Die Koalition für Konzernverantwortung, in der Fastenaktion aktives Mitglied ist, hat eine Petition lanciert. Innerhalb von 100 Tagen sollen 100 000 Unterschriften zusammenkommen, damit der Bundesrat endlich ein Gesetz zur Rechenschaftspflicht multinationaler Unternehmen nach dem Vorbild der Europäischen Union erarbeitet. Unterzeichnen auch Sie die Petition!
Die Koalition für Konzernverantwortung, in der Fastenaktion aktives Mitglied ist, hat eine Petition lanciert. Innerhalb von 100 Tagen sollen 100 000 Unterschriften zusammenkommen, damit der Bundesrat endlich ein Gesetz zur Rechenschaftspflicht multinationaler Unternehmen nach dem Vorbild der Europäischen Union erarbeitet. Unterzeichnen auch Sie die Petition!

Ein Kommentar von François Mercier, Verantwortlicher für Rohstoffe und Menschenrechte bei Fastenaktion

Erinnern Sie sich noch an den Abstimmungskampf über die Konzernverantwortungsinitiative im Herbst 2020? Bundesrätin Karin Keller-Sutter bekämpfte die Initiative und versicherte gleichzeitig dem ganzen Land, dass die Schweiz ein «international abgestimmtes Gesetz» brauche und dass multinationale Unternehmen in der Schweiz und in der EU «gleich lange Spiesse» haben müssten.

Nun hat die Europäische Kommission Ende Februar 2022 einen Gesetzesentwurf über die Verantwortung multinationaler Unternehmen vorgelegt, der bald für alle Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden in der EU gelten könnte. Die Unternehmen sollen verpflichtet werden, alle ihre wichtigen Geschäftsbeziehungen auf mögliche Umweltverschmutzungen oder Menschenrechtsverletzungen zu überprüfen. Wenn also ein europäisches Unternehmen Materialien von einem ausländischen, beispielsweise einem asiatischen Lieferanten bezieht und dieser seine Arbeitnehmenden ausbeutet, ist das Unternehmen in der Pflicht, diese Praktiken zu stoppen. Zudem sollen Missbräuche zum Vornherein verhindert werden.

Schweizer Bergbauunternehmen verletzen Menschenrechte
Das europäische Gesetz sieht auch wirksame Durchsetzungsmechanismen vor. Eine Aufsichtsbehörde wird Geldstrafen verhängen können, und es soll möglich sein, bei einem europäischen Gericht Klage gegen Missbrauch durch Tochtergesellschaften oder Zulieferer der europäischen Unternehmen zu erheben. Schliesslich müssen europäische multinationale Unternehmen über die Schritte informieren, die sie zur Einhaltung der Ziele des Pariser Klimaabkommens unternehmen.

Der europäische Gesetzesentwurf stellt einen grossen Fortschritt dar. Denn in den armen Regionen des globalen Südens leiden weiterhin viele Menschen unter der Ausbeutung oder der Verschmutzung durch die Geschäftspartner von multinationalen Unternehmen aus der Schweiz und Europa. Fastenaktion prangert solche Praktiken, insbesondere von Schweizer Bergbauunternehmen, regelmässig an.

Wir brauchen ein Gesetz zur Rechenschaftspflicht
Im Vergleich zum geplanten europäischen Gesetz verlangt der am 1. Januar 2022 in der Schweiz in Kraft getretene, indirekte Gegenvorschlag des Parlaments nur eine begrenzte Sorgfaltspflicht, und die Unternehmen können nicht für Missbräuche im Ausland zur Verantwortung gezogen werden. Keine Aufsichtsbehörde kontrolliert die Unternehmen oder ist befugt, Sanktionen zu verhängen. Wird die Schweiz also bald das einzige Land in Europa sein, in dem es kein wirksames Gesetz zur Rechenschaftspflicht multinationaler Unternehmen gibt? Es ist höchste Zeit, Karin Keller-Sutter dazu aufzufordern, ihre Versprechen zu halten!

Unterstützen Sie deshalb bitte die Petition für ein Konzernverantwortungsgesetz: Jetzt unterzeichnen!

Unterstützen Sie die Menschen, die ihr Leben selber in die Hand nehmen wollen.

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Germain Nyembo
In der Geschichten-Reihe «Stimmen aus dem Süden» berichten unsere Koordinator:innen über die Lebensumstände in ihren Ländern. Der Krieg in der Ukraine hat auch Auswirkungen auf das Leben der Menschen in unseren Projektländern.  Sie wissen bald nicht mehr, wie sie noch über die Runden kommen sollen. In diesen harten Zeiten sind die Programme von Fastenaktion ein Lichtblick und geben den Menschen Zuversicht.

Hier folgt die Stimme von Germain Nyembo, Koordinator Demokratische Republik Kongo bei Fastenaktion.

«Drei Viertel der kongolesischen Haushalte, einschliesslich der Menschen, die in unseren Projekten arbeiten, leben unterhalb der Armutsgrenze. Die Preise für Grundnahrungsmittel sind rasant gestiegen, was sich auf den Warenkorb der Haushalte auswirkt. Maismehl, Reis, Zucker, Austernpflanzen, Seife, Medikamente, Tomaten, Brot, Öl, Benzin, Diesel, krankheits- und schädlingsresistentes Saatgut und Dünger sind teuer und werden knapp.

Die Regierung hat die russische Invasion in der Ukraine scharf verurteilt. Unser Land hat nacheinander für zwei UN-Resolutionen gestimmt: diejenige, die verlangt, dass Russland die Gewalt gegen die Ukraine unverzüglich einstellt, und den Ausschluss Russlands aus dem Menschenrechtsrat. Damit hat sich unsere Regierung von der Position einiger afrikanischer Länder, die sich der Stimme enthalten haben, abgegrenzt. Sie scheint sich des Ernstes der Lage bewusst zu sein und verbündet sich mit dem Rest der internationalen Gemeinschaft, um ein Ende der Feindseligkeiten zu erreichen.

Die beschränkten Nahrungsmittel werden zusammengelegt und nach dem Kochen untereinander aufgeteilt.
Einheimische Produktion sichert Versorgung
Wir befürchten, dass die Menschen in unseren Projekten noch tiefer in die ständige Ernährungsunsicherheit und in extreme Armut getrieben werden. Für sie ist es wichtig, dass wir unermüdlich an der Entwicklung nachhaltigerer und längerfristiger Ernährungssysteme arbeiten, die auf eine solidarische Gemeinschaft und ausreichend Nahrung ausgerichtet sind. Wir wollen uns auf Regierungsebene und bei den internationalen Partnern dafür einsetzen, dass die einheimische Produktion gefördert wird und die landwirtschaftlichen Versorgungswege verbessert werden. Die überhöhte Besteuerung von Lebensmitteln muss abgeschafft und ein günstiges Handelsumfeld geschaffen werden.»

Unterstützen Sie unser Landesprogramm in der Demokratischen Republik Kongo

Dank Fastenaktion lernen die Familien verbesserte Anbautechniken kennen. Mit organischer Düngung und einer sinnvollen Fruchtfolge wird die Bodenfruchtbarkeit erhalten und die Produktion erhöht. Mit der Einführung von verbessertem Getreide- und Gemüsesaatgut und dank selbst angelegten Fischteichen erreichen die Familien eine ausgewogenere Ernährung.
Die burkinische Bäuerin Safiotou Sanfo am Hirseernten
Agrarmulti Syngenta behauptet, weil wir in Europa Bioprodukte essen, leiden Menschen in Afrika an Hunger – eine ziemlich verkürzte Sichtweise.

Ein Kommentar von Christa Suter, Verantwortliche für Agrarökologie bei Fastenaktion

Der Chef des Agrarmultis Syngenta hat in einem Bericht der NZZ am Sonntag vom 08.05.22 angesichts der drohenden Ernährungskrise eine neue Ausrichtung der Landwirtschaft und Steigerung der Agrarproduktion gefordert. Nicht mit Bio, sondern mit den teuren Produkten von Syngenta. Denn Bio habe bis zu 50 Prozent weniger Erträge, fördere den Landverbrauch und schade sogar dem Klima. Die indirekte Folge sei, dass Menschen in Afrika hungern, weil wir immer mehr Bioprodukte essen.

Biologische Landwirtschaft ist nachhaltig
Das mag für Syngenta wohl verkaufsfördernd sein, stimmt aber nicht mit der Realität überein. Langjährige Erfahrungen von Fastenaktion zeigen, dass eine nachhaltige Landwirtschaft zu weniger Hunger führt. Die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in den Landesprogrammen von Fastenaktion setzen auf lokales bäuerliches Saatgut und wenden agrarökologische Methoden an, damit sie ihre Ernährungssouveränität stärken können. Gerade internationale Krisen, wie die Klimakrise, Covid-19 oder nun auch der Krieg in der Ukraine, bestärken uns in der langjährigen Arbeit, die lokalen Ernährungssysteme zu fördern und gegen die Abhängigkeit von internationalen Agrarfirmen zu schützen.

Intensive Landwirtschaft birgt grosse Risiken
Mit unserer politischen Arbeit stärken wir die Rechte der Bäuerinnen und Bauern und unterstützen sie in ihrer Selbstbestimmung, welche Art der Landwirtschaft sie umsetzen wollen. Denn die Anbaubedingungen im ländlichen Afrika, mit sehr kleinen Anbauflächen und geringen Möglichkeiten für den Kauf von teuren Agrochemikalien, sind grundlegend verschieden zu hochintensivierten Monokulturbetrieben in Europa oder Amerika. Im Gegenteil, die Intensivierung der Landwirtschaft mit teuren und zudem umweltschädigenden Inputs birgt grosse Risiken und gefährdet die Lebensgrundlage der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern.

Agrochemikalien führen zu Verunreinigungen
Die intensive konventionelle Landwirtschaft hat über Jahre die Böden verunreinigt. Die agrarökologischen Methoden fördern die Bodenfruchtbarkeit und ermöglichen den Aufbau von Humus, der zudem CO2 im Boden bindet.* Insbesondere verhindert der agrarökologische Ansatz sämtliche negativen Auswirkungen wie die Verunreinigung von Boden und Wasser oder gesundheitliche Schäden durch Agrochemikalien.

Nachhaltige Landwirtschaft vermindert Hunger
Eine differenziertere Debatte wäre dringend nötig. Der Hunger in der Welt hat vielschichtige Ursachen und kann nicht nur durch eine möglichst hohe Produktion gemindert werden. Bestehende Machtstrukturen müssen hinterfragt werden. Der Agrarmarkt darf nicht durch einige wenige internationale Firmen beherrscht werden, die diktieren, was die beste Anbaumethode ist und welches Saatgut angebaut werden darf. Auf der Erde kann genügend Lebensmittel für alle Menschen produziert werden, wenn die Produktion lokal und den regionalen Bedürfnissen angepasst erfolgt. Zugang zu eigenem Land und eine nachhaltige agrarökologische Landwirtschaft wie sie Fastenaktion unterstützt ist daher unabdingbar.

*Wissenschaftlich ist es nicht ausreichend belegt, dass Bio dem Klima schaden würde. Eine Studie, die CO2 Emissionen von Biolandwirtschaft und konventioneller Landwirtschaft verglich, kam zum Schluss, dass ein Hektar Bio-Land 10% mehr Kohlenstoff bindet als konventionell bewirtschaftetes.
Zitat von FIBL Chef Knut Schmidtke 

Unterstützen Sie Bäuerinnen und Bauern und ihr Recht auf das eigene Saatgut