Agrarökologie ist lokal angepasste und umweltschonende Landwirtschaft. In den Projektländern von Fastenaktion ist dieser Ansatz zentral, um Ernährungssicherheit und Selbstbestimmung zu erreichen.

Ein Text von Christa Suter, Fachverantwortliche für Agrarökologie bei Fastenaktion

Die negativen Auswirkungen der konventionellen Landwirtschaft auf Umwelt und Klima nehmen unübersehbar zu. Klimaerwärmung, Kriege, Rohstoffspekulationen und die Beeinträchtigung internationaler Handelsketten gefährden die Verfügbarkeit von gesunden und bezahlbaren Nahrungsmitteln im globalen Süden. Mit dem sorgsamen Umgang und dem Erhalt des Bodens und durch die Förderung von Biodiversität liefert Agrarökologie einen wichtigen Beitrag zu einem nachhaltigeren Anbausystem. Nicht nur, dass sich Pflanzen, Tiere, Menschen und Umwelt gegenseitig stützen, auch das Ernährungssystem wird gerechter, da die Menschen selbst entscheiden können, wie sie produzieren und was sie essen. Die Produktion von gesunden Lebensmitteln, welche die Bodenfruchtbarkeit bewahrt und aufbaut, die biologische Vielfalt von Saatgut und Tieren erhalten und weiterentwickeln, und der schonende Umgang mit Wasser stehen im Zentrum der Agrarökologie.

Agrarökologie ist gleichzeitig eine Wissenschaft, eine Sammlung von nachhaltigen landwirtschaftlichen Praktiken sowie eine soziale Bewegung für mehr Ernährungssouveränität. Sie hat sich in den letzten Jahrzehnten stetig weiterentwickelt. Sie konzentriert sich nicht nur auf Äcker und landwirtschaftliche Betriebe, sondern umfasst Empfehlungen für das gesamte Ernährungssystem, vom Feld bis zum Teller – und für alles, was sich dazwischen abspielt.

Menschen und nicht Konzerne oder Handelsabkommen sollen entscheiden, wie und wo sie ihre Nahrungsmittel produzieren und was auf den Teller kommt. Agrarökologie kann die Klimaerhitzung nicht verhindern. Doch sie kann Möglichkeiten aufzeigen, wie sich Bäuerinnen und Bauern an die zu erwartenden Auswirkungen anpassen können.

Die Solidaritätsgruppe in der kenianischen Region Mochongoi unterstützt sich bei der Feldarbeit.

Ein Zusammenspiel von vier Dimensionen

Die ökologische Dimension der Agrarökologie ist von zentraler Bedeutung: Dabei geht es um den Aufbau von fruchtbaren Böden, den Schutz vor Erosion und die Förderung der Artenvielfalt. Hochgiftige Pestizide und synthetische Dünger werden vermieden und durch umweltschonende Methoden ersetzt. Um besser auf die Klimaveränderungen und ihre Auswirkungen vorbereitet zu sein, wird bewusst auf lokales Saatgut geachtet.

Auf der sozialen Ebene ist das traditionelle Wissen von grosser Bedeutung für eine gerechte und selbstbestimmte Landwirtschaft. Solidaritätsgruppen und die Ausbildung von Frauen stärken die Gemeinschaftsbildung. Frauen spielen eine zentrale Rolle in der Landwirtschaft und in der Ernährung, da sie oft viel Feldarbeit leisten oder bäuerliches Saatgut erhalten und vermehren, die Mahlzeiten zubereiten und die Ernten auf dem Markt verkaufen.

Auf ökonomischer Ebene stärken agrarökologische Ansätze die lokalen Kreisläufe, indem auf eine regionale und saisonale Landwirtschaft und Nahrungsmittel gesetzt wird. Lebensmittel werden für den lokalen Markt hergestellt, Saatgut sowie ökologische Dünge- und Pflanzenschutzmittel werden vor Ort hergestellt. Es wird bewusst darauf geachtet, dass die angebauten Produkte vielfältig und Nahrungsmittel möglichst ganzjährig geerntet werden können, damit verschiedene Einkommensquellen die Familien stärken. Die politische Mitbestimmung und Beteiligung der Produzent:innen und Mitarbeiter:innen in der Landwirtschaft und in der Lebensmittelverarbeitung wurde 2018 in der Uno-Erklärung über die Rechte der Bäuerinnen und Bauern und Personen im ländlichen Raum (UNDROP) festgehalten. Diese Rechte erlauben es, Ernährungssouveränität, das Recht auf Nahrung und die Kontrolle über Land und Saatgut auch tatsächlich einzufordern.

Konkrete Veränderungen

Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Treiber der Klimakrise – und gleichzeitig sehr stark von Klimaerhitzung betroffen. Konkrete Veränderungen sind notwendig. Direkte und indirekte Subventionen für die industrielle Landwirtschaft, die einen nicht nachhaltigen Anbau fördert, müssen gestoppt werden. Der Gebrauch chemischer Düngemittel und Pestizide muss drastisch sinken. Und statt grossflächiger Plantagenproduktion braucht es vielfältige, kleinräumig strukturierte Bauernbetriebe und Zugang zu Land, gerade auch für Frauen im globalen Süden.

Die Partnerorganisationen von Fastenaktion in Asien, Afrika und Lateinamerika setzen sich sowohl auf praktischer wie auch auf politischer Ebene für die Stärkung und die Ausweitung agrarökologischer Ansätze ein. Sie fördern und fordern den Zugang zu Ressourcen wie Land, Saatgut und Wasser. Zudem verlangen sie Schutz und Sicherheit der Menschenrechtsaktivist:innen, die für die Rechte der Bäuerinnen und Bauern einstehen.

Lauchsetzlinge werden sorgfältig und mit genügend Abstand eingepflanzt.

Im Rahmen der Ökumenischen Kampagne 2023 legen Fastenaktion und HEKS den Fokus auf das Thema Agrarökologie. Mehr über die Kampagne erfahren Sie hier. 

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Industrielle Landwirtschaft ist der Klimakrise nicht gewachsen, zerstört aber die Umwelt. Agrarökologische Anbaumethoden verbessern die Ernährungssituation und können die Folgen der Klimaerhitzung stärker abfedern.

Bis zu 828 Millionen Menschen haben weltweit nicht genügend zu essen. Das sind fast 10 Prozent der Weltbevölkerung. Das bedeutet: jeder 5. Mensch in Afrika, jeder 10. in Asien, jeder 12. in Lateinamerika. In Nordamerika und Europa sind es jeweils rund 2 Prozent der Bevölkerung. (Quelle: FAO Food Security and Nutrition in the World 2022)

1/3 der weltweit für Menschen produzierten Lebensmittel wird entweder verschwendet oder geht verloren.

10 Prozent mehr Frauen als Männer litten im Jahr 2020 unter Hunger. (Quelle: FAO, IFAD, UNICEF, WFP, WHO: The State of Food Security and Nutrition in the World 2022)

Wo mehrere agrarökologische Massnahmen angewendet werden, sinkt das Risiko einer Mangelernährung um 22 Prozent. (Sufosec Ernährungsbericht 2022)

Das können wir tun

  • Wollen wir bei unserer Ernährung etwas ändern, erreichen wir dies am besten, wenn wir uns überschaubare Ziele setzen.
  • Saisonal, regional und fair zum Beispiel in einem Hoflädeli oder auf dem lokalen Markt einkaufen. hoflädeli.ch
  • Was in der Ernährungspyramide ganz unten zu finden ist, ist für das Klima am besten.
  • Verpackungsarme Lebensmittel bevorzugen und Verpackungen recyceln.
  • Einen Selbstversuch wagen: während einer Woche nur Lebensmittel kaufen und konsumieren, die im Umkreis von 50 Kilometern produziert wurden.
  • Und steht ein Garten zur Verfügung: warum nicht Wildobststräucher, einheimisches Gemüse und Blühstauden anpflanzen?

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