Die Klimaerwärmung führt zu häufigeren Wetterextremen. Dürren oder Stürme vernichten die Ernten der Bäuerinnen und Bauern der Hunger nimmt zu. Deshalb setzen wir uns auf internationaler Ebene für einen gerechten Klimaschutz ein, wie zuletzt bei den Klimaverhandlungen der Vereinten Nationen (UN) in Bonn. Der Elefant im Raum: Wer übernimmt die Kosten für eine lebenswerte Zukunft?

Ein Kommentar von Manolito Steffen, OnlineRedaktor bei Fastenaktion

Jedes Jahr im Juni treffen sich UN-Delegationen aus aller Welt in Bonn, um über Klimaschutz zu verhandeln. Diese Vorverhandlungen dienen als Grundlage für die Weltklimakonferenz im November, die dieses Jahr in Aserbaidschan stattfinden wird.

Die Ergebnisse von Bonn sind allerdings einmal mehr ernüchternd: Der Klimaschutz kommt zu langsam voran, und die Staatengemeinschaft kann sich weiterhin nicht auf einen langfristigen Plan zur Finanzierung der Klimaschutzmassnahmen einigen. Und das, obwohl die Wissenschaft eindringlich davor warnt, die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu verfehlen. Darin ist festgehalten, dass die globale Erderwärmung gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter 1.5 Grad Celsius nicht überschreiten darf – denn wenn dieser sogenannte Kipppunkt überschritten wird, drohen noch häufigere Wetterextreme wie Dürren, wodurch die Ernährungssicherheit gefährdet wird.

Indigene Stimmen für Klimaschutz

Dass sich das Klima verändert, spüren nicht nur wir in der Schweiz, sondern insbesondere die Menschen in unseren Projekten im Globalen Süden. Sinéia Bezerra do Vale, die in Bonn mitverhandelte, bekräftigt dies. Die indigene Vertreterin aus dem Amazonasgebiet gilt in Brasilien als Klimaschutz-Ikone und arbeitet eng mit einer Partnerorganisation von Fastenaktion zusammen. Im Gespräch erzählt sie: «Das Wetter ist nicht mehr richtig. Die Winter sind länger, die Setzlinge werden von Käfern aufgefressen und Waldbrände zerstören unseren Lebensraum.» Um Letzterem nicht schutzlos ausgeliefert zu sein, hat die indigene Gemeinschaft von Sinéia eine eigene Feuerwehr gegründet. Auf die Frage, woher sie die Energie nehme, sich an den schleppenden Verhandlungen zu beteiligen, antwortet sie: «Aus meiner Gemeinschaft.» Indigene Perspektiven auf den globalen Klimaschutz sind wichtig, weil ihre Gemeinschaften von den Auswirkungen der Klimaerwärmung besonders betroffen sind – und ihr traditionelles Wissen ist wertvoll, um den Herausforderungen der Klimaerwärmung zu begegnen.

Sinéia Bezerra do Vale nahm als indigene Vertreterin an den Verhandlungen teil.

Industrialisierte Länder stehen in der Pflicht

Die Klimaverhandlungen der Vereinten Nationen sind sehr technisch und die Inhalte für Aussenstehende nur schwer verständlich. Einerseits geht es um die Milderung (Mitigation) der Klimaerwärmung durch die Reduktion von Treibhausgasen, andererseits um die Anpassung (Adaption) an die Folgen der Klimaerwärmung – also um das, was Sinéia Bezerra do Vale in ihrer indigenen Gemeinschaft im Kleinen verändert. Ebenfalls verhandelt wird über Schäden und Verluste (Loss and Damage), die das veränderte Klima verursacht, also zum Beispiel wie Länder für Schäden durch extreme Wetterereignisse entschädigt werden. Denn die Folgen der Erwärmung treffen vor allem die Länder im Globalen Süden, obwohl sie am wenigsten zum Ausstoss zur Klimaerwärmung beigetragen haben. 

Letztlich geht es bei all diesen Verhandlungsthemen um Geld – und Gerechtigkeit. Welches Land trägt wie viel zur Finanzierung von Klimaschutzmassnahmen bei? Zwar stehen vor allem die industrialisierten Nationen in der Pflicht, Verantwortung zu übernehmen, doch bei den UN-Klimaverhandlungen gilt das Konsens-Prinzip: Eine Einigung ist erst erzielt, wenn alle Mitgliedsstaaten zugestimmt haben. Dies bedeutet, dass ein einzelnes Land im Alleingang Entscheidungen blockieren kann.

Der Elefant im Raum hofft auf Baku

Die Verhandlungen kommen zu langsam voran, aber sind global die höchste Ebene, um den Klimaschutz neu zu regeln. Sie geben Menschen wie Sinéia Hoffnung, denn jeder zäh errungene Beschluss ist verpflichtend. Und somit auch ein weiterer Schritt, um der globalen Erwärmung angemessener und gerechter zu begegnen und die Lebensgrundlagen der Menschen im Globalen Süden zu verbessern. «Die Klimaerwärmung ist eine riesige Herausforderung», sagt Bettina Dürr, Klimaexpertin bei Fastenaktion. «Aber gleichzeitig auch eine Chance für die Länder des Globalen Südens, eine klimaresiliente Gesellschaft aufzubauen und endlich Gerechtigkeit zu erfahren.»  

 Fastenaktion wird als eine der wenigen akkreditierten Nichtregierungsorganisationen aus der Schweiz Ende Jahr an der Weltklimakonferenz in Baku teilnehmen. Und sich aktiv dafür einsetzen, dass die internationale Staatengemeinschaft sich dort zu dringend notwendigen Beschlüssen durchringen kann – insbesondere zu einer fairen Klimafinanzierung. Dies ist eine zentrale Voraussetzung für unsere Vision: eine gerechte Welt ohne Hunger.

Sie finden hier die Medienmitteilung von Alliance Sud zu den Klimaverhandlungen in Bonn.

Aktivist:innen demonstrieren am Rande der Verhandlungen für eine gerechte Klimafinanzierung.

Klimaschutz ist für eine gerechte Welt ohne Hunger unabdingbar. Klicken Sie hier, um unsere Arbeit für die ärmsten Menschen zu unterstützen.

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Am 30. September findet die nationale Klimademo in Bern statt. Fastenaktion trägt die Aktion als Mitglied der Klima-Allianz  mit. Die Klimakrise bedroht die Menschen in den Programmländern von Fastenaktion jedes Jahr stärker. Diese globale Herausforderung braucht Lösungen auch auf politischer Ebene. Darum setzen wir uns in der Schweiz und im Rahmen der internationalen Klimaverhandlungen für eine ambitionierte und gerechte Klimapolitik ein. 

Ein Kommentar von Stefan Salzmann, Fachexperte für Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion

Gemeinsam mit über 140 Mitgliedsorganisationen der Klima-Allianz und mit der Klimabewegung fordert Fastenaktion mehr Klimagerechtigkeit: Die grössten Verursacher:innen der Klimakrise müssen ihre Verantwortung wahrnehmen! 

Jahrzehntelanger Einsatz für Klimagerechtigkeit 

Seit der ersten Klimakampagne 1989 setzt sich Fastenaktion öffentlich für Klimagerechtigkeit ein. Von unseren Partnerorganisationen in den Programmländern wissen wir: Es sind die ärmsten Menschen, die am stärksten unter der Klimakrise leiden. Immer stärkere Taifune auf den Philippinen, Dürren in Burkina Faso oder häufigere Starkniederschläge in Laos sind nur einige Beispiele und führen zu mehr Hunger. Ungerecht daran ist, dass die Betroffenen in diesen Ländern nicht zu den Verursacher:innen der Krise gehören. Doch sie müssen die Folgen tragen, weil ihnen die Mittel zur Anpassung fehlen. Verursacht wird die Klimaerwärmung durch reiche Menschen, die mit grossem ökologischem Fussabdruck leben. 

Weckruf des Weltklimarats 

Der beste Moment zu handeln wäre gestern gewesen – der zweitbeste Moment ist heute. Dieses Fazit kann man aus den Berichten des Weltklimarats ziehen. Wenn wir die schlimmsten Auswirkungen der globalen Klimaerwärmung abwenden wollen, müssen die globalen Emissionen an Treibhausgasen bis 2030 auf 50 Prozent gegenüber 1990 sinken. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, muss global und in der Schweiz noch einiges passieren. 

Am 30. September gemeinsam für Klimagerechtigkeit

Wir wissen, dass politische Rahmenbedingungen für mehr Klimaschutz wichtig und notwendig sind. Die Schweiz muss ihre Treibhausgasemissionen bis 2040 auf Netto-Null senken. Eine Lösung ist noch möglich, wenn wir jetzt handeln. Die Zeit drängt. Deshalb helft mit, am 30. September ein Zeichen zu setzen: Kommt alle nach Bern – für mehr Klimagerechtigkeit! Zeigen wir, dass uns Klimaschutz am Herzen liegt und dass wir Lösungen von der Politik erwarten. 

Setzen wir gemeinsam ein Zeichen an der Klimademo – für mehr Klimagerechtigkeit!
Weitere Informationen zur Klimademo finden Sie hier. 

Zehntausende Demonstrierende standen 2019 vor dem Bundeshaus für Klimagerechtigkeit ein.
Die letzte nationale Klimademo im Jahr 2019 mobilisierte zehntausende Menschen, die mehr Klimagerechtigkeit forderten.

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Über 40 Prozent der weltweiten Reisexporte stammen aus Indien. Das von der Regierung im Juli verhängte Reisausfuhrverbot macht die Situation für arme Länder wie Nepal oder Senegal noch prekärer. Sie litten schon zuvor unter stark gestiegenen Preisen für Grundnahrungsmittel. 

Wegen verspätetem oder zu heftigem Monsunregen erwartet Indien dieses Jahr eine schlechte Reiseernte. Die Regierung hat deshalb am 20. Juli beschlossen, bestimmte Reissorten nicht mehr zu exportieren, um die schon zuvor gestiegenen Preise im Land zu stabilisieren. Der Entscheid ist vor allem innenpolitisch begründet, um die vielen Armen wohlwollend zu stimmen, die bei den anstehenden Wahlen 2024 eine wichtige Rolle spielen. 

Reispreise nun noch höher 

Reis ist ein Grundnahrungsmittel für mehr als drei Milliarden Menschen. 2022 exportierte Indien über zehn Millionen Tonnen von den vom Ausfuhrverbot betroffenen Reissorten – insbesondere an afrikanische Länder wie Benin, Senegal, Elfenbeinküste und Togo, aber auch an Nachbarstaaten wie China, Bangladesch oder Nepal. Für die ärmere Bevölkerung dieser Länder, die wegen unberechenbaren Wetterextremen und dem russischen Angriff auf die Ukraine ohnehin schon mit höheren Preisen für Grundnahrungsmittel konfrontiert ist, wird die Lage nun noch prekärer. 

Nepal etwa ist nach Benin der zweitgrösste Importeur dieser indischen Reissorten und leidet dieses Jahr zudem wegen unzuverlässiger Regenfälle unter Ernteausfällen – die Reispreise sind deswegen bereits gestiegen.

Eine trägt einen 30 Kilogramm schweren Reisbeutel auf ihrer Schulter.
Nepal ist stark vom Import indischer Reissorten abhängig.

Hoffnung kommt auf 

«Es zeichnet sich jedoch ab, dass sich Nepal durch Verhandlungen mit Indien mindestens einen Teil der üblichen Exporte auch für dieses Jahr sichern kann», sagt Samrat Katwal, der die Ernährungsprojekte von Fastenaktion in Nepal koordiniert. Somit bestehe Hoffnung, dass das Exportverbot die Lage nicht allzu sehr verschärfe. 

Dennoch bleibt die Ernährungssituation für viele Menschen in ärmeren Verhältnissen schwierig. «Bei höheren Preisen müssen sie sich weiter verschulden und verstärken so ihre Abhängigkeit. Dies stützt die bestehenden Machtstrukturen, die die Schwächsten der Gesellschaft in einem Teufelskreis der Armut gefangen halten.» 

Agrarökologie ist Teil der Lösung 

Dagegen hilft unter anderem eine Umstellung der Landwirtschaft nach den Grundlagen der Agrarökologie, wie sie Fastenaktion in Nepal, Senegal und weiteren Projektländern unterstützt. Dabei handelt es sich um eine lokal angepasste und umweltschonende Landwirtschaft, die zudem die Widerstandskraft gegenüber den Folgen der Klimaerwärmung erhöht. «Mögliche Antworten auf diese schwierigen Zeiten finden sich in traditionellen landwirtschaftlichen Praktiken», sagt Samrat Katwal. «In den Weisheiten der Ahnen liegt grosses Potenzial, heutige Probleme anzugehen.»  

Die Partnerorganisationen von Fastenaktion in Asien, Afrika und Lateinamerika setzen sich für agrarökologische Ansätze ein. Erfahren Sie hier mehr über das Thema.

Ein agrarökologisches Feld in einem nepalesischen Dorf.
Fastenaktion setzt in Projekten auf eine lokal angepasste und umweltschonende Landwirtschaft, um den Hunger langfristig zu vermindern.

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Die Welt erholt sich vom Klimagipfel der Vereinten Nationen, der COP27 in Sharm El-Sheikh. Loisa Maimpu aus Kenia hat dazu keine Zeit. Sie ist den ganzen Tag damit beschäftigt, Wasser und Essen für ihre Familie und ihre Tiere zu suchen. Kenia erleidet seit über zwei Jahren eine extreme Dürre.

Ein Bericht von Leon Jander, Verantwortlicher für das Landesprogramm in Kenia

Loisa Maimpu lebt in Kajiado County, einer trockenen Region Kenias, an der Grenze zu Tansania. Sie gehört zum Volk der Massai. Die Massai sind eigentlich Viehhirtinnen und -hirten. Die grossen Herden sind der Stolz jeder Familie und ihre Lebensgrundlage. Die zunehmende Trockenheit durch den Klimawandel macht es schwerer, grosse Herden zu unterhalten und die Massai müssen immer weitere Strecken zurücklegen, um geeignete Weideflächen zu finden.

Die lange Trockenheit schwächt die Tiere. Viele sterben.
Verkürzte Regenzeit hat drastische Folgen
Loisa Maimpu und die anderen Menschen in den trockenen Gebieten Kenias sind Hitze- und Trockenperioden eigentlich gewöhnt. Sie erholen sich während der nächsten Regenzeit. Der Klimawandel verlängert deren Dauer und Intensität aber derart, dass Menschen und Tiere sich nicht schnell genug anpassen können. Eigentlich sollte es jetzt in vielen Regionen Kenias regnen. Teilweise tut es das auch, aber zum fünften Mal in Folge fällt diese Regenzeit unterdurchschnittlich aus. Meteorolog:innen sprechen von 60 Prozent weniger Regen. Die Aussichten für die lange Regenzeit im Frühjahr 2023 sind ebenso schlecht. Die langanhaltende Dürre führt dazu, dass die Menschen und Tiere gesundheitlich beeinträchtig sind und vermehrt sterben. Auch die langfristige Entwicklung der Kinder wird beeinträchtigt. Ausserdem kommt es zu mehr Konflikten zwischen Menschen, und zwischen Menschen und Tieren. Alle sind auf der Suche nach Wasser und Nahrung.
Die Landwirtschaft bietet zusätzliche Einkommens- und Nahrungsquellen.
Verbesserung der Nahrungsmittelversorgung
Doch die Menschen wissen sich zu helfen. Als zusätzliche Einkommens- und Nahrungsquelle steigen sie teilweise auf Landwirtschaft um. Die Partnerorganisation Olkejuado Pastoralists Development Organization (Dupoto-e-Maa), mit der Fastenaktion seit 2009 erfolgreich zusammenarbeitet, begleitet sie dabei. In einer externen Projektevaluierung im Jahr 2021 wurden ermutigende Wirkungen festgestellt: 18 Prozent der Zielgruppe gaben den Verkauf von Gemüse als Haupteinnahmequelle an, zu Beginn des Projektes war dies noch kein Thema. Durch die Landwirtschaft konnte auch die Ernährung abwechslungsreicher gestaltet werden. Die Familien haben nun mehr Gemüse auf dem Tisch.
Die Welt erholt sich vom Klimagipfel der Vereinten Nationen, der COP27 in Sharm El-Sheikh. Loisa Maimpu aus Kenia hat dazu keine Zeit. Sie ist den ganzen Tag damit beschäftigt, Wasser und Essen für ihre Familie und ihre Tiere zu suchen. Kenia erleidet seit über zwei Jahren eine extreme Dürre.
Fastenaktion unterstützt mit Nothilfe 
Es wird Jahre brauchen, bis die Beschlüsse der COP27 umgesetzt werden. Die Erreichung des 1,5-Grad-Zieles wird Jahr für Jahr schwieriger. Loisa Maimpu hat diese Zeit nicht. Um die grösste Not in der Projektregion zu mindern, leistet Fastenaktion Nothilfe. Diese ist wichtig, damit erreichte Fortschritte in den langfristigen Entwicklungsprojekten der Partnerorganisationen nicht verloren gehen.  

Im Jahr 2020 berichtete SRF mitenand über Dupoto-e-Maa, einer Partnerorganisation von Fastenaktion in Kenia: Hier finden Sie den Beitrag.

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Abschlusskommentar von David Knecht, Fachverantwortlicher für Klima- und Energiegerechtigkeit bei Fastenaktion. David Knecht verfolgte die COP27 in den letzten zwei Wochen vor Ort.

Die Welt hat im ägyptischen Sharm-El-Sheikh getagt. Eine absurde Stadt für eine Monsterkonferenz – mit über 30’000 Teilnehmenden. Da kommt ab und an das Gefühl auf, dass das Konferenzgelände mit dem Menschengewimmel einem arabischen Basar gleicht. Nur das hier das drängendste aller globaler Themen verhandelt wird. Die Begrenzung der Klimaerhitzung.

Sharm-El-Sheik – Inbegriff des Massentourismus. Bekannt für wunderschöne Korallenriffe, welche durch den Klimawandel akut bedroht sind. Expert:innen gehen davon aus, dass bis zu 99 Prozent der Korallenriffe zerstört werden, wenn die Klimaerhitzung zwei Grad Celsius erreicht.[1]

Klimaerwärmung wartet nicht – die Ärmsten leiden
Präsidenten und Premierminister:innen aller Nationen haben sich die Türklinke in die Hand gedrückt. Sie haben in Reden betont, wie wichtig es ist, die Klimaerhitzung zu begrenzen. Diesem Treiben haben über 600 Fossilenergie Lobbyisten nickend zugeschaut und eifrig dafür gesorgt, dass der Abschlusstext der COP27 keinen Ausstieg aus den fossilen Energien fordert.[2] Sie sagen, das wäre angesichts der weltweiten Energiekrise zu viel des Guten, das brauche mehr Zeit, müsse sorgfältig geplant werden. Fossil is King. Die Klimaerwärmung aber wartet nicht. Sie schreitet Tag für Tag weiter voran. Gerade die ärmsten Menschen unseres Planeten leiden am meisten unter der Erwärmung. Sie haben nicht die Mittel, sich den Auswirkungen anzupassen.

Eine indonesische Delegation über die Folgen der Klimaerhitzung.

Fonds für Klimagerechtigkeit
Wenn Anpassung nicht mehr möglich ist, weil die Klimaerwärmung irreparable Schäden verursacht, werden Kompensationszahlungen nötig. Deshalb ist es so wichtig, dass ein spezifischer Fonds für diese Zahlungen aufgebaut wird. Verluste und Schäden müssen ausgeglichen werden. In der moralischen Pflicht stehen die historischen Verursacher der Klimaerwärmung. Viele Südländer, Inselstaaten und tausende zivilgesellschaftliche Vertreter:innen aus der ganzen Welt, darunter Fastenaktion, haben sich für einen solchen Fonds eingesetzt. Blockiert wurde dieses Vorhaben in den vergangenen Jahren vom globalen Norden. Nach einem langen Seilziehen konnten sich die Staaten schliesslich dazu einigen, Fonds für klimabedingte Schäden und Verluste zu schaffen. Das ist ein grosser Erfolg und ein bedeutsamer Schritt in Richtung Klimagerechtigkeit!

Solidarität zeigen
Aber Kompensationszahlungen sind nur ein Teil der Gleichung. Wichtig ist, dass die Klimaerhitzung gar nicht voranschreitet. Die Klimaerhitzung soll möglichst auf 1.5 Grad Celsius begrenzt werden. Dafür müssen wir unsere Treibhausgasemissionen global drastisch reduzieren. Die UNO hat im Oktober veröffentlicht, dass die weltweiten Klimaschutzpläne zu einer Erhitzung von über 2.4 Grad Celsius führen würden.[3] Es braucht dringend schnelle und ambitioniertere Emissionsreduktionsprogramme. An der COP27 haben die Länder deshalb ein Arbeitsprogramm zur Emissionsminderung beraten und verabschiedet – ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Wichtig ist, dass diese Massnahmen mit den entsprechenden Finanzzahlungen ergänzt werden, damit finanzschwache Länder ebenfalls die nötigen Klimaprogramme durchführen können. Solidarität und die Anerkennung der historischen Verantwortung durch den globalen Norden ist hierfür zentral.

Schweiz muss Verantwortung übernehmen
Aber die Welt hinkt den eigenen Versprechen hinterher. 2009 versprachen die Industrieländer jährlich 100 Milliarden USD, doch bislang wurden davon nur 83 mobilisiert.[4] Und auch dies ist gemäss dem Weltklimarat noch zu wenig, es braucht Billionen.[5] Zur Finanzierungslücke hat die Klimakonferenz keine zufriedenstellenden Antworten geliefert. Das ist frustrierend, gerade in einem Jahr wo die Mineralöl- und Energiekonzerne BP, ExxonMobil, Chevron, Shell und TotalEnergies zusammen allein im zweiten Quartal 55 Milliarden Gewinn verbuchten. Dieses Ungleichgewicht muss dringend aufgelöst werden.  Die Schweiz ist ein reiches Land und trägt als Drehscheibe des internationalen Rohstoffhandels dabei eine besondere Verantwortung.

Fastenaktion setzt sich für Ernährungssicherheit ein
Wenn die Staatengemeinschaft dabei scheitert, können die Pariser Klimaziele nicht erreicht werden, was insbesondere für die ärmsten Menschen katastrophale Folgen hätte. Denn die Klimaerhitzung wirkt sich direkt auf die Ernährungssicherheit dieser Menschen aus. Verstärkte Dürren und Überschwemmungen sind direkte folgen der Klimaerhitzung. Und sie nehmen zu, in Stärke und Häufigkeit. Die Ernährungssicherheit von Millionen von Menschen steht auf dem Spiel. Fastenaktion setzte sich deshalb zusammen mit der CIDSE an der COP für die Verankerung der Agrarökologie als ein tragendes Element der landwirtschaftlichen Lösungen ein. Die Forderung hatte an der COP27 einen schweren Stand und deren Erwähnung wurde weggestrichen. Der Druck der industriellen Landwirtschaft ist zu gross.

Das CIDSE-Team an der Weltklimakonferenz.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass an der COP27 mit Fonds für klimabedingte Schäden und Verlustes sowie dem Programm zur Abschwächung der Klimakrise (Mitigation) wichtige Schritte in die richtige Richtung gemacht worden sind. Dass aber der Staatenbund sich nicht auf ein Aussteigen aus fossilen Energien einigen konnte, zeigt, dass der Einfluss der Lobby für fossile Energien sehr stark ist. Das zudem keine konkreten Pläne zur Schliessung der Finanzierungslücke verabschiedet wurden bestätigt, dass das dringend notwendige Umdenken noch nicht stattgefunden hat. So werden wir das globale 1.5 Grad Celsius Ziel nicht erreichen. Und das Fenster dazu schliesst sich mit rasendem Tempo.

Fastenaktion begleitete eine Delegation aus dem Amazonas.

Partner von Fastenaktion zeigen Lösungen
In Sharm El Sheikh hat sich Fastenaktion mit Partnerorganisationen aus Kolumbien und Brasilien aktiv für eine rasche und sozialgerechte Umsetzung der Pariser Klimaziele eingesetzt. Zudem wurden Menschen- und Indigene Rechte sowie das wichtige Prinzip der Transparenz in Berichterstattungen in die Verhandlungen eingebracht. In einem offiziellen COP-Event haben wir mit unseren Partnern gezeigt, dass es in vielen Ländern hapert mit der Transparenz. Unsere Partner haben aufgezeigt, dass dezentralisierte, gemeinschaftliche Energielösungen ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels sind. Gleichzeitig stärken sie die Ernährungssicherheit der Menschen. Gemeinsam mit unseren Partnern wird sich Fastenaktion auch im kommenden Jahr für eine rasche und sozialgerechte Umsetzung der Pariser Verträge einsetzen, um dem Hunger auf der Welt entgegenzuwirken.

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«Jeder kann es sehen, aber alle sehen weg», singt Reinhard Mey im Lied Narrenschiff, welches volle Fahrt mit Kurs aufs Riff steuert. Es beschreibt bildlich unser individuelles Verhalten in der Klimakrise. Gleichzeitig hoffen viele Menschen auf die Beschlüsse an der Klimakonferenz in Ägypten. Morgen beginnt die 27. Weltklimakonferenz (COP27). Ambitionierte Beschlüsse braucht es mehr denn je.

Kommentar von Stefan Salzmann, Fachexperte für Energie- und Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion

Hitzewellen, Dürre, Wasserknappheit. Was in Partnerländern von Fastenaktion seit Jahren Alltag ist, kommt auch auf die Schweiz und Europa zu. Was wir im Sommer 2022 erlebt haben, ist ein bitterer Vorgeschmack auf das, was der Weltklimarat voraussagt. Die Zunahme von Wetterextremen aufgrund der Klimaerhitzung. Überall, auch in der Schweiz.

Kurs aufs Riff
Trotzdem tun wir uns schwer, unser individuelles Handeln anzupassen. Tanks werden vor dem Winter mit frischem Heizöl aufgefüllt. Eine Nachbarin erzählt mir im Vorbeigehen, wie sehr sie sich auf einen dreitägigen Trip nach Ibiza freut. Viele Mitmenschen, die sich über die Hitze im Sommer beklagt hatten, ärgern sich über hohe Energiepreise und kaufen billiges Fleisch. Als gäbe es keinen Zusammenhang. Unser Schiff steuert auf das Riff zu, wir wissen es. Und machen weiter wie gewohnt. Den Preis dafür zahlen viele in Armut lebende Menschen auf der ganzen Welt.

Und die Politik?
Bis 2050 sollen die schweizerischen Treibhausgasemissionen bei null ankommen – für die Menschen in vielen Weltregionen viel zu spät. Sie leiden schon heute, haben das Problem aber nicht verursacht. Teile der schweizerischen Politik nimmt die Dringlichkeit nicht ernst. Gegen den indirekten Gegenvorschlag der Gletscher-Initiative wurde das Referendum ergriffen. Dabei ist das neue Klimagesetz nur ein erster Schritt in die richtige Richtung. Gerade deshalb ist das Ja zur Gletscherinitiative ein absolutes Minimum, wenn wir zu globaler Klimagerechtigkeit einen Beitrag leisten wollen. Eine weitere Verzögerung ist keine Option.

Sharm el Sheikh
Am 6. November beginnt die 27. Klimakonferenz in Ägypten. Viele wichtige Punkte werden verhandelt. Die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015 ist weiterhin das Hauptziel. Dieses will die Erderwärmung bei 2 Grad Celsius, wenn möglich 1.5 Grad Celsius begrenzen. Gemäss Climate Action Tracker steuern wir aber auf eine Erderwärmung von 2.7 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit zu. Konkret soll in Ägypten ein Arbeitsprogramm verabschiedet werden, um die Ambitionen zur Minderung von Emissionen schneller und wirksamer zu reduzieren (Mitigation Work Programme). Neben Minderung geht es auch um Anpassungen an die Klimaerwärmung. Darum sind Einigungen zu höheren Beiträgen zur Klimafinanzierung ein dringendes Ziel.

Viele reiche Länder blockieren die Verhandlungen zu Schäden und Verlusten (Loss and Damage). Es geht um die Entschädigung für irreversible Schäden als Folge der Klimaerhitzung. Was dies bedeutet, hat die Flutkatastrophe 2022 in Pakistan gezeigt. Tausende Menschen sind gestorben. Millionen von Menschen haben durch den extremen Monsunregen ihre Lebensgrundlagen verloren. Sie haben keine Perspektiven mehr. Gerade arme Menschen sind auf die Unterstützung der reichen Länder angewiesen. Globaler Klimaschutz und Klimagerechtigkeit bedingen Solidarität zur Bekämpfung der Klimakrise.

Fastenaktion setzt sich für eine ambitionierte Klimapolitik in der Schweiz ein. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist die Gletscher-Initiative.
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