Fastenaktion leitet eine internationale Gruppe von Entwicklungsorganisationen, die sich für die Verwirklichung bäuerlicher Rechte einsetzt – in einzelnen Ländern und auf globaler Ebene. 2023 hat das Projekt RAISE einiges erreicht, doch es gibt noch viel zu tun.

Ein Text von Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion 

RAISE steht für «Rights-based and Agroecological Initiatives for Sustainability and Equity in Peasant Communities» (rechtebasierte und agrarökologische Initiativen für Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit in bäuerlichen Gemeinschaften): Kleinbäuerinnen und -bauern, Viehalter:innen und andere Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten, setzen sich für die Verwirklichung von bäuerlichen Rechten in ihren Ländern und auf globaler Ebene ein. 

Unterstützt werden sie dabei von Fastenaktion und weiteren Entwicklungsorganisationen. Sie setzen das Projekt RAISE seit Anfang 2022 mit Partnerorganisationen in Burkina Faso, Indien, Kenia, Mali, Nepal, Niger und Südafrika um. RAISE wird von der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) kofinanziert und läuft dort unter dem Programm «Menschenrechte in Ernährungssystemen». 

Ziel ist, die «Erklärung für die Rechte von Kleinbäuerinnen, -bauern und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten» (UNDROP) umzusetzen, die der Uno-Menschenrechtsrat 2018 verabschiedet hat. Dies geschieht unter anderem mittels Schulungen zu diversen Themen, etwa über lokal angepasste agrarökologische Landwirtschaft. Zudem werden Behörden und Regierungen der einzelnen Länder ebenso wie internationale Gremien für diese Themen sensibilisiert.  

RAISE war auch 2023 sehr aktiv – die Ergebnisse werden nachfolgend anhand der vier Hauptziele dargestellt, die sich das Projekt gesetzt hat:

1. Bäuerinnen und Bauern kennen ihre Rechte und werden gestärkt, um diese auch einzufordern 

Der Jahresbericht von RAISE zieht zu diesem Ziel eine sehr positive Bilanz. Unter Berücksichtigung der lokalen Situation haben sämtliche Partnerorganisationen einen eigenen Zugang entwickelt, um bäuerliche Gemeinschaften zu schulen. So hat etwa die Organisation Rural Women’s Assembly in mehreren Ländern rund 50 Workshops organisiert und damit über 1500 Personen erreicht, die Mehrheit davon in Südafrika. Und CEMIRIDE, eine weitere Partnerorganisation, hat in Kenia die Anliegen von Kleinbäuerinnen und -bauern bei der Entwicklung des nationalen Klimaaktionsplans 2023-27 eingebracht, was die Anerkennung von traditionellem, indigenem Wissen bei diesem Thema gestärkt hat. 

RAISE hat zudem kleinbäuerlichen Stimmen aus dem Globalen Süden Zugang zu internationalen Grossveranstaltungen ermöglicht, etwa bei der Uno in Genf. Die verschiedenen beteiligten Organisationen haben diese Anliegen mit Medienauftritten und Social-Media-Beiträgen auch in die breite Öffentlichkeit getragen.

 

2. Regierungen, Behörden und andere Verantwortliche kennen die bäuerlichen Rechte und sorgen für ihre Umsetzung 

Hier war RAISE mit einigen Herausforderungen konfrontiert, da es in mehreren Fokusländern Regierungswechsel oder gar Militärputschs gab. Dies führte nicht nur zu politischer Instabilität etwa in Burkina Faso oder Niger, sondern auch zu abrupten Wechseln von Verantwortlichen in relevanten Positionen, was die Zusammenarbeit erschwerte. Auch beklagen Menschenrechtsaktivist:innen eine zunehmende Verschlechterung der Sicherheitslage sowie die Einschränkung von Handlungsspielräumen. 

Trotz solcher erschwerten Bedingungen hat RAISE auch bei diesem Ziel einiges erreicht und war an vielen politischen Strategiedialogen zu agrarökologischen Techniken, Menschenrechtsverletzungen sowie Land- und Saatgutrechten beteiligt. So hat etwa die Partnerorganisation RBM in Burkina Faso und Niger juristische Prozesse zu Landrechten begleitet und hochrangige Treffen mit Regierungsvertreter:innen organisiert. Und SWI Nepal organisierte eine nationale Jugendkonferenz, an der ein landesweites Netzwerk etabliert wurde, das sich an öffentlichen Veranstaltungen für eine chemiefreie Landwirtschaft engagiert.

Ein Mitglied der Rural Women’s Assembly präsentiert einen frisch geernteten Kohl.

3. Mit Unterstützung der Uno werden bäuerliche Rechte in globalen Regelwerken gestärkt

Ein wichtiger Meilenstein für RAISE war 2023 der Beschluss des Uno-Menschenrechtsrats, eine Gruppe von Expert:innen einzusetzen, um die Umsetzung seiner Bauernrechtsdeklaration UNDROP von 2018 weltweit zu überwachen und zu fördern. RAISE will eng mit dieser Gruppe zusammenarbeiten, damit sich Bäuerinnen und Bauern noch mehr Gehör verschaffen können – bei ihren Regierungen und auf internationaler Ebene.   

Daneben waren mehrere Partnerorganisationen an Veranstaltungen von Uno-Ausschüssen präsent und konnten dort ihre Positionen vertreten. Es gab auch regelmässigen Austausch mit Michael Fakhri, dem Uno-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Und gemeinsam mit anderen Entwicklungsorganisationen hat Fastenaktion eine informelle Gruppe gegründet, die die Sensibilisierung für UNDROP in der EU koordiniert.

 

4. Austausch mit potenziellen Allianzpartnern, um bäuerliche Rechte weiter zu stärken

Es konnten erfolgreich neue Kontakte mit relevanten Organisationen der Zivilgesellschaft geknüpft werden. Dies führte unter anderem zu einem lehrreichen Erfahrungsaustausch im Umgang mit Behörden und Regierungen. 

Fastenaktion und CEMIRIDE organisierten beispielsweise im Juni 2023 ein Treffen in Kenia, das erstmals sämtliche Partnerorganisationen von RAISE persönlich zusammenbrachte. Eine Woche lang wurden in Nairobi Erkenntnisse aus der bisherigen Arbeit ausgetauscht und Möglichkeiten zur effektiveren Kooperation und Kommunikation diskutiert.  

Zudem präsentierte Fastenkation das Projekt RAISE am Jahrestreffen der Plattform «defendingpeasantsrights.org», an der rund 25 Organisationen aus aller Welt teilnahmen. Dies weckte zusätzliches Interesse an RAISE und seiner Arbeit.  

Noch fehlt es allerdings an einer systematischen Dokumentation besonders erfolgreicher Strategien und Praktiken, damit diese noch breiter genutzt werden. Und es braucht zusätzliche Aktivitäten, um das Partnernetzwerk zu erweitern und Synergien noch besser zu nutzen, um auf breiter Front die Umsetzung der Bauernrechte einzufordern.

Erfahren Sie hier mehr über das Projekt RAISE.

RAISE setzt sich dafür ein, dass Bäuerinnen und Bauern Gehör finden – lokal und international.

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Der Uno-Menschenrechtsrat setzt im Frühling 2024 eine neue Expertengruppe ein, die für die Förderung und Überwachung der Rechte von Bäuerinnen und Bauern verantwortlich ist. Dies erleichtert die weltweite Sensibilisierung von Behörden und Zivilgesellschaft für die Herausforderungen der kleinbäuerlichen Nahrungsmittelproduktion. 

Obwohl Bäuerinnen und Bauern, Viehzüchter:innen und andere Menschen, die im ländlichen Raum arbeiten, eine tragende Rolle spielen, um die weltweite Ernährungssicherheit zu gewährleisten, erhalten sie in vielen Ländern kaum Unterstützung. Im Gegenteil: Durch die verstärkte Industrialisierung der Landwirtschaft und politische Konflikte wird ihnen der Zugang zu Land, Wasser oder traditionellem Saatgut erschwert oder gar entzogen. Zudem sind sie den Folgen der Klimaerwärmung besonders stark ausgesetzt. 

Damit den Worten Taten folgen 

Um diese Menschen besser zu schützen, verabschiedete die Uno 2018 die «Erklärung für die Rechte von Kleinbauern und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten» (UNDROP), in der unter anderem das Recht auf Land, Wasser, Saatgut und agrarökologische Produktionsformen festgelegt ist. Aber auch das Recht, selbstbestimmt über die eigenen wirtschaftlichen Ziele und Ernährungsweisen bestimmen zu können. 

Nun hat der Uno-Menschenrechtsrat in Genf diese Rechte vergangene Woche nochmals gestärkt: Eine fünfköpfige Expertengruppe soll ab Frühling 2024 sicherstellen, dass den Worten auch wirklich Taten folgen. So erhalten nun weltweit Bäuerinnen und Bauern die Möglichkeit, auf missachtete Rechte hinzuweisen und die Umsetzung der Deklaration in ihrem Land voranzubringen. Das Gremium soll zudem den Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit fördern, Länderbesuche durchführen und auf Rechtsverstösse aufmerksam machen.

Politisches und rechtliches Instrument 

Fastenaktion steht für das Recht auf Nahrung ein und fördert die Rechte der Bäuerinnen und Bauern als Mitglied der Koalition «Friends of the Declaration» und durch das internationale Projekt RAISE («Rights-based and Agroecological Initiatives for Sustainability and Equity»). Dieses hat sich stark für die Bildung einer solchen Expertensruppe eingesetzt und sieht den Entscheid als grossen Fortschritt. «Das ist ein wichtiges politisches und rechtliches Instrument zur Förderung kleinbäuerlicher Rechte», sagt Christa Suter, Expertin für Ernährungssysteme bei Fastenaktion. «Der mit grosser Mehrheit gefallene Uno-Entscheid illustriert zudem die wachsende internationale Anerkennung der zentralen Rolle, die kleinbäuerliche Familien bei der Nahrungsmittelproduktion und beim Schutz von Umwelt und Biodiversität spielen 

Die Arbeitsgruppe besteht aus Expert:innen von fünf Kontinenten, die im März 2024 gewählt werden. RAISE hat angekündigt, eng mit dem neuen Gremium zusammenzuarbeiten, um seinen Erfolg zu unterstützen. Die Stärkung bäuerlicher Rechte ist ein zentraler Pfeiler, um dem Hunger entgegenzuwirken. 

Die Medienmitteilung von RAISE finden Sie hier.

Sie möchten mehr über RAISE erfahren? Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Eine Kleinbäuerin in Südafrika kontrolliert ihr Feld. Sie wird von der «Rural Women’s Assembly» unterstützt, einer Partnerorganisation von Fastenaktion, die auch Teil des Projekts RAISE ist.

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Die Studie über die Rechte der Bäuerinnen und Bauern und die Schweizer Aussenpolitik wird vorgestellt.Die Studie über die Rechte der Bäuerinnen und Bauern und die Schweizer Aussenpolitik wurde heute in Bern vorgestellt.

Bauern und Bäuerinnen ernähren die Welt und sind paradoxerweise in vielen Ländern die Hauptbetroffenen von Hunger und extremer Armut. Seit 2018 legt die UN-Deklaration die Rechte der weltweit marginalisierten Kleinbauern und -bäuerinnen* fest. Eine neue Studie zeigt, dass in der Schweizer Aussenpolitik ein beachtlicher Handlungsbedarf besteht, um die Umsetzung der UN-Deklaration, zu der sich die Schweiz verpflichtet hat, voranzubringen. Die Studie wurde heute Vormittag den zuständigen Schweizer Ämtern vorgestellt.

Für die weltweite Ernährungssicherung spielen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern eine zentrale Rolle. Dennoch sind sie gleichzeitig die Hauptbetroffenen von Hunger und extremer Armut. Zahlreiche Regierungen vernachlässigen in ihrer Landwirtschafts- und Handelspolitik ihre Rechte und Bedürfnisse, und überlassen das Geschäft mit der Nahrung den Agrarkonzernen.

Im Verhandlungsprozess der 2018 von der UNO angenommenen Deklaration über die Rechte der Kleinbäuerinnen und -bauern (UNDROP), mit der ein umfassendes internationales Instrument vorliegt, um ihre Rechte einzufordern und zu verteidigen, hatte der Bund eine Schlüsselrolle inne und setzte sich für deren Annahme ein.

Nun aber zeigt die von Schweizer NGOs in Auftrag gegebene Studie, dass die Schweiz zentrale Bereiche ihrer Aussenpolitik kohärenter gestalten sollte, um zur weltweiten Verwirklichung der Bauernrechte beizutragen.

Die Richtung stimmt, aber es bleibt noch viel zu tun

Die von den Organisationen FastenaktionHEKS, Cetim, FIAN-Schweiz, Heks, Swissaid und Uniterre in Auftrag gegebene Studie, analysiert die Schweizer Aussenpolitik in den Bereichen Handel, Saatgut und Landrechte sowie die Entwicklungszusammenarbeit im Lichte der UN-Deklaration, deckt Mängel auf und präsentiert einen Forderungskatalog.

Die Schweiz setzt auf Handelsliberalisierung und trifft bestimmte Massnahmen zum Schutz der Schweizer Landwirtschaft. Diese national ausgerichtete Politik benachteiligt jedoch die Kleinbauern und -bäuerinnen in den Ländern des Südens und verletzt die in der UNDROP verankerten Rechte. Dadurch verlieren unzählige Menschen ihr Recht auf Land, auf biologische Vielfalt sowie auf eine saubere und gesunde Umwelt. Hier ist die Schweiz aufgefordert, genau hinzuschauen und die Auswirkungen der bestehenden oder künftiger Freihandelsabkommen auf Bauernfamilien in der Schweiz sowie in Partnerländern zu überprüfen. Zudem muss die Mitsprache der Bäuerinnen und Bauern in den Verhandlungen aktiv gefördert und die Standards entsprechend angepasst werden. Die Schweiz soll sich klar für das Recht auf Saatgut positionieren und damit auf strenge Sortenschutzgesetze als Bestandteil von Freihandelsabkommen verzichten.

Bauern und Bäuerinnen züchten, nutzen und vervielfältigen seit jeher Saatgut und tragen damit zum Schutz der Biodiversität bei. Über die Entwicklungszusammenarbeit soll die Schweiz die Entwicklung alternativer Sortenschutzgesetze anregen sowie lokale bäuerliche Saatgutsysteme stärken.

Projekte des Bundes im Einklang mit den Rechten der Bäuerinnen und Bauern

Zudem zeigt die Studie, dass in der neuen Botschaft zur Strategie der internationalen Zusammenarbeit 2021-2024 die Bauernrechte, ausser im Globalprogramm für Ernährungssicherheit der Deza, keine Erwähnung finden, und dass die starke Beteiligung des Privatsektors ein beträchtliches Risiko hinsichtlich der Einhaltung der Menschenrechte und traditioneller Landnutzung darstellt. Die Schweiz muss jedoch sicherstellen, dass alle Projekte von Seco und Deza in Einklang mit den Rechten der Bäuerinnen und Bauern stehen. Um ihre Mitsprache und Mitwirkung zu ermöglichen und zu stärken, empfiehlt die Studie bei der internationalen Zusammenarbeit, Bauern und Bäuerinnen zu unterstützen, damit sie ihre Rechte einfordern und wahrnehmen können. Zudem soll sie die Bildung und Förderung bäuerlicher Organisationen und nationaler bäuerlicher Räte unterstützen.

Beim heutigen Treffen zwischen den NGOs und Vertreterinnen und Vertretern der Bundesämter, darunter das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten und das Institut für Geistiges Eigentum, konnten die Studienresultate präsentiert werden. Die Auftraggeber/innen der Studie schätzen diese Offenheit und hoffen weiterhin auf einen konstruktiven Dialog.

*Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte von Kleinbauern und -bäuerinnen und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten.

Hier finden sie die neue Studie zur Umsetzung der UN-Deklaration durch die Schweiz:

Weitere Auskunft: 

Claudia Fuhrer, Fastenaktion, +41 78 764 34 31

Judith Reusser, Swissaid, +41 78 700 49 61 

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