Fastenaktion leitet eine internationale Gruppe von Entwicklungsorganisationen, die sich für die Verwirklichung bäuerlicher Rechte einsetzt – in einzelnen Ländern und auf globaler Ebene. 2023 hat das Projekt RAISE einiges erreicht, doch es gibt noch viel zu tun.

Ein Text von Ralf Kaminski, Redaktor bei Fastenaktion 

RAISE steht für «Rights-based and Agroecological Initiatives for Sustainability and Equity in Peasant Communities» (rechtebasierte und agrarökologische Initiativen für Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit in bäuerlichen Gemeinschaften): Kleinbäuerinnen und -bauern, Viehalter:innen und andere Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten, setzen sich für die Verwirklichung von bäuerlichen Rechten in ihren Ländern und auf globaler Ebene ein. 

Unterstützt werden sie dabei von Fastenaktion und weiteren Entwicklungsorganisationen. Sie setzen das Projekt RAISE seit Anfang 2022 mit Partnerorganisationen in Burkina Faso, Indien, Kenia, Mali, Nepal, Niger und Südafrika um. RAISE wird von der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) kofinanziert und läuft dort unter dem Programm «Menschenrechte in Ernährungssystemen». 

Ziel ist, die «Erklärung für die Rechte von Kleinbäuerinnen, -bauern und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten» (UNDROP) umzusetzen, die der Uno-Menschenrechtsrat 2018 verabschiedet hat. Dies geschieht unter anderem mittels Schulungen zu diversen Themen, etwa über lokal angepasste agrarökologische Landwirtschaft. Zudem werden Behörden und Regierungen der einzelnen Länder ebenso wie internationale Gremien für diese Themen sensibilisiert.  

RAISE war auch 2023 sehr aktiv – die Ergebnisse werden nachfolgend anhand der vier Hauptziele dargestellt, die sich das Projekt gesetzt hat:

1. Bäuerinnen und Bauern kennen ihre Rechte und werden gestärkt, um diese auch einzufordern 

Der Jahresbericht von RAISE zieht zu diesem Ziel eine sehr positive Bilanz. Unter Berücksichtigung der lokalen Situation haben sämtliche Partnerorganisationen einen eigenen Zugang entwickelt, um bäuerliche Gemeinschaften zu schulen. So hat etwa die Organisation Rural Women’s Assembly in mehreren Ländern rund 50 Workshops organisiert und damit über 1500 Personen erreicht, die Mehrheit davon in Südafrika. Und CEMIRIDE, eine weitere Partnerorganisation, hat in Kenia die Anliegen von Kleinbäuerinnen und -bauern bei der Entwicklung des nationalen Klimaaktionsplans 2023-27 eingebracht, was die Anerkennung von traditionellem, indigenem Wissen bei diesem Thema gestärkt hat. 

RAISE hat zudem kleinbäuerlichen Stimmen aus dem Globalen Süden Zugang zu internationalen Grossveranstaltungen ermöglicht, etwa bei der Uno in Genf. Die verschiedenen beteiligten Organisationen haben diese Anliegen mit Medienauftritten und Social-Media-Beiträgen auch in die breite Öffentlichkeit getragen.

 

2. Regierungen, Behörden und andere Verantwortliche kennen die bäuerlichen Rechte und sorgen für ihre Umsetzung 

Hier war RAISE mit einigen Herausforderungen konfrontiert, da es in mehreren Fokusländern Regierungswechsel oder gar Militärputschs gab. Dies führte nicht nur zu politischer Instabilität etwa in Burkina Faso oder Niger, sondern auch zu abrupten Wechseln von Verantwortlichen in relevanten Positionen, was die Zusammenarbeit erschwerte. Auch beklagen Menschenrechtsaktivist:innen eine zunehmende Verschlechterung der Sicherheitslage sowie die Einschränkung von Handlungsspielräumen. 

Trotz solcher erschwerten Bedingungen hat RAISE auch bei diesem Ziel einiges erreicht und war an vielen politischen Strategiedialogen zu agrarökologischen Techniken, Menschenrechtsverletzungen sowie Land- und Saatgutrechten beteiligt. So hat etwa die Partnerorganisation RBM in Burkina Faso und Niger juristische Prozesse zu Landrechten begleitet und hochrangige Treffen mit Regierungsvertreter:innen organisiert. Und SWI Nepal organisierte eine nationale Jugendkonferenz, an der ein landesweites Netzwerk etabliert wurde, das sich an öffentlichen Veranstaltungen für eine chemiefreie Landwirtschaft engagiert.

Ein Mitglied der Rural Women’s Assembly präsentiert einen frisch geernteten Kohl.

3. Mit Unterstützung der Uno werden bäuerliche Rechte in globalen Regelwerken gestärkt

Ein wichtiger Meilenstein für RAISE war 2023 der Beschluss des Uno-Menschenrechtsrats, eine Gruppe von Expert:innen einzusetzen, um die Umsetzung seiner Bauernrechtsdeklaration UNDROP von 2018 weltweit zu überwachen und zu fördern. RAISE will eng mit dieser Gruppe zusammenarbeiten, damit sich Bäuerinnen und Bauern noch mehr Gehör verschaffen können – bei ihren Regierungen und auf internationaler Ebene.   

Daneben waren mehrere Partnerorganisationen an Veranstaltungen von Uno-Ausschüssen präsent und konnten dort ihre Positionen vertreten. Es gab auch regelmässigen Austausch mit Michael Fakhri, dem Uno-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Und gemeinsam mit anderen Entwicklungsorganisationen hat Fastenaktion eine informelle Gruppe gegründet, die die Sensibilisierung für UNDROP in der EU koordiniert.

 

4. Austausch mit potenziellen Allianzpartnern, um bäuerliche Rechte weiter zu stärken

Es konnten erfolgreich neue Kontakte mit relevanten Organisationen der Zivilgesellschaft geknüpft werden. Dies führte unter anderem zu einem lehrreichen Erfahrungsaustausch im Umgang mit Behörden und Regierungen. 

Fastenaktion und CEMIRIDE organisierten beispielsweise im Juni 2023 ein Treffen in Kenia, das erstmals sämtliche Partnerorganisationen von RAISE persönlich zusammenbrachte. Eine Woche lang wurden in Nairobi Erkenntnisse aus der bisherigen Arbeit ausgetauscht und Möglichkeiten zur effektiveren Kooperation und Kommunikation diskutiert.  

Zudem präsentierte Fastenkation das Projekt RAISE am Jahrestreffen der Plattform «defendingpeasantsrights.org», an der rund 25 Organisationen aus aller Welt teilnahmen. Dies weckte zusätzliches Interesse an RAISE und seiner Arbeit.  

Noch fehlt es allerdings an einer systematischen Dokumentation besonders erfolgreicher Strategien und Praktiken, damit diese noch breiter genutzt werden. Und es braucht zusätzliche Aktivitäten, um das Partnernetzwerk zu erweitern und Synergien noch besser zu nutzen, um auf breiter Front die Umsetzung der Bauernrechte einzufordern.

Erfahren Sie hier mehr über das Projekt RAISE.

RAISE setzt sich dafür ein, dass Bäuerinnen und Bauern Gehör finden – lokal und international.

Unterstützen Sie unseren Einsatz für eine gerechte Welt ohne Hunger

Wählen Sie hier den Betrag, den Sie spenden möchten

Diese Website verwendet Cookies, die die Funktionalität der Website ermöglichen. Sie helfen uns dabei, die Interessen unserer Nutzer:innen zu analysieren. Damit optimieren wir für Sie unserer Inhalte und Ihre Spendenmöglichkeiten. Die gesammelten Daten werden weder durch uns noch durch unsere Partner verwendet, um Sie zu identifizieren oder zu kontaktieren. Mehr erfahren

Die Schweiz und die drei weiteren Staaten der Europäischen Freihandelszone EFTA gefährden das Recht auf Nahrung. Dies schreibt der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Michael Fakhri, in einem Brief an die vier Länder. Er bezieht sich auf eine Klausel in den Freihandelsverträgen der EFTA mit Ländern des globalen Südens. Diese drängt die Partnerländer, strenge Sortenschutzrechte gemäss dem internationalen Übereinkommen UPOV 91 einzuführen. Fastenaktion und die Schweizer Koalition Recht auf Saatgut fordern seit Jahren die EFTA-Länder auf, diese Klausel zu streichen. Sie bedroht das bäuerliche Saatgut, in vielen Ländern das Rückgrat der Ernährungssicherheit. 

Seit über zwanzig Jahren machen die EFTA-Länder – Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz – in ihren Freihandelsabkommen Druck auf ihre Partnerländer im globalen Süden, Sortenschutzrechte, patentähnliche Rechte auf Saatgut, durchzusetzen. Dies in dem sie in den Verhandlungen die Einhaltung des internationalen Übereinkommens UPOV91 verlangen. Dessen starre Vorgaben für Sortenschutz verunmöglichen es Ländern, eigene Regelungen zu erlassen, welche den dortigen landwirtschaftlichen Realitäten angepasst sind. Die UPOV-Praxis der EFTA gefährde die Verwirklichung des Rechts auf Nahrung, schreibt der Sonderberichterstatter Fakhri in seinem Brief an die EFTA-Länder anlässlich deren aktuellen Verhandlungen mit Malaysia und Thailand.  

Seit vielen Jahren fordert Fastenaktion zusammen mit bäuerlichen Partnerorganisationen und als Mitglied der Schweizer Koalition Recht auf Saatgut die EFTA-Staaten auf, auf die UPOV-Klausel zu verzichten. Diese widerspricht dem Recht auf Saatgut, das in der UN-Bauernrechtsdeklaration UNDROP verankert ist. Im Antwortschreiben auf den Brief Fakhris äussert die EFTA keine Absicht, ihre gegenwärtige Praxis in Bezug zu UPOV91 zu überdenken. Der Verzicht auf die UPOV-Klausel in Freihandelsabkommen wäre ein bedeutender Beitrag zur Erreichung der Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung, insbesondere dem Ziel Nr.2 (Kein Hunger) und dem Ziel Nr. 15, welches dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende setzen will. 

Judy Kipkenda gehört zur indigenen Gemeinschaft der Ogiek in Kenia. Sie hilft lokalen Bäuerinnen und Bauern, sich besser an die Klimaerwärmung anzupassen. Wie wichtig traditionelle Anbaumethoden dabei sind, führte sie kürzlich an einer Uno-Veranstaltung in Rom aus – auch im Namen von Fastenaktion.

Über Fastenaktion können sich Stimmen aus dem Süden direkt in die Diskussionen von internationalen Organisationen einbringen. Eine solche Stimme ist Judy Kipkenda aus Kenia, die sich vergangenen Herbst an einer Uno-Veranstaltung in Rom für die Rechte indigener Bäuerinnen und Bauern einsetzte. Judy ist selbst Teil der indigenen Gemeinschaft der Ogiek und betreibt Landwirtschaft in Koibatek im Great Rift Valley von OstKenia 

 

Arbeit mit Frauen und Jugendlichen

Die 35-jährige Mutter dreier Kinder hat in ihrer Gemeinde eine Organisation gegründet, die den lokalen Bäuerinnen und Bauern dabei hilft, sich mit agrarökologischen Techniken besser an die Klimaerwärmung anzupassen. Dank alten, traditionellen Anbaumethoden und Saatgutvarianten lassen sich trotz der zunehmenden Krisen genügend Nahrungsmittel produzieren. Judy arbeitet vor allem mit indigenen Frauen und Jugendlichen. Ausserdem setzt sie sich auf politischer Ebene für den Erhalt traditioneller Saatgutsorten ein.

In Rom trat sie bei einer Veranstaltung des Uno-Ausschusses für Ernährungssicherheit auf – als einzige junge indigene Frau. Sie tat dies als Vertreterin des internationalen RAISE-Projekts zu Menschenrechten in Ernährungssystemen, das von Fastenaktion koordiniert wird. Dieser menschenrechtsbasierte Ansatz im Umgang mit der Klimakrise stand im Zentrum der Begleitveranstaltung, die von Michael Fakhri eröffnet wurde, dem Uno-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung.

Judy Kipkenda spricht an der Uno-Veranstaltung in Rom.

Traditionelles Wissen und Landrechte

Judy forderte die Stärkung bäuerlicher Rechte, um griffige Massnahmen für die Ernährungssicherheit in Zeiten der Klimaerwärmung durchsetzen zu können. «Regierungen und Organisationen sollten das traditionelle indigene Wissen beim Naturschutz und der Förderung nachhaltiger Praktiken anerkennen», erklärte sie auf dem Podium. Zudem müssten Regierungen die Landrechte indigener Völker schützen und diese in die Entscheidungsprozesse zu Klimaschutzmassnahmen einbeziehen. 

«Schon seit Generationen sind indigene Gemeinschaften die Hüterinner der Natur», sagte Judy weiter. Klimaschutz sei für sie keine Wahl, sondern eine Notwendigkeit. «Die Anerkennung unserer Rechte und unserer wichtigen Rolle beim Erhalt der Umwelt ist entscheidend für die Sicherung einer nachhaltigen Zukunft und des Rechts auf Nahrung für alle.» 

 

Rechte kennen und einfordern 

Für Fastenaktion war dieser Auftritt in Anwesenheit wichtiger internationaler Akteur:innen zum Recht auf Nahrung eine gute Gelegenheit, die Perspektive der Indigenen einzubringen. Ziel von RAISE ist, dass Bäuerinnen und Bauern ihre Rechte kennen und befähigt werden, diese auch einzufordern, national wie international. Genau das hat Judy Kipkenda in Rom getan – und stiess damit auf offene Ohren.

RAISE steht für Rights-based and Agroecological Initiatives for Sustainability and Equity in Peasant Communities. Die Initiative bringt Kleinbäuerinnen und -bauern sowie Viehalter:innen zusammen und setzt sich für bäuerliche Rechte in ihren Ländern und auf globaler Ebene ein. Fastenaktion koordiniert das internationale Konsortium, an dem weitere NGOs beteiligt sind: Rural Women Assembly, Dreikönigsaktion sowie Vétérinaires sans Fontières Suisse mit ihren Partnern Cemiride und RBM. RAISE wird von der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) kofinanziert. Erfahren Sie hier mehr über das Projekt.

Judy mit einem Mitglied ihrer Organisation, die sich für bäuerliche Rechte einsetzt.

Erfahren Sie im Video mehr über Judy Kipkenda und ihren Einsatz für die Rechte von indigenen Bäuerinnen und Bauern.

Unterstützen Sie unseren Einsatz für bäuerliche Rechte und Selbstbestimmung

Wählen Sie hier den Betrag, den Sie spenden möchten

Der Uno-Menschenrechtsrat setzt im Frühling 2024 eine neue Expertengruppe ein, die für die Förderung und Überwachung der Rechte von Bäuerinnen und Bauern verantwortlich ist. Dies erleichtert die weltweite Sensibilisierung von Behörden und Zivilgesellschaft für die Herausforderungen der kleinbäuerlichen Nahrungsmittelproduktion. 

Obwohl Bäuerinnen und Bauern, Viehzüchter:innen und andere Menschen, die im ländlichen Raum arbeiten, eine tragende Rolle spielen, um die weltweite Ernährungssicherheit zu gewährleisten, erhalten sie in vielen Ländern kaum Unterstützung. Im Gegenteil: Durch die verstärkte Industrialisierung der Landwirtschaft und politische Konflikte wird ihnen der Zugang zu Land, Wasser oder traditionellem Saatgut erschwert oder gar entzogen. Zudem sind sie den Folgen der Klimaerwärmung besonders stark ausgesetzt. 

Damit den Worten Taten folgen 

Um diese Menschen besser zu schützen, verabschiedete die Uno 2018 die «Erklärung für die Rechte von Kleinbauern und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten» (UNDROP), in der unter anderem das Recht auf Land, Wasser, Saatgut und agrarökologische Produktionsformen festgelegt ist. Aber auch das Recht, selbstbestimmt über die eigenen wirtschaftlichen Ziele und Ernährungsweisen bestimmen zu können. 

Nun hat der Uno-Menschenrechtsrat in Genf diese Rechte vergangene Woche nochmals gestärkt: Eine fünfköpfige Expertengruppe soll ab Frühling 2024 sicherstellen, dass den Worten auch wirklich Taten folgen. So erhalten nun weltweit Bäuerinnen und Bauern die Möglichkeit, auf missachtete Rechte hinzuweisen und die Umsetzung der Deklaration in ihrem Land voranzubringen. Das Gremium soll zudem den Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit fördern, Länderbesuche durchführen und auf Rechtsverstösse aufmerksam machen.

Politisches und rechtliches Instrument 

Fastenaktion steht für das Recht auf Nahrung ein und fördert die Rechte der Bäuerinnen und Bauern als Mitglied der Koalition «Friends of the Declaration» und durch das internationale Projekt RAISE («Rights-based and Agroecological Initiatives for Sustainability and Equity»). Dieses hat sich stark für die Bildung einer solchen Expertensruppe eingesetzt und sieht den Entscheid als grossen Fortschritt. «Das ist ein wichtiges politisches und rechtliches Instrument zur Förderung kleinbäuerlicher Rechte», sagt Christa Suter, Expertin für Ernährungssysteme bei Fastenaktion. «Der mit grosser Mehrheit gefallene Uno-Entscheid illustriert zudem die wachsende internationale Anerkennung der zentralen Rolle, die kleinbäuerliche Familien bei der Nahrungsmittelproduktion und beim Schutz von Umwelt und Biodiversität spielen 

Die Arbeitsgruppe besteht aus Expert:innen von fünf Kontinenten, die im März 2024 gewählt werden. RAISE hat angekündigt, eng mit dem neuen Gremium zusammenzuarbeiten, um seinen Erfolg zu unterstützen. Die Stärkung bäuerlicher Rechte ist ein zentraler Pfeiler, um dem Hunger entgegenzuwirken. 

Die Medienmitteilung von RAISE finden Sie hier.

Sie möchten mehr über RAISE erfahren? Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Eine Kleinbäuerin in Südafrika kontrolliert ihr Feld. Sie wird von der «Rural Women’s Assembly» unterstützt, einer Partnerorganisation von Fastenaktion, die auch Teil des Projekts RAISE ist.

Unterstützen Sie unseren Einsatz für die Rechte von Bäuerinnen und Bauern

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Am 18. September versammeln sich die Regierungschefinnen und -chefs aus aller Welt an der Uno in New York zum Gipfel zu den nachhaltigen Entwicklungszielen. Die Halbzeitbilanz der ehrgeizigen Agenda 2030 ist ernüchternd. 

Ein Kommentar von Ralf Kaminski, Fachverantwortlicher Kommunikation bei Fastenaktion 

Die Ziele, die sich die Weltgemeinschaft 2015 setzte, klingen eindrücklich: Bis 2030 sollte es keine extreme Armut und keinen Hunger mehr geben auf der Welt. Der Umgang mit der Umwelt, dem Klima, der Biodiversität sollte sich massiv verbessern. Zugang zu sauberem Trinkwasser, gesunder Ernährung und guter Ausbildung sollte weltweit gewährleistet sein. Die Gleichstellung und der Frieden sollten deutlich vorwärtskommen – und all dies auf der ganzen Welt. 

193 Länder stimmten damals insgesamt 17 ehrgeizigen Nachhaltigkeitszielen zu – den sogenannten SDGs –, doch die Halbzeitbilanz ist ernüchternd: Nur gerade 12 Prozent der 140 messbaren Unterziele sind auf Kurs. 30 Prozent stehen still oder machten gar Rückschritte. Beim Rest gibt’s zwar Fortschritte, aber viel zu langsam. 

Mehr Hunger statt weniger

Hauptverantwortlich für diese Entwicklung sind eine Reihe von Krisen, welche die Weltgemeinschaft seit 2015 stark beschäftigt haben: die Corona-Pandemie, der russische Angriff auf die Ukraine, immer mehr und heftigere Naturkatastrophen wegen der Klimaerwärmung. All dies führte dazu, dass heute nicht weniger, sondern mehr Menschen an Hunger leiden, dass die Armut vielerorts eher zu- als abgenommen hat, dass 2022 so viele Menschen auf der Flucht waren wie noch nie zuvor (siehe Zahlen unten). Hinzu kommen die geopolitischen Spannungen, welche die internationale Zusammenarbeit erschweren, die nötig wäre, um globale Fortschritte zu erreichen. 

Es heisst deshalb Vollgas geben, wenn sich am 18. September die Regierungschefinnen- und chefs aus aller Welt an der Uno in New York versammeln. Sie alle stehen in der Pflicht, die Agenda 2030 voranzubringen. Die Ansätze dafür sind klar – was es braucht, ist entsprechendes Engagement und politischen Willen. 

Die Grafik zeigt, wie viele Fastenaktion-Projekte auf welches Nachhaltigkeitsziel abgestimmt ist.
Die Projekte von Fastenaktion sind auf die Uno-Nachhaltigkeitsziele abgestimmt.

Wir müssen und können mehr tun

Die Schweiz steht auf den ersten Blick nicht so schlecht da: Sie befindet sich auf Rang 15 der Liste, die den Fortschritt der einzelnen Länder auf Basis von Selbsteinschätzungen ausweist. Diese bezieht sich jedoch lediglich auf die Wirkung im Inland. Eine andere Analyse des renommierten Harvard-Ökonomen Jeffrey D. Sachs hingegen misst, welchen Effekt einzelne Staaten auf die Agenda 2030 in anderen Ländern haben. Und dort liegt die Schweiz auf dem traurigen zehntletzten Platz von 166 Nationen – sie wirkt sich insbesondere als globaler Finanz- und Rohstoffhandelsplatz negativ auf die nachhaltige Entwicklung aus. 

Nicht nur müssen und können wir also im Inland mehr tun – dies gilt umso mehr in der Entwicklungszusammenarbeit, um die ärmsten Länder bei ihren Fortschritten zu unterstützen. Stattdessen plant der Bund, ab 2025 Gelder aus dem Budget der Entwicklungszusammenarbeit zur Unterstützung der Ukraine und zur Anpassungshilfe für die Klimaerwärmung einzusetzen. Beides ohne Zweifel wichtige Anliegen. Aber diese Hilfe sollte nicht auf Kosten der Ärmsten dieser Welt gehen, der Bund sollte zusätzliche Mittel dafür zur Verfügung stellen. Für ein Land, das so reich ist wie die Schweiz, sollte das eigentlich selbstverständlich sein.  

Ein Partner von Fastenaktion pflanzt einen Setzling ein.
Die meisten Fastenaktion-Projekte sind auf das 2. SDG-Ziel Hunger beenden ausgerichtet.

Zahlen zur Agenda 2030

193 Länder 
haben sich 2015 im Rahmen der Uno 17 Nachhaltigkeitsziele gesetzt, die bis 2030 erreicht sein sollen.

12 Prozent 
der 140 messbaren Unterziele sind auf Kurs, 50 Prozent zeigen Fortschritte, jedoch zu langsam. 

30 Prozent 
der 140 Unterziele stehen still oder machen Rückschritte gegenüber 2015 

575 Millionen Menschen 
werden 2030 in extremer Armut leben (7 Prozent der Weltbevölkerung), wenn der aktuelle Trend sich fortsetzt. 2015 waren es 800 Millionen (knapp 11 Prozent). Das Ziel wäre Null. 

768 Millionen Menschen 
litten 2021 an Hunger, 2015 waren es 589 Millionen. 2030 werden es rund 670 Millionen sein, 8 Prozent der Weltbevölkerung und gleich viel wie 2015. Besonders betroffen sind das südliche Afrika und Südasien. Das Ziel wäre Null. 

2.2 Milliarden Menschen 
hatten 2022 trotz einiger Fortschritte keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser. Um dies bis 2030 zu beheben, müsste sich das Tempo der Verbesserung mindestens verfünffachen. 

25 Prozent der Menschheit 
lebte 2022 in Regionen mit Konflikten; über 100 Millionen wurden zwangsumgesiedelt, mehr als doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor. 

1 von 251 Menschen 
weltweit war 2022 auf der Flucht, so viele wie noch nie. Entweder wegen Konflikten oder aus wirtschaftlichen Gründen. Seit 2015 wurden 54’127 Todesfälle auf den globalen Migrationsrouten dokumentiert, wobei die Dunkelziffer hoch sein dürfte. 

3 Milliarden Menschen 
werden vermehrt von Hitzewellen, Dürren, Feuern, Überschwemmungen oder Hungersnöten betroffen sein, wenn es nicht gelingt, die Klimaerwärmung bis 2050 auf 1.5 Grad Celsius zu beschränken. Dafür jedoch müssten die CO2-Emissionen bis 2030 halbiert werden, wovon die Welt weit entfernt ist. 

286 Jahre 
wird es noch dauern, bis Geschlechtergerechtigkeit in der globalen Gesetzgebung erreicht ist, wenn der aktuelle Trend sich fortsetzt.  

 

Quelle: Bericht des UN Economic and Social Council an die Generalversammlung 
SDG_Progress_Report_Special_Edition_2023_ADVANCE_UNEDITED_VERSION.pdf 
The SDG Report 2023: Special Edition – YouTube 

Unterstützen Sie unsere Arbeit für eine Welt ohne Hunger

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Abschlusskommentar von David Knecht, Fachverantwortlicher für Klima- und Energiegerechtigkeit bei Fastenaktion. David Knecht verfolgte die COP27 in den letzten zwei Wochen vor Ort.

Die Welt hat im ägyptischen Sharm-El-Sheikh getagt. Eine absurde Stadt für eine Monsterkonferenz – mit über 30’000 Teilnehmenden. Da kommt ab und an das Gefühl auf, dass das Konferenzgelände mit dem Menschengewimmel einem arabischen Basar gleicht. Nur das hier das drängendste aller globaler Themen verhandelt wird. Die Begrenzung der Klimaerhitzung.

Sharm-El-Sheik – Inbegriff des Massentourismus. Bekannt für wunderschöne Korallenriffe, welche durch den Klimawandel akut bedroht sind. Expert:innen gehen davon aus, dass bis zu 99 Prozent der Korallenriffe zerstört werden, wenn die Klimaerhitzung zwei Grad Celsius erreicht.[1]

Klimaerwärmung wartet nicht – die Ärmsten leiden
Präsidenten und Premierminister:innen aller Nationen haben sich die Türklinke in die Hand gedrückt. Sie haben in Reden betont, wie wichtig es ist, die Klimaerhitzung zu begrenzen. Diesem Treiben haben über 600 Fossilenergie Lobbyisten nickend zugeschaut und eifrig dafür gesorgt, dass der Abschlusstext der COP27 keinen Ausstieg aus den fossilen Energien fordert.[2] Sie sagen, das wäre angesichts der weltweiten Energiekrise zu viel des Guten, das brauche mehr Zeit, müsse sorgfältig geplant werden. Fossil is King. Die Klimaerwärmung aber wartet nicht. Sie schreitet Tag für Tag weiter voran. Gerade die ärmsten Menschen unseres Planeten leiden am meisten unter der Erwärmung. Sie haben nicht die Mittel, sich den Auswirkungen anzupassen.

Eine indonesische Delegation über die Folgen der Klimaerhitzung.

Fonds für Klimagerechtigkeit
Wenn Anpassung nicht mehr möglich ist, weil die Klimaerwärmung irreparable Schäden verursacht, werden Kompensationszahlungen nötig. Deshalb ist es so wichtig, dass ein spezifischer Fonds für diese Zahlungen aufgebaut wird. Verluste und Schäden müssen ausgeglichen werden. In der moralischen Pflicht stehen die historischen Verursacher der Klimaerwärmung. Viele Südländer, Inselstaaten und tausende zivilgesellschaftliche Vertreter:innen aus der ganzen Welt, darunter Fastenaktion, haben sich für einen solchen Fonds eingesetzt. Blockiert wurde dieses Vorhaben in den vergangenen Jahren vom globalen Norden. Nach einem langen Seilziehen konnten sich die Staaten schliesslich dazu einigen, Fonds für klimabedingte Schäden und Verluste zu schaffen. Das ist ein grosser Erfolg und ein bedeutsamer Schritt in Richtung Klimagerechtigkeit!

Solidarität zeigen
Aber Kompensationszahlungen sind nur ein Teil der Gleichung. Wichtig ist, dass die Klimaerhitzung gar nicht voranschreitet. Die Klimaerhitzung soll möglichst auf 1.5 Grad Celsius begrenzt werden. Dafür müssen wir unsere Treibhausgasemissionen global drastisch reduzieren. Die UNO hat im Oktober veröffentlicht, dass die weltweiten Klimaschutzpläne zu einer Erhitzung von über 2.4 Grad Celsius führen würden.[3] Es braucht dringend schnelle und ambitioniertere Emissionsreduktionsprogramme. An der COP27 haben die Länder deshalb ein Arbeitsprogramm zur Emissionsminderung beraten und verabschiedet – ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Wichtig ist, dass diese Massnahmen mit den entsprechenden Finanzzahlungen ergänzt werden, damit finanzschwache Länder ebenfalls die nötigen Klimaprogramme durchführen können. Solidarität und die Anerkennung der historischen Verantwortung durch den globalen Norden ist hierfür zentral.

Schweiz muss Verantwortung übernehmen
Aber die Welt hinkt den eigenen Versprechen hinterher. 2009 versprachen die Industrieländer jährlich 100 Milliarden USD, doch bislang wurden davon nur 83 mobilisiert.[4] Und auch dies ist gemäss dem Weltklimarat noch zu wenig, es braucht Billionen.[5] Zur Finanzierungslücke hat die Klimakonferenz keine zufriedenstellenden Antworten geliefert. Das ist frustrierend, gerade in einem Jahr wo die Mineralöl- und Energiekonzerne BP, ExxonMobil, Chevron, Shell und TotalEnergies zusammen allein im zweiten Quartal 55 Milliarden Gewinn verbuchten. Dieses Ungleichgewicht muss dringend aufgelöst werden.  Die Schweiz ist ein reiches Land und trägt als Drehscheibe des internationalen Rohstoffhandels dabei eine besondere Verantwortung.

Fastenaktion setzt sich für Ernährungssicherheit ein
Wenn die Staatengemeinschaft dabei scheitert, können die Pariser Klimaziele nicht erreicht werden, was insbesondere für die ärmsten Menschen katastrophale Folgen hätte. Denn die Klimaerhitzung wirkt sich direkt auf die Ernährungssicherheit dieser Menschen aus. Verstärkte Dürren und Überschwemmungen sind direkte folgen der Klimaerhitzung. Und sie nehmen zu, in Stärke und Häufigkeit. Die Ernährungssicherheit von Millionen von Menschen steht auf dem Spiel. Fastenaktion setzte sich deshalb zusammen mit der CIDSE an der COP für die Verankerung der Agrarökologie als ein tragendes Element der landwirtschaftlichen Lösungen ein. Die Forderung hatte an der COP27 einen schweren Stand und deren Erwähnung wurde weggestrichen. Der Druck der industriellen Landwirtschaft ist zu gross.

Das CIDSE-Team an der Weltklimakonferenz.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass an der COP27 mit Fonds für klimabedingte Schäden und Verlustes sowie dem Programm zur Abschwächung der Klimakrise (Mitigation) wichtige Schritte in die richtige Richtung gemacht worden sind. Dass aber der Staatenbund sich nicht auf ein Aussteigen aus fossilen Energien einigen konnte, zeigt, dass der Einfluss der Lobby für fossile Energien sehr stark ist. Das zudem keine konkreten Pläne zur Schliessung der Finanzierungslücke verabschiedet wurden bestätigt, dass das dringend notwendige Umdenken noch nicht stattgefunden hat. So werden wir das globale 1.5 Grad Celsius Ziel nicht erreichen. Und das Fenster dazu schliesst sich mit rasendem Tempo.

Fastenaktion begleitete eine Delegation aus dem Amazonas.

Partner von Fastenaktion zeigen Lösungen
In Sharm El Sheikh hat sich Fastenaktion mit Partnerorganisationen aus Kolumbien und Brasilien aktiv für eine rasche und sozialgerechte Umsetzung der Pariser Klimaziele eingesetzt. Zudem wurden Menschen- und Indigene Rechte sowie das wichtige Prinzip der Transparenz in Berichterstattungen in die Verhandlungen eingebracht. In einem offiziellen COP-Event haben wir mit unseren Partnern gezeigt, dass es in vielen Ländern hapert mit der Transparenz. Unsere Partner haben aufgezeigt, dass dezentralisierte, gemeinschaftliche Energielösungen ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels sind. Gleichzeitig stärken sie die Ernährungssicherheit der Menschen. Gemeinsam mit unseren Partnern wird sich Fastenaktion auch im kommenden Jahr für eine rasche und sozialgerechte Umsetzung der Pariser Verträge einsetzen, um dem Hunger auf der Welt entgegenzuwirken.

Unterstützen Sie unsere Arbeit für Klimagerechtigkeit

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten
«Jeder kann es sehen, aber alle sehen weg», singt Reinhard Mey im Lied Narrenschiff, welches volle Fahrt mit Kurs aufs Riff steuert. Es beschreibt bildlich unser individuelles Verhalten in der Klimakrise. Gleichzeitig hoffen viele Menschen auf die Beschlüsse an der Klimakonferenz in Ägypten. Morgen beginnt die 27. Weltklimakonferenz (COP27). Ambitionierte Beschlüsse braucht es mehr denn je.

Kommentar von Stefan Salzmann, Fachexperte für Energie- und Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion

Hitzewellen, Dürre, Wasserknappheit. Was in Partnerländern von Fastenaktion seit Jahren Alltag ist, kommt auch auf die Schweiz und Europa zu. Was wir im Sommer 2022 erlebt haben, ist ein bitterer Vorgeschmack auf das, was der Weltklimarat voraussagt. Die Zunahme von Wetterextremen aufgrund der Klimaerhitzung. Überall, auch in der Schweiz.

Kurs aufs Riff
Trotzdem tun wir uns schwer, unser individuelles Handeln anzupassen. Tanks werden vor dem Winter mit frischem Heizöl aufgefüllt. Eine Nachbarin erzählt mir im Vorbeigehen, wie sehr sie sich auf einen dreitägigen Trip nach Ibiza freut. Viele Mitmenschen, die sich über die Hitze im Sommer beklagt hatten, ärgern sich über hohe Energiepreise und kaufen billiges Fleisch. Als gäbe es keinen Zusammenhang. Unser Schiff steuert auf das Riff zu, wir wissen es. Und machen weiter wie gewohnt. Den Preis dafür zahlen viele in Armut lebende Menschen auf der ganzen Welt.

Und die Politik?
Bis 2050 sollen die schweizerischen Treibhausgasemissionen bei null ankommen – für die Menschen in vielen Weltregionen viel zu spät. Sie leiden schon heute, haben das Problem aber nicht verursacht. Teile der schweizerischen Politik nimmt die Dringlichkeit nicht ernst. Gegen den indirekten Gegenvorschlag der Gletscher-Initiative wurde das Referendum ergriffen. Dabei ist das neue Klimagesetz nur ein erster Schritt in die richtige Richtung. Gerade deshalb ist das Ja zur Gletscherinitiative ein absolutes Minimum, wenn wir zu globaler Klimagerechtigkeit einen Beitrag leisten wollen. Eine weitere Verzögerung ist keine Option.

Sharm el Sheikh
Am 6. November beginnt die 27. Klimakonferenz in Ägypten. Viele wichtige Punkte werden verhandelt. Die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015 ist weiterhin das Hauptziel. Dieses will die Erderwärmung bei 2 Grad Celsius, wenn möglich 1.5 Grad Celsius begrenzen. Gemäss Climate Action Tracker steuern wir aber auf eine Erderwärmung von 2.7 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit zu. Konkret soll in Ägypten ein Arbeitsprogramm verabschiedet werden, um die Ambitionen zur Minderung von Emissionen schneller und wirksamer zu reduzieren (Mitigation Work Programme). Neben Minderung geht es auch um Anpassungen an die Klimaerwärmung. Darum sind Einigungen zu höheren Beiträgen zur Klimafinanzierung ein dringendes Ziel.

Viele reiche Länder blockieren die Verhandlungen zu Schäden und Verlusten (Loss and Damage). Es geht um die Entschädigung für irreversible Schäden als Folge der Klimaerhitzung. Was dies bedeutet, hat die Flutkatastrophe 2022 in Pakistan gezeigt. Tausende Menschen sind gestorben. Millionen von Menschen haben durch den extremen Monsunregen ihre Lebensgrundlagen verloren. Sie haben keine Perspektiven mehr. Gerade arme Menschen sind auf die Unterstützung der reichen Länder angewiesen. Globaler Klimaschutz und Klimagerechtigkeit bedingen Solidarität zur Bekämpfung der Klimakrise.

Fastenaktion setzt sich für eine ambitionierte Klimapolitik in der Schweiz ein. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist die Gletscher-Initiative.
Wählen Sie jetzt, welches prominente Gesicht unser:e Klimabotschafter:in werden soll.

Jetzt Klimabotschafter:in wählen

Unterstützen Sie unsere Arbeit für Klimagerechtigkeit

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten

Kommentar zum Internationalen Tag der Bauernrechte

Rechte der Bäuerinnen und Bauern müssen auch in Konfliktzeiten geschützt und respektiert werden

Nach wie vor sind die Bäuerinnen und Bauern, obwohl sie die Nahrungsmittel produzieren, am stärksten von Hunger und Armut betroffen. Der 17. April ist der Internationale Tag der Bäuerinnen und Bauern und will weltweit auf die Rechte und die weitreichenden Herausforderungen der Bäuerinnen und Bauern aufmerksam machen.

Ein Kommentar von Christa Suter, Fachverantwortliche Agrarökologie bei Fastenaktion

Konflikte gefährden Ernährungssicherheit
Der Hunger in der Welt hat zugenommen, was grösstenteils auf verschiedene Krisen zurückzuführen ist – anhaltende Konflikte, schwerwiegende Klimaauswirkungen und Ernährungsunsicherheit. Zwischen 720 und 811 Millionen Menschen auf der Welt waren im Jahr 2020 von Hunger betroffen. Die Zahl der unterernährten Menschen in der Welt ist seit dem Jahr 2020 weiter gestiegen.

Mehr als die Hälfte aller von Ernährungsunsicherheit betroffenen Menschen leben in Ländern, die von Konflikten betroffen sind. Konflikte und Ernährungsunsicherheit können zusammen einen Teufelskreis schaffen, da Nahrungsmittelknappheit zu Marktstörungen führt, die wiederum die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln weiter verringern und zu noch grösseren Störungen führen. Klimaschocks können ähnliche Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit haben, wovon die Bäuerinnen und Bauern am meisten betroffen sind.

Recht auf Nahrung nicht gewährleistet
Der UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Michael Fakhri, unterstreicht die Bedeutung der Bäuerinnen und Bauern für das Ernährungssystem und erwähnt in seinem aktuellen Statement deutlich, dass «der unverzichtbare Beitrag der Bauern und Bäuerinnen zur Gesellschaft nach wie vor nicht ausreichend anerkannt und unterstützt» ist. Dies obwohl die 2018 verabschiedete UNO Deklaration über die Rechte der Bäuerinnen und Bauern und anderer Personen im ländlichen Raum (UNDROP) umfassend ihre Rechte beschreibt und insbesondere das Recht auf Nahrung, Ernährungssouveränität, Saatgut und Land.

Rural Women’s Assembly setzt sich für die Rechte der ländlichen Frauen in Südafrika ein, damit Sie Zugang zu Land erhalten und ihre Familien selber ernähren können.
«Raise» stärkt Bäuerinnen und Bauern
Im Projekt «RAISE», das von Fastenaktion gemeinsam mit Partnernetzwerken lanciert wurde, weisen die lokalen Partner auf die anhaltende Marginalisierung und fehlendem Zugang der Bauerngruppen zu Nahrung und zu natürlichen Ressourcen wie den Landzugang oder den Erhalt des bäuerlichen Saatguts hin. Mit RAISE werden die Partnerorganisationen und Netzwerke in ihren Bestrebungen gestärkt, die UNDROP in ihrem Kontext umzusetzen und selbstbestimmte Veränderungen in der Landwirtschafts- und Ernährungspolitik zu erwirken. Zum Beispiel durch die Bemühungen von Rural Women’s Assembly für den Landbesitz für ländliche Frauen in Südafrika und die Forderungen von SEARICE in den Philippinen, das bäuerliche Saatgut als Recht zu respektieren.

Hier finden Sie das Statement des UNO-Sonderberichterstatters für das Recht auf Nahrung (auf Englisch).

Unterstützen Sie die Rechte von Bäuerinnen und Bauern

Wir danken herzlich für jede Spende.

Menschenrechte bleiben zentrales Thema für Fastenaktion

Vor 10 Jahren, am 16. Juni 2011, wurden am Uno-Menschenrechtsrat die Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte verabschiedet. Es wurde zum ersten Mal international bestimmt, dass Unternehmen eine Verantwortung für die Respektierung der Menschenrechte haben. Die Erwartungen – auch der Fastenaktion – waren gross.

Regelmässig konfrontiert mit den zerstörerischen Auswirkungen von wirtschaftlichen Grossprojekten in unseren Projekten, begrüsste Fastenaktion damals die Uno-Leitlinien. Wir hofften, dass sich durch die Umsetzung der Leitlinien in den Staaten, wo die Konzerne ihren Sitz haben, die Situation vieler armer Menschen im Süden verbessern würde. In der Schweiz begann Fastenaktion – zusammen mit andern Organisationen – einen Dialog mit den Behörden rund um die Umsetzung der Leitlinien. Allerdings zeigte sich schnell, dass Verwaltung und Politik hierzulande in keiner Weise bereit waren, die Leitlinien über freiwillige Standards hinaus zu konkretisieren.
 
Ernüchtert, weil der Dialog mit der Schweizer Regierung nicht vom Fleck kam, lancierte Fastenaktion mit zahlreichen anderen Organisationen daraufhin die Konzernverantwortungsinitiative. Das Abstimmungsresultat vom November 2020 ist bekannt: Das Volk sprach sich mehrheitlich für die Initiative aus, die Stände mehrheitlich dagegen. Durchgesetzt hat sich ein Gegenvorschlag, der weder der Problematik noch der internationalen Entwicklung gerecht wird. Das neue Gesetz wird nun durch die vom Bundesrat vorgeschlagene Verordnung gar noch weiter abgeschwächt.
 
Während die Schweizer Regierung auf wirkungslose Konzepte setzt, gehen andere Länder voran: In den letzten Monaten wurden in Norwegen, Belgien und den Niederlanden konkrete Gesetzesentwürfe diskutiert, die Regierungskoalition in Deutschland hat sich auf ein Lieferkettengesetz geeinigt, in Frankreich besteht seit mehr als drei Jahren ein entsprechendes Gesetz und auf EU-Ebene ist eine Gesetzesvorlage in Verhandlung. Die Uno macht ebenfalls vorwärts mit der Erarbeitung eines neuen Abkommens, mit dem die Wirtschaft nun verbindlich in die Verantwortung genommen werden soll.
 
Zehn Jahre nach der Verabschiedung der Uno-Leitlinien ist in der Schweiz fast nichts geschehen. Für Fastenaktion, das sich für die Rechte der Menschen im globalen Süden einsetzt, war die Abstimmung über die Konzernverantwortungsinitiative deshalb kein Schlusspunkt. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass Konzerne für die Schäden, die sie verursachen, geradestehen müssen – und dies weltweit.Solange die Menschen, mit denen wir arbeitenm, regelmässig berichten, dass sie keine Mitsprache bei Bergbauprojekten oder grossen Staudämmen in ihrer Region habenn, dass ihr Wasser oder ihre Böden vergiftet oder sie gar gewaltsam von ihrem Land vertrieben werden, bleiben wir dran.   

Daniel Hostettler, Leiter Internationale Programme, Fastenaktion

Unterstützen unsere Arbeit zu Rohstoffen und Menschenrechten.

Wir danken herzlich für Ihre Spende.
Sister Mary John Mananzan, Fastenaktion-Partnerin aus den PhilippinenSister Mary John Mananzan, Fastenaktion-Partnerin aus den Philippinen

Wie die Bischöfe unterstützen zahlreiche Frauen innerhalb der Kirche den Kampf gegen den Missbrauch durch Unternehmen und sind eine wichtige Gruppe, die sich dem Einsatz für Gerechtigkeit verschrieben hat. Schwester Mary John Mananzan, eine langährige Partnerin des Philippinen-Programms der Fastenaktion, hat als Reaktion auf die Erklärung der Bischöfe zur Sorgfaltspflicht und der weltweiten Solidarität untenstehenden Artikel verfasst.

«Als Vorsitzende der grössten philippinischen Frauenorganisation, habe ich mich während achtzehn Jahren intensiv mit unserer Gesellschaft auseinandergesetzt. Ich war Teil vieler Protestaktionen die sich aktiv für die gesellschaftspolitischen Rechte der Frauen eingesetzt haben. Dabei ist mir klar geworden, dass auf den Philippinen – wie auch in vielen anderen Entwicklungsländern – die Globalisierung die Situation in den Ländern massiv verschlechtert hat. Lokale Regierungen haben ihre Autonomie bei der Kontrolle von Importen und der Gesetzgebung von Zöllen zum Schutz ihrer lokalen Wirtschaft verloren. Die Kluft zwischen Arm und Reich hat sich vergrössert, Schäden an der Umwelt haben zugenommen und die Ausbeutung von Frauen und Kindern hat sich verschlimmert.

Ausländischen multinationalen Konzernen ist es gelungen, die Kontrolle über die Wirtschaft des Landes zu übernehmen. Ihre Unternehmenspraktiken verletzen die Rechte der Arbeitnehmenden. Es ist vielen nicht mehr erlaubt sich gewerkschaftlich zu organisieren, zu streiken oder gerechte Löhne einzufordern. Bergbau- und Holzfällerunternehmen haben indigene Gemeinschaften von ihrem angestammten Land vertrieben und künftige Generationen um die Reichtümer des Landes wie Wälder und Bodenschätze gebracht. Die Gewinne aus den abgebauten Metallen, die nicht im Land verarbeitet werden, kommen vor allem den ausländischen multinationalen Konzernen zugute und nicht mehr der einheimischen Wirtschaft.

Feminisierung der Armut

Von Armut sind Frauen die am meisten betroffen. Das führt zu einer Feminisierung der Armut. Obwohl auch Männer unter Armut leiden, ist das Ausmass der Armut bei Frauen ausgeprägter. Denn ihre Armut führt zu einer kürzeren Lebenserwartung, raubt ihnen die Gesundheit, das Recht auf Wissen und die soziale und politische Teilhabe werden ihnen vorenthalten.

Frauen als Arbeitnehmerinnen werden schlechter bezahlt, selbst wenn sie qualitativ bessere Arbeit leisten. Sie laufen Gefahr von Chefs oder Kollegen sexuell belästigt zu werden. Sie tragen eine doppelte Last, denn selbst wenn sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen, sind sie immer auch für die Hausarbeit und die Betreuung der Kinder verantwortlich. Als Bäuerinnen werden sie insofern diskriminiert, dass sie zwar mehr als fünfzig Prozent der Arbeit verrichten, diese Arbeit aber in den Statistiken nicht aufgeführt ist. Viele von ihnen  haben keinen Zugang zu Ressourcen wie Land oder Krediten, selbst dann, wenn sie für den Verkauf ihrer landwirtschaftlichen Produkte zuständig sind.

Unter den philippinischen Frauen sind die indigenen Frauen die Ärmsten und am meisten ausgebeuteten. Nur wenige haben Zugang zu Bildung. Schützt das Militär die multinationalen Bergbaukonzerne, sind sie Vergewaltigungen oder Zwangskonkubinat ausgesetzt. Die mit dem Bergbau einhergehende Landnahme vertreibt die indigenen Familien von ihrem Land, und durch militärische Aktionen werden sie in Flüchtlingslager getrieben, wo sie leichte Beute für Zuhälter und die Sexindustrie werden.

Der Platz der Frauen ist… im Kampf

Die traditionelle Annahme, dass der Platz der Frau im Haus ist, ist heute nicht mehr haltbar. Dasselbe gilt auch für den politischen Kampf: Frauen beanspruchen für sich das Recht, sich in der Gesellschaft , aktiv für Menschenrechte einzusetzen und sich gegen Unterdrückung und Ausbeutung in jeder Form zur Wehr zu setzen. Seit Ende der Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts organisieren sich Frauen auf den Philippinen, um Teil des Kampfes für eine umfassende Umgestaltung der Gesellschaft zu sein, Solidarität mit den Armen und Unterdrückten zu üben, die Menschenrechte zu schützen und zu verteidigen, sich für die Stärkung der Frauenrechte einzusetzen und der Umwelt Sorge zu tragen. Zahlreiche Organisationen schlossen sich in den Philippinen zudem zu einem Dachverband zusammen, die auf ihrem Höhepunkt 250 Frauenorganisationen und 50’000 Einzelmitglieder zählte.

Es gibt zahlreiche Frauen, die sich in nationalen und lokalen Organisationen für die Umwelt einsetzen. An dieser Stelle möchte ich besonders eine Frau würdigen, deren Einsatz für die Ökologie nationale Auswirkungen hat: Meine Mitschwester und Benediktinerin Aida Velasquez. Sie ist eine Pionierin der ökologischen Bewegung auf den Philippinen, die den Kampf gegen die multinationalen Bergbauunternehmen anführte, die die Flüsse in Mindoro verschmutzten. Sie startete eine landesweite Kampagne gegen genmanipulierte Lebensmittel, und war Initiantin der Bewegung für ein nuklearfreies Philippinen. Ihr ist es gelungen, den Betrieb von Kernkraftwerken bis zum heutigen Tag zu verhindern.»

Sister Mary John Mananzan, Philippines

 

Der Aufruf für Menschenrechte und Umweltschutz im Umfeld von Rohstoffaubbau und industriell betriebener Landwirtschaft, wurde bisher von 223 Bischöfen weltweit unterzeichnet. Mehr zum Inhalt des Aufrufs finden Sie hier.

Die Schweiz, Liechtenstein und Norwegen untergraben das Recht auf Saatgut in den Ländern des globalen Südens

Schluss mit dem EFTA-Powerplay gegen den Süden!

Bern, 9. Juli 2020 – 250 Organisationen aus 60 Ländern rufen die Schweiz, Norwegen und Liechtenstein in einem offenen Brief dazu auf, den Ländern des globalen Südens nicht länger strenge Sortenschutzgesetze aufzudrängen, die sie selber nicht erfüllen. Diese Forderung der EFTA-Länder nach strengem Sortenschutz – eine Art Patentschutz auf Saatgut – schränkt den freien Umgang mit Saatgut drastisch zu Lasten der Bäuerinnen und Bauern im globalen Süden ein. Das Recht auf Nahrung, die Ernährungssouveränität und die agrarbiologische Vielfalt sind gefährdet.

250 Organisationen aus der ganzen Welt haben sich aus Sorge um die bäuerlichen Saatgutsysteme, die ein Garant für die agrarbiologische Vielfalt und eine unverzichtbare Ressource für die Züchtung neuer Nutzpflanzen sind, an die Regierungen der Schweiz, Liechtenstein und Norwegen gewandt. Sie verlangen, dass die Forderung nach UPOV-91-kompatiblen Sortenschutzgesetzen aus den Verhandlungsmandaten für künftige Freihandelsabkommen gestrichen werden.

Seit über zwanzig Jahren machen die Länder der Europäischen Freihandelsassoziation EFTA (Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz) in ihren Freihandelsabkommen Druck auf die Länder des globalen Südens, Sortenschutzrechte gemäss dem internationalen Übereinkommen UPOV 91[1] einzuführen. Dies hat eine unverhältnismässige Einschränkung der Rechte der Bäuerinnen und Bauern, Saatgut für die nächste Aussaat zurückzubehalten, zu tauschen und zu verkaufen, zur Folge. Und das obwohl die Schweiz, Norwegen und Liechtenstein[2], diese Standards in ihrem eigenen Land nicht umsetzen.

Dieser «Double Standard» ist umso stossender, als in den Ländern des Südens die bäuerlichen Saatgutsysteme, die durch die UPOV-Standards in ihren Grundfesten erschüttert werden, eine viel zentralere Bedeutung für die Ernährung und Einkommenssicherung haben als in Europa. Den Ländern des globalen Südens diese Standards aufzuzwingen, die ohne ihre Beteiligung ausgehandelt wurden, ist ein neokoloniales Diktat. Die Länder sollen selbst über Gesetze und Politiken in Bezug auf Saatgut, die ihrem landwirtschaftlichen System und den Bedürfnissen ihrer Bevölkerung entsprechen, entscheiden können.

Aktuell verhandelt die EFTA ein Abkommen mit Malaysia. Im Februar 2020 standen auch intellektuelle Eigentumsrechte inklusive Sortenschutz à la UPOV 91 auf der Agenda. Es ist gerade im Fall Malaysia unverständlich, warum die EFTA-Länder auf UPOV 91 beharren. Das Land verfügt bereits über ein Sortenschutzgesetz, das in einem beschränkten Rahmen auch die Rechte der Bäuerinnen und Bauern auf Saatgut respektiert. Die «Koalition Recht auf Saatgut» hat Mitte Juni gegenüber dem Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft in einer Replik ihre Besorgnis darüber eindringlich dargelegt und dessen Argument ‘Sicherung des Wirtschaftsstandorts Schweiz’ zurückgewiesen.

Der Verzicht auf UPOV Standards in Freihandelsabkommen wäre ein bedeutender Beitrag zur Erreichung der Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung, insbesondere dem Ziel Nr.2 (Kein Hunger) und dem Ziel Nr. 15, welches dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende setzen will.

 

Medienmitteilung als PDF

 

[1] UPOV = Internationales Übereinkommens zum Schutz von Pflanzenzüchtungen. Die Akte von 1991 wurde von nur 19 Industrieländern des Nordens und Südafrika für ihre eigenen Bedürfnisse verhandelt.

[2] Island hat ein nationales Sortenschutzrecht nach UPOV 91 Standards

Grossfamilie vor Haus, das die Mine zerstört hat. Foto: Fastenaktion/Meinrad SchadeFamilie in Burkina Faso vor ihrem Haus, das die Mine zerstört hat. Im Hintergrund die Abraumhalde der MIne. Foto: Fastenaktion/Meinrad Schade

«Heute braucht es mehr denn je eine Sorgfaltspflicht, welche den Missbräuchen durch Unternehmen ein Ende setzt und weltweite Solidarität gewährleistet.» Eben haben mehr als 110 Bischöfe aus aller Welt mit der Unterzeichnung dieser Erklärung die Regierungen aufgefordert, Unternehmen verbindlich zur Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards zu verpflichten. Auch vier Schweizer Bischöfe haben die Erklärung unterzeichnet.

«Wenn Unternehmen zur Verschmutzung von Böden, Luft und Grundwasser, zu Menschenrechtsverletzungen oder Kinderarbeit beitragen, müssen sie dafür zur Verantwortung gezogen werden. Betroffenen muss der Zugang zu wirksamen Rechtsmitteln erleichtert werden» sagt der Freiburger Erzbischof Stephan Burger. Die Erklärung der Bischöfe wurde initiiert von Cidse, der Dachorganisation katholischer Organisationen aus Europa und Nordamerika, zu der auch Fastenaktion gehört. Sie ruft Staaten dringend dazu auf, Missbräuche von Unternehmen durch verbindliche Rechtsvorschriften zu unterbinden.

Die Erklärung wurde von zahlreichen Bischöfen der Kirche aus Programmländern der Fastenaktion unterzeichnet, wo Gemeinschaften besonders vom unverantwortlichen Handeln internationaler Unternehmen betroffen sind: Brasilien, Guatemala, Indien, Kolumbien, Kongo, Philippinen und Südafrika. Zudem haben viele Bischöfe aus Europa die Erklärung unterzeichnet und setzen damit ein deutliches Zeichen, dass die europäischen Länder sich ihrer Verantwortung stellen sollten.  Aus der Schweiz sind Markus Büchel, Bischof von Sankt Gallen, Felix Gmür, Bischof von Basel, Jean-Marie Lovey, Bischof von Sion und Charles Morerod, Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, dabei. 

«Diese Pandemie hat unsere gegenseitige Abhängigkeit offengelegt»

Unternehmerischer Missbrauch ist weit verbreitet und die Corona-Krise hat die Situation verschärft insbesondere für die verwundbarsten Bevölkerungsgruppen, die keinen sozialen Schutz geniessen. Einmal mehr waren Frauen von der Krise überproportional betroffen. Gleichzeitig «hat diese Pandemie unsere gegenseitige Abhängigkeit offengelegt und Chaos verursacht in den Lieferketten, welche Fabriken grenzüberschreitend miteinander verbinden. Dadurch wurde unsere Abhängigkeit von verwundbaren Arbeiter und Arbeiterinnen deutlich, die weltweit systemrelevante Arbeiten verrichten».  Die Bischöfe argumentieren, dass angesichts fehlgeschlagener Versuche auf freiwilliger Grundlage bindende Rechtsvorschriften zur Regulierung internationaler Unternehmen die einzige Option sind, um Gemeinschaften zu schützen.

Flickenteppich innerhalb der EU vereinheitlichen, das UN-Abkommen unterstützen

Während einige europäische Länder bereits Gesetze zur Sorgfaltspflicht in Lieferketten haben oder aktuell solche Gesetze erstellen, nimmt die EU als Ganzes nur langsam die Arbeit auf, den bestehenden Flickenteppich zu vereinheitlichen. EU-Justizkommissar Didier Reynders hat angekündigt, dass im Rahmen des Wiederaufbauplans der EU nach der Covid-19-Krise obligatorische Rechtsvorschriften zur Sorgfaltspflicht für Unternehmen entwickelt würden. 

Die Erklärung der Bischöfe bleibt für weitere Unterschriften geöffnet insbesondere im Vorfeld der sechsten Verhandlungsrunde über ein verbindliches UN-Abkommen über Wirtschaft und Menschenrechte. 

Die Schweiz stimmt am 29. November 2020 über die Konzernverantwortung ab

Die Initiative wird seit ihrer Lancierung im Jahr 2016 der Fastenaktion und einer breiten Koalition von 114 Organisationen unterstützt. «Durch Aussagen unserer Partner in den 14 Ländern des Südens wurde uns immer wieder klar, wie sehr ihre Entwicklung bedroht ist durch Aktivitäten multinationaler Konzerne, welche ihre Rechte verletzen und die Umwelt zerstören», sagt François Mercier, Leiter des Programms Rohstoffe und Menschenrechte bei Fastenaktion. «In der Schweiz haben wir durch die Initiative für verantwortungsbewusste Unternehmen nun eine einmalige Gelegenheit, zu handeln.»

«Die Klimakrise zwingt uns, unsere Welt neu zu gestalten. Dieser Wandel soll nicht auf Kosten bedrohter Indigener und Bauerngemeinschaften geschehen. Dafür setzt sich Fastenaktion an der Klimakonferenz ein.»

David Knecht, Programmverantwortung Klima und Energie, Fastenaktion

David Knecht, Verantwortlicher Internationales Programm Energie und Klimagerechtigkeit
UNO Klimakonferenz cop25 titelbild

Anfang Dezember findet in Madrid die COP25 - die jährliche Klimakonferenz der UNO - statt. Gemeinsam mit seinen Allianzpartnern wird Fastenaktion vom Klimawandel bedrohten Indigenen und Bauerngemeinschaften eine Stimme geben. So dass deren Anliegen wahrgenommen und Schutzmechanismen für sie eingebaut werden.

Brasilien hat ein ambitioniertes Klimaziel verkündet. Zwischen 2005 und 2025 sollen die Treibhausgas-Emissionen um 37 Prozent reduziert werden. Um dieses zu erreichen, soll der Energiemix des Landes bis 2030 zu 45 Prozent aus erneuerbaren Energien bestehen. Dafür sind unter anderem viele Wasserkraftwerke geplant.

Kurzsichtige Lösungen entlarven

Im Bundesstaat Mato Grosso, im brasilianischen Amazonas erlebt die Fastenaktion-Partnerorganisation Opan direkt, wie eine schlechte Umsetzung der Ziele auf Kosten der benachteiligten Bevölkerung geschieht. Im Einzugsgebiet des Flusses Juruena sind 127 kleine und mittelgrosse Wasserstaudämme geplant. Diese bedrohen die Lebensgrundlagen der lokalen indigenen Bevölkerung. Denn der Wasserfluss verändert sich drastisch, Fischpopulationen schwinden, heilige Orte sind nicht mehr zugänglich. Und schliesslich kommt die produzierte Energie nicht ihnen selbst zugute, sondern wird direkt ins nationale Netz eingespeist, von dem vor allem Städte ihren Strom beziehen.

Deshalb setzt sich die der Fastenaktion unterstützte Organisation der indigenen Gemeinschaften Opan dafür ein, dass falsche Lösungen als solche enttarnt und gesellschaftsfähige Lösungen gesucht und verbreitet werden. Gerade für die brasilianische Organisation Opan ist es je länger je wichtiger, auf der internationalen Ebene mehr Druck auf die Regierung machen zu können. Denn in Brasilien wird die Zivilgesellschaft je länger je mehr von der aktuellen Regierung eingeschränkt und Aktivistinnen und Aktivisten bedroht.

Sozial verträgliche Lösungen suchen

Die Partnerorganisation Censat in Kolumbien arbeitet an solchen gesellschaftsfähigen Lösungen: Sie führen lokale, dezentrale Energielösungen ein, wie solarbetriebene Wasserpumpen zur Bewässerung agrarökologischer Landwirtschaft oder gemeinschaftlich verwaltete kleine Biogasanlagen, die beispielsweise zur Verarbeitung von Kakao genutzt werden.

Denn die UNO-Klimaziele greifen zu kurz, wenn sie «nur» die Senkung der Treibhausgas-Emissionen überwachen. Es ist wichtig, bei der dringend notwendigen Umsetzung der vertraglich bindenden Ziele die sozialen Aspekte einzubeziehen. Für diese soziale Dimension setzen sich Fastenaktion und seine Allianzpartner an der Klimakonferenz in Madrid ein. Gemeinsam mit dem Netzwerk katholischer Entwicklungswerke Cidse ist eine offizielle Veranstaltung zu diesem Thema geplant, um die Anliegen der indigenen und benachteiligten Bevölkerungsgruppen einzubringen.

Der Handel mit Treibhausgas-Zertifikaten ist keine langfristige Lösung

An den Verhandlungen in Madrid geht es auch konkret darum, den Marktmechanismus zum Handel von Emissionsreduktionen zu bestimmen. Der Bundesrat möchte auf diesen Mechanismus setzen, um die Schweizer Klimaziele zu erreichen. Dieser Handel hat zum Ziel, dass die Treibhausgase, die an einem Ort ausgestossen werden – also zum Beispiel in der Schweiz – an anderen Orten der Welt mit konkreten Massnahmen vermieden werden – zum Beispiel mit Windkraftwerken statt Dieselgeneratoren in Madagaskar. Dahinter steht die Idee, dass es für das Klima – anders als beim Wasser oder der Luftverschmutzung – nicht darauf ankommt, wo die Treibhausgase ausgestossen oder wo sie eingespart werden.

Fastenaktion ist der Meinung, dass ein solch globaler Handel am Ziel vorbei führt: Die wohlhabende Schweiz soll die Verantwortung für ihre Treibhausgasemissionen voll übernehmen und die Reduktionen im Inland erreichen. Darüber hinaus besteht die akute Gefahr, dass der Handel mit Treibhausgasemissionen falsche Anreize setzt und Klimaprojekte mit verheerenden sozialen Schäden fördert.

Verhelfen Sie Menschen zu ihrem Recht auf Nahrung

Wählen Sie hier die Summe, die Sie spenden möchten