In der Nacht am 11./12. November traf Taifun Vamco im Norden der Philippinen auf Land. Er hinterliess eine Spur der Verwüstung im Grossraum Manila, in Infanta und der angrenzenden Provinz Aurora. Drei Projekte von Fastenaktion in Infanta, darunter das Partnerprojekt von Jubla Schweiz, wurden hart getroffen.

Mitarbeiter Marcelino von TCD Infanta zeigt, wie hoch das Wasser in seinem Dorf steht.Mitarbeiter Marcelino von TCD Infanta zeigt, wie hoch das Wasser in seinem Dorf steht. Foto: TCD
Der Taifun Vamco war der fünfte Taifun innerhalb eines Monats, der die Philippinen traf. Mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 250 km/h zog er über den Osten der Insel Luzon hin. Innert weniger Stunden wurden mindestens 73 Menschen getötet und viele verletzt. 19 Personen werden noch vermisst.

Gegen 400‘000 Menschen wurden in Luzon im Vorfeld des Taifuns evakuiert. Eine Million Menschen war ohne Strom. Der Taifun hatte einen Durchmesser von 500 Kilometern und brachte grosse Mengen Niederschlag. Viele Provinzen und Städte in Zentral- und Nordluzon bis hin zur Hauptstadt Manila wurden arg in Mitleidenschaft gezogen.   

Landwirtschaft und Fischerei stark betroffen

Eine erste Bilanz zeigt das Ausmass der Zerstörung. Insbesondere der Landwirtschaft und der Fischerei wurden schwere Schäden zugefügt. Die Ernte ist vielerorts ganz verloren, auch weil vier aufeinanderfolgende Taifune vorher schon Schäden angerichtet hatten. Rund 11‘350 Haushalte auf den Philippinen sind betroffen, viele davon sind auf Soforthilfe angewiesen.

Der Gesamtschaden des Taifuns für die Landwirtschaft in den Philippinen wird auf 60 Millionen Franken geschätzt. Dazu kommen auch die Schäden für die Fischerei.

Nothilfe für die Menschen in den Projekten der Fastenaktion

Laut den letzten Berichten der Prelature of Infanta und der Partnerorganisationen TCD sind in ihrem Projektgebiet in der Provinz Quezon 720 Haushalte betroffen, die dringend Hilfe brauchen. Davon sind 150 indigene Agtas-Familien, die zu den Ärmsten in der Region gehören. Ihre Gemüsekulturen, einschliesslich Bananen und Kokosnüsse, sind zerstört. 

Im Norden der Prelature of Infanta sind auch Zielgruppen des Basisgemeindeprojekts YAPAK und der Task Force Anti Apeco betroffen. Dort wird im Rahmen des bestehenden Projektbudgets Nothilfe geleistet.

Auch auf den vorgelagerten Inseln Polillo und Bordeos, die zur Prelature gehören, gab es immense Schäden an Gebäuden, Land, Wald und Infrastruktur. Dort werden NASSA (Nationale Caritas Philippinen) und DKA Österreich Nothilfe leisten.

Direkte Zielgruppe dieses FO Nothilfe-Projekts: 720 Haushalte, darunter 150 Agta-Familien, rund 4‘500 Personen in der Provinz Quezon.

Folgende Aktivitäten sind vorgesehen:

  1. Mit Saatgut und Pflanzmaterial werden 350 betroffene Familien unterstützt, damit sie ihre Felder und Gärten wieder anbauen und bepflanzen können.
  2. Baumaterialien wie Nägel, Holz und Plastikblachen werden für 500 Familien für das Reparieren und den Wiederaufbau ihrer Häuser zur Verfügung gestellt.
  3. Disaster Risk Management (DRR): In Workshops wird die Bevölkerung informiert, was sie zur Reduzierung des Katastrophenrisikos zusammen mit den lokalen Behörden unternehmen können. Inhalt dieser Workshops sind Risikoanalysen für die Projektgebiete, Kennenlernen von DRR(Disaster Risk Reduction Tools, Katastrophen-Vorbereitungsmassnahmen und Katastrophenhilfe.

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Die Solidaritätsgruppen oben haben dieses Haus zum Schutz ihrer Reisvorräte vor Überschwemmungen gebaut . Dem Virus haben sie nichts entgegenzusetzen.

Der Hafenstadt Toamasina an der Ostküste Madagaskars bleibt im Moment nichts erspart. Mitte März wurden als Folge des Wirbelsturmes Herold die tiefer gelegenen Quartiere überschwemmt. In vielen Häusern stand das Wasser knietief. Und als das Wasser begann, sich zurückzuziehen, erfuhren die Menschen von der nächsten Bedrohung: eine weltweite, vor der sich sogar die entwickelten Länder fürchten.

Alle Projekte von Fastenaktion sind mit neuen, zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert. Am 24. März berichtete aus der Hafenstadt Toamasina Jean Céléstin Heriniaina, der Verantwortlichen des Projekts mit rund 1500 Solidaritätsgruppen.

Am 17. März trat in Madagaskar der erste Fall von Covid-19 auf. Die Überschwemmungen und jetzt die Epidemie bringen das Leben durcheinander, viele reagieren panisch. Die Bewohnerinnen und Bewohner von Toamasina versuchen sich trotz des plötzlichen Preisanstiegs mit Reis, Gemüse und anderen Dingen des täglichen Bedarfs einzudecken. Bereits ist das Speiseöl 5% teurer geworden, ein Sack Reis, der vorher 90’000 Ariary (23 Franken) kostete, wird jetzt zum doppelten Preis gehandelt. Im Bazary Kely – dem lokalen Markt – und in den Supermärkten war am 21. März alles leer gekauft. Auch die Tankstellen sind «trocken», es gibt weder Benzin noch Heizöl oder Gas.

Aber wie lange sollen unsere Vorräte reichen? Wir können annehmen, dass die Situation die Armut verstärkt. Madagaskar gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, rund 80 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze von rund 2 Dollar/Tag.

Am 22. März rief der Präsident den Notstand auf und verfügte eine 15-tätige Ausgangssperre für die Hauptstadt und Toamasina. In den Strassen von Toamasina spürt man die Panik der Bewohnerinnen und Bewohner, auch wenn bisher noch keine einzige Ansteckung gemeldet wurde.

Fastenaktion plant, seine Partnerorganisationen in den 14 Ländern weiter im gleichen Umfang unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. Es ist in Madagaskar möglich, einen Teil der Beratung der Solidaritätsgruppen über Mobiltelefone zu machen. Die Kredite, welche die Gruppen ohne – oder nur gegen einen kleinen Zinssatz – vergeben, sind auch weiterhin möglich. Da es bisher nur wenig gemeldete Covid-19 Patientinnen und Patienten gibt, besteht die Hoffnung, dass sich das Virus nicht epidemisch ausbreitet – Es würde verheerende Folgen für die arme Bevölkerung haben.

Um diese Arbeit halten und weiterführen zu können, sind wir froh um jede Spende. Hier erfahren Sie mehr zu unserem Madagaskarprogramm.

 

 

Covid-19 als Zeitbombe für das Regime

Der Journalist Stefan Frey lebt in Olten und Diego Suarez im Norden von Madagaskar. Er hat dort die Organisation Mad’éole gegründet, welche Dörfer mit Wind- und anderen erneuerbaren Energien versorgt. Lesen Sie in seinem Artikel vom 5. April, was er als kritischer Beobachter zu Madagaskar und Covid-19 schrieb.

Am 1. April 2020, veröffentlichte die Beobachtungsstelle des öffentlichen Lebens in Madagaskar (Observatoire de la vie publique – SeFaFi), eine kritische Beurteilung des madagassischen Gesundheitswesens und äusserte schwerwiegende Zweifel an dessen Fähigkeiten im Hinblick auf die Bewältigung der Pandemie. Zehn Tage vorher hatte Staatspräsident Andry Rajoelina in einem pompösen Fernsehauftritt offiziell verkündet, dass das Corona-Virus zwischen dem 11. und 22. März mit Flügen aus Europa gelandet sei.

Die Regionen um die Hauptstadt Antananarivo und um die Hafenstadt Toamasina wurden unter Quarantäne gestellt, der Luftraum seit dem 22. März gesperrt, ebenso die Häfen. Dem Präsidenten zufolge zählte das Land am 2. April 59 Covid-19-Fälle. Kein Mensch im Land glaubt es, dafür werden die Ausgabestellen für Lebensmittelpakete von Tausenden gestürmt. Bilder vom Massenandrang verspotten die vom Präsidenten – der sich jetzt jeden zweiten Tag über die per Notstandsmassnahme requirierten Medien ans Volk wendet.

SeFaFi weist in ihrer neusten Verlautbarung auf ein zur Kultur gewordenes Phänomen hin: die Korruption. Auch im Gesundheitssystem seien Machtmissbrauch, Veruntreuung und offene Korruption längst zu einer existentiellen Bedrohung geworden. Die jahrelange Vernachlässigung des Gesundheitssektors habe die Spitäler praktisch ihrer Behandlungsmöglichkeiten beraubt. Neun von zehn Menschen der ländlichen Bevölkerung haben übrigens überhaupt keinen Zugang zum Gesundheitswesen.“

Zu den Projekten der Fastenaktion meint Frey: „Daneben gibt es zahlreiche rein privat organisierte und finanzierte Projekte, aus denen insbesondere jenes der Fastenaktion hervorzuheben ist, das über die Selbsterkennung der Schuldenspirale zur Selbstorganisation von Schuldnergruppen und schliesslich zu deren Befreiung aus den Wucherer-Fesseln führt. Weit über hunderttausend Menschen konnten so eine nachhaltige Perspektive entwickeln.“

Lesen Sie den ganzen Artikel von Stefan Frey zur Situation in Madagaskar auf Infosperber

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