bewirkt die Projektarbeit, wie entwickelt sie sich? Vreni Jean-Richard hatte während ihrer letzten Reise in den Senegal in einem Dorf der Casamance ein einmaliges Erlebnis.

Ein Bericht von Vreni Jean-Richard, Verantwortliche für das Landesprogramm im Senegal

Im Dorf erwarteten uns ungefähr 30 Frauen und 15 Männer. Der hohe Anteil an Männern, zusammengesetzt aus Dorfältesten, Dorfchef, Lehrer, Imam, dazu verschiedene Kalebassenmitglieder, erstaunte mich. Zudem waren auch ältere Kinder dabei, eigentlich hätten sie zu dieser Zeit in der Schule sein müssen. Bei der Vorstellungsrunde wurde klar, dass selbst der Dorfchef und einer der beiden Lehrer Kalebassenmitglied sind. Die Lehrer hatten ihre Schülerinnen und Schüler bewusst an dieses Treffen mitgenommen, denn die Kinder und Jugendlichen sollten etwas über das Dorf und seine Entwicklung lernen. So etwas habe ich während einer Projektreise noch nie erlebt. Genau wie ich, waren die Projektverantwortlichen und die Verantwortlichen der Koordination sehr beeindruckt. Denn landesweit sind über 90 Prozent der Mitglieder von Kalebassengruppen1 Frauen. Doch in der Casamance hatte sich das ganze Dorf eingefunden. «Das ist keine Kalebassengruppe innerhalb des Dorfes, das ganze Dorf ist in einer Kalebasse vereint,“ ging mir beim Anblick der Menschen durch den Kopf. Sogar Mitglieder des Nachbarsdorfs waren gekommen, die beiden Dörfer haben sich zu einem Réseau de Proximité (Nachbarschaftsnetzwerk) zusammengeschlossen.

Kalebassen schaffen Sicherheit
Susanne Madjia musste bis vor wenigen Jahren während der Trockenzeit ihre Familie zurücklassen, um in Cap-Skirring in einer Fischproduktion den Lebensunterhalt zu verdienen. Heute kann sie dank der ökonomischen Aktivitäten der Kalebassengruppe das ganze Jahr über im Dorf bleiben und sich und die Familie finanziell über Wasser halten. Sie ist mittlerweile Vizepräsidentin des Netzwerks, das alle Kalebassen in der Region vereint. Als erste der Partnerorganisationen im Senegal, haben sie ihr Netzwerk bereits in eine Genossenschaft umgewandelt. Nebst ihren regelmässigen Gruppentreffen, den zinslosen Krediten, die die Mitglieder aus dem gemeinsam angesparten Vermögen aufnehmen können, lernen sie immer wieder Neues, um sich damit zusätzliche wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erarbeiten.

Zusammenhalt der Dörfer gestärkt
Bei dem Besuch zeigen sie uns wie sie selber Seife herstellen. Die Vorbereitungen dazu waren bereits am Vorabend getroffen worden. So wurden nur noch die zwei zubereiteten Flüssigkeiten gemischt und verrührt. Wichtig dabei, wie mir gesagt wurde, sei, dass nur in eine Richtung gerührt werden darf. Die fertige Seife wurde in 35 Töpfchen abgefüllt, die danach mindestens zehn Tage gelagert werden müssen. Die Herstellung ging sehr schnell. Das hohe Produktionstempo hatte einen Grund: Durch die immer wieder aufflackernden Angriffe der Separatisten in der Casamance, ist die Polizei schnell vor Ort, wenn sich grössere Menschenansammlungen bilden. In Zusammenhang mit den Unruhen kamen die Leute auf das von der Partnerorganisation eingeführte Réseau de Proximité zu sprechen. Dank diesem seien die Dörfer näher zusammengerückt, und freundschaftlich miteinander verbunden. Gerade in unruhigen Zeiten, wenn das gegenseitige Misstrauen gross ist und jederzeit der Vorwurf im Raum stehen kann die Rebellen zu unterstützen, leisten die Kalebassen und die Netzwerke einen wichtigen Beitrag zum Zusammenhalt. Einer der Ältesten meinte, dass die Beziehungen zwischen den Dörfern, die in den letzten Jahren zu verschwinden drohten, heute besser denn je seien.

Am Ende des Besuchs berechneten die Frauen noch den Verkaufspreis für die Seife. Der immer von den verwendeten Zutaten abhängig ist. Zurzeit ist Karitébutter sehr teuer. Zudem wurden die Einnahmen der Kalebasse aufgeteilt, 75 Prozent wurden für das Nachbarschaftsnetzwerkverbucht und 25 Prozent wurden, wie es Tradition ist, der gastgebenden Kalebassengruppe überreicht.

Die Solidaritätsgruppen im Senegal nennen sich Kalebassen. Zurückzuführen ist das auf die getrocknete Hälfte der Flaschenkürbisse, in denen die Gruppenmitglieder während ihren Treffen die freiwilligen Geldbeiträge sammeln.

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Senegal Fenagie: Die Frauen der Solidaritätsgruppe produzieren Seife und JavelwasserSeife und Javelwasser, welche die Frauen selbst herstellen sind sehr gefragt.

Im Senegal sind die von Fénagie initiierten Solidaritäts- und Spargruppen sehr erfolgreich. Nun, während der Corona-Krise, profitieren zahlreiche Dörfer von ihren Fähigkeiten und ihrem Wissen.

700 Liter Javelwasser und 150 Töpfe mit Seife, soviel haben die Frauen der Kalebassengruppe von Soukouta in den letzten Wochen selbst hergestellt. Denn mit dem Ausbruch des Coronavirus ist der Bedarf an Seife zum Händewaschen und Javelwasser, zur regelmässigen Desinfektion von Böden, Ablagen und sanitären Einrichtungen gewachsen. Die Frauen haben in grossen Mengen produziert, damit weder die Gruppenmitglieder noch die Dorfbevölkerung Mangel leiden müssen.

Der erste Fall mit Covid-19 wurde im Senegal am 2. März verzeichnet. Seitdem steigt die Kurve. Am 4. Mai vermeldet das Land bereits 1182 angesteckte Personen, 9 Tote und 372 geheilte. Bisher ist vor allem die städtische Bevölkerung von Covid-19 betroffen. Die Dörfer blieben bis anhin verschont. Die Menschen versuchen Abstand zu halten.

 

Senegal FenagieMit kurzen Theaterszenen vermitteln die Solidaritätsgruppen ihr Wissen an andere Frauen.

Trotz Ausnahmezustand Mut bewahren

Seit dem 23. März ist das Land im Ausnahmezustand. Zwischen acht Uhr abends und sechs Uhr morgens herrscht Ausgangssperre, die Wochenmärkte wurden geschlossen. Bereits um 16 Uhr müssen auch die anderen Geschäfte geschlossen werden. Sämtliche Grenzen sind gesperrt. Ausserhalb des Hauses besteht eine Maskenpflicht.

Zudem sind Reisen innerhalb des Landes verboten. Das bringt auch die Frauen der Kalebassengruppe von Thialane in Bedrängnis. Denn sie, die mitten im Delta des Flusses Saloum leben und deren einziges Transportmittel die Piroge ist, müssen warten. Und das in einem Moment, in dem die Zutaten für Javel knapp geworden sind. Bis anhin konnten sie 186 Liter des Desinfektions- und Reinigungsmittels herstellen, davon profitieren auch hier die 800 Bewohner/innen ihres Dorfes.

Die Spar- und Solidaritätsgruppen sind in den letzten Jahren im ganzen Land zu einer wichtigen Institution geworden und haben für viele Menschen grosse Verbesserungen gebracht. Dabei wird von den meisten Mitgliedern nicht das gemeinsame Sparen als grösste Errungenschaft bezeichnet, sondern der Zusammenhalt und die Solidarität. 

 

Verteilaktion von Seife und Javelwasser durch die Partnerorganisation AgrécolVerteilaktion von Seife und Javelwasser durch die Partnerorganisation Agrécol

Angst vor Hunger geht um

Durch die zahlreichen Einschränkungen zum Schutz gegen das Virus ist das Leben für die Menschen sehr schwierig geworden. Die Nahrungsmittelpreise steigen und die eh schon kleinen Vorräte der letzten Ernte sind fast aufgebraucht. Denn der Regen 2019 fiel nur sehr spärlich und es konnte entsprechend wenig geerntet werden. Die Befürchtung ist gross, dass der Senegal vor einer Hungersnot steht. Zwar hat der Staat Hilfspakete angekündigt. Doch durch das Reiseverbot im Land ist völlig unklar, wie diese Pakete zu den Bedürftigen gelangen sollen. Ausgangs- und Versammlungsverbot führen dazu, dass selbst die während des Ramadans üblichen «Armenspeisungen» in den Moscheen dieses Jahr ausfallen.

Auch die Projektmitarbeitenden der Fastenaktion sind eingeschränkt. Reisen in die Dörfer sind derzeit nicht möglich. Doch unterstützen sie die Menschen so gut es geht, ihr wichtigstes Kommunikationsmittel derzeit ist das Telefon. Sie verbreiten Informationen und Verhaltensregeln, sie beraten die Gruppen und vermitteln bei allfälligen Schwierigkeiten. Zudem arbeiten sie mit den lokalen Behörden zusammen und unterstützen die Hygienemassnahmen. Dazu gehört auch das Verteilen der selbstgemachten Seifen.

 

Selbst gemachte SeifenEine Auswahl von selbst hergestellten Seifen

Was Frauen der Partnerorganisation ADK zu Ihrer Seifenproduktion sagen

« Ich habe importierte Seifen mit unserem Produkt verglichen und das Ergebnis ist, dass das mit Palmöl, Sheabutter und Zitronenblättern hergestellte Produkt wirksamer ist und aktivierend wirkt. Ich bin Präsidentin unserer Kalebasse und wir haben gemeinsam beschlossen, künftig eine grössere Menge zu produzieren.»

Ndèye Diarra, Calebasse 10

« Die hergestellten Seifen werden nicht nur von den Konsumentinnen und Konsumenten geschätzt, sondern ermöglichen uns auch ein Einkommen. »

Maty Dioufm Calebasse 8

Seifenherstellung bei der Partnerorganisation ALSE

 

Partnerorganisation ALSE: Seifenherstellung 1
Partnerorganisation ALSE: Seifenherstellung 2
Partnerorganisation ALSE: Seifenherstellung 3

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. 

Um diese Arbeit halten und weiterführen zu können, sind wir froh um jede Spende.

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Partnerorganisationen der Fastenaktion informieren über Corona und verteilen Material zur Desinfektion.Partnerorganisationen der Fastenaktion informieren über Corona und verteilen Material zur Desinfektion.

In Haiti ist die Situation verheerend: Klimawandel und eine korrupte Regierung bringen viel Leid über das Land. In das bestehende Chaos kommt nun der Corona-Virus hinzu - worüber nur ungenügend informiert wird. Die Partnerorganisationen der Fastenaktion informieren ihre Solidaritätsgruppen und geben Hygienematerial ab.

Menschen mit Corona-Virus werden stigmatisiert

Viele befürchten, dass es in Haiti bei einem grösseren Ausbruch der Covid-Krankheit zu Gewalt kommen könnte. Es gibt bereits Berichte über Gewaltausbrüche. Es wurden Personen mit verdächtigen Symptomen angegriffen und sogar ein Spital, welches diese Betroffenen behandelt hat.

Haitianischer Staat mit widersprüchlichen Informationen

Der Premierminister hat noch Mitte April gemeldet, dass Haiti bezüglich dem Corona-Virus über dem Berg sei. Es ging wohl vor allem darum, die Textilfabriken für den Export wieder zu öffnen. In den Fabriken können jedoch die Abstands- und Hygieneregeln nicht eingehalten werden. Seit 22. April besteht nun wieder der Ausnahmezustand.

Fastenaktion informiert über das Virus und verteilt Hygienematerial

Alle Partnerorganisationen der Fastenaktion organisieren Sensibilisierungs-Aktivitäten. Sie informieren, wo sie können, über die Gefährlichkeit des Virus und über Hygienemassnahmen. Zusätzlich haben sie Material zum Händewaschen organisiert: Kübel mit Hähnen und Seife zur Desinfektion.

 

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. 

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Die Solidaritätsgruppen oben haben dieses Haus zum Schutz ihrer Reisvorräte vor Überschwemmungen gebaut . Dem Virus haben sie nichts entgegenzusetzen.

Der Hafenstadt Toamasina an der Ostküste Madagaskars bleibt im Moment nichts erspart. Mitte März wurden als Folge des Wirbelsturmes Herold die tiefer gelegenen Quartiere überschwemmt. In vielen Häusern stand das Wasser knietief. Und als das Wasser begann, sich zurückzuziehen, erfuhren die Menschen von der nächsten Bedrohung: eine weltweite, vor der sich sogar die entwickelten Länder fürchten.

Alle Projekte von Fastenaktion sind mit neuen, zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert. Am 24. März berichtete aus der Hafenstadt Toamasina Jean Céléstin Heriniaina, der Verantwortlichen des Projekts mit rund 1500 Solidaritätsgruppen.

Am 17. März trat in Madagaskar der erste Fall von Covid-19 auf. Die Überschwemmungen und jetzt die Epidemie bringen das Leben durcheinander, viele reagieren panisch. Die Bewohnerinnen und Bewohner von Toamasina versuchen sich trotz des plötzlichen Preisanstiegs mit Reis, Gemüse und anderen Dingen des täglichen Bedarfs einzudecken. Bereits ist das Speiseöl 5% teurer geworden, ein Sack Reis, der vorher 90’000 Ariary (23 Franken) kostete, wird jetzt zum doppelten Preis gehandelt. Im Bazary Kely – dem lokalen Markt – und in den Supermärkten war am 21. März alles leer gekauft. Auch die Tankstellen sind «trocken», es gibt weder Benzin noch Heizöl oder Gas.

Aber wie lange sollen unsere Vorräte reichen? Wir können annehmen, dass die Situation die Armut verstärkt. Madagaskar gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, rund 80 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze von rund 2 Dollar/Tag.

Am 22. März rief der Präsident den Notstand auf und verfügte eine 15-tätige Ausgangssperre für die Hauptstadt und Toamasina. In den Strassen von Toamasina spürt man die Panik der Bewohnerinnen und Bewohner, auch wenn bisher noch keine einzige Ansteckung gemeldet wurde.

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. Es ist in Madagaskar möglich, einen Teil der Beratung der Solidaritätsgruppen über Mobiltelefone zu machen. Die Kredite, welche die Gruppen ohne – oder nur gegen einen kleinen Zinssatz – vergeben, sind auch weiterhin möglich. Da es bisher nur wenig gemeldete Covid-19 Patientinnen und Patienten gibt, besteht die Hoffnung, dass sich das Virus nicht epidemisch ausbreitet – Es würde verheerende Folgen für die arme Bevölkerung haben.

Um diese Arbeit halten und weiterführen zu können, sind wir froh um jede Spende. Hier erfahren Sie mehr zu unserem Madagaskarprogramm.

 

 

Covid-19 als Zeitbombe für das Regime

Der Journalist Stefan Frey lebt in Olten und Diego Suarez im Norden von Madagaskar. Er hat dort die Organisation Mad’éole gegründet, welche Dörfer mit Wind- und anderen erneuerbaren Energien versorgt. Lesen Sie in seinem Artikel vom 5. April, was er als kritischer Beobachter zu Madagaskar und Covid-19 schrieb.

Am 1. April 2020, veröffentlichte die Beobachtungsstelle des öffentlichen Lebens in Madagaskar (Observatoire de la vie publique – SeFaFi), eine kritische Beurteilung des madagassischen Gesundheitswesens und äusserte schwerwiegende Zweifel an dessen Fähigkeiten im Hinblick auf die Bewältigung der Pandemie. Zehn Tage vorher hatte Staatspräsident Andry Rajoelina in einem pompösen Fernsehauftritt offiziell verkündet, dass das Corona-Virus zwischen dem 11. und 22. März mit Flügen aus Europa gelandet sei.

Die Regionen um die Hauptstadt Antananarivo und um die Hafenstadt Toamasina wurden unter Quarantäne gestellt, der Luftraum seit dem 22. März gesperrt, ebenso die Häfen. Dem Präsidenten zufolge zählte das Land am 2. April 59 Covid-19-Fälle. Kein Mensch im Land glaubt es, dafür werden die Ausgabestellen für Lebensmittelpakete von Tausenden gestürmt. Bilder vom Massenandrang verspotten die vom Präsidenten – der sich jetzt jeden zweiten Tag über die per Notstandsmassnahme requirierten Medien ans Volk wendet.

SeFaFi weist in ihrer neusten Verlautbarung auf ein zur Kultur gewordenes Phänomen hin: die Korruption. Auch im Gesundheitssystem seien Machtmissbrauch, Veruntreuung und offene Korruption längst zu einer existentiellen Bedrohung geworden. Die jahrelange Vernachlässigung des Gesundheitssektors habe die Spitäler praktisch ihrer Behandlungsmöglichkeiten beraubt. Neun von zehn Menschen der ländlichen Bevölkerung haben übrigens überhaupt keinen Zugang zum Gesundheitswesen.“

Zu den Projekten der Fastenaktion meint Frey: „Daneben gibt es zahlreiche rein privat organisierte und finanzierte Projekte, aus denen insbesondere jenes der Fastenaktion hervorzuheben ist, das über die Selbsterkennung der Schuldenspirale zur Selbstorganisation von Schuldnergruppen und schliesslich zu deren Befreiung aus den Wucherer-Fesseln führt. Weit über hunderttausend Menschen konnten so eine nachhaltige Perspektive entwickeln.“

Lesen Sie den ganzen Artikel von Stefan Frey zur Situation in Madagaskar auf Infosperber

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