Klimagerechtigkeit

Menschenrechte in der Klimakrise

Je länger die Klimakrise andauert und je weiter sie sich verschärft, desto deutlicher werden die Schäden für die Menschheit. Es trifft am stärksten Menschen im globalen Süden, die schon jetzt Hunger erleiden und deren prekäre Situation sich weiter verschlechtert. Die Vereinten Nationen (UNO) warnen davor, dass Menschenrechtsverletzungen als Folge der Klimakrise weiter zunehmen. Fastenaktion setzt sich mit seiner Arbeit für mehr Klimagerechtigkeit ein.

Ein Kommentar von Daniel Hostettler, Leiter Internationale Programme bei Fastenaktion

Die Menschenrechte sind bedroht
Die Klimakrise bedeutet massive Menschenrechtsverletzungen für Millionen von Menschen. Das hat die UNO-Menschenrechtsrat vergangenen Sommer in einer Resolution deutlich gemacht. Die Auswirkungen davon sind laut UNO ein reduzierter Zugang zu Nahrung und Trinkwasser, zu Gesundheitsdiensten und sozialer Fürsorge, zu Bildung, geeigneten Unterkünften, Transport und Arbeit. Sie listet eine ganze Reihe von Menschenrechten auf, deren Durchsetzung durch die Klimakrise erschwert oder verunmöglicht wird. Das Recht auf Nahrung etwa; das Recht auf Gesundheit; oder das Recht auf Leben.

Unser Konsum entzieht Menschen die Grundrechte
Die Verknüpfung der Klimakrise mit den Menschenrechten ist ein wichtiger Schritt. Er bringt uns dazu, die Krise nicht als moralische Frage abzutun, die je nach weltanschaulichem Standpunkt beantwortet werden kann. Deutlich wird vielmehr, dass durch die Art der Produktion und Konsumation der reichen Staaten und Gesellschaftsschichten die Grundrechte ganz vieler Menschen verneint werden. Der UNO-Menschenrechtsrat ruft deshalb dazu auf, den Ausstoss an Treibhausgasen gemäss Pariser Abkommen schnell und kontinuierlich zu reduzieren und den ärmeren Ländern bei der Anpassung an den Klimawandel finanziell angemessen beizustehen.

Klimagerechtigkeit für alle
Die Massnahmen gegen die Klimakrise sollten dabei wiederum auf ihre Auswirkungen überprüft werden, um weitere Menschenrechtsverletzungen zu verhindern. Es darf nicht sein, dass der Klimakrise auf Kosten der Ärmsten begegnet wird. Die Massnahmen zur Bewältigung des Klimawandels, so die UNO, sollten mit der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung koordiniert werden, und zwar auf integrierte Weise. Dies ist auch der entwicklungspolitische Ansatz von Fastenaktion. Nur wenn die soziale und die ökologische Dimension der Krise zusammen gedacht werden, ergibt sich Klimagerechtigkeit für alle. Dabei muss die Schweiz ihre Verpflichtungen als Mitverursacherin des globalen Klimawandels wahrnehmen – auch zur Wahrung der Menschenrechte.

Die Klimakrise ist akut und die Schweiz ist mitschuldig. Fordern Sie jetzt Bundesrätin Sommaruga per Petition zum Handeln auf!

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Die Schweiz lebt ab heute auf CO2-Kredit

Die Folgen der Klimakrise wie Dürren, Starkregen oder Hitzewellen kommen in allen Partnerländern von Fastenaktion vor. Bereits 1989 waren die Folgen der Klimakrise das Thema der damaligen Ökumenischen Kampagne. Was hat sich seither verändert? Viel zu wenig. Die Untätigkeit der letzten Jahrzehnte hat aber Konsequenzen: Wir leben ab heute in der Schweiz auf Kredit.

Kommentar von Stefan Salzmann, Fachexperte für Energie- und Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion

Warum leben wir ab heute auf CO2-Kredit? Ich möchte dies an einem erfundenen Beispiel erklären. Stellen Sie sich vor, 1990 hätten Sie auf einem Bankkonto 1.8 Millionen Franken gehabt und sich im Alter von 65 Jahren zur Ruhe gesetzt. Wie wir alle hätten Sie gerechnet: noch ungefähr 30 Jahre zu leben macht pro Jahr 60’000, pro Monat rund 5’000 Franken, die sie von Ihren 1.8 Mio ausgeben dürfen. Damit kann man in der Schweiz als Einzelperson leben, ohne Not zu leiden.

Über dem Budget gelebt
Die Herausforderung 1990 war aber, dass Sie mit Ihrem Lebensstil pro Monat 10’000 Franken verbraucht haben. Sie haben ihren Lebensstil nicht ihrem Budget von 5’000 Franken angepasst. Dies führt zur Situation, in der Sie nach 15 Jahren Ihres Ruhestandes kein Geld mehr gehabt hätten. Ab dann mussten andere für Ihre Ausgaben aufkommen – zum Beispiel Ihre Kinder. Genau dies passiert zur Zeit mit unserem CO2-Budget, wir haben unser Budget aufgebraucht und Leben ab sofort auf Kredit. Wir leben lieber das Leben weiter wie bisher und geniessen unseren Lebensstil auf grossem Fuss. Die Frage nach dem Guthaben bleibt unbeantwortet, sie wird nicht mal gestellt.  

Wir fordern Klimagerechtigkeit!
Fastenaktion und HEKS haben sich deshalb die Frage nach dem Guthaben gestellt. Das Ziel war zu ermitteln wie viel COdie Schweiz noch ausstossen darf, wenn sie sich klimagerecht verhalten will. Die ernüchternde Wahrheit: die Schweiz hat Mitte März 2022 die letzte klimagerechte Tonne COausgestossen. In der Finanzsprache: Ab heute leben wir auf CO2-Kredit. Das Konto ist leer und andere müssen für unser Verhalten bezahlen. Die Generationen nach uns und auch die Menschen im globalen Süden, die schon jetzt stark unter den Folgen der Klimakatastrophe leiden. Das ist ungerecht. Die Schweiz steht in der Pflicht, Verantwortung zu übernehmen. Es braucht griffige Massnahmen, damit die Schweiz bis 2040 klimaneutral wird.

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Fastenzeit heisst bewusster Verzicht. Wir verzichten bewusst auf etwas, um Gutes zu tun. Hungersnot, Klimaerwärmung und Krieg zeichnen das Leben vieler Menschen im globalen Süden. In der Fastenzeit teilen wir einen kleinen Teil von unserem Wohlstand und hinterfragen unseren Konsum.

Durch Verzicht Gutes tun

Fastenzeit heisst bewusster Verzicht. Wir verzichten bewusst auf etwas, um Gutes zu tun. Hungersnot, Klimaerwärmung und Krieg zeichnen das Leben vieler Menschen im globalen Süden. In der Fastenzeit teilen wir einen kleinen Teil von unserem Wohlstand und hinterfragen unseren Konsum.

Brauche ich wirklich das neue Kleidungsstück oder den neusten Fernseher? Handelt es sich nur um einen «Belohnungskauf»? Welche Auswirkungen hat mein Konsum? Die Fastenzeit ist da, um sicher über diese und viele weitere Fragen Gedanken zu machen. Globale Zusammenhänge zu erkennen und entsprechend zu handeln.

Für das Fasten gibt es keine Regeln und somit auch kein falsch oder richtig: Sie entscheiden und können Ihren eigenen Weg bestreiten. Unser traditionelles Fastensäckli begleitet Sie in dieser Zeit. Das Geld, das Sie durch Ihren bewussten Verzicht gespart haben, wandert in das Fastensäckli. Zu Ostern können Sie das Fastensäckli mit Ihrer Spende in die Kirche bringen, oder den Betrag direkt per Twint spenden.

Ihre Spende kommt den Menschen im globalen Süden zugute, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollen – beispielsweise in unseren Projektländern Kolumbien, Madagaskar oder Nepal. Machen Sie mit – für eine gerechtere Welt! Gemeinsam gegen Hunger. 

Ich möchte kostenlos ein Fastensäckli bestellen.

Stefan SalzmannStefan Salzmann

Anpassung an den Klimawandel – es braucht mehr Mittel

Der neuste Bericht des Weltklimarates sagt klar: in Armut lebende Menschen sind nicht in der Lage, sich ausreichend an die Klimaerhitzung anzupassen. Das gefährdet ihre Versorgung mit Nahrungsmittel. Hier sind die Verursacher der Klimakrise in der moralischen Pflicht. Sie müssen Unterstützung bieten. Agrarökologische Landwirtschaft oder die Versorgung mit sauberer Energie sind Anpassungsstrategien. Damit arbeitet auch Fastenaktion in seinen Projekten.

 

Ein Kommentar von Stefan Salzmann, Fachexperte Energie- und Klimagerechtigkeit, Fastenaktion

Das Recht auf Nahrung ist nicht mehr gewährleistet
Das neue Kapitel des 6. Berichtes vom Weltklimarat wurde am 28.02.2022 präsentiert. Der Fokus liegt auf den Auswirkungen der Klimakrise. Die Strategien zur Anpassung (Adaptation) an die Auswirkungen der Krise sind je nach Kontext unterschiedlich. Die grösste Herausforderung erleben verletzliche Bevölkerungsgruppen. Zu denen gehören allen voran in Armut lebende Menschen im globalen Süden. Ihnen fehlen die Mittel für Anpassungen. Diese Menschen sind oft auf die Produktion von Nahrung durch kleinbäuerliche Systeme angewiesen. Doch nach extremen Wetterereignissen kann diese nicht mehr gewährleisten werden. Felder werden überflutet, Dürre vertrocknet die Ernte. Das Recht auf Nahrung ist nicht mehr garantiert.

Klimagerechtigkeit jetzt!
Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, ob sich diese Menschen an die Klimaerhitzung anpassen können. Reiche Länder wie die Schweiz haben hier eine grosse Verantwortung. In Armut lebende Menschen müssen unkompliziert unterstützt werden. Dafür sind finanzielle Mittel nötig. Diese ausreichend bereit zu stellen, muss innerhalb der internationalen Klimaverhandlungen geschehen. Die Schweiz nimmt in dieser Frage eine bremsende Rolle ein – das ist beschämend. Dabei steht im neusten Teilbericht des Weltklimarates, der heute publiziert wurde, klar: der Bedarf an Unterstützung für Anpassungsmassnahmen wird dramatisch steigen. Diesen Bedarf nicht anzuerkennen bedeutet; die Ungerechtigkeit wird sich weiter verschärfen.

Diese Ambitionen braucht es in der Schweiz
Der effizienteste Weg, Klimaungerechtigkeit zu stoppen ist, die Klimaerwärmung auf 1.5 Grad Celsius zu begrenzen. Dafür muss die Schweiz ihre Ambitionen steigern. Das Parlament muss ein Netto-0 Ziel bis 2040 beschliessen. Möglichkeiten dazu bieten das CO2 Gesetz und die Gletscherinitiative, die zur Zeit beraten werden. Darüber hinaus muss die Schweiz in Armut lebende Menschen im globalen Süden unterstützen. Auch sie sollen wo möglich Treibhausgase reduzieren – dazu braucht es aber einen KnowHow-Transfer und die entsprechenden Mittel. Bereits eingetretene Schäden und Verluste müssen kompensiert werden, auch von der Schweiz. Denn die Menschen im globalen Süden, haben am wenigsten zur Klimaerhitzung beitragen, leiden aber am Stärksten unter den Folgen.

Zugang zu Energie für alle
Eine Transition hin zu sauberer erneuerbarer Energie ist Teil der Lösung des Klimaproblems. Insbesondere in Armut lebende Menschen haben hier einen Bedarf. Energieversorgung und Anpassung an die Klimaerhitzung hängen oft zusammen: Anpassung kann bedeuten, Felder zu bewässern, die unter Trockenheit leiden. In Fällen wo dafür Pumpen nötig sind, müssen diese mit Energie versorgt werden. Mehrerträge aus den Ernten müssen gelagert und anschliessend verkauft werden können. So werden Produktionsengpässe überbrückt und Einkommen generiert, um für die restliche Zeit des Jahres Nahrungsmittel einkaufen zu können. Doch um Nahrungsmittel zu lagern, braucht es Kühlschränke und Tiefkühltruhen – und somit auch Energie. Zugang zu sauberer erneuerbarer Energie ist eine Anpassungsmassnahme, die funktioniert. Unsere Partnerorganisationen, zum Beispiel in Kolumbien, arbeiten erfolgreich mit dieser Strategie. Damit ermöglichen sie den Menschen in den Projekten sich an die Klimaerhitzung anzupassen. Gleichzeitig leisten sie einen Beitrag zur Minderung von Treibhausgasen – da keine Generatoren eingesetzt werden müssen.

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Bio-GemüsepfanneBio-Gemüsepfanne

Hilfswerk wechselt nach 60 Jahren den Namen - Fastenopfer ist jetzt Fastenaktion

Seit dem 01. Januar 2022 heisst das Hilfswerk Fastenopfer neu Fastenaktion. Mit dem Namenswechsel wurde auch das Logo überarbeitet.  Fastenaktion setzt sich weiterhin für eine Welt ohne Hunger ein. Dies kommt auch im Motto der Organisation zum Ausdruck: «Gemeinsam Hunger beenden».

Das neue Logo ist eine Weiterentwicklung. Das Kreuz wird zum Menschen, so betont Fastenaktion die Menschlichkeit. Ein unterbrochener Kreis symbolisiert die ungerechte Welt. Damit ist das Logo auch ein Aufruf zum gemeinsamen Handeln für mehr Gerechtigkeit. 

Den Wurzeln treu bleiben

Fastenaktion wurde als Fastenopfer in den 60er-Jahren von den Katholikinnen und Katholiken der Schweiz gegründet. Dies spiegelte sich auch im ursprünglichen Logo mit dem Kreuz wieder. Mit dem neuen Auftritt werden diese Wurzeln nicht verleugnet, aber für nicht kirchennahe Personen ist das Werk so dennoch anschlussfähig. Dieser Balanceakt wird mit einer sanften Renovation umgesetzt. Der Organisationsname der Suisse romande «Action de Carême» wird zum nationalen Namen. Auf Deutsch wandelt sich Fastenopfer zu Fastenaktion und auf Italienisch wird Sacrifcio Quaresimale zu Azione Quaresimale.

In diesem kurzen Video wird der neue Auftritt von Fastenaktion anschaulich erklärt. Eine ausführliche Erklärung ist, zudem im Magazin Perspektiven Nr. 3 auf Seite 9 zu finden.

Gemeinsam Hunger beenden

Fastenaktion setzt sich für benachteiligte Menschen im globalen Süden ein – für eine gerechtere Welt und die Überwindung von Hunger und Armut. Das Werk fördert soziale, kulturelle, politische, wirtschaftliche und auch individuelle Veränderungen hin zu einer nachhaltigen Lebensweise. Dafür arbeitet die Organisation mit Partnerorganisationen in 14 Ländern in Afrika, Asien, Lateinamerika sowie mit Organisationen in der Schweiz zusammen.

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Was Menschenrechte mit Nahrung zu tun haben

Heute, am 10. Dezember, ist der Tag der Menschenrechte. Fastenaktion setzt sich in seiner Arbeit stark für die Menschenrechte ein. Eines der Menschenrechte ist zum Beispiel das Recht auf Nahrung. Um dieses Recht weiter zu stärken, gibt es eine Erklärung der Vereinten Nationen zu den Rechten von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern.

Ein Kommentar von Claudia Fuhrer, Fachexpertin Ernährungsgerechtigkeit, Fastenaktion

Recht auf Nahrung ist ein Menschenrecht
Anfangs der 2000er-Jahre gaben bäuerliche Organisationen den Anstoss für eine UNO-Erklärung zu Rechten von Kleinbauern und -bäuerinnen. Eine entsprechende Erklärung wurde schliesslich im Jahr 2018 unter dem Namen UNDROP verabschiedet. Die Erklärung basiert auf verschiedenen Menschenrechten und insbesondere auf dem Recht auf Nahrung. Die Grundlagen sind bereits bestehende internationale Rechte. Die Erklärung wurde mit den Hauptbetroffenen zusammen ausgearbeitet. Denn die bäuerlichen Organisationen waren in allen Verhandlungsrunden vertreten.

Eine UNO-Erklärung zum Schutz von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern
Die Erklärung hat zum Zweck, Kleinbauern und –bäuerinnen, Fischer*innen, Viehhalter*innen, Sammler*innen und Landarbeiter*innen besser zu schützen. Sie sind überdurchschnittlich von Hunger und Armut bedroht. Zudem wird durch die Erklärung ihre Schlüsselrolle bei der weltweiten Sicherung von Nahrung anerkannt. UNDROP beinhaltet auch eine Reihe von Verpflichtungen an die Staaten. So müssen Rechte wie beispielsweise zu Saatgut, Landbesitz und Miteinbezug von Betroffenen in Entscheidungen in nationale Gesetze und internationale Abkommen integriert werden.

Lokale Produktion ist wichtig
Doch leider ist dies nicht überall der Fall. Drei Jahre nach Verabschiedung von UNDROP ist es endlich Zeit, dass die Staaten ihrer Verpflichtung zur Umsetzung nachkommen. Covid-19 hat uns gezeigt, wie wichtig in Krisenzeiten lokale, von Bauern und Bäuerinnen produzierte Nahrungsmittel sind. Es braucht deshalb dringend eine Anerkennung und den Schutz dieser bäuerlichen Ernährungssysteme.

Schweiz muss endlich aktiv werden
Die Schweiz stimmte für Annahme der UNDROP und spielte während der Verhandlungen eine zentrale Rolle. Diese positive Rolle muss sich jetzt auch in einer konkreten Unterstützung für die Umsetzung der Erklärung auf nationaler und internationaler Ebene niederschlagen. Fastenopfer hat als Teil der Schweizer Koalition «Freunde der Deklaration» zusammen mit der Geneva Academy 2020 eine Studie herausgegeben, welche die Schweizer Aussenpolitik in Bezug auf ihre Kohärenz zu UNDROP analysiert und eine Reihe von Empfehlungen in den Bereichen Handel, Saatgut und internationalen Zusammenarbeit formuliert. Anlässlich des heutigen Menschenrechtstags werden diese Empfehlungen mit Vertreter*innen verschiedener Bundesämter und mit einigen Parlamentarier*innen diskutiert und vertieft.

Am 10. Dezember 1948 wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte durch die UNO-Vollversammlung verabschiedet. Seither ist der 10. Dezember weltweit der Tag der Menschenrechte.

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Stefan SalzmannStefan Salzmann

Abschlusskommentar zur COP26

Den Worten müssen Taten folgen

Glasgow war zum Glück nicht die Klimakonferenz der letzten Chance – sie wäre sonst verpasst. Zum Abschluss wurde zwar erklärt, dass jetzt gehandelt werden muss – so klar wie nie zuvor – wenn wir die Klimaerhitzung stoppen wollen. Doch verpflichtende Massnahmen fehlten in der Abschlusserklärung. Fastenaktion wird sich weiter gegen die Klimaerhitzung engagieren, denn die Ärmsten sind die, die bereits jetzt an den Folgen leiden.

Ein Kommentar von Stefan Salzmann, Fachexperte Energie- und Klimagerechtigkeit, Fastenaktion

An der Klimakonferenz in Glasgow wurde in erster Linie am Regelwerk weitergearbeitet, welches die Umsetzung des Klimaabkommens von Paris klären soll. So ist positiv zu werten, dass die Abschlusserklärung von Glasgow die Dringlichkeit zu handeln benennt, klarer als jemals zuvor. Subventionen für Technologien, die fossile Energien nutzen, sollen explizit reduziert werden. Das Runterfahren der Nutzung von Kohleenergie ist Konsens. Die Lücke zwischen dem Ziel des Pariser Abkommens und den aktuellen Versprechen, auch jenen zur Klimafinanzierung, sind anerkannt. Die finanzielle Unterstützung für Klimaanpassung soll verdoppelt werden.

Verursacher müssen für Schäden zahlen
Ein Thema wurde von der Zivilgesellschaft zusammen mit den ärmsten Ländern auf die Traktandenliste gepusht: Das Thema der bereits eingetretenen Schäden und Verluste. Wenn jemand an der Küste sein Haus verliert weil der Meeresspiegel steigt, dann ist das Haus für immer verloren. Diese Menschen sind darauf angewiesen, dass die Verursacher der Klimaerhitzung für diese Schäden zusätzliche finanzielle Mittel sprechen. Über die Höhe und den Verteilmechanismus werden wir in den kommenden Jahren reden müssen. In Glasgow ist man sich lediglich einig geworden, dass Schäden & Verluste anerkannt werden und es einen Dialog dazu geben soll. Was nach wenig Fortschritt klingt, ist eine Basis, auf der man in den kommenden Jahren aufbauen muss.

Nachhaltige erneuerbare Energien sind zwingend
Dass man die Entwaldung global stoppen muss um die Klimaerwärmung zu begrenzen, wussten wir auch schon vor Glasgow. Dass Länder wie Brasilien ihren Kurs ändern, weil sie dieses Anliegen mittragen, war zu wünschen aber kaum zu erwarten. Dementsprechend gab es auch keine Zugeständnisse in diesem Bereich. Im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien kündet Brasilien neue Staudammprojekte an. Dies tönt zuerst gut, ist leider aber nicht so. Denn die grossen Staudammprojekte sind eine Gefahr für das Überleben von lokalen indigenen Gemeinschaften. Oft werden ihre Rechte nicht respektiert, ihr Land wird überflutet, sie verlieren ihre Lebensgrundlage. Fastenaktion wird seine Arbeit für erneuerbare Energiesysteme, die die Interessen der Armen berücksichtigen, fortführen.

Den Worten müssen Taten folgen
An der Konferenz gab es Bemühungen ehrgeizige Ziele zu formulieren, um die Klimaerwärmung zu stoppen. Doch diese Pläne sind alle freiwillig. Wie im Pariser Klimaabkommen festgelegt ist das Ziel die Erderwärmung auf 1.5 Grad zu begrenzen. Die zurzeit von den Ländern eingereichten Massnahmen würde die Erderwärmung aber erst bei 2.4 Grad stoppen. Bis 2025 müssen alle Länder neue Klimaziele einreichen und zeigen, wie sie ihren Treibhausgasausstoss reduzieren wollen, damit die 1.5 Grad Grenzen erreicht werden kann. Dazu ist eine Reduktion von mindestens 45 Prozent nötig. Dieses Ziel nicht zu erreichen wäre eine Missachtung des Abkommens und würde fatale Folgen für die Ärmsten bedeuten. Denn diese spüren die Klimaveränderungen schon heute. Dürren und Überschwemmungen sind an der Tagesordnung – sie verlieren ihre Lebensgrundlagen. 

Glasgow wird nicht als die Klimakonferenz in die Geschichte eingehen, die grosse Schritte versprochen hat. Doch es wurden viele kleine Schritte in die richtige Richtung gemacht. Nun gilt es diese Schritte zu nutzen und sich dem Ziel der 1.5 Grad konstant zu nähern. Fastenaktion wird sich auch in Zukunft für mehr Klimagerechtigkeit einsetzen – damit alle genug zum Leben haben.

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Helena Jeppesen ist Verantwortliche des Landesprogramms Philippinen und Asien allgemein sowie für die Kooperation Inland.Helena Jeppesen ist Verantwortliche des Landesprogramms Philippinen und Asien allgemein sowie für die Kooperation Inland.

„In meiner ganzen NGO-Karriere hat mich keine andere Organisation je gefragt: ‚Wie geht es dir?». Die Programmmitarbeitenden erleben Gewalt, Armut und Katastrophen hautnah mit. Wie kann man damit umgehen? Die Programmverantwortliche Helena Jeppesen schildert, wie ihr der psychosoziale Ansatz hilft.

«Der psychosoziale Ansatz hat meine Arbeit stark verändert: Früher haben wir nicht wirklich auf den Zusammenhang zwischen der philippinischen Geschichte, der politischen Realität und dem Umgang innerhalb der Projektteams geachtet.

Viele unserer heutigen Projektmitarbeitenden in den Philippinen waren einst in der Widerstandbewegung. Sie haben Muster, Begrifflichkeiten und militärische Strukturen unreflektiert in die NGO-Kultur übernommen.

Die lokalen Psycholog/innen-Teams, mit denen wir zusammenarbeiten, kennen den kulturellen Hintergrund, die Sprache und können auch die Begriffe anpassen. Genial finde ich auch, dass wir nun die Dimension des Teambefindens und der Zusammenarbeit aufgenommen haben. Das Vertrauen zueinander und der Zusammenhalt ist enorm gewachsen.

Erst kürzlich ist die Direktorin einer Partnerorganisation zusammengebrochen, weil sich die Schwester einer ihrer Mitarbeitenden umgebracht hat. Diese hochprofessionelle Direktorin war am Rande ihrer Kräfte. Sie war die Hauptverantwortliche, doch sie konnte ihre von Selbstvorwürfen verzweifelte Mitarbeiterin nicht mehr auffangen. Sofort war eines unserer lokalen Teams von Psycholog/innen zur Stelle und führte Gespräche mit den betroffenen Personen sowie mit dem ganzen Team.

Sehr berührt hat mich, als mir eine Projektverantwortliche einmal sagte: „In meiner ganzen NGO-Karriere hat mich keine andere Organisation je gefragt: ‚Wie geht es dir?»

Ein Interview von Romana Büchel: 
Weiterführende Informationen zu unserer Arbeit mit dem psychosozialen Ansatz (PSA) finden Sie in unserer Publikation: 
PERSPEKTIVEN vom September 2021

PERSPEKTIVEN 3/21: Mit Hand und Herz

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Claudia Fuhrer

Welternährungsgipfel: Konzerninteressen statt Recht auf Nahrung

Heute Donnerstag, 23. September, findet der UN Gipfel zu Ernährungssystemen (UNFSS) statt. Entgegen der ursprünglichen Absichtserklärung des UN Generalsekretärs António Guterres eine breite zivilgesellschaftliche Beteiligung zu fördern, droht der Gipfel zu einer exklusiven Veranstaltung unter der Führung vom Weltwirtschaftsforum (WEF) zu werden. Zentrale Themen wie Menschenrechte, bäuerliche Mitsprache und ungleiche Machtverhältnisse bei der Produktion werden nicht behandelt. Zahlreiche Netzwerke von Bauern und Bäuerinnen und viele NGOs auf der ganzen Welt haben sich deshalb entschieden, sich nicht am Gipfel zu beteiligen.

Ein Kommentar von Claudia Fuhrer, Fachexpertin Ernährungsgerechtigkeit, Fastenaktion

Vergangene Welternährungsgipfel wurden von den erfahrenen multilateralen Organisationen FAO und CFS (Welternährungskomitee) vorbereitet und durchgeführt. Für 2021 hat der UN Generalsekretär António Guterres diese Aufgabe an das WEF (World Economic Forum) und zugewandte Organisationen übertragen. Da diese den Agrarkonzernen nahestehen, liegt der Fokus des Gipfels auf einer industriellen Landwirtschaft mit hochtechnologischen Lösungsansätzen und nicht einer nachhaltigen, kleinbäuerlichen Landwirtschaft. Es wird einmal mehr auf Strategien gesetzt, die mitverantwortlich für Hunger und Armut sind. Themen wie Menschenrechte und ungleiche Machtverhältnisse in Produktionsketten sind auf der Agenda des Gipfels nicht zu finden. Genau diese Themen müssen aber behandelt werden, damit die, welche am meisten von Hunger und Armut betroffenen sind ihre Ernährung sichern können Die Bauern und Bäuerinnen, Viehhalter- und Fischergemeinschaften und verarmte Landbevölkerung werden von der industriellen Landwirtschaft wie sie dem WEF vorschwebt noch stärker unter Druck geraten. Ihr Recht auf Nahrung wird missachtet.

Zivilgesellschaft wird nicht gehört
Alle am Gipfel Beteiligten – Staaten, Wirtschaftsverbände, Konzerne und zivilgesellschaftlichen Organisationen – sollten ohne Unterscheidung ihrer Verantwortlichkeiten teilnehmen. Faktisch haben jedoch die, welche über die nötigen finanziellen Mittel verfügen, mehr Einfluss als die am meisten Betroffenen. Bereits bei der Vorbereitung des Gipfels zeichnete sich ab, dass grosse Teile der Zivilgesellschaft, insbesondere Kleinproduzent*innen, Landarbeiter*innen und Indigene ihre zentralen Anliegen nicht einbringen können. Die Zivilgesellschaft darf dabei sein, aber das Sagen haben andere. Dieser Ansatz hebelt das UN Konzept des Multilateralismus aus, nach welchem Staaten und die von ihnen gegründeten multilateralen Organisationen wie die FAO und das CFS für internationale Prozesse verantwortlich wären.

Fastenaktion unterzeichnet Deklaration
Weltweit haben Hunderte von zivilgesellschaftlichen Organisationen, Forschende und unabhängige UN-Experten – darunter der Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung – den Vorbereitungsprozess und die Inhalte der Gipfelkonferenz kritisiert. Menschenrechte und echte Mitsprache von Bäuerinnen und Bauern statt Konzerninteressen müssen bei der Gestaltung einer sozial-und klimagerechten Landwirtschaft und Ernährung im Zentrum stehen. Deshalb hat Fastenaktion die weltweite Deklaration zur Kritik der zivilgesellschaftlichen Organisationen mitunterzeichnet.

Weiterführende Informationen:
FIAN Schweiz  https://fian-ch.org/de/news/un-ernaehrungssysteme-gipfel-wirtschaftsinteressen-statt-recht-auf-nahrung/13042/

Sonderberichterstatter Recht auf Nahrung: https://www.ohchr.org/Documents/Issues/Food/Policy_brief_20210819.pdf

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Süden von Haiti erneut von Erdbeben heimgesucht

Ein starkes Erdbeben erschütterte den Süden von Haiti am Morgen vom 14. August 2021. Mit einer Magnitude von 7,2 erreicht dieses Beben dieselbe Stärke wie jenes in 2010, welches die Hauptstadt Port-au-Prince und deren Umgebung verwüstete.
Diesmal hat es den Süden von Haiti getroffen – eine Region, die sich noch immer nicht ganz erholt hat von der Beschädigung des Hurrikans Matthew im Jahr 2016. Fastenaktion und Partnerorganisationen helfen nachhaltig.

Ein Kommentar von Leon Jander, Landesprogramm Haiti

Der Verlust von Menschenleben sowie die Materialbeschädigung dieses Erdbebens scheinen beträchtlich, wie eine provisorische Bilanz zeigt. Die betroffenen Regionen sind weit verstreut und einige kaum zugänglich. Berichte von einzelnen grossen Städten, wie Jörémie und Les Cayes, zeigen die Not der ländlichen Bevölkerung, welche in den Bergen verharrt, ohne Zugang zu Strassen und mit extrem eingeschränkter Kommunikation. In einer Periode, die sowieso schon betroffen ist von Hurrikans, starken Windböen und heftigem Regen, hat das Erdbeben die Situation zusätzlich verschlimmert und somit das Leben der über 15000 obdachlosen Familien.

Trotz der chaotischen Situation kann gesagt werden, dass aus vergangenen humanitären Krisen eine wichtige Lektion gelernt wurde. Die Regierung hat, andere wichtige Themen aussen vor lassend, kurzerhand die Koordination vor Ort übernommen.

Fastenaktion unterstützt die Prävention

Die Einsatzzonen der Partnerorganisationen von Fastenaktion sind von dieser Katastrophe verschont geblieben, da sie sich im Nordwesten des Landes befinden. Dennoch zeigt das Erdbeben auf, wie zentralisiert die Politik im Land ist und wie fest Investitionen in Randregionen vernachlässigt werden. Das Fehlen und die Wichtigkeit einer holistischen Entwicklung, welche die betroffene Bevölkerung mit einbezieht, wird damit unterstrichen. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn die Regierung und die Administration keine Kapazitäten haben, sich Aufgaben mit derartiger Wichtigkeit zu stellen.

Fastenaktion und Partnerorganisationen unterstützen die ländlichen Gemeinschaften auf deren Weg zur Selbständigkeit. Erst dadurch können sie ein würdevolles Leben führen und sich eigenständig schützen vor den Folgen des Klimawandels. Somit tragen die Partnerorganisationen bei zur Stärkung der Wiederstandfähigkeit der Gemeinschaften. Ziel davon ist, dass sie ihre Bedürfnisse trotz fehlender Staatshilfe decken können.

Unsichere politische Situation

Seit 2018 befindet sich Haiti in einer politischen und sozialen Krise. Bewaffnete Gruppen kontrollieren einen grossen Teil der peripheren Quartiere, insbesondere den Ausgang der Hauptstadt, was die Versorgung dieser Regionen erschwert. Die Ermordung des Präsidenten Jovenel Moïse vom 7. Juli ergänzt die lange Liste der Instabilitäten und Besorgnissen der Haitianerinnen und Haitianer. Dies schwächt die Institutionen und verlangsamt den Service für die Bevölkerung zusätzlich.

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Stefan SalzmannStefan Salzmann

Klimagerechtigkeit: Beschleunigen statt bremsen! Bitte! Jetzt!

Am Montag erschien der neueste wissenschaftliche Bericht des UNO Weltklimarat (IPCC) zum Klimawandel. Die Aussagen alarmieren: Im IPCC Bericht steht in deutlichen Worten, dass der Einfluss der Menschen auf die Klimaerwärmung eindeutig ist. Die negativen Veränderungen sind über Jahrhunderte bis Jahrtausende unumkehrbar.

Ein Kommentar von Stefan Salzmann, Fachexperte Energie- und Klimagerechtigkeit, Fastenaktion

Der IPCC-Bericht sagt unter anderem, dass die Extreme in Zukunft noch schlimmer werden. Doch schon jetzt erleben wir: Hitze in Kanada und Griechenland, Waldbrände in Griechenland, Türkei, Russland und Kalifornien, Starkniederschläge sowie Hagelstürme in der Schweiz, Dürren im Iran als auch Rekordwerte bei der Gletscherschmelze in Grönland. Häufigkeit und Intensität von Hitzeextremen und Starkniederschlägen sowie landwirtschaftliche und ökologische Dürren werden zunehmen. Partnerorganisationen der Fastenaktion berichten bereits seit Jahren, dass solche Extreme immer häufiger werden.

 

Die Welt braucht jetzt keine Bremser, sondern Gestalter

Der Ausstieg aus fossilen Energien muss konsequent erfolgen. Fastenaktion fordert Netto-Null bis 2040 auf einem linearen Absenkpfad. Denn es ist wichtig, wie viel Emissionen wir noch ausstossen – das sogenannte CO2-Budget – und nicht nur, wann wir bei null ankommen. Doch der Bundesrat ignoriert die Dringlichkeit der Klimakrise. Heute Mittwoch formuliert er einen ungenügenden Gegenvorschlag zur Gletscherinitiative.

Mehr Klimagerechtigkeit

In der Schweiz haben wir mit der Ablehnung des revidierten CO2 Gesetzes demokratisch entschieden, dass wir lieber keinen Schritt zu mehr Klimagerechtigkeit tun als einen kleinen. Der Bundesrat folgt nun diesem mutlosen Entscheid. Dies ist umso tragischer, da viele Menschen im globalen Süden  schon jetzt massive Auswirkungen der Klimakrise spüren. Zum Beispiel auf den Philippinen: Ein Taifun hat Küstenbewohnerinnen und -bewohner gezwungen in den Slum von Manila umzusiedeln. Als Hauptleidtragende haben sie keine Möglichkeit, entscheidend etwas gegen die Klimakrise zu unternehmen. Sie verursachen die Klimaerhitzung nicht – aber sie tragen die maximalen Kosten.

Fastenaktion an der Klimakonferenz

Fastenaktion bringt diese Menschen und deren Stimme an die Klimakonferenz (COP26) in Glasgow im November. Dort müssen zu Gunsten der Leidtragenden der Klimaeerhitzung Aktionspläne verabschiedet werden – ausserhalb der politischen Verhandlungsagenda. Sich nur auf Detailverhandlungen zu fokussieren und die Dringlichkeit sofortigen Handelns auszuklammern wäre skandalös. Die Zeichen waren noch nie so deutlich wie jetzt – darum muss jetzt endlich etwas geschehen!

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Edgar Hernandez ist Theologe und Sozialarbeiter, Direktor der Caritas Verapaz. Caritas Verapaz ist ein Partner der Fastenaktion in Guatemala.

Guatemala - Keine Aussicht auf Gerechtigkeit

Vor einer Woche hat Generalstaatsanwältin Consuelo Porras den Sonderstaatsanwalt gegen Straffreiheit Juan Francisco Sandoval entlassen. Er war der letzte im guatemaltekische Staatsapparat, der versuchte gegen die grassierende Korruption zu kämpfen. Aus Angst um sein Leben und das seiner Familie, hat er sich nach El Salvador abgesetzt.

Dazu ein Interview mit Edgar Hernandez, Direktor der Fastenaktion Partnerorganisation Caritas Verapaz.

Warum musste der wichtigste Ermittler zur Korruptionsbekämpfung Juan Franzisco Sandoval fliehen?

Edgar Hernandez: Die von Sandoval geleitete Behörde Feci war aus der Uno-Kommission gegen die Straflosigkeit (CICIG) hervorgegangen. Eingesetzt wurde diese Ende 2006, um gegen Menschenrechtsvergehen durch das organisierte Verbrechen und die chronische Korruption in Guatemala vorzugehen. Doch die CICIG, die einst als Modell für eine rechtsstaatliche Wende in Zentralamerika galt, musste bereits unter Giammatteis Vorgänger Jimmy Morales das Land verlassen. Seit der Auflösung der CICIG wurde der Prozess der Ausrottung jeder Einrichtung oder Person die sich gegen Korruption in der Staatsmacht ausspricht, durch die Regierung fortgesetzt. Die Entlassung von Sonderstaatsanwalt Sandoval war nur eine Frage der Zeit, da er der Einzige war, der der korrupten Elite auf den Pelz rückte. Sandoval blieben nur zwei Möglichkeiten: Ins Exil zu gehen oder mit unbegründeten Anschuldigungen vor Gericht gestellt oder verfolgt zu werden, was sein Leben und das seiner Familie bedroht hätte.

Die guatemaltekische Bischofskonferenz protestiert gegen die Entlassung, aber hört die Regierung auf die Stimme der Bischöfe?

Der guatemaltekische Episkopat hat sich in seinem Communiqué klar geäussert. Er betont, dass die Entlassung des Sonderstaatsanwalts Sandoval für Guatemala ein «nicht wiedergutzumachendes Unrecht an der Gerechtigkeit und dem Rechtsstaat in Guatemala» sei. Er ist sich zudem bewusst, dass diese Entlassung Unruhe und Unzufriedenheit in der guatemaltekischen Bevölkerung hervorrufen wird. Mehrere Bischöfe haben in ihren Diözesen die Widerstandsdemonstrationen unterstützt und nehmen sogar daran teil. Die Regierung hört nicht mehr auf die Stimme der Bischöfe, sie sind jedoch immer noch sehr einflussreich in der guatemaltekischen Zivilbevölkerung.

Was kann Fastenaktion tun?

Die enge Solidarität mit den Partnern in Guatemala aufrechterhalten: Genaue Informationen über die Geschehnisse, insbesondere über die Geschehnisse in den einzelnen Regionen des Landes, breit veröffentlichen. Die Informationen in unseren lokalen Medien sind sehr einseitig; was über die Massenmedien Fernsehen und Radio verbreitet wird, wird von der Regierung und den Wirtschaftsmächten kontrolliert. Es wäre für uns eine grosse Hilfe, wenn die Schweizer Bevölkerung Informationen erhalten könnte, die mehr mit den Geschehnissen in Guatemala übereinstimmen.

Edgar Hernandez ist Theologe und Sozialarbeiter, Direktor der Caritas Verapaz. Caritas Verapaz ist ein Partner der Fastenaktion in Guatemala.

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Ein starkes Erdbeben verschlimmert die sowieso schon prekäre Situation in Haiti.

Der gewaltsame Tod von Präsident Jovenel Moïse und die dramatische Situation im Land gingen weltweit durch die Presse. Doch die Fastenaktion Partnerorganisationen in Haiti kämpfen seit Jahren gegen chaotische und gefährliche Zustände.

Nach dem Mord an Präsident Moïse standen die Partnerorganisationen unter Schock und waren entsetzt über die gewaltsame Tat durch ein ausländisches Kommando. Ihre Reaktion darauf: «Wir sind machtlos, dennoch geht die Arbeit weiter. Wir haben schon vor langem gelernt, auch in Ausnahmesituationen zu funktionieren. Wir leben mit Krisen und Katastrophen.» Der getötete Präsident Jovenel Moïse kann gewissermassen als Opfer des von ihm praktizierten, aus dem Ruder gelaufenen Systems bezeichnet werden.

 

Gefährliche und chaotische Zustände

Nicht erst seit seinem gewaltsamen Tod haben die Vertreter*innen der Fastenaktion Partnerorganisationen in Haiti mit den gefährlichen und chaotischen Zuständen zu kämpfen. Bereits seit Wochen ist die Nationalstrasse, die in den Süden des Landes führt und eine der wichtigsten Verbindungsstrassen ist, durch Bandenkriege blockiert und nur unter akuter Lebensgefahr passierbar. Die Politik ist hilflos und untätig. Gleichzeitig zeigt die rasche Verhaftung der möglichen Mörder von Präsident Moïse, dass die Institutionen ihre Arbeit durchaus machen können. Doch nach wie vor ist unklar, wer die Strippenzieher waren, wer die Söldner bezahlt hat, die möglicherweise nicht einmal wussten, wen sie umgebracht haben.

 

Rivalisierende Gangs

Seit über einem Monat kann an den Treibstoffstationen kein Benzin mehr gekauft werden. Einzig im Strassenhandel gibt es Benzin zu überteuerten Preisen, das entweder verdünnt oder gepanscht wird. In den Quartieren der Hauptstadt Port-au-Prince rivalisieren die Gangs untereinander. Sie kontrollieren die Quartiere, entführen Menschen und verlangen für sie exorbitant hohe Lösegelder. Die Familien der Entführungsopfer stammen mehrheitlich aus der Mittelschicht, aber auch aus ärmeren Familien. Durch das Zahlen der hohen Lösegeldforderungen verlieren sie ihre Lebensgrundlage und verarmen. Viele Gangmitglieder haben, insbesondere während den Wahlen, ihre Dienste als Sicherheitskräfte an Politiker verkauft. Auch wenn die Unruhen sich auf die Hauptstadt Port-au-Prince beschränken, betrifft die Situation die Menschen im ganzen Land. Gerade auch, weil Haiti ein sehr zentralisiertes Land ist. Die Bäuerinnen und Bauern aus dem Landesinnern sind durch die sporadisch blockierten Strassen stark eingeschränkt. Um ihre Lebensmittel in der Stadt zu verkaufen, müssen sie eine komplizierte, oftmals auch gefährliche Reise auf sich nehmen. Sie kommen erst nach Tagen in der Hauptstadt an, in der Zwischenzeit verderben die Lebensmittel.

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Das Sparofenprojekt in Kenya trägt Früchte. Weniger Emissionen für die Umwelt und mehr Lebensqualität für die Bevölkerung gehören zum Erfolg des Projekts. Es wurde initiiert der Fastenaktion und wird durchgeführt von der Diözese Kitui in Kenya.

In den ländlichen Gebieten Kenyas kochen die Frauen auf offenen Feuerstellen. Das birgt Risiken für die Gesundheit und Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner. Viele Menschen, vor allem Kinder, sind von Rauchvergiftungen, Verbrennungen und Atemwegerkrankungen betroffen. Aber auch das Klima leidet unter dieser traditionellen Kochart, die viel Rauch produziert und somit die Luft verschmutzt. Zudem wird viel abgeholzt in einer Region, wo Feuerholz ein rares Gut ist – Übernutzung und Klimawandel haben ihre Spuren hinterlassen.

Effiziente Sparöfen als Lösung

Handwerkerinnnen und Handwerker bauen Öfen mit lokal vorhandenen Materialien: Das Projekt, welches den lokalen Arbeitsmarkt in Kenya unterstützt, ist eine Bereicherung für die Familien. Im Gegensatz zum Kochen am offenen Feuer brauchen die geschlossenen Kochherde weniger Holz zum Kochen und können somit viel Geld sparen. Auch kann durch die Öfen viel Zeit eingespart werden, weil die weiten Wege zur Holzbeschaffung weniger oft gegangen werden müssen. Die gesparten Ressourcen werden investiert, zum Beispiel in Saatgut, welches zu mehr Ernte, mehr Ertrag und dementsprechend besseren Lebensverhältnissen führt. Auch die Sicherheit ist gewährleistet. Die energieeffizienten Kochöfen produzieren viel weniger Rauch, was der Gesundheit und Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohnern, sowie dem Klima zu Gute kommt. Sowohl durch die geringere Rauchproduktion wie den geringeren Bedarf an Holz kann viel CO2 kann eingespart werden. Weniger Holzverbrauch bedeutet auch weniger Abholzung, was wiederum mehr Bäume für die lebensnötige Photosynthese übriglässt. Dadurch wird die Umweltverschmutzung reduziert.

Mann und Frau beim Ofenbau

Ganz nebenbei tragen die Öfen auch zu mehr Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen bei, denn das Projektteam der Diözese Kitui bildet sowohl Männer wie Frauen darin aus, selbständig Öfen zu bauen und so ein regelmässiges Einkommen zu gewinnen. «Die Öfen schaffen eine gute Umwelt und mehr Lebensqualität für die Menschen», so Mary Mulinga, die seit sieben Jahren mit ihrem Mann zusammen Öfen baut.

Den eigenen CO2-Verbrauch kompensieren 

Das energiesparende Projekt der Diözese Kitui wird inzwischen zum Teil über die Klima-Kollekte finanziert.  Falls Sie ihre Heizung, Veranstaltungen, Flüge oder ihren Transport allgemein kompensieren möchten, können Sie dies über diese kirchennahe Organisation tun – und damit das Projekt unterstützen. Auch Fastenaktion kompensiert seinen CO2-Verbrauch über die Klima-Kollekte.

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Bei Hungerkrisen, werden im Süden Madagaskars Feigenkakteen an die Zeburinder verfüttert.Bei Hungerkrisen bleiben den Menschen im Süden Madagaskars oft nur die Früchte der Feigenkakteen. Die Blätter verfüttern sie an ihre Zeburinder.

Die Situation im Süden Madagaskars hat sich verschlechtert: Unzureichende Regenfälle, steigende Nahrungsmittelpreise und Sandstürme haben die Ernährungsunsicherheit erhöht. Rund zwei Drittel der Bevölkerung benötigen dringende Massnahmen, um ihre Lebensgrundlagen zu schützen, das Nahrungsdefizit zu reduzieren und ihr Leben zu retten.

Die Aussichten für die Bevölkerung im Süden Madagaskars sind kritisch. Die Zahl der Menschen in akuter Ernährungsunsicherheit wird auf über 1.3 Millionen ansteigen. Da die letzten beiden Regenzeiten völlig unzureichend waren, gibt es von April bis September kaum etwas zu ernten. Die Hoffnung auf die dürreresistenten Feldfrüchte wurde durch Stürme zerstört, welche diese ausgetrocknet haben.

Hungerkrise mit schlimmen Folgen

Die Produktion von Reis, Hülsenfrüchten und anderen lokalen Grundnahrungsmitteln wird zwischen 60-75 Prozent tiefer ausfallen als bisher. Die Nahrungsmittelpreise waren aufgrund von Covid-19 bereits angestiegen, nun steigen sie noch höher. Ohne Hilfe von aussen sind viele Haushalte gezwungen, Vieh oder ihren Hausrat und sogar Kochutensilien zu verkaufen, um zu überleben – mit schwerwiegenden Folgen für die kommenden Jahre.

Jetzt ist Hilfe dringend nötig

Die Fastenaktion-Partnerorganisation Taratra realisiert in den beiden Distrikten Ampanihy und Betioky das Projekt Tsinjo Aina mit Spar- und Solidaritätsgruppen und ein Wasserprojekt in Zusammenarbeit mit dem Deza-Wasserkonsortium. Mit Direktzahlungen und der Verteilung von Grundnahrungsmitteln Reis, Bohnen und Öl unterstützt Taratra nun die Familien dabei, ihre Lebensgrundlagen zu schützen. Zudem ermöglicht die Verteilung von Saatgut den Menschen, ihre Nahrungsmittel nach der Hungerkrise wieder selbst zu produzieren. 15’750 Menschen aus 35 Dörfern werden durch dieses Nothilfeprojekt der Fastenaktion unterstützt.

14. 07. 2021: Die HIlfe von Taratra und Fastenaktion (Action de Carême) in Midi Madagaskara – PDF en français

14.07.2021: Article Midi Madagaskara

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Menschenrechte bleiben zentrales Thema für Fastenaktion

Vor 10 Jahren, am 16. Juni 2011, wurden am Uno-Menschenrechtsrat die Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte verabschiedet. Es wurde zum ersten Mal international bestimmt, dass Unternehmen eine Verantwortung für die Respektierung der Menschenrechte haben. Die Erwartungen – auch der Fastenaktion – waren gross.

Regelmässig konfrontiert mit den zerstörerischen Auswirkungen von wirtschaftlichen Grossprojekten in unseren Projekten, begrüsste Fastenaktion damals die Uno-Leitlinien. Wir hofften, dass sich durch die Umsetzung der Leitlinien in den Staaten, wo die Konzerne ihren Sitz haben, die Situation vieler armer Menschen im Süden verbessern würde. In der Schweiz begann Fastenaktion – zusammen mit andern Organisationen – einen Dialog mit den Behörden rund um die Umsetzung der Leitlinien. Allerdings zeigte sich schnell, dass Verwaltung und Politik hierzulande in keiner Weise bereit waren, die Leitlinien über freiwillige Standards hinaus zu konkretisieren.
 
Ernüchtert, weil der Dialog mit der Schweizer Regierung nicht vom Fleck kam, lancierte Fastenaktion mit zahlreichen anderen Organisationen daraufhin die Konzernverantwortungsinitiative. Das Abstimmungsresultat vom November 2020 ist bekannt: Das Volk sprach sich mehrheitlich für die Initiative aus, die Stände mehrheitlich dagegen. Durchgesetzt hat sich ein Gegenvorschlag, der weder der Problematik noch der internationalen Entwicklung gerecht wird. Das neue Gesetz wird nun durch die vom Bundesrat vorgeschlagene Verordnung gar noch weiter abgeschwächt.
 
Während die Schweizer Regierung auf wirkungslose Konzepte setzt, gehen andere Länder voran: In den letzten Monaten wurden in Norwegen, Belgien und den Niederlanden konkrete Gesetzesentwürfe diskutiert, die Regierungskoalition in Deutschland hat sich auf ein Lieferkettengesetz geeinigt, in Frankreich besteht seit mehr als drei Jahren ein entsprechendes Gesetz und auf EU-Ebene ist eine Gesetzesvorlage in Verhandlung. Die Uno macht ebenfalls vorwärts mit der Erarbeitung eines neuen Abkommens, mit dem die Wirtschaft nun verbindlich in die Verantwortung genommen werden soll.
 
Zehn Jahre nach der Verabschiedung der Uno-Leitlinien ist in der Schweiz fast nichts geschehen. Für Fastenaktion, das sich für die Rechte der Menschen im globalen Süden einsetzt, war die Abstimmung über die Konzernverantwortungsinitiative deshalb kein Schlusspunkt. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass Konzerne für die Schäden, die sie verursachen, geradestehen müssen – und dies weltweit.Solange die Menschen, mit denen wir arbeitenm, regelmässig berichten, dass sie keine Mitsprache bei Bergbauprojekten oder grossen Staudämmen in ihrer Region habenn, dass ihr Wasser oder ihre Böden vergiftet oder sie gar gewaltsam von ihrem Land vertrieben werden, bleiben wir dran.   

Daniel Hostettler, Leiter Internationale Programme, Fastenaktion

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Samrat Katwal ist Koordinator der Fastenaktion für die Projekte in NepalSamrat Katwal ist Koordinator der Fastenaktion für die Projekte in Nepal

Vor wenigen Wochen sah es in Nepal noch ganz aus, dass die Pandemie das Land nicht so hart treffen würde. Doch nun, Mitte Mai, erzählt Fastenaktion- Koordinator Samrat Katwal im Interview, wie schlimm das Virus mittlerweile wütet.

Wie präsentiert sich die Lage derzeit in Nepal?

Die zweite Welle hat das Land schwer erwischt. Am 12. April verzeichneten wir noch 303 neue Ansteckungen pro Tag, nun sind es täglich mehr als 9000. Über 4’000 Menschen haben ihr Leben verloren. Schätzungsweise 80’000 Menschen befinden sich in Quarantäne.  Experten warnen vor einem Anstieg der Todesfälle in den kommenden Wochen, da das Gesundheitssystem komplett überfordert ist. So ist in der Hauptstadt Kathmandu den meisten Krankenhäusern der Sauerstoff ausgegangen und Patienten werden abgewiesen. Mit dem Beginn des erneuten Lockdowns Ende April waren die Menschen gezwungen, in überfüllten Bussen zurück in ihre Dörfer fahren. Das leistet der Ausbreitung der Pandemie in abgelegenen Dörfer ohne medizinische Versorgung Vorschub.. Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht, da weniger als zwei Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft sind. Zudem wird das Land von einer politischen Krise erschüttert, nachdem der Premierminister Khadga Prasad Sharma Oli eine Vertrauensabstimmung im Repräsentantenhaus verloren hat und nur noch als Übergangspremier weiterregieren darf.

Gab es in Nepal je eine vergleichbare gesundheitliche Krise?

Zwar kennt fast jede Region Nepals Sagen über eine unbekannte Krankheit, die eine ganze Siedlung ausgelöschte. Und wir kennen Infektionskrankheiten wie Cholera, woran 2009 über 500 Menschen starben. Daneben  gibt es saisonale Ausbrüche von Magen-Darm-Infektionen, Typhus, Malaria, Grippe, Japanische Enzephalitis und Hepatitis A. Doch eine Pandemie in diesem Ausmass gab es in Nepal noch nie.

Kann die Projektarbeit unter diesen Umständen fortgesetzt werden?

Sowohl die Verantwortlichen der Projekte wie die Koordinationspersonen der Fastenaktion haben  enge Freunde oder Familienmitglieder, die an Covid-19 erkrankt sind. Glücklicherweise sind die meisten von ihnen bereits wieder auf dem Weg der Besserung.

Unsere Priorität bleibt die Sicherheit der Mitarbeitenden und der Menschen in den Projekten. Generell können wir jedoch feststellen, dass Projekte in den abgelegenen Teilen Nepals ihre Aktivitäten aufrechterhalten können unter Einhaltung der entsprechenden Vorsichtsmassnahmen. Nur die Partnerorganisationen in der Hauptstadt in der Hauptstadt müssen sich jedoch auf virtuelle Mittel beschränken.

In Regionen, die besonders von der Pandemie betroffen sind, arbeiten die Projekte eng mit den lokalen Behörden, um diese bei der Bewältigung der Pandemie zu unterstützen. Während der ersten Welle im vergangenen Jahr haben sie unter anderem telefonische Beratung für Opfer häuslicher Gewalt angeboten und die Menschen für die Hygienemassnahmen und das Maskentragen sensibilisiert. Dieses Jahr schlägt die Pandemie aber viel stärker zu und gleichzeitig müssen viele Gemeinden sparen, was die Partner mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert.

Sind Impfprogramme gestartet, sind diese ein Ausweg aus der Pandemie?

Nepal hat seine Impfkampagne am 27. Januar gestartet, mit dem von Indien hergestellten Impfstoff Covishield vom Typ AstraZeneca. Die Kampagne startete mit einer Million Impfdosen, die Indien zur Verfügung gestellt hatte. Kurz darauf wurden von der Regierung zwei weitere Millionen Dosen gekauft. Davon wurde eine Million geliefert und in alle Distrikte Nepals verteilt und verimpft. Doch nach dem rasanten Anstieg der Ansteckungen, hat Indien den Export von Covishield gestoppt. Es ist fast unmöglich, weiteren Impfstoff einzuführen. Die restlichen bezahlten Dosen wurden immer noch nicht geliefert. Das führt natürlich zu einer grossen Ungewissheit bei den Menschen und selbst die Regierung weiss nicht, wann für alle eine zweite Dosis erhältlich sein wird.

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Tobias Buser ist bei Fastenaktion verantwortlich für die Programme in Indien und Madagaskar.

Indien fehlt es an Sauerstoff, Krankenhausbetten und medizinischer Versorgung. Tausende Menschen sterben täglich. Die indische Corona-Variante ist hochansteckend. Unser Programmverantwortlicher Tobias Buser hat mit Menschen vor Ort gesprochen. 

Wie kommt ihr mit der Situation zurecht, wie geht es euch?

Da sich Indien in einem Zustand des totalen Chaos und der Angst befindet und verschiedene lokale Lockdowns verhängt wurden, fällt es uns allen schwer, uns von der allgemeinen Aufregung und der offensichtlichen Krise nicht anstecken zu lassen. Im Vergleich zur ersten Welle, bei der wir und unsere Familien keine Covid-19-Todesfälle zu beklagen hatten, sind jetzt Menschen aus dem Umfeld von Projektmitarbeitenden an der mutierten Virusvariante gestorben. Glücklicherweise haben sich die Mitarbeitenden selbst und die Gemeinschaften der Adivasi und Dalit, mit denen sie arbeiten, bis jetzt nicht angesteckt. Sie haben den Mut nicht verloren und Zähigkeit bewiesen, indem sie die Projektarbeit per Handy weiterführen, wo der direkte Kontakt aufgrund von Lockdowns nicht möglich ist.

Wie kann die Projektarbeit unter diesen Umständen fortgesetzt werden?

Aufgrund strenger Reisebeschränkungen konnten sich die Organisationen des Landesprogramms Indien nicht mehr auf regionaler Ebene  in Netzwerken von 20-30 Dörfern treffen. Die Projektverantwortlichen waren deshalb gezwungen, die Vernetzung der Solidaritätsorganisationen auf 5-10 Dörfern zu beschränken. Das erlaubt ihnen, die Arbeit innerhalb der behördlichen Richtlinien fortzusetzen. Diese kleinen Netzwerke, die im letzten Jahr während der ersten Pandemiewelle aus der Not heraus ins Leben gerufen wurde, arbeiten gut, und wir erreichen unsere Zielgruppen nach wie vor. Einfach weniger Personen aufs Mal. Trotz der absoluten Unsicherheit und des fragilen Gesundheitssystems im Land haben die Partnerorganisationen mutig weitergemacht. Da der Empowerment-Prozess, welcher die Netzwerke fördert und stärkt, hauptsächlich von Animatorinnen und Animatoren getragen wird, die entweder selber aus den Dalit- oder Adivasigemeinschaften kommen oder diese sehr gut kennen, wurde die Projektarbeit bisher kaum beeinträchtigt. Bereits vor der Pandemie haben wir uns darauf konzentriert, starke Führungspersonen direkt aus den Zielgruppen heraus aufzubauen. Und nun sind sie es, die im Landesprogramm für eine reibungslose Kontinuität der Projektarbeit auf Dorfebene sorgen.

Im globalen Norden ist die Impfung gegen Covid-19 das alles bestimmende Thema. Ist das bei den indigenen Gruppen der Adivasi und Dalit auch so?

Die Ungewissheit über die Nebenwirkungen und die öffentlich gewordenen Fälle über Komplikationen nach der Impfung führen unter den Partnerorganisationen und der Zielbevölkerung zu Skepsis. Abgesehen davon herrscht hier zurzeit Impfstoffknappheit, und es sieht nicht danach aus, als würde sich die Situation in absehbarer Zeit verbessern.

Der Glaube der Adivasi und Dalit an die traditionelle Kräutermedizin und das Vertrauen in die traditionellen Heiler/innen führt aus ihrer Sicht zu einer Stärkung des Immunsystems und schützt sie so ausreichend vor dem Virus. Die Menschen in unseren Zielgruppen zeigen zum jetzigen Zeitpunkt wenig Bereitschaft, sich impfen zu lassen.

Was fehlt und was braucht es am dringendsten?

Der Zugang zur medizinischen Grundversorgung hat für sie oberste Priorität. Da das Gesundheitssystem aktuell völlig zusammengebrochen ist, sterben viele Menschen an eigentlich einfach zu behandelnden Krankheiten, weil sie keinen Zugang zu einer Behandlung oder zu Medikamenten haben. Zudem wäre es für Arbeit, die Schule und die Familie dringend nötig, dass die Bewegungsfreiheit wieder ausgedehnt wird.

Wie sieht es mit Nahrung und Arbeit aus? Wie können die Menschen ihren Lebensunterhalt in der Pandemie sichern?

Die Lockdowns und die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit im ganzen Land haben die meisten Erwerbsmöglichkeiten für die Menschen, mit denen wir arbeiten, zum Erliegen gebracht – zum Beispiel staatliche Arbeitsbeschaffungsprogramme. Doch da wir den Fokus in den letzten Jahren konsequent auf die Landwirtschaft zur Selbstversorgung gelegt haben, kommt uns das nun zugute. Die Gemeinschaften konnten ihre grundlegende Ernährung während der Pandemie sicherstellen. Zudem haben die Partnerorganisationen in der Pandemie die Zusammenarbeit mit ihren jeweiligen Distrikt- und Gesundheitsverwaltungen verstärkt, um die Verteilung von Reis, Nahrungsmitteln, Masken und Medikamenten und anderen lebenswichtigen Dingen an die Gemeinschaften zu unterstützen.

Hat es in Indien schon einmal eine ähnliche Katastrophe im Bereich der öffentlichen Gesundheit gegeben?

Zwar gab es in der Vergangenheit Naturkatastrophen und Unglücke, aber eine landesweite Katastrophe in diesem Ausmass hat es in Indien seit der Unabhängigkeit noch nie gegeben.

Unterstützen Sie die Menschen in unseren Projekten - gerade jetzt!

Wir danken für Ihre Spende.

Es regnet nicht im Süden von Madagaskar. Dies ist ein grosses Problem für die Bevölkerung des Inselstaats, eines der ärmsten sowie am stärksten vom Klimawandel betroffenen Ländern der Welt.

Vier von fünf Personen leben unter der Armutsgrenze. Die derzeitige Trockenzeit verschlimmert die Situation stetig. Kein Regen bedeutet ein enormer Wassermangel in einem Land, wo sowieso nur eine von drei Personen Zugang zu sauberem Trinkwasser hat. Zudem trocknen die Felder aus, was zu extremen Ernteverlusten führt und die limitierte Produktion der Lebensmittel lässt die Preise steigen. Die Folgen liegen auf der Hand: Hunger, Mangelernährung, Krankheiten, Todesfälle.

Schlechte Prognose

Knapp die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner des südlichen Madagaskars leben in Ernährungsunsicherheit, 14 000 Personen davon befinden sich in einer katastrophalen Situation. Dieser Zustand droht sich zu verschlimmern und bis mindestens Ende Jahr anzudauern. Vermehrt verkaufen Familien ihre Rinder und Schafe sowie Küchenutensilien, um mit dem geringen Erlös immerhin ein bisschen Reis oder Linsen zu erwerben. Diese Notreaktion hat jedoch gravierende Folgen für ihre Zukunft, da sie plötzlich mit ganz leeren Händen dastehen.

Klimagerechtigkeit – jetzt!

Die prekäre Lage in Madagaskar ist ein Beispiel für die Auswirkungen des Klimawandels. Lange Trockenzeiten, geringere Ernteerträge, Sandstürme – Katastrophen, für die wir mitverantwortlich sind, sie jedoch nicht selbst tragen müssen. Nebst den klimawandelbedingten Veränderungen hat Covid-19 die Inflation vorangetrieben und die Arbeitslosenquote ist in die Höhe geschnellt.

Helfen Sie jetzt den Menschen in Madagaskar

Wir danken herzlich für Ihre Spende.

Corona hat die Sterblichkeit, das Leiden und die Ungerechtigkeit weltweit erhöht. Unterstützung, die schon vor Ausgangssperren, Schulschliessungen und anderen einschränkenden Massnahmen wichtig war, ist jetzt lebensnotwendig. Unsere Arbeit in den Projekten sowie die Solidarität sind wichtiger denn je.

Zahlreiche Probleme in Zeiten von Corona liegen auf der Hand, zum Beispiel die steigende Anzahl hungernder Menschen aufgrund erhöhter Lebensmittelpreise. Andere Hürden sind weniger transparent, jedoch nicht minder besorgniserregend. Mädchen, die nicht nur wegen ausfallender Schulstunden, sondern gleich noch mit einer frühen Schwangerschaft zu kämpfen haben oder Sans-papiers, welche trotz existenzbedrohender Lebensverhältnisse keinen Impftermin erhalten. Solche Geschichten drohen unterzugehen in den weltweiten Corona-Schlagzeilen zu Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Deshalb gibt Fastenaktion diesen Menschen eine Stimme und Perspektiven.

Wenn alle Stricke zu reissen drohen

In schwierigen Zeiten tendieren wir dazu, uns auf das Negative zu konzentrieren. Umso wichtiger ist es uns, auch die guten Erfahrungen und Hoffnungen unserer Projektpartner zu teilen. So haben kenyanische Frauen wegen der Corona-Ausnahmesituation von ihren Männern mehr Respekt für ihre Arbeit erhalten. Dies könnte den Weg ebnen zu mehr Geschlechtergerechtigkeit auch nach der Pandemie. Wo kein Verlass ins Gesundheitssystem ist, wird immerhin Vertrauen geschenkt:In den Philippinen, wo die Regierung versagt, bieten die Bischöfe moralische Unterstützung. In anderen Ländern wie Guatemala zeigt sich die Solidarität von innen – trotz Armut teilen die Indigenen mit den Bedürftigen, dies ist Teil ihrer Kultur. 

Erfahren Sie mehr zu Corona in unseren Projekten.

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