Überschwemmungen Guatemala 2020

Im November 2020 verursachten die Wirbelstürme Eta und Iota verheerende Schäden in Guatemala. Betroffen waren vor allem die Menschen in der abgelegenen Berglandschaft im Norden, wo mehrere Projekte von Fastenaktion arbeiten. Dank ihrer Katastrophenteams konnte die Schweizer Regierung umgehend auf die Bitte der guatemaltekischen Regierung nach humanitärer Hilfe reagieren. Eine kurze Bilanz.

Aufgrund seiner geografischen Lage war Guatemala schon immer von Naturkatastrophen bedroht. Mit dem fortschreitenden Klimawandel nehmen Wirbelstürme, lang anhaltende starke Regenfälle, Überschwemmungen, Dürren und Waldbrände noch zu. Im November 2020 liessen sintflutartige Regenfälle zahlreiche Hänge – und mit ihnen Häuser und Felder – abrutschen. Grosse Teile der Mais und Bohnenernten wurden zerstört, Tausende von Familien standen vor dem Nichts.

Wie sich die Schweiz in Zentralamerika auf Katastrophen vorbereitet

Zum einen unterhält die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) in Zentralamerika eine Grupo de Intervención y Apoyo Rápido (GIAR), die sich aus lateinamerikanischen Experten für humanitäre Hilfe zusammensetzt. Als zweites haben die Schweizer Botschaften und sechs in Zentralamerika tätige Schweizer Hilfswerke 2013 ein lokales Nothilfeteam gegründet: das Equipo de emergencia local EEL. Ziel beider Organisationen ist es, die Nothilfe aus der Schweiz rasch und effizient zur betroffenen Bevölkerung zu bringen. In den letzten fünf Jahren übernahm die lokale Koordination der Fastenaktion die Aufgabe, das EEL zu koordinieren.
Die Mitglieder des EEL treffen sich regelmässig zum Austausch und es finden gemeinsame Ausbildungen zum Umgang mit Katastrophen für die lokalen Partnerorganisationen der Hilfswerke statt. Auch gibt es regelmässigen Austausch mit den Expertinnen und Experten von GIAR.

 

Nothilfe Guatemala/Alta Vera Paz 2020

Gemeinsamer Einsatz für 1700 Familien

Nach den Wirbelstürmen und den so noch nie dagewesenen, Überschwemmungen im November 2020 haben die beiden Organisationen zum ersten Mal eng zusammengearbeitet. Ihr Einsatz fand während 22 Tagen in einem der am stärksten betroffenen Gebiete, in San Pedro Carchá/Alta Verapaz, statt. Bei der konkreten Verteilung der Nothilfe erwies sich die Asociación T’zuul Taq’a als wichtige Stütze. Sie ist seit mehr als zehn Jahren Partnerorganisation der Fastenaktion und ihr Team verfügt über solides Wissen zur Region und spricht die lokale Sprache Q’eqchi. Auch waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von T’zuul Taq’a sehr motiviert und solidarisch mit der Bevölkerung. Während der gemeinsamen Aktion konnten mehr als 1700 Familien mit dringend notwendigen Lebensmitteln, Trinkwasser, sowie Hygiene- und Schutzmaterial gegen Covid-19 versorgt werden.

Nothilfe Guatemala Alta Verapaz: Registration

Nothilfe: Je koordinierter, desto wirksamer

Nicht nur die Schweizer Organisationen arbeiteten zusammen: Sie stimmten ihren Einsatz auch ab mit der humanitären Hilfe anderer Länder, der Vereinten Nationen sowie der staatlichen Katastrophenhilfe. Bei der Auswertung wurde diese Erfahrung von allen Beteiligten als erfolgreich eingestuft: Alle waren gegenseitig über die Aktionen der andern informiert und hielten sich an die ihnen zugewiesenen Rollen. Dadurch konnten in einer Rekordzeit von nur einer Woche die dringend benötigte humanitäre Hilfe geleistet werden. Insgesamt wurden 73 Tonnen lebenswichtige Hilfsgüter an betroffene Familien in 14 grossen abgelegenen Gemeinden abgegeben.

Überschwemmungen Guatemala 2020

Rückkehr zum normalen Leben braucht Zeit

Dank der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen der lokalen Fastenaktion-Partnerorganisation T’zuul Taq’a, mit dem EEL und GIAR werden die betroffenen Familien in Alta Verapaz nun auch beim Wiederaufbau unterstützt. Sie erhalten Bargeld, das sie für ihre Grundbedürfnisse einsetzen können: Nahrungsmittel, Trinkwasser, Saatgut, die Reparation und den Neubau von Häusern oder Hygieneartikel wie Seife, Binden und Desinfektionsmittel. Das Ziel ist, dass alle wieder so leben können, wie vor der Katastrophe. Denn erst wenn die grundlegenden Bedürfnisse nach Sicherheit – genug zu essen, ein Dach über dem Kopf – gedeckt sind, ist es für die Familien auch wieder möglich, sich Entwicklungsprojekten zuzuwenden.

Yojana Miner
Mitglied des Koordinationsteams der Fastenaktion und HEKS
Koordinatorin des EEL Guatemala

Um den Wiederaufbau im Norden von Guatemala weiter unterstützen zu können, sind wir froh um jede Spende. 
Hier finden Sie mehr Informationen zum Guatemalaprogramm der Fastenaktion und HEKS allgemein.

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Fastenaktion und HEKS sind enttäuscht über das Nein zur Konzernverantwortungsinitiative (KVI). Das Volksmehr von 50.7 Prozent aber zeigt: Ein grosser Teil der Bevölkerung will, dass Schweizer Konzerne auch im Ausland Verantwortung übernehmen. Trotz der Ablehnung der Initiative werden die beiden Organisationen ihre wichtige Arbeit im Bereich der Menschenrechte und des Umweltschutzes im globalen Süden weiterführen.

Als Mitinitianten der KVI sind HEKS und Fastenaktion enttäuscht über das Nein zur Initiative. Die beiden Werke sind aber überzeugt, dass sich der Einsatz für die Menschenrechte und dem Schutz der Umwelt in den letzten Jahren gelohnt hat. Selten hat eine politische Kampagne so viel bewegt und zur Diskussion angeregt. Die breite Unterstützung von Tausenden von Freiwilligen, im kirchlichen Umfeld und in der Zivilgesellschaft zeigt was der Bevölkerung in der Schweiz wichtig ist: Eine wirtschaftliche starke Schweiz, aber auch eine, welche die Menschenrechte und den Schutz der Umwelt hochhält.

Die grosse Sensibilisierung in diesem Bereich, die in den letzten Jahren stattfand, ist klar der Initiative zu verdanken. Vor einigen Jahren sprachen nur wenige über Menschenrechtsverletzungen durch Schweizer Konzerne. Heute bestreitet niemand mehr, dass sich auch Unternehmen an Menschenrechte und Umweltstandards halten müssen – auch im Ausland.

Die Arbeit geht weiter

Während des Abstimmungskampfs haben der Bundesrat und die Wirtschaftsverbände immer wieder betont, dass sie das Ziel der Initiative – den Schutz der Menschenrechte und der Umwelt – voll und ganz teilen. Fastenaktion und HEKS erwarten deshalb, dass den Verlautbarungen auch Taten folgen und sich diese positiv auf die Situation für die Menschen rund um die Projekte von Schweizer Konzernen auswirken.

HEKS und Fastenaktion werden ihre Arbeit im Bereich der Menschenrechte weiterführen. Die beiden Organisationen werden sich weiterhin für die Rechte der Ärmsten einsetzen, Missstände zusammen mit ihren Partnerorganisationen ansprechen und Gerechtigkeit einfordern, in der Schweiz aber auch direkt vor Ort. Denn wenn Konzerne Menschenrechte verletzen oder die Umwelt zerstören, muss dies publik gemacht werden. Profit erwirtschaften zulasten der Schwächsten der Gesellschaft darf nicht sein.

Für weitere Auskünfte:

Bernd Nilles, Geschäftsleiter Fastenaktion,

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Seit März befindet sich Guatemala wegen der Covid-Pandemie im Ausnahmezustand. Nun hat der Tropensturm Eta am 6.November auch Häuser und Ernten der betroffenen Familien zerstört.

Nothilfe-Projekt: Helfen Sie den Familien in den Regionen Jalapa und Cubulco. 

In der vergangenen Woche wütete der Tropensturm Eta über der zentralamerikanischen Region. Guatemala wurden von sintflutartigen Regenfällen heimgesucht, die ganze Erdhänge abrutschen liessen und zahlreiche Häuser zerstörten. In unseren Projekten sind die Folgen des Tropensturms noch nicht gänzlich abzusehen. Aber bereits jetzt ist klar, dass viele Teile der Mais- und Bohnenernte zerstört wurden. Der Leiter unserer Partnerorganisation Tzuul Taq’a schreibt: «Es ist traurig zu sehen, dass jetzt Häuser überschwemmt wurden, in denen es vorher nicht einmal eine Wasserleitung gab. Viele Menschen haben alles verloren. »

HIlfe bedeutet Lebensmittel, Saatgut – und Hoffnung

In dieser doppelt schwierigen Situation wollen wir unsere Projekte zusätzlich unterstützen: Vielen Familien fehlt in Folge der Eindämmungsmassnahmen rund um Covid-19 zusätzliches Einkommen. Um die Ernährung von 300 Familien in den Regionen Jalapa und Cubulco abzusichern unterstützen wir deswegen zwei Projekte mit Nothilfe. Die Familien erhalten Mais, Bohnen und Zucker sowie zusätzliches Saatgut, damit sie trotzdem aussäen können, wenn die aktuelle Ernte verloren ist. Mit dieser Unterstützung wollen wir den Menschen eine Perspektive und Hoffnung geben. Denn sie sollen wissen, dass sie nicht alleine sind. 

Zwei Mitarbeitende der Organisation Tzuul Taq'a verteilten gleichzeitig Informationen zu Covid und dringend benötigte Nahrungsmittel.Zwei Mitarbeitende der Organisation Tzuul Taq'a verteilten gleichzeitig Informationen zu Covid und dringend benötigte Nahrungsmittel.

Eine Katastrophe nach der andern

Wegen Corona war die Situation in Guatemala schon vor dem Tropensturm sehr angespannt. Wenn die Covid-Fälle in einer Region ansteigen, dürfen die Leute das Haus nur noch für wichtige Angelegenheiten wie Einkäufe verlassen. Für unsere Projekte bedeutet dies grosse Veränderungen, denn die direkte Arbeit im Feld ist nur noch in manchen Regionen möglich.

Viele Aktivitäten werden stattdessen über Mobiltelefone begleitet, die Menschen in den Projekten können ihre Fragen stellen und werden beraten. Gleichzeitig rückt die Krise Arbeitsansätze unserer Partnerorganisationen in ein neues Licht: Agrarökologie – das heisst Anbau mit traditionellem Saatgut ohne chemische Pestizide und Düngemittel –ist nicht mehr bloss ein Angebot, das von den Menschen auf dem Land wertgeschätzt wird.

Denn nun nehmen die Menschen in den Städten wahr: Wir essen das, was Frauen und Männer in den nahen ländlichen Regionen produzieren. Dies rückt die tägliche harte Arbeit der Bäuerinnen und Bauern in ein neues, positives Licht und stärkt ihr Selbstbewusstsein.

Covid verdeutlicht soziale Unterschiede

Aber die Pandemie spült auch unnachgiebig und brutal die Ungleichheiten ans Tageslicht, die in Guatemala auch mehr als 20 Jahre nach den Friedensverträgen bestehen. Die Präventionsmassnahmen zu Covid-19 sind in den ländlichen Regionen schwer umsetzbar, Behandlungen für die ländliche Bevölkerung kaum zugänglich. Dies beginnt schon beim Ratschlag sich regelmässig mit Seife die Hände zu waschen. Um dies tun zu können benötigt man Wasser und Seife. Doch in den meisten unserer Projektregionen ist das nicht gegeben. Wie soll eine Frau, die bereits bisher jeden Morgen kilometerweit laufen muss, um das Wasser zum Kochen und Trinken zu holen, nun gewährleisten, dass sich die ganze Familie mehrmals am Tag die Hände waschen kann?

Philippa Mund, verantwortlich für das Programm Guatemala bei Fastenaktion

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Sœur Nathalie Kangaji ist Rechtsanwältin in der kongolesischen Minenstadt Kolwezi und leitet die juristische Beratungsstelle des «Centre d’aide juridico-judiciaire», einer Partnerorganisation der Fastenaktion und HEKS. Sie hat für uns den folgenden Text geschrieben.

Die Demokratische Republik Kongo (DRK) birgt eine Vielzahl natürlicher Ressourcen und strategisch wichtiger Mineralien, dazu gehören insbesondere Kupfer und Kobalt.

Kobalt wird für die Herstellung von wiederaufladbaren Batterien für Smartphones und Elektrofahrzeuge benötigt und ist daher heute der begehrteste Rohstoff der Welt. Deshalb sind die Kupfer- und Kobaltminen und ihre Aktivitäten zu unentbehrlichen Pfeilern der Wirtschaft geworden.

Die Region Lualaba ist in Bezug auf den Bergbau für die DRK äusserst wichtig. Dies zeigt sich auch an den bedeutenden Kupfer- und Kobaltminen in dieser Region. In der Tat verfügt sie über fast die Hälfte der weltweiten Kobaltreserven. Paradoxerweise steht der unermessliche Reichtum dieser Minen im Gegensatz zur extremen Armut der lokalen Bevölkerung, die von den Bergbauaktivitäten kaum profitiert. Man müsste sich also fragen, wie die Einnahmen aus der Kobaltgewinnung für eine echte Entwicklung dieser Provinz und speziell der umliegenden Gemeinden genutzt werden könnten. 

In dieser Provinz Lualaba liegt auch Kolwezi, einer der Orte mit den grössten Kobaltvorkommen der Welt. Es ist kein Zufall, dass sich Mutanda Mining und Kamoto Copper Company, zwei Tochtergesellschaften von Glencore, hier niedergelassen haben. Die Minenaktivitäten folgen dabei der wirtschaftlichen Logik, dies oft zum Nachteil der lokalen Bevölkerung. Denn der Bergbau bedeutet immer Risiken für Umwelt und Gesundheit der Bevölkerung.

Gefährliche Minenaktivitäten

Tatsächlich zahlen die direkt betroffenen lokalen Gemeinschaften einen hohen Preis. Sie leiden unter Wasser-, Luft- und Bodenverschmutzungen – sowie deren Folgen für die Gesundheit. Hinzu kommen weitere Vorfälle, die die Menschenrechte verletzen. Oder der Unfall eines Lastwagens, der im Auftrag einer der Tochterfirmen von Glencore Säure transportierte. Er kippte auf der Strasse nach Kolwezi in der Nähe des Dorfes Kabwe, was im Februar 2019 zahlreiche Schwerverletzte und 21 Todesopfer forderte.

Angesichts dieser gravierenden Auswirkungen auf die umliegenden Gemeinden und die Umwelt, stellt sich die wichtige Frage der Haftung der Konzerne. Das kongolesische Recht sieht zwar vor, dass Minenbetreiber die durch sie verursachten Schäden ersetzen müssen, in der Realität sieht es leider anders aus. Denn in der Praxis verhalten sich multinationale Konzerne wie Herrscher.

So wird im Fall eines Unfalles oft jegliche Sorgfalt missachtet. Bei sichtbaren Schäden, zum Beispiel durch von Giftmüll verunreinigtes Wasser, kontaminierte Böden, geschädigte Ernten oder wenn gar Menschenleben betroffen sind, verlangen die Minen zuerst wissenschaftliche Beweise. Danach reden die Bergbaukonzerne die Fakten klein oder leugnen sie ganz und verweigern jegliche Wiedergutmachung. Noch komplizierter wird das Problem, wenn die Auswirkungen unsichtbar oder latent sind.

Gesetze greifen nicht

Die Wiedergutmachung durch eine gütliche Einigung, wie sie im kongolesischen Bergbaugesetz vorgesehen ist, erweist sich, angesichts des Widerstands der multinationalen Konzerne, für die Opfer oft als schwierig. Als einzige Möglichkeit bleibt der juristische Weg, um Druck auszuüben.

Wir haben noch kein starkes Rechtssystem. Das Land kämpft nach wie vor für eine faire und unabhängige Justiz. Unser Justizsystem leidet noch an weiteren Übeln, dazu gehört Korruption. Daher ist ein faires Gerichtsverfahren gegen multinationale Konzerne schwierig.

Aus diesem Grund unterstütze ich die Konzernverantwortungsinitiative voll und ganz und lade alle Schweizerinnen und Schweizer guten Willens ein, dafür zu stimmen. Die Initiative gibt den Opfern die Möglichkeit, ihre Klage in der Schweiz einzureichen. Dadurch erhalten sie die Chance auf eine faire Wiedergutmachung für erlittene Schäden.

Bedenken Sie, dass die wirtschaftliche Macht der multinationalen Konzerne in einem Land mit einer schwachen Justiz grosses Gewicht hat. Sie kann dazu benutzt werden, das Recht zu instrumentalisieren. Deshalb stellt sich unser Justizsystem oft in den Dienst der Stärksten, der Vermögenden.

Chance für Prävention und Justiz

In Bergbaugebieten bereiten die Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung grosse Sorgen. Es ist empörend festzustellen, dass einzig wirtschaftliche Interessen zählen – auf Kosten von Menschenleben. Keine Behörde und kein Konzern übernimmt die Verantwortung und beachtet den Zustand der Umwelt und noch weniger den Gesundheitszustand der von den Minenaktivitäten direkt betroffenen Bevölkerung.

Wenn nicht rechtzeitig verantwortungsvolle Präventionsmassnahmen ergriffen werden, wirken sich die Minenaktivitäten negativ auf die Gesundheit der Bevölkerung aus. Die Initiative wäre solch eine Massnahme, damit Glencore seine Tochterunternehmen Mutanda Mining und Kamoto Copper Company aufgrund seiner Sorgfaltspflicht in Bezug auf die Einhaltung der Menschenrechte und den Schutz der Umwelt überwacht. So gesehen ist die Konzernverantwortungsinitiative eine Präventionsmassnahme im Bereich der öffentlichen Gesundheit zugunsten der Menschen im globalen Süden, die von diesen Aktivitäten betroffen sind.

Die Konzernverantwortungsinitiative wird die Entstehung einer effizienten und fairen Justiz für alle ermöglichen. Dies, weil die Schweiz zu den Ländern gehört, die in Menschenrechtsfragen sehr weit fortgeschritten sind, und weil die Menschenrechtsinstitutionen dort ihren Sitz haben. Zudem könnte allen Parteien zugesichert werden, dass das Recht auf einen fairen Prozess garantiert ist.  

 

Soeur Nathalie live 2018

Im Schatten des Kobaltbooms

Lesen Sie dazu auch unseren Webreport „Im Schatten des Kobaltbooms“

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Tshibanda Lina, der Onkel von Eric Mutombo Kasuyi, zeigt den Fahrausweis seines verstorbenen Neffen.Tshibanda Lina, der Onkel von Eric Mutombo Kasuyi, zeigt den Fahrausweis seines verstorbenen Neffen.

Bern/Luzern, 21. Oktober 2020. Die Kupfer- und Kobaltminen des Schweizer Rohstoffkonzerns Glencore in der Demokratischen Republik Kongo bergen erhebliche Risiken für Umwelt und Menschen in ihrem Umfeld. Ein neuer Bericht von HEKS und Fastenaktion zeigt, wie schwierig es für Geschädigte in einem Land mit schwachen staatlichen Institutionen ist, zu ihrem Recht zu kommen. Abhilfe könnte künftig die Konzernverantwortungsinitiative schaffen, über die in einem Monat abgestimmt wird.

Im Februar 2014 überquerte der 23-jährige Mutombo Kasuyi das Gelände der Kupfer- und Kobaltmine KCC, die dem Schweizer Rohstoffkonzern Glencore gehört. Dabei wurde er von einer Sicherheitspatrouille der Mine festgenommen und kurz danach in ein Spital in Kolwezi gebracht, wo ein Arzt seinen Tod feststellte. Mutombos Familie erstattete sofort Strafanzeige; zwei Obduktionen ergaben, dass Mutombo wahrscheinlich durch Gewalt zu Tode gekommen war. Trotzdem wurden in einem ersten Gerichtsverfahren zwei angeklagte Sicherheitskräfte freigesprochen.

Die zweite Instanz wies das Verfahren aber zurück, da der Prozess nicht rechtskonform gewesen sei: Die Mitglieder der KCC-Sicherheitspatrouille hatten sich widersprochen, und wichtige Beweisstücke waren unter mysteriösen Umständen verschwunden oder ignoriert worden. Das war vor drei Jahren, doch seither ist nichts mehr geschehen. Anfang 2020 wurde schliesslich klar, dass der entscheidende Rückweisungsentscheid plötzlich aus den Akten verschwunden war. Mutombos Familie wartet also seit über sechs Jahren auf ein rechtskräftiges Urteil und auf Klarheit über die Ereignisse vom Februar 2014.

Keine Garantie auf fairen Prozess

Die Entwicklungsorganisationen Fastenaktion und HEKS haben diese Justizgeschichte aus der Demokratischen Republik Kongo (DRK) in ihrem neusten Bericht minutiös recherchiert. Der Fall zeigt exemplarisch auf, wie schwierig der Zugang zur Justiz in Ländern mit schwachen staatlichen Institutionen wie der DRK sein kann. Und er illustriert, dass in solchen Staaten das Recht auf einen fairen Prozess nicht garantiert ist.

Abhilfe würde die Konzernverantwortungsinitiative schaffen. Denn die mutmasslichen Täter waren entweder direkt bei der Glencore-Tochter KCC angestellt oder standen unter deren operationeller Aufsicht. Somit wäre zu prüfen, ob der Sachverhalt unter die Haftungsklausel der Vorlage fallen würde, über die am 29. November abgestimmt wird. Die Initiative könnte Opfern wie Mutombos Familie künftig den Weg zum Recht in der Schweiz ebnen, wo sie (möglicherweise) eine zivile Haftungsklage gegen Glencore einreichen könnte.

Toxische Risikoauslagerung

Der jüngste Bericht ist der fünfte von HEKS und Fastenaktion über die Tätigkeit von Glencore in der DRK seit 2011. Neben dem Fall von Mutombo Kasuyi dokumentiert er den tragischen Unfall eines Tanklastwagens mit Schwefelsäure in der Nähe von Kolwezi im Februar 2019, bei dem 21 Menschen starben und sieben Personen teilweise schwer verletzt wurden. Die Säure war für Glencores Mutanda-Mine bestimmt, der Konzern hatte aber den Transport an ein anderes Unternehmen ausgelagert. Dieses beauftragte einen weiteren Subunternehmer, welcher den Transport wiederum an einen privaten Lastwagenbesitzer delegierte.

Diese Risikoauslagerung über drei Stufen hatte zur Folge, dass im konkreten Schadenfall niemand haften wollte: Der Lastwagenbesitzer hatte sein Fahrzeug nicht versichert und tauchte nach dem Unfall unter. Erst anderthalb Jahre später, als Fastenaktion und HEKS bereits über den Fall recherchierten, bot der Eigentümer des Lastwagens über seine Anwälte einem Teil der Opfer Entschädigungen an. Glencore wiederum muss sich die Frage gefallen lassen, ob der Konzern alles unternommen hat, um sicherzustellen, dass alle in seiner Lieferkette für Chemikalientransporte verwendeten Fahrzeuge mit einer Versicherung gedeckt waren.

Verhandlung vor Milo Raus Kongo-Tribunal

Der Unfall des Schwefelsäuretransporters ist einer der Fälle, die im neuen Kongo-Tribunal des Schweizer Regisseurs und Autors Milo Rau verhandelt werden. Am kommenden Sonntag, 25. Oktober, werden die Ergebnisse dieser «Kolwezi Hearings» zu einer Reihe von Menschrechtsverletzungen, Fällen von Umweltverschmutzung und Korruption in der Bergbauregion von Kolwezi im Schiffbau des Zürcher Schauspielhauses zusammengefasst und debattiert.

Weitere Informationen:

Nina Burri, HEKS, +41 79 489 38 24, burri@bfa-ppp.ch

Material zum Download:

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Emmanuel Umpula Nkumba ist Direktor der kongolesischen Organisation African Resources Watch (Afrewatch), die der Fastenaktion unterstützt wird.Emmanuel Umpula Nkumba ist Direktor der kongolesischen Organisation African Resources Watch (Afrewatch), die der Fastenaktion unterstützt wird.

Zwischen dem Reichtum an natürlichen Ressourcen und der wirtschaftliche Armut der in den Bergbaugebieten lebenden Bevölkerung besteht in der Demokratischen Republik Kongo nach wie vor eine riesige Kluft. Das im März 2018 verabschiedete neue Bergbaugesetz hat grundsätzlich das Potenzial, diese Missstände einzudämmen. Zweieinhalb Jahre nach seiner Überarbeitung ist seine Anwendung jedoch immer noch nicht optimal.

In den letzten 15 Jahren haben die Unternehmen in hohem Masse davon profitiert, dass es der kongolesische Regierung sehr wichtig war, ausländische Investitionen anzuziehen. Dies hat sich nachteilig auf betroffene Gemeinden ausgewirkt, wo es zu vielen Umweltschäden kam und Arbeiterinnen und Arbeiter Opfer zahlreicher Minenunfälle wurden. Die multinationalen Unternehmen zahlen zwar Steuern an die Regierung in der Hauptstadt Kinshasa.  «Doch es wird nur ein verschwindend kleiner Anteil für Projekte vor Ort eingesetzt, die das Leben der vom Bergbau betroffenen Gemeinschaften in den Bereichen Bildung oder Gesundheit verbessern würden», sagt Diane Crittin, Leiterin des Landesprogramms Kongo bei Fastenaktion. «Darüber hinaus wirken sich die grosse Macht der Unternehmen, die mangelnde Transparenz bei Vertragsverhandlungen und die verbreitete Korruption weiterhin negativ auf die Situation der Bevölkerung aus. »
Pprträt Diane CrittinDiane Crittin, verantwortlich für das Landesprogramm Kongo, moderierte das Gespräch mit den kongolesischen Partnerorganisationen
Das neue Bergbaugesetz hat zum Ziel, diese Probleme anzugehen, indem es den Gemeinden mehr Rechte garantiert und von den Unternehmen höhere Steuersätze verlangt. Unzufrieden mit den neuen Bestimmungen versuchen die Unternehmen, Steuersenkungen zu erreichen und nehmen manchmal die Regierung als Geisel. «Vor fast einem Jahr stellte Glencore seinen Kobaltabbau ein, weil die Rentabilität der Mine Mutanda, der größten Kobaltmine der Welt, zurückgegangen war», fährt Crittin fort. «Auf der anderen Seite gibt es immer noch Widersprüche im Bergbaugesetz und seinen Anwendungstexten. Es müssen zudem noch grosse Anstrengungen gemacht werden, um das Gesetz bei der Bevölkerung bekannt zu machen, damit die Betroffenen ihre Rechte auch kennen und geltend machen können.»

Lesen Sie die Abschlusserklärung über die Verwaltung des Bergbausektors in der DRK vom 02.10.2020, französisch

Lesen Sie die gemeinsame Pressemitteilung vom 29.09.2020, französisch

Sehen Sie sich das französische Webinar vom 23.09.2020 in voller Länge an, übersetzt in Englisch

Fastenaktion unterstützt Organisationen, die sich für die Stärkung von Gemeinschaften und die Förderung von guter Regierungsführung einsetzen. Mehrere Partner des Kongo-Programms von HEKS und Fastenaktion wie AfreWatch – darunter Emmanuel Umpula – und das Centre d’aide juridiqueo-judiciaire arbeiten an der effektiven Umsetzung des Bergbaugesetzes mit dem Ziel, die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger und die Transparenz von Unternehmen und Regierung zu verbessern.

Um die anwaltschaftliche Arbeit in den Bergbaugebieten des Kongo weiterführen zu können, sind wir froh um jede Spende.

 

 

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Minenarbeiter in Lumumbashi Foto: Fastenaktion/Meinrad SchadeJunger Minenarbeiter in Lumumbashi Foto: Fastenaktion/Meinrad Schade

Die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus sind in den Ländern des Südens erheblich. Die Demokratische Republik Kongo (DRK) bildet da keine Ausnahme, trotz einer niedrigen Infektionsrate seit dem ersten Fall am 10. März. Bis zum 5. Juni 2020 gab es offiziell 3643 Infektionen und 77 Todesfälle.

Die Folgen der Massnahmen zur Kontrolle des Coronavirus sind jedoch sehr präsent und haben für die kongolesische Bevölkerung schreckliche Folgen auf vielen Ebenen. Der Hunger statt des Coronavirus wurde zu einer Bedrohung für die informellen Arbeiterinnen und Arbeiter, welche täglich um ihr Überleben kämpfen. Die zu erwartende weltweite Konjunkturabschwächung dürfte erhebliche Auswirkungen auf das Land haben, dessen Wirtschaft in hohem Masse von dem Export von Rohstoffen abhängt.

Die Löhne der Bergleute sinken, aber nicht ihre Arbeitszeit

Fastenaktion unterstützt in der DRK neben den Projekten für die Ernährungssicherheit der ländlichen Bevölkerung auch solche, die den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen fördern. Unsere kongolesische Partnerorganisation Afrewatch ist eine NGO, die sich auf den Umgang mit den natürlichen Ressourcen spezialisiert hat. Im vergangenen Monat veröffentlichte sie ein Bulletin, das die Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeitssituation im Bergbausektor untersucht. Dabei konzentrierten sie sich auf die Provinzen Haut-Katanga und Lualaba im Südosten des Landes.

Angesichts der beobachteten Situation empfiehlt Afrewatch den beiden Provinzregierungen, dafür zu sorgen, dass die Unternehmen die Lebens- und Arbeitsbedingungen ihrer Beschäftigten auch während dem Lockdown verbessern. Sie sollen zudem transparent aufzeigen, wie sie die zusätzlichen Mittel, die sie wegen der Pandemie erhalten, verwalten und einsetzen.

Gleichzeitig drängt Afrewatch die Bergbauunternehmen selbst, die nationalen Arbeitsgesetze einzuhalten und in die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Gebieten zu investieren, wo die Leute zu Hause bleiben müssen. Den neuesten Stand des Berichts von Afrewatch finden sie hier auf Französisch.

Journalisten und Menschenrechtsverteidigerinnen inhaftiert

Auch Europäische Netzwerk für Zentralafrika (EurAc), dem Fastenaktion angehört, hat in den letzten Wochen die Auswirkungen des Coronavirus im Kongo untersucht. Angeschaut wurden die Einhaltung der Grundrechte, die Beziehungen zwischen den Geschlechtern, die Ernährungssituation und die Versorgungsketten der Rohstoffe. Dies hat zu einer Reihe Empfehlungen für jeden Sektor geführt, welche der Fastenaktion unterstützt werden:

Unter anderem sollen die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten lokale und internationale Menschen- und Frauenrechtsorganisationen in der Region der Grossen Seen an der Grenze zu Burundi und Ruanda fördern und schützen. Einschränkungen der Meinungs- und Pressefreiheit sollten angefochten werden. Die unabhängigen Medien sollen unterstützt werden. Europäische Diplomaten und Diplomatinnen sollten die Möglichkeit wahrnehmen, an den Prozessen gegen Journalist/innen, Menschenrechtsverteidiger/innen und weiteren politischen Gefangenen teilzunehmen und sie – wie in den Richtlinien für Menschenrechtsverteidiger/innen festgelegt – im Gefängnis zu besuchen. Politische Gefangene und Personen in Untersuchungshaft sollten unverzüglich und bedingungslos freigelassen werden. Die umfassende Analyse von EurAc auf Englisch ist hier verfügbar.

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. Hier finden Sie mehr zu unserer Arbeit in der Demokratischen Republik Kongo.

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Die Fastenaktionpartnerorganisation Plataforma in Huila sammelt Lebensmittel für bedürftige Familien.Die Fastenaktionpartnerorganisation Plataforma in Huila sammelt Lebensmittel für bedürftige Familien.

Rote Fetzen – T-Shirts und Stoffstücke – hängen vor den Häusern vieler verzweifelter Familien, die hungern. Andere Familien hängen weisse Tücher heraus, um zu protestieren, dass es keine Gesundheitsversorgung gibt. Und weiterhin werden jeden Tag politischen Führungspersonen getötet. Elsy Marulanda, Koordinatorin des Fastenaktionprogramms in Kolumbien, und Alicia Medina, Programmverantwortliche in Luzern, haben die Situation zusammengefasst.

Das Coronavirus lähmt auch Kolumbien. Die Quarantänemassnahmen, die von der Regierung gegen die Ausbreitung des Virus diktiert wurden, haben drastische Folgen in einer so fragilen Gesellschaft, in der 6 von 10 Personen mit informeller Arbeit überleben. Ohne das tägliche oder wöchentliche Einkommen gibt es keine Nahrung. Die Menschen haben mehr Angst vor Hunger als vor dem Virus. Die Verzweiflung nimmt zu.

Zu Hause zu bleiben, ist für viele Familien eine unverständliche Massnahme, da sie in überfüllten Vierteln leben. Dort kann man keinen Meter Abstand einhalten. Der ideale Nährboden für Epidemien – aber auch für Missbrauch und Gewalt gegen Frauen. Während der Ausgangssperre haben die Hilferufe wegen Gewalt um fast 80 Prozent zugenommen. Dies ist eine weitere Epidemie, für die es keine wirksamen Massnahmen gibt und kaum Prävention.

Prekäre Gesundheits- und Lebensmittelversorgung

In einigen Regionen gibt es andere Krankheiten, welche die Bevölkerung plagen, zum Beispiel das Denguefieber im Projektgebiet Caquetá. Das Gesundheitssystem, insbesondere in den ländlichen Regionen, kann weder auf die Pandemie noch auf die anderen Krankheiten reagieren. Medizinisches Personal tritt zurück, weil selbst minimale Standards, um sich selbst zu schützen, nicht vorhanden sind – aber auch, weil es sein Gehalt nicht erhält.

Die Massnahmen der Regierung sind unzureichend. Es profitieren die Banken und die grossen Unternehmen. Die Hilfe für den Agrarsektor geht an agro-industrielle Betriebe, nur ein minimaler Anteil geht an die Kleinbauernfamilien, die am bedürftigsten sind. Der Import von Millionen Tonnen Sorghum, Mais und Soja wird verordnet, die Lebensmittelpreise werden erhöht. Gleichzeitig werden den Bauern und Bäuerinnen ihre Produktion nicht abgekauft.

Regierung und Wirtschaftsvertreter missachten Menschenrechte  

Korruption und Politik schaffen sich neue Freiräume. Während des Ausnahmezustands hat die Regierung zahlreiche Dekrete verabschiedet, ohne dass die Zivilgesellschaft sie kontrollieren konnte. So wurden zum Beispiel Umweltlizenzen für Rohstoffabbau-Projekte beschleunigt abgegeben. Damit wurde das Recht auf Mitsprache der betroffenen Bevölkerung grob verletzt.

Da die Bevölkerung aktuell wegen der Ausgangssperre nicht protestieren kann, nutzt die Regierung auch die Möglichkeit, Massnahmen wie das Versprühen von Glyphosat aus der Luft wieder einzuführen. Bei Wind weht es auch immer wieder giftige Unkrautvertilger auf die angrenzenden Felder der Kleinbäuerinnen und Bauern, die agrarökologische Landwirtschaft betreiben. Damit ist nicht nur die Lebensmittelproduktion der betroffenen Familien in Gefahr, sie verlieren auch ihr Einkommen, weil sie ihre Produkte nicht als biologisch verkaufen können.

Ermordung von Führungspersönlichkeiten geht weiter

Es grassiert zudem eine weitere Pandemie, die von der Weltöffentlichkeit wenig beachtet wird und gegen die die Regierung keine wirksamen Massnahmen trifft: Die Ermordung politisch und gesellschaftlich engagierter Führungskräfte. Männer und Frauen, die ihre Stimme erheben, um ihre Rechte und die Rechte aller Kolumbianer/innen zu verteidigen. Aktivist/innen, welche das Leben und die Natur schützen wollen. Menschen, die nicht die vom Staat verordneten wirtschaftlichen Interessen verfolgen.

Indepaz, das Institut für Studien über Entwicklung und Frieden, berichtet, dass zwischen dem 1. Januar und dem 5. Mai dieses Jahres in Kolumbien mindestens 95 Personen ermordet wurden. Und die Medien meldeten, dass trotz der Ausgangssperre seit dem 23. März 19 Personen umkamen. Am meisten betroffen ist das Departement Cauca, in dem die Fastenaktion-Partnerorganisationen Atucsara, Censat und Semillas de Agua arbeiten.

Die Corona-Krise hat in Kolumbien die bestehenden Probleme wieder in aller Deutlichkeit offengelegt. Die Mehrheit der kolumbianischen Bevölkerung, die bereits vor der Pandemie unter massiven Menschenrechtsverletzungen litt, wird weiterhin mit desolaten Aussichten konfrontiert.

Bis zum 18. Mai 2020 wurden in Kolumbien 15’574  Ansteckungen bestätigt und es gab bisher 574 Todesfälle – die Kurve scheint sich nun abzuflachen.

 

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. Hier finden Sie mehr zum Kolumbienprogramm der Fastenaktion.

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Janneth Lozano von der Partnerorganisation CodacopJanneth Lozano von der Partnerorganisation Codacop

Ausschnitt aus einem Mail von Janneth Lozano B, Direktorin der Partnerorganisation Codacop

«Eine herzliche und solidarische Umarmung für unsere Verbündeten, mit denen wir uns für eine bessere Welt – mit Gerechtigkeit und Gleichheit für alle – einsetzen.»

(…)

«Wir nutzen die Zeit, um mit aufgeschobenen Aufgaben voranzukommen, wir treffen uns virtuell und haben Arbeitspläne entwickelt, wir fördern Prävention und Kampagnen für Gewaltfreiheit, wir unterstützen Solidaritätsaktionen und wir kümmern uns um das Wohl unseres engeren Kreises. 

Aber wir machen uns noch immer Sorgen darüber, welche Auswirkungen dies auf die von uns begleiteten Prozesse, die Projekte und die Zusammenarbeit haben wird. Wir gehen davon aus, dass nichts mehr so sein wird wie vorher, wenn dieser Alptraum vorbei ist; wir bereiten uns darauf vor, gemeinsam über Alternativen und Wege nachzudenken und zusammenzuarbeiten…

Wir verfolgen aufmerksam die Nachrichten aus aller Welt und schliessen uns den Gebeten an, dass diese Nacht zu Ende geht und die Sonne für alle Menschen wieder scheinen wird.»

Andreia Fanzeres, OpanAndreia Fanzeres, Opan

Die Corona-Pandemie wird von der Regierung im Bundesstaat Mato Grosso genutzt, um im Eilverfahren eine Gesetzesänderung voranzutreiben. Diese wird das bisherige Recht der indigenen Bevölkerung auf eigenes Land stark beeinträchtigen. Opan, langjährige Partnerorganisation der Fastenaktion, hat die Öffentlichkeit alarmiert.

Die brasilianische Verfassung sieht Gebiete vor, die ausschliesslich von der indigenen Bevölkerung bewohnt werden dürfen. Doch bis die Grenzen eines solchen Gebiets abgesteckt sind, müssen die indigenen Gemeinschaften einen langwierigen administrativen Prozess durchlaufen. Die Territorien bleiben in dieser Zeit für sie reserviert, unabhängig davon, wo der administrative Prozess gerade steckt. Diesen Grundsatz hat das höchste Gericht des Landes kürzlich in zwei Fällen bestätigt.

Es ist zudem wichtig, zu wissen, dass es möglich ist, Landnutzungsrechte zu erwerben, indem sich eine Person einfach selbst als Besitzer/in eines Stück Landes erklärt. Dann ist der Staat verpflichtet, zu überprüfen ob dieser Anspruch rechtmässig ist. Er kontrolliert auch, ob das Umweltgesetz zur Anwendung kommt. In letzter Zeit wurde aber eine wachsende Anzahl von Fällen von dieser Überprüfung entbunden, was bedeutet, dass auch das Umweltgesetz weniger strikt eingehalten wird.

Verfassungsrecht wird schamlos unterlaufen

Obwohl die rechtliche Lage klar ist, hat der Gouverneur, in Absprache mit der Regierung von Mato Grosso, dem Parlament eine Gesetzesänderung vorgeschlagen: Neu soll auch erlaubt sein, dass jemand eine Selbstdeklaration auf Flächen erheben kann, die bereits von Indigenen genutzt werden – vorausgesetzt, dass diese den administrativen Prozess für das Gebiet noch nicht abgeschlossen haben. Dazu sagt Andreia Fanzeres von der Fastenaktion-Partnerorganisation Opan: «Diese angestrebte Änderung steht in direktem Widerspruch zur Verfassung und den genannten Gerichtsurteilen.» Nachdem die vorberatende Kommission den Gesetzesvorschlag im Eilverfahren per virtueller Abstimmung verabschiedet hat, ist dieser nun im Parlament von Matto Grosso hängig. Der Abstimmungstermin ist für diese Woche angesetzt. Auf Druck der Fastenaktion-Partnerorganisation hat sich jetzt die nationale Staatsanwaltschaft eingeschaltet und die Regierung von Mato Grosso angehalten, das Gesetzesvorhaben zu sistieren bis alle Auswirkungen dieser Gesetzesänderung geklärt sind.

Die Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung zerstören

Sollte das Gesetz dennoch in den kommenden Tagen vom Parlament gutgeheissen werden, besteht die akute Gefahr, dass privaten Personen zahlreiche Ansprüche stellen, um Landnutzungsrechte in indigenen Territorien zu erhalten. Dies bedroht direkt die Lebensgrundlage der betroffenen indigenen Gemeinschaften.

Obwohl Opan offizielles Mitglied des Umweltrates von Mato Grosso ist wurde die Organisation über die geplante Gesetzesänderung nicht informiert. Nur dank der Warnung eines Parlamentariers sowie eines Journalisten wurde die Zivilgesellschaft auf die laufende virtuelle Abstimmung aufmerksam gemacht. Dies bestätigt den Verdacht, dass die Regierung von Mato Grosso und die vorberatende Kommission die derzeitige Ausnahmesituation nutzen wollen, um das heikle Geschäft gezielt in virtuellen Sitzungszimmern voranzutreiben, ohne Information und Konsultation der betroffenen indigenen Gemeinschaften.

Ein Treffen von Opan und Führungspersönlichkeiten der indigenen Gemeinschaften mit Staatsanwälten (Archiv)Ein Treffen von Opan und Führungspersönlichkeiten der indigenen Gemeinschaften mit Staatsanwälten (Archiv)

Opan macht Druck

Opan ist seit 1969 die Interessenvertretung der Indigenen in Mato Grosso und fördert die Vernetzung der indigenen Gemeinschaften. In diesem konkreten Fall hat Opan gemeinsam mit weiteren Nichtregierungsorganisationen in kürzester Zeit Informationen und Hintergrundmaterial über die negativen Auswirkungen der Gesetzesänderung erarbeitet. Auf Druck einiger nationaler Medien musste die Regierung dazu Stellung nehmen und ein erstes Mal öffentlich über das Gesetz informieren. Ausserdem steht Opan in direktem Kontakt mit der nationalen Staatsanwaltschaft, welche die Aufgabe hat, die Verfassung zu schützen.

David Knecht, verantwortlich für Energie und Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion

Update 19. Juni 2020

Am 18. Juni hat das Parlament in Mato Grosso in einer ersten Lesung das neue Gesetz mit 13 Ja, 2 Nein und 6 Enthaltungen angenommen. Es wurde im Eilverfahren, im Schatten der Corona-Krise vorangetrieben. Opan hat keine Hoffnung, dass die zweite Lesung in 1-2 Wochen anders ausgehen wird. Das bedeutet: Die bestehenden Rechte der Indigenen auf Land können künftig einfach übergangen werden. 

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Plakat gegen Covid-19: Bleiben Sie zu HausePlakat gegen Covid-19: Keine Versammlungen und Besuche, bleiben Sie zu Hause

Zur Situation in Brasilien allgemein

In Brasilien wurden bisher 245’595 Personen positiv getestet und es starben 16’370 Personen an Covid-19 – die Kurve steigt noch immer steil an.

Zum einen liegt es daran, dass 13 der 240 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer in Favelas wohnen, in denen es an fliessendem Wasser fehlt und Abstände nicht eingehalten werden können. Vor allem aber liegt es an fehlenden Massnahmen der Regierung Bolsonaro, der noch Anfang Mai zu einem Journalisten sagte: «So what? Was wollen Sie, dass ich etwas dagegen tue?»

Der illegale Rohstoffabbau und das Abholzen im Amazonasgebiet gehen ungerührt weiter. Die Arbeiter bringen das Virus damit auch in sehr abgelegene Gebiete. Mit einem offenen Brief wandte sich am 3. Mai daher der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado und eine Gruppe von Künstlern, Wissenschaftlerinnen und weitere Persönlichkeiten weltweit gegen den befürchteten Genozid an der indigenen Bevölkerung.

Pramod Dahal, CAED/NepaPramod Dahal, CAED/Nepal

Die Menschen in den Projekten der Fastenaktion, die in abgelegenen Gebieten leben, können auf ihren Feldern weiter arbeiten. Doch vor kurzem wurde die Ausgangssperre bis zum 18. Mai verlängert. Das heisst, dass - mit wenigen Ausnahmen - niemand auf den Strassen unterwegs sein darf und keine Projektbesuche möglich sind. Pramod Dahal, Koordinator der Partnerorganisation CAED, berichtet.

«Eine Woche bevor in Nepal die Grenzen geschlossen wurden, überquerten fast eine halbe Million nepalesische Wanderarbeiter, die aus ihren Jobs in Indien vertrieben worden waren, die Grenzen im westlichen Teil des Landes. Doch viele nepalesische Arbeiter stecken noch immer an der indisch-nepalischen Grenze fest. Sie alle möchten zurück zu ihren Familien, in ihre Dörfer. Denn dort müssen sie wenigstens nicht verhungern. Es besteht jedoch ein hohes Risiko, dass die Rückkehrer von ausserhalb das Coronavirus in die ländlichen Gebiet bringen.

Da der Chef des Bezirkskrankenhauses in Dolpa es unterlassen hatte, eine Quarantäne und Isolierstation einzurichten, drohte der Chief District Officer, ihn zu verhaften, was wiederum die Arbeitenden aus den Gesundheitsberufen auf den Plan rief. Sie demonstrierten und forderten für sich Schutz und Sicherheit. 

Die Provinzregierung von Karnali hat Medikamente und Ausrüstung, darunter 200 Operationsmasken, 25 NH90-Masken, 60 persönliche Schutz-Ausrüstungen und 1000 Handschuhe mit dem Helikopter in den Distrikt geliefert. Das reicht nirgendwo hin. Alle sind überfordert. Täglich wird es wärmer und wir hoffen, das dies dazu beitragen wird, die Übertragung des Coronavirus zu verringen.»

Pramod Dahal, Koordinator der Partnerorganisation CAED, Anfang April 2020

 

Up date, 11. Mai 2020

Nepal zählte bis heute offiziell 134 Ansteckungen und keine Toten – doch fürchtet die Regierungen einen grossen Anstieg, wenn die Ausgangssperre gelockert wird. Am 6. Mai kündigte sie deshalb an, dass die Ausgangssperre bis zum 18. Mail verlängert wird. In- und Auslandflüge sind bis zum 31. Mai suspendiert. Bis auf weiteres ist auch Trekking in der Himalayaregion nicht erlaubt. 

Am 30. April konnten die letzten 2000 nepalesischen Arbeiter die Grenze zwischen Indien und Nepal überqueren.  Nepal hatte Mitte März die Grenzen für die Wanderarbeiter gesperrt, die in Indien ihre Jobs verloren hatten und verzweifelt versuchten, zu ihren Familien und in ihre Dörfer zurückzukehren, um wenigstens nicht zu verhungern. Manche waren mehrere hundert Kilometer zu Fuss unterwegs. In Quarantänelagern mussten sie darauf warten, ins Land gelassen zu werden.

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. Hier lesen Sie mehr zur regulären Programmarbeit in Nepal.

Um diese Arbeit halten und weiterführen zu können, sind wir froh um jede Spende. 

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Senegal Fenagie: Die Frauen der Solidaritätsgruppe produzieren Seife und JavelwasserSeife und Javelwasser, welche die Frauen selbst herstellen sind sehr gefragt.

Im Senegal sind die von Fénagie initiierten Solidaritäts- und Spargruppen sehr erfolgreich. Nun, während der Corona-Krise, profitieren zahlreiche Dörfer von ihren Fähigkeiten und ihrem Wissen.

700 Liter Javelwasser und 150 Töpfe mit Seife, soviel haben die Frauen der Kalebassengruppe von Soukouta in den letzten Wochen selbst hergestellt. Denn mit dem Ausbruch des Coronavirus ist der Bedarf an Seife zum Händewaschen und Javelwasser, zur regelmässigen Desinfektion von Böden, Ablagen und sanitären Einrichtungen gewachsen. Die Frauen haben in grossen Mengen produziert, damit weder die Gruppenmitglieder noch die Dorfbevölkerung Mangel leiden müssen.

Der erste Fall mit Covid-19 wurde im Senegal am 2. März verzeichnet. Seitdem steigt die Kurve. Am 4. Mai vermeldet das Land bereits 1182 angesteckte Personen, 9 Tote und 372 geheilte. Bisher ist vor allem die städtische Bevölkerung von Covid-19 betroffen. Die Dörfer blieben bis anhin verschont. Die Menschen versuchen Abstand zu halten.

 

Senegal FenagieMit kurzen Theaterszenen vermitteln die Solidaritätsgruppen ihr Wissen an andere Frauen.

Trotz Ausnahmezustand Mut bewahren

Seit dem 23. März ist das Land im Ausnahmezustand. Zwischen acht Uhr abends und sechs Uhr morgens herrscht Ausgangssperre, die Wochenmärkte wurden geschlossen. Bereits um 16 Uhr müssen auch die anderen Geschäfte geschlossen werden. Sämtliche Grenzen sind gesperrt. Ausserhalb des Hauses besteht eine Maskenpflicht.

Zudem sind Reisen innerhalb des Landes verboten. Das bringt auch die Frauen der Kalebassengruppe von Thialane in Bedrängnis. Denn sie, die mitten im Delta des Flusses Saloum leben und deren einziges Transportmittel die Piroge ist, müssen warten. Und das in einem Moment, in dem die Zutaten für Javel knapp geworden sind. Bis anhin konnten sie 186 Liter des Desinfektions- und Reinigungsmittels herstellen, davon profitieren auch hier die 800 Bewohner/innen ihres Dorfes.

Die Spar- und Solidaritätsgruppen sind in den letzten Jahren im ganzen Land zu einer wichtigen Institution geworden und haben für viele Menschen grosse Verbesserungen gebracht. Dabei wird von den meisten Mitgliedern nicht das gemeinsame Sparen als grösste Errungenschaft bezeichnet, sondern der Zusammenhalt und die Solidarität. 

 

Verteilaktion von Seife und Javelwasser durch die Partnerorganisation AgrécolVerteilaktion von Seife und Javelwasser durch die Partnerorganisation Agrécol

Angst vor Hunger geht um

Durch die zahlreichen Einschränkungen zum Schutz gegen das Virus ist das Leben für die Menschen sehr schwierig geworden. Die Nahrungsmittelpreise steigen und die eh schon kleinen Vorräte der letzten Ernte sind fast aufgebraucht. Denn der Regen 2019 fiel nur sehr spärlich und es konnte entsprechend wenig geerntet werden. Die Befürchtung ist gross, dass der Senegal vor einer Hungersnot steht. Zwar hat der Staat Hilfspakete angekündigt. Doch durch das Reiseverbot im Land ist völlig unklar, wie diese Pakete zu den Bedürftigen gelangen sollen. Ausgangs- und Versammlungsverbot führen dazu, dass selbst die während des Ramadans üblichen «Armenspeisungen» in den Moscheen dieses Jahr ausfallen.

Auch die Projektmitarbeitenden der Fastenaktion sind eingeschränkt. Reisen in die Dörfer sind derzeit nicht möglich. Doch unterstützen sie die Menschen so gut es geht, ihr wichtigstes Kommunikationsmittel derzeit ist das Telefon. Sie verbreiten Informationen und Verhaltensregeln, sie beraten die Gruppen und vermitteln bei allfälligen Schwierigkeiten. Zudem arbeiten sie mit den lokalen Behörden zusammen und unterstützen die Hygienemassnahmen. Dazu gehört auch das Verteilen der selbstgemachten Seifen.

 

Selbst gemachte SeifenEine Auswahl von selbst hergestellten Seifen

Was Frauen der Partnerorganisation ADK zu Ihrer Seifenproduktion sagen

« Ich habe importierte Seifen mit unserem Produkt verglichen und das Ergebnis ist, dass das mit Palmöl, Sheabutter und Zitronenblättern hergestellte Produkt wirksamer ist und aktivierend wirkt. Ich bin Präsidentin unserer Kalebasse und wir haben gemeinsam beschlossen, künftig eine grössere Menge zu produzieren.»

Ndèye Diarra, Calebasse 10

« Die hergestellten Seifen werden nicht nur von den Konsumentinnen und Konsumenten geschätzt, sondern ermöglichen uns auch ein Einkommen. »

Maty Dioufm Calebasse 8

Seifenherstellung bei der Partnerorganisation ALSE

 

Partnerorganisation ALSE: Seifenherstellung 1
Partnerorganisation ALSE: Seifenherstellung 2
Partnerorganisation ALSE: Seifenherstellung 3

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Partnerorganisationen der Fastenaktion informieren über Corona und verteilen Material zur Desinfektion.Partnerorganisationen der Fastenaktion informieren über Corona und verteilen Material zur Desinfektion.

In Haiti ist die Situation verheerend: Klimawandel und eine korrupte Regierung bringen viel Leid über das Land. In das bestehende Chaos kommt nun der Corona-Virus hinzu - worüber nur ungenügend informiert wird. Die Partnerorganisationen der Fastenaktion informieren ihre Solidaritätsgruppen und geben Hygienematerial ab.

Menschen mit Corona-Virus werden stigmatisiert

Viele befürchten, dass es in Haiti bei einem grösseren Ausbruch der Covid-Krankheit zu Gewalt kommen könnte. Es gibt bereits Berichte über Gewaltausbrüche. Es wurden Personen mit verdächtigen Symptomen angegriffen und sogar ein Spital, welches diese Betroffenen behandelt hat.

Haitianischer Staat mit widersprüchlichen Informationen

Der Premierminister hat noch Mitte April gemeldet, dass Haiti bezüglich dem Corona-Virus über dem Berg sei. Es ging wohl vor allem darum, die Textilfabriken für den Export wieder zu öffnen. In den Fabriken können jedoch die Abstands- und Hygieneregeln nicht eingehalten werden. Seit 22. April besteht nun wieder der Ausnahmezustand.

Fastenaktion informiert über das Virus und verteilt Hygienematerial

Alle Partnerorganisationen der Fastenaktion organisieren Sensibilisierungs-Aktivitäten. Sie informieren, wo sie können, über die Gefährlichkeit des Virus und über Hygienemassnahmen. Zusätzlich haben sie Material zum Händewaschen organisiert: Kübel mit Hähnen und Seife zur Desinfektion.

 

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Porträt Aimé SawadoAimé Sawado ist Koordinatorr der Bäuerinnenorganisation Akofed

Burkina Faso, das «Land der aufrechten Menschen», wie es übersetzt heisst, ist eines der ärmsten Länder der Welt. Weit mehr als die Hälfte muss mit weniger als einem Dollar täglich auskommen. Auf die Coronakrise reagieren die Politiker/innen mit Schliessung und Ausgangsverbot. Das treibt die Menschen noch weiter in die Armut.

Betroffen waren zuerst Minister/innen, Botschafter/innen, ein eben erst aus Frankreich zurückgekehrter Pastor und seine Frau, sowie der Erzbischof von Ouagadougou. Sie waren die ersten Covid-19 Patient/innen in Burkina Faso. Doch seit dem Auftreten der ersten Fälle Anfang März, hält hat das ganze Land den Atem an.

Die von der Regierung ergriffenen Massnahmen, um die Ansteckung zu verlangsamen oder zu stoppen, trifft die arme Bevölkerung besonders hart. Es gilt Quarantäne in den Städten, es herrscht landesweit ein Mangel an Schutzmasken, Seife und Desinfektionsmittel. Märkte, Gotteshäuser, Schulen und Bahnhöfe sind geschlossen.

Die Präventionsmassnahmen so gut es geht umsetzen

Akofed (Association Koglzanga féminin pour le développement), die Partnerorganisation der Fastenaktion, ist in der ländlichen Gemeinde Tikaré, 140 km von der Hauptstadt entfernt aktiv.

Aimé Swado der Koordinator erzählt: «Die von 19.00 Uhr bis 5.00 Uhr morgens festgelegte Ausgangssperre wird eingehalten, auch wenn viele Menschen in der Region dies als ungerechtfertigt empfinden, da die Städte, allen voran Ouagadougou, die meisten Ansteckungen verzeichnen. An der Organisation gesellschaftlicher Ereignisse hat sich wenig oder gar nichts geändert, da nach wie vor Zusammenkünfte bei Beerdigungen und glückliche Ereignisse wie Hochzeiten stattfinden.»

Zwar praktizieren einige Familien das Händewaschen, doch Distanz zu halten fällt allen schwer, denn das passt einfach nicht in den soziokulturellen Kontext. Händeschütteln, in Gruppen diskutieren, miteinander Zeit zu verbringen gehört zur Kultur der Burkinabe.

Schwerer Rückschlag für die Projekte

Doch die Bevölkerung von Tikaré lebt in ständiger Angst, wie sich die Situation weiter entwickeln wird. Die über die internationalen Medien verbreiteten Informationen, die tägliche Zahl der Todesfälle in den am stärksten betroffenen Ländern, die tägliche Aktualisierung der Situation in Ouagadougou, die Zahl der Neuinfektionen, Todesfälle und Genesungen, verschlimmern diese noch. Auch die mangelnde Gesundheitsversorgung – im ganzen Land gibt es fünf Beatmungsgeräte und das für über zehn Millionen Menschen – schüren zusätzliche Ängste. Die Behörden sind sich dieser Situation zwar bewusst; doch was sollen sie tun, falls die Katastrophe eintrifft? 

Aimé Sawado, der Koordinator von Akofed ist mehr als besorgt. «Durch das Versammlungsverbot und die sozialen Distanzierungsmassnahmen dürfen wir uns nicht mehr mit den Begünstigten treffen, verschiedene unserer Aktivitäten sind zum Erliegen gekommen. Das trifft die Menschen, die in der Solidaritätskalebasse organisiert sind besonders hart. Denn normalerweise treffen sie sich wöchentlich, um sich auszutauschen und auch um untereinander Geld zu sammeln, um für harte Zeiten gewappnet zu sein. Doch das ist jetzt verboten. Glücklicherweise dürfen die Felder noch bearbeitet werden. Aber wenn die Schliessung der Märkte und andere Massnahmen über die Trockenzeit hinaus andauern, werden wir in eine schwere Hungerkatastrophe schlittern.»

Colette Kalt, Fastenaktion

Covid-19 und seine Auswirkungen  in Burkina Faso – Stand 1. Mai 2020

645 Personen erkrankt an Covid-19, 43 Tote, 506 geheilte. Die tatsächliche Zahl ist nicht bekannt, da es an Testkits mangelt und eine medizinische Versorgung praktisch inexistent ist. 600’000 Menschen sind intern auf der Flucht vor Terrorgruppen im Norden und Osten des Landes. 

Fastenop

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Seit zwanzig Jahren feiern die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) und der Internationale Verband zum Schutz von Pflanzenzüchtungen (UPOV) am 26. April den Welttag für geistiges Eigentum. In diesem Jahr unter dem Motto «Innovationen für eine grüne Zukunft». Partnerorganisationen der Fastenaktion auf der ganzen Welt verurteilen diesen irreführenden Aufruf. Sie riefen deshalb zum Internationalen Saatguttag auf, der die Arbeit und das Wissen von Millionen von Bäuerinnen und Bauern honoriert.

Der sogenannte UPOV-Sortenschutz ist neben den Saatgutgesetzen Teil jener globalen Gesetzgebungen, die das geistige Eigentum schützen, die industriellen Nahrungsmittel- und Agrarsysteme unterstützen und festigen. Wie bereits während der Ökumenischen Kampagne 2020 aufgezeigt, basieren diese Systeme auf der Kommerzialisierung von Natur und Wissen und untergraben die Rechte der Bäuerinnen und Bauern, die bäuerlichen Anbausysteme sowie die biologische Vielfalt. Die Fastenaktion-Partnerorganisationen sind überzeugt, dass die industrialisierte Landwirtschaft die Zukunft des Planeten und der Menschen in grosse Gefahr gebracht hat.

Gerade leben wir in aussergewöhnlich herausfordernden Zeiten. Die Corona-Pandemie hat eine Wirtschaftskrise geschürt und die Risiken, Fragilität und Ungerechtigkeiten in unseren Ernährungssystemen offengelegt. Deshalb sagt die philippinische Partnerorganisation Searice: « Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir unsere Saatgutvielfalt, unsere vielfältigen Ökosysteme und unsere Biokulturlandschaften, die lokale Ernährungssysteme und Millionen von Lebensgrundlagen unterstützen, zurückgewinnen. Angesichts der Pandemie fordern wir den vollen Schutz und die Einhaltung der Rechte von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern.»

UPOV legt sich ein grünes Mäntelchen um

Gemäss WIPO und UPOV sei das geistige Eigentumsrecht an Saatgut gleichbedeutend mit der Innovationsförderung in der Pflanzenzüchtung. Doch dem widersprechen die Partnerorganisationen der Fastenaktion vehement. «Das System, dass die WIPO und UPOV fördern, behindert, untergräbt, beschränkt und entwertet stattdessen lokale Innovationen und traditionelle Wissenssysteme. Das von ihnen propagierte Modell ist ungeeignet für die Bäuerinnen und Bauern des globalen Südens, da sie weitgehend auf jahrhundertealte Systeme der Saatgutgewinnung und des Saatgutaustausches angewiesen sind.»

Tatsächlich sind es der Einfallsreichtum und die Innovationen der kleinbäuerlichen Familien, die die Welt ernähren, widerstandsfähige Nutzpflanzen hervorbringen und gesunde und nahrhafte Lebensmittel liefern – und dies auch in Krisenzeiten.

Gerne präsentiert sich die Agrarindustrie der Weltöffentlichkeit als Retterin in der Ernährungssicherheit. Gleichzeitig trägt sie aber auch eine Mitverantwortung an der Klima- und Umweltkrise.

Für die Partnerorganisationen ist ein solches Verhalten nicht akzeptabel: «Es darf nicht zugelassen werden, dass sich Unternehmen neu erfinden, um sich nun als Retter darzustellen. Sie sollten auch nicht mit dem Recht auf geistiges Eigentum belohnt werden, sind sie es doch, die Saatgut zu einer Ware machen und monopolisieren und die Rechte der Bäuerinnen und Bauern verletzen.»

Die unterzeichnenden Organisationen, verurteilen diese äusserst einseitige Sichtweise und sind schockiert über die Schönfärberei, mit der Sortenschutz nach UPOV und die Patente als Motor für eine grüne Zukunft angepriesen werden. Deshalb haben sie am 26. April alternativ zu einem Internationalen Saatguttag aufgerufen, der die Wichtigkeit der Bäuerinnen und Bauern bei der Saatgutgewinnung, dem Erhalt der Biodiversität und der Sicherstellung der Nahrung auch in Krisenzeiten garantiert.

Sie unterstützen das Anliegen unserer Partnerorganisationen? Unterschreiben Sie noch heute diese Petition, die bereits von vielen Umwelt- und Saatgutorganisationen weltweit unterschrieben wurde.

Erfahren Sie hier mehr über die Koalition.

Helfen sie mit, dass sich die Menschen im globalen Süden für ihr Saatgut einsetzen können

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Noch während der Ökumenischen Kampagne verliess Mercia Andrews von der Fastenaktion-Partnerorganisation Rural Women Assembly (RWA) die Schweiz. Die Mehrheit ihrer Auftritte war abgesagt worden, gleichzeitig sorgte sie sich, was sie zu Hause erwarten würde.

Mercia Andrews, auch sie derzeit im Home Office, erinnert sich an ihren überstürzten Aufbruch. «Die Szene, die sich mir am Flughafen Zürich am Abend des 9. März präsentierte war unheimlich. Der Flughafen war menschenleer. Eine Stunde vor dem geplanten Abflug wurde der Flug gestrichen. Nach viel Unruhe und wenig Schlaf flog ich am nächsten Morgen mit etwa 40 anderen Passagieren nach Hause.»

Kein Geld für Lebensmittelvorräte

Am Flughafen Johannesburg wurde ihr, wie allen anderen Ankommenden, die Temperatur gemessen. «Ich ging sofort zum Arzt und wollte mich testen lassen. Doch da ich keine Symptome hatte, wurde ich nicht getestet, es mangelte an Testkits. Während der folgenden 14 Tagen musste ich mich an die staatlichen Vorschriften zur Selbstisolierung halten.»

In dieser Zeit bereitete Südafrika den Lockdown vor. Am 23. März trat die Ausgangssperre in Kraft, ein totales Flugverbot wurde verhängt. Über die daraus entstehenden Folgen ist Andrews sehr besorgt: «Seit mehr als drei Wochen leben wir nun mit einem der striktesten Lockdowns überhaupt. Wir stehen deshalb vor vielen Herausforderungen. Während die Mittelschicht Lebensmittel horten kann, mussten arme Menschen warten, bis zu ihrem Zahltag oder bis zum Tag der Auszahlung der Sozialhilfeleistungen oder Renten, um überhaupt etwas einkaufen zu können.»

Wasser – keine Selbstverständlichkeit

In vielen Gebieten haben die Menschen keinen Zugang zu Wasser, um sich regelmässig die Hände waschen zu können. Und in den überfüllten Häusern und in den Townships ist eine Selbstisolierung unmöglich. Oft leben da bis zu zehn Menschen auf engstem Raum. «Deswegen nehmen viele die Ausgangssperre nicht ernst, Polizei und Armee greifen dann aufs Brutalste durch. Viele Menschen haben zudem keinen Zugang zu Radio, Fernsehen und Internet und verfügen nur über beschränkte Informationen über Art und Umfang der von der Epidemie ausgehenden Bedrohung.»

Gleichzeitig beobachtet Mercia Andrews Erstaunliches. Denn die Regierung steht unter Druck. «Tabus von gestern werden auf einmal gebrochen. Die Sparmassnahmen, die zu einem gefährlichen Abbau der Gesundheitsdienste geführt haben, treffen uns jetzt mit voller Härte. Plötzlich ist Finanzminister Tito Mboweni dafür offen, Geld auszugeben, das er gemäss seinen Aussagen vorher nicht hatte.» 

Auf einmal scheint es auch möglich, dass in Townships und informellen Siedlungen den Menschen Land zur Verfügung gestellt wird, obwohl sie vor kurzem noch verhaftet wurden, wenn sie aus purer Not Land besetzten. Pflegepersonal und Gesundheitsarbeiter/innen in den Gemeinden, die im Allgemeinen ein Schattendasein fristen, werden jetzt als unverzichtbar anerkannt.

Frauen leiden besonders

Viele Regierungen in den Ländern des südlichen Afrika, in denen Gruppen des Rural Woman Assembly aktiv sind, befolgen die südafrikanische Strategie und haben ebenfalls einen Lockdown verhängt.

Wie Mercia Andrews berichtet, kritisieren viele der Mitglieder die militarisierte, von oben nach unten durchgesetzte Abriegelung. «Ich bin in grosser Sorge und fürchte den Gedanken an eine sich ausbreitende Epidemie in der Region, denn durch die vorangegangenen Sparmassnahmen sind unsere Gesundheitsinfrastrukturen sehr zerbrechlich. Als Bäuerinnenorganisation konzentrieren wir uns auf die Bewusstseinsbildung. Wir richten interne Kommunikationssysteme ein, um auch Frauen in abgelegenen Regionen erreichen zu können. Für diese sind die Schliessung der lokalen Märkte und des informellen Sektors ein grosses Problem, das sich unmittelbar auf ihr Einkommen auswirkt. Die Polizei weist zudem bereits auf eine deutliche Zunahme von geschlechtsspezifischer Gewalt hin.»

Bereits zwei Wochen nach Beginn der Ausgangssperren berichtete Polizeiminister Bheki Cele, dass 87’000 Menschen die Polizei gerufen hätten, weil sie häusliche Gewalt in ihrem Haus vermuteten. Wie viele Personen in diesem Zusammenhang verhaftet wurden, konnte er nicht sagen.

Zusammen mit den anderen Fastenaktion-Partnerorganisationen in Südafrika, hat Mercia Andrews mittlerweile die C-19 Peoples Coalition gegründet. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, möglichst viele Menschen über Covid-19 zu informieren, damit die richtigen Massnahmen ergriffen werden und die Ausbreitung des Coronavirus in Südafrika gestoppt werden kann.

Am 22. April waren die Zahlen noch vergleichsweise tief: 

 

  Südafrika Schweiz
Angesteckte Personen 3’159  27’740 
Todesfälle 54  1’393 
Durchgeführte Tests 114’711 221’263
Bevölkerung total 2018 57.8 Millionen 8.5 Millionen

 

Update 1. Mai 2020

Inzwischen sind es in Südafrika 103 Todesfälle (Schweiz: / 1737) und 5647 (Schweiz: / 29,705) bestätigte Ansteckungen. Die Regierung von Cyril Ramaphosa plant, die Ausgangssperre ab 1. Mai vorsichtig zu lockern.

 

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Ines Pérez und Yojana Miner

Inés Pérez Hernández und Yojana Miner, die Koordinatorinnen des Landesprogramms Guatemala berichten regelmässig zur Corona-Krise im Land. Sie rechnen mit lang andauernden negativen Folgen für die benachteiligte indigene Bevölkerung.

«Die informelle Wirtschaft ist zum Stillstand gekommen. Das betrifft jene schwer, die von Tag zu Tag leben. Es herrscht grosse Besorgnis darüber, wie die Nahrungsmittel beschafft werden können, wenn man die Häuser nicht verlassen darf und keine finanziellen Mittel vorhanden sind.

Die Überweisungen an Familien, welche Verwandte in den Vereinigten Staaten oder in anderen Ländern haben, fliessen nicht mehr reibungslos, denn die Banken haben 75 Prozent ihrer Dienstleistungen eingestellt. Wir befürchten starke negative Auswirkungen: Es fehlt an Nahrung und die Unterernährung – rund 60 Prozent der Bevölkerung leben bereits unter der Armutsschwelle – wird zunehmen.

Davon betroffen ist vor allem die indigene, ländliche Bevölkerung, also unsere Hauptzielgruppe in den Projekten. Diese Krise wird bei ihr wohl tiefe Spuren hinterlassen. Die Partnerorganisationen der Fastenaktion, mussten einen grossen Teil ihrer Aktivitäten aufgrund des Versammlungsverbots reduzieren. Sie arbeiten aber mit alternativen Kanälen, über das Telefon und die Sozialen Medien und informieren die Menschen in den Projekten auch, wie sie sich vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus schützen können. 

Wir selbst arbeiten seit Mitte März von zu Hause aus und sind in stetem Kontakt mit den Partnerorganisationen, unterstützen sie, so gut es geht. Wir hoffen, dass die Projekte von Oktober bis Dezember ihre geplanten Aktivitäten  nachholen können. 

Druck der Regierung auf die zivile Gesellschaft hält an

Der Kongress stellte bis anhin seine Arbeit nicht ein – das ist ein weiteres grosses Risiko, denn es könnten während der Ausgangssperren Gesetze verabschiedet werden, welche die Rechte der Bevölkerung verletzen. Wir hoffen, dass das Gesetz zu den Nichtregierungsorganisationen, welches unsere Arbeitsmöglichkeiten stark einschränken würde, nicht jetzt behandelt wird.

Was den Fokus des Guatemala-Programms betrifft: Das zentrale Problem in dieser Krise ist der Zugang zu und die Verfügbarkeit von Nahrung. Es zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist, das Recht auf Nahrung zu betonen und wie notwendig es ist, die Anliegen der ländlichen, indigenen Bevölkerung ins Zentrum zu stellen.»

Inés Pérez und Yojana Miner, Koordinatorinnen des Ökumenischen Landesprogramms Guatemala.

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Hier finden Sie mehr zum Guatemalaprogramm der Fastenaktion allgemein.

 

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Präsident von Guatemala, Alejandro Giammattei

Die Entwicklung der Corona-Krise in Guatemala

Am 13. März verkündete Präsident Giammattei den ersten Corona-Fall des Landes – ein Guatemalteke, der aus Italien gekommen war. Bereits ab 16. März wurden daraufhin alle Schulen geschlossen und weitere Massnahmen verkündet:

  • Land-, Luft- und Seegrenzen sind geschlossen, die Einreise von Ausländerinnen und Ausländern nach Guatemala ist verboten.
  • Keine Versammlungen mehr für mehr als 3 Personen, Osterprozessionen sind abgesagt.
  • Es herrscht totale Ausgangssperre von 16 – 4 Uhr.
  • Der öffentliche Verkehr wird eingestellt.
  • Einkaufszentren sind geschlossen, ebenso Bars, Clubs und Restaurants. Ausnahmen sind Apotheken, Tankstellen und grundlegende Dienstleistung.
  • Personen über 60, solche mit besonderen Risiken und Schwangere müssen grundsätzlich zu Hause blieben.

Die Regelungen gelten vorläufig bis zum 20. April, die Schulen bleiben bis Ende April geschlossen. Wer die angeordnete Ausgangssperre nicht einhält oder andere Regeln bricht, hat mit drastischen Strafen zu rechnen: Geldbussen ab umgerechnet 850 Franken oder Gefängnis bis zu 6 Jahren. Das trifft vor allem Menschen, die im informellen Sektor arbeiten und die Ausgangssperre nicht einhalten können.

Vor Ostern wurden die Massnahmen verschärft – unter anderem sind alle Reisen innerhalb des Landes verboten. Der Präsident versprach gleichzeitig 11 Milliarden Quetzal – rund 1.35 Milliarden Franken – bereit zu stellen: Unter anderem sollen 2 Millionen Familien für drei Monate je 1000 Quetzales – rund 120 Franken – erhalten. Ob und wie dies umgesetzt wird, ist offen. Es wurde auch das Thema der häuslichen Gewalt angesprochen und die Frauen wurden gebeten, sich zu melden, wenn sie davon betroffen sind. 

Am 8. April meldete die Regierung, dass täglich rund 20 Ansteckungen dazu kommen und 11‘000 Personen unter Quarantäne gestellt wurden. Wohl wissend, dass das Gesundheitssystem für eine Krise nicht gewappnet ist, drohte der Präsident, die Präventionsmassnahmen erst dann zurückzuziehen, wenn die Neuansteckungen weniger als 12  pro Tag betragen.  Bis zum 12. April gab es insgesamt 156 bestätige Ansteckungen, davon starben 5 Personen, 19 Personen gelten als geheilt. 

Teodulo und Delia Badillo

Warum Agrarökologie krisenresistent macht

Die Bäuerin Delia Badillo und ihr Mann Teodulo haben auf der philippinischen Insel Mindanao einen eigenen Hof. Gerade in Zeiten von Corona ist die Selbstversorgung der Familie mit agrarökologischen Methoden zentral. Während viele Menschen auf Nahrungsmittellieferungen angeweisen sind, kommt diese Kleinbauernfamilie mit der Hilfe der Fastenaktion gut durch die Krise.

Die Warenbewegungen im Land sind drastisch eingeschränkt worden aufgrund der von der Regierung verhängten Sperre. In den Städten ist die Versorgung mit Lebensmitteln bereits jetzt vielerorts alarmierend. Es wird befürchtet, dass sich die Nahrungsmittelkrise in den kommenden Monaten noch verschärfen wird, wenn die Sperre wahrscheinlich verlängert wird und die Situation weiterhin aussergewöhnlich bleibt.

Bauern und Bäuerinnen sind gut auf die Corona-Krise vorbereitet

Menschen wie die Badillos haben nun mehr Möglichkeiten als andere: „Es geht uns hier gut, trotz der von der Regierung durchgeführten Sperre. Unser Bauernhof versorgt uns mit allem Nötigen“, sagt Delia Badillo. Sie und ihr Mann Teodulo – oder „Dokdok“, wie er überall genannt wird – bewirtschaften ihre Felder mit agrarökologischen Methoden. Ständig führen sie Innovationen auf dem Bauernhof durch, passen ihr Saatgut an. Auch teilen sie ihr Wissen uneigennützig mit den Bäuerinnen und Bauern in der Region der Halbinsel Zamboanga und in mehreren Teilen Mindanaos.

Diversität der landwirtschaftlichen Produkte zahlt sich aus

Auf ihrem ein Hektar grossen Bauernhof pflanzen sie Reis, Gemüse, Obstbäume und Kräuter an und ziehen Ziegen, einheimische Hühner und Enten auf. Begleitet werden sie dabei vom landwirtschaftlichen Know-How der Fastenaktion-Partnerorganisation Agro-Eco. Für ihr Engagement wurde die Organisation bereits mit einem internationalen Agrarökologie-Preis ausgezeichnet. Mit der agrarökologischen Anbaumethode versorgt sich die Familie Barillo ganzjährig mit nahrhaftem Essen, mit Medikamenten, natürlichen Düngemitteln. Dass sie auf viele verschiedene Nahrungsmittel setzen, garantiert ihnen zudem ein regelmässiges Einkommen und sogar einen grösseren Ertrag, als wenn sie nur Reis angepflanzt hätten.

Delia Badillo bekräftigt: „Agrarökologie macht unsere Familie flexibler, um mit einer solchen Situation fertig zu werden. Die diversifizierten Anbaumethoden sind ein wesentliches Element für den Fortbestand der Bäuerinnen und Bauern und der lokalen Wirtschaft.»

Text: Geonathan Barro von der philippinischen Partnerorganisation Agro-eco

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. 

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Corona: Wird Agrarökoklogie auf den Philippinen zum Trend?

Rund 1’500 agrarökologische Bauernbetriebe, die von unserer Partnerorganisation Agro-Eco unterstützt werden, kommen gut durch die Corona-Zeit. Warum sie gut auf die aktuelle Krise vorbereitet sind, erklärt Karin Wenger in der folgenden SRF-Reportage:

Die Kleinbäuerin Salvadora erntet Ube, eine Art Yamswurzel oder auf Englich "purpel yam".
Hier gibt es mehr Informationen zum Philippinenprogramm allgemein der Fastenaktion. 
Die Solidaritätsgruppen oben haben dieses Haus zum Schutz ihrer Reisvorräte vor Überschwemmungen gebaut . Dem Virus haben sie nichts entgegenzusetzen.

Der Hafenstadt Toamasina an der Ostküste Madagaskars bleibt im Moment nichts erspart. Mitte März wurden als Folge des Wirbelsturmes Herold die tiefer gelegenen Quartiere überschwemmt. In vielen Häusern stand das Wasser knietief. Und als das Wasser begann, sich zurückzuziehen, erfuhren die Menschen von der nächsten Bedrohung: eine weltweite, vor der sich sogar die entwickelten Länder fürchten.

Alle Projekte von Fastenaktion sind mit neuen, zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert. Am 24. März berichtete aus der Hafenstadt Toamasina Jean Céléstin Heriniaina, der Verantwortlichen des Projekts mit rund 1500 Solidaritätsgruppen.

Am 17. März trat in Madagaskar der erste Fall von Covid-19 auf. Die Überschwemmungen und jetzt die Epidemie bringen das Leben durcheinander, viele reagieren panisch. Die Bewohnerinnen und Bewohner von Toamasina versuchen sich trotz des plötzlichen Preisanstiegs mit Reis, Gemüse und anderen Dingen des täglichen Bedarfs einzudecken. Bereits ist das Speiseöl 5% teurer geworden, ein Sack Reis, der vorher 90’000 Ariary (23 Franken) kostete, wird jetzt zum doppelten Preis gehandelt. Im Bazary Kely – dem lokalen Markt – und in den Supermärkten war am 21. März alles leer gekauft. Auch die Tankstellen sind «trocken», es gibt weder Benzin noch Heizöl oder Gas.

Aber wie lange sollen unsere Vorräte reichen? Wir können annehmen, dass die Situation die Armut verstärkt. Madagaskar gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, rund 80 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze von rund 2 Dollar/Tag.

Am 22. März rief der Präsident den Notstand auf und verfügte eine 15-tätige Ausgangssperre für die Hauptstadt und Toamasina. In den Strassen von Toamasina spürt man die Panik der Bewohnerinnen und Bewohner, auch wenn bisher noch keine einzige Ansteckung gemeldet wurde.

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. Es ist in Madagaskar möglich, einen Teil der Beratung der Solidaritätsgruppen über Mobiltelefone zu machen. Die Kredite, welche die Gruppen ohne – oder nur gegen einen kleinen Zinssatz – vergeben, sind auch weiterhin möglich. Da es bisher nur wenig gemeldete Covid-19 Patientinnen und Patienten gibt, besteht die Hoffnung, dass sich das Virus nicht epidemisch ausbreitet – Es würde verheerende Folgen für die arme Bevölkerung haben.

Um diese Arbeit halten und weiterführen zu können, sind wir froh um jede Spende. Hier erfahren Sie mehr zu unserem Madagaskarprogramm.

 

 

Covid-19 als Zeitbombe für das Regime

Der Journalist Stefan Frey lebt in Olten und Diego Suarez im Norden von Madagaskar. Er hat dort die Organisation Mad’éole gegründet, welche Dörfer mit Wind- und anderen erneuerbaren Energien versorgt. Lesen Sie in seinem Artikel vom 5. April, was er als kritischer Beobachter zu Madagaskar und Covid-19 schrieb.

Am 1. April 2020, veröffentlichte die Beobachtungsstelle des öffentlichen Lebens in Madagaskar (Observatoire de la vie publique – SeFaFi), eine kritische Beurteilung des madagassischen Gesundheitswesens und äusserte schwerwiegende Zweifel an dessen Fähigkeiten im Hinblick auf die Bewältigung der Pandemie. Zehn Tage vorher hatte Staatspräsident Andry Rajoelina in einem pompösen Fernsehauftritt offiziell verkündet, dass das Corona-Virus zwischen dem 11. und 22. März mit Flügen aus Europa gelandet sei.

Die Regionen um die Hauptstadt Antananarivo und um die Hafenstadt Toamasina wurden unter Quarantäne gestellt, der Luftraum seit dem 22. März gesperrt, ebenso die Häfen. Dem Präsidenten zufolge zählte das Land am 2. April 59 Covid-19-Fälle. Kein Mensch im Land glaubt es, dafür werden die Ausgabestellen für Lebensmittelpakete von Tausenden gestürmt. Bilder vom Massenandrang verspotten die vom Präsidenten – der sich jetzt jeden zweiten Tag über die per Notstandsmassnahme requirierten Medien ans Volk wendet.

SeFaFi weist in ihrer neusten Verlautbarung auf ein zur Kultur gewordenes Phänomen hin: die Korruption. Auch im Gesundheitssystem seien Machtmissbrauch, Veruntreuung und offene Korruption längst zu einer existentiellen Bedrohung geworden. Die jahrelange Vernachlässigung des Gesundheitssektors habe die Spitäler praktisch ihrer Behandlungsmöglichkeiten beraubt. Neun von zehn Menschen der ländlichen Bevölkerung haben übrigens überhaupt keinen Zugang zum Gesundheitswesen.“

Zu den Projekten der Fastenaktion meint Frey: „Daneben gibt es zahlreiche rein privat organisierte und finanzierte Projekte, aus denen insbesondere jenes der Fastenaktion hervorzuheben ist, das über die Selbsterkennung der Schuldenspirale zur Selbstorganisation von Schuldnergruppen und schliesslich zu deren Befreiung aus den Wucherer-Fesseln führt. Weit über hunderttausend Menschen konnten so eine nachhaltige Perspektive entwickeln.“

Lesen Sie den ganzen Artikel von Stefan Frey zur Situation in Madagaskar auf Infosperber

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1,3 Milliarden Inderinnen und Inder stehen unter Ausgangssperre. Für die arme Bevölkerung ist dies eine grössere Bedrohung als die Krankheit selbst.

1,3 Milliarden Inderinnen und Inder stehen wegen dem Virus bis zum 31. März unter Ausgangssperre. Für die Männer und Frauen im informellen Sektor ist das Leben dadurch momentan stärker bedroht, als durch die Krankheit selbst.

Alle Projekte von Fastenaktion sind mit neuen, zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert. Besonders drastisch zeigt sich das in Indien. Tobias Buser, Programmverantwortlicher für das Programm der Fastenaktion in Indien sagt:

Die Situation ist schwierig und verschlimmert sich laufend, weil niemand Zeit hatte, sich auf die Ausgangssperre vorzubereiten. Das gilt vor allem für jene, die im informellen Sektor arbeiten und für die Armen auf dem Land. Überall kommt es zu Aufständen und zu Hunger als Resultat der plötzlichen Arbeitslosigkeit der vielen Tagelöhner und Tagelöhnerinnen aufgrund der strikten Ausgangssperre. Weil sich diese von einem Tag auf den anderen keine Unterkunft und kein Essen mehr leisten können, versuchen sie trotz fehlender Transportmittel in ihre Herkunftsorte zurückgelangen. Das führt zu riesigen Fluchtbewegungen zu Fuss. Und natürlich trägt es zur Verbreitung des Virus bei.

Es ist sehr schwierig geworden, sich mit Nahrungsmitteln zu versorgen oder medizinische Hilfe zu erhalten, denn wer sich nicht an das Ausgehverbot hält, wird von der Polizei brutal behandelt.

 

Tobias Buser, Programmverantwortlicher Indien und Madagaskar

Wie geht es weiter im Indienprogramm?

Wie geht es weiter im Indienprogramm?

Eines kann Tobias Buser bereits jetzt klar sagen:

Wir arbeiten in unserem Programm in Indien mit stark benachteiligten, landlosen Adivasi-Gruppen, die sich Zugang zu Waldland sichern und sich in agrarökologischer Landwirtschaft weiterbilden. Diese Strategie–– erweist sich auch jetzt als sehr hilfreich. Dadurch haben die Leute in den Projekten eigene Nahrungsmittel zur Verfügung – und das in der schlimmsten aller bisherigen schlechten Zeiten!

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und ihre Arbeit den Umständen anpassen können. Bereits versorgen einige Organisationen die Leute mit kurzen Videos über WhatsApp, mit Infos, wie sie sich vor dem Virus schützen können. Sie planen Radiosendungen zum Thema – auch um über schädliche Fake News aufzuklären. Es ist vielerorts möglich, die Menschen in den Projekten über Mobiltelefone zu beraten – zum Beispiel zu Landwirtschaftsfragen – und so mit ihnen in Kontakt zu bleiben. In Ausnahmefällen ist es auch möglich, für hungernde Familien Nothilfe zu leisten.

Um diese Arbeit halten und weiterführen zu können, sind wir froh um jede Spende. Hier erfahren Sie mehr über das Indienprogramm allgemein.

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Quinta Titus rechts, lange bevor die verordneten Einschränkungen Namaqualand an den Rand des Kollapses brachten. ©Fastenaktion/Claudia Fuhrer

Die Fastenaktion-Partnerorganisation Namko, ist eine der wenigen NGOs, die noch im Gebiet von Namaqualand tätig ist und die Folgen der verordneten Einschränkungen wegen des Coronavirus, hautnah zu spüren bekommt.

Wie Quinta Titus, die Geschäftsleiterin von Namko berichtet, waren die Menschen der isolierten und armen Gemeinde im äussersten Westen der Nordkap-Provinz überzeugt, dass es sich beim Coronavirus um das Virus des reichen Mannes handelt. Ein aus China in den Rest der Welt verschlepptes Virus. Und da nur reiche Leute in der Lage sind, nach Übersee zu reisen, hätten sie in ihrer Abgeschiedenheit nichts zu befürchten.

Umso mehr erstaunte sie, als der Staatspräsident Abriegelungsmassnahmen verkündete. Nach wie vor waren die Menschen in der abgelegenen Region überzeugt, dass diese Anordnungen sie nicht betreffen würden. Als jedoch die südafrikanische Polizei und das Militär begannen, in den Gemeinden zu patrouillieren, erinnerte dies viel ältere Menschen aufs Schmerzlichste an das alte Apartheidregime. Etliche der jüngeren Generationen waren schockiert über die Einschränkungen, das Ausgehverbot und die Schliessung der kleinen Nahrungsmittel-Shops. Ihr Widerstand führte zu einer Zunahme brutaler Polizeieinsätze.

Die Schulen sind geschlossen, deswegen hungern die Kinder

Seit dem 23. März – dem südafrikanischen Lockdown – sind vertraute Aktivitäten wie der Besuch beim Nachbarn, Fussballspielen, in der Gruppe zusammensitzen um sich auszutauschen, und auch mal die Sorgen und Kümmernisse abladen zu können, nicht mehr erlaubt. Quinta Titus sagt: «Wir sind daran gewöhnt, in Zeiten der Not einander Grundnahrungsmittel zu borgen. Doch dafür müssen wir in der Lage sein, uns frei bewegen zu können. So wie die Situation jetzt aber ist, verschärft das den Überlebenskampf unseres Volkes.»

Die einzige Einkommensquelle für die meisten Menschen in der Region sind die staatlichen Sozialbeihilfen und Gelegenheitsjobs wie Putzen, die aber durch die Abriegelungsmass-nahmen nicht mehr gemacht werden können. Die Gemeindemitglieder haben hart zu kämpfen, da viele von ihnen ohne etwas zu essen zu Bett gehen müssen. Auch die Kinder trifft es hart. Bekommen sie doch in der Schule eine gratis Mahlzeit täglich, die wegen der Schliessung nun aber wegfällt. Oft gehen sie jetzt ohne eine anständige Mahlzeit zu Bett, und den Menschen in Namaqualand bricht es das Herz, wenn sie die Kinder vor Hunger weinen hören.

Telefonberatung gegen häusliche Gewalt

Durch diese nur schwer zu ertragende Situation steigt die Frustration, gerade auch bei den Männern. Das wiederum führt zu einer Zunahme von häuslicher Gewalt, und da die Frauen und Kinder keine Möglichkeit haben anderswo hinzugehen, sind sie gezwungen, in dieser schwierigen, oft auch lebensgefährlichen Situation auszuharren. Die Namko-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter versuchen über Facebook und telefonischen Kontakt, den betroffenen Frauen zu helfen. Doch selbst für sie ist es eine grosse emotionale Belastung, da sie nicht in der Lage sind direkte Hilfe anzubieten.

Quinta Titus spricht Klartext: «In der gegenwärtigen Situation hat unser Volk keine Hoffnung, und die staatlichen Hilfsprogramme erreichen nur wenige Menschen, und Elemente der Korruption sind im Nahrungsmittelpaketprogramm offensichtlich. Wenn es jemals eine Zeit gab, in der unser Volk Unterstützung brauchte, nur um zu überleben, dann ist es jetzt.»

Colette Kalt, Fastenaktion

Covid-19 und seine Auswirkungen – Stand 19. April 2020

Die ersten drei Fälle traten zwischen dem 6.-12. März auf. Bisher wurden 3158 bestätigte Fälle gemeldet. 54 Menschen sind an der Krankheit gestorben. Bisher sind 903 Personen wieder genesen. Im ganzen Land wurden 114’711 Tests durchgeführt.

Im Northern Cape verläuft die Ansteckungskurve äusserst flach, gemeldet sind 16 Fälle. In der Provinz Gauteng ist die Ansteckungsrate mit 1148 am höchsten, gefolgt vom Western Cape und Kwa Zulu Natal mit 868, resp. 617 gemeldeten Fällen. Durch die Ausgangssperre nimmt auch die häusliche Gewalt zu. Seit Beginn des Lockdowns wurden in Südafrika bereits 87’000 Fälle häuslicher Gewalt gemeldet.

Namko – eine Partnerorganisation der Fastenaktion

Namko unterstützt die Bevölkerung, sich in Gruppen zusammen zu schliessen, um gemeinsam ihre Lebenssituation zu verbessern. Mit der Bildung und Beratung von Spargruppen wird der Bevölkerung ein Instrument angeboten, um sich von Verschuldung zu befreien. Zudem werden Haus- und Gemeinschaftsgärten angelegt. Mit diesen können einzelne Haushalte und ganze Gemeinschaften ihre Ernährung kostengünstig sichern und zugleich ausgewogener gestalten. Statt teure Nahrungsmittel im Supermarkt einkaufen zu müssen, können sie das Geld für andere dringende Auslagen verwenden oder in den Spargruppen anlegen. Namko führt seit ungefähr 10 Jahren auch Kampagnen gegen häusliche Gewalt durch und berät betroffene Frauen und Kinder.

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Covid-19 und seine Auswirkungen – Stand 19. April 2020

Die ersten drei Fälle traten zwischen dem 6.-12. März auf. Bisher wurden 3158 bestätigte Fälle gemeldet. 54 Menschen sind an der Krankheit gestorben. Bisher sind 903 Personen wieder genesen. Im ganzen Land wurden 114’711 Tests durchgeführt.

Im Northern Cape verläuft die Ansteckungskurve äusserst flach, gemeldet sind 16 Fälle. In der Provinz Gauteng ist die Ansteckungsrate mit 1148 am höchsten, gefolgt vom Western Cape und Kwa Zulu Natal mit 868, resp. 617 gemeldeten Fällen. Durch die Ausgangssperre nimmt auch die häusliche Gewalt zu. Seit Beginn des Lockdowns wurden in Südafrika bereits 87’000 Fälle häuslicher Gewalt gemeldet.

Namko – eine Partnerorganisation der Fastenaktion

Namko unterstützt die Bevölkerung, sich in Gruppen zusammen zu schliessen, um gemeinsam ihre Lebenssituation zu verbessern. Mit der Bildung und Beratung von Spargruppen wird der Bevölkerung ein Instrument angeboten, um sich von Verschuldung zu befreien. Zudem werden Haus- und Gemeinschaftsgärten angelegt. Mit diesen können einzelne Haushalte und ganze Gemeinschaften ihre Ernährung kostengünstig sichern und zugleich ausgewogener gestalten. Statt teure Nahrungsmittel im Supermarkt einkaufen zu müssen, können sie das Geld für andere dringende Auslagen verwenden oder in den Spargruppen anlegen. Namko führt seit ungefähr 10 Jahren auch Kampagnen gegen häusliche Gewalt durch und berät betroffene Frauen und Kinder.